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Full text of "Jahrbuch für geschichte, sprache und literatur Elsass-Lothringens;"

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JAHRBUCH 



i GESCHICHTE, SPRACHE UND LITTERATUR 



ELSASS-LOTHRINGENS 



H ERAUSGEGEBEN 



HISTORISCH-LITTERARISCHEN ZWEIGVEREIN 



VOGESEN-CLUBS. 



I. JAHRGANG. 




STRASSBURG 
1 H EO HEITZ (HEITZ & MÜNDEL). 



JAHRBUCH 



FÜR 



GESCHICHTE, SPRACHE UND LITTERATUR 



ELSASS-LOTHRINGENS 



HERAUSGEGEBEN 



VON DEM 



H ISTORISCH-LITTERARISCHEN ZWEIGVEREIN 



DES 



VOGESEN-CLUBS. 



I. JAHRGANG. 



STRASSBURG 

J. H. ED. HEITZ (HEITZ & MÜNDEL). 

i885. 



THE NEW YORK 

PUBLIC UBRAKY 

178814 

ASTOR, LEWOX AND 
TILOKN FOUNOATJÖN«, 

^ 1906 L 



Strassburg, Dnick von J. II. Ed. Heitz (Heitz und Mündel Nachfolger). 



Inhalt. 

Seile 

I. Als Vorwort, von Th. Reinhart 1 

IL August Stöber, von E. Martin 5 

Anhang I. Epistel an August Stöber, von F. Otte ... 17 

Anhang U. Briefe von L. Uhland an August Stöber. . . 20 

in. Argentovaria-Horburg, von E. A. Herrenschneider . 25 
IV. Die Fenster -Rosetten am Strassburger Münster, von 

A. Schricker 40 

V. Le ch&teau de Hohkoenigsbourg, par E. Hering. . . . 45 

VI. Brand der Herberge zum Spanbet, von A. Schmidt 57 

VII. Ein Vogesengruss 1506, von G. Knod 64 

Vm. Zwei Berichtigungen betreffend Burg Fleckenstein, von 

F. A. Ihme 67 

DL Mundartliches 77 

I. Oberelsässische Dichtungen, von 6. Gay el in . . . 77 

II. Spr^hproben aus dem Münsterthale, von J. Spie s er 78 

III. Aus dem ünterelsass, von J. R a t h g e b e r . . . . 82 

IV. Sagen und Geschichten aus Deutsch-Lothringen, von 

Stengel 87 

X. Poetisches aus dem Elsass, von Ad.Stöber 93 

XI. Kleinere Mitteilungen historischen Inhalts, von E. Martin, 

C. Mündel, G. Wolfram, H. Buchenau . . . 105 
Xn. Bibliographie füi- 1883 und 1884, von C. Mündel . . .111 

Xm. Chronik für 1884 145 

XIV. Statuten und Geschäftsordnung 146 

XV. Sitzungsberichte 148 



I. 



Als Vorwort. 



Wir wandern gern durch grüne Waldeshallen 
Im heimischen Gebirg. — Des Sommers Schwüle, 
Der Staub der Strassen und des Alltags Bürde 
Belästigen hier nicht; die Lungen athmen 
Entzückt die Gabe reiner Gottesluft! — 

Und dass wir wandern können im Gebirg, 
Behaglich schlendern oder munter schreiten. 
Wie jeder mag nach Kräften oder Laune, 
Ihr wisst, wem wir 's verdanken. — Die Vogesen, 
Wo jüngst noch oft ungastlich nur der Schlittweg 
Dem Wandrer Knüppel vor den Fuss gelegt, 
Wo, hier und dort, zur Mittagszeit beim Feuer 
Nur Hauer lagerten, dir Rath zu geben, 
Wohin der Schritt zu richten (wenn der Zufall 
Ein einsam Forsthaus nicht dich finden Hess), — 
Das dunkle Waldgebirg voll ernster Schönheit 



— 2 — 

Und stiller Majestät, heut liegt's erschlossen, 

Ein weiter Park, von Wegen und von Stegen 

Durchzogen überall, mit Ruhebänken 

Aus Holz und Stein und Moos! Und an den Bäumen 

Die Brettlein mit den Pfeilen zeigen freundlich 

Die Richtung dir, dass kein Verirren möglich. 

Zumal wenn, Menschenkind, im Wanderbündel 

Als Vormund mit dir reist der brave — Mündel! — 

Wir wandern gern; doch wandern wir und denken. 
Das ist kein rechter Wandrer, will mir scheinen, 
Der nur, damit Bewegung er sich mache. 
Den Stab ergreift und, wenn er seinen Gehgang, 
Sein Sonntagspensum richtig abgelaufen, 
Am Montag wieder sitzt wie angenagelt 
Und nichts gewann als bessren Appetit 
Nebst schöner Müdigkeit in den Gelenken ! 
Wir wandern gern; doch wandern wir und denken. 

Doch was wir denken, sprecht, was mag es sein? 
Die Schönheit der Natur ist's nicht allein. 
Wohl fühlen wir den Zauber ihrer Macht 
In Berg und Thal, im stillen Waldesrauschen, 
Wenn Quellen sprudeln aus verborgnem Schacht 
Und froh die Vögel Liederstimmen tauschen. 
Wenn von den Höhen unser Auge schweift 
Hinab in's Land, das reiche, sonnenhelle. 
Wo gottgesegnet Korn und Traube reift 
Vom Wasgauhang bis an des Rheines Welle! 
Wir fühlen das und freuen uns der Pracht; 
Doch was wir fühlen, ist noch nicht gedacht. — 






— 3 — 

So kann man auch auf fremdem Boden wandern; 
Denn nicht bei uns nur ist die Erde schön; 
Ja, scbönre Länder gibt es als das unsre. 
Der Stolz der Alpen weit, der Reiz des Südens 
Verdunkeln wohl die Schönheit dieses Gau's. 
Doch keiner soll auf aller Welt uns lieber 
Und trauter heissen, als die Heimath ist. 
Im fremden Lande wandert sich's gemach; 
Nur zur Erfrischung deines müden Wesens 
Magst dort du reisen und ein Schauspiel seh'n, 
Das deinem Geist sich einprägt und noch lange 
Zu Haus in der Erinnerung dich erquickt. 
Wie anders in der Heimath ! L a n d und Leute 
Gehören hier zusammen; selbst die Todten 
Im Schoos der Erde sind die Unsern noch 
Und heischen ihr Gedächtniss. Was die Väter 
Gelebt, gehofft, gestritten und gelitten, 
Der Geist der Alten, unsres Volks Geschichte 
Begleiten uns, wohin den Schritt wir lenken : 
Wir w^andern gerne, weil an sie wir denken! 

seht hinab von unsres Wasgaus Höhen, 
O seht hinab und lasst uns denken lernen, 
Gedenken an die Zeit, die vordem war ! 
Da liegt es uns zu Füssen ausgebreitet. 
Das Heimathland, mit altersgrauen Thürmen 
In Dorf und Stadt; von hundert Gipfeln mahnen, 
Beredt in Trümmern, Burgen fern und nah' : 
«Gedenkt, was durch die Vordem hier geschah! 
«Vergesst den Menschen nicht in der Natur, 
«Sucht, sie durchwandernd, eurer Väter Spur!» — 



— 4 — 

So lasst uns denn zusammen ehrlich suchen, 
Und jeder spende, was er finden mag. 
Das ist der Sinn und Zweck des Zweig Vereins. 
Im Heimathboden soll das junge Reis 
Mit eurer Pflege fest die Wurzeln schlagen 
Und, will es Gott, auch schöne Früchte tragen, 
Sich selbst und euch und unsrem Volk zum Preis! 

Th. Reinhart. 



August Stöber. 

Vortrag, gehalten am 9. November 1 



Ernst Martin. 

xVls wir am 21. März d. J. am Grabe Au^usl Stöbers 
slanden , erinnerte ein Redner, der im Namen der elsäs- 
sischen Freunde ihm den letzten Abschied^uss zurief, an das 
Wort, welches, ein bereits früher Verstorbener oft an Slöber 
gerichtet hatte ; Du bist der letzte Elsässer. Der Letzte, sollte 
das heissen, der mit hingebender Liebe sich dem Studium des 
elsässischen Volkstums und Altertums widmet. Jener Redner 
widersprach, und gewiss mit vollem Recht, einer solchen 
Wahrsagung : gerade Stöbers Beispiet und Lehre habe eine 
Reihe von Nachstrebenden angezogen und herangebildet. 

Aber in einem gewissen Sinne war das angeführte Wort 
allerdings berechtigt. August Stöber ist — soweit wir voraus- 
sebeu können — der letzte, der ganz im Mittelpunkte dieser 
Studien stand, der letzte, um den sich alle Freunde dieser 
Studien mit voller Anerkennung und Verehrung scharten. Dass 
dem so war, ist mir vor allem klar geworden durch den Ein- 
blick in seinen brieflichen Nachlass, welchen seine Verwandten 
mit dem gütigsten Vertrauen mir zugänglich gemacht haben. 



— 6 — 

Diese Briefe, welche Stöber mit treuer Sorgsamkeit bewahrt 
hat, geben den Beweis, dass man von überall her, wo man 
nur irgend für elsässische Studien Sinn hatte, sich an ihn 
wandte. Es sind darunter die gefeiertsten Namen zu finden, 
welche die deutsche Altertumswissenschaft aufzuweisen hat : 
die Brüder Grimm, Uhland u. a., es sind wohl alle einheimischen 
Forscher vertreten, vertreten auch die meisten erst später in 
das Land gekommenen : wer immer auf elsässische Sprache, 
Litteratur und Geschichte sein Augenmerk richtete, wandte 
sich an Aug. Stöber und war seiner teilnehmenden Freundlich- 
keit sicher. 

Es ist mir gelungen auch eine Anzahl der Briefe zur Ein- 
sicht zu erhalten, welche Aug. Stöber selbst an seine Freunde 
und Mitforscher gerichtet hatte. Vor allem wichtig waren mir 
die im Nachlasse Jacob Grimms befmdlichen Briefe; aber auch 
Briefe an Jugendfreunde, an Th. Klein und G. Mühl, waren 
mir erreichbar. 

Auf Grund dieser Quellen glaube ich manche Punkte der 
litterarischen Thätigkeit Aug. Stöbers genauer als bisher 
geschehen ist, feststellen zu können. Sein Leben und Wirken 
ist allerdings schon mehrfach, auch von ihm nahe stehenden 
geschildert worden : ich hebe hervor die Würdigung seiner 
gesammten litterarischen Leistungen durch Dr. Schricker in der 
Gemeindezeitung vom dl. März 1882; den Necrolog, welchen 
Rod. Reuss im Elsässischen Journal vom 29. und 30. März d. J. 
erscheinen Hess, endlich ganz besonders den Lebensumriss, 
den ihm sein ehrwürdiger Bruder, der Gonsistorialpräsident 
Adolf Stöber, im Hebelkalender oder Rheinländischen Haus- 
freund für 1885 gewidmet hat. 

Aug. Stöber hatte selbst eine Autobiographie in AngriflT 
genommen, leider aber nur die Jugendjahre ausgeführt; für 
später fanden sich nur einige kurze Aufzeichnungen vor. Wäre 
er dazu gekommen seine eigne Entwicklung und Wirksamkeit 
vollständig darzustellen, es wäre auch für die Geschichte der 
Dichtung und der Altertumsforschung im Elsass eine vorzüg- 
liche Quelle geworden. 

Indem ich den vorliegenden Anfang der Autobiographie 
mitteile, schicke ich zunächst noch voraus, dass August Stöber 
am 9. Juli 1808 zu Strassburg geboren ist, als Sohn des Notars 
Ehrenfried Stöber, eines trefflichen Vertreters der elsässischen 
Dichtung, wie denn neben August auch sein um 2 Jahre 
jüngerer Bruder Adolf sich als Dichter ausgezeichnet hat. Noch 
weiter geht in der Familie die litterarische Tradition zurück, 
indem ein Grossonkel Ehrenfrieds, Elias Stöber, im Kreise 
Schöpflins als Sprach- und Geschichtsforscher thätig gewesen ist. 



— 7 — 

Jene Aufzeichnungen lauten : 

«Olim meminisse 

Es wird mir vielleicht einmal der Vorwurf gemacht werden, 
dass ich zu viel und vielerlei geschrieben habe. Der erste Theil 
dieses Vorwurfs mag richtig sein; weniger der zweite. 

Wenn ich meinen geistigen Bildungsgang verfolge, so finde 
ich in ihm eine Kette, deren Glieder natürlich in einander 
gefügt sind und beinahe noth wendig bedingt und auf einander 
stets weiter gepasst sind. 

Strassburg. 

Durch meinen Vafer und meine ersten Lehrer, später im 
prot. Gymnasium und hier durch gleichstrebende Genossen 
angeregt, war mir Poesie, vor allem die deutsche, bekannt und 
beliebt. Als Secundaner schon, hatten wir uns zu einer jede 
Woche handschriftlich erscheinenden Zeitschrift zusammen- 
gethan, die eigene Erzeugnisse oder Uebersetzungen, in Poesie 
und Prosa lieferte, nebst Kritiken über dieselben, die manch- 
mal scharf ausfielen und in Federkriege ausarteten, die unser 
tleissiger und geduldiger Sekretarius (Karl Becker, gestorben 
als Direktor der Armenanstalt im Neuhof) stets treulich 
wieder gab. 

In der Prima mussten wir, als Uebungen, lateinische, 
französische und deutsche Verse machen. Die Preisaufgabe im 
letzten Jahre meiner Gymnasialzeit war «die Ernte»; es sollte 
beschreibend und didaktisch sein. Ich war so glücklich den 
dafür bestimmten Preis aus den Händen des damaligen Rektors 
der Akademie, Herrn Cottard, zu empfangen. 

Zu Ende der zwanziger Jahre hatten mehrere Studiosen 
der Theologie Wohnung und Kost bei meinen Eltern im Hause 
czum Drescher», alter Weinmarkt Nr. 76 (jetzt Nr. 9) genom- 
men. Auf Vorschlag meines sei. Vaters wurden jeden Sonntag 
beim Nachtische Räthsel, Cbaraden und dergl. zum Besten 
gegeben, und zwar aus eigener Fabrik ; anfangs nur von Ein- 
zelnen, zuletzt von sämmtlichen Tafelgenossen, worunter meine 
liebe Mutter, mein Bruder Adolf und ich — noch Schüler des 
Gymnasiums — inbegriffen waren. Sämmtliche in Versen abge- 
fassten Gaben wurden in ein «Räthsel- und Gharadenverein » 
betiteltes Buch eingetragen. 

Die ersten Gedichte, die unserm Vater einigermassen taug- 
lich vorkamen, wurden in Dannbach's Anzeigeblatt, später im 
Freiburger Unterhaltungsblatt, der Abendzeitung von Theod. 
Hell und dem Morgenblatt abgedruckt. 

Besuche von deutschen Dichtern waren : Voss, Hang, Hebel, 
Tieck, die unser Fortstreben auf der betretenen Bahn nicht 



~ 8 — 

wenig anfeuerten. Später wurden G. Schwab und L. Uhland 
unsere teilnehmenden Gönner. 

Als politische Grössen erinnere ich mich an Benjamin 
Gonstant, General Foy, Odilon Barrot, Goulmann u. a. Beim 
Tode des Generals Foy veranstaltete ich , mit Bewilligung 
unserer Professoren des Gymnasiums, eine Subscription zum 
Besten der Kinder des berühmten Vertheidigers der Freiheil 
und Gesetzmässigkeit. Die nicht unbeträchtliche Summe die 
dafür eingegangen, wurde dem liberalen Deputirten Friedrich 
von Türkheim eingehändigt, dessen belobendes Dankschreiben 
ich noch gewissenhaft aufbewahrt habe. 

Noch als Gymnasiasten, und dafür von unsern unpoetischen 
Commilitonen nicht übel gehänselt, von manchem unserer Lehrer 
getadelt und von andern massig aufgemuntert, hatten wir 1825, 
bei J. H. Heitz, Gedichte drucken lassen unter dem Titel : 
Alsatisches Vergissmeinnicht ; 46 Seiten Taschenformat i. Die 
Beitragenden hatten sämmtlich Pseudonymen angenommen. 9 

Soweit die eigenen Aufzeichnungen August Stöbers. Wie 
er darin den Einfluss seines Vaters dankbar hervorhebt, so hat 
er auch nach dessen Tode 1835 seiner Pietät Ausdruck gegeben : 
in seinen Elsässischen Neujahrsblättern für 1846 erschien die 
von dem Freunde Zetter, der unter dem Namen Friedrich Otte 
schrieb, verfasste Biographie Ehrenfrieds ; noch 1872 veröffent- 
lichte Aug. Stöber ein nachgelassenes, erst später aufgefundenes 
Drama seines Vaters «Fedor Polsky». 

Ebenso ist er den politischen Gresinnungen des Vaters treu 
geblieben. Die Julirevolution, die er als Student erlebte, erfüllte 
auch ihn mit hohen Hoffnungen; er trat mit seinem Bruder 
und mit ihrem damaligen Lehrer Ed. Beuss in die Nationalgarde 
ein, da man einen Angriff der heiligen Allianz auf das Bürger- 
königtum erwartete. Später hat er wenigstens htterarisch in diesem 
Sinne gekämpft : gegen die kirchliche Beaction, indem er 1843 
die berühmten Vorlesungen von Michelet und Quinet über die 
Jesuiten ins Deutsche übertrug ; für eine freisinnige, aber gesetz- 
mässige Staatsordnung, indem er 1848 unter dem vom Vater 
ererbten Verstecknamen Gradaus als Volksschriftsteller thätig war. 

Seine Studien, die er 1828 begann und 1834 mit der 
Verteidigung einer These über Geiler von Kaysersberg abschloss, 
bezogen sich nach Beendigung der damals üblichen philosophisch- 
historischen Vorbereitung auf die Theologie. Schon im Jahre 1833 
hatte er eine Stelle als Hauslehrer bei einer verwandten Familie 



1 Ein kleiner Vorrath ist in der genannten Buchhandlung noch 
vorhanden. 



— 9 ^ 

in Oberbronn angenommen und gelegentlich sowohl in dieser 
Pfarrei als in dem benachbarten Rothbach gepredigt. 

Eine feste, aber freilich sehr arbeitsvolle Anstellung erhielt 
er im Mai 1838 als Oberlehrer an der Mädchenschule in Buchs- 
weiler. Noch jetzt kann man dort mit dankbarer Anerkennung 
von seinem liebenswürdigen Wirken als Lehrer erzählen hören. 
Für seine Schülerinnen dichtete er 4840 zur Gutenbergfeier ein 
Gesprach, welches auch in Druck erschien. Selbstverständlich 
übte die schöne Landschaft, von wo aus in die Vogesen und 
nach Lothringen sich leicht Ausflüge machen Hessen, und der 
Reichtum jener Gegend an sagenhaften und geschichtlichen 
Erinnerungen ihren Einfluss auf Stöber. 

Doch nahm er im September 4841 eine Berufung nach 
Mülhausen an, wo er am College auf seinen Wunsch die Lei- 
tung der 6. Classe, nach deutschem System der Quarta, erhielt. 
Wohl mochte zu dem bisherigen lieblichen, romantischen Auf- 
enthalt das industriereiche Mülhausen, die m Kattunstadt i), wie 
Baseler Freunde sie scherzweise benannten, einen starken 
Gegensatz bilden, der dem Dichter und Altertumsforscher nicht 
günstig erscheinen konnte. Aber der neue Wohnort ward ihm 
vor allem erfreulich durch das Zusammensein mit Verwandten 
und Freunden. Seine beiden Brüder waren hier mit ihm ver- 
einigt, der eine als Pfarrer, der andere als Direktor des Hospi- 
tals; seine Schwester verheiratete sich hier an den Zeichner 
Braun. Und die Mutter lebte hier bis zu ihrem Tode 4846 mit 
den Kindern zusammen. 

August Stöber blieb unverheiratet. Wie Jacob Grimm, der 
selbst einmal diesen Vergleich gezogen hat, fand er einen Ersatz 
für das eigene Familienleben in der Teilnahme an dem seiner 
Geschwister. Er erlebte die Freude im Hause seines Bruders 
Adolf zu den Kindern auch Enkel heranwachsen zu sehen ; in 
anmutiger Weise hat er für sie Bilderbücher mit eigens gedich- 
teten Verschen zusammen gestellt. 

Herzlich nahm er sich auch seiner Schüler an, die in ihm 
einen väterlichen Freund verehrten. In ihnen suchte er den 
Sinn für das heimische W^esen zu erwecken und verfolgte ihre 
weiteren Schritte auf dieser Bahn mit inniger Teilnahme. 

So begreifen wir die Anhänglichkeit, mit welcher er an 
seinem Wirkungskreise hing. Als 4852 von Basel aus Schritte 
gethan wurden um ihn für die dortige Realschule zu gewinnen, 
liess er sich auch durch weit vorteilhaftere Bedingungen nicht 
bestimmen aus dem Elsass zu scheiden. In einem Freundes- 
briefe ruft er mit Berufung auf Schillers Wort : An's Vater- 
land an's theure schliess dich an... «Alea jacta sit, ich kann 
mein Banner nicht verlassen.» 



— 40 — 

Und doch war es eine mühevolle Thätigkeit, in der er 
ausharrte. Er schreibt einmal von ¥) wöchentlichen Stunden, 
teils im Schul- teils im Privatunterricht: so erwarb er sich 
die Mittel zu seinen Studien. Um ihnen freier obliegen zu 
können, lehnte er ein Vorrücken in der Classenleitung ab. 
Nur die deutschen Stunden übernahm er auch für die oberen 
Classen. 

Freiere Müsse erhielt er erst, als er im Dezember 1871 
als Lehrer in den Ruhestand trat. Er behielt die Stelle als 
Stadtbibliothekar bei, zuletzt freilich nur als Ehrenamt. Er blieb 
ebenso Vorsitzender der Museumscommission , welche eine 
wesentlich von ihm angeregte, freilich durch die reiche Bei- 
steuer der Industriellen Gesellschaft zu Mülhausen glänzend 
geförderte Sammlung Von Altertums- und Kunstgegenständen 
zu verwalten hatte. Er hatte die Freude, diese reichen Schätze 
in dem würdigen Bau des Mülhauser Museums wohlgeordnet 
und allgemein zugänglich und benutzbar zu sehen. 

Eine Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen 
erhielt er zum 70. Geburtstag, indem ihn die Strassburger 
philosophische Fakultät zum Ehrendoctor ernannte. Bereits 1864 
hatte er vom Minister Duruy die Palmen des officier d*acad6niie 
erhalten. 

Die allgemeine Achtung und Verehrung, die er sich bei 
Stadt- und Landgenossen erworben, zeigte sich denn auch, als 
ihn der Tod am 19. März v. J. hinweg raffte. Wohl hatten 
die Beschwerden des Alters sich ihm schon länger fühlbar 
gemacht, ihm aber die geistige Frische un verkümmert gelassen. 
In früherer Zeit ein rüstiger Fusswanderer, sah er sich zuletzt 
darauf angewiesen an Luftcurorten Erholung zu suchen. Beson- 
ders gern besuchte er die Drei-Aehren bei Colmar; er hat in 
einem Gedichtcyclus, der 1873 erschien, die Eindrücke dieses 
Aufenthaltes besungen. 

An dem schönen Lande, das er von dort oben überschaute, 
hing sein ganzes Herz. In einer poetischen Epistel an seinen 
Freund Ölte, die im Samstagsblatt 1864, S. 131 abgedruckt ist, 
spricht er den Wunsch aus, wie der ewig junge Chidher zur 
Wanderschaft auf die Erde zurückzukehren : auch er werde 
immer wieder desselbigen Weges fahren, immer wieder die 
alte schöne Heimat aufsuchen. 

Freilich, wenn er sich mit weitgereisten Freunden ver- 
glich, so konnte er wohl gelegentlich bedauern die Welt nicht 
ebenso kennen gelernt zu haben. Immerhin hat er ausser dem 
Elsass, das er gründlich durchstreift hatte, auch die Nachbar- 
länder aufgesucht. In Paris ist er 1853 auf kürzere Zeit gewesen. 
Mehrere Male war er in der Schweiz, wo zunächst in Basel 



— 11 — 

Wilhelm Wackemagel und andere Professoren der Universität 
ihm befreundet waren, wo er aber auch in St-Gallen und 
sonst nahe Beziehungen hatte. Jenseits des Rheins war es nicht 
nur das benachbarte ßadenweiler, das er öfter aufsuchte, auch 
in Freiburg, Karlsruhe, Pforzheim hatte er Freunde, am letzte- 
ren Orte auch Verwandte von der Mutter her. Nürnberg hat er 
1856 als Mitglied des Gelehrtenausschusses für das Germanische 
Museum besucht. 

Ganz besonders bedeutsam aber für seine ganze litterarische 
Entwickelung war eine Rheinreise 1846, die ihn in Frankfurt 
auf der Germanistenversammlung mit Jacob Grimm persön- 
lich zusammen führte. Wir können diese Zeit als den Wende- 
punkt ansehen, der zwischen einer früheren poetischen Zeit 
und einer spateren historisch-philologischen scheidet. Nur dass 
die eine Neigung sich auch schon früher angekündigt hatte, 
die andere noch gelegentlich zurückkehrte. 

Von den ersten dichterischen Anregungen und Versuchen 
hat uns der Dichter selbst im Beginn seiner Autobiographie 
erzahlt. Wie die erste anonyme Sammlung die Gedichte August 
Stöbers mit denen seines Bruders Adolf vereinigte, so traten 
sie auch zusammen mit ihren Namen hervor und veröffentlichten 
1836: «Alsabilder, Vaterländische Sagen und Geschichten». In 
diesem kleinen Buche überwiegt der Anteil Augusts : handelt 
es sich doch um Verwertung der Sagenstudien, die er später 
noch in streng wissenschaftlicher Form ausprägen sollte. 

1842 erschienen dann die Gedichte August Stöbers für 
sich, in 2. Aullage 1867. Es sind ausser den erzählenden 
Gedichten Stimmungsbilder, wie sie der nahe Verkehr mit der 
Natur im Dichtergemüt hervorruft; es sind sinnige Betrach- 
tungen, durch die wechselnden Geschicke des Lebens veranlasst ; 
es sind Gelegenheitsgedichte, zum Teil scherzhafter Art, zu 
denen namentlich Festlichkeiten froher Gesellschaften den Anlass 
darboten. Vielleicht das Schönste, was dem Dichter gelungen 
ist, bieten die Weinblütphantasien auf Hohkönigsburg vom 
Jahr 1844. In der hellen Sommermondnacht steigt der Dichter 
zu den verfallenen Trümmern der alten herrlichen Burg hinauf ; 
ferne Waldhornklänge stimmen die Seele zu träumerischen 
Ahnungen, und in den sonst so öden Hallen thut sich die ganze 
wunderbare Zauberwelt auf: Zwerge, die den unermesslichen 
Keller des Schlosses besorgen, Genien all der Weine, die das 
Elsass so reich und so feurig hervorbringt, lockende Mädchen- 
gestalten, die den Dichter umgaukeln. Zuletzt wird die ganze 
Natur ringsum lebendig : Säule und Epheuranke, der Wald und 
die Sterne droben, alles klingt und singt und springt. Da blickt 
der Frühschein von oben herein und still liegt wieder die Welt 



— 12 — 

vor dem Dichter, der im Herzen die herrlichen Gesichte fest- 
haltend, mit Jubelruf weiter zieht. 

Schalkhafter Humor mischt sich schon hier in die dichte- 
rische Extase; er war ein wesentlicher Bestandteil von Stöbers 
Dichtergabe. Für diese Neigung bot sich ihm ein besonders 
glücklicher Stoff in der Dialectpoesie. Wie diese im Elsass noch 
vor dem Ende des vorigen Jahrhunderts versucht ward, wie sie 
dann zu Anfang des unsrigen im Anschluss an Hebel, aber mit 
selbständiger, insbesondere mit dramatischer, Gestaltung von 
Arnold und E. Stöber ausgebildet wurde, ist hier nicht weiter 
auszuführen. August Stöber hat zuerst im heimatlichen Strass- 
bui^er Dialect gedichtet, später jedoch die Sundgauer, die 
Mülhauser Mundart bevorzugt. In dieser sind namentlich zwei 
kleine Dramen geschrieben, welche mit überzeugender Lebens- 
treue, das eine die Sundgauer Bauern, das andere die alten 
Mülhauser Bürgerfamilien schildern, jenes : E Firobe im a Sung- 
gauer Wirthshüs, 1865, dieses: D'Gschichte vom millhüser un 
basler Sprichwort D*r Fürsteberger vergesse, 1882. Ist letzteres 
durch Illustrationen der Anschauung noch näher gebracht, so 
hat ersteres die musikalische Gomposition für sich, mit welcher 
es öfters, und wie wir den Berichterstattern gern glauben, stets 
mit grossem Beifall aufgeführt worden ist. In ähnlicher Weise 
hat Aug. Stöber auch die Mischung von Hochdeutsch und 
Dialect zu drastischer Wirkung gebraucht, in den Klagen eines 
armen Teufels mit Accompagnement der Mülhauser Strassen- 
sänger 1864 (Gedichte, 2. Aufl. S. 74). Die Fragen an das 
Schicksal, welche der Unglückliche stellt, werden durch die 
bekannten Strassenrufe mit unbarmherzigem Hohn beantwortet . 

Doch nicht in Versen allein spricht sich Dichtergabe und 
Dichterdrang aus. Auch als Erzähler hat Aug. Stöber seiner 
Phantasie Spielraum gegeben, auch auf diesem Wege künst- 
lerische Wirkungen erzielt. Er sammelte 1873 seine kleinen 
prosaischen Schriften unter dem Titel: «Erzählungen, Märchen, 
Humoresken, Phantasiebilder und kleinere Volksgeschichten». 
Die freie Erfindung herrscht in den früheren vor ; sie lehnt 
sich vielfach an die Romantik an, wie sie durch Fouque, 
Ghamisso, Amadeus Hoffmann ausgebildet worden war. Aher 
indem die Erzählungen auf elsässischem Boden oder im benach- 
barten Baden spielen, indem sie offenbar hier und da persön- 
liche Verhältnisse und Erlebnisse zu Grunde legen, erhalten sie 
volle Eigentümlichkeit und Bedeutsamkeit für den künftigen 
elsässischen Litterat urfreund. Da ist z. B. ein Traum im Reiger- 
wald bei Buchsweiler, der die zopfige Herrlichkeit des ehema- 
ligen hessen-darmstädtischen Fürstenhöfchens heraufbeschwört ; 
da ist, wohl die älteste Erzählung, die von den drei Küssen, 



— 13 — 

in der Erwinia 1838 erschienen, ein Bild Strassburgs in den 
zwanziger und dreissiger Jahren und seiner damaligen Gast- 
lichkeit für die deutschen Flüchtlinge, welche namentlich die 
Teilnahme der Jugend an der Burschenschaft über die Grenze 
führte. Ich nenne endlich noch die 1848 erschienene Humoreske 
c Immer kleinen», deren phantastische Ironie nicht ahnen lässt, 
^'as Stöber an einen Freund schrieb : «es ist ein wenig eine 
Satyre auf mich selbst, da ich in der Poesie seit einiger Zeit 
den Krebsgang gehei». 

Dieser letzteren Stimmung nachgebend, beschränkt sich 
Aug. Stöber später mehr und mehr auf die Wiedergabe alter 
guter Geschichten, die er ebenso wie Hebel im Schatzkästlein 
echt volksmässig nachzuerzählen und neuzugestalten versteht. 
Ich erinnere nur an die vielbenutzte Erzählung : Martin Kulm 
von Mülhausen und der Rappen wirt von Thann, von denen 
der erstere eine Esslust und ein Essvermögen entfaltet, wie nur 
Gargantua sie gehabt haben mag. 

Indem wir hier als Quellen Stöbers Geiler, Pauli u. a. 
Volksschriftsteller aus dem 16. Jahrhundert zu nennen haben, 
kommen wir auf seine Thätigkeit als Forscher, als Altertums- 
freund. Auch in dieser Beziehung haben wir ihn als Elsässer 
zu bezeichnen ; seine Lieblinge sind die elsässische Sage, die 
elsässische Litteratur, die elsässische Volksüberlieferung jeder 
Art. Aber dass er sich auch ganz genau mit dem Stande der 
deutschen Forschung vertraut gemacht hat, zeigt u. a. eines 
der von ihm für die Zwecke der Schule ausgearbeiteten Bücher, 
seine Geschichte der schönen Litteratur der Deutschen, ein 
Abriss, den er 1843 veröffentlichte und der mit Recht als 
Lehrmittel viel Beifall gefunden hat. 

Aug. Stöbers elsässische Forschung lehnt sich grossenteils 
an die allgemeine germanische Jacob Grimms an. Die deutschen 
Sagen der Brüder Grimm, 1816 erschienen, haben wie in ganz 
Deutschland, so auch hier im Elsass die tiefste Wirkung gehabt. 
Nur dass man hier zuerst wie auch anderwärts, namentlich in 
der schwäbischen Dichterschule, der Sage durch die poetische 
Einkleidung noch einen besonderen Reiz zu geben suchte. Die 
Erstlinge Aug. Stöbers auf diesem Gebiete der Poesie sind 
bereits angefühil worden; mit den besten Sagendichtungen 
seiner Freunde vereinigte er die seinigen unter dem Titel « Ober- 
rheinisches Sagenbuch» 1842. Erst später, 1852, und J. Grimm 
zugeeignet, erschienen in Prosa die Sagen des Elsasses mit 
Angabe der Quellen, denen sie getreu nacherzählt waren. 
Stöber hatte zugleich verwandte Sagen zur Vergleichung heran- 
gezogen und zur Deutung verwendet. Dies Buch ist zur Fund- 
grube geworden, die man vielfach ausgebeutet hat, und welche 



— 14 — 

gewiss jeder auf diesem Gebiete thätige kennen muss. Aller- 
dings gegen eine hier und anderwärts hervortretende Neigung 
elsassische Namen aus dem Keltischen abzuleiten, eine Neigung, 
welche besonders Mone geweckt und genährt hatte, ist schon 
von Uhland in einem Briefe an Stöber ein wohlbegründeter 
Einspruch erhoben worden (s. Anhang II, 3). Dagegen erkannte 
Stöber sehr wohl einen in Deutschland damals weitverbreiteten 
Irrtum, dass man hinter jeder Sage eine mythische Persönlich- 
keit suchte. «Wie man früher Sagen erfand», schreibt er an 
einen Freund, «so erfindet man jetzt Erklärungen dazu, die 
geVdss auf keinem anderen Grunde beruhn, als auf zufalligen 
AehnHchkeiten.» 

Gleichzeitig mit jener ersten poetischen Sammlung der 
Sagen, 1842, hatte Stöber sein Elsässisches Volksbüchlein er- 
scheinen lassen, eine Zusammenstellung der poetischen Formeln, 
die im Volke, vor allem in der Kinderwelt fortleben. Eine 
2. Auflage erschien 1859, stark vermehrt. Jetzt konnte die 
Sammlung zugleich als eine Vertretung aller Mundarten des 
Elsass, einschliesslich der romanischen patois bezeichnet werden. 
Und um diese Seite der Sammlung noch mehr hervortreten zu 
lassen, war eine grammatische Uebersicht der Mundarten und 
ein Wörterbuch in Aussicht gestellt, wofür sich die Vorarbeiten 
im Nachlasse des Verfassers erhalten haben; Proben aus einem 
elsässischen Idioticon waren schon 1846 erschienen. 

Neben der elsässischen Volkslitteratur zog auch die schrift- 
lich überlieferte, die Litteratur im strengeren Sinne, das Inte- 
resse des Forschers auf sich. Und zwar knüpfte er hier in 
philologischer Weise an einzelne Punkte vorzugsweise an, welche 
dann tiefeindringend untersucht wurden. Ein Lieblingsautor 
Stöbers war Geiler. Hatte ihm doch schon die erste Publication, 
die These von 1834 gegolten. Stöber beabsichtigte eine Ausgabe 
der vorzüglichsten Schriften Geilers zu veranstalten. Leider ist 
er nicht dazu gekommen. Doch hat er wenigstens eine für den 
Volksaberglauben jener Zeit besonders wichtige Predigtsammlung, 
die Emeis, welche uns freilich nur in der Nachschrift durch 
Pauli überkommen ist, auszüglich bearbeitet, 1856. Und aus 
dem Glossar zu Geiler, welches Stöber angelegt hatte, konnte 
er für Grimms Wörterbuch wertvolle Beiträge spenden. Ueber 
einen elsässischen Dichter des 16. Jahrhunderts, Jörg Wickram 
von Colmar, liess er 1866 eine Monographie erscheinen ; über 
einen Gelehrten aus dieser Zeit: J6röme Gömus^us de Mul- 
house 1881. 

Auch die Litteraturgeschichte des vorigen Jahrhunderts hat 
Stöber mehrfach durch wichtige Aufschlüsse bereichert. Insbeson- 
dere war auf Goethes Aufenthalt in Strassburg und seine damaligen 



— 15 — 

Freunde, insbesondere Lenz, sein Augenmerk gerichtet. 1842 
erschien sein Buch : Der Dichter Lenz und Friederike von 
Sesenheim. Zum ersten Mal waren hier aus elsässischen Quellen, 
2, T. aus dem Nachlass von Friederike selbst, zuverlässige Nach- 
richten über jenes von Goethe so herrlich geschilderte Idyll seiner 
Jugendliebe und über das tragische Geschick seines Neben- 
buhlers gegeben. Ich freue mich sagen zu dürfen, dass Stöber 
unbeirrt festhielt an dem edlen Charakter des unglücklichen 
Mädchens, und dass er noch fast 40 Jahre später unsere 
Bemühungen unterstützte, den Hügel, der zu Goethes Zeit 
Friederikenruhe hiess, wieder der Erinnerung an sie zu weihen» 
Aus den teils auf der Stadtbibliotbek, teils im Besitz elsässischer 
Familien beßndlichen Papieren veröffentlichte er weitere Docu- 
mente über jene Strassburger Freunde Goethes in den Schriften : 
Der Acluar Saltzmann, Goethes Freund und Tischgenosse, 1855, 
und Job. Gottfried Rüderer, 1874, beides Abdrücke aus der Alsatia 
1853, 54, 74; zu letzterer kam noch ein Nachtrag, Colmar 1874. 

Noch ein anderer Kreis beschäftigte Stöbers Forschung mit 
Vorliebe, der des blinden Dichters Pfeffel. Stöber hatte dazu 
einen besonderen Beruf, indem er Pfeffels Patenkind war. So 
trug er nicht nur zum Pfeffelalbum bei, welches sein Freund 
Klein 1859 zusammen stellte ; er gab im gleichen Jahre auch 
Pfeffels «Epistel an die Nachwelt» mit einem reichen Commentar 
heraus und schilderte 1878 «Gottlieb Konrad Pfeffels Verdienste 
um Erziehung, Schule, und andere gemeinnützige Werke». 
Auch über den Bruder des Dichters, Christian Friedrich Pfeffel, 
der als Diplomat in bairischen Diensten gestanden hatte, ver- 
fasste er eine Monographie, Colmar 1859. 

Zur elsässischen Litteraturgeschichte gehört auch die Petite 
revue d'ex-libris alsaciens, Mulhouse 1881 ; femer mehrere 
ßiographien seiner Freunde und Mitarbeiter, unter denen die 
über J. G. Stoffel, 1881, durch herzliche Anerkennung dieses 
ebenso gediegenen als bescheidenen Forschers auch für Stöbers 
Wesen wahrhaft bezeichnend ist. 

Mit den litterargeschichthchen und philologischen Studien 
verband Stöber die historischen. Hier wendete sich seine For- 
schung auch den ältesten Zeugnissen zu, die der auch in diesem 
Betracht so reiche Boden des Elsasses durch die Jahrhunderte 
hindurch bewahrt hat. Als Ergebnis solcher Untersuchungen 
erschien : Der Hünerhubel, ein gallisches Hügelgrab bei Rixheim 
und Der Weiler Ell, das gallo-römische Hellelus, 1859. Gern 
knüpfte Stöber seine historischen Untersuchungen an einzelne 
Oertlichkeiten und Landschaften, deren Geschicke durch den 
Wechsel der Zeiten verfolgt werden, so : Die ehemalige Graf- 
schaft Pfirt 1848; Der Kochersberg, ein landschaftliches Bild 



— 16 — 

aus dem Unter-Elsass 1857; Das vordere Ulthal und das ehe- 
malige Schloss von Brunnstadt 1861 ; Das ehemalige Städtchen 
Wattweiler im Oher-Elsass 1873. Dem späteren Wohnort Mül- 
hausen sind gewidmet : Die bürgerlichen Aufstände in Mülhausen 
am Ende des 16. Jahrhunderts 1874, und der Klapperstein in 
Mülhausen 1876, wozu noch mehrere französisch geschriebene 
Aufsätze kommen. 

Die allgemeine Culturgeschichte des Elsasses betreifen : 
Aus alten Zeiten. Allerlei über Land und Leute im Elsass, 
1872 ; Allerlei Merkwürdiges über verschiedene Tage und Feste 
des Jahreskreises 1876 mit besonderer Rücksicht auf das Elsass, 
zusammengestellt von Meister Frank ; sowie Curiosit^s de voyages 
en Alsace, 1874. 

Ausserdem ist noch auf zahlreiche Artikel in Zeitschriften 
hinzuweisen ; abgesehen von bereits genannten sind hier beson- 
ders anzuführen : Die deutschen Mundarten von Frommann, und 
von elsässischen : Die Revue d' Alsace, das elsässische Samstags- 
blatt, 1856-1867, als dessen Redacteur Stöbers Freund Otte 
sich nannte, später die Gemeindezeitung für Elsass-Lothringen, 
und das Bulletin du Mus^e historique de Mulhouse, 1877 fgg. 

Doch vor allem beanspruchten seine Thätigkeit die Zeit- 
schriften, die er selbst mit grosser Uneigennützigkeit, mit uner- 
müdlichen Fleiss, und auch durch Misserfolge nicht entmutigt, 
herausgab : Erwinia, 1838-39, Die elsässischen Neujahrsblätter, 
1843-48 und endlich die Alsatia, 1850-76, 11 Bände. Einen 
zwölften und letzten Band bildet die Neue Alsatia, für 1885 
erschienen. Sie sollte, am 19. April d. J., zum 50jährigen 
Schriftstellerjubiläum Aug. Stöbers erscheinen ; der Tod ver- 
hinderte die Ausführung dieses Planes. Neben diesem Bande 
steht eine französisch geschriebene Arbeit : Recherches sur le 
droit d*asile de Mulhouse au XVP si^le, auch dies eine Jubi- 
läumsgabe. Beide Bücher enthalten am Schluss eine Uebersicht 
über Stöbers Schriften. 

Während nun die Erwinia die Poesie bevorzugte und selbst 
die Neujahrsblätter ihr noch vollen Raum gönnten, ist die 
Alsatia nur für wissenschaftliche Arbeiten bestimmt gewesen. 
Ja, aus einem Brief an J. Grimm ersehe ich, dass Stöber gern 
noch strenger in seinen Anforderungen gewesen wäre und all- 
mählich seine Leser auch an schwere Gelehrsamkeit gewöhnt 
hätte. In diesem Sinne beurteilte er auch die Schriften, welche 
in so reicher Fülle nach dem Kriege über das Elsass erschienen ; 
Recensionen, welche er dann unter dem Titel Alsatica 1873, 
74, 75 gesammelt hat. 

Im persönlichen Verkehr war Aug. Stöber eine durchaus 
milde liebenswürdige Natur. Gern betrieb er seine Forschungen 



— 17 — 

in Verbindung mit Gleichstrebenden ; um 1840 wollte er einen 
Sagenverein gründen ; später in Mülhausen vereinigte er unter 
dem Namen Concordia eine kleine Gesellschaft, zu deren Ehren- 
mitgliedern auch Uhland und J. Grimm gehörten. Die Protokolle 
dieser Gesellschaft sind noch vorhanden und zeigen die schönste 
Verbindung ernster Studien mit heiterer Geselligkeit. 

Wie seine Freunde, unter denen viele ihn auch als Lehrer 
in Poesie und Wissenschaft ansehn durften, sein geistiges Bild 
vor Augen hatten, davon möge die folgende poetische Epistel 
von Friedrich Otte zeugen, die unter Stöbers Nachlass sich 
fand, und bisher ungedruckt, es gewiss verdient veröffentlicht 
zu werden. 



Anhang I. 
Epistel an Angust Stöber. 



Juni 1867. 



Zu Oberbronn im Försterhaus, 
Wo du, mein Alter, oft gesessen, 
Schau ich in^s weite Land hinaus, 
In's Land, das nie du wirst vergessen, 
Da dir's seit dreissigjähr'ger Frist 
Wie keines an's Herz gewuchsen ist. 

Das Nest da drunten ist mir lieb. 
War's nicht hierher, wohin vor Jahren 
Ich dir mein erstes Brieflein schrieb, 
Damit du, in der Kunst erfahren 
Der edeln Reimerei, mit Rath 
und That mir hilfreich seist ? Ich bat 
Vergebens nicht. — Du hast erschlossen. 
Da er gestrauchelt auf dem Pfad, 
Das Heiligthum dem Sanggenossen. 
Das wird er jederzeit bekennen 
Und gern dich seinen Meister nennen. 

Wenn ich nun so durch's Oertlein geh 
Und rings die braunen Giebel seh. 
Die Zeugen längst entschwundner Tage, 
Geschieht es wohl, dass ich mich frage : 
«Wo mag in diesem Lustrevier 
Der Freund dereinst genistet haben?» 
Die Häuser musternd, dort und hier, 



— 18 — 

Die längs dem Berg und die am Graben. 
Mach ich vor einem kleinen Halt 
Und denke, < dies ist's wohl gewesen ; 
Denn einen schönem Aufenthalt 
Kann sich ein Dichter nicht erlesen.» 

Als einen Insf gen Luginsland 
Seh^ ich den Giebel auf die Auen, 
Die weitgestreckten, reichen, schauen, 
Und nach den Wäldern, hinter denen 
Sich fern des Schwarzwalds Berge dehnen. 
Gleich violettem Felsenband. 
Der stille, grüne Friedhof drüben 
Kann mir das heitre Bild nicht trüben. 
Ein Garten und ein Wiesenplan 
Zieht hinten sich den Berg hinan, 
In Blüten ganz und gar vergraben : 
Wie mochte da dein Herz sich laben, 
Und unterm Schirme grüner Reben 
Hofaudienz den Träumen geben ! 

Dein denk' ich, wenn bei schwüler Hitz 
Ich guten Muths im Wirthshaus sitz, 
's gibt deren viel zu Oberbronn! 
Zum Beispiel: in der «goldnen Sonn>, 
Die jeden wärmt, der Geld im Sack hat 
Und der, was übrigens selbstverständlich, 
An unverwälschtem Wein Geschmack hat; 
Oder im «Hirschen» wo die Sohlen 
Sich gerne neue Spannkraft holen 
Zu Harrassprüngen ; oder endlich 
In den «Zwei Schlüsseln», die beim Donner 

Die besten Schätze mir erschliessen 

Kennst du den rothen Oberbronner? 

Vor Allen hab ich den erkiesen. 

Das Wässerlein, das früh ich trank. 

Mir fortzuspülen aus der Kehle 

Und mir, der ich jetzt kaum noch krank, 

Das Herz zu jungen und die Seele. 

Dies Alles liegt mir jetzt zu Füssen ! — 
Vom Försterhause, wie gesagt, 
Send' ich, nebst meinen besten Grüssen, 
Dir dieses Blatt. Wenn dir's behagt 
Und liebliche Erinnerungen 
An eine Zeit, die halb verklungen, 
In deiner Seele, Freund, erwecket, 
So ist erreicht, was ich bezwecket. 
So ist mein schlichter Sang gelungen! 



— 49 — 

standest da mir jetzt zar Seiten! 
In abendlichem Glaste breiten 
Die Wälder sich, die Wiesen ans 
Bis dicht hinaaf an^s Försterhaas : 
Die Berge stehn in sanftem Dämmer, 
Der nahen Esse wacht'ge Hämmer 
Verhallen nach and nach; den Segen 
Raft still ein Glöcklein über^s Land, 
Und air, air andres Leben schwand. 

Schwand? — Nimmermehr! — 's ist ja die Stande 
Wo aas zei*fairnem Maaergrande 
Die Sage tritt, das reiche Leben 
VerschoUner Zeit dem Blick entrollend. 
Ha, wie sie aas dem Staab sich heben, 
Die alten Bargen! Ha, wie grollend 
Sie am Granit der Berge kleben : 
Winstein, Arnsberg and Wasenstein! 
Die Zinne strahlt im Morgenschein; 
Hell glänzt Yon der gethürmten Warte, 
Dem Gast zam Grasse, die Standarte ; 
Der Zwerg lehnt aaf der Hallebarte, 
Starrt träamerisch in's Land hinein. 
Aaf dem Altane schlägt ein Sänger 
Die Harfe, ans in süssen Bildern 
Das bante Leben abzaschildern ! — 
Wie lieblich schallt sein Lied in's Blaae! 
Und 8ieh\ and siehe da, je länger 
Ich ihm in's lichte Antlitz schaae. 
Je mehr erkenn ich liebe Züge! 
Freand, wenn ich mich nicht völlig trüge, 

So sind^s die Deinen 

Wieder Nacht! 
Das Irrlicht hüpft, im Bergesschacht 
Hör ich des Kobolds Hammerschläge. 
Gespensterthiere schleichen träge 
Den Wald entlang . . . Sie sind vorbei ! . . . 
Doch dranten aas der Wäscherei 
Schallt, gleich vielstimmigem Geisterchor, 
Bald mit Gezisch, dann wieder hohl. 
Ein seltsam Raaschen mir in's Ohr 
Und wirrt, dem ünkenraf vermählt, 
Mir den noch erst so offnen Sinn! 
— Ist das die todte Wäscherin, 
Von der da ans so schön erzählt? 

Mir graselt's, Alter, — Lebe wohl! F. 0. 



— 20 — 
Anhang II. 

Briefe von Lndwig ühland an Angnst Stöber. 

1. 

Tübingen, den 20. August 1852. 
Verehrtester Freund ! 

In diesen Tagen erhielt ich die Schlusslieferung Ihres 
elsassischen Sagenbuchs und es ist mir dies eine ernstliche 
Mahnung, mit dem aufrichtigsten Danke für die schönen Ge- 
schenke, die Sie mir mit diesem Werke, sowie mit den drei 
Jahrgängen der Alsatia, gemacht haben, nicht länger im Ver- 
zuge zu bleiben. Muss es dem Dichter frei stehen, Stoffe, die 
er der Vergangenheit entnimmt, seinen Gedanken anzubilden, 
so hat doch nicht minder die alte UeberUeferung ihr gutes 
Recht, rein und echt aufgefasst zu werden, denn auch in ihr 
liegt eine eigenthümliche Poesie, der angestammte Hausschatz 
eines ganzen Volkes. 

Was in dieser Richtung Ihre und Ihres Bruders gemein- 
schaftliche Mittheilungen früher nur zerstreut oder in An- 
merkungen vorgearbeitet hatten, das empfangen wir jetzt in 
voller Spende und mir besonders gereicht dies zu erfreulichem 
Gewinn, da ich schon längerher mit Sagenforschung im Ge- 
biete der deutschen, namentlich auch der schwäbischen, Vor- 
zeit beschäftigt bin. Als ich vor sechs Jahren im Elsass umher- 
stieg und bei Ihnen Beiden so freundliche Aufnahme fand, 
war wohl auch die Volkssage und das poetische Alterthum jener 
Gegend mein Augenmerk, aber bei der Kürze meines Aufent- 
halts blieb manche Frage unerledigt. Lassen Sie mich jetzt, 
durch Ihre neueste Gabe angeregt, Einiges dieser Art zur 
Sprache bringen. S. 196 ist die Stelle : «ein mächtiges Felsen- 
thor, der Wasgenstein genannt, von dem die alten Deutschen 
Heldenlieder häuüg sprechen », für mich von Belang ; leider 
aber findet sich die französische Bearbeitung der Alsatia illu- 
strata, worauf Bezug genommen wird, auf unseren Bibliotheken 
nicht vor und so kann ich nicht sicher ersehen, ob der Name 
Wasgenstein wirklich für jene bestimmte Oertlichkeit volks- 
üblich ist oder urkundlich vorkommt, oder ob er nur nach der 
den Heldenliedern entnommenen Vermuthung auf jenes Fels- 
thor bezogen wird. Gibt es davon irgendwo eine veranschau- 
lichende Zeichnung? S. 117 gedenken Sie des Kirchleins im 



— 24 — 

Dusenbach, das ich damals auch besucht habe^ und der Be- 
ziehung desselben zu den elsässischen Spielleuten, wovon schon 
früher in den Alsabildern gehandelt war ; über das phantastische 
Pfeiferkönigthum der Rappoltsteiner ist wohl seit Scheidt's 
Dissertation nichts Urkundliches weiter erschienen? 

Auf der Bibliothek zu Colmar zeigte mir Herr Hugot ein 
kleines Bruchstück der handschriftlichen Satzungen dortiger 
Singgesellschaft von 1549 ; dasselbe schien mir belehrend für 
die Geschichte der Singschulen, aber es war keine Zeit, davon 
sorgfaltige Abschrift zu nehmen, ist dieses Bruchstück wohl 
irgendwo abgedruckt i ? 

Der wichtigste Gegenstand weiterer Nachforschung wäre 
jedoch die einst dem Kloster Murbach angehörige Hand- 
schrift deutscher Lieder aus der Karolingischen Zeit. Im 
Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde 
von Pertz Bd. 7, S. 1018 wird aus einem zu Genf 
befindlichen Verzeichniss der Bibliothek des Klosters Murbach 
sec. IX angeführt : De carminibus theodisce. Vol. 1 und dabei 
bemerkt: es wäre sehr wohl möglich, dass der Band mit den 
deutschen Gesängen, Karls des Grossen barbara et antiquissima 
carmina, noch jetzt nicht untergegangen, sondern unter den 
Handschriften des Klosters Murbach, welche bis auf die franzö- 
sische Revolution sorgfältig aufbewahrt wurden (auch der Ga- 
talog bei Montfaucon Bibl. bibl. p. 1176 nennt prolixum Carmen 
heroicum anonymum) und sich jetzt bekanntlich auf der Biblio- 
thek zu Colmar befinden, wieder aufgefunden werden könnte? 

Auch Jac. Grimm hat in der Sitzung der Berliner Aca- 
demie vom 3. April 1845 an diese Liederhandschrift gemahnt : 
«Mit dem Elsass fiel im westfälischen frieden an Frankreich 
die abtei Murbach, wahrscheinlich aufbewahrerin eines codex 
der von Carl dem Grossen gesammelten deutschen lieder 



1 Vgl. die Ordnung der Meistersängerschnle zu Colmar, hrsgb. 
von X. Mossmann, Alsatia 1873 S. 97-109. Die Colmarer Tabulatur 
soll nach einer jetzt der Hof- und Staatsbibliothek zu München ge- 
hörigen Handschrift in einem späteren Bande unseres Jahrbuchs 
herausgegeben werden. Die berühmte Colmarer Handschr. der Meister- 
lieder, welche Bartsch, Stuttgart 1862, Lit. Verein LXVHI, auszugs- 
weise herausgegeben hat, hat zu der Sage Anlass gegeben, dass in 
Colmar, aus Murbach stammend, eine Handschr. der Heldenlieder- 
sammlung Karls des Grossen vorhanden wäre, eine Sage, welcher 
Jacob Grimm auch in Briefen an Prof. Bergmann gedenkt : Anz. für 
deutsches Alterthum XXIX (1885), S. 92 ff. In eben dieser Zeitschrift 
werden auch die Briefe der Brüder Grimm an A. Stöber abgedruckt 
werden. E. M. 



— 22 — 

(Pertz archiv 7, 1018 f., vgl. über eine davon verschiedene, 
wo nicht dieselbe handschrift in Reichenau meine vorrede zu 
den latein. gedichten des X. XI Jahrb. S. VII) ; dort mag er 
unbeachtet und unaufgesucht gelegen haben bis zur franzö- 
sischen revolution, er soll nach Zerstörung des klosters endlich 
in Colmar abhanden gekommen, unbestimmtem gerücht zufolge 
aber dort noch versteckt sein.x» 

Dass derselbe sich noch auf der Colmarer Bibliothek be- 
finde, ist gewiss nicht anzunehmen, dort könnte er der Sorg- 
falt des Herrn Hugot, dessen zuvorkommender Gefälligkeit auch 
ich mich zu erfreuen hatte, nicht entgangen sein. 

Aber im Privatbesitz zu Colmar wird ein solcher Mur- 
bacher Codex, wie ich höre, noch jetzt geglaubt. 

Welch unschätzbarer Fund wäre das, wenn es den An- 
strengungen elsässischen Forscher gelänge, die uralten carmina 
theodisca der Vergessenheit und Verschleuderung zu entreissen ! 

Entschuldigen Sie diese umständlichen Anfragen und from- 
men Wünsche, die nur so zu nehmen sind, dass Sie gelegent- 
lich einmal über Eines oder das Andere, wovon Sie nähere 
Kunde haben, mir kurze Nachricht gefallig zugehen lassen 
möchten. 

Ihnen, sowie Ihrem theuem Bruder und Ihrem Freunde 

Zetter, die herzlichsten Grüsse 

Ihres treuergebenen 

L. Uhland. 

2. 

Tübingen, den 17. Februar 1856. 
Verehrter Freund ! 

Ihr gütiges Schreiben gibt mir die willkommene Bürg- 
schaft, dass ich mich Ihrer dauernden freundschaftlichen Ge- 
sinnung erfreuen darf, so sehr ich auch mit dem schriftlichen 
Ausdruck meines aufrichtigen Dankes für Ihre werthvollen Ge- 
schenke, die Sagen des Elsasses und die Alsatia, im Rück- 
stand geblieben bin. Immer ist es mein Wunsch, Freunden, 
deren literarische Leistungen mir zur Ermunterung und För- 
derung gereichen, auch von meiner Seite irgend eine wett- 
eifernde Arbeit aus gleichen oder verwandten Gebieten dar- 
bringen zu können, aber Verschiedenes, was ich dem Ab- 
schluss näher glaubte, ist durch Störungen und Unterbrechungen 
mancher Art hinausgeschoben worden. 

Die gastliche Einladung, durch die Sie mir einen Ehren- 
silz in Ihrem deutschliterarischen Freundeskreis einräumen, 



— 23 — 

verpflichtet micli zu neuem gefühltestem Dank. Leider geht 
von meinem Wohnort aus noch keine Schienenhahn, die auch 
in grossere Ferne zu raschem Besuch führen könnte, es hleiben 
mir nur die Gedanken, mit denen ich am Abend des 20. Fe- 
bruar mich in Ihre festHche Mitte versetzen werde, um Ihnen, 
Ihrem theueren Bruder und allen geehrten Theilnehmern meinen 
herzlichsten Gruss und Glückwunsch zuzurufen. 

In alter Freundschaft und Hochachtung 

Der Ihrige 

L. Uhland. 

3. 

Tübingen, 22. September 1857. 

Verehrtester Freund ! 

Sie haben mich durch gütige Zusendung Ihres Büchleins 
über den Kochersberg sehr erfreut. 

Nun sind mir erst die Kochersberger bei Fischart deutlich 
und lebendig geworden. Alte Gebräuche, auch Liederanklänge, 
treten recht merkwürdig her-vor, das blau Storkenlied, worüber 
ich in Pfeiffers Germania 4,335 auch Einiges beigebracht habe, 
wäre wohl einer vollständigen Aufzeichnung des Textes werth. 
Nur mit Einem, den keltischen Deutungen der Ortsnamen nach 
Mones Theorie, kann ich mich nicht befreunden. 

Indem ich für dieses werthe Geschenk, sowie für die 
früher überschickten Volksaberglauben, herzlich danke, werden 
Sie zugleich mit einer Bitte behelligt. Eine sagengeschichtliche 
Untersuchung über Walther und Hildegund führte mich darauf 
die Oertlichkeit des Wasgensteins genauer zu erforschen. Ur- 
kundliche Zeugnisse, wie besonders Mone sie hervorgehoben 
hat, treffen mir mit dem im Sommer dieses Jahres an Ort und 
Stelle genommenen Augenschein dahin zusammen, dass der 
jetzt sogenannte Wasenstein, früher Wasichenstein, bei Ober- 
steinbach die gesuchte Kampfstätte sei. Dagegen weist J. Grimm 
auf den Framont und mit dieser Ansicht scheint die Ihrige 
(Sagen des Eis. S. 196 und Als. 1852, S. 72) der Hauptsache 
nach übereinzustimmen, indem Sie den Framont, von dem mir 
sonst nur, aus Schöpflin, der deutsche Name Frankenstein 
bekanntgeworden ist, zugleich als Was gen stein bezeichnen. 
Sie nehmen dabei Bezug auf die französische Uebersetzung 
(wohl die von Ravenöz) der Alsat. illustr. (1,35.) Unsere Bi- 
bliotheken besitzen nur das lateinische Original des Schöpflin- 
schen Werkes, das vielleicht durch den Uebersetzer Zusätze 



— 24 — 

und Erläuterungen erhalten hat. Ist nun von ihm die urkund- 
liche oder volksübliche Benennung des Framont als Was gen- 
stein nachgewiesen, so würden Sie mich zu bestem Danke 
verbinden, wenn Sie für meine Rechnung eine Abschrift der 
betreffenden Stellen des französischen Buchs nehmen lassen 
und mir demnächst übermitteln wollten, wie mir überhaupt 
jede gefallige Mittheilung in Bezug auf diesen Gegenstand er- 
wünscht sein wiixi. Mit Bedauern las ich erst nach meiner 
neulichen Zurückkunft von Stuttgart in der Zeitung, dass Ihr 
Bruder, wohl erst unter den spater Eingetroffenen, beim Kirchen- 
tage dort anwesend war. Ihm und Ihrem Freunde Zelter bitte 
ich meine angelegenen Grüsse zu sagen. 

In Freundschaft und Hochachtung 
Der Ihrige 

L. Uhland. 



III. 



Argentovaria-Horburg 



von 



E. A. Herrenschneider 

in Horburg. 

Uie « Gallier bauen ihre Wohnungen, zum Schutze gegen 
die brennende Hitze, meistens in der Nähe von Wäldern und 
Flössen.» So schreibt Juhus Cäsar in seinen «Denkwürdig- 
keiten des Gallischen Krieges» VI, 30, in welchen er uns die 
erste Kunde von den alten Kelten bringt. Zu Gallien gehörte 
auch unser Elsass. Im Ober-Elsass besiegte der römische Feld- 
herr den Suevenkönig Ariovist, 58 Jahre vor Christo, und drang 
bis zum Rheinstrom vor. Unter die 800 Städte Galliens, welche 
Cäsar eroberte, sind auch Argentovar und Argentorat 
zu zalilen. Aus dem letzteren wurde Strassburg, aus dem 
ersteren Colmar und Horburg. 

Das Dorf Horburg, mit etwas über 1000 Seelen, ist am 
rechten Illufer auf der Strasse von Colmar nach Breisach 
Relegen. Die letzten Häuser Colmars stossen so zu sagen an 
die ersten Horburgs, welches als Vorstadt von Colmar gilt. 
Eine hoch und malerisch gelegene, im Jahre 1775 erbaute 
Brücke führt über die sich hier vereinigenden Flüsse Thur und 
III, dann geht die hoch aufgeschüttete Strasse unter einem 



— 26 — 

wahren Triumphbogen riesiger italienischer Pappeln über die 
«alte 111 D, eine tiefgelegene Wiese, die Bannscheide zwischen 
Stadt und Dorf. 

Im Jahr 1850 zog ich als neu ernannter Pfarrer auf dieser 
Strasse in Horburg ein. In Ermangelung eines Pfandhauses — 
im dreissigj ährigen Krieg war dasselbe zerstört worden — bezog 
ich ein grosses Bauerngehöfte, welches die Ecke der Mittel- und 
Hintergasse bildet und heute der Wittwe Weniger gehört. 
Ueber dem Eingangsthor desselben befindet sich, auf hohem 
Schwibbogen eingegraben, die Jahreszahl 1598 und ein «Stunden- 
glas j) als Hofzeichen. 

Herr Philipp Obrecht, mein freundlicher Miethsherr, führte 
mich in mein neues Heim ein und machte mich auf die Merk- 
würdigkeiten desselben aufmerksam. «Dieser Hofi», betonte er, 
«hat früher zum Grafenschloss gehört, das alte Grebäude links, 
mit den altmodischen Hohlziegeln, ist der fürstliche Tauben- 
schlag gewesen. Rechts vom Eingang befinden sich Wohnhaus 
und Keller; als letzterer ausgegraben wurde, kam man auf 
eine drei Meter dicke römische Mauer. Diese rührt vom alten 
Argentovaria her. Der Rebgarten, «Schlossreben» genannt, liegt 
sehr hoch und besteht meist aus Schutt von den früheren 
Mauern.» 

Zum Beleg, dass hier die römische Stadt gestanden, gab 
mir Herr Obrecht eine Federzeichnung, auf welcher der Apollo- 
altar dargestellt ist, der hier gefunden wurde. 

Diese wenigen Andeutungen erregten mein lebhaftes Interesse, 
und meine Wissbegierde verlangte Befriedigung. Gern hätte ich 
mich davon versichert, dass hier wirklich römische Ruinen im 
Boden verborgen liegen. Ich fing an zu suchen und nachzu- 
graben. Anfangs waren es Stücke von römischen Randziegeln, 
von Amphoren, auch kleine sechseckige Backsteine, die ich fand. 
Einen namhaften Erfolg erzielte ich erst im Jahr 1853. Unter 
einem Schuppen arbeitete ich seit längerer Zeit, meine Musse- 
stunden zu Ausgrabungen benutzend. Da stiess eines Tages der 
Pickel auf einen Stein von ungewöhnlicher Grösse und Gestalt; 
derselbe war obenauf glattgehauen, aber auf der unteren, auf- 
liegenden Seite lief ein Einschnitt am Rande hin. Der Stein 
lag auf der drei Meter dicken Mauer und ich hatte zugleich 
die römische Ruine und ein Bas-Relief entdeckt. Letzteres 
ist mit der Bezeichnung : «Don de M. le pasteur Herrenschneider» 
im Museum zu Colmar aufgestellt ; der «Catalog» sagt : «Römer, 
der eine Tunica mit Aermeln trägt und den Zipfel seines Ober- 
kleides in der linken Hand hält. Höhe 1,75 m, Breite 0,57 m.» 

Die südliche Seite des römischen Castrums war somit aufge- 
funden. Eine andere römische Mauer, welche ich fast gleichzeitig 



— 27 — 

in den c Schlossreben » entdeckte, musste die östliche Seite dieses 
Castrums bilden. Zwei Jahre darauf fand sich auch die dritte, 
westliche Seite desselben. Es wurden nämlich im ehemaligen 
Hirtz'schen Hause durch den jetzigen Eigentumer Birckel 
Reparaturen vorgenommen ; kaum einen Schuh tief unter 
dem Eingangsthor fand man drei Bas-Reliefs und eine ver- 
stümmelte Statue des Merkur. Auch sie lagen auf der römischen 
Mauer. Weitere Erkundigungen haben ergeben, dass die nörd- 
liche Seite der römischen Umfassungsmauer grossenteils in den 
zwanziger Jahren herausgebrochen worden ist. 

Vollständig war ich über Lage und Umfang des römischen 
Castrums zur Gewissheit gelangt, als wir im Jahr 1855 in 
unser eigenes, im Geländ ((Lustgarten:» erbautes, neues Haus 
einzogen. Beim Abschied vom alten Gehöfte warf ich noch 
einen Blick auf den «c fürstlichen Taubenschlage» und auf das 
« Hofzeichen j» ; das Stundenglas wurde mir zum Mahnzeichen 
zu weiteren Nachforschungen. 

Dass ausser römischen Ruinen auch Mauern vom alten 
Grafenschloss in Horburg stehn, lehrt ein Blick in die Schloss- 
reben und den Schlossgraben, sowie die tief gelegenen Höfe 
Würtz, Obrecht und Zivy. Die Gestaltung aber dieses Schlosses 
lernte ich erst später kennen und zwar aus einem Holzschnitt, 
auf dem nur die Worte stehn « ARGENTVARIVM », den mir 
ein Herr Ingold mitteilte, um sich über denselben durch mich 
Orientiren zu lassen. 

Im Jahr 1869, wurde die in der Mittelgasse gelegene 
«Urthlach» überbaut, und der « Urthelstein 3» vermauert. Bis 
auf eine Tiefe von zwei Meter fanden sich im Boden Gerippe 
und auch ein steinerner Sarg. Dabei lag eine römische Münze, 
welche ich nebst drei früher in den «Schlossreben» gefundenen 
römischen Münzen der «Gesellschaft» schenkte. Alle vier Münzen 
sind von Constantin und von Constantius. Mein Bericht über 
diese Funde steht im « Bulletin j), H" s., t. VHI, 1*' liv., 
p. 32, 33. 

Eine Gelegenheit die gemachten Entdeckungen auch weiteren 
Kreisen mitzuteilen, bot sich mir am Anfang des laufenden 
Jahres. Die «Gesellschaft für Erhaltung der historischen Denk- 
mäler]», deren Sitz Strassburg ist, hatte nämlich beschlossen, ein 
Sub-Gomit6 in Colmar zu bilden. Zu diesem Zweck wurde eine 
Sitzung am 1. Februar 1884 abgehalten. Gemäss einer freund- 
lichen Einladung des Herrn Fleischhauer las ich der Versamm- 
lung einen Bericht über das Ergebnis meiner bisherigen Nach- 
forschung vor. Nebenbei erbot ich mich, die früher bereits 
aufgefundenen römischen Ruinen aufzudecken und somit den 
Beweis zu liefern, dass das alte vielbestrittene Argentovaria 



"H 



— 28 — 

heute noch in Horburg zu finden sei. Bericht und Anerbieten 
fanden ungeteilten Anklang und die zum Ausgraben nötige 
Summe wurde in Aussicht gestellt. Sofort begab ich mich an's 
Werk und noch vor Ende desselben Monats konnte ich das 
Sub-Comit6 einladen die blossgelegten Ruinen zu besichtigen. 
Damit war nun eigentlich mein Versprechen eingelöst ; allein 
das Sub-Gomite ersuchte mich, meine so glücklich begonnenen 
Ausgrabungen fortzusetzen, um ein vollkommeneres Bild von 
der Römerveste zu erlangen. Von jetzt an stellte sich mir der 
verdienstvolle Architekt der historischen Denkmäler, Herr 
Winkler, zur Seite, und leistet mir derselbe seither zu den 
planmässig getriebenen Ausgrabungen in ausgezeichneter W'eise 
seinen technischen Beistand. 

Einer. Beschreibung unserer Funde schicken wir voraus, 
dass drei Seiten des römischen Gästrums, die Süd-, W^est- und 
Nord-Seite, grossenteils in der Weise überbaut sind, dass 
Bauerngehöfle auf der Umfassungsmauer stehn und nach aussen 
zu von Gassen begrenzt sind ; gegen Süden von der Hinter- 
gasse, gegen Westen vom Schlupfgässchen und der Berggasse, 
gegen Norden von der kleineren Vordergasse. Die vierte, öst- 
liche Seite des Gastrums und ein Teil der nördlichen liegen 
in den Schlossreben. Somit bilden die auf den Aussenmauern 
des Gastrums stehenden Gehöfte eine Gruppe für sich ; sie 
sind der Hauptbestandteil des alten Horburg. Mitten durch 
diesen Häusercomplex hindurch zieht die Mittelgasse, in welcher 
die neuen Schulhäuser stehn. Diese Mittelgasse führte einst 
mitten durcb's römische Gastrum. Etwa 0,80 m tief unter 
ihrer jetzigen Oberfläche läuft noch die gepflasterte Strasse, 
welche damals die porta principalis dextra, mit der porta prin- 
cipalis sinistra verband. Das Gastrum ist seinen Umfassungs- 
mauern nach, die aus unzerstörbarem Mörtel gebildet sind, 
noch heute vorhanden und bildet ein rechtwinkliges 
Viereck von 176 m Länge und 166 m Breite. Die Fun- 
damen treste sind, je nach ihrer Tiefe, mehr oder weniger breit 
und entsprechen vollkommen dem Decempedo. 

In der Mitte der südlichen Seite des Gastrums, an dem 
Punkt, wo die Mittelgasse in die Hintergasse führt, befindet 
sich der noch zum Teil sehr gut erhaltene Thorbau der 
porta principalis dextra. Dieser Thorbau, ein viereckiger Turm, 
hat eine Breite von 12 m und eine Tiefe von 9 — 10 m; die 
Passagenbreite misst 3,05 m. Diese Passage war mit drei 
Thoren versehen. Nach aussen zu war zuerst ein Fallgitter, 
erkennbar am gut erhaltenen Sockeleinschnitt, coulisse ; unge- 
fähr in der Mitte der Passage kam ein zweites Thor, erkennbar 
an der noch vorhandenen Schüssel, in welcher die Thürangel 



— 30 — 

sich bewegte ; endlich kam das innerste Thor, bei dem sich ein 
Stein befunden hat, auf welchem man die durch's Thor beim 
Oeffnen und Schliessen eingegrabenen Furchen sieht. Zwischen 
diesem inneren Thor und dem Fallgitter lag das Propugna- 
c u 1 u m , in welchem der vordringende Feind vom obern 
Stockwerk des Thorbaues aus mit Pfeilen beschossen und ver- 
nichtet werden konnte. Die ganze Thorpassage ist von einem 
Plattenbelag gebildet, welcher noch vollständig erhalten ist. Der 
Thorbau selbst aber ruht auf mächtigen, 40 cm dicken Qua- 
dern, von denen wir ein Stück als Andenken an unsere Ent- 
deckung herausgehoben haben. 

Der rechte Sockel, von aussen her genommen, ist wie eben 
gesagt, noch teilweise vorhanden. Er besteht aus dem Eckstein, 
sodann aus einem weicheren Stein mit Einschnitt, Falz, und 
endlich einem dritten Stein ; die andern Sockelsteine fehlen, 
allein die untere Schichte, aus mächtigen Quadern bestehend, 
ist noch vorhanden ; auf einem derselben ruhte die Angel des 
mittleren Thores. Die Oberfläche der drei Sockelsteine befindet 
sich kaum 30 cm unter dem Niveau der Strasse ; die Sockel- 
steine sind 50 cm dick; dies gibt 0,80 m für die ehemalige 
Oberfläche unter der jetzigen. Auf der linken Seite vom Ein- 
gang her sind die Sockelsteine des Thorbaues schon früher 
herausgebrochen worden, was leicht an der Gestaltung der noch 
vorhandenen Mauersteine erkennbar ist. Auf dieser Seite 
lagen auf den Quadern des Fundaments zwei Hausteine, die 
aus dem Obergesims, corniche, herausgefallen, seit der Zer- 
störung des Castrums hier mussten liegen bleiben, um durch 
ihre unverkennbar klassische Profilirung dies Bauwerk zu einem 
römischen zu stempeln; an denselben sind auch Klammerloch 
und Schwalbenschwanz zu sehn. 

Auf der Westseite des Castrums befinden sich gleichfalls 
noch die Ueberreste eines Thorbauesj welcher jedoch eine 
grössere Breite misst , und vermutlich eine Doppel passage 
besass. Es liegt noch daneben im Boden — wir haben ihn 
wieder zugedeckt — ein grosser Sockelstein von gleicher Gestal- 
tung und ebenfalls aus Rufacher Sandstein, wie diejenigen des 
beschriebenen Süd-Thores. Hier war die porta decumana, 
während auf der Ostseite des Castrums, in der Richtung gegen 
den Feind hin, sich die porta praetoria befinden musste. Der 
Zugang zu letzterem Thor ist uns bis jetzt nicht gestattet. Das 
nördliche Thor endlich soll bereits in den zwanziger Jahren 
ausgebrochen worden sein, wenigstens sind unsere Ausgrabungen 
nach demselben erfolglos geblieben. Doch befindet sich unmittel- 
bar vor dem Platz, auf dem das Thor stand, ein römisches 
Pflaster, von welchem wir einen schöngeformten unten zuge- 



— 31 — 

spitzten Pflasterstein aufbewahren. Die Römer gebrauchten auch 
vielfach Wacken aus dem Illbett zum Pflastern. 

Auf den vier Ecken des Castrums standen runde Türme 
von je 6 m. Durchmesser; drei davon sind aufgefunden, ihre 
Fundamente stecken noch im Boden. Der vierte, nord -östliche 
Turm ist wahrscheinlich verschwunden, indem das fürstliche 
Schloss darauf gebaut wurde ; unsere Nachgrabungen nach 
demselben in Herrn Ziv^f's « Schlossreben d sind bisher erfolglos 
geblieben. In der Mitte, je zwischen den Ecktürmen und dem 
Thorbau, befinden sich die Fundamente von halbrunden 
Thürmen, die 3 m Radius haben, wie die Ecktürme. Die 
Rückseite der Mitteltürme springt etwa 1 m über die innere 
Fluchtlinie der Einfassungsmauern hervor, was auf eine abwerf- 
bare Brücke hinzudeuten scheint, von welcher aus man mittelst 
einer im Innern des Turms angebrachten Stiege auf denselben 
gelangte. Von den acht Mitteltürmen fallen zwei, mit sammt 
dem Eckturm, den sie flankirten und von dem bereits die 
Rede war, in das spätere Grafenschloss. Ueber die Beschaflen- 
heit des Festungsgrabens lässt sich bis jetzt noch kein 
bestimmtes Urteil abgeben, indem wir blos an der Süd- West- 
Ecke ein Stück Mauer gefunden haben, welches 3 m vom 
Castrum entfernt ist. Auf der Süd-Seite ist jedoch dieser Graben 
noch leicht erkennbar an den tief liegenden Gehöften. 

Das ganze, von den römischen Circumvallationsmauern 
umfangene Terrain ist 1 — 3 m höher gelegen als das Feld und 
besteht aus hergebrachter, schwarzer Erde, vermischt und ab- 
wechselnd mit Schuttlagen, römischen Randziegeln und Mauer- 
steinen. In den zur früheren Pfarrwohnung gehörenden Schloss- 
reben, wo unsere Ausgrabungen anfingen, laufen die Süd- und 
Ost-Seite des Castrums zusammen (der Eckturm befindet sich 
etviras ausserhalb im Garten Kännel). Hier gab es reiche Aus- 
beute und lange Zeit die meisten Funde. Drei Meter tief im 
Boden sind hier Mauerreste und ganz enorme, teilweis gehauene 
Fundamentsteine. Im Garten Ittel Matthias, der an die Mittel- 
gasse stösst und mitten im Castrum gelegen ist, wurde das 
Fundament eines Hauptgebäudes entdeckt, Prätorium 
oder Quästorium. Die meterdicken Mauern sind aus regel- 
rechten Steinschichten gebildet und 3 m tief im Boden. Der 
Sockel ist 1,70 m, der höchste Stein 0,85 m tief unter der 
Oberfläche. An der Aussenseite dieses Gebäudes sind Spuren 
eines Putzes vorhanden, der von römischem Cement aus Ziegel- 
mehl gebildet und hart wie Stein ist ; die Länge beträgt 
13,60 m, die Breite 9,30. 

Bei diesem römischen Bau haben wir bereits drei Sarko- 
phage gefunden, von denen der letzte, aus gelben Sandstein- 



— ab- 
platten gebildete, der merkwürdigste ist. Während die beiden 
andern mit Erde und Gerippen angefüllt waren, enthielt dieser 
blos das Gerippe eines älteren Mannes und keine Erde. Dabei 
befanden sich Reste von feinem Golddraht — vermutlich von 
einer Kleidung herrührend, die verschwunden ist. Dass auch 
dieses Steingrab wie die zwei andern schon früher geöffnet 
wurde, erhellt aus der Lage der Knochen ; das linke Bein stand 
in die Hohe und berührte den Deckel. Die in's Grosse hier ))etrie- 
benen Ausgrabungen haben zur Entdeckung des Friedhofs und 
der Fundamente der alten Kirche geführt, welche ein heid- 
nischer Tempel gewesen sein soll und im Jahr 1593 abgebrochen 
wurde, um durch die jetzige «gegen dem Wirtshaus über auf 
die Aecker erbaute Kirche» ersetzt zu werden. 

Seit dieses geschrieben, ist sind noch zu verzeichnen : 

2. Dec. : 4*°*' Sarcophag. 3 Stufen : alte Kirche. 

5. D 5ter^ ß'«»", 7'or Sarcophag. 

6. )) Säulenstück und Kapital, römisch, dorischer Ord- 

nung. 
9. Ji) Goldener Ring mit Granat. — 40 Fr. geschätzt. 
10. » Büchschen von Gold mit Wohlgerüchen : 68 Fr. 

geschätzt; wiegt 30 Gramm. 
13. » 8^ö'* Sarcophag. 2 Meter lang, Seiten von Einem 

Stein, — Deckel von zwei Platten — schön. 
15. » 9'«^ Sarcophag. Geöffnet am 16. Dec. : nur 

bronzener Ring, wenig Erde und Holzfasern. 
Seiten wand 1,62 Meter lang mit Inschrift : 

D. M. 
PRITTILLIVS RA 
NVONIS NAT 
ALIS LVTON 
IS D . S . DONA 
VIT. 
Kapital einer dorischen Säule in Vogesen-Sand- 
stein : Höhe 0,70 Met., Durchmesser 0,62 Met. 

EGIM\ 

18. » lO'ß' Sarcophag. Goffre, aus einem Stück, weisser 

Stein. 

19. u. 20. Dec. : Noch 4 Sarcophage, zusammen vierzehn. 
23. Dec. : Spuren der Eingangsstiege in's Quästorium. 

Durch das AufQnden der Fundamente von Gebäuden fangt 
nun auch das Innere des Gastrums an für uns eine Gestalt 
zu gewinnen, nachdem bereits früher der ganze Umfang des- 
selben ermittelt worden war. Ausser den Mauerresten sind 
zahlreiche bewegliche Funde römischen Ursprungs zu verzeichnen. 



— 33 — 

Diese Funde, obgleich meistens in Stücken, sind jedoch nicht 
zu unterschätzen und der Altertumsforscher weiss dieselben zu 
verwerten. Wir geben hier nur die bedeutenderen an : 

i) Eine grosse Menge Randziegel- Stücke, worunter ein 
halbes Dutzend gestempelt sind und die Buchstaben tragen 
TE C I MR (Etcimr, Tecimr), ET C I MR, TE G I NR ; viele kleine 
sechseckige, zellenarlige Backsteine, welche zu einem Pflaster 
in inneren Räumen dienten, sectilia pavimenta; auch sehr 
grosse viereckige Backsteine. 

2) Unzählige Scherben in schwarzem und gelbem Ton, von 
den grössten Amphoren herab bis zu den kleinsten Geschirren ; 
die rote terra samia sigillata ist durch Stücke mit allen mög- 
lichen Figuren von Tieren und Menschen vertreten, auch trägt- 
ein Boden den Namen MELAVSVS • FEG*, ein anderer SVR- 
DONIS • OF-, Surdonis officina. 

3) Glasstücke der verschiedensten Art, sämmtlich in Regen- 
bogenfarben spielend, iris6. 

4) Bronzestücke, von denen das eine über drei Pfund wiegt, 
vielleicht die Röhre einer Wasserleitung, deren grösster Teil 
in der Feuerglut in kleinere Stücke zerschmolzen ist; dabei 
eine Menge erstickter Kohlen ; ein kleiner bronzener mit Patina 
überdeckter Ring. 

5) Eine keltische bronzene und eine eiserne Fibula, Huf- 
eisen, Klingen, Nägel etc. (13. Dec. eine zweite kupferne 
Fibula.) 

6) Zwei Haut-relief-Stücke, das eine einen Unterkörper 
mit Stab, das andere einen hübsch geformten Arm bildend ; ein 
Slück Bas-relief, Kopf mit zwei (Ehrenzeichen?) runden Ein- 
schnitten. 

7) Ein Tausend Gerippe, von denen zwei vereinzelte je in 
einem Turmeck, die meisten übrigen im Garten Ittel gefunden ; 
ausser den genannten in steinernen Särgen sind vier merk- 
würdig : a) Schädel oben links durch einen Säbelhieb gespalten, 
b) Schädel mit dem Schwert oder Beil abgehauen, mit Blut 
getränkt, c) Schädel mit Ohrringen, d) Schädel mit Kranz. 

8) Im Gebäude des ehemaligen fürstlichen Taubenschlags 
finden sich die Inschriften : a) auf einem Thürsturz G • I • GNATIS 

(Gratianus imperator?), b) im Kelleraum BIRIBI , die übrigen 

Buchstaben sind eingemauert, c) in kleineren Buchstaben, ver- 
mutlich aus späterer Zeit : S • S ■ MARG. 

9) Ein Dutzend Stücke von Handmühlen, bei welchen ein 
ganzer Mühlstein. 

10) Etliche dreissig römische Münzen, von denen mehrere 
zerfressen und unkenntlich, andere sehr schön sind. Die älteste 
scheint von Glaudius I., Sohn des Drusus -j- 54 zu sein, dann 

3 



"1 



— 34 — 

folgen Marcus Aurelius f 180 und Faustina, Commodus f 192, 
Postumus t 267, Victorinus f 268, Gallienus f 268, Claudius 11 
f 268, Probus f 282, Licinius Licinianus f 324, Constantinus 
f 337, in zwei schönen Exemplaren, Magnentius •(• 353, 
Constans II f 361, Valentinianus f 375, Valens 378. 

Das römische Gastrum, dessen 'Fundament-Reste, 
wie unsere Ausgrabungen ergeben haben, heute noch mitten 
im alten Horburg stehen, ist im Laufe dieser Erörterung 
Argentovaria und «Argentuarium»^ genannt worden ; 
andere Schriftsteller nennen es Argentaria, der älteste aber 
Argentovaria. Diese früher allgemein angenommene Be- 
nennung ist in neuerer Zeit angefochten worden. Mit grosser 
Gewandtheit hat Coste in seiner «Alsace Romaine». Mulhouse, 
Risler 1859 eine Lanze gegen Horburg als Lage Argentovarias 
geführt .... «Wir haben Argentouaria entdeckt, ruft er triuno- 
phirend aus, es liegt zwischen Heidolsheim und Ohnenheim.» 
Die meisten seiner Leser aber ahnen nicht, dass derselbe Coste 
wenig Jahre nachher im «Bulletin de la Soci6t6 pour la con- 
servation des monuments historiques » II* s., 2* tome, p. 18 fr., 
mit derselben Zuversicht behauptet : « Er habe Argentouaria 
entdeckt, es liege jetzt bei Grussenheim.» 

Wir suchen Argentovaria nicht mehr, hier ist Argentovaria l 

Nicht Behauptungen, sondern Gründe bringen wir. 

Julius Cäsar nennt Argentovaria nicht, vermutlich ist das- 
selbe, wie viele andere Städte, ohne Schwertstreich gefallen. 

Ptolemäus, Geograph, der im zweiten Jahrhundert lebte, 
ist der erste, der Argentovaria's erwähnt, doch ohne Näheres 
darüber zu sagen. 

Wichtig für die Lage der Städte sind die Itinerarien, von 
denen zwei vorhanden sind ; die Theodosianische Tafel und das 
Itinerar von Antonin. 

Nach einer Verfügung des Kaisers Augustus gingen alle 
Strassen des römischen Weltreichs vom Forum Roms aus. Die 
Itinerarien waren Verzeichnisse dieser Strassen mit ihren 
Etappen und deren Entfernungen ; sie dienten den Truppen- 
führern als W^egweiser. Die Distanzen sind abgeschritten und 
nur annähernd genau. Tausend Doppelschritte bilden eine Millie, 
1500 Doppelschritte eine gaüische Leuke. Die Theodosianische 
Tafel, welche auch nach ihrem früheren Besitzer Peutinger 
die Peutinger'sche Tafel genannt wird, wurde im 13. Jahr- 
hundert durch einen Mönch von Colmar gezeichnet auf Grund 
eines älteren Documents. Das Itinerar des Antonin, welcher 
nicht Kaiser, sondern Rhetor gewesen sein soll, bietet keine 
Zeichnung, sondern blos die Namen und Distanzen der Etappen. 
Stellen wir dieses Namenverzeichnis beider Itinerarien zusammen : 



— 35 — 

Theodosianische Tafel. Itinerar des Antonin. 

Von Augusta Rauracorum Von Augusta Rauracorum 

nach : nach : 

Arialhinum 6 Cambete 12 

Carabete 7 Stabulis 6 

Argentovaria 42 Argentovaria 18 

Helellum 12 Heiveto 6 

Argentoratum 12 Argentoratum 12 



49 54 

Die Itinerarien, wie ersichtlich, stimmen nicht vollkommen 
überein; namentlich nicht für Argentovaria. Die Theod. Tafel 
stellt es in die Mitte zwischen Basel und Strassburg, 24 Leuken 
von letzterer Stadt, 25 von Augusta Rauracorum entfernt, dies 
führt nach Horburg, wo richtig das Castrum steht. Dass das 
Itinerar andere Zahlen angibt und Argentovaria etwa nach 
Schlettstadt verlegt, kann nichts hieran ändern : Das Castrum 
von Horburg heisst Argentovaria, so lehrt uns die Theodosia- 
nische Tafel ! 

Ammianus Marcellinus spricht auch von unserer Stadt und 
nennt sie Argentaria. «Hier,» sagt er, «hat eine grosse Schlacht 
stattgefunden, in welcher die Generäle des Kaisers Gratian den 
König der Lentier Priarius schlugen, wobei letzterer mit 30,000 
Mann seines Heeres umkam.» 

Der Kirchenvater Hieronymus, Zeitgenosse der Völkerwan- 
derung, sagt ferner, dass die Vandalen . . . alle Städte am Rhein 
zerstörten ; vermutlich also auch Argentovaria. 

Beim Wiederaufbluhen der Wissenschaften im 16. Jahr- 
hundert wurde auch die Archäologie mit vielem Eifer betrieben, 
namentlich durch den Gelehrten Beatus Rhenanus. In einem 
Brief an Mathias Erb, der die Reformation in der Grafschaft 
Horburg einführte, unter Herzog Ulrich von W^ürttemberg, 
schreibt Beatus : « Narrabat olim Hieronymus Gebwillerus visam 
Cunrado Leontario Mulbrunensi monacho, qui tum in Barisiensi 
coenobio agebat chartam perveterem, in qua adscriptum erat : 
Datum Argentouariae, quae nunc Colmar dicitur. » Demnach hat 
sich die richtige Tradition fortgepflanzt, in einer uralten Charte, 
der zufolge Argentovaria nach seiner Zerstörung im 5. Jahr- 
hundert in der Stadt Colmar bei Horburg und vermutlich 
der Zeit nach vor Horburg, wieder erstanden ist. Beatus verfasste 
im Auftrag des Grafen Georg von Württemberg, der im Jahr 
1543 das Grafenschloss wieder neu aufbaute, eine lateinische 
Inschrift, in welcher er sagt, dass hier Argentovaria liege, 
wo Gratian die Lentier schlug. 



^ 



— 36 ^ 

Schon a. 1539 hatte sich der Stadt Colmar oberster Meister 
Hieronymus Boner, in seiner Uebersetzung des Orosius (Colmar 
bei Grüninger), in demselben Sinn ausgesprochen, und hinzu- 
gefügt : «welcher Schlachtplatz noch auf diesen Tag die Hüb, 
und für diesen Streitplatz genannt und erkannt wird.» Auch 
nach Sebastian Münster, Gosmographei, Basel 4550, gilt dies 
für eine allgemein angenommene Thatsache : «c Man meynt, » 
heisst es dort, «dass aus dieser Zerstörung Argentouaria nach- 
folgender Zeit die herrliche Stadt Golraar erwachsen sei, wie 
Basel aus Äugst. Aber auf dem Platz der alten Argentouaria 
liegt noch das Dörflin Horburg, ist bei unseren Zeiten ein Graf- 
schalt mit etlichen umbliegenden Dörfern, den Fürsten von 
Württemberg noch zugehörig. » Die bestimmten Aussagen dieser 
Schriftsteller über Localtradition und Urkunde stimmen voll- 
kommen mit der Angabe der Theodosianischen Tafel überein 
und bestätigen, dass Argentovaria der richtige Name des römi- 
schen Gastrums von Horburg ist. Auch teilen sämmtliche 
elsasser Archäologen früherer Zeit diese Ansicht, Schöpflin, 
Grandidier, de Golbery u. a. m. Unter den neueren ist die- 
selbe gegen Goste namentlich durch M. 'de Ring und Ristel- 
huber verteidigt worden. 

Zu den aus den Urkunden hergeleiteten Beweissgründen 
kommt noch ein anderer : das altdeutsche Wort Horburg scheint 
nichts anderes zu sein, als die Uebersetzung des keltischen 
Wortes Argentovaria. Wenn diese unsere Auffassung richtig 
ist, dann stimmen Urkunden und Etymologie zusammen für 
Horburg. Argentovaria ist, so wie auch Argentoratum ein 
ursprünglich keltisches Wort, mit später hinzugefügter lateini- 
scher Endung. Die Versuche verschiedener Schriftsteller dies 
Wort zu deuten und Horburg daraus abzuleiten, befriedigen 
nicht. Die Wui-zel des Wortes Argentovaria ist indogermanisch 
und teilt sich dasselbe folgendermassen ab : Argent-ouar-ia. 
Argent bedeutet etwas, das glänzt, nicht nur Silber, sondern 
auch den Wasserspiegel , zumal wenn er von der Sonne 
beschienen wird. Demnach bezeichnet Argent das Wasser, an 
welchem die keltische Stadt lag ; dies W^asser erhielt später den 
Namen III. Diese Stadt hatte eine ouar, Wehr, Befestigung. 
Argent-ouar oder Argent-ouar-ia heisst also Wasserwehr, 
Wasserburg oder Burg am Wasser. In derselben Weise ist 
Argentorat aus Argent-orat zusammengesetzt und bedeutet den 
Wasser-Ort, die Wasser-Stadt. Diese Etymologie beider Städte 
wird auch durch den Umstand erhärtet, dass eine ganze Anzahl 
Städte Galliens, mit dem keltischen Argent beginnen, so 
Argenteuil (Seine-et-Oise), Argenton (sur Greuse), das alte 
Argentomagus. Diese Ortschaften sind alle an einem Fluss 



— 37 — 

gelegen wie auch Argentovaria und Argenloratum, das eine an 
der Mündung der Thur, das andere unfern der Mündung der 
Breusch in die 111 liegen. Beide Schwesterslädte, gleichen 
Ursprungs und gleichen Namens — nur die Endungen sind 
verschieden — spiegelten sich vor Jahrtausenden schon in den 
Gewässern des Illflusses, in welchem sie sich auch zugleich die 
Hand reichen. Dieser Wasserspiegel war einst bedeutend grösser 
als heute, denn einer der drei Rheinarme ergoss sich ehemals 
in die 111 oberhalb Horburg. Argentovaria, die Wasserburg, 
anderswo suchen als am Wasser — etwa wie Coste bei Ohnen- 
heim oder Grussenheim — ist ein Nonsens ! 

Unsere beiden prähistorischen Städte lagen, gegen den Feind 
gesichert, am linken Illufer, und bevor die Römer hier für 
Truppenbeforderung und Post ihre Strassen bauten, war die 
Bl das natürliche und leichteste Verkehrsmittel zwischen den- 
selben. Von hier aus konnten auf dem Wasser die Waaren 
zum Tausch und Verkauf nach dem Niederrhein befördert 
werden, wie noch Jahrtausende später « der warme Hirsenbrei » 
von Zürich nach Strassburg auf dem Rheine. «In der Nähe 
von Wäldern und Flüssen, » sagt schon Cäsar, <a bauten die 
Gallier ihre Städte », und gewiss nicht nur, um sich vor der 
Hitze zu schützen, sondern auch, um in vor dem Feind 
geschützter Lage sich vom Fischfang und der Jagd zu nähren, 
ihre Heerden zu weiden und den hier ergiebigeren Boden urbar 
zu machen. 

Der Urboden von Horburg ist schwarz, ein wahrer Wiesen- 
grund, und ist im Lauf der Zeit mit 50 bis 70 cm Blschlamm 
von gelber Farbe überdeckt worden. In jenem schwarzen 
Untergrunde treffen wir überall römische Ziegelstücke an, als 
wäre auch er hergebrachter Boden I Argentovaria muss einst 
bedeutend tiefer gelegen haben, als das heutige Horburg, was 
auch aus der Lage der entdeckten Mauerreste hervorgeht. 
Wasserreich ist dennoch auch heute der Ort und rechtfertigt 
vollkommen seinen Namen Horburg, d. h. Koth- oder Sumpf- 
burg, was gleichbedeutend ist mit Wasserburg, Argentovaria. 
Auch das Wort Argentoratum wurde übersetzt, jedoch irrtüm- 
lich, in Silberburg. 

Ai^entovaria, von Thur und III, dem frühern Gallischen 
Rhein, umgeben und geschützt, war im Rücken gedeckt durch 
die Vogesen, wo Galz, Hohnack und Tännchel als letzte 
Zufluchtsstätten den vor einem siegreichen Feind Fliehenden 
mögen gedient haben. Die Römer verstanden es, den keltischen 
Vesten unter Anwendung von Kalk und gebrannten Steinen 
— was den Kelten unbekannt war — mehr Widerstandsfähig- 
keit zu geben, und wahrscheinlich ist, dass sie dies thaten, 



n 



— 38 — 

noch ehe sie neue Festungen anlegten, noch ehe Drusus seine 
50 Gastelle dem Rhein entlang baute. Wie Argentovaria im 
Rücken durch die Vogesen gedeckt war, so war es in der Front 
geschützt durch die am Rhein gelegenen Castelle von Mods 
Brisiacus und Olino «am Flussufer ]i», dem späteren Oelenburg- 
heim oder Edenburg. 

Ein Wort noch von der alten Römerstrasse. Costa 
will durchaus Argentovaria an die von ihm beschriebene Haupt- 
strasse verlegt wissen, angeblich weil die Itinerarien dies 
Castrum aufzahlen. Er vergisst aber, dass das Itinerar Antonins 
Mons Brisiacus aufzählt so gut wie Argentovaria, und doch lag 
dasselbe ebensowenig an der Hauptstrasse, sondern auch an der 
Zweig- oder Nebenstrasse, welche vom Rhein nach Gallien 
durch Argentovaria führte. Zudem stand Argentovaria, ehe die 
Römerstrasse angelegt wurde, in gerader Linie und auf hohem 
gegen 111 und Rhein geschütztem Terrain. Römerstrassen aber 
führten nicht eine, sondern drei rheinabwärts ; eine am Rhein 
hin, eine andere am Gebirg hin, und eine dritte — von der 
Coste nichts weiss — zwischen III und Kastenwald. Die lil 
aber hatte dazumal noch kein festes, tiefes Bett — so wenig 
wie der Rhein — und dehnte sich von Horburg bis an diese 
Hauptstrasse aus, welche noch heute den Namen Ritterstrasse 
trägt, was auf die Postreiter hinzudeuten scheint, welche einst 
die Depeschen von und nach Rom brachten. 

Auf den Ruinen Argentovarias erstanden später Colmar 
und Horburg. Das Graf enschloss von Horburg wird 
zuerst genannt im Jahr 1125 und schon im Jahr 1162 durch 
den Grafen von Egisheim zerstört. Mehrmals wieder aufgebaut 
und zerstört, ging dies Schloss mit der Grafschaft durch Kauf 
a. 1324 an die Grafen von Württemberg über. Herzog Ulrich's 
Bruder Gteorg baute das Schloss neu wieder auf, im Jahr 
1543. Sein Sohn Friedrich umgab dasselbe mit breiten und 
tiefen Festungsgräben. So fest aber auch dies Schloss war, die 
Schweden nahmen es nach kurzer Beschiessung im Jahr 1632 
ein, und bald darauf unterzeichnete in demselben Gustav Hörn 
die Capitulation der festen Stadt Colmar. Ludwig XIV liess, als 
er im Jahre 1673 an Colmar und Horburg vorbeizog, beide 
Festungen niederreissen, zu Gunsten der seinen Namen tragen- 
den Stadt St-Louis, die er auf der Strohinsel, Breisach gegen- 
über, erbauen liess, und die desswegen auch « Strohstadt » 
genannt wurde. Diese Ve.ste wurde jedoch dem Friedensvertrag 
von Ryswick gemäss wieder niedergerissen. Etwas weiter ent- 
fernt von Breisach, als es St-Louis gewesen war wurde sofort 
1699, in dem Bann von Vogelsheim, durch Vauban Neu-Breisach 
angelegt. Allein auch die neue Ludwigstadt sollte fallen und auf 



— 39 — 

dem einen Thor derselben kann man lesen : Erbaut französisch 
1708, deutsch 1870 — fallen, wie Argentovaria, wie das Grafen- 
und w^ie spater auch das Fürstenschloss gefallen waren; denn 
so lautet die Inschrift, welche der Württemberger auf sein 
Schloss zu Horburg — wie auch auf dasjenige zu Reichenweier, 
wo es noch zu lesen ist — halte setzen lassen : cc D'Stund 
bringt's End », eine Inschrift, welche treffend durch das Hof- 
zeichen mit der Jahreszahl 1598, ein Stundenglas, illustrirt wird. 



IV. 



Die Fenster-Rosetten 

der Fagade des Südkreuzes 



am Strassbnrger Münster 



von 



August Schricker. 

JciS ist das Verdienst Victor Guerber's, ehemaligen Professors 
am grossen Seminar zu Strassburg, die engen Beziehungen 
erkannt und dargelegt zu haben, welche zwischen den beiden 
Rosen im «hortus deliciarum» der Herrad von Landsberg unter 
der Ueberschrift «Vetus Testamen tum cum Novo conjunctum» 
und den beiden Cyclen von Glasgemälden in der Fagade des 
Südkreuzes am Strassburger Münster vorhanden sind. Nachdem 
er in seinem «Essai sur les vitraux de la cathedrale de Stras- 
bourg» (Strasbourg, Le Roux 1848, p. 39, 45) die Deutung der 
wichtigen Umschriften offen gelassen hatte, führte ihn einige 
Jahre später « ein glückliches Ungefähr » zu dem hortus delicia- 
rum und die Ergebnisse der an seinen Fund sich anschliessen- 
den Studien legte er im «Katholischen Kirchen- und Schul- 
blatt f. d. Elsass» 4855, S. 332 ff. nieder. Dort (S. 3:i6) 
lesen wir : 

«Um die Münsterrosen stehen zwei Inschriften, bei denen 
es bis jetzt nicht glücken wollte, einen zusammenhängenden 
Sinn herauszubringen. Sie finden sich an derselben Stelle im 



— 41 — 

horlus deliciarum, wo der Maler sie copirt hat und bilden jede 
zwei Hexameter. Um die Rose des alten Bundes steht: 

cSanguine mundandum de sanguinibus fore mundum 
Ritus legalis docet et sanguis pecualis. » 

Welches heisst : « Des Gesetzes Vorschrift und der Opferthiere 
Blut lehren, dass von ihren Sünden (de sanguinibus) durch 
Blut müsse gereinigt werden die Welt. » — Ueber dem Worte 
€ de sanguinibus t> steht als Erklärung « de peccatis » ; wie denn 
auch die W^orte im Psalm 50: <!cLibera me de sanguinibus», 
von Sünden zu verstehen sind. 

Um die Rose des neuen Bundes ist zu lesen : 

«Rex et crux lux sunt, bos, ara figura fuerunt ; 
Cedat ovis, capra, bos : fit victima vera Sacerdos. » 

«König und Kreuz sind das Licht, Ochs und Altar waren bloss 
der Schatten. Es mögen weichen Schaf, Ziegenbock und Ochs, 
denn das wahre Schlachtopfer ist der Priester selber. » — «So 
wären denn die grossen Inschriften deutlich 
und sind selbe leicht mittelst der Ueberbleibsel 
herzustellen.» 

Janitsch, der im Repertorium für Kunstwissenschaft 
(Herausgeber H. Janitschek. Stuttgart, W. Spemann) Bd. III 
S. 269 in seiner Arbeit über «die älteren Glasgemälde des 
Slrassburger Münsters» auch diese Rosetten behandelt, bezieht 
sich auf den Essay Guerber*s, führt die Umschriften an den 
Rosen der Herrad an und fügt hinzu: diesen Versen ent- 
sprechen die Schriftreste der Münsterrose so 
genau, dass kein Zweifel an ihrer ehemals voll- 
ständigen Uebereinstimmung sein kann. 

Unterdessen wird durch Domherrn Straub in den Publica- 
tionen der historischen Gesellschaft des Elsass die Reproduction 
der noch vorhandenen Durchzeichnungen aus dem hortus deli- 
ciarum herausgegeben und in der III. Lieferung sind als PI. 
XXII. und XXIII auch die beiden Rundbilder von der Har- 
monie des alten und neuen Testamentes erschienen. Dies war 
für uns die Veranlassung die Frage wieder aufzunehmen. 

Das Interesse an ihr war gleicherweise ein antiquarisches, 
als ein praktisches, denn V, Guerber spricht aus, dass seine 
€ Andeutungen bei späterer Wiederherstellung der Gemälde als 
Leitfaden dienen könnten. » Und eben im Hinblicke auf eine 
solche Wiederherstellung wollten wir untersuchen, wie weit 
die Uebereinstimmung zwischen den Umschriften der Münster- 
rosen und denen der Herrad wirklich vorhanden sei. 



— 42 — 

lieber die schwierige Axt der Arbeit hat sich Janitsch 
(a. a. 0.) in folgenden Worten ausgesprochen: «Die Kleinheit 
der Figuren und die Höhe ihres Standortes, zu welchen sich 
nirgends eine Annäherung bewerkstelligen lässt, würden selbst 
unter sonst normalen Verhältnissen einer genauen Besichtigung 
Schwierigkeiten in den Weg legen. Dazu kommt aber ihr 
schlechter Zustand , die Verstümmelung, Umstellung, theilweise 
gar Vernichtung der hier so wesentlichen Inschriften. » 

Als in einer vorläufigen kurzen Untersuchung die Grösse 
der Fenster und der Umfang der einzelnen Buchstaben nach 
dem Augenmass gemessen, und darnach die Zahl der im Um- 
kreise der Münsterrose unterzubringenden Buchstaben mit der 
Zahl der Buchstaben in den Versen der Herrad verglichen 
wurde, ergab sich, dass von einer vollständigen Uebereinstim- 
mung der Randschriften, wie sie Guerber und Janitsch anneh- 
men, wenigstens bei der Rose des «neuen Bundes i> nicht die 
Rede sein könne, da viel weniger Raum vorhanden ist, als die 
Verse der Herrad einnehmen würden. 

Im Einzelnen ergab sich, dass beide Münsterrosen irgend 
einmal, wahrscheinlich der Reparatur wegen, auseinander 
genommen worden sind, und von einem des Lateinischen un- 
kundigen Arbeiters ohne Aufsicht, wahllos wieder zusammen- 
gefügt wurden , sodann dass schon bei der Fertigung der 
Glasgemälde, deren Entstehung in die Zeit vom zweiten Viertel 
des 13. Jahrhunderts angesetzt wird, für die Rose des «neuen 
Bundes)) ein Auszug aus den Versen der Herrad gewählt wurde, 
während die Unterschrift des alten Bundes bis auf eine unwe- 
sentliche Aenderung die gleiche ist, wie auf der Tafel des 
Hortus deliciarum. 

In den folgenden Tafeln wird gezeigt, in welcher Weise 
die einzelnen Teile einstmals untereinander geworfen wurden. 
Aus dieser Darstellung geht hervor, dass fast alle Teile des 
einstigen Werkes noch vorhanden, und die notwendigen Er- 
gänzungen somit geringfügig sind. 



43 — 



Münsterrose. Alter-Bund. Dermaliger Zustand. 




Es gehört : 
III. an Stelle von II. 



II. » 


•» 


» in. 


VI. » 


» 


» IV. 


VII. » 


» 


» V. 


VIII. » 


J» 


» VI. 

VII (ergänzt) 


IV. » 


B 


» VIII. 



Es ergibt sich nach dieser Umstellung die Aufeinanderfolge mit 
VIII. beginnend, wobei die Ergänzungen mit kleiner Schrift 
einzutragen sind : 




Der Anfang lautet hier, abweichend von den entsprechenden 
Worten in der Rose der Herrad : Ritus legalis docuit, sanguis 
pecualis ; die folgenden Worte sind die gleichen, wie im Hortus 
deliciarum : « Sanguine mundandum de sanguinibus fore 
mundum.3^ 



1 



— 44 — 



Mü nsterrose. Neuer Bund. Dermaliger Zustand : 




II. 


)) » 


VI. 


» )) 


V. 


» )) 



Es gehört III. an Stelle von II. 

III (ergänzt). 
)) IV, unter Wegfall der Buchstaben CMR . 
» V. 
» VI. 
2 Buchstaben von VII. in dem zweiten Teil von VI. 

IV. an Stelle von VII. 
In II. sind mit anders gearteten Charakteren als die der Um- 
schrift die Buchstaben CMR eingefügt. 

Es ergibt sich nach dieser Umstellung, wobei die Ergän- 
zungen wieder mit kleiner Schrift eingetragen sind die Auf- 
einanderfolge : 




Die Umschrift lautet also abweichend von dem entspre- 
chenden Hexameter in der Rose der Herrad : 

Rex et crux lux sunt, 
Cedat Ovis capra ara bos; 



Figura fuerunt. 



V. 



Notices historiques 



snr le 

chäteau de Hohkoenigsbourg 

par 

Ed. Hering 

h Barr. 

De tous nos chäteaux-forts d'Alsace, il n'en est pas 
iin seul, sur lequel on ait autant ^rit que sur celui de 
Hohkoenigsboürg ; et certes, la vaste etendue et la bonne con- 
servation de ses ruines justifient pleinement rimportance, que 
Unt d'aufeurs ont attacb6e k son histoire. 

Neanmoins cette histoire est demeur^e quelque peu em- 
brouillöe. Maintes erreurs se sont perp^tu6es d'une publication 
ä Tautre et il est k craindre qu'elles ne se propagent ulte- 
rieurement. 

Par les notices, que j'ai Thonneur de soumettre au lec- 
leur, je voudrais essayer de rectifier quelques-unes de ces 
erreurs ; je voudrais en möme temps 61ucider dans * la mesure 
du possible, quelques questions, qui n*ont pas encore trouv6 
de Solution satisfaisante. 

Remarquons tout d'abord, que sur la montagne oü s'6lövent 
aujourd'hui les ruines du Hohkoenigsbourg il y avait deux 
chäteaux absolument distincts Tun de Tautre, mais portant 
tous deux le nom de Kcenigshourg , C'est faute de ne pas avoir 



n 



— 46 — 

SU distinguer entre ces deux chäteaux, que beaucoup d'auteurs, 
qui s'en sont occup^s depuis une vingtaine d'annees, onf ete 
induits en erreur. Or, de möme que les deux chäteaux sont 
parfaiteraent distincts et m^me s^par^s Tun de l'autxe par un 
profond foss^, de m^me leur histoire respective n'a absolument 
rien de commun, et par cons^uent il faut traiter s^par^ment 
rhistoire de chacun d'eux. 

Le c6löbre historiographe de TAlsace, Schoepflin, ne con- 
naissait qu'un seul chäteau de Koenigsbourg, le plus grand; il 
donne quelques d^tails tant sur sa position que sur son his- 
toire (Traduct. Ravenfez. T. IV, pp. 308, 462). Dans la liste 
de tous les anciens chäteaux d'Alsace, il mentionne ä la v^rite 
le petit chäteau sous le nom d'Odenhurg sur le Kunigs- 
perg, mais sans se douter que c'est le petit chäteau de Kopnigs- 
bourg (Schoepfl. Rav. T. V. 338). 

II en parle pour la seconde fois sous le nom de Kuneges- 
bercy ä Tendroit oü il traite de la famille noble de Rathsain- 
hausen ; mais il le confond avec le chäteau de Kintzheim, situe 
au-dessus du village du m^me nom (Rav. V, 801). Gette erreur 
a et^ reproduite par Grandidier (Oeuvr. in6d. T. V, p. 488. 
Note et p. 554). 

Engelhard t, qui a visitö le Hohkoenigsbourg au commence- 
ment de ce sifecle et nous en donne une description tres-in- 
t^ressante, fait ^galement mentiou du petit chäteau ; mais il 
le prend pour un ouvrage avanc6 du grand chäteau. Cette 
opinion, 6mise d^jä par Grandidier, a (^t6 adopt^e et soutenue 
par M. Viollet-Leduc dans son c: dictionnaire raisonnö de l'ar- 
chitecture fran^aise du onzifeme au seizi^me siecle » (T. III, 
p. 169). 

G*est k Schweighseuser, le savant arch^ologue, que revient 
le m^rite d*avoir d^montre le premier par Texamen attentif des 
documents, qu'il doit y avoir eu deux chäteaux, portant Tun et 
Tautre le nom de Koenigshourg et situ6s tous deux sur la 
mtoe montagne. 

De Tavis de Schweighseuser, c'est le petit chäteau, qui a 
l'origine portait exciusivement le nom de Kunegesherg. Dans 
la Charte de 1267 les sires de Rathsamhausen reconnaissent 
tenir ce möme chäteau k titre de fief royaL L'autre chäteau, 
c'est-ä-dire le grand, portait d'abord le nom d'Esiuphin, 
comme le prouve la Charte du duc de Lorraine Matthieu, de 
rannte 1250. Les noms de Kungeshurg et de Kunegesherg, 
par lesquels on le d^signait dans la suite, paraissent lui ^tre 
venus, soit de son voisin, le petit chäteau, soit de la montagne, 
oü il ^tait bäti et qui sans doute se nommait Kcenigshergy 
montagne royale. 



— 47 — 

Quant au grand chäteau^ la Charte de 1250, ]a premifero 
en general qui en fasse mention, prouve que d^s le com- 
mencement du treiziäme si^cle les ducs de Lorraine Tavaient 
donn6 en fief aux comies de Werd, alors landgraves de la 
Basse-Alsace. Ce n'esl que temporairement et pendant la mino- 
rit^ du jeune landgrave Henri Sigebert, fils posthume du land- 
grave Henri, mort en 1238, que le duc de Lorraine Matthieu H 
avait conför6 au Chevalier Cunon de Berckheim ce fief lorrain, 
qui du resle fut bientöt apres restitu6 k son feudataire legitime, 
le jeune comte de Werd (Rav. IV, 308, 463. Grandid. Oeuvr. 
Ined. V, 4^). 

Ces faits une fois ätablis par Schweighasuser, on aurait pu 
s'altendre ä ce que les öcrivains ultörieurs tinssent compte 
de Texistence simultan^e des deux chäteaux de Koenigsboui'g 
et se gardassent de confondre dor^navant leur histoire res- 
pective. 

II n'en fut rien. 

On sait qu'apres la fondation de la soci6t6 pour la con- 
servation des monuments historiques d'Alsace en 1856, M. Spach, 
Tarchiviste du döpartement, a publik dans le premier bulletin 
de cette soci6t6, dont il §tait le pr6sident, une monographie sur 
le chäfeau de Hohkoenigsbourg. M. Spach y confond, sans s'en 
douter, les deux chäteaux et il nous dit, quoique d'une ma- 
ni^re dubitative, que les Rathsamhausen ont 6t^ propri^taires 
ou tenanciers f(§odaux d'une partie de ce m^me chäteau de 
Hohkoenigsbourg, donnö en fief ä Cunon de Berckheim par le 
duc de Lorraine. (Voir la monographie tir6e ä part Strasb. 
1856, p. 5.) 

Quant au petit chäteau de Koenigsbourg que les Rathsam- 
hausen ont en r^alit6 poss6de comme fief royal, il en fait, en 
se fondant sur un manuscrit de Pfeffinger, un ouvrage ext6- 
rieur du grand chäteau, tout en le d^signant par le terme 
d*ancien castel ou de vieux chäteau (1. c. pp. 9, 10). 

Cette assertion tout erronn6e a 6t6 reproduite quelques 
ann^es apres dans le manuel du touriste au chäteau de Hoh- 
koenigsbourg 6dit6 par Risler en 1860 (p. 10). Cet auteur 
prend aussi le petit chäteau ä Touest du grand pour un fortin 
ext^rieur, tout en citant le passage de Schweighaeuser, qui dit 
le contraire (1. c. pp.^ 53, 54). 

Pr6s de vingt ans aprös une partie de ce manuel de 
Risler, alors 6puis^, fut r^^dit^ par les soins de la section du 
club vosgien de Schlestadt. Dans cette petite brochure, Tauteur, 
alors President de ladite section, reproduit, sans les faire suivre 
d'aucune Observation, les assertions erronn^es de Spach et de 
Risler (p. 4). 



— 48 — 

II y a deux ans, M. Gust. Dietsch, fabricant ä Liepvre, 
qui a fait faire des travaux de d^blaiement dans notre chateau^ 
surtout dans les deux- grosses tours du cöt6 ouest, a publik un 
nouvel opuscule sur le Hohkoenigsbourg. 

L'auteur dit, que, pour Thistorique du chäteau, il a suivi 
Spach, Risler et la brocbure de la section de Schlestadt, le 
temps ne lui permettant pas de remonter aux documents ori- 
ginaux. 

C'est lä la raison pour laquelle M. Dietsch affirme (pp. 2, 3) 
que les Rathsamhausen ^taient co-propri6taires de ce chäteau 
dans la seconde moiti6 du treiziöme siöcle. Par contre, l'auteur 
ne partage pas et* avec raison, l'assertion tout erronnte de 
Viollet-Leduc cit^e plus haut. 

Au reste, cette opinion de l'auteur du dictionnaire raisonne 
de l'architecture fran^aise avait d^jä 6t6 röfut^e par Schweig- 
haeuser d'abord et plus tard par un autre arch^ologue fran^is, 
M. Alfr. Ram6, qui vers 1855 avait visit^ plusieurs de nos 
chateaux ruinös, entre autres celui de Hohkoenigsbourg. 

Or si le petit chäteau, qu'un document de 1504 appelle 
le vieux chäteau ou Vancien castel , comme nous l'apprend 
M. Spach (p. 9 de la monographie) n est pas et ne peut pas 
ötre un fortin ext^rieur du grand chäteau, il avait donc, comme 
c'etait l'opinion de Schweighaeuser, son existence particuliere et 
par cons^quent aussi son histoire ä lui, et das lors il fallait 
distinguer entre les divers documents qui se rapportent aux 
chateaux de Koenigsbourg. 

Le grand chäteau apparait pour la premiere fois dans This- 
toire en 1250. II ne porte pas le nom de Koenigsbourg, mais celui 
d'Estuphin. Ce nom, que Schoepflin et aprös lui Grandidier, 
supposaient ötre en rapport avec les empereurs de la maison 
de Hohenstaufen, propri6taires dans la contr^e de Schlestadt 
dös le onziöme si^le, provient du nom de Stophanberg (Es- 
tuphin en Lorraine), que portait ä Torigine la montagne elle- 
möme. Ce nom de Stophanberg figure dejä dans une Charte 
de Charlemagne de Tan 774, dans laquelle cet empereur fait 
une donation k Tabb^ Fulrade pour son monastä)'e de Liäpvre 
(Rav. III, pp. 312. Schweigh. Antiquitös du Bas-Rhin, chäteau 
de Hohkoenigsbourg). 

Quant k la supposition que les Hohenstaufen pourraient 
bien avoir 6t6 les premiers possesseurs de Hohkoenigsbourg, 
eile ne peut s'appuyer sur aucun document. Et d'ailleurs, com- 
ment s'expliquer qu'un chäteau appartenant ä cette puissante 
famille imperiale, ait pass^ dös le commencement du treiziöme 
siöcle aux ducs de Lorraine, qui döjä k cette 6poque en 6taient 
les suzerains? 



— 49 — 

Je crois pour ma pari, que Torigine du chäteau de Höh- 
kcenigsbourg, dont M. Spach disait qu'elie se perd dans )a 
nuit des temps (p. 4) et que M. G. Dielsch nous döclare 6gale- 
ment inconnue (p. 4), se laisse fixer k peu d'ann^es pres, 
pourvu qu'on veuille bien interroger le premier document, qui 
en parle. En 1250 le duc de Lorraine d6clare que Henri de 
Werd, landgrave de la Basse-Alsace, poss6dait le chäteau 
d'Estuphin ä titre de fief lorrain ; mais Henri, ^tant mort sans 
descendance male en 1238, le duc avait retire ce fief pour le 
eonferer temporairement ä Gunon de Berckheim. 

Le chsiteau se trouvait donc dbs le commencement du 
treizi^me sitele, et peut-Mre avant cette 6poque d6jä, entre les 
mains des landgraves de la Basse-Alsace, qui le poss^daieut ä 
titre de fief lorrain. Le suzerain en 6tait le duc de Lorraine. 

Ici se pr^ente une question : Gomment ou par quelles 
circonstances ces ducs ont-ils acquis la propri6t6 de ce chä- 
teau? II ne me sera pas difficile d'y röpondre. 

En 1048 le comte Görard, dit d'Alsace, de Tantique 
maison d'Eguisheim, fut cr66 duc de la Haute-Lorraine (Du- 
catus Mosellae) par son parent l'empereur Henri IH. Peu apr^s 
11 obtint du m^me souverain Tadvocatie des deux monast^res 
de Liepvre et de Saint-Hippolyte. II fut confirm6 dans cette 
Charge en 1052 par le pape Löon IX, son cousin. A partir de 
ce moment les ducs de Lorraine restörent revötus de Tavouerie 
des deux monastferes. (Grandid. Oeuvr. In6d. I, 194. V. 478.) 

Or, Lifepvre et Saint-Hippolyte 6taient situ6s Tun au nord, 
Fautre au sud de la montagne appelöe Stophanbei^ (Estuphin). 
Pour ötre donc ä m^me d'exercer efficacement cette avouerie, 
les ducs avaient besoin d'un pied ä terre dans le voisinage im- 
m^diat de ces deux monasteres. Un chäteau elev6 sur la mon- 
tagne d'oü Ton dominait ä la fois Liepvre et Saint-Hippolyte, 
satisfaisait, on ne pouvait mieux, ä cette condition. La mon- 
tagne elle-möme faisait peut-^tre partie des possessions des mo- 
nastäres de Liepvre, dues ä la g6n6rosit6 de son fondateur. 

La construction du chäteau, si eile ne doit pas ötre attri- 
bu6e au duc Görard möme, qui rögnait de 1048 ä 1070, pour- 
rait cependant remonter au rögne de son fils et successeur le 
duc Thöodoric (1070-1115). La partie la plus ancienne du 
chäteau, le donjon carrö avec sa petite porte en plein-cintre, 
pourrait bien ötre du douziöme siecle. 

Le grand chäteau de Hohkoenigsbourg aurait donc, selon 
toute probabilitö, pour origine Favouerie des deux monastöres 
de Liöpvre et de Saint-Hippolyte, exercöe par les ducs de 
Lorraine das le milieu du onziöme siöcle. Cette conjecture n'a 
absolument rien d'invraisemblable. Plusieurs chäteaux doivent 

4 



— 50 — 

leur origine ä Tadvocatie d'un monastäre situ6 dans leur voi- 
sinage. II en 6tail ainsi du chäteau de Grand-Geroldseck-^s- 
Vosges, dont les fondateurs 6taient les avou^s de Vabhaye de 
Marmoutier. II en etait de m^me du chäteau de Salrriy du ä 
Favouerie de la celebre ahbaye de Senones; ainsi encore du 
chäteau de Spesbourg dont le fondateur, Alexandre de Dicka 
venait d'obtenir de son fr^re T^v^ue Henri de Strasbourg, 
Tadvocatie de Vabbaye d'Andlau. Et ailleurs aussi, en Suisse 
p. ex. le chäteau de Neu-Thierstein, dont les possesseurs sont 
devenus dans la suite les reconstructeurs de notre Hohkoenigs- 
bourg au quinzi^me si^cle, doit son existence ä Favouerie du 
monast^re de Beinwyl, situd dans les gorges du Passwang, 
dans le Jura bälois. 

Mais tout en attribuant Forigine de Hohkoenigsboui^ aux 
ducs de Lorraine, on peut admettre comme une chose possible 
et m^me probable, que d^jä sous les Romains il y ait eu sur 
cette montagne quelque fortification. De Favis de M. Ringeisen, 
Fancien architecte de Farrondissement de Schlestadt, le pan de 
mur qu'on voit du cötö sud, dans la cour int^rieure, pourrait 
bien en ötre le dernier reste. M. le docteur Schricker pr^sunae 
de m^me que cette montagne avait d^jä ^tö occupee par le$ 
Romains. (Mittheilungen d. Vogesenclubs. Nr. 47. Jahrg. 1884, 
p. 30.) 

Mais le fait que ce chäteau, 61ev6 par les ducs de Lor- 
raine, se trouve das le commencement du treizi^me sitele (si 
ce n'est d^jä avant cette 6poque) entre les mains des comtes 
de Werd, landgraves de la Basse-Alsace, n'a rien de bien 6ton- 
nant. Gar en premier lieu, les comtes de Werd descendaient 
comme les ducs de Lorraine, des anciens comtes d'Alsace, d'oü 
leur vint le titre de comte; ensuite, ils ^taient, en leur qualit^ 
de propriötaires du chäteau de Frankenbourg, les plus proches 
voisins du chäteau d'Estuphin, oü les ducs de Lorraine ne r^- 
sidaient sans doute pas personnellement. 

C*est sans doute par suite de ces circonstances particulieres 
que le chäteau d'Estuphin fut accord6 en fief par les ducs de 
Lorraine aux comtes de Werd. C'est aussi probablement sous 
ces comtes que le nom allemand de Kunegesberg fut donne ä 
ce chäteau et parut pour la premi^re fois dans leurs chartes. 
Avec le chäteau les landgraves obtinrent en fief les deux vil- 
lages de Saint-Hippolyte et d*Entzheim comme d6pendances du 
chäteau. (Rav. IV/ 308, 463. Grandid. Oeuvr. Ined. Y, 
491, 492.) 

L'infeodation du premier village se comprend facilement: 
le second constituait ä Forigine un aleu du comte Eberhard, 
fondateur de Fabbaye de Murbach, et fut ensuite donne ä 



— 51 — 

Fulrade, le fondateur du monast^re de Li^pvre. C'est ainsi qu'il 
parvint aux ducs de Lorraine. (Grandid. Oeuvr. In^d. V, 387.) 

J'ai essay^, dans les pages qui pr^cädent, de faire con- 
naitre Torigine jusqu'ä präsent ignor^e du chäteau d'Estuphin, 
connu depuis longtemps sous le nom de Hohkoßnigshourg . II 
me reste k dire quelques mots du petit chäteau, auquel on 
appliquait k Torigine exclusivement le nom de Kunegesherg et 
dont M. G. Dietsch dit (p. 7) que son origine, de möme que 
son histoire, sont lettre close. 

Et d'abordy d'oü venait ä ce chäteau son nom de Koenigs- 
hurg? Getto question n'est pas difficile k r^soudre. II doit y 
avoir une connexion entre ce nom de Kcenigshurg et celui de 
Kcenigsheim , que portait le chäteau situ^ au-dessus du village 
du m^me nom. En efifet, nous savons par la Charte de Charle- 
magne de Tan 774, mentionn^e plus haut, que la contree de 
Kcenigsheim (aujourd'hui Kintzheim) formait sous les rois 
francs, un grand domaine royal, utie marche du fisc, comme 
dit la Charte, et que le nom de ce domaine royal ^tait 
Otiuningisheim-Marcay c'est-ä-dire la marche de Kcenigs- 
heim. Ge domaine royal ^tait tres-^tendu; ses limites allaient 
de Saint-Hippolyte jusqu'ä la cröte des Vosges prös la Hingrie 
(le demier bulletin du club vosgien n^ 47, en parle ä la 
page 42). 

A Tendroit oü nous voyons aujourd'hui la ruine pittoresque 
du chäteau de Kintzheim, il existait d^jä du temps de Gharle- 
magne une de ces villas, oü les rois francs venaient r^sider de 
temps k autre. Dans son travail tr^s-bien fait sur les anciennes 
limites.de notre province sous Toccupation romaine M. le doc- 
teur Schricker n'h^site m^me pas k placer un petit fort romain 
sur la Cime oü s'^levait plus tard le chäteau ou la maison for- 
tiO^e des rois francs (p. 30). 

Getto villa de Kunigesheim fut donn^e avec une autre 
portion de ce domaine royal par Tempereur Lothaire I en 843, 
au comte ErchangieVy administrateur du Nordgau, pour le r6- 
compenser de ses Services fidfeles. (Rav. III, 624. IV, 594. 
Schweigh. Antiquit. du Bas-Rhin. Ghäteau de Kintzheim. Die- 
tionnaire Baquol-Ristelhueber 226.) 

Une partie de ces biens passa dans la suite k Tabbaye 
d'Andlau par sa fondatrice Richarde, fille du comte Erchangier 
et ^pouse de l'empereur Gharles-le-Gros. 

Au chäteau de Kunigesheim (Kintzheim) situ^ au pied de 
la montagne succ^da le chäteau de Kunegesherg, qu'on eleva 
sur la Cime. Getto appellation fut möme transföree ä la mon- 
tagne, car les chartes qui fönt mention du chäteau le d^signent 
par le chäteau sur le Kunegesherg. 



— 52 ^ 

Mais quand ce chdteau a-t-il 6te construil ? Aucun document 
ne vient r^pondre k cette question. Gependant ä en juger par le 
caractäre de Tarchitecture, qui accuse la transition du plein-cinlre 
ä l'ogive, ainsi qiie le Systeme de pierres en bossage, le chäleau 
doit au moins remonter au comraencement du treizifeme siecle. 

Le nom de celui qui l'a fait construire est encore plus dif- 
ßcile ä d^signer que la date. Mais ce chäteau constituait des 
sa premiere mention dans Thistoire un fief royal. II faut en 
conclure, ou bien que Tempereur lui-m6me en avait ordonn^ 
la construclion, ou bien que le chäteau n'avait 6t6 61eve sur 
ce domaine royal qu'avec le consenlement de Tempereur et a 
la condition de rester üeii de Tempire. Dans ce dernier cas 
il faudrait attribuer la construction aux sires de Ralhsamhausen, 
que Thistoire mentionne en effet, non-seulement comme les 
Premiers, mais encore comme les seuls tenanciers du chäteau. 

La Charte du 2*2 seplembre 1267, — dans laquelle chacun 
des membres de cette famille noble dont le berceau se trouvait 
ä Ratzenhaunen et non loin de Koenigsheim, s*engage ä n'aliöner 
aucune partie du chäteau de Koenigesberg sans le consentement 
prealable de tous les autres membres (Rav. V, 801), — se rap- 
porte donc exclusivement ä ce chäteau, au fief royal, et nulle- 
ment au chäteau lorrain, comme on Ta pr6tendu. 

Et en effet, comment pourrait-on admettre ou supposer 
que les Rathsamhausen aient pu 6tre en 1267 coproprietaires 
ou tenanciei*« du chäteau lorrain, alors que ce chäteau 6tait 
de nouveau entre les mains de son feudataire legitime, le jeune 
Henri Sigebert de Werd, landgrave de la Basse-Alsace ? Et 
quand deux ans aprös, en 1269, le m^me comte de Werd 
donne en arriere-fief ce möme chäteau ä son beau-pere Ul- 
rich IV de Ribeaupierre, il n'est pas le moins du monde ques- 
tion des Rathsamhausen comme de co-tenanciers, et il n'est 
pas fait mention d'une paix castrale juree entre les divers 
tenanciers ce qui se faisait toujours en pareil cas. Et plus tard 
encore, chaque fois que des documents eman6s des comtes de 
Werd fönt mention de leur chäteau, le fief lorrain, les nobles 
de Rathsamhausen n'y figurent k aucun titre. 

Mais par contre les Rathsamhausen regoivent k plusieurs 
reprises des empereurs Tinvestiture de leur fief « zu Kurte- 
geshergy>y tandis que les empereurs ne figurent jamais dans 
les documents concernant le Hohkoenigsbourg, inf^od^ aux land- 
graves de la Basse-Alsace par les ducs de Lorraine, üne de 
ces lettres d'investiture, octroy^e en 1489 par Tempereur Fr6- 
d^ric III ä la brauche des Rathsamhausen a^zum Stein-», qui 
poss^dait un tiers du fief royal, applique au chäteau la döno- 
mination d'Odenhurg sur le Kunigsperg (Rav. V, 338). 



— 53 — 

Or, n'est-il pas de toute 6vidence, que ce terme d'Oden- 
burg (le chäteau d^sert, die öde Burg) ne peut pas ötre rap- 
port^ au grand chäteau de Hohkoenigsbourg, lequel ä celte 
epoque venait d'^tre reconstruit et 6lait babit^ par les comtes 
de Thierstein, auxquels il avait et6 inf§od6 par Tarchiduc d'Au- 

I riebe Sigismond? 

Mais ce terme d'Odenburg appHqu^ au cbäteau de Kune- 
gesberg ne saurait non plus se rapporter au cbdteau de Koenigs- 
heim (Kintzheim) comme l'a pr6tendu Grandidier (Oeuvr. In6d. 
V, 554) et apräs lui M. Je professeur Kraus dans son excellent 
ouvrage : Kunst und Alterthum in Elsass-Lotbringen, Sti*assb. 
1876 (I, 125). 

A r^poque dont il s'agit le chäteau de Kintzheim n'^tait 
pas un chäteau desert (eine öde Burg.) Au contraire, ii etait 
habite par Jean de Hadstatt, qui bientöt apr^s, en 1492 le 
vendit ä la ville de Schlestadt. Quand l'antiquaire J. A. Silber- 
mann le visita en 1765, il 6tait encore habite par un ermite 
et il n'est devenu ruine que vers la fin du dix-buitieme siecle. 

Le nom d*Oedenburg ne peut donc se rapporter ni au 
grand chäteau, alors reconsiruit, ni au chäteau de Kintzheim. 

II reste donc la probabilite ä peu pr^s certaine que ce nom 
d^signe le petit chäteau situä ä Toccident du grand et il faudra 
admettre que ce fut celui-ci qui constituait de tout temps le 
fief royal de Koenigshourg. 

Deux rapports, datant de Tannee 1504, et ^manant, le 
premier d'Albert de Berwangen, capitaine des fantassins k 
l'adresse de TUnterlandvogt Jacques de Fleckenstein, rösidant 
ä Haguenau, Fautre de T Unterland vogt ä Tadresse de T^lecteur 
Philippe, comte palatin du Bbin et Landvogt de la Basse- 
Alsace, mentionnent une seconde fois TOedenburg sur le Kune- 
gesberg. Cette fois-ci le chäteau desert est appel^ m das alt 
Schloss hy König sperg » (le vieux chäteau präs de Koenigsberg). 
(Monographie Spach pp. 9, 10.) 

Et lorsque präs d'un siecle plus tard, en 1584, la brauche 
des Rathsamhausen « zum Stein » vend avec le consentement 
de l'empereur Rodolphe II au comte de Veldentz la seigneurie 
de la Roche, et qu'en m^me temps eile lui c^de sa part du 
chäteau de Kunegesberg (Schweigh. Antiq. du Bas-Rhin. Chä- 
teau La Roche) pareille cession eüt-elle pu se faire, si le 
chäteau de Kunegesberg, qu'elle tenait en fief de Tempire, 
n'avait pas 6t6 distinct du chäteau de Hohkoenigsbourg que 
poss^daient alors k titre de gage de la maison d'Autriche les 
barons de Sickingen? 

On ne saurait donc meltre en doute que le fief royal des 
Rathsamhausen 6lait tout autre chose que le fief lorrain des 



— 54 — 

landgraves, transmis plus lard ä Töv^h^ de Strasbourg; car 
on ne s'expliquerait pas comment les Rathsamhausen auraient 
pu continuer ä poss^der leur fief de Kunegesberg apräs Tinffto- 
dation du chäteau de Hohkoenigsbourg aux comtes de Thier- 
stein par l'archiduc Sigismond. 

Mais j*ai ä faire valoir une autre consid6ralion encore con- 
cernant le fait que les Rathsamhausen n'avaient aucune pari 
au grand chäteau, tenu en fief par les landgraves. On sait par 
les nombreux documents qui fönt mention de ce fief lorrain 
que les deux villages de Saint-Hippolyte et d'Entzheim en for- 
maient constamment des d^pendances («Castrum Estuphin cum 
Omnibus appendiciis ejusdem castri, scilicet sanctum Hippo- 
lytum et Anescheim », dit la Charte du duc de Lorraine de 
1250). Or, jamais les lettres d'investiture donnöes aux Rath- 
samhausen au sujet de leur fief royal de Kunegesberg, ne fönt 
mention de ces deux localit^s. Aussi cette famille n'a jamais 
fait valoir de pr6tentions ni sur Saint-Hippolyte, ni sur Entz- 
heim. 

Je me r6sume donc et j'insiste sur ce fait que des deux 
chäteaux de Koenigsbourg, qui existaient simultanement (je 
souligne ce mot) sur la m^me montagne, c'est le petit, ä 
l'ouest du grand, qui dös l'origine appartenait aux Rathsam- 
hausen exclxisivement, ä titre de fief imperial, et cela pendant 
plus de quatre siöcles, mais que cette fiimille n'^tait en aucun 
temps copropriötaire ou tenanciöre du grand chäteau. Celui-ci 
6tait tenu en fief exclusivement par les landgraves, dont l'ori- 
gine remonte aux premiers ducs de Lorraine, issus des comtes 
d'Eguisheim. 

II est certes fort ä regretter, que sur les deux helles tables 
historiques suspendues sur la terrasse de Thötel du Hohkonnigs- 
bourg et qui sont dues k la g^nöreuse activit6 de M. G. Dietsch 
ä Liöpvre, les Rathsai/ihausen soient mentionn6s comme copro- 
prietaires du grand chäteau en 1267. 

Avant de clore ces notices sur le Hohkoenigsbourg, je 
tiens k relever encore une erreur. Quelques auteurs admettent 
que le petit chäteau est plus ancien que le grand, et partant 
de cette hypothfese, ils d^clarent que tous les documents qui 
du treiziöme au quinziöme siöcle parlent du chäteau de Hoh- 
koenigsbourg, se rapportent exclusivement k ce petit chäteau, 
tandis que le grand chäteau ne prendrait date dans Thistoire 
qu'aprfes la destruction de Tancien, dont on aurait abandonn^ 
la place et qu'avec Tav^nement des comtes de Thierstein. 
C'est M. Alfred Ram6, l'arch^ologue fran^ais, cit6 ci-dessus, 
qui le premier a 6mis cette opinion tout-ä-fait erronn^ dans 
ses «Notes sur quelques chäteaux de TAlsace» (pp. 18, 19). 



— 55 — 

Son opinion fut ensuite accr^dit^e par M. Alfred Woltmann 
dans son ouvrage : Geschichte der deutschen Kunst im ElsnsSy 
Leipzig i876. De lA, eile passa dans le ikVogesenführeri> de 
M. Mündel, publik en 1881, et eile se trouve reproduite dans 
Tedition fran^aise de cet ouvrage, imprim^e en 1884. 

Mais M. G. Dietsch s'est bien gard^ de commettre cette 
m^prise. Dans son petit livre, il soul^ve la question fort natu- 
reUe: Pourquoi les pierres taill^es du chäteau d^truit (du petit 
bien entendu) n'ont-elles pas servi de carrifere pour la recons- 
truction du grand chdteau (p. 35)? La raison en est bien 
simple : c'est que les comtes de Thierstein n'avaient obtenu 
aucun droit sur le petit chäteau, qui ä cette ^poque ^tait pro> 
bablement d^jä ruin^. Je crois qu'il y a Heu d'attribuer sa 
destruction aux Armagnacs, qui en 1444 s'emparferent du 
chäteau de Chätenois et de la ville de St-Hippolyte. 

Le D' Kirchhoff, dans sa brochure sur le chäteau de Hoh- 
koenigsbourg, admet ^galement que le chäteau d^truit en 1462 
fut reconstruit par les comtes de Thierstein sur le möme em- 
placement, oü il se trouvait auparavant (pp. 13, 14). Le 
^Vogesenführer:» de M. de Seydhtz a partag6 cette manifere 
de voir (p. 148). 

Et en effet, un examen quelque peu attentif du grand 
chäteau fait voir que quelques parties et notamment le grand 
donjon carr6 avec sa belle petite porte en plein-cintre, sont 
d'une öpoque bien ant6rieure aux constructions hardies et gran- 
dioses, elev^es au quinziäme si^cle par les comtes de Thier- 
stein. A ce sujet M. Viollet-Leduc dit dans son dictionnaire 
dejä cit6 (T. III, 169) : «Les bätiments d'habitation sont 61ev6s 
probablement sur l'emplacement du vieux chäteau, dont on re- 
trouve des portions restees debout et englobees dans les cons- 
tructions de 1479 y> ; et plus loin : « La tour carr^e est le 
donjon qui domine Tensemble des d^fenses et parait appartenir 
ä Vancien chäteau. yf 

L'existence du grand chäteau avant le quinziäme siMe, 
mise en doute par MM. Rame et Woltmann et le Guide de 
M. Mündel, a encore 6te d6montr6e par M. Ringeisen, qui sur- 
veillait les travaux de consolidation execut^s au dit chäteau. 
Voici ce que cet architecte en dit dans le tome IV du Bulletin 
de la soci6t6 pour la conservation des monuments historiques 
d'Alsace, ann^e 1861, p. 52 : 

«En g^neral dans nos montagnes, lorsque le constructeur 
voulait 6tablir son chäteau, il choisissait la partie la plus 61evee 
du rocher qu'il nivelait et qu'il creusait autour du p^rimetre, 
qu'il avait d^termin^, aussi bien pour proteger les abords que 
pour se cr^er des materiaux le plus ä sa portee.» 



— 56 — 

«C'est ainsi qu'il a proc4(i6 pour le chäteau de Hohkoenigs- 
bourg. Le chäteau primitify le chdteau romariy a\'ant les de- 
veloppements ajoutös par les quinzi^me et seizieme siecles, a 
du ^tre limit6 entre le foss6 du couchant et les massives cons- 
tructions du levant. Ges parties, surtout celle centrale, qui a 
du servir autrefois de donjon, sont d'une solidit^ k toute 
öpreuve. La grande face du midi s'est moins bien conserv^e ; 
la raison en est simple : sa belle exposition vers la vallee du 
Haut-Rhin, ä l'abri de toute attaque, permettait de percer ses 
murs de fen^tres, qui ont 6t6 modifi^es et agrandies ä mesure 
que les habitudes changeaient. II est facile de voir encore des 
colonnettes a chapiteau cubique, supportant de petites arcades 
romanes ä fleur de la facade et houchees apres cotip, pour 
faire place ä d^auires baies rectangulaires plus vastes, ä des 
loges möme. Dans Tint^rieur, de grandes perc^es avaient ete 
pratiqu^es pour le passage des tuyaux de chemin6es. Ges parties 
plus dölicates, une fois attaqu^es, 6taient plus exposees ä la 
degradation.]) 

Des personnes bien competentes en celte matiere n'h^sitent 
donc pas ä affirraer que le grand chAteau fut reconstruil sur 
le meme emplacement vers la fin du quinzifeme siecle par les 
comtes de Thierstein, et que par consequent ce chäteau a tout 
aussi bien que le petit son histoire particuliöre das le treizieme 
siecle et m^me avant. 



VI. 



Brand der Herberge zum Spanbet 

in Strassbarg, 1497. 

Gleichzeitiges Gedicht mitgeteilt von 

Adolf Schmidt 

in Darmstadt. 



Ein Warhafftige geschi- 

chte, von einem Feür, geschehen zu 

Straszburg, als die Herberg zöm 

Spanbet verbrandt, Jm jar 

M. CCCC. XGVII. 

Vn ist in der Korweisz, gar lustig zu singen, etc. 

ll iVlAn hat kürtzhch gelesen, 
tausendt vierhundert jar, 
im syben neüntzigsten ist gewesen, 
sagt vns die gschrifft fürwar, 
man thet grosz wunder sagen, 
im land so weyt vn breyt, 
ach'gott wem soll ichs klagen, 
Maria der reinen meyd. 

flWas selbs mals inn der zeyte, 
zu Straszburg geschehen ist, 
die Messz thett man einleyten. 
so gar on argen list, 



— 58 — 

mancher biderman hats yemnminen, 
er hat sich bald bereyt, 
in die messz thet er kämmen, 
ward manchem von hertzen leyd. 

^Ein herberg will ich euch nennen, 
die ist vns wol bekant, 
jr mügens wol erkennen, 
zum Spanbet ist sye genant, 
dar inn da sach man sitzen, 
gar manchen biderman, 
der leyder mit seinem witzen, 
desz nachts im hansz verbran. 

flEs warendt frembde geste, 
inn die messz da kamen zwar, 
sye assen da dz beste, 
man trüg jn freüntlich dar, 
da es was an der nachte, 
an einem donstag spot, 
da man die ürten machte, 
zu schlaffen was jn not. 

fl Jetlichen thet man legen, 
darnach er Edel was, 
jr keyner thet sich regen, 
sye warend mftd vnd lassz, 
sye schlieffen on allen neyde, 
jr keyner sprach keyn wort, 
es werdt ein knrtze zeyte, 
da schreyen sye all den mordt. 

C Anffs feür het man keyn achte, 
das in der kuchen was, 
dabey man das essen machte, 
fürwar sag ich euch dz, 
es bracht sye inn grosses leyde, 
da es fieng zft brennen an, 
es horts weder knecht noch meyde, 
bisz das es feindtlich bran. 

ijEs was zft mittemacht, 
da man das fear sach, 
der Wächter nam sein achte, 
do er hüb an vnd sprach, 
ich sich ein fear her glasten, 
zürn Spanbet das ist war, 
stend aaff jr liebe geste, 
damit schrey er feare jo. 



— 59 — 

^ Sye theten ser erschrecken, 
die selben lieben leüte, 
ye einer den anderen thet wecken, 
wolaufF es ist an der zeyte, 
ich hAr des Wächters stimme, 
wie es hierin brinnen soll, 
jr einer schrey mit grime, 
das sollend jr glauben wol. 

f| Sye theten seer vmb traben, 
das es jn war bekannt, 
sye lieffen anff vnd abe, 
die Steg was ab gebrant, 
fünff langen inn der stnben, 
vnd horten disen stransz, 
vnd das ist nit erlogen 
sye kamen zum fenster aasz. 

f[ Der Wirt vnnd auch sein frawe, 
die waren erschrocken gar, 
nnn nem ichs anff mein trewe, 
des laden namen sye war, 
dz feür thet sye jagen, 
sye sprangen nacket hinausz, 
den andren thet man tragen, 
ein Stangen an das hansz. 

flSye liessen sich hinabe, 
wol an der stangen geschwind, 
mancher frumer mane, 
mftsst leyder bleiben dann, 
hemsz möcht er nit kämmen^ 
bracht jm grossen qael, 
yetlicher sprach besnnder, 
ach Gott hilff nun der armen seel. 

tjMftssend wir also sterben, 
mag es nit anders gesein, 
Maria du vil werde, 
so thft Yns deiner hülffe schein, 
helffen vns jr frummen leüte, 
vnd kummen vns zu steür, 
vnd thünd das bey der zeyte, 
das wir nit verbrennen im feür. 

fl Erst gieng es an ein schreyen, 
wol zft der selben fart, 
man mftcht jn nit wonen beye, 
das feür seer brennen ward, 



— 60 — 

zu hilff möcht man jn nit kumen, 

das was ein böse sach, 

also han ich vernammen, 

das hausz liesz manchen krach. 

f| Ein kindelin so kleyne, 
dz schrey gar kl&genlich, 
der wirtin kind ich meyne, 
dz weint so jämerlich, 
im fem* begand es gelffen. 
inn also grosser peyn, 
wilt du mir nit helffen, 
hertz liebstes müterlin. 

fj Das feür hat mich vmbgeben, 
so gar mit grosser qnel. 
es geet mir an mein leben, 
Maria nem mein seel^ 
ich thü dich früntlich grftssen, 
hertz liebstes mftterlin, 
ich hab mich gantz verwegen, 
es mftss gescheyden sein. 

fIDie Wirtin begnnd sich jehen, 
. mit angst vnd grosser not, 
soll ich dich nymer sehen, 
nim mich auch da grimmer todt, 
soll ich dich nimmer sehen, 
thftt meinem hertzen wee, 
man sach auch vil der trehe, 
ansz jren äugen gehn. 

€ Das feür kundt man nit leschen, 
man schutt vil wasser darin, 
ich meyn der wirtin Schwester, 
sye nam das kindelein, 
sye meynt sye wolt entdrinnen, 
das hausz fiel mit jr eyn, 
erst mftssten sye all verbrennen, 
wee der grossen peyn. 

€Da sich das hausz thet sencken, 
erst gieng es an die nodt, 
jr keyner sich mAcht wencken, 
sye müsten leyde den todt, 
Bchruen also sere, 
sye waren verfalle gar, 
Jesus du edler Herre, 
nym vnser seel war. 



— m - 

ijDen geyst handt sye anff geben, 
wol zft der selben stund, 
mensch vermerck mich eben, 
ich thft dir noch meer knndt, 
im Christen glanben seind sye gestorben, 
das hoii man also wol, 
im feür seind sye verdorben, 
Gott jr aller pflegen soll. 

f| Da es ward gegen dem tage^ 
do das feür geleschet was, 
da fieng man an zti graben, 
mensch vermerck mich basz, 
mein hei*tz thftt sich bewegen, 
wenn ich gedenck daran, 
anff die kirch sach man legen, 
vil manchen verbrenten man. 



fjKeynen kundt man erkennen, 
wenn einen ordens mann, 
die frawe mit dem kind ich nenne, 
das sollen jr wol verston, 
man legt sye all mit namen, 
w^ol anff die Spittelgrftb, 
die selbigen menschen alsamen, 
Gott geb jn die ewig rüg. 

i[ Die zal sollen jr erkenen, 
die do verbmnnen seind, 
drey vnd zwentzig thft ich nennen, 
vnd auch der wirtin kind, 
fand man jr Schwester am arme, 
inn also grosser not, 
lasz dichs herr Gott erbarmen, 
sye litten all den todt. 

fjEs ist ein kläglich dinge, 
wo es nnn würt geseyt, 
danon will ichs nimmer singen, 
hilff Maria du reyne magt, 
mit gesang will ichs beschliessen, 
wann hye zft disem mol, 
ich thft dich freundtlich grftssen, 
Jesn gnaden vol, Amen. 

Disz ist geschehen, a]s man zalt, 
M. GCCG. XGVII. Jar. 



m — 



4 Blätter in 8®, o. 0. u. J. Signatur II und III. Unter 
dem Titel stellt ein Holzschnitt die brennende Herberge dar. 
Die Verszeilen sind nicht abgesetzt, s(»ndern nur durch Striche 
getrennt. Die erste Strophe hat zwei grosse Anfangsbuchstaben, 
wovon der erste durch drei Zeilen geht. Der Text des Liedes 
beginnt auf der Rückseite des Titelblattes, die letzte Seite ist 
leer. In der Hofbibliothek zu Darmstadt. 

Eine zweite Ausgabe o. 0. u. J., deren Text von dem 
obigen fast nur in der Schreibweise abweicht, besitzt die K«^l. 
Bibliothek in Berlin. (Weller, Annalen H, 534.) Der Titel 
lautet : Ein warhafftige geschieht, || von einem Feür, geschehen 
zu Strasz- || bürg, als die Herbei^ zum Span- |1 beth ver- 
brandt, Jm jar || M.CGCC.XCVII. Darunter Holzschnitt, die 
brennende Herberge, von dem Darmstadter Druck etwas ver- 
schieden. Unten : ^ Vnnd ist inn der Korweisz, gar || lustig 
zu singen, etc. Schluss : [| AMEN. || Das ist geschehen, als 
man zalt || M CGGG XGVII Jar. Vor «Dasi> eine Hand. 4 bl. 
8« mit Sign. A ii und Kustoden. Das f nur vor str. 2 
und 17. 

Eine dritte, gleichfalls in Berlin befindliche Ausgabe (Weller, 
ebd. I, 226, 128. II, 534) weist einige Aenderungen im Text auf. 
Titel : Ein Warhallti || ge Geschieht, von einem (| Fewer, 
geschehen zu Straszburg, Als || die herberg zum Spanbetth 
ver- II brandt, Jm jar || M. GGGG. XGVII. || Vnd ist in der 
Korweisz gar || lüstig zu singen. || Darunter Zierleiste. Schluss: 
II AMEN. II Das ist geschehen als man zelet || 1497. Jar. jj 
Gedruckt zu Nürnberg, || durch Friderich || Gutknecht. 4 bl. 
8o ohne Sign., mit Kustoden. Weller: c. 1550. Der protestan- 
tische Drucker hat die im Text mehrfach vorkommende Jung- 
frau Maria immer durch Gott oder Ghristus ersetzt. So schliesst 
str. 1. : Man thet gros z wunder sagen, im Landt 
so weit vn fern, ach Gott wem soll ichs klagen, 
Christo meim lieben Herrn. Str. 12, 3. Herr Christa 
du vil Werder. Str. 16, 4. Herr Christ nim meine 
Seel. Str. 23, 4. Herr Gott dir seis geklagt. 
Str. 20, 7 statt au ff die kirch (Hess karch, karren?) 
auff den Kirchhoff. Die übrigen Abweichungen betreffen 
fast nur die Schreibung. 

Einen Abdruck des Liedes mit veränderter Orthographie 
giebt bereits (Schneegans) Strassburger Geschichten und Sagen 
(nach Künnast handschriftl. Chronik), p. 124. 

In «Kurtz vi ler Historien |[ Handt Büchlin ». Strasszburjr 
bey Hans Schotten. M.D.XXXVI. 4«. (W^eller, Annalen L 31, 
Nr. 137.) wird fol. 5b. unter der Ueberschrift «Spanbetts zfi 
Strasszburg brunst » der Brand in folgenden Versen erzahlt : 



— 63 — 

MCCCCXCVn. Zft Strasszburg in der Messz verbrannt 
Yni Jnlij Ein Herrberg z&m Spanbett genant, 

Ymb Mitternacht hüb sich die not, 
Den g&sten ward die zeit zu spot, 
Ir fjer vnd zwentzig bliben todt, 
Die jftmerlich all da yerbrnnnen, 
Die andern tbers Dach entrnnnen. 

Nach Str. 4 des oben mitgeteilten Liedes fand der Brand 
in der auf einen Donnerstag folgenden Nacht statt, nach dem 
cHandt Büchlin» am 8. Juli. Letzterer Tag fiel im Jahr 1497 
auf einen Samstag. Hiermit stimmen die Angaben der Archiv- 
Chronik (Code hist. et dipl. de la ville de Strasbourg, I, 217) 
überein, die aber in bezug auf die Zahl der Verunglückten von 
den beiden andern Berichten abweicht. Fol. 376 a heisst es 
nämhch : « Anno 1497 verbrandt ein herberg zu Straszburg 

genant das spambeth und 26 menschen, geschah in 

der mesz. » Ebd. fol. 66 a : «Do man zalt 1497 jar, in der 
straszburger mesz, da verbrandt das wirtzhausz zum spambett 
bey der schindtbrucken gar ab und 26 personen, darinen, die 
man auflF die spittelgrub fuort, und das was ein cleglich ange- 
sicht. Und auff den montag, als das am samstag friew beschah 
nach sant Ulrichs tag, do hatt man ir lipfTel im spittal, da 
gingen die räht und ein und zwantzig ab der pfalz zu opffren 
in dem spittal für die menschen die zu dem spambedt so 
eilend tlichen verbrantenn. :» 

Noch die Zimm. Chron. IH«, 125, 36 ff. spielt auf den 
Brand an mit den Worten : « der gross faist münch zu Strass- 
burg — , von dessen wegen vil ehrlicher leut zum Spanbet in 
der erschrockenlichen prunst umbkommen und verbrünen 
müssen, dann er seiner überschwenklichen faiste halb in ainem 
laden, do allain die ussflucht gewest, besteckt, hat megen 
weder hünder sich oder für sich gezogen werden, derhalben er, 
auch die andern jemerlichen verbrunnen.» 

Auf Grund verwandter Darstellungen (bei Friese, Vaterl. 
Gesch. II, S. 111) hat Daniel Hirtz 1839 den Brand im Spann- 
betl poetisch und in der Strassburger Mundart geschildert : 
Gedichte, 2. Aufl. S. 183. 

Das Gasthaus zum Spanbett lag neben dem Kaufhaus an 
der Schint-(Raben)brücke : [K. Schmidt] Strassburger Gassen- 
und Häusernamen im MA. S. 143. 



VII. 



Ein 



Vogesengruss aus dem Jahre 1506. 



Mitgeteilt von 

G. Knod 

in Schlettstadt. 



T, 



a OTix^iÄ Toi3 <J>iXcCJtou ::spt opeo? -KaTpixou — Vei'schen 
des Philesius auf das väterliche Gebirge — so lautet die schlichte 
Ueberschrift eines anmutigen Vogesengedichtchens, das durch 
des Zufalls wunderliches Spiel in ein gelehrtes Sammelwerk 
eines obscuren Tübinger Professors verschlagen, seit dem Jahr 
1506 zwischen unj>"eniessbaren längst vergessenen Dissertationen 
eingeschachtelt ein wenig beachtetes Dasein fristete i. Es ist 
wert, dass ihm im Jahrbuch des Vogesenclubs ein freundlicheres 
Plätzchen bereitet werde. Der Verfasser — Matthias Ringmann 
Philesius Vogesigena (Vosegigena) lautet sein voller Name — 
damals Privatlehrer in Strassburg, zugleich Korrektor in einigen 



^ Opnscnlnm Michaelis / Coccinij Tübingensis alias /Köchlin dicti./ 
De Imperij a Graecis ad Germanos Tra/latione. In quo etiam di/ 
seritur qai Galliae popnli spectent ad ins et ditionem Imperij. / Item 
de Francomm Origine, ac de duplici Francia/. De corona Imperij, 
et pleraqne / alia scitn memoratnqne digniss. / etc. etc. 4**. (Argent 
Jo. Grnninger.) 



— 65 — 

der dortigen Druckereien — ist selbst ein Vogesenkind. Geboren 
im Jahre i482 im Weissthal, wie es scheint in der Nähe von 
ürbeis, wurde er in der damals hochangesehenen Stadtschule 
zu Schlettstadt, der eigentlichen Humanistenschule in den ober- 
rheinischen Gegenden, unter Crato Hofmann gebildet, zog dann 
wie so viele seiner Schlettstadter Mitschüler nach Paris, wo er 
unter Jacobus Faber Stabulensis und dem als Dichter gerühmten 
Italiener Publius Faustus Andrelinus seine philosophischen 
und philologischen Studien vollendete. In die Heimat zurück- 
gekehrt, erwarb er sich bald in Strassburg als Lehrer der 
griechischen Sprache einen wohlgegründeten Ruf und trat in 
enge Beziehungen zu dem von Johannes Geiler von Kaisersberg, 
Jacob Wimpfeling und Sebastian Brant beherrschten Gelehrten- 
kreise dieser Stadt. Kränkelnd seit längerer Zeit starb der junge 
allgemein geschätzte Gelehrte, nachdem er inzwischen noch eine 
Korrektorstelle in St.-Di6 auf kurze Zeit bekleidet hatte, im 
Jahre 1511 in der Blüte der Jahre. Beatus Rhenanus und 
Jac. Ruser setzten dem frühgeschiedenen Freunde im Kreuz- 
gang der Johanniter-Komturei zu Schlettstadt eine Tafel zu 
ehrendem Gedächtnis i. Als Verfasser und Herausgeber mehrerer 
philologischer und geographischer Werke — wir verdanken ihm 
u. a. die erste Uebersetzung der Commentarien Caesars — in 
der gelehrten Welt jener Zeit hochgeachtet, hebt er sich auch 
als Dichter durch Wärme der Empfindung und verhältnis- 
mässige Einfachheit der Sprache von dem Tross der dichtenden 
Zeilgenossen vorteilhaft ab, wenngleich auch er dem Geschmacke 
der Zeit einen bescheidenen Tribut zollte. Wir lassen von dem 
auch in Gh. Schmidt, Hist. litt. 2, 105 mitgeteilten Gedichte 
eine freie Uebersetzung folgen. 

Wasgangebirge, dn reichst vom Fnsse der Rhätischen Alpen 

Hoch nach Norden hinauf bis zu des Trevir Gebiet. 
Trennest Gallisches Land von Tentonias blühenden Fluren, 

Unerschöpflich ans dir springt der belebende Qnell. 
Wo nach Westen da fällst zur untergehenden Sonne 

Dunkeler Tannen Gewirr decket der Berge Gehäng: 
Morta rinnet herab, Mortana, Mosa und Sella, 

Stürzen als Bächlein zu Thal, Segen der Gallischen Flur ; 



^ Die heute verschwundene Inschrift lautete : Christo Optimo 
Maxime. Matthiae Ringmanno Philesio Vogesigenae politioris Litera- 
turae apud Elsates propagatori, latinae eruditissimo, graecae non 
indocto, in ipso aetatis flore, non sine graui literarum detrimento, 
praematura morte sublato Beatus Rhenanus et Jo. Ruserus amico 
B. M. statuerunt. Vixit annos XXVIII. obiit anno M. D. XI. 

5 



— 66 — 

Eilen zum Strome geeint za der Mediomatriker Mauern, 

Einig im Namen zugleich jetzo Moseila genannt ; 
Lassen die Grenze zurück der Lotharingischen Heimat, 

In anmutigem Lauf strömen dem Rheine sie zu. — 
Aber wo das Gebirg gen Morgen steiler hinabfällt, 

Scheitel und Seiten zugleich gegen die Sonne gewandt: 
(Decket gleich auch hier der Berge tiefere Falten 

SchatteuTerbreitender Wald in dem zerklüfteten Thal) 
Bacchus spendet dahier und Ceres herrliche Gaben, 

Beben und Halme zugleich spriessen in buntem Gemisch. 
Köstlich reifet der Wein an der Hügel sonnigen Hängen, 

Ceres schüttet das Hörn über Alsatias Flur. 
Bayern und Schwaben empfahn was Alsas Boden erzeugte, 

Elsass liefert den Trank, Mutter Germania, dir. 
Hier entspringet die Breusch, die Moder, die muntere Sara, 

Alsa suchet den Lauf, Leber und Doller und Thur; 
Brausend stürzet die Weiss aus enggespaltener Felskluft, 

Eilet in flüchtigem Lauf an meiner Hütte vorbei. 
Burgen ragen empor auf unersteiglichen Felsen, 

Mit gepanzerter Brust sichernd den reisigen Mann. 
Freundlich winket von fern Odilias gastliches Kloster, 

Allen erquickende Ruh* bietest Odilia du 
Selig vor andern du, mein heimisch Vogesengebirge, 

Hegend in trautem Verein Aehren und Reben und 

Wald. 



VIII. 

Zwei Berichtigungen 

betreffend Barg Fleckenstein im Wasgan 

von 

F. A. Ihme 

im Bärenthal. 



I. Die Abbildung der Borg. 

Jjjs ist bis zur Stunde gang und gäbe eine Ansicht bei 
Speckle, Architectura von Vestungen fol. 88^ für die Abbildung 
unserer elsassischen Burg Fleckenstein zu halten. Irren wir 
nicht, so hat Matth. Merian in seiner Topographia Alsatiae die 
Schuld diese Meinung verbreitet zu haben. Speckle selbst hat 
seiner Burgen keine mit Namen bezeichnet. 

Es ist endlich Zeit, dass man von diesem offenbaren Irrtum 
zurückkomme. Wir fordern hiermit ausdrücklich dazu auf. 

Die Beschreibung, welche Speckle zu der Ansicht gibt, 
welche man für eine Darstellung unseres Fleckenstein hält, 
passt absolut in keiner Weise auf unsern Fleckenstein. Wer in 
f Kraus, Kunst und Altertum», I, 60, diese Beschreibung 
liest, und den Fleckenstein aus eigener Anschauung kennt, 
kann nicht mehr zweifeln, dass unsere Behauptung keine 
falsche ist. 

Liest er dazu noch, was Krieg von Hochfelden, Ge- 
schichte der Militär -Architektur des frühen Mittelalters, Stutt- 
gart 1859, sagt, so können ihn dieses Gelehrten Versuche 



— 68 - 

Speckle's Beschreibung zu dem betreffenden Bilde passen zu 
machen und die Unterschiede zwischen Letzterem und der 
Wirkhchkeit möghchst zu mildern, nur in Erstaunen setzen. 
Je weiter man liest, je grösser wird der Abstand zwischen dem 
«sogenannten» Fleckenstein aus Speckle und dem wirklichen 
Fleckenstein im Unter-Elsass. 

Führen wir nur eins an, Kiieg von Hochfelden sagt: tDie 
Höhe der Felsensäule beträft etwa 140 Fuss, die Spitze der- 
selben ist durch Natur und Kunst zu einem iiO Fuss langen, 
60 Fuss breiten, von SO nach SW laufenden Rechteck ge- 
bildet.» Das Verhältnis zwischen Höhe und Länge des Felsen 
. wäre also etwa 5 zu 4. 



Man sehe dagegen die Ansicht bei Speckle s. o, (wieder- 
gegeben von Merian; Kuhn: Niederbronn; Woltmann: Gesch. d. 
deutsch. Kunst im Eis. S. 201 fT.) an, und behaupte noch, dass 
ein Baumeister und Künstler wie Speckle, die Verhältnisse von 
Höhe zu Länge des Felsen so falsch gezeichnet hätte, wie sie 
erscheinen, von allem andern abgesehen! 

Nein, es mögen Krieg von Hochfelden, Woltmann und 
andere, und wer es sei, sich helfen, indem sie behaupten, 
Speckle liabe die Verhältnisse steiler dargestellt, des Effektes 
wegen u. s. w-, wir glauben solches nicht, es sei denn, dass 
man beweise, dass es Speckle selber gesagt. Denn, noch einmal. 



— 69 — 

wer den wirklichen Fleckenstein und Umgegend genauer kennt 
und Speckl'e's Bild nicht oberflächlich sondern gründlich ansieht, 
der muss mit uns übereinstimmen und sagen : 

Nie und nimmer hat Speckle beabsichtigt mit der betref- 
fenden Ansicht den elsässischen Fleckenstein abzubilden, noch 
mit der zu dem Bilde gegebenen Erklärung den elsässischen 
Fleckenstein zu beschreiben. 

II. Wann ist Borg Fleckenstein eingenommen und zerstört 

worden? 

Paul Conrad Balthasar Han, das Seel-zagende 
Elsas, Nürnberg 1676, Vorrede dat. Nürnberg am Tage Aegid. 
(d. i. d. 1. September) schreibt S. 94: 

«Anno 1674, den 19. Februar ist eine starke Parthey 
Franzosen, unterm Marquis de Vaubrunn, vor dieses Schloss 
Fleckenstein kommen, so solches aufgefordert, mit Betrohung 
dafem sie sich nicht ergeben wollen, den Schaffner (als der 
mit 14 Bauern darauf gewesen) hencken zu lassen. Welcher 
dann dadurch (des Sprichworts vielleicht nicht eingedenk, dass 
man keinen hencken kann, man hab ihn denn [zu] vor) ge- 
schröcket, das Thor geöffnet und die Frantzosen eingelassen. 
Dieses Schaffners Zagheit und unverantwortliche That ist billig 
zu bewundern, als der eine so herrliche Hauptvestung, so in dem 
30 jährigen Krieg nie mögen überwunden oder gewonnen 
werden, jetzo so liederlich übergeben und gleichsam verrathen. 
Auf diesem Schloss hat der Feind nicht nur einen grossen 
Vorrath von Victualien, sondern auch sonsten viel dahin als in 
Sicherheit gebrachte kostbahre Wahren gefunden, und Beut 
gemacht. » 

Diesem Han folgt Strobel, Vaterl. Gesch. d. Elsass. V, 63, 
setzt aber vermöge Druckfehler den a. 1674 nicht vorhandenen 
29. Febr., Schöpflin, Alsatia ill. II, 241. Auch Lehmann 
dreizehn Burgen etc., Strassb. 1878, S. 97 weiss nichts mehr. 
Die völlige Zerstörung der Burg setzten Schöpflin, Lehmann etc. 
etc., ins Jahr 1680. 

Laut Han und Lehmann etc. hätten also die Fran- 
zosen 1674 Fleckenstein eingenommen, in Besitz 
behalten und 1680 zerstört! 

Die von Han berichtete und von späteren Schriftstellern 
ihm nachberichtete Uebergabe der Burg Fleckenstein und gleich- 
zeilige, am 19. Februar 1674 erfolgte Besitznahme derselben 
durch die Franzosen scheint uns nun mit den Aufzeichnungen 
der Kirchenbücher der evangelisch-lutherischen Pfarrgemeinde 
Lembach nicht im Einklänge zu stehen. 



— 70 — 

Der derzeitige evangelisch-lutherische Pfarrer Wilhelm 
Philipp Steinmetz hat am 22. Januar 1674 zu Lembaeh, 
am 6. März auf der Glashütte zu Mattstall, am 21. März wieder 
zu Lembach getauft. An letzterem Datum heisst es, das Kind 
sei geboren von Eva Elisabetha, Hans Sontags Herro, eines 
geflehnten (geflüchteten) Bürgers von Retschweiler, ehel. Hausfr. 

Am 27. März aber tauft Pf. Steinmetz auf Fleckenstein 
d. i. auf unserer Burg, Hans Caspar, geb. von Maria Thiebold 
Jungen von Sulz anjetzo wegen zu vielfältigen fran- 
zösischen Durchzügen sich mit Weib und Kindern 
neben andern mehr daselbsten auffhaltenden, 
ehel. Hausfrau. Pfettern und Göttel sind : Friedrich Albrecht, 
Pförtner zu Flecken stein, Marx Bimpelmeyer, Weber 
und Burger und Inwohner zu Sulz, und Jungfrau Anna Eva, 
Balthasar Kempen Seel. zu Sulz, nachgel. Tochter. 

Hätten die Franzosen unsere Burg in Besitz gehabt, wie 
gemeldet wird, seit dem 19. Febr. schon, wie hätten am 27. 
März solche, die wegen zu vielfahiger französischer Durch- 
züge von Sulz hergekommen, sich darin aufhalten, wie hatte 
unser lutherischer Pfarrer auf Fleckenstein taufen können? 

Am 14. August hält Pfr. Steinmetz wieder eine Taufe 
auf Fleckenstein, und zwar tauft er wieder das Kind 
eines Geflüchteten, Herrn Durst Abt von Sulz. Pfetter ist 
Hans Georg Ringel, Schulmeister von Sulz. Die Göttehi sind, 
die eine von Sulz, die andere von Retschweiler, lauter Greflüchtete 
also. 

Am 30. August hält Pfr. Steinmetz auf Fleckenstein 
zwei Taufen ; er tauft daselbst auch am 25. November und ist 
diesmal Pfetter des jetzigen Wachtmeisters alhier auff 
Fleckenstein, Hans Veiten (Familienname nicht ausgefüllt), 
ehel. Hausfrau. 

Dass es in der Umgegend recht unsicher war, beweisen 2 
zu Lembach im Haus bei Nacht gehaltene Taufen : am 5. Juni 
und am 28. November. Doch hat PIr. Steinmetz am 4. Sep- 
tember zu Steinbach getauft. Die beiden Pfettern waren bis von 
Reipertsweiler, bei Lichtenberg, hergekommen. 

Vom Jahr 1675 sind nur 3 Taufen eingeschrieben, eine 
geschah in Steinbach, die andere in Lembach, die dritte 
zu Fleckenstein. Letztere interessiert uns besonders. 
Am 26. Dezember, also am Stephanstag, wurde getauft Johann 
Gottfried, gebobren von Anna Regina, Herrn Johan 
Michael Culmanns, Kellers auff Fleckenstein, 
ehel. Hausfrau. Dieser «Kellern» ist aber niemand anders 
als der schon im J. 1669 und den folgenden in den Kirchen- 
büchern vorkommende verordnete herrschaftlich flecken- 



— 71 — 

steinische Keller, d. h. Amtmann der Kellerei 
Fleckenstein. Das wäre also der Verrater, nach Han, der 
Schaifnery oder der Burgvogt, wie Lehmann sagt, welcher 
unsere Burg übergehen hätte I Ich schätze, die Franzosen, 
wenn sie auf Fleckenstein gewesen wären, hätten 
ihn nicht lassen fröhliches Tauffest halten ! Taufpathen waren : 
Joh. Gottfried Schmitt, der Kindhetterin Bruder Hans Georg 
Meissner, Pfarrer zu Ködern. 

Ich denke mir, es hat damals in unsem Gebirgen ein 
guter Schnee gelegen und die Franzosen haben sich vor der 
Kälte in ihre Winterquartiere zurückgezogen gehabt. Auf den 
Neujahrstag 1676 hat Pfr. Steinmetz in Obersteinbach ein Kind 
getauft und als Taufpathe war gegenwärtig Meister Hans Jacob 
Dieflenbacher, Schreiner zu (Langen-) Sulzbach und Wacht- 
meister zu Schöneck (der Burg, die den Eckbrecht von 
Dürckheim gehörte). Auch die Göttel hatte es gewagt, mit von 
der Burg Schöneck herüberzukommen ; der Weg ist allerdings 
nicht sehr weit. 

Das Blatt scheint sich jedoch bald wieder gewendet zu 
haben, denn Hans Jakob Trautmann von Niedersteinbach lässt 
sein Kind am 16. Januar auf Fleckenstein taufen und 
seine Zeugen hat er aus den Bewohnern der Burg ge- 
wählt: Hieronymus Härtung, der mit Weib und Kind daselbst 
wohnte, jedenfalls als Soldat und des Durst Abts Hausfrau; 
diesen Durst Abt haben wir oben als von Sulz aufgezeichnet 
angetroffen, er ist bei einer nachfolgenden Taufe ausdrücklich 
als Soldat eingetragen. 

So kommen noch 3 Taufen auf Fleckenstein vor: am 
5. März, am 8. August und 17. Oktober. Wir erfahren aus 
den Akten, dass der Keller auf der Burg noch immer 
Joh. Michael Culmann ist; es wird ferner genannt, ein 
Soldat Namens Friedrich Bitsch ; am interessantesten ist 
uns, dass als Pathin eingeschrieben ist, Jungfrau Magdalena, 
die Tochter des Herrn Christoph von der Lieth, 
Lieutnants und Kommandanten auf Fleckenstein. 

Im Jahr 1677 tauft Pfr. Steinmetz wieder vier Mal auf 
Fleckenstein, doch auch zwei Mal zu Mattstall, zwei Mal in 
Lembach und sogar in Klimbach. 

Kommandant auf Fleckenstein war nun der 
Lieutenant H. Carolus Magnus Büttner, seine 
Haustrau hiess Ursula. Keller war noch Herr Cul- 
mann; als Soldaten kommen vor die schon genannten 
Friedrich Bitsch, dann Meister Jakob Sauerkopf, Schmied von 
S u 1 1 z, Meister Hans Michael Villhard, Weber und Schul t- 
heiss zu Lembach, Soldat auf Fleckenstein, und 



— 72 — 

H. Thomas, Wachtmeister auf Fleckenstein, alles 
fleckensteinische Unterthanen, und Villhard, sogar 
fleckenst. Schultheiss, daher alles nicht fran- 
zösische, sondern fleckensteinische Soldaten. 

Im Jahre 1678 kamen nur 3 Taufen vor, eine zu Wingen, 
eine zu Lembach und eine auf Fleckenstein. 

Das nächstfolgende Jahr hatte der Pfarrer weitere Gänge 
zurückzulegen: am 21. Januar taufte er zu Mattstall und waren 
Pathen da von Kutzenhausen, von Sulzbach und von Lembach. 

Dreimal taufte er in Lembach, einmal in Drachenbronn 
und 4. Tage später, am 6. März, auf Burg Schön eck, 
hier das Kind des Soldaten Andreas Müller. Seine Tauf- 
pathen waren: H. Johann Garmann, Kapitain Armis, 
Hans Jacob OberdörfFer, Wachtmeister, und Jgfr. Apol- 
lonia, H. Job. Georg Kochen Hauptmanns und 
Kommandanten daselbst, Jungfr. Tochter. Dreimal 
taufte er auch zu Fleckenstein; am 6. Hornung, ein 
Kind des f leckensteinischen Kellers, Herrn Joh. 
Michael Culmann; dessen Pathen waren der hochedel- 
geborne Caspar Heinrich von Ponickau (aus 
Sachsen) Fenrich und Kommandant zu Flecken- 
stein und H. Antoni Weissdorff's Obristlieu- 
t e n a n t s Tochter. Bei den beiden letzten Taufen auf 
Fleckenstein, am 3. November und am 15. Dezember, wo 
der Soldaten Hans Mich. Yillhart und Hans Mich. 
Schöffen Kinder getauft wurden, sind nur bei der letzten 
die Pathen eingeschrieben, unter denselben ein Soldat Franz 
Albrecht, früher schon als Pförtner auf Fleckenstein einge- 
tragen, und die Tochter des Lieutenants Hans Heinr. 
Kühl in g. 

Nachdem wir das Taufregister ausgebeutet, wenden 
wir uns zu dem Kopulations-Buche; es bietet uns 
ebenfalls etliche merkwürdige Aufzeichnungen. 

Im Jahr 1674 am Mathistage, also 5 Tage nach der 
angeblichen Einnahme von Fleckenstein, hält 
Pfr. Steinmetz zu Niedersteinbach eine Kopulation! Wer hält 
solches in den damaligen Zeiten für möglich ! Am 5. Mai 
kopuliert er zu Lembach, desgleichen 8 Tage später! 

Aber 1675 am 14. März kopuliert der Pfarrer zu Flecken- 
stein ein Paar. Der Hochzeiter ist von Retschweiler, die 
Hochzeiterin von Sulz. Das waren also Geflüchtete! 

Anno 1676 den 30. Aprilis sind zu Steinbach (d. i. Ober- 
steinbach) kopuliert worden : 

Der Ehrenhafifte vndt Mannveste Herr Dieterich Ohmbach, 
der Ghur-P fältzischen Guarnison zu Schöneck 



— 73 — 

Vnter dem Hauptman vndt Commandanten da- 
selbsten Johann Georg Kochen, gefreyter Corporal 
von Marpurgk auss Hessen bürlig an einem : Vndt mit Ihme 
die Tugentsame Maria Baurin, Hanss Bauern seel. hinterlassene 
Wittib am andern Theil. 

Hätte man etwa bisher die Mutmassung hegen können, 
Fleckenstein sei, obgleich den Franzosen übergeben, doch weil 
etwa die Herrschaft Fleckenstein mit Frankreich im Bunde 
gestanden (obwohl dalür keine geschichtlichen Beläge vor- 
handen I) geschont worden, so fallt hier diese Vermutung 
dahin. Es ist bekannt, dass Churpfalz und dessen Vasall und 
treuer Diener Wolf Friedrich Eckbrecht von 
Dürckheim, dem Burg Schöneck gehörte, im geringsten 
keine Franzosenfreunde waren. Wie hätte ein Glied der dasigen 
Garnison es gewagt, in unmittelbarer Nähe unter dem Feuer 
der Franzosen, die auf Fleckenstein gesessen wären, sich kopu- 
lieren zu lassen I Wie hätte es der lutherische Pfarrer zu Lem- 
bach wagen dürfen, einem den Franzosen feindlichen Soldaten 
seine kirchenamtlichen Dienste zu leihen, falls diese im Besitz 
von Fleckenstein gewesen wären?! 

Am 22. September wurden eingesegnet zu Flecken- 
stein der Erbare Junge Gesell Hanss Michel Wilhart, 
G. Michael Wilharts, Schultheissen zu Lembach ehel. Sohn 
und mit Ihme Jungfrau Magdalena Herrn Christoph 
von der Lieth Lieutenants zu Fleckenstein 
ebel. Tochter. 

Hätte man oben zweifeln können, ob der Lieutenant 
Christoph von der Lieth nicht wirklich in Flecken- 
stein'schen Diensten gestanden, oder ob er nicht etwa von den 
Franzosen gesetzt war, hier sehen wir ihn seine Tochter dem 
Sohn des herrschaftlich Fleckensteinischen Schult- 
heissen zu Lembach zur Ehe geben. 

Im folgenden Jahr 1677 segnet unser wackerer Geistliche 
am 20. April eine Ehe in Lembach, am Tage darauf eine in 
Niedersteinbach, später noch eine daselbst und am 2. September 
desgleichen eine in Lembach ein. Am 21. August wurde er 
selber zu Fleckenstein ehelich eingesegnet mit Anna Mar- 
gareta, der Wittwe des verstorbenen Fleckenstein'schen 
Schultheissen zu Lembach Peter Schusters. Wer die 
kirchliche Handlung vollzogen, steht nicht angeschrieben. Auch 
am 11. September hat er eine Ehe auf Fleckenstein 
eingesegnet. 

Es bleiben uns zwei Aufzeichnungen namhaft zu machen, 
eine aus dem Jahr 1678, und eine aus dem Jahr 1679, welche 
beide sich auf unsere Burg beziehen. Eine Ehe segnete 



— 74 — 

Steinmetz den 25. Mai 1679 zu Lembach ein. Am 20. Harz 
1678 aber sind zu Fleckenstein kopuliert worden der 
Ebrsame vndt Mannhafite Herr Christoph Gross Gefreyter 
unter dem Isenachischen Regiment vndt zwar 
unter Commando H. leutenants Grävendorff; Yndt 
mit Ihme Frau Margreta H. Johann Hübners all hie zu 
Fleckenstein verstorbenen Gefreyten seel. nach- 
gelassene Wittib. Den 29. Juni 1679 aber wurden eingesegnet 
der uns schon bekannte Pförtner Frantz Albrecht und 
Anna Ulrich Schulers zu Steinbach nachgel. Wittib. 

Wie reichlich ist die Reihe der Aufzeichnungen über 
Taufen und Trauungen ausgefallen^ welche von 1674 — 1679 auf 
unserm Fleckenstein gehalten worden! 

Nun aber (ritt plötzlich mit dem Jahre 1680 eine auf- 
fallende Wendung ein. Fleckenstein ist verschwunden 
als Taufort, als Traualtar. Das Heiligtum ist dahin, 
Taufstein und Altar müssen sammt der Burg, wie allgemein 
berichtet wird, 1680 und zwar Anfangs des Jahres, in Trümmer 
gesunken sein. Hat doch am 15. Dezember 1679 noch eine 
Taufe dort gehalten werden können. 

Die im Jahr 1680 geschehenen und im Kirchenbuche einge- 
tragenen Taufen aber hielt Pfr. Steinmetz am 27. Mai, am 14. 
Oktober und am 9. Dezember in Lembach, eine in Nieder- 
steinbach, und eine auf Pfafienbrunn. Der frühere Soldat, Sohn 
des Pfortners auf Fleckenstein, ist noch am Leben, heisst aber 
als Pathe eingeschrieben : der junge Gesell ; Hans Michael 
Villhardt ist wieder wie vordem Weber und Schultheiss zu 
Lembach. 

Und von Fleckenstein geschieht erst in etlichen 
Jahren wieder Erwähnung, da ein armer Maurer sich droben 
authält und später ein Hofmann, ein Förster, ein Jäger sich 
daselbst eingewohnt haben. 

Aus alledem merkt man, ohne dass der Pfarrer eine be- 
sondere Aufzeichnung in die Kirchenbücher getragen, dass 
eine grosse Veränderung vorgegangen, dass unsere Burg dahin ist. 
Oben beim Jahre 1674 ist auf keinerlei Weise zu erkennen, 
dass eine Aenderung in den Verhältnissen unserer Burg vor- 
gegangen, dass der Besitz derselben den Franzosen zugefallen 
wäre. Wir fanden daselbst lauter flecke nsteinische 
Unterthanen, selbst fleckensteinische Beamte. 
Die Soldaten sind deutsche Soldaten, die Kom- 
mandanten sind ebenfalls Deutsche. Es wäre solches 
gewiss leicht noch bestimmt zu erhärten, wenn man über den 
Herrn Caspar Heinrich von Ponickau, und das Isenachische Re- 
giment die nötigen Nachforschungen als Beläge herbeizöge. Der 



— 75 — 

evangelisch-lutherische, und wohlgemerkt herrschaftlich-flecken* 
steinische Pfarrer geht auf unserer Burg aus und ein, die 
evangelisch-lutherische Religion wird in der Kapelle daselbst 
frei und ungehindert ausgeübt, und der Pfarrer kann fast 
allezeit sein Amt in seiner Gemeinde und deren Filiale ver- 
sehen. Auch nach Mattstall, hören wir, dass er sich gewagt. 
Kurz, dieses alles stimmt nicht mit dem Begriff, den man sich 
von den Soldaten Ludwigs XIV auf geschichtlichem Grunde 
gebildet hat ; das stimmt nicht mit dem Rufe, sage mit dem 
Übeln Leumunde, den sie sich selber zugezogen haben. 

Han hat also wohl, weil nach eigener Aussage in seiner 
Vorrede, er sein Werk für die bevorstehende Frankfurter 
Herbstmesse 1676 fertig stellen wollte, irgend etwas von einem 
Verrat, im Jahre i674 geschehen, erzählen hören und solches 
Gerücht, kurzer Hand für Wahrheit an- und in sein Werk 
aufgenommen. 

Was das gewesen, können wir auch sagen. Am 15. 
Dezember 1679 fanden wir bei einer Taufe auf Fleckenstein 
als Pathin die Tochter des Lieutenants Hans Heinrich 
Kühling. 

Von diesem Lieutenant fanden wir an einer Stelle, wo 
man diese Nachrichten gewöhnlich nicht zu suchen pflegt, und 
ob man sie nicht erwartet, doch darnach fahndet, eine Auf- 
zeichnung, die wir ganz hersetzen in ihrer ursprünglichen 
Gestalt, weil sie geschichtliches Interesse befriedigt. Sie steht 
im Gopulationsbuche zu Lembach. 

Im Jahre 1659, am 27. November nämlich, verehelichte 
sich der genannte Kühling, Sohn des Papiermeisters auf der 
Lembacher Papiermühle, mit der Tochter des Hüttenmeisters 
Greiner von der Glashütte zu Mattstall. 

Von späterer Hand ist beigefügt : 

Den 24. Mai anno 1697 St. N. ist dieser Heinrich Kühling 
als pardisan oder Partheygänger zu Bitsch, hinder Anweyler 
von einer Truss parthey Soldaten : so nicht nur allein auf Ihn 
lauerten, sondern auch im mittleren, untern und obern Elsass 
die Leuth sonsten in Contribution zu bringen (suchten) : umb- 
ringet (umringt), sampt sechs erbärmlich auff vielseitiges 
Kugelwechseln gegen Einander, Endlich Todt auffm Blatz 
Blieben. Das Sprichwort : wie Gelebt, so Gestorben, hat sein 
Endtschluss kräfftig erwiesen : denn es ist mehr dann allzuviel 
bewusst, dass Er Heinrich vor Etlich Jahren apostasirt biss an 
sein Endt mit huren öffentlich beholffen, undt also die Ehe> 
dieweil sein fraw Catharina noch lebte, öffentlich gebrochen, 
in fressen, saufen und anderen lästern mehr, so nicht alle zu 
erzehlen, sondern mil seinem Tod zu begraben (sind), hab ich 



— 76 — 

Simon Christian Zinck p. t. pastor, solches notumbene merken 
und hinterlassen wollen. Er ist auch Ursach, dass vor 
20 Jahren, ohngefähr 1675, der Flecken durch 
die Frantzosen in Aschenhaufen gelegt ^Tsrorden, 
^vsreil Er etliche Soldaten in Iberach angegriffen 
und erleget. 

Es werden also die Franzosen einen Putsch auf Fleckenstein 
versucht haben ; da derselbe aber misslungen, haben sie an 
dem fleckensteiniscben, nahe gelegenen Flecken Lembach ihr 
Mütlein gekühlt I ^ 

Dass auf unsrer Burg Fleckenstein sie nichts zu befehlen 
gehabt, ist nun wohl unsern Lesern, wie uns, so gut als gewiss. 

Sehr dankbar wären wir jedoch Jedermann, der über diese 
ganze Sache weitere historische Nachrichten zu bieten, oder 
Quellen dafür anzugeben im Stande wäre ! 



1 Davon mag, weil allezeit zur Wahrheit hinzugedichtet, und das 
Unglück, um recht interessant zu erscheinen, noch grösser gemacht 
wird, als es ist, die Sage von dem Verrat unseres Fleckenstein 
entstanden sein. 



IX. 



Mundartliches 



u 



I. Oberelsässische Dichtungen 

von Gayelin in Rixheim. 

's Schäferthal. (Bei SuIzmaU.) 

Volkssage. 



f domigem Pfad hat ermattet e Hirt 
Si Liäblingslamm z'süeche, im Wald si virirrt; 
Er sehnt si, virlächzend, scho Stunde an Stnnd, 
No kiählendem Wasser mit brennendem Mnnd. 

Erschepft sinkt er nieder an jomert ganz still: 
«Soll do i virschmochte, isch, Herr, so di Will ! 
Marias Hilf äinzig mi Harz noch virlangt, 
Fir dass m^r bim nahende Stärwe nitt bangt» 

Do springt üs em Bode-n e mnrmelnder Qnell, 
Er biätet e Trank wiä Kristall e so hall. 
D'r Schäfer tritt nächer : d'r Gettlige Bild, 
Das strahlt em entgege gar liäwlig an mild. 

Er gjtt, dass si^s Wander im Thal ammebräit, 
Züem Branne, vom Thal de Bewohner o^s Gläit. 
Wo sonst nit as dirftige Haide erwacht, 
Do sprosse jetz Blüeme in daftender Pracht. 

Gar lang hat dXegände im Bildnisz me gschaüt, 
Im Eürchle, züem Dänkmol bim Branne erbaut. 
Noch sprudelt frisch Wasser, ^s isch d'Qaelle noch do, 
Doch d^Wander, ^s kristallhäll hänn bäide yirlol 



— 78 — 
QuaolcsalTverei. 

Schwank. 

Z'Milhüse isch e Johrmärt gsie, 
E Qnacksalwer kamt o dmf hie. 
Er riähmt ein neie Arzenei, 
Mit Trnmmelschlag, Trnmpeterei, 
E Pulver, güet fir d'Fleh zVirtriwe: 
Wiä z^brüche, das yirgiszt er z^bschriwe. 

^8 will jedermann e Packle nfih, 

Wil er se fir e Sü ka gä. 

Boll isch virtriewe alle Waar, 

Er het im Sack d'r Nutze klar. 
Packt zämme sine siewe Sache 
üf andere Johrmärt 's gliche zumache. 

Do kumt noch gschwind e alte Frau 
ün frogt : cHerr ! sage m'r doch gnaü, 
Wiä m'r das Pulver brüche miän 
Dasz dTleh äim nimme pfätze thiän?» 
D'r Charlatan : «I wilVs I sage, 
Doch miän Er^s nitt umnander trage. 

«Wenn äim dV Floh am Hintere biszt, 
Me fangt en, druf em 's Mül ufriszt, 
E Prise uf d'r Zahn em tho, 
üerpletzlich müesz er 's Läwe lo. 
Er ka drno käi Mensch meh ploge, 
Un isch's nitt wohr, so ha-n-i gloge.» 




II. Einige Spraciiproben aus dem MOnstertbale 

von J. Spieser. 

Das Münsterthal bietet nicht nur in landschaftlicher Be- 
ziehung, sondern auch in Sitten, Tracht und Mundart seiner 
Bewohner recht viel Eigentümliches dar. Während aber die 
landschaftliche Schönheit desselben ungetrübt immer dieselbe 
bleibt, geht das Eigentümliche der Sitten, Tracht und Mundart 
mit Riesenschritten seinem Untergange entgegen. Meist infolge 
einer zahlreichen durch die Fabriken veranlassten Einwanderung 
von Fremden löst alles Einheimische sich immer mehr auf. 
Aber während das Münsterthal, wenigstens in den Dörfern, 
dem Andringen des ihm fremden Französischen wacker wider- 
stehen konnte, vermag es dies nicht dem Einflüsse des ihm 



— 79 — 

näher verwandten allgemeinen Elsassischen gegenüber. Es gilt 
daher, das Vorhandene zu sammeln, ehe es spurlos aus der 
Geschichte verschwunden ist. 

Die Mundart in der ich die folgenden Sprachproben mit- 
teile, ist die des Dorfes Mühlbach (Melpo) ; dieselbe wird mit 
ganz unwesentlichen Abweichungen auch in Sondernach (Sutarnä), 
Metzeral (Matsdrai) und Breitenbach (Preitapa) gesprochen, sie 
muss sich aber früher bedeutend weiter ausgedehnt haben, wie 
aus der Vergleichung der benachbarten Mundarten, namentlich 
derjenigen von Sulzem, sich ergibt. 

Die von mir angewandte Orthographie ist streng phonetisch , 
jedem Laut entspricht ein, aber auch nur ein Zeichen. Kleine 
Schattierungen, z. B. dass die Konsonanten im Auslaut härter 
klingen als im Anlaut, habe ich dabei nicht berücksichtigt. 
Die Lange der Vokale wurde mit einem Strich über dem betr. 
Vokal, der nasale Laut, der meines Wissens unsere Mundart 
von allen übrigen des Elsasses unterscheidet, wurde durch einen 
Punkt unter dem betr. Vokal bezeichnet. So habe ich z. B. 
vom Laut » vier Variationen 1) kurz (ae), 2) lang (S), 3) kurz 
und nasal (x), 4) lang und nasal (^, letzteres ist völlig iden- 
tisch mit dem französischen Laut <ain)) in ccraindrei». 

Die vorkommenden Vokale, zehn an der Zahl, sind fol- 
gende : i, e (franz. ^), e, se, a (tonloses, fast wie ein flüch- 
tiges a klingendes Schluss-e), a, a (Laut zwischen €a» und «o]»), 
0, u (Laut zwischen <u]» und (co]>, u ist das franz. «onx> z. B. 
in «honte»), y (ü). Die Mundart besitzt ausserdem folgende 
iO Diphthonge : ie, ie, yo, yu, ei, ei, ai, ai, oi, ui. In jedem 
Diphthong sind beide Bestandteile deutlich hörbar, also nicht 
wie im Hochdeutschen ie = T und ei = ai. Von Nasallauten 
kommen folgende vor T, «, ä, a, u; aei, ai, ai, ui. Die 
14 Konsonanten sind folgende : p, t, k (im Anlaut b, d, g, im 
Auslaut, p, t, k ; soll im Anlaut der harte Laut ausgedrückt 
werden, so geschieht dies durch Hinzufügung eines h : phaltd 
behalten, khert gehört) ; w, j ; m, n, n (ng) (diese 3 Konso- 
danten rufen oft Vokaländerungen hervor) ; 1, r ; f, s, f (seh), 
h (nie stumm ; im Auslaut wie ein schwach aspiriertes «ch», 
das nach den Vokalen i, e, e, y etwas weicher, nach a, a, o u 
etwas härter klingt. Vgl. die beiden Laute des «ch» in den 
hochdeutschen Wörtern «ich» und «ach»). 

S kapryote khalpfleif. 

3 patdlpiewle bei emyol 
tsnm Wewdrkreftls kseit : 
«kapryot9 khalpfleif, tank' ih wyol, 
mns ߻2 9 herlikheit > 



— 80 - 

«8 mä^ Bfe,> seit är, «as^ kynt sal ef, 
ih hl na nie khsens khi; 
toh awer sa, wu teifdls hef 
fn kasa ty terfa*?» 

«ja,» seit tor piswla, «ih na n£t, 
mir het n^ niema kä<^, 
e minar kryosi'^ er pryutar het 
fu khalpfleif asa ksa.» 

1 denke. ^ sein. 3 mag. ^ dass. ^ davon. ^ gegeben. ^ kryosla 
Grossmatter. 



Ter pirohietar*. 

^m Pf lisla 2 hai aem Frisnawolt 
tsa naht als tiep ti pira khölt. 
sa ssei am p^ts' ss hefla khnma 
n hai als kherp fol met kanoma. 

tar Wolt ^ sf nst tsafreta mst, 
tas perakfetalö kfalt am nst, 
ar seit: «ih wsl ti£ fu farsola^, 
wxi mir als mini pera höla.» 

ar flisft es pakef la 7 plm hof 

msem hertsafanar ^ n p^st uf, 

ar troit^ e sinar kroisam wyut: 

«wsen einar khnmt, kets tasmyol plynt.» 

am ätra morja tsu tar froi 
seit klih tar Weltar^^: «maeitf, i kloi, 
i khsen ti tiep hists^i, nn i wet, 
i weis, wer üsar pira het. 

i h^ ti letft naht nfkapast, 

sa hata faf kar fan mar kfast'*, 

n numa epas mih na rait, 

as ih terti* net h* nyskatruit. i*» 

1 Bimenhüter. * ein Annex von Sondernach. 3 bis. * = Theobald. 
5 Birnengeschüttel. ö erwischen. ' in den Backofen. ^ Hirschfänger, 
ö droht. >o Nebenform von Wolt = Theobald. " jetzt. 12 Prügel 
gekriegt. ^3 dort, i* mich hinaus getränt. 



Tor f tetkhopf • . 

KlaisaS Khatrinla, t^s het met sim mx 
tsfpas^ u hätal kar manihmyol kh^; 
tihtika watfa het kfast filmyol är, 
liewar sem wärs, waen ar khTryot net war. 



— 81 — 

«aw9r>, tankt ar omyol, «s fekt si toh net, 
as mar mi froi so fil yorfTka k£t,> 
wire wd är si, sa klein as or ef, 
awar si froi werft na »nar^ ta tef. 

toh, wn sa tysa» ti hystir hert kie^, 
seit sa tsnm Honas^ as uf är sei ftie, 
«s war kar a fpot, wsn tas epar set sa, 
was ty £ tir fsra hulpar? lof kä.» 

awar tar Hanas si ftetkhopf halt het, 
krät was sa seit, tyut ar erf tsaleits net, 
«kloif tysö,» seit är, <a8 ih trnm e tir ks 9? 
sä seif, wsens arnft kelt, as ih meiftar ps.» 

1 Starrkopf. * Genitiv von Nicolaas. s Dispnt. * unter. ^ draassen. 
^ gehen. ? Stoss. ^ glaubst du es? ^ trom kä dramgeben = gehorchen. 



Ti liep 8ßm ieftat^ 

Mm wertshys het fartselt am tef 
tar Pryopamärtala amyol: 
«w£s mst tar lisp aem ieftat ef, 
tas weif ih ys arf Jrun wyol. 

am höhtsita hi ih, i kloi, 
tyo hat ke reta nit kepat^ 
so arik kam khä mini froi, 
as ihs for liep faf kfrasa hat. 

toh sitar het si kätart^ fil, 
as ih sa pesar khasn as ma, 
as rnit mi hietsa alawil, 
as ih sa net klih kfrasa hä.> 

1 Ehestand. ^ genützt. 3 geändert. 



We ketultik os 9 tohrormi mus SJ«. 

Tar Pryopamärtala het kseit: 
«sem ieftit efs eim poiP _farleit, 
n wer na kSr ef töhtarma, 
tar ef am alarpiefta tri ; 
ar mns, waen är s yshalta wel, 
katnltik khsena pliwa ftel 

6 



— 82 — 

n Tciwik^ tyo fwer ih dm truf, 
e khäfer lose kryopla nnf 
tur m nisloh, turs atar ra; 
XL wer tag net 9 kitsa ti 
f« frii p£t8 fpyot liht Uta khS, 
tär ef n^t kyut fer toht9rmä.> 



^ bald. * rahig. 



III. Aus dem Unteretoass. 

Mitteilungen von J. BAthgeber in Neadorf. 

Elsässische Kinder- und Wiegenlieder. 



Ninele, Nanele, 
Waujele Stroh! 
Schlof, min liebes Kindele, 
Wie bin ich so froh! 



Wiesel, W&sel, 
Zei mer*8 Qrasel! 
Wie? Wo? 
Grad do! 



Schlof Kindele, schlof 
Der Vater hüt' die Schof! 
Die Müetter hüt^ die Lämmelein, 
Bringt im Kind e Weckele heim. 

Variante (Aecht volkstümlich und drastisch) 
Bringt im Kind e volPs Düttele heim. 

Andere Variante: 
Die Muetter hüt^ die Lämmelein^ 
ün du, du bisch min Engelein. 

Variante : 
Un du bisch min lieb Engelein. 



Feige, Rose, Blümelein, 

Mer singe um die Küchelein. 

D^Ejiöpfle sin gebache: 

Mer höre die Pfanne krache, 

Mer höre die Schüszle klinge; 

Die jung' Frau wxu-d sie bal bringe. 



— 83 - 

Sankt Marie, Sankt Marte (Martin) 
Mer könne ninuni lang warte. 
Sankt Vit, Sankt Vit (Veit) 
Die Küchle sin nimmi wit. 

(Elsässischer Fastnachtgesang der Kinder.) 



Aenne, D&nne, Dode Käth, 
Wa mer metze, ha mer Speck; 
Wa mer bache, ha mer Brod; 
Wa mer sterwe, sin mer todt. 



Däl heech e Thaler un e Sa, 

Geh' nf de Märik (Markt) und kauf e Kuh, 

ün e kleins, kleine Kälwele derzü. 



Lene, Bene, Bohnesnpp, 

Tra (Trage) der Muetter d'Eier fort. 



Liebesfreud und Ldebesschmerz 

im elsässischen Volkslied. 

Zl^achts ^enn der Mond schint, 
Träppelt's nf de Bmcke : 
Führt der Hansel 's Gretel heim, 
Un's K&thel losst er hucke {sie). 



I man (mag) ken Küh hüte 

Un man ken Gaise hüte : 

Awer hirothe thät i gern. 

I ha ken Hüs un ha ken Hof 

ün ha ken Geld un ha ken Feld: 

Awer so e Maidel wie ich bin 

Git's ken's meh uf der Welt. 

I man ken Hänsele un man ken Franzele, 

Awer e Seppele hätt' i gem. 



Hüwe am Rhein, drüwe am Rhein, 
Dort soll min Schätzele sein. 
Hüwe am Rhein, drüwe am Rhein, 
Dort soll es sein. 



— 84 — 

Der in dem runde Hut, 
Der isch mer gar ze gut, 
Der in der Dächelskapp, 
Der isch min Schatz. 



üf der Höh 
Wachst der Klee, 
ha ken Schätzele meh. 
Uf der Höh 
Wachst der Klee: 
I ha kens meh. 



I ging an's Bümelein (Brünnlein), 

Trink awer nit : 
Such min herztotisender Schatz 

Find* ne awer nit (da capo). 



Rothi Wiedle, gäli Wiedle 
Wachse an de Hecke. 
Maidele, wann d'e Schmützele wit, 
Müsst di nit verstecke. 



Alles, Alles paaret sich» 
Als ich eilein blib üwerig. 



Wenn dTasnacht kummt, 

Bisch du min Mann 

ün ich bin dini Frau. Juheh ! 

Um die Fastnachtszeit halten die Bauern im Elsass gewöhnlich 
Hochzeit, weil dann die Feldarbeit ruht und weil Speicher, Scheune 
und Keller gefüllt sind. 



Ich heirath die Lisbeth; 
Ich heirath sie doch nit. 
Weil sie ken Geld het, 
Ze mag ich sie net. 
Variante : Ze heirath ich sie nit. 



Liewer Ofe, i bet dich an: 

Du brüchsch Holz wn ich e Mann. 



— 85 — 

Hit isch Messdi, morje isch Messdi, 
Bis am Mittwnch Owe: 
Wenn i zu mim Schätzele kumm, 
Ze saa i güte-n-Owe. 



Wie bämbelt mer min Röckele 1 
Wie bämbelt nter min Rock! 
So haw* i nc«ti ken Röckele g^het 
Wie so gebämbelt het. 



Durch de Wald bin i gange 
Mit grünem Papier : 
Min Schätzel heisst Engenie, 
Der Name g'fallt mir. 



Hole Ritti, hole Retti, 
Gagnmmersalat ! 
Min Schätzel isch g^storwe, 
Jetz war' i Soldat. 



Elsässische Volksmärchen. 

Die drei Wünsche. 

(Im nnter-elsassischen Dialekt.) 

's isch emol e Mann un e Froüj gewann un die han dr^j 
Wünsch ze mache g*het. Am e scheene Da het d'Frau emol 
Grumbeere kocht. Wie sie se uf de Disch getraaue het, ze het 
sie gedenkt : c Wenn numme do e Würschtel thät drowe l^je » ! 
Wie sie lüje, ze läjt richti eins drowe. Uf dis hin isch der Mann 
no b4s wore und het zur Frau gsait: «Wenn der numme dis 
Würschtel an der Nas thät hänge »I Un uiT einmol zen isch sie 
wahrhafti dran g'hängt. W^as han sie awer d'r no welle mache? 
Für de dritte Wunsch han sie mün (müssen) die Wurscht vun 
der Frau ihre Nas wünsche. Demo han sie nix g'het. 

Das Märchen von Schnfirchele und Schnärchele. 

's isch emol e Schnürchele un e Schnärchele gewenn, die 
sin mit nander spaziere gange. Demo het s' Schnürchele 
nimmi heim gewellt. Demo isch 's Schnärchele zum Hundele 
gange. Demo het's gsait : c Hundele du y Schnürc&ele bisse, 
Schnürchele will nit heime striche. » 's Hundele het awer 
gsait : € ^s Schnürchele het mer nix ze leid gethon, thü ich em 
au nix ze leid. }» Demo isch's zum Steckele gange un het 



— 86 — 

g'sait: «Steckele du! Handele schlaauje, Handele will nit 
Schnürchele bisse, Schnürchele will nit heime striche.i» 's 
Steckele het awer g'sait : < 's Handele het mer nix ze leid ge- 
thon, thü ich em au nix ze leid. » Demo isch's zürn Fierele 
gange an het g'sait: «Fierele du I Steckele brenne, Steckele 
will nit Handele schlaaiye, Handele will nit Schnürchele bisse, 
Schnürchele will nit heime striche. :» Demo isch's zürn Wasser 
gange an het g'sait : « Wasser thü Fierele lösche, Fierele will 
nit Steckele brenne, Steckele will nit Handele schlaaaje, Han- 
dele will nit Schnürchele bisse, Schnürchele will nit heime 
striche. » 's Wasser het awer g'sait : « 's Fierele het mer nix 
ze leid gethon, thü ich em aa nix ze leid. > Demo isch's zürn 
Küehjele gange an het g'sait: cKüehjele dül Wasser süfe, 
Wasser will nit Fierele lösche, Fierele will nit Steckele brenne, 
Steckele will nit Handele schlaaaje, Handele will nit Schnürchele 
bisse, Schnürchele will nit heime striche. » 's Küehjele het 
awer g'sait : « 's Wasser het mer nix ze leid gethon, thü ich 
em aa nix ze leid.» Demo isch's zum Metzjer gange un het 
g'sait : « Metzjer du I Küehjele metze, Küehjele will nit Wasser 
süfe, Wasser will nit Fierele lösche, Fierele will nit Steckele 
brenne, Steckele will nit Handele schlaaaje. Handele will nit 
Schnürchele bisse, Schnürchele will nit heime striche. » 

Demo isch der Metzjer zum Küehjele gange an hel's welle 
metze, demo het awer 's Küehjele g'sait : <l Eh' dass ich ge- 
metzt will sin, will ich 's Wasser süfe. » Un 's Wasser het 
g'sait : cc Eh' dass ich g*soffe will sin, will ich 's Fierele lösche. » 
Un 's Fierele het g'sait : «Eh* dass ich gelösche will sin, will 
ich 's Steckele brenne. » Un 's Steckele het g'sait : « Eh' dass 
ich gebrennt will sin, will ich 's Handele schlaaaje. » Un 's 
Handele het g'sait : c Eh' dass ich g'schlaaaje will sin, will ich 
's Schnürchele bisse. » Un 's Schnürchele het g'sait : « Eh' 
dass ich gebisse will sin, will ich heime striche. ]» 

Zur elsässischen Sittengeschichte. 

Der Mihe Morgen. 

An manchen Orten im Unter-Elsass, namentlich in der 
Gegend vom Kochersberg, stehen in der sog. Sperrnacht, 
(es ist die dritte Nacht vor Weihnachten), die Drescher um 
drei Uhr Morgens aaf, darch das « Haben > and den Raf des 
Nachtwächters geweckt, der folgenden Vers singt : 

Wohlanf im Namen Jesu Christ! 
Der helle Tag vorhanden ist, 
Der helle Tag, der nie versagt. 
Gott geb' uns Allen einen guten Tag! 



— 87 — 

Die Drescher arbeiten bis fünf Uhr, dann wird ihnen 
Branntwein gebracht. Wenn der Tag graut, so gehen sie in's 
Wirtshaus, wo sie wieder Schnaps trinken und wo ihnen 
Brod und Wein aufgetragen wird. Allmählich finden sich dann 
die Bauern ein, welche die Drescher für's Jahr dingen. Das 
nennt man bei dem elsassischen Landvolk : «Der frühe Morgen. » 

Wenn alles Getreide gedroschen und die Scheune leer 
geworden ist, herrscht im Elsass der Brauch einen sog. Dresch- 
braten zu geben. Es ist dies ein Abendessen, wo der Bauers- 
mann den Dreschern lauter Gebratenes mit Salat und das Wein- 
krüglein aufstellt und zum Nachtisch einen mächtigen c Kugel- 
hopf)» auftischt. Das nennt man den sog. c Dreschbraten i> und 
ist dies die Belohnung, die den Dreschern für die schwere 
Winterarbeit zu gute kommt. Jeden Sonntag empfangt der 
Drescher seinen Wochenlohn. In früheren Zeiten hatte jeder 
Drescher sechs Schilling (etwa eine Mark) per Tag, erhielten 
aber auf dem Bauernhofe keine Kost. In den Dörfern fing die 
Arbeit des Morgens um drei Uhr bei den reichen Bauern und 
um vier Uhr bei den weniger Bemittelten an. Der Bauer 
stellte den Dreschern Branntwein und Brot auf; im Uebrigen 
mussten sich die Drescher selbst verköstigen. In der Scheune 
hing ein einfaches Oellämpchen in der Laterne. Man arbeitete 
damals mehr auf dem Lande wie auch anderwärts als heut- 
zutage und dabei waren die Sitten einfacher und die Ansprüche 
geringer. 

Heute haben die Dreschmaschinen beinahe überall die 
Handarbeit der Drescher auf dem Lande verdrängt und un- 
nötig gemacht. 



IV. Sagen und Geschichten aus Deutsch-Lothringen. 

Von Stengel in Dehlingen (bei Diemeringen). 

I. 

Dr wild Jäger. 

Wann dr wild Jäjer mit sim Heer durch de Luft edurch 
fahrt un mr iwerall sin firchderliches Hu da da hert, darf mr 
um bi Le-ib un Lebe nit naohspotte, sunst werd'r ganz wiethig 
un spielt em allerlei Schavn^nack. 

So hat um e Maol e Made naobgespott^ un do ist er kum 
un hat gebrillt : 

(kDu hast mr helfe jaue, 

Jetz kannst du mr ah helfe naue h 



— sa- 
un hat um drnaoh e-n-abgenaute Knoche durch's Fenster enin 
gewaorf. Un das Made ist e so erschrock, dass 's hat anfange 
kränkle, un ist bal druf gestaorw. 

IL 
Dr De-iwel an de Kartespielere. 

Do sin e maol, naoch am Diensta Aowet, vaom Sunda an, 
dre-i Suflfbriedere im Wirthshüs gesess un han Karte gespielt. 

Un uf ehn Maol sin se hinger e-n-anner kum un han 
gesät, der wu de Kart gin hat, hat se belrouw. 

Der hat sich awer gewehrt un hat geflucht, un sich 
vrschwor un am Ing hat'r naoch gesät : ^ Do soll mich grad dr 
De-iwel hole, wann ich eich be... han.i» 

Un wie er das gesät gehat hat, hat's uf ehn Maol gekracht, 
dass s'ganz Hus gezidert hat un der De-iwel ist do gestang mit 
Hemere un Bocksfiess, un hat ebne van sine Vordertope uf de 
Disch geschlah, un do ist grad e gross Loch e nin gebrennt. 

Die Siflere sin zum Tod erschreck, un ebner hat, une 
dran se denke, geruft: «Alle gude Gästere lowe de Herre!» 

Wie er das gehert hat, hat der De-iwel lutt gebrillt, un 
ist zum Fenster e nus gefahr und hat e'-n-ensetzliche Gestank 
serick gelaosst. 

Die gottlose Männere awer han de Schrecke naoch lang in 
alle Glidere gespiert un s'hat Kener ken Fuss meh in e Wirts- 
hüs gesetzt. 

Mr muss de De-iwel nit rufe, sunst kummt r. 

ffl. 
Dr Schäferpeter un dr Klee. 

S' ist e maol e so e rechter truckener Summer gewenn, 
un do hat's dr Schäferpeter, um sin Heerd aordetlich durchse- 
bringe, mit anner Litt's Sach nit so genau genum. Do ist dann 
am e Bletz im Bann, a Braochstick gewenn, un hiwe un driwe 
dran han der Jan un der Nickel e Jeder e Kleestick gehat. 

Der Schäferpeter ist dann uf dem Braochstick e nuf un e 
nah, bis uf de Kleestickere näwe dran ken Stock Klee meh 
gewenn ist. 

Wie dr Jan das erfahr hat, hat er ne e maol ferchterlich 
usgebutzt, dass r um de Klee ganz eweck gefietert hat. Der 
Peter awer hat ken Waort geredt; un wie der Jan ne genuck 
usgescholt gehat hat, hat er ganz gelasse gesät : cAn das kehr 
ich mich nix, das kannst Du un dr Nickel mit e nanner 
usmage.]» 



— 89 - 

IV. 
Wie s' Bärwel yrzehlt. 

Han'r dann ah schun gehert, wie dr Brunesepp mr's 
gemacht hat? Dem han ich aw'r emaol gesät, was dre-i Erbse 
far e Brieh gin. 

Was mennst dann du^ han ich gesät. Mennst du, du kannst 
mich zum Beste nemme, han ich gesät. Do hast de de leze 
Finger vrbung, han ich gesät. Macht mr*s em e so, han ich 
gesät, un naoch wann mr Naochbere ist, han ich gesät. Schani 
dich in's De-iwels Name, han ich gesät. Du werst mäne, de 
hast e-n-Ewel inger de Fingere, han ich gesät. Awer do hast 
de dich getnimbiert, han ich gesät. Du bist jo dr allerdummst, 
wu im ganze Daorf ist, han ich gesät. Un du willst annere 
vexire, han ich gesät. Un du bist naoch im Gemehneraoth, han 
ich gesät. Awer e so ist's, han ich gesät. Wann naoch e Düm- 
mere im Daorf gewenn war, han ich gesät, so hätt mr ne ah 
naoch in de Gemehneraoth gemacht, han ich gesät. Daort kann 
mr de allerdummste bruche, han ich gesät. Awer nemm dich 
in Acht, han ich gesät, sunst zeih ich dr, wu mr um Barthel 
de Must holt, han ich gesät. E so ener wie du, han ich gesät, muss 
hibsch still sin, bis mr ne fraout, han ich gesät. Du Liderl icher 
Tan alle Liderliche, han ich gesät, mach das de mr us de 
n-Aue kummst, han ich gesät, sunst wäss ich nit, was ich naoch 
mit dr mach, han ich gesät. 

Dernao ist r awer los gang, wie wann um de Nas geblut 
hat. Der werd mr woU sobald nimme kumme. Menno n-'r nit ? 

V. 
Dr alt Jaokob. 

Dr alt Jaokob ist e n'alter Soldat gewenn, e so ener vom 
alte Napoleon her, un dass r nit ah de Sterne kre-it hat, wie 
viel annere, ist sin Schuld nit gewenn. Dann e guder Soldat 
ist er gewenn, das han sine Kamerade all gesät, un drzu e 
Kanonierer, wie's winnig gin hat. 

Do sin se emaol in Ditschland geläh, nit witt van de Russe 
eweck. Un do ist im e Daorf iwer um Wasser driwe, drowe 
um Kirchthur e hocher russischer Offizier gestang und durch 
e Speckdief de Franzose betracht. Un uf enmaol ist der Jeneral 
erbie kum, un hat gesät: «Eh bien, cannoniers, qui esl-ce 
qui m'enlävera ce Russe lä?» 

Un air han geruft : der Jaokob kann's. Un wirklich hat der 
sin Kanun geladt, hat se gericht und dann lao^e krache. 



— 90 — 

Un wie sich der Polmerdanp vrzoh hat, hat mr ken Kirch- 
thur un ken Russ' meh gesin. 

E n-annermaol hat er e Kanunekuiwel in e russisches 
Lauerfier mette enin gewaorf, und doch hat r de Sterne nit kreit. 

Sunst ist r awer nit sehr wizig gewenn. £ maol ist er mit 
sim Fuchs uf Luderfing gefahr, un wie 'r hem kum ist, hat'r 
erzählt: 4clch han um Fuchs e Schoppe Win laosse gin, unich 
han e Futter Hawer gefress. i> 

£ nannermaol hat er wider erzählt: € Wie 's Midda gekrawwelt 
hat, sin ich inger dr Heck erum gelitt.]» 

Un e n-annermaol hat er em Aovet um 6 Uhr, am helle 
Midda, e Wolf in dr Matt gesinn. 

VI. 

Potz do-nsig, ist denn Eärmess hier? 

Ihr han mich nit gelade 

Zu eirem Kirwebrade. 

Potz do-nsig, ist dann Kirmess hier? 

Potz do-nsig, ist dann Kirmess hier? 

Ihr han mich nit gemfe 

Zu eirem Eirweknche/ 

Potz do-nsig, ist dann Kirmess hier? 

Potz do-nsig, ist dann Kirmess hier? 

Ihr w^re mich doch lade 

Zu eirem Kirwebrade, 

Ihr w^re mich doch rufe 

Zu eirem Kirweknche. 

Potz do-usig, s^ist jo Kirmess hier. 

Potz do-nsig, s'ist jo Kirmess hier. 

Ich will mich dann erquicke, 

An eire frohe Blicke; 

Ich will mich dann erlawe, 

An eire Kirwegawe. 

Potz do-usig s'ist jo Kirmess hier. 

VII. 
Dr growe Dokter. 

Am e scheue Naomidda ist e maol dr Cantonsdokter durch's 
Daorf gefahr. Un wie er für um Judehus vurbie ist, do ist de 
alt Judefrau erus kum un hat geruft : « Herr Dokter, Herr 
Doktor ! :d Un min Herr Dokter, der halt, un fraout uf gut 
Ditsch : « Na, was wille-n-ihr dann ? » a: Ach, Herr Doktor, 
ich han e Fluss im Behn l:» — <ic So boue-n-eich e Mihi dran. 
Ji Fuchs h schnauzte der growe Dokter un ist fürt gefahr. Un 
die Frau ist naoch lang mit ufgesperrtem Mul uf dr Straoss 
gestang un hat um naohgelout. 



— 91 — 

vin. 

Wn niu mit der Hilchsnpp ? 

In Lothringen, hinger Buckenum, daort wu mer bal an- 
fangt franzesch se rede, ist e Daorf, das ist für fufzig, sechzig 
Jaohr in dr ganz Gejed bekannt gewen durch sin aparti 
Spraoch, un besunners durch de Witz un s'gut Mul von sine 
Bewaohnem. Drnewe han se naoch s'Lob gehat, dass Niemand 
durch ihr Daorf gehn kann, ohne dass er ebbes angehängt 
kre-it. Un das ist a wohr gewenn. Wann Jemand Frimdes 
durch's Daorf edurch ist, sin alle Fenstern ufgang, un iwerall 
hat's geruft : 

« Hebbe dene, hebbene ! :d 

c Wu nus dann bit dem lanke Rock ! » 

« Lou, wie der e Nas hat I» un annere Heflichkeiten. 

Un do sin de Fraue de allerärgste gewenn. 

Do sin emaol im e Daorf in dr Näj e paar Herre am 
Sunda im Wirthshus gesess, un han von allerlei geredt. Un 
do sin se dann ah an das anner Daorf kum, un han erzählt, 
wie 's daort hergeht. 

Dr jung Owerferster, der ah drbie gewenn ist, hat das nit 
Wille glawe un hat am Eng mit ne gewett, er ritt am helle 
Dah mette durch das Daorf edurch, un s* darf um Nimand 
ebbes saue. 

Am annere Maorge hat er dann sin Uniform angezou, hat 
sich uf sin Perd, e prechtijer Schimmel, gesetzt, un ist uf das 
Daorf los. Wie er dahin kum ist, ist er an em Eng enin, un 
dmaoh langsam durch s' ganz Daorf edurch. Un Nimand hat 
e Waort zu'm gesät. De Litt han woU de Fenstern ufgemacht, 
im han de Kepp erus gestreckt; awer kenner hat ebbes Un- 
hefliches gesät, oder gar e hämischi Bemerkung gemacht. Im 
Gejedehl, e paar Maol hat er saue gehörte <icLou, wie der e 
schenes Pferd hat!» 

Un e so ist er bis an's letst Hus kum, un do hat er dann 
tief Naochtem geholt, dann s' ist um doch de ganz Zit nit 
recht wohl gewenn. 

Jetz awer ist de Wett gewunn gewenn. Un fester hat r 
sich in de Sattel gesetzt, un in kurzem Galopp ist 's dann uf 
hem los gang. 

Awer mr daorf de Dah nit vur um Aowet lowe. 

Naoch ken hunnert Schritt hat dr stolz Ritter gemacht 
gehat, un do hat ne sin Greschick schun errächt. 

Daort, hart am Wej, ist naoch e glini Strohhitt gestang, 
die dr Owerferster in siner Freed nit emaol gesin hat. Wie r 



— 92 — 

awer dran vurbie ist, hat e-n-altes, runzeldiges Frauegesicht 
zum Fenster erus gelout, un e krischdigi Stimm hat gerufl: 
« Wu nus mit der Milchsupp I » 

Dr Owerferster Ist erum gefahr, wie wann ne e Schlang 
gestoch hätt, un hat de Fust geballt geje die alt Frau, 

Awer drnaoh hat r doch lutt uf lache misse. « Hol dich 
dr Henker, » hat r dann gesät, « jetz han ich doch min Fett 
kre-it. » 

De Wett hat r vrlaor gehat, un für de Spott hat r nit 
bruche saorge. 



X. 



Poetisches aus dem Elsass. 



Von Adolf Stöber. 



1. Das Land der fünf guten W 

T ünf gute W. besitzt mein Land 
Vom Rheine bis znr Wasganwand; 
Die treiben ans das schlimme Weh — 
Sie leben hoch, die gnten W ! 

Das Erste Wasser ist genannt, 
Das kommt ans jedem Thal gerannt, 
Treibt Mühlen, wässert Wies' nnd Feld, 
Dem Baner bringt's ein gut Stück Geld. 

Das Wasser frommt dem zweiten W, 
Das Weide heisst, voll Gras und Klee ; 
Da tummeln sich die Heerden froh 
Und Hirten jauchzen ihr Hailoh. 

Das dritte W das ist der Wald, 

Die Ebne schmückt er, krönt die Hald' ; 

Das ist des Jägers Lustgefild, 

Da knallt die Buchs' und fällt das Wild. 



^ So hiess das Elsass im Mittelalter, vgl. Rö sslin, des Elsässi- 
sehen vnd gegen Lothringen grentzenden Wasgauischen Gebirgs- 
gelegenheii 1593. pag. 4. 



— 94 — 

Ein viertes W, das Segen schafft, 
Der Weizen ist's, des Landes Kraft; 
Yieltansend Kindern gibt er Brod, 
Macht froh den Math, die Wangen roth. 

Noch besser labt, in Sorg nnd Pein, 
Das fünfte W, der goldne Wein; 
Er freut das Herz und löst den Mond, 
Dass Lieder schallen in die Bund. 

fünfmal glücklich, du mein Land 
Vom Bheine bis zur Wasgauwand! 
Wald, Wasser, Weide, Weizen, Wein — 
Wer sollte da nicht glücklich sein! 



2. Elsässer Bannerfarben. 

Weiss und Both sind unsrer Heimath Farben, 
Haben sich von Altersher bewährt 
Sie zu wahren kostet Wund' und Narben, 
Doch sie sind des heissen Kampfes werth. 

Weiss — des Lichtes und der Unschuld Zeichen 
es bleibe stets des Volks Geleit! 
Schwarzer Trug und Wahn, sie müssen weichen 
Vor dem Glanz der Ehr' und Biederkeit. 

Both — das Sinnbild lebensfroher Jugend 
Und der warmen Liebe Symbolum — 
wir hüten diese Kraft und Tugend, 
Wie das Feuer in dem Heiligthum ! 

Ja, der Väter Art und Färb' und Sitte, 
AUemannenmuth und -Biedersinn 
Grüne, blüh' und wachs' in unsrer Mitte 
Bis zu unsern spätsten Enkeln hin! 



3. Peter von Hagenbachs Vermählung und Sturz. 

Anno 1474. 

1. 

Was strömen weither aus dem Land 
Gen Thann die Schaaren heute? 
Die ganze Stadt im Festgewand — 
Vom Münsterthurm Geläute! 
An allen Erkern Fahnen wehn, 
Darauf das rothe Kreuz zu sehn, 
Das Wappen des Burgunders. 



r^ 



— 95 — 

Jetzt donnern in das Thal hinab 

Der Engelsbnrg Karthaonen. 

Der Landvogt kommt in stolzem Trab, 

Umschmettert von Posaunen. 

Er zieht zum ünterthor herein, 

Schön Alix will er heute freien, 

Die Ghrafenmaid von Thengen. 

Das Volk, das durch die Strassen wogt 
Beharrt in kaltem Schauen ; 
Kein Jubeimf begrüsst den Vogt 
Mit finstern Augenbrauen. 
Zertreten hat er alles Recht, 
Beschimpft manch^ adelig Geschlecht, 
Geknechtet Bau^r xmd Bürger. 

Inzwischen zieht durch^s Obei-thor 

Der Graf mit seinem Trosse. 

Schön Alix naht, um's Haupt den Flor, 

Auf ihrem weissen Rosse — 

Ein Opferlamm in bunter Zier — 

Ach, ihres Vaters Ehrbegier 

Verkaufte sie dem Schlächter. 

Den Berg ersteigt die Hochzeitschaar 
Auf steilen Felsenwegen. 
Zur Schlosskapelle tritt das Paar^ 
Der BurgpfafE spricht den Segen. 
Vogt Peter, Herr von Hagenbach, 
Zum Frunksaal fuhrt, zum Festgemach, 
Die neuvermählte Gräfin. 

Doch sieh| wer drängt sich durch den Schwärm 

Der schmucken Hochzeitgäste? 

Wer bricht sich Bahn mit starkem Arm — 

Ein fremder Gast beim Feste? 

Ein Bittersmann in blanker Zier, 

Doch mit verschlossenem Visier, 

Tritt vor die Neuvermählten. 

«VeiTuchter Landvogt! spricht der Mann, 
Du druckst das Volk mit Plagen, 
Verheerst der Stadt' und Dörfer Bann, 
Lässt biedre Leut^ erschlagen ; 
Dnd heute willst du gar die Braut, 
Die mir den Ring zum Pfand vertraut, 
Mit Zwang und Arglist rauben?» 

Auf schlägt er das Visier am Helm, 

Da steht in Jugend blühend 

Herr Kurt von Landskron vor dem Schelm, 

In Zomesfunken sprühend. 



— 96 — 

Und kaum erblickt Schön Alix ihn, 
Da sinkt sie blass und machtlos hin, 
Von Lieb^ und Schreck bewältigt. 

«Tollkühner Junge ! Peter schreit. 
Dem Himmel magst du^s danken, 
Dass meine Milde heut verzeiht 
Und setzt dem Rechte Schranken. 
Doch flieh' zur Stunde Stadt und Land, 
Sonst lehrt dich meiner Schergen Hand 
Den Tod am Galgen sterben.» 

«Was Tod? ruft Konrad, scheut' ich ihn» 

So kam' ich nicht zur Stunde, 

Tyrann! dich vor Gericht zu ziehn, 

Vor Gott und dieser Runde. 

Kaum hört' ich deiner Hochzeit Mär, 

So flog vom Ungarland ich her, 

Dir Gottes Zorn zu dräuen!» 

«Trabanten! schreit der Vogt, herbei! 

Ergreift den Friedensstörer: 

Im tiefsten Kerker der Bastei 

Soll's büssen der Empörer.» 

Herr Konrad zückt umsonst den Stahl, 

Ihn hat der Schergen Ueberzahl 

Entwaffnet und gefesselt. 

unglückseiger Hochzeitstag! 

Was ist in Thann geschehen? 

Die Sturmglock' heult mit grellem Schlag 

Und schwarze Fahnen wehen. 

Der Aufruhr tobt, wild schlagen drein, 

Entzündet vom Burgunderwein, 

Des Landvogts rohe Söldner. 

Vom Festmahl bricht er zürnend auf. 
Der Streit wird bunt und bunter, 
Da sprengt er mit dem Reiterhauf 
Gezückten Schwerts hinunter. 
Nimmt dreissig Geiseln in Verhaft, 
Lässt vor der bangen Bürgerschaft 
Drei Väter stracks enthaupten. 

unglücksel'ge Hochzeitnacht! 

Die Braut im Fiebertraume — 

Derweil ihr Konrad einsam wacht 

Im flüstern Kerkerraume. 

Doch horch ! ein Schlüssel sacht sich dreht 

Und leise, leis das Pförtlein geht. 

Ein mattes Lämpchen flimmert. 



I 



— 97 — 

Wer ist's? wie aus der Engelschaar 
Kommt einer ihn zu retten: 
Ein Greis mit silberweissem Haar, 
Der löst des Ritters Ketten. 
«Mein Eckart! mft ihm Konrad zu, 
Dn trener Knecht, wie fandest da 
Den Weg -zu dieser Tiefe ?» 

«Mich hiess die Gräfin, stets Euch hold, 

Des Thnrmwarts Gunst erkaufen; 

Den Schlüssel zahlt' ich ihm mit Gold, 

Er nahm's und ist entlaufen. 

Jetzt, Ritter Kurt, lasst Euch in Eil 

Den Wall hinab an diesem Seil 

Und flieht bei Nacht zum Rheine !> 

Herr Konrad drückt des Retters Hand 
Mit warmem Scheidegrusse. 
Hinab die schroffe Felsenwand 
Und fort mit flüchtigem Fusse — 
Durch dichte Wälder streift er schnell, 
Und eh der junge Morgen hell. 
Erreicht er sichern Boden. 



2. 



Drei Monden sind verflossen kaum, 

Da nahn die Rachetage. 

Kein Söldnertross hält mehr im Zaum 

Des Volks gerechte Klage. 

Das Elsass mit der Schweiz im Bund 

Zerbricht die Zwingmacht von Burgund 

Und stürzt des Sundgaus Gessler. 

Der Landvogt schlich in's Reich sich ein 
Für Herzog Karl den Kühnen. 
Die Yeste Breisach dicht am Rhein 
Soll ihm zum Bollwerk dienen. 
Drum wirft er um die Osterfrist 
In's Schloss hinein mit Hinterlist 
Fünfhundert Mann Lombarden. 

Den Bürgern und der deutschen Schaar 

Gebeut er auszurücken ; 

Doch Vöglin, der ihr Hauptmann war, 

Durchschaut die bösen Tücken, 

Schlägt mit der grossen Pauk' Allarm, 

Schnell sammelt sich des Volkes Schwärm, 

Mit Speer und Schwert bewaffnet. 

7 



— 98 — 

Von dannen die Lombarden ziehn, 

Bedrängt vom deutschen Krieger; 

Auch Landvogt Peter möchte fliehn, 

Doch ihn erhascht der Sieger : 

«Ihr seid gefangen und geknüpft 

Mit Ketten, dass ihr nicht entschlüpft — 

Zum Kerker fort, zum Kerker!» 

Das Volk am Weg frohlockt und spricht : 

«Der Herr ist auferstanden ! 

Er brach hervor an^s Lebenslicht 

Aus finstern Todesbanden. 

Auch wir stehn auf aus Tyrannei, 

Der Strick — entzwei und wir sind frei. 

Der Landvogt ist gefangen » 

Bald endet seine Kerkerpein, 
Ihm sinkt die Lebenssonne: 
Der Kriegsrath schreitet rächend ein 
Im Mai, dem Mond der Wonne. 
Zum Tod verdammt ihn das Gericht. 
In dunkler Nacht beim Fackellicht 
Enthauptet ihn der Henker. 

Ein Vorspiel war^s, dem folgte nach 

Der Sturz auch Karls des Kühnen. 

Des Herzogs Kühnheit ward zu Schmach 

Auf blutgen Schlachtenbühnen: 

Zu Murten liess er air sein Gut, 

Am See zu Granson seinen Muth, 

Bei Nanzig Blut und Leben. 

Jetzt weht der Freiheit reiner Hauch 
Durch^s Elsass hin aufs Neue. 
Gekämpft hat Kurt von Landskron auch 
um Freiheit wie ein Leae. 
Zum Preis für seinen Heldenmuth 
Gibt seiner Väter Schloss und Gut 
Der Kaiser ihm zurücke. 

Und auf der Liebe Flügeln eilt 

Gen Thengen heim der Ritter. 

Doch ach die Braut?! — Schön Alix weilt 

Im Kloster hinterem Gitter. 

Geknickt in ihrer Blüthezeit, 

Sucht sie am Licht der Ewigkeit 

Den Frieden zu erringen. 







— 99 — 
4. Ritter Lazarus von Sch^vsrendi. 

1522— löaS. 

1. Der Kriegsheld. 

Herr Lazarus von Schwendi war 

Ein Rittersmann ans Schwaben ; 

Im Roththal stand seine Wiege zwar, 

Im Elsass liegt er begraben. 

Dnim soll der Mann mit der Brust von Stahl 

In unserer HeldenhalP ein Mal, 

Ein ehernes Denkmal haben. 

Er schlug sich wacker für Kaiser und Reich 

Im Abend- und Morgenlande. 

Am wuchtigsten fiel seines Schwertes Streich 

Zur Abwehr der Christenschande, 

Wenn^s ging in den heissen, blutigen Strauss 

Mit dem grimmigen alten Erbfeind hinaus, 

Mit der türkischen Räuberbande. 

Er kämpfte so tapfer wie ein Leu 
Und führte so tapfer die Krieger, 
Dass Kaiser Karl für seine Treu 
Zum Ritter schlug den Sieger. 
Das feuerte nur den jungen Mann 
Zu wachsendem Löweneifer an, 
Zu fällen des Islams Tiger. 

Stets höher stieg er in Würden auf. 
In Kühnheit und Kriegeskunde ; 
Da wagte der Erbfeind wieder den Lauf, 
Mit dem Ungai'fürsten im Bunde. 
Dem Ritter von Schwendi aber gab 
Der Kaiser den obersten Marschallstab, 
Zu lenken das Heer in die Runde. 

Der Feind stürmt tosend wie Wogenschwall, 

Dem begegnet Schwendi mit Listen, 

Weicht aus, macht plötzlichen Ueberfall, 

Lässt nirgends die Geier nisten. 

Der Krieg verzog sich drei Jahre lang. 

Bis die Türken der blutige Hauptschlag zwang, 

Zum Kreuze zu kriechen vor Christen. 

Bravissimo! tönt es im Schlachtfeld weit, 

Wo feindliche Leich' auf Leiche. 

Bravissimo dem, der geführt den Streit! 

So wiederhallt es im Reiche. 

Hoch lebe Schwendi der Feldmarschall, 

Der die Türken verjagte : Marsch, marsch all ! 

treffliche Schwabenstreiche ! 



r/88i .t 



— 400 — 

Doch hört, was für Trophäen der Held 

Aus üngerland mitgenommen : 

Der Tokayer Wein hat dort im Feld 

Ihm so vortrefflich bekommen, 

Dass er Setzlinge mit in's Elsass bringt, 

Wo ihm die Pflanzung herrlich gelingt 

Auf dem Rittergute zu Kienzheim. 

Und wer da kostet den feurigen Wein, 
Die Frucht der ungrischen Beute, 
Der stimme zum Toaste freudig ein 
Bei klingendem Kelchgeläute: 
Hoch lebe des Pflanzers Name fort. 
Dem tapfem Schwendi, des Reiches Hort, 
Sei Dank und Ehre noch heute ! 

2. Der Friedensstifter. 

Herr Schwendi war ein Mann der That, 

Als Kriegsheld hoch zu erheben ; 

Doch war ihm auch Einsicht, Weisheit, Rath 

Zum Friedenstiften gegeben. 

In Basel und Strassburg, auf hoher SchuF, 

Sass einst vor berühmter Lehrer Stuhl 

Der Jüngling in edlem Streben. 

Beim Kaiser stand er in hoher Gunst, 

Der Mann so kühn, wie bedächtig. 

Der Meister der Kriegs- und Redekunst, 

Des Schwerts und der Feder mächtig. 

Bald dient er dem Reich als erfahrener Rath, 

Bald als Gesandter im fremden Staat, 

Mit Orden geschmückt gar prächtig. 

Auch ward ihm kaiserlich reicher Lohn 
Für den Dienst im Krieg und Frieden : 
Er ward erhöhet zum Reichsbaron 
Und Herrschaft ward ihm beschieden. 
Im Elsass ist sein Lieblingssitz, 
Hohlandsburg, nahe dem Wolkenblitz, 
Mitsammt dem Städtchen danieden. 

Zu Kienzheim, wo den Tokayer er pflanzt, 

Im sonnigen Weingelände, 

Da hält sich der alternde Recke verschanzt 

Gegen Fehden und Kriegesbrände; 

Da sinnt er auf edeln Frieden im Reich, 

Um Kirchenfrieden werben zugleich — 

Nie schreibensmüd — seine Hände. 

Im Reiche wurzelte mehr und mehr, 
Beim Adel, in städtischen Kreisen, 



4(M 



Der Glaube nach Doctor Lnthers Lehr, 
Den lässt sich das Volk nicht entreissen : 
Jesuiten aber mit dumpfem Schrei 
Beschwören den Kaiser, die Ketzerei 
Zu tilgen mit Feuer und Eisen. 

Doch Kaiser Maximilian 

Ist jugendlich frei und offen ; 

Mit ihm knüpft Schwendi den Brieftausch an 

Und bauet auf ihn sein Hoffen : 

Er werde beschirmen mit gleicher Huld 

Die beiden Kirchen, nur frevle Schuld 

Sei streng vom Richtschwert getroffen. 

Mit Hochsinn stimmet vom Kaiserthron 
Die Antwort zu Schwendi's Berichten: 
«Die Sache der heiligen Religion 
Ist nicht mit dem Schwerte zu richten. 
Das Schwert der Apostel das ist ihr Wort, 
Ihr Wandel vor Gott ist der Lehre Hort; 
könnt' ich die Wirrnisse schlichten ! » 

Den weisen Berather und Friedensmann 
Betraut er mit offnem Bedenken : 
Wie ohne Aechtung und ohne Bann 
Das Schiff der Kirche zu lenken ; 
Wie neben des Papstes altem Stuhl 
Dem neuen Glauben, der neuen Schul' 
Auch Freiheit wäre zu schenken. 

Aus warmem Herzen, mit freiem Muth 

Gibt's Schwendi der Welt zu lesen : 

Was Noth dem Reich und der Kirche thut, 

Dass Deutschland möge genesen. 

«Nicht Spanier noch Wälsche thun da gut, 

Nicht Alba, Granvella, Jesuitenbrut, 

Nein, walten muss deutsches Wesen. 

«Wird ehrlich deutsch verhandelt nur, 
So kommt's noch zum Einverständniss ; 
Was Gott spricht, nicht was die Kreatur, 
Das führt zur wahren Erkenntniss. 
Und fehlt auch ein völliges Einheitsband, 
So reichen sich Christen die Bruderhand 
Aufs Urapostel-Bekenntniss ^ > 



1 Die Schrift ist betitelt: «Bedenken an Kaiser Maximilien den 
Andern, von Regierung des heiligen römischen Reichs und Freistel- 
lung der Religion. Gestellt auf Ihro kaiserlichen Majestät Befehl. — 
— Datum Kienzheim den 15. Mai 1574.» — Vgl. T. W. Rö brich s 
Mittheilungen aus der Geschichte der evangelischen Kirche des 
Elsasses. 1855. Bd. HI, S. 61-75. — Leop. v. Ranke : Zur deutschen 
Gesch., vom Religionsfrieden bis zum dreissigjähr. Krieg. 1869. S. 1-97. 



iHK*- 



^ 



— 102 - 

In solchem Geiste zu Kieuzheim schrieb 

Der edle Ritter und Weise, 

Er schrieb es dem Vaterlande zu Lieb^ 

In testamentlicher Weise. 

Ach, dass Maximilian so frühe starb, 

Durch der Söhne Schuld sein Werk verdarb 

Am Gifte fanatischer Kreise ! 

So kam durch spanischen Ketzerhass, 

Was Schwendi wollte verhüten: 

Den Krieg sah Deutschland ohn* Unterlass, 

Den dreissigjährigen wüthen. 

Und hätte Gewalt das Jesuitenthum, 

Es scheute sich heute nicht, wiederum 

Solch' Otterneier zu brüten. 

Zum Frieden sprach Schwendi sein letztes Wort, 

Er sprach, seine Seele zu retten. 

Dann liess er im Kirchlein zu Kienzheim dort 

Im steinernen Sarge sich betten; 

Auf dessen Deckel steht noch sein Bild 

Im Panzer, mit Stab und Wappenschild — 

Ein Sprenger der Knechtschaftsketten. 



5. E Gaartners Gschichtel von Anno 1418. 

(Strassburger Mundart.) 

's isch Anno vierzehhundertachtzeh gsinn, 

Im heissen Erntemonat mittedrinn. 

Bi Strossburj isch der Weize guet gerothe, 

So brün schun, wie geröstt unn wie gebrote. 

Au's Welschkorn bricht schun durch, diss guldi Korn 

So kostber wie e Zuckerbohne-Horn, 

Mit dem mer d'Gäns stopft, bis ne d'Lewer schwillt. 

Der Leckerbisse, der Pastete füllt. 

E schöni Ernt henn d'Gartner jetzt ze hoffe, 

Sie schnide schun im Bann von Königshoffe. 

Wohl müen sie von de Garwen uffem Waaüe 

De Zehnte nien^ in 's Stift Sankt Thummes^ traaüe; 

Doch's Stiftkapitel het nen au zuem Lohn 

E Gasterei alljährli gewe Ion, 

En Erntefest, unn 's isch nen 3 au ze gunne ; 

Denn flissi sinn sie, brennt au d'Mittasunne. 

Von Morjes früej, wenn küm erst d'Lerche singe. 

Sieht mer sie bis in d'Naacht ihr Sichel schwinge. 

So freue sie sich denn uff d'Gasterei ; 
Doch horch ! mit ihrer Freud isch's ball vorbei. 
Sie henn sich d'Rechnung ohnen ihre Wirth 
Gemacht unn henn sich dissmol vöUi g'irrt. 



— 103 — 

Die fmmme Herre meine : schwer sinn d^Zite, 

Un welle sparen an de Bürelite; 

Kein Gasterei soll dissmoi ghalte were, 

So losst de Zehntebüre 's Stift erkläre. 

Kam awwer, dass es d^Gaartnerzunft het ghört, 

Se wnrd sie fachswild, ob dem Giz empört 

Sie halte Roth, die PfafTe solle's büesse, 

Rachgierig isch der Bar; was thüet er bschliesse? 

Sie zünde d'Garwen an, die dort im Freie 

Farr's Thammesstift im Feld noch drosse leie^. 

Dis gibt e Für darch d'Naacht, die rawefinster! 

Horch, d'Wächter lüte d'Starmglock äff em Münster, 

D'ganz Stadt wacht off, der ehrsam Magistrat 

Forscht nooch, ann wittert Bosheit in der That. 

Mer hört wohl onterm Stadtvolk lis ann dankel 

Von Giz ann Rachgier allerlei Gemankel. 

Doch was bewist diss? pfiffig isch der Bar, 

Mer kommt so licht nit sine Schlich äff d'Spür. 

Der wohlwis Roth losst d'Sach doch nit ganz schlofe. 

Er losst, am beidi, Pfaff ann Bor ze strofe. 

Am Thor^ en Inschrift in e Steinplatt haae, 

Vor Karzem noch het mer sie könne bschaae : 

«Gottes Barmherzikeit, der Pfaffen Gritikeit^, 

Der Baaern Bosheit ergründet Niemand bei meinem Eid > 

^ hinein. * Thomas. ^ ihnen. * liegen. ^ Weisstharmthor. 
*"* Gierigkeit, Geiz. — Vergleiche (Schneegans) Strassb. Geschichten a. 
Sagen, S. 68. Strassbarger Stadien I, 4. S. 381. 



6. Der Bohnenkönig. 

(Strassbarger Mandart.) 

's isch hit Dreikinnistaa^, do schicke d'Becke^ 

De gaete Kanden e Dreikinniswecke, 

In dene sie e grossi Bohn verstecke. 

Wer die bekammt in siner Portion, 

Der steijts als Bohnekinni äff de Thron 

Und füehrt de Zepter in der Gsellschaft Mitte. 

Jetz affgepasst ! der Kaeche ward zerschnitte, 
Wo steckt dia Bohn? 
In's Vetter Daniels Portion; 
Dem jüwelt Alles wie ansinni: 
Hoch lewe soll der Bohnekinni! 
Unn Jeder bringt em extrafin 
Zaer Gsandheit 's Gläsel Dessertwin. 
Küm fangt er selwer an ze trinke, 
Se schreiVs zaer Rechten ann zaer Linke; 



— 104 — 



^ 



L<- 



«Der Kinni trinkt, der Kinni trinkt ! » 
Bis dass sin Gläsel widder sinkt. 
Unn will er vom Dreikinniskaeche 
Jetzt au sin Portion versueche, 
So mefe sie, was Keins yergisst: 
«Der Kinni isst, der Kinni isst ! > 
Unn kommt nen ebbe* s' Niessen an. 
Glich isch der Chorus druff unn dran: 
«Der Kinni niesst, der Kinni niesst ! > 
Bis dass sin Nas sich widder schliesst. 
Unn grift nen ebben an e Hüestel ^ 
Unn pfift er do, wie üs der Fistel, 
Sen üwwerschreie sie de Wuest : 
«Der Kinni huest, der Kinni huesst ! » 

He! denki, so gehfs justement<> 
Au zue bim Fürst erejement. 
Do thuen au d^Höfling üsposüne "* 
Die kleinste Gschäftle, Miene, Lüne*, 
Wo sie an ihrem Kinni sehn, 
Als war do e Mirakel gschehn. 
Der Kinni schloft, der Kinni wacht, 
Der Kinni grint, der Kinni lacht! 
ünn was em Menschiis widderfahre, 
Muess d^Welt durch d^Zitung glich erfahre. 
I mein, sott ich als Fürst rejiere, 
Diss thät mi schreckli ennuyiere ^ ; 
Drum bliw i lieber fest unn fix 
E Steckelburjer unn sunst nix. 

i Dreikönigstag. « Bäcker. 3 steigt. ^ etwa. ^ Hüstchen. 
^ gerade. ' ausposaunen. ^ Launen, ö langweilen. 



XI. 



Kleinere MiUeilungen historischen Inhalts. 



I. 

Schwanau zerstört. 

I. Berühmt ist die Belagerung und Zerstörung von Burg 
Schwanau bei Gerstheim durch Strassburg und seine Verbün- 
delen 1333, beschrieben bei Glosener in Hegels Städtechroniken 
VIII S. 98. Das am Rhein im Sumpf gelegene Raubnest (hrouc- 
hüSy hruchus bei Königshofen, ist wohl als bmoch-hüs zu 
verstehen, Haus im Bruch, sumpfigen Gelände) wurde dadurch 
bezwungen, dass die Strassburger aus ihren Cloaken Tonnen 
füllten und diese in die Burg schleuderten bis alle Brunnen 
verdorben waren. Noch nicht bemerkt scheint die Anspielung 
auf diesen Kriegszug in einem Quodlibet, welches aus einer 
Hs. von 1347 in Wackernagels Altdeutschem Lesebuch 5. Aufl. 
1155 fg. herausgegeben ist. Hier heisst es 1157,16 ff: ö ez 
die stete besa^zen, was Swannowe guot und ganz. 
Quodlibets hat man von jeher im Elsass geliebt; vgl. den auch 
hier gedichteten Kettenreim bei Wackemagel 1147 fg. Wie 
viel überhaupt von den kleineren Gedichten des 14. Jhs. in 
der Lassbergischen und anderen Handschriften dem Elsass an- 
gehöre, ist noch zu untersuchen. 

E. Martin. 



106 — 



II. 



Ein bisher unhekanntes ^Werk Sebastian Brants. 

Die historischen Arbeiten Sebastian Brants sind leider zum 
grössten Teile verloren gegangen. Der grosse Gelehrte hatte 
eine Zeitgeschichte verfasst, sodann auch eine ganze Reihe von 
« Gedächtnisbüchel oder Memorialen». Die einzigst erhaltene 
geschichtliche Abhandlung «Bischoff Wilhelms von Hohensteins 
Waal und Einrit anno 1506 und 1507» lässt uns den Verlust 
der genannten Werke nur noch mehr bedauern. Von dem 
lebhaften historischen Interesse Brants, speciell für die Ver- 
gangenheit seiner Vaterstadt, giebt uns eine bisher unbekannte 
Handschrift Kunde, die ich das Gluck hatte im hiesigen Stadt- 
archiv aufzufinden. 

Der «uszugk einer Stadt Straszburg alt harchomen und 
bestetigten freyheitenja ist, was bisher unbemerkt war, von der 
Hand Brants geschrieben. Jeden etwaigen Zweifel beseitigt eine 
Bemerkung auf einer der letzten Seiten. Hier schreibt er zu 
dem Text, der erzählt, es sei etwas «in bywese myn» ge- 
schehen, an den Rand : S. Brant. In dem 68 Blätter ent- 
haltenden Bande fasst der gelehrte Stadtschreiber den Inhalt 
sämmtlicher Kaiserlicher Privilegien, die Strassburg im Laufe 
der Jahrhunderte ausgestellt waren, sachlich geordnet kurz 
zusammen. Ein zweiter Teil behandelt päpstliche Briefe. Wo 
es für das Verständnis nötig ist, giebt der Verfasser eine kun 
gehaltene historische Einleitung. Einige Fragen verfolgt er bis 
auf seine Zeit ; so besonders den Streit um das ultimum vale, 
eine Abgabe, die die Geistlichkeit einforderte, wenn ein Ver- 
storbener nicht von dem Pfarrer zu Grabe geleitet werden 
sollte, dessen Kirche er bei Lebzeiten zugehört hatte. Wie für 
alle kirchlichen Angelegenheiten hat Brant auch für diese Frage 
ein reges Interesse. Ausserdem musste er aber über dieselbe 
besonders gut unterrichtet sein; denn er selbst giebt in einem 
andern, bisher ebenfalls unbekannten Schriftstück, auf das 
mich Herr Krippendorf aufmerksam machte, sein Gutachten 
über die fragliche Rechtmässigkeit des ultimum vale dem Rat 
gegenüber ab. 

Bei der Schilderung dieser Vorgänge in seinem «uszugk» 
tritt zuweilen auch der Humor des Verfassers in ergötzlicher 
Weise hervor. 



— 107 — 

Ich denke demnächst ausführlicheren Bericht über den, 
wenn auch nicht litterarisch hochwichtigen, so doch immerhin 
interessanten Fund zu geben und einige Proben daraus abdrucken 
zu lassen. 

Georg Wolfram. 



III. 

Volkssprache von Metz. 

Ueber die Volkssprache von Metz im 16. Jahr- 
hundert gibt Hans Wilhelm KirchhofT zuverlässige Auskunft 
im III. Buch seiner Anecdolensammlung Wendunmuth, welches 
1602 erschien. Der Verfasser, ein Hesse und zuletzt Burggraf 
zu Spangenberg, stand nach dem schmalkaldischen Kriege als 
Landsknecht in französischen Diensten. Der Wendunmuth ist 
von Oesterley, Tübingen 1869, neu herausgegeben worden in 
der Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart Bd. 95-99. 
In der 115. Erzählung des III. Buches heisst es : 

<(Metz, etwan nicht die geringst unter den Städten desz 
heiligen römischen reichs und ein bischöflicher Sitz, nunmehr 
aber seit anno 1552 unter der Krön Franckreich gewesen, die 
einwohner gemelter Staat gebrauchen sich, mehrertheils 
der teutschen, ander theils der lotharingischen 
oder welschen sprachen, die dritten aber reden 
beide welsch und teutsch, neigen sich doch mehr 
auff der welschen denn der teutschen Seiten, in diese Stadt 
kam vorzeiten ein platnergesell gewandert, von Mülhausen auss 
dem obern Elsass, das der Eydgenossen zugewanten eine ist, 
bürtig. ]o Dieser setzt bei einer Hochzeit den welschen Rund- 
tanz gegen den teutschen parweise getanzten herunter und 
bekommt dafür Prügel. « Dieses hat mir derselb platner anno 
1548, da ich erstmals mit ihm zu Troye kundschafit gemacht, 
nach der läng berichtet. » 

E. Martin. 



IV. 
Harter "Winter Anno 1789. 

Durch die Güte des Besitzers des alt renommierten Gast- 
hauses « zur Krone » in Kaysersberg, Herrn Gsell, war mir die 
Gelegenheit geboten ein Rechnungsbuch, welches sein Gross- 



^ 



— 108 — 

vater in den Jahren 1776-1825 über seine Weinverkäufe ge- 
führt hatte, durchzusehen. Das Buch, das mit den Worten 
beginnt : « Weinslicherbuch welches Frantz Gsell anno 1776 
den 1. Heumonat angefangen zu schreiben undt mit der Gnad 
gottes selbiges zu vollendten » ist interessant durch die Wein- 
preise der damaligen Zeit, die ich auszog und die den Wechsel 
des Preises des Weiss- und Rotweines zeigen. — Während 
früher im Elsass überwiegend Rotwein gebaut wurde, wurden 
die Rebbauern nach dem Baue der Kanäle, die von Frankreich 
in das Elsass führten, durch die Konkurrenz der billigeren und 
besseren französischen Rotweine gezwungen Weissweine zu 
bauen. — In dem Buche fand sich neben mancher interes- 
santen Notiz auch die folgende über den strengen Winter des 
Jahres 1789, die ich, da sie von allgemeinerem Interesse, schon 
jetzt hier mitteile. 

Anno 1789. 

Da hats so Kaldt gemacht vom 25 windtermonat 1788 
undt so Vill Schneh dass kein Schweytzer Wagen ins dass 
Landt geköndt hat um wein zu hollen, sondern seyn gezwungen 
gewesen ihre Schlitten zu nehmen undt wein darauflf hinaus zu 
führen undt dass den 6 Jenner 1789 zum ersten mahl ; undt 
.seyn ville Leuth alendthalben aufT den Strassen verfrohren undt 
sehr grossen mangel am mahlen gewesen. Ja so gar haben 
unsere müUer müessen Comis vor die garnison auff Collmar 
müessen mahlen weil kein müll in Colmar mehr gangen undt 
die frembten Leuth hier vor den beckhen offen gebasst dass 
sie brodt bekommen haben, in dem dass obs undt herdöfTel 
meistentheils in den Källern verfrohren undt auch vill wein 
in den Källern, dass man keinen mehr hat zarffen können. Zu 
alten Breysach ist der rein zugefrohren, dass man ein fass 
darauff gemacht hat pferd darauf beschlagen mit schhtten 
herüber undt hinüber gefahren, herden vetter ochsen herüber 
gedrüben, undt zwey persohnen, welche Anno 1709 zehn Jahr 
altgewessen auff den Rein geführt sambt Villen andteren jungen 
Leuthen und selbe Regaliert zum Denkzeichen, zu mäntz hat 
es 14 schuh dickh Eiss auff den wasser gehabt meistentheils 
seyndt die Kästenbaumen, Kreyter verfrohren dass man selbe 
hat müessen abhauen junge undt alte, sambt den reben. Im 
hornung hat der gemeine wein zwischen 11 undt 12 ^ i gegolten 



1 # = Uv. ; / 
von Ohmen. 



= sol. ; -^ = den. ; der Preis versteht sich 



— 109 — 

und der gemeine alte 12 -fj- der neye rothe 13 if- undt der alte 
rolhe 14 # je älter je theurer dass firdel waitzen 20 if- bis 22 mehl 
Korn 15 bis 16 # die gerst 10 -fj-, 

G. Mündel. 



V. 



Bildv^rerke an Häusern. 

Den Freunden heimischer Altertümer scheint ein zu Strass- 
burg im Medardusgässchen, linker Hand von der Kalbsgasse 
aus befindliches Relief aus ziemlich später römischer Zeit ent- 
gangen zu sein ; wenigstens findet sich weder in Kraus, Kunst 
und Altertum noch anderswo eine auf dasselbe bezügliche Notiz. 

Die Arbeit, aus rotem Sandstein gefertigt, stellt das Brust- 
bild einer Frau dar, den gebogenen rechten Arm hat sie nach 
dem Halse zu über die Brust gelegt, daneben etwas tiefer die 
linke. Die Tiefe des Reliefs, die Haartracht, sowie namentlich 
die runden, vollen Backen und die Form der etwas abstehenden 
Ohren, wie wir sie noch heutzutage vielfach bei unsern roma- 
nischen Nachbarn beobachten können, lassen keinen Zweifel an 
dem Ursprung zu. 

Eine genaue Untersuchung von zuständiger Seite unter- 
nommen hätte zu ergeben, ob die vielfach mit Kalk und Farbe 
verschmierte Sculptur eine Inschrift aufweist oder nicht. Jeden- 
falls ist wohl dies Stück das einzige an einem öffentlichen 
Orte befindliche, das uns noch an das alte römische Argento- 
ratum zu erinneni vermag. 

Es sei im Anschluss hieran auf eine interessante Einzelheit 
hingewiesen, die uns die wohl beachtenswerten Verzierungen 
Strassburger Häuser aus der von dem Kunsthistoriker so schief 
angesehenen Roccoco-Zeit bieten. 

Am alten Kornmarkt Nr. 12 findet sich, so recht im Mittel- 
punkt der Aussenwand des Hauses, als Schlussstein über einem 
Fenster das Brustbild Friedrichs des Grossen mit dem Drei- 
master und der bekannten blauroten Uniform, in zweifelloser 
Portraitähnlichkeit, wie er die Flöte bläst, daneben zu beiden 
Seiten die Jahreszahl 1768. Es zeugt sicher von einer weitver- 
breiteten Beliebtheit, die der grosse Preussenkönig im Elsass 
fand, wenn er sich z. B. zu Pferde und mit dem bekannten 



— HO — 

stock sogar am Gemeindehaus zu Illkirch in Eisen aus- 
itten findet. Auch im Pfarrhause zu Sesenheim hängt 
[leichzeitiges Bildnis in Oel gemalt noch heute, neben 
IS Bild seines Bruders, des Urgrossvaters unseres Kai- 
lewiss wird sich sein Bildnis auch sonst noch vielfacb 
lass als Haus- oder Zimmerschmuck nachweisen lassen, 
gl. auch Strassb. Stud. 2, 485. 

H. Buchenau. 



XII. 



Elsass-Lothringische Bibliographie 

1883—1884 

bearbeitet von C. Mündel. 

Dieselbe schliesFt sich an das in den Strassburger Studien von Mariin 
und Wiegand I, 385 fr. veröffentlichte Verzeichnis der in den Jahren 1870 — 
1882 erschienenen Litteratur Ober das Elsass an. Die Kalender, Zeitungen 
u. 8. w. sind diesmal ausgeschlossen worden. 

4883. 

I. Sammelwerke. 

1 Annales de la Soci6t6 d'6mnlation da d^pai-tement des Vosges. 
1883. 8. 418 p. Paris, Goin. 

2 Annnaire administratif, statistique, historique, judiciaire et com- 
mercial de Mearthe-Mo seile, par Henri Lepage et N. Großjean. 
1883 (61e annee). 12. 435 p. Nancy, Grosjean. fr. 2 75 

3 Annnaire gen^ral des Vosges de Leon Louis. 1883. (13« ann6e.) 8, 
C. 296 p. et carte. Epinal, Busy. fr. 3 — 

4 Annnaire de Tinstmction pnbliqne dans les Vosges pour 1883, 
par Ch. Merlin. (22« annee.) 16. 248 p. Epinal, Durand fils. 

6 Archiv for öffentliche Gesandheitspflege in Elsass-Lothr., hrsgb. 
T. ärztlich, hygien. Verein. Red. v. Minist.-Rath Dr. H. Wasser- 
flut, 8. Bd. gr. 8. IV, 164 S. Strassburg, Bull. JC 6 — 

6 Bulletin de la Society indust. de Mulhouse, tome IH. Ann^e 1883. 
12 livr. lex.-8. (1—3 Lf. 111 S. mit 9 Steintafebi.) Mülhausen, Bufleb 
und Detloff. u? 18 — 

7 Bulletin du mus^e historique de Mulhouse, VIII. 1883. Mulhouse, 
Wwe Bader. 111 S. 

8 Bulletin de la Soci6t6 philomathique vosgienne. 8e ann6e (1882-83). 
8. 226 p. et planches. St-Die, Humbert. 

9 Catalogue des Alsatica de la bibliotheque d'Oscar Berger-Levrault. 
2 Yols. 8. Premiere partie (XVII*, XVIII« siecles ; Consulat et Empire). 
Vin, 208 p. ; deuid^me partie (XIX* siecle), 203 p. Nancy, Berger- 
Levrault et Cie. 



■•^ 



Lr«, 



— 142 — 

10 Digotj baron Paul de. Les Contemporains de Nancy pour 1883 
(armee, arts, Industrie, lettres, noblesse et sciences). 8. 55 p. 
Nancy, Sidot fröres. 

11 Dissertationes philologicae Argentoratenses selectae. vol. VI. gr. 8- 
(III, 330 S.) Strassburg 1882. Trübner. JC 1 — 

12 vol. VII (III, 318 S.) Strassburg, Tiübner. JC 1 - 

(I./VI1. Ji 46.) 

13 GaidoZj Henri et SebtUot, Paul. Bibliographie des traditions et de 
la littörature populaire de TAlsace. (Extr. du Polybiblion, N' de 
Nov. 1882.) Strasbourg, J. Noiriel. 1883. 

14 Jahrbuch, Basler, 1883. Hrsgb. von Alb. Burckhardt und Äi«i. 
Wackemagel 8. VI, 284 S. mit 1 Photolith. u. 1 Chromolith. 
Basel, Detloff. uiT 4 — 

15 Jahrbuch, fünftes, d. Vereines f. Erdkunde zu Metz pro 1882. Mit 
4 (3 lith. u. 1 chromolith.) Taf. gr. 8. 176 S. Metz. Scriba. ./ÄL 3 60 

16 Memoires de la Soci6t6 d^archeologie lorraine et du Mus6e histor. 
lorrain. 3- s6rie, 10« volume. 1882. 8. XXIII, 404 p. et planches. 
Nancy, Wiener. 

17 Memoires de la Soci^t4 de mMecine de Strasbourg. T. XIX. gr. 8. 
XII, 195 S. Strassburg, Schultz u. Cie. JL ^ - 

18 Memoires de la Soci6t6 d'^mulation du Jura. 3* s6rie, 3» vol. 1882. 
8. 359 p. et planches. Lons-le-Saunier. Declume freres. 

19 Memoire de TAcad^mie de Stanislas. 133" ann^e, 4* s6rie, i XV. 
(1882.) 8. CXXXn, 411 p. Nancy, Berger-Levrault et Cie. 

20 Mittheilungen aus dem Vogesenclub. Nr. 15. 1. April 1883. 
(0. Springer, Eine milit. Einquartierung im Kloster der Trappistcn 
a. Oelenberg im O.-E. ; C. Mündel, Haussprüche u. Inschriften ) 100 S. 

21 — — Nr. 16. Jahresbericht 1882—1883, erstattet durch Dr. 
F. Harbordt. Verzeichniss der Bücher u. Zeitschriften der Club- 
Bibliothek. Ruine Gross- Arnsburg im Wasgau v. F. A. Ihme. 62 S. 

22 Schriften des protest.-liberalen Vereines in Elsass - Lothringen. 
21—23. Heft. 12. Strassburg, Treuttel u. Wüi-tz. JL —.82. (21. Heft: 
Gerold. Prinzip der Reformation u. das Prinzip des Liberalismus. 
45 S. ^—.27; 22. Heft: Eijf, Fr., Ein Selbstmörder. Eine 
Strassburger Geschichte von 30 Jahren her. 15 S. uE —.20; 
23. Heft : Reuss, Bud., Der Apostel Paulus. 62 S «/Ä —.35.) 

23 Studien, Strassburger. Zeitschrift für Geschichte, Sprache und 
Litteratur des Elsasses. Hrsgb. v. E. Martin n, WUh. Wiegani. 
I Bd. IV. Heft. gr. 8. IH. u. S. 301—482. Strassburg, Trübner. 
(I Bd. complet ,AL 12.— .) JL b -- 

24 n. Bd. I. Heft. gr. 8. 112 S. ebend. JL2^ 

25 Westdeutsche Zeitschr. f. Geschichte u. Kunst. Hrsgb. v. E. Hettner 
u. K. Lamprecht, Jahrg. H. Trier 1883. 434 S. — Korrespondeni- 
blatt. 80 Sp. 

n. Biographien der Zeitgenossen. 

26 Les Alsaciens illustres. Portraits en Photographie avec notices 
biographiques. 1882. Colmar, Ant. Meyer. 

27 Claretie, Jules. Erckmann-Chatrian. 18. 32 p. avec portr. et facs. 
Paris, Quantin. (C616brites contemporains.) fr. — 75 

28 Lederlin et Gardeü. Rapport sur les travaux de la facult^ de 
droit de Nancy, ann6e scolaire 1881-1882; suivi des paroles pro- 
nonc^es sur la tombe de M. E. Dubois par M. E. Lederlin, doyen; 
et rapport sar les concours entre les 61^ves de la facult6 par 
M. Gardeil, agr^ge. 8. 29 p. Nancy, Berger-Levrault et Cie. 



— 413 — J 

i 

29 Neyremond, E. de. Erneste de Neyremond. Notice biographiqne. j 
8. 30 p. Nimes, Jouve. * \ 

30 Stoiber, Ad, Margaretha Spörlin, Verfasserin der elsässischen 
Lebensbilder. Eine biograph.-literar. Skizze. (A. d. Eis. evang. 
Wochenblatt.) Mit einem Anbang ans M. Spörlins Nachlass. gr. 8. 
24 S. Mülbansen, Petry. uK 1 — 

31 Zemin. Freiherr Lndwig von nnd zu der Tann-Ratbsamhansen. 
Eine Lebensskizze. Vortrag geh. am 18. November 1882 in der 
milit. Gesellschaft zu Manchen. (Ans d. AUgem. Mil.-Zeitg.) Mit 
Portr. gr. 8. V. 52 S. Darmstadt, Zernin. ^AL l ^ 

m. Landeskunde. 

32 Abhandlungen zur geolog. Specialkarte von Elsass-Lothringen. 
n. Bd. 11. Heft. Lex. 8. Strassburg 1882. Schnitz n. Cie. uT 12 80 
MI 2. M 38.80). — Inhalt : Haas, Hipp. n. Fetri, Camüle, Die 
Brachiopoden der Juraformation von Elsass-Lothringen. 18 lith. 
Taf. n. 3 Zinkogr. ^in Mappe). {XIV, S. 161-320.) 

33 Barhiche, Fanne synoptique des odonates on libellnles de la 
Lorraine. L 8. (0. 0.) 1883. 

34 — Simple Enumeration des moUusques de la Mo seile. Metz, 
impr. Verronnais, 1883. 8. 

35 Becus, JSdouard. Situation agricole du canton de Lamarche 
(Vosges) : Biographie succincte des principales illustrations de ce 
canton. 8. 174 p. Nancy-fipinal, Durand. 

36 Beifort et ses environs, son histoire, ses curiosit^s ; guide du 
voyageur. 12. 102 p. avec gravures. Beifort, Pelot. 

37 Beobachtxmgen der atmosphär. Niederschläge in Elsass-Lothr. 
während der Jahre 1874-1882. Zusammengestellt im Ministerium 
für E.-L. Abth. für Gewerbe, Landwirthschaft u. off. Arbeiten. 
Strassburg, Buchdr. G. Fischbach, 1883. 8. 

38 Berg, Oberförster, Freiherr von. Mittheilungen über die forstl. 
Verhältnisse in Elsass-Lothringen. Im Auftrage des Ministeriums 
für Finanzen und Domänen bearbeitet. Mit einer chromolith. 
üebersichtskarte im Imp -Fol. gr. 8. VII, 221 S. Strassburg, 
Schultz u. Cie. Ji b — 

39 Boulaumie, Am. Eaux min^rales des Vosges. 6 grav. et une carte. 
Paris, Hachette et Cie. 32. 

40 BraconnieTf A. Description g^ologique et agronomique des terrains 
de Meurthe-et-Moselle. 8. 444 p. Nancy, Berger-Levrault et Cie. 

41 Brongniart, Jules. Action de Teau minSrale de ContrexEville chez 
les calculeux Etudi^e au point de vue du diagnostic de la pierre 
et du T^sultat ulterieur des Operations. Paris, Dain. 8. 37 p. 

42 Debaut d'Estrees. M6dical guide de Contrex6ville (Vosges). 32. 
XX, 219 p. Paris, Hennuyer. 

43 Dietg. Relev6s met^orologiques et note sur Vorage du 1" juillet 
1883 ä. Rothau. Strasbourg 1883. 8. 8 p. 

44 — Les pluies en Alsace-Lorraine de 1870 ä 1880. Strasb. Treuttel 
et Würtz. 8. 37 p. 3 tableaux. 

45 — Analyse d'un article de M. H. de Parvielle sur les inondations. 
(BuU. de la Soc. des agriculteurs de France, n° du 12 d6c. 1882.) 
8. 4 p. Strasbourg, Fischbach. 

46 Godron, 2>. A. Flore de Lorraine. 3" 6dit. publice par Fliehe et 
Le Mannier. 2 vols. 18. t. I, XIX, 608 p.; t. II, 510 p. Nancy, Grosjean. 

47 Hatllant, N. Petite excursion botanique au ballon d'Alsace. Spinal, 
V. Collot. 8. 4 p. 

8 



— -114 — 

Sim, G. A, B^BQm^ des observations miUorologiqDes fut«s 
pendSint rannte 1882, en qnatre painU du Hant-Bhin et des 
Voages, (Eitr.l Paris, Oanthier-VillarB, 1883. 4. 
Hottinger, Dr. Chr. G. ElsaBB-Lothringen. 8. 336 S. mit eingedr. 
UIdbIi. Strassbnrg, Strobmeyer. Jti 2 — 

— Strassbnrg in Wort v. Bild. 8. 32 S. mit eingedr. Holzschn. 
Oebdn. ^ - 60 
Hotz, Dt. Sud. Basel. Eine Schilderung fiii- EinbeimiBche nnd 
Fremde. 16. 88 S. mit eingedr. Holzschn. n, 1 SteintAfel Basel. 
BirkhSnser. Ji 1 - 
Joanne, Fmd. VoEges, Alsace et Ardennes. 32. ii 2 col. XXXII, 
367 p. avec T caitea et 3 plans. Paris, Hachette et Cie. fr. 5 - 
Kieffer, J. J. Contribntions h la Fanne et h la Flore de Bitcb«. 
Metz, impr. Ven'onnais, IÖ83. 8. 

Klein, CaH. Der Wallfahrtsort Marientbai. Historische Skiize. 8, 

36 S. Strassbarg, Hagemann. Jt — &> 

Lallement, Louis. Nancy vn en denx henies. 2* Edition revne el 

angmentfe. 8. 72 p. Nancy, Betger-LeTranlt et Cie, 

Lapaix. Description illnstrie de Nancy et de ses enrirons. NonT. 

Mit. avec grav., vign. et plan. 8. 107 p. Nancy, Fringnel-Onjoi 

Lemaire, A. Liste des diamidifies observSes dana lea Tosges 

josqu'en 1682, pr£cfid6e d'nne introdnction de ces algnes. 8, 2H p. 

avec planche, 4 fig. Nancy, Berge r-Levranlt et Cie. 

Lepage, H. Promenade dans Nancy et ses environs. i' 4dit, 18. 

144 p. et carte. Nancy, Wiener. 

Meyer'g Eeisebüclier : Schwarzwald, Odenwald, Bergstrasse, Heidel' 

berg n. Strassbnrg. 3. Aufl. Mit 10 Karten, ö Plänen n. 1 Ronten- 

netz. 12. VIII, 202 S. Bibl. Insütnt, Leipzig, eart. Jt 2 - 

Monatsberichte über die Beobacbtnnga-Ergebnisse der forstlich- 

raeteorolog. Stationen in Elsass-Lothringen. 1882-1883. Strassb, 

Trnbner [1883-1884], 4. Jl 2 - 

Misoellantes. Notes et observations diverses concernant la miteo- 

rologie et Thistoire naturelle de l'Alsace. (Eitr.) Colmar, impr. 

Veuve Decker [1883]. 8. 

Moageot. Qferardmer mSdical par le doctenr Mongeot, de Bar-snr- 

Aabe. 8. lö p. St-Diä, Hnmbert. (Eitr. dn Ballet, de la Sociale 

philo mathiqne vosgienne 1882/83. 

Mündet, Kurt Hanseprllche n. Inschriften im Elsass. gr. 8. 76 S. 

Strassbnrg, Bull. ^ — 80 

— Die Vogesen. Ein Handbnch für Touristen. Auf Ornndlage von 
Scbricker's Vogesenführer neu bearbeitet. Unter Mitwirkung von 
Prof Dr. J. Euting n, Dr. A- Schucker. Mit 13 Karten, 3 Plänen, 
2 Panoramen n. mehreren Holzschn. 3. neu bearb. u, beträcbtL 
vermehrte Aufi. 8. XVII, 406 S. Strassb,, Trübner. Gbdn. j| 3 SO 
Petition adressie au Landesansschuas p. 1. habitants de SchnnsD 
[concernant la triste Situation du village, cansäe par les inoiida- 
tions dn Rhin). [0, 0. 1883,] 4, 

Plan der Stadt Strassburg u, deren Erweiterungen. Strasabnrg, 
R. Schnitz n. Cie, [1883], 

1 Plan der Stadt Straesborg nebst Erweiterung. Mit einem Deber- 
Eichtskärtchen der Umgebung. Vierte rev, Auflage. Strassburg. 
Trübner. 8. ^ 1 - 

Quatorze itin^rairea an ballon de Qnebwiller. 8. 30 p. Nancy, 
Berger-Levrault et Cie. (Fabli6 par la section voagienne du Club 
Alpin fran;.) fr, 1 2ö 



— 445 — 

68 QuSIety Mougeot et Ferry. Liste des espöces de Champignons 
observ6s dans une conrse au Donon et au Champ-da-Feu, les 21 
et 22 sept. 1882. Tonlonse, Montanban. 8. 7 p. (Extr. de la Bevue 
mycologiqne 1882, n« 17 ) 

69 Rheincanal, der schiffbare, Strassbnrg-Rastatt-Leopoldshafen oder 
Germersheim. Nebst einer (aatogr.) Uebersichtsskizze. gr. 8. 46 S. 
Karlsruhe, Brann. t4L \ — 

70 BoÜkenberger, Heinr. Ortsentfemnngskarte des Bezirks Lothringen. 
Haasstab 1 : 150,000. Metz, Selbstverl. d. Heransg., 1883. 2. 

71 Schlagdenhauffen. Snr Tanalyse de quelques terrains des Vosges. 
8. Nancy, Sordaillet. 

72 — Nouvelles recherches sur les eaux de Nancy. 8. 7 p. Nancy, 
Sordaillet. (Extr. du compte-rendu des travaux de la Soci6t6 de 
phanziacie de Lorraine 1882.) 

73 Thiriat, Xavier, Journal d*un solitaire et voyage h la Schlucht 
par G6rardmer, Longemer et Retournemer. 4* 6dit. 18. 302 p. 
Paris, Picard. 

74 Die Ergebnisse d. Volkszählung in E.-L v. 1. Dez. 1880. Mit 11 
kartograph. Darstellungen. (Statistische Mittheil. XXI.) Strassburg, 
Schultz u. Cie. CXXIV, 274 S. 

75 Zamaron, Tabhe Nap. Notice s. Mirecourt. 8. 23 p. Mirec, Chassel. 

lY. Geschichte. 

76 Albrecht, Dr. Karl. Deutsche Könige und Kaiser in Colmar 
(Friedrich III, Maximilian I, u. Ferdinand I) nach gleichzeitigen 
Aufzeichnungen im Colmarer Stadtarchiv. (Ergänzung zu desselben 
Yerf. Festrede: Besuche deutscher Könige u Kaiser in Colmar. 
Leipzig 1878) gr. 4. 45 S. Colmar, Barth. Jk 2 — 

77 Asribert, baron de. Le mar^chal de Vauban 1633-1707. 2* 6dit. 8. 
352 p. et grav. Tours, Mame fils. (Bibl. d. familles et d. maisons 
d'^ducation.) 

78 Aus dem Elsass. Alte Geschichten für d. Volk erzählt y. einem 
elsäss. Schulmeister (Dr. Berger), gr. 8. VII, 160 S. Heidelberg, 
Gebr. Schenk.. c/ÄL 1 50 

79 Bemouiäij A. Annales Parisienses. (Neues Archiv d. Gesellschaft 
für ältere Geschichtskunde, VIII, 616-621.) 

80 — Fragmente einer Uebersetzung der Notae historicae Argenti- 
nenses. (Neues Archiv u. s. w., IX, 209-210. 

81 — Basel im Kriege mit esterreich 1445-1449. 61. Neujahrsblatt, 
hrsgb. V. d. Gesellschaft zur Beförderung d. Guten u. Gemeinn. 
1883. gr. 4. (42 S mit 1 Lichtdr.) Basel 1882, Detloff. JL \ m 

82 Brugnon, Phüoghne. Consid^rations sur la defense de Metz en 
1870, avec la brillante arm6e charg^e de repousser Penvahisseur, 
8. 66 p. Pont-ä-Mousson, impr. Gauthier. 

83 ChatUeau, Frangois de. Documents in6dits relatifs ä Thistoire de 
la Revolution dans les Vosges. Bar-le-Duc. 8. 33 p. 

84 Contades (Louis-Georges-Erasme, marquis de), mar^chal de France : 
Notes et Souvenirs. 4. 37 p. Mamers, impr. Fleury et Dangin. 

85 Courbe, Ch. Histoire des villes vieille et neuve de Nancy, par le 
sieur J. J. Lionnois, prötre. I. Historique de sa publication ; II 
Liste in^dite des souscripteurs ; par Ch. Courbe. 8. 39 p. Nancy, 
Fringnel et Guyot. 

86 — Promenades histor. ä travers les rues de Nancy au XVIII* 
si^cle, ä repoque r^volutionn. et de nos jours. Rech. s. 1. hommes 
et 1. choses de ces temps. 8. 478 p. Nancy, Gebhart. fr. 10 — 



— 116 — 



87 IHnago, F. L'EntrSe des Badois ä Colmar le 14 sept. 1870. 8. 
10 p. Nancy, Berger-Levranlt et Cie. (Extr. de la Revue alsacienne 
de 1883.) 

88 Duruyj Victor. Eist, de Tnrenne. Nouv. 6dit. illnstr^e d*un grand 
nombre de vign. et de cartes g^ograph. 2 vols. 18. Tome I: 
XXIV, 771 p. avec vign. et 7 cartes; tome EI: IV, 721 p. avec 
vign. et 5 cartes. Paris, Hachette et Cie. (Bist universelle publik 
s. la direction de M. V. Duruy.) fr. 8 — 

89 DuaaieuXy L. Le si^ge de Beifort. 8. 152 p. et portrait. Versailles- 
Paris, Cerf. 

90 Ehrscan, Nicoi. Le livre d^or (Bürgerbuch) de la ville de Mulhoxue. 
Nouv. 6dit. revue et augment^e par Louis Schonhaupt. 43 liyr. 
fol. XXVI, 431 S. mit 39 chromolith. und Lichtdruck-Tafeb. 
Mulhouse-Bäle, Schneider. ul 120 — 

91 Engelhardy Maurice. La contrebande politique sur la frontiere du 
Rhin pendant le second Empire. 8. 8 p. Nancy, Berger-Levranlt 
et Cie. (Extr. de la Revue alsacienne de 1883.) 

92 Faviery J. Coup d'ceil sur les bibliothöques des couventa du dis- 
trict de Nancy pend. la Revolution, ce qu'elles 6taient, ce qu'elles 
sont devenues. 8. 60 p. et armes. Nancy, Sidot fr^res. (Extr. des 
M^moires de la Soc. d'arch. lorr. p. 1883.) 

93 Gerold j Joh. Karl. Bilder aus der Schreckenszeit. Erlebnisse eines 
deportirten elsässischen Geistlichen. Mit geschichtl. Anmerkungen, 
hrsgb. V. Bud. Beuss. 8. 52 S. Strassburg, Bull. ul — 50 

93 a Crütschenberger, Steph. Eulogius Schneider. Ein Apostel der Tole- 
ranz xmd der Schreckensherrschaft. In: Aus allen Zeiten and 
Landen. I. Jahrg. VII. Heft. Braunschweig, C. A. Schwetschke 
und Sohn. 

94 Chiyot, Ch. Les villes neuves en Lorraine. 8. 34 p. Nancy, Crepin- 
Leblond. (Extr. des M6m. de la Soc d^arch. lorr. p. 1883.) 

96 Hartfelder. Strassburg während des Bauernkrieges 1525. (For- 
schungen zur deutschen Geschichte, XXIII, 2.) 1883. 

96 Huher, A. Mathias von Neuenburg oder Albert von Strassburg. 
(Mittheilungen des Instituts für Österreich. Geschichtsforschong. 
IV, 200-208.) Innsbruck, Wagner, 1883. 

97 Hugounet, P. Ä. Frceschwiller (1870-1883). 8. 16 p. et plan. Paris, 
Bayle et Cie. 

98 Hussofiy C Histoii'e des pharmaciens de Lorraine. 8. 36 p. Nancy, 
Sordaillet. (Extr. du compte-rendu de la Soci6t6 de pharmacie de 
Lorraine 1882.) 

99 Jahreszahlen, 72, a. d. elsass-lothring., deutschen u. allgemeinen 
Geschichte. 8. 8 S. Gebweiler, Boltze. ul — '^ 

100 Janssen^ Johs. Frankreichs Rheingelüste und deutsch-feindliche 
Politik in früheren Jahrhunderten. 1. u. 2. unveränd. Aufl. gr. 8. 
Vm, 100 S. Freiburg, Herder. ul 1 40 

101 Inventaire sommaire des archives communales de la ville de 
Strasbourg ant6iieures k 1790, r6dig6 par J. Brucker, archiviste. 
S^rie AA : Actes constitutifs et polit. de la commune. 3' pari 
A. u. d. T. Summarisches Inventar des Communal-Archives der 
Stadt Strassburg von 1790. 3. Bd. gr. 4. V, 320 S. Strassburg 
1882. Trübner (l-ÜI ul 44.—). ul 14 - 

102 Kirchner^ M. Das Reichsland Elsass-Lothringen nach seiner terri- 
torialen Gestaltung v. 1648-1789 entworfen. 4. Blatt in gr. Folio. 
Strassburg, Trübner, 1883. 



— 117 — 

103 LegreUe, A. Louis XIV et Strasbonrg: Essai sm* la poliüqne de 
la France en Alsace, d'apres des docnments officiels et in6- 
dits. 3* Edition, corrig^e et angmentSe. 8. XVI, 796 p. Paiis, 
Hachette et Cie. fr. 7 50 

104 iMmkemann, Favl, Tnrenne^s letzter Feldzng 1675. (Hallesche 
Abbandlnngeii znr neaeren Geschichte. 18. Heft.) gr. 8. 76 S. 
Halle, Niemeyer. «^ 1 80 

105 Postelj Baoul. Kleber et Marcean. 12. 63 p. avec vign. Lagny- 
Paris, Degorce-Cadot. (Bibl. du jenne äge.) 

106 Beuss, Bod. Yienx noms et mes nouvelles de Strasbonrg. Can- 
series biographiqnes d'nn fianenr, avec une pr^face. 8. XIV, 
442 S. Strasbourg, Treattel et Würtz. Ulf 3 — 

107 — A. Schillinger. Souvenirs pour ses amis. Avec des extraits 
du Journal de Schillinger pendant le siege de Strasbourg. 8. 
XI, 292 S. Ebd. uT 6 — 

108 des JRobert, F. Campagne de Charles IV, duc de LoiTaine et de 
Bar, en Allemagne, en Lorraine et en Franche-Comt^ (1634-1638), 
d'apres des docnments inSdits, tir^s des archives du minist^re d. 
affaires 6trangeres. 8. XII, 548 p. Nancy, Berger-Levrault et Cie. 

109 Quintard, Leopold. Dissertation sur la Station appel^e Mose, 
inscrite sur la table de Feutinger, Voie romaine de Reims & 
Metz. Nancy, impr. Saint-Epvre. 16. 

110 Bavold, J. P. Le peuple en Lon-aine sous Tancien regime. Con- 
ference faite ä Gerbeville le 14 juill. 1882. 8. 100 p. Lunöville, 
Impr. nouvelle. fr. — 75 

111 Boy, Jules. Turenne, sa vie, les institutions militaires de son 
temps. Edition illustr^e de plus de 200 dessins de nos meilleurs 
artistes, composition nouvelle en Chromolithographie et grandes 
gravures sur bois, fac-similes, plans de batailles et grandes 
cai-tes en couleurs. 4. XXU, 626 p. Paris, Hurtrel. fr. 30 — 

112 — Histoire de Vauban. 6* Edition. 12. 240 p. et Vignette. Lille, 
Lefort. 

113 ScUly, Ch. de. Lorraine et Barrois, anciennes paroisse et eure 
de Cainville : Situation de la paroisse, onomastique du ressort, 
patronage de Ste-Glossinde de Metz, ressources et dotations, 
ventes revolutionnaires, dames de Ste-Glossinde en 1791. 8. 36 p. 
Nancy, Cröpin-Leblond. 

114 Schneegans, A. Strassburg nach der Uebergabe an Frankreich 
1681-1698. Breslau, Schottländer [1883]. 8. 

115 Schneider^ Prof. Dr. J. Die alten Heer- und Handelswege der 
Germanen, Römer u. Franken im deutschen Reiche. Nach örtl. 
Untersuchungen dargestellt. 1. Heft. (Aus Monatschrift für die 
Gesch. Westdeutschlands.) gr. 8. 13 S. 1 lith. Kai*te. Düsseldorf, 
Schaub, 1882. uSf 1 — 

116 2. Heft. gr. 8. 16 S. Düsseldorf. Schaub. ul 1 — 

117 Seyboth, Ad. Essai histor. s. Torganisation du Service des incendies 
et du Corps d. sapeurs-pompiers de la ville de Strasbourg depuis 
le XV" si^cle jnsqu^ä nos jours. Avec 4 planches chromolithogr. 
(Uniformes de 1872-1881.) Strasb., R. Schultz et Cie., 1883. 4. 

118 Simonin. Les Ambulances de Nancy en 1870 et 1871. 8. XVI, 
99 p. Nancy, Berger-Levrault et Cie. 

119 Schtdte, A. Die Originalhandschrift Königshofens. (Mittheilungen 
d. Instituts für österr. Geschichtsforschung, IV, 462-463.) 

120 — Notae historicae Altorfenses. (Mittheil. u. s. w., IV, 209-213.) 
Innsbruck, Wagner, 1883. 



— 118 — 

121 Zar Gesch. d. Strassbarger Kapitulation v. 1681. Hist. Bückblicke 
eines Elsässers auf die Zeit v. 1648-1697. Strassb , Schnitz a. Cie., 
1883. 

122 Tendering, Dr. Fr. Die Schlacht bei Spichem, am 6. Ang. 1870. 
Vortrag geh. im hist. Verein zu Saarbrücken, am 22. Not. 1882. 
8. 32 S. Saarbrücken, Klingebeil. ul — 67 

123 Tuetey, Alexandre. Les Allemands en France et Finyasion da 
comt6 de Montb^liard par les Lorrains 1587-1588, d'apr^s des 
docnments in^dits. I et U. Paris, Champion; Montb^liard, 
E. Barbier, 1883. 8. 

124 WarreUf Luden, vicomte de. Margaerite de Lorraine, dachesse 
d'OrUans (1615-1672). 8. 41 p. St-Di6, Hnmbert. (Extr. da BalL 
de la Soci6t6 philo mathique vosgienne, ann^e 1882/83.) 

125 Witte, Dr. Die armen Gecken oder Schinder and ihr Einfall 
in's Elsass im J. 1439. gr. 4. 38 S. Strb., Schnitz a. Cie. ul 2 40 

126 Wölff, F. Erwerb a. Verwaltung des Klostervermögens in den 
Traditiones Wizenburgenses Diss. Berlin 1883. 

V. Politik. 

127 Bach. Der Schalstreit in Elsass-Lothringen. (Central-Organ für 
die Interessen des Realschulwesens, X, 6.) 1883. 

128 Recht, das, der Wiedergewonnenen, gr. 8. Berlin, Walther a. 
Apolant. ul 2 — 

129 V6rit6, la, sur la question judiciaire par un Vosgien. 8. 46 p. 
Mirecourt. Paris, Fischbacher. fr. — 50 

VI. Reclit, Verfassung Hnd Verwaltnng. 

130 Denkschrift betreffend Neubauten bei der Irrenanstalt Hördi 
Colmar, Wwe C. Decker, 1883. 4. 

131 Hack, C. Der Polizei- u. Sicherheitsdienst. Zusammenstellung d. 
für Handhabung d. Polizei- u. Sicherheitsdienst wesentlichsten 
Vorschriften aus den besteh. Gesetzen, Verordn., Erlassen etc. 
unter besond. Berücksichtigung d. Verhältnisse im Bezirk Ober- 
Elsass. 2. Aufl. 8. XVI, 124 S. Gebweiler, Boltze. ul 2 - 

132 Jagdpolizeigesetz, das, in Elsass-Lothringen, nebst den darauf 
bezügl. Verordnungen. Textausgabe m. franz. Uebersetzung, und 
Anmerkungen v. e. Mitgliede des Landesausschusses. 2. Aufl. 8. 
41 S. Strassburg, Trübner. ul — 80 

133 Becklinghauaen, Prof. Dr. von. Die historische Entwickelang des 
medicinischen Unterrichts, seine Vorbedingungen u. s. Aufgaben. 
Rede geh. am 1. Mai 1883, d. Stiftungstage d. Kaiser-Wilhelms- 
ünivers. Strassb. Lex. 8. 32 S. Str., Schmidt u. Trübner. ul — 80 

134 Signalbuch für die Reichs-Eisenbahnen in E.-L. 12. 75 S. mit 
eingedr. z. Theil color. Fig. Berlin, C. Heymann. geb. ul 2 — 

135 Soden, Prof. Dr. von. Die Einflüsse unserer Gymnasien auf die 
Jugendbildung betrachtet im Anschluss an das ärztliche Gut- 
achten über das höhere Schulwesen Elsass-Lothringens. .Ans 
Correspondenzblatt f. d. Gelehrten- u. Realschulen Würtemb.) 
Tübingen, Fues. JL — SO 

136 Stimme, eine, aus d. Publikum über die Auslegung u. Hand- 
habung d. Reichs-Rayon-Gesetzes z. Beurtheil. d. Entschädigungs- 
Verfahrens u. d. Entschädigungs-Berechtigung d. Besitzer f. ihre 
innerhalb d. Rayons d. Festung Strassb. i/E. gel Fabrik-Etabl, 
Wohnbauten etc. 1883. gr. 8. 35 S. Str., Schultz u, Cie. JC 1 60 



— 119 — 

137 Trayanx de la chambre de commerce de Nancy, dn 25 janvier 
1878 an 31 dScembre 1882. (Rapports, d^liberations, correspond.) 
8. 258 p. Nancy, Berger-Levranlt et Cie. 

138 WasserfvhTy Dr. Der Gesnndheitsznstand in E.-L. während d. J. 
1882. Im amtL Auftrage nach d. Berichten d. Medicinalbeamten. 
gr. 8. m, 163 S. Sti-assbnrg, Bull. Ulf 3 — 

139 ZceUer, D. M. Die neuesten Schnlreformbestrebnngen n. d. neue 
Regulativ fär die höheren Schule in E.-L. (Aus Revue nouvelle 
d^Alsace-Lorraine.) gr. 8. 28 S. Colmar, Barth. uK — 80 

YU. KIrohengeschlchte. 

140 Armen-Seelen-Bruderschaft in der Spital-Kapelle zu Zabem an. 
1855 eingeführt. Zabem, Buchdr. H. Gilliot, 1883. 8. 

141 Beiträge zur Kirchengeschichte d. Elsasses vom 16-19. Jahrh. 
Vierteßahrsschrift, im Dienste d. evang.-luth. Kirche, redig. u. 
hrsgb. V. Pfr. Wilh. Haming. 3. Jahrg. 4 Hefte, gr. 8. (1. u. 2. 
Heft. 72 S.) Strassburg, Vomhoff. UK 3 — 

142 Benaity A. Le Chapitre de Saint-Di6 ä la fin du XV« si^cle. I. 
Le Grand pr6v6t Didier de Birstorf (1467-1496). 8. 10 p. St-Di6, 
Humbert. (Extr. du Bull, de la Soci^tö philomathique vosgienne, 
ann^e 1882/83.) 

143 — Denx proc^s du chapitre de Remiremont ä la fin du XVni* 
si^cle. 16 p. Epinal, V. Collot. 

144 Bernhard, Tabb^ Jos. Hist. de FAbbaye et de la ville d^Erstein. 
200 p. Rixheim, Sutter, 1883. 

144 a Bode. Das Strassburger Gesangbuch von 1526. Blätter f. Hymno- 

logie. 1883. 

145 Burchard. Joh. Burchardi Ar gentin., capelle pontificie sacrorum 
rituum magistri, Diarium, sive Herum urbanarum commentarii 
(1483-1506). Texte latin, publik int^gralement pour la premi^re 
fois d^apres les manuscrits de Paris, de Rome et de Florence, 
avec introduci, notes, appendices, tables et index, p. L. Thuaane, 
Tome I (1483-1492). gr. 8. VI, 604 p. Paris, Leroux. (L'ouvrage 
formera trois volumes.) fr. 20 — 

146 EricTisan, Alfred, üeber die Pfarrgehälter in Elsass-Lothringen. 
Strassburg, Druck v. J. H. Ed. Heitz, 1883. 8. 

147 — Zwingli^s Tod u. dessen Beurtheilung durch Zeitgenossen- 
Zumeist nach ungedr. Strassburger u. Züricher Urkunden. Ein 
Beitrag zur 350. Todesfeier Zwingli's. gr. 8. III. 43 S. Strassb., 
Bull. Jf — SO 

148 Grandemange, Fabb^. Notice biograph. sur Elisabeth de Rainfaing» 
fondatrice de la maison du Refuge de Nancy. 8. 55 p. Nahcy, 
Vagner. 

149 Hoffmann, B. Johannes Tauler. Vortrag geh. auf dem Pastoral- 
Tage V. Köln-Land zu Berlin, am 6. Febr. 1883. gr. 8. 34 S. 
Berlin, W. Schnitze. vÄ — 50 

150 Homing, Wüh. Der Strassburger Üniversitäts-Professor, Münster- 
prediger u. Präsident d. Kirchenkonventes, Dr, Johann Conrad 
Dannhauer, geschildert nach unbenutzten Druckschriften und 
Manuscr. a. d. XVII. Jahrh. gr. 8. IV, 131 S. Str. Vomhoff. .^ 2 60 

151 — Philipp Jacob Spener in Rappoltsweiler, Colmar u. Strassburg. 
Bilder a. Haus, Schule u. Kirche im 17. Jahrh. A. noch unben. 
Quellen, gr. 8. VII, 128 S. mit 1 Taf. Strassb., Vomhoff. c^ 2 60 



M- 



1 



— 120 — 



152 Jabilänm, das 50jährige, der Strassbarger Pastoral-Conferenz 
1883. Ein Beitrag zur Gesch. d. evang. Kirche in Elsass-Lothr. 
S. Archiv d. Strassburger Pastoral-Conferenz, Bd. VIU, S. 231 ff. 
Strassburg, Druck v. J. H. Ed. Heitz, 1883. 8. 

153 Kirchenfrage, die, von Jung St-Feter in Strassburg. Strassburg, 
Buchdr. v. E. Bauer. 1883. 8. 

154 Kraus, F. X. Horae Mettenses ü. Deutsche Beichte. (Jahrb. des 
Ver. V. Alt. Freunden im Rheinland, LXXV, 132-137.) 

155 Lorraine, la, ä Lourdes de 1872 h 1882. 8. 192 p. St-Di6, 
Humbei-t. • fr. 1 — 

156 Lutherjubiläum, zum, 1883. Sendschreiben an die Glieder unserer 
evang. -Idth. Landeskirche Auesburger Konfession in Elsass-Lothr. 
Strassburg, C. A. Vomhoff, 1883. 8. 

157 LutZf Julius. Mittheilungen a. d. Gesch. d. reform. Gemeinde in 
Oberseebach u. Schleithal. Weissenb., Dr. v. C. Burckardt [1883]. 8. 

158 Le dernier abb6 de Marbach, Joseph Hergott, 1755-1795. (Extr. 
de la Rev. cath. .d'Als.) Colmar, Lorber, 1883. 77 p. JL ^ 9ß 

159 Apercu, court, de Marienflosse [Wallfahrtsort] pr^s de la ville 
de Sierck. S. angedruckt an : Note suppl6ment. sur le sceau de 
la cath^drale de Metz. Metz, impr. Verronnais, 1883. 8. 

160 Notre-Dame de Benoite-Vaux [Wallfahrtsort]. Ben.-Vaux [1883]. 8. 

161 P^erinage ä Notre-Dame-de-Bon-Secours de Nancy, notice bist, 
et descrpt. 18. 123 p. av. vign. Nancy, Le Chevalier freres. 

162 Chapelle et p61erinage de Notre-Dame de Rabas. Metz, typogr. 
B6ha [1883]. 8. 

163 Pfan*erernennung, die, in Monsweiler. (Deutsch u. franz.) (Ausz. 
a. d. Eis. Journ.) Strassburg, Druck v. G. Fischbach, 1883. 

164 Bittschrift evang.-luth. Gemeindemitglieder v. Schillersdorf an 
Se. Excellenz d. kaiserl. Statthalter v. Elsass-Lothringen. gr. 8. 
11 S. Strassburg, Vomhoff. uSf — 20 

165 Beleuchtung einer Bittschrift evang.-luth. Gemeindeglieder von 
Schillersdorf an S. Exe. d. kaiserl. St4itthalter v. Elsass-Lothr. 
Ein Wort an d. prot. Volk. Strassb., Treuttel u. Würtz, 1883. 8. 

166 SeebaSj Otto. Ueber Columba v. Luxeuils Klosterregel u. Bussbucb. 
Inaugural-Dissertation. gr. 8. 66 S. Dresden, Höckner. tJL 1 bO 

167 Springer, Otto. Eine militärische Einquartierung im Kloster der 
Trappisten auf Oelenberg im Ober-Elsass. (Sep. Abdr. aus den 
Mittheilungen d. Vogesenclubs.) Strassb., Bull, 1883. 

168 Stuber, A. Pfarradjunkt oder zweiter Pfarrer? Ein Beitrag zur 
Kirchengeschichte d. Pfarrei Schiltigheim. Strassb., Druck von 
J. H. Ed. Heitz, 1883. 8. 

169 WcUthery V[ictor]. Annotations aux comptes-rendus du 2 et 6 
mars, concern. les traitements du clerg6 catholique. Molsheim, 
impr. E. Schultheiss, 1883. 8. 

170 Winterer L[andolin]. L'eglise de St- Joseph d. 1. cit^s ouvriferes 
de Mulhouse. Rixheim, impr. A. Sutter, 1883. 8. 

171 — Die St-Josephskirche in den Arbeiter-Cit6s zu Mulhausen. 
Rixheim, Buchdr. A. Sutter, 1883. 8. 

VIU. Kulturgeschichte und materielle Altertümer. 

172 Benoity Arthur. Le Breitenstein (Grande-Pierre). — Les Druides, 
l'empereur Fr6d6ric 111, le g6n6ral Roche. (Extr.) Metz, impr. 
P. Boutillot, 1883. 8. 



— 121 — 

173 Bleicher, M. Nancy avant Thistoire. Nancy, Berger-Levrault, 1883. 
(Extr. des M6m. de TAcad^mie de Stanislas 1882. CXXX. IIP 
ann6e, 4* sdrie, tome XV.) 

174 Boureuüe, de. Montaigne dans les Yosges (lö80). 8. 20 p. St-Di6, 
Hnmbert. (Extr. dn Balletin de la Soci6t6 philomathiqne vosg., 
ann^e 1882/83.) 

175 BranU, V. [Critiqne de Touvrage :] F. CoRard. Trois nniversit^s 
allemandes consid^r^es an point de vne de Penseignement de la 
Philologie classiqne (Strasbourg, Bonn et Leipzig), Lonvain 
1879-1882. (Extr. du MuB6on, lö avril 1883.) Louvain, typogr. 
Ch. Peeters, 1883. 8. 

176 Burckhardt, Abel. Bilder a. d. Gesch. Basels. 5. (letztes) Heft : 
Das einnndneanzigste Wesen. — Hieronymns d'Annone. gr. 8. 
IV, 104 S. Basel, Schneider. (Compl. JL 6.60). O^ 1 20 

177 Engeihardj Maur. Souvenirs d'Alsace : chasse, pSche, Industrie, 
legendes. 2* 6d. pet. 8. IV, 287 p. Nancy, Berger-Levrault. fr. 3 — 

178 Faudel'Bleicher. MatSriaux p. une 6tude pr^historique de TAlsace. 
3« public. (Aus : Bull, de la Soc. d'hist. natur. de Colmar.) gr. 8. 
73 S. mit 10 Tafeln. Colmar, Barth. U9^ 2 80 

179 Ganter, Henry. Costumes des r6giments et des milices recrut^s 
dans les anciennes prov. d^Alsace et de la Sarre, les r^publiques 
de Strasbourg et de Mulhouse, la principaut6 de Montb^liard et 
le duch^ de Lorraine pendant les XVIL" et XVUI« si^cles. 5 livr. 
gr. 4. Mulhouse, Vve. Bader ; Epinal, Fröreissen. 

180 Ihme, F. A. Ruine Gross-Amsburg im Wasgau. S. Mittheilungen 
a. d. Vogesenclub, Nr. )6. Strassburg [1883]. 8. 

181 Lepuge, Henri, üne table princiere en Lorraine aux XVP et 
XVII* si^cles. Pet. 8. 50 p. Nancy, Wiener. 

182 Loeh, Isidore. Les Juifs ä Strasbourg depuis 1349 jusqu^ä la 
Revolution. 12. 64 p. Versailles, Cerf fils. (Extr. de TAnnuaire 
de la Soci^t^ des ^tudes juives, 2* ann^e.) 

183 Die Lutherfeier des protest. Gymn. zu Strassburg, am 10. Nov. 
1883. 23 S. Strassb., Heitz, 1883. 

184 Mace, Jean. Le Pensionnat du petit chäteau de Beblenheim h 
Mouthiers. 8. 7 p. Nancy, Berger-Levrault et Cie. (Extr. de la 
Revue alsacienne du f^vrier 1883.) 

185 Meyer-Kraus, B. Wappenbuch d. Stadt Basel, gr. 4. 78 Chromo- 
litbogr. mit 4 Bl. Text. Basel, Detloff. Geb. .^ 80 — 

186 Möller, F. Ein Nymphaeum in Sablon bei Metz. (Westdeutsche 
Zeitschrift, ü, 249-287.) 1883. 

187 Banck, J. W. Das Strassburger Münster u. seine Baumeister. 
Stuttgart, Greiner u. Pfeiffer, 1883. 8. 

188 Der Rectoratswechsel an d. Kaiser-Wilhelms-Universität Strassb. 
Strassb., Heitz, 1883. 64 S. 

189 Beusch. Die römischen Alterthümer im Museum von Altkirch. 
Programm des Progymnasium in Altkirch. 1883. 

190 Biocourt, comte E. de. Les monnaies lorraines. 8. 108 p. Nancy, 
Cr^pin-Leblond. (Extr. des M6m. de la Societe d'arch§ologie 
lorraine p. 1883. 

191 Bobert, C. et B. Cagnat. Epigraphie gallo-romaine de la Moselle. 
2* fasc. 4. VI, 34 p. et planche. Paris, Champion. 

192 StMe, Bruno. Die Bannwarthütte zu Thann im Ober-Elsass. 
(Alemannia, XI, S 246 ff.) Bonn 1883. 8. 

193 Steiner, P. Das Schloss zu Zabern. Vortrag geh. im Vogesenclub 
zu Zabern. gr. 8. 20 S. Neuwied, Heusers Verl. 



•c^'. ••■( 



— 122 — 



194 Souvenir d'nn p^lerinage ä Chätean-Lambert. 32. 62 p. Nancy. 
Vagner. 

195 Viüard, E, R6fonne pönale au XVIII* sidcle. Disconrs prononc^ 
ä Tandience solennelle de rentr^e de la cour d^appel de Nancy da 

3 novembre 1884. 8. 64 p. Paris, Vagner. 

196 Vincent, H. Le Voyage du hon dnc Antoine de Lorraine k Yalen- 
ciennes en 1543, avec r^cit du parcoors k travers les Ardennes; 
par Ed. D. BouUay. (Communication de M. H. Vincent k PAca- 
d6mie nationale de Reims.) 8. 12 p. Reims-Paris, Menü. (Extr. d. 
Travanx de TAcad. nat. de Reims, vol. 72) 

IX. Kunstgeschichte. 

197 Banriss, ein alter, zu einem Thnrmhelm am Strassb. Münster, 
hrsgb. Y. d. Bemischen Künstlergesellschaft. 1883. 11 S. 4. mit 
einer Tafel. Jt 1 20 

198 Beüevoye, Ad. Charles- Andr6 Malardot, son fr^re Gonzahe et 
Heni7 de Torgy, gravears messins. (Extr. des Etudes messines.) 
Metz, impr. Verronnais, 1883. 

199 Marx Boger. L'art ä Nancy en 1882 avec une lettre d^ Alexandre 
Hepp et lO pl. reprod. les dessins de Friant, Jeonniot, Martin, 
Prouv6, Schiff, Sellier et Voirin. 8. X, 120 p. Nancy, Wiener. 

200 Morey, P. Les Artistes lorrains ä Tetranger. 8. 52 p. Nancy, 
Berger-Levrault et Cie. (Extr. des M6moires de TAcademie de 
Stanislas, p. 1882.) 

201 MüntZj Eug. Les Fabriqnes de tapisseries de Nancy. 8. 22 p. 
Nancy, Cr^pin-Leblond. (Extr. des Mem. de la Soc. d'arch^ologie 
lorr., p. 1883.) 

202 Pattison, Mad. Mark. Clande Lorrain, sa vie et ses oeuTres, 
d'apr^s des docnments inSdits. Snivi d'an catalogae des oenyres 
de Claude Lorrain, conservSes dans les mas^es et dans les 
collections particali^res de TEurope. 4. 320 p. av. 36 grav. dont 

4 hors texte. Pdris, Rouam. fr. 30 — 

203 SavCy G. et G. Schuler. L'6glise de St-Di6. Premiere partie: 
Notice histor. jnsqn'aa XlIP si^cle, et monographie de T^glise 
Notre-Dame. 8. 87 p. avec 53 fig. et planches. St-Di6, Hnmbert. 
(Extr. du Bull, de la Soci6t6 philomathique vosgienne, t. VIII, 
ann6es 1882f83.) 

203a Scheibler, Schongauer und der Meister des Bartholomäus. 
Repert. f. Kunstwissenschaft. VII. 1. 

204 Soultraitj comte de. Notice sur les monuments civils de Luxenil. 
8. 31 p. et 2 planches Besan^on. Dodivers et Cie. (Extr. dn 
Bull, de TAcad^mie de Besan^on, 1882.) 

X. Litteraturgeschichte. 

205 Bardy, Henri. Les traditions et la litterature populaire, le roman 
et la po6sie d. l'arrondiss. de St-Die. 8. 19 p. St-Di6, Humbert 

206 Burckhardt, Alb. Ein politisches Gedicht a. d. Elsass v. J. 1743. 
(Basler Jahrbuch, 1888. S. 35-47.) 

207 Bangkrotzheim, Conrad v. Das heilige Namenbuch. 2. Aufl. Mit 
Anmerk. gr. 8. (47 S. mit eingedr. Holzschn.) Augsburg, Litter. 
Institut V. Dr. M. Hüttler. UT 1 50 

208 Geilers von Kaisersberg alt Schriften ; XXI. Artil^el — Briefe - 
Todtenbüchlein — Beichtspiegel — Seelenheil — Sendtbrieff — 
Bilger, hrsgb. v. Priester L. Dacheux. 2. Abth. gr. 8. CXLÜI u. 
S. 113-319 mit 11 photogr. u. lith. Tafeln. Freiburg i./B. 1882. 
Herder. (Compl. JL 10.—). c/ÄL 4 10 



— 423 — 

209 — Ansgewählte Schriften nebst einer Abhandlung über Geilers 
Leben n. echte Schriften v. Domkapitalar Dr. Fh. de Lorenzi. 

3. n. 4. (letzter) Bd. 8. VI, 392 u. VI, 400 S. Trier, Groppe's 
Verlag. (Compl. uK 16.20.) ä ul 3 60 

210 Gathe, W, v. Ephemerides u. Volkslieder, hrsgb. v. E. Martin. 
X, 116 S. (Deutsche Litteraturdenkmale d. XVIII u. XIX. Jahrh. 
in Neudrucken. Hrsg. v. B. Seuffert. Nr. XIV.) uK — 60 

211 HebePs Briefe, hrsgb. v. Prof. Dr. Otto Behaghel. I. Sammlung : 
Briefe an K. Ch. Gmelin, an die Strassburger Freunde, an Just. 
Kemer. Mit einem Bildniss HebePs in Lichtdr. gr. 8. XII, 314 S. 
Karlsruhe, Reuther. ul 5 — 

211 a Kögel, B. Zu den Murbacher Denkmälern und zum keronischen 

Glossar. Paul u. Braune. IX. 301-360. 

212 Kune, F. X. Jacob V^impheling, ein Pädagoge d. ausgehenden 
Mittelalters. Vortrag geh. in d. Thomas-Akad. zu Luzern im Jan. 
u. Juli 1883. gr. 8. 80 S. Luzern, Räber. uK 1 — 

213 Mcttthieu, Pabbe. ün romancier lorrain du XII* si^cle. 8. 60 p. 
Nancy, Berger-Levrault et Cie. (Extr. des M^m. de TAcad^mie 
de Stanislas, p. 1882.) 

214 Moscherosch. Gesichte Philander s v. Sittewaldt. XXIX, 404 S. mit 
emgedr. lUustr. Stuttg., Spemann. (Deutsche Nat.-Litt.) uK 3 60 

215 Mündel, Gurt. Hausspruche u. Inschriften im Elsass. Strassburg 
1883. 8. 68 S. u» — 80 

216 Pannenborgy A. Der Verf. des Ligurinus. Studien zu d. Schriften 
d. Magister Günther. 4. (IV, 39 S.) Gott., Peppmüller. u« 2 — 

217 Elsässischer Sprichwörterschatz. Achthundert Sprichw. u. sprichw. 
Redensarten a. d. Elsass. A. d. Volksmunde gesammelt u. hrsgb. 
V. /. B, Alsaticus. Strassb., Fr. Bull, 1883. 2. Aufl. 64 S. 

218 Schmidt, K. Notice sur un manuscrit du X* si^cle qui jadis a 
fait partie de la • biblioth^que de la cath^drale de Strasbourg. 
Strasb., Schultz et Cie., 1883. 8. 

219 Weckerlin, J. B. Chansons populaires de TAlsace. 2 vols. 12. 
Tome I. CXXVII, 335 p.; tome U, 381 p. Paris, Maisonneuve 
et Cie., 1883. (Les littSratures populaires de toutes les nations. 
— Traditions, legendes, contes, chansons, proverbes, devinettes, 
superstitions. Tomes XVII et XVIII.) fr. 15 — 

220 Wümanns, üeber Otfrids Vers- u. Wortbetonung. (Zeitschr. für 
d. Alterthum u. deutsche Litt. 27. (1883.) S. 105-135.) 

XI. Schone LItteratur. 

221 Bell, A. Vive TAlsace, colonel ! 4. 1 p. Paris, Kaufmann. 

222 Braud, Louis. Aux Alsaciens-Lorrains, po^sie lue au Cercle de 
la presse, le 23 juin 1883, pendant le banquet d^adieu de la 
commission de la presse et du commerce pour le secours aux 
inond^s d'Alsace-Lorraine. 8. 7 p. Toulouse, Sirven. 

223 Bresch, Jean. Der Ritter v. Störenburg. Eine Legende. Colmar, 
J. B. Jung u. Cie., 1883. 8. 

224 Buschmann, Ih\ G. Freiherr v. Graf Rudolf vor Basel. Histor. 
Volksschauspiel in 5 Aufzügen. 12. 134 S. Wien, Wallishauser, 
1882. UK 3 20 

225 Caspari, K. H. Erzählungen für d. deutsche Volk. (Alte Gesch. 
a. d. Spessart. Dorfsagen. Zu Strassburg auf der Schanz. Der 
Schulmeister u. sein Sohn.) Mit einem Titelbild u. Musikbeilagen. 

4. Aufl. 8. 390 S. Stuttgart, J. F. Steinkopf. uT 2 40 



iT^^-yt 



^ 



— 124 — 



226 Erchmann-Chatrian. Contes et Romans alsaciens. Le Brigadier 
Fr6d6ric. 4. k 2 col. 74 p. av. vign. Paris, Hetzel et Cie. ((Euvres 
illustrees d'Erckmann-Chatrian.) fr. 1 20 

227 — Ausgewählte Werke. Autor, üebersetz. Eingel. u. zusammen- 
gest. V. L. Pfau. 12 Bde. 8. Stuttg, Rieger, 1882. p. Bd. uK — 50 

228 — La campagne de Mayence 1792/93. R6cit histor. tir6 de Phist. 
de la r^volution fran^aise, raconti§e par un paysan. Im Aqsz. 
mit Anmerk. z. Schul- u. Privatgebrauch, hrsgb. v. Prof. Dr. 
D. Bandow. 218 S. (Prosateurs fran^ais ä Tusage des 6coles.) 
Bielefeld, Velhagen u. Klasing. UT 1 20 

229 — Le Brigadier Fr6d6ric, histoire d'nn Fran^ais cbass6 par les 
Allemands. 12« ed. 18. 273 p. Paris, Hetzel et Cie. fr. 3 - 

230 — Waterloo. Gesch. eines Conscribirten. 2 Thle. A. d. Franz. 
übertragen von Herrn. Trescher. 2. Aufl. gr. 8. 224 S. Berlin. 
Janke. JH 1 50 

231 F61ibres, les. Per l'Alsacio-Lourreno, manadet de verses fi-ancese, 
lengodoucians e prouven^als, dambe la traduccien franceso al 
dejoubs, un salut de Charles e Patä Leser ^ ffelibres alsaciens, mai 
uno letro de Frederi Mistral et seguit d'un ajusti^. 8. 104 p. 
Montpellier-Paris, Maisonneuve et Cie. 2 50 

232 Fontaine. La nouvelle Phedre, moeurs lon*aines. Paris, Dentu. 
16. 46 p. fr. — 50 

233 Geoffrot/j Ä. X. R6n6 de Bar (duc de Lorraine). Op6ra en 3 actes. 
Musique d'Edm. Chanat. 4. 104 p. Dijon, impr. Carr6. 

234 Gouget, E. Le lion de Belfoi-t. Poesie. 8. 7 p. Paris, Tresse, fr. — 20 

235 Grandmouginj Ch. Hymne aux Vosges. Poesie. 8. 7 p. Epinal, Busy. 

236 Hagelt, Alb. Der königliche Prätor v. Strassburg. Hist. Drama 
in 5 Akten. Strassb., E. Bauer, 1883. 8. 

237 Hellimer, Big. La Chevriere de Nancy suivi de : Auguste et 
M^darine. 8. 143 p. Limoges, Ardant et Cie. 

238 Hans. Fantaisie all6gor. p. tous les äges. Racont^e ä son petit 
neveu par G. Jundt. Paris, Berger-Levrault et Cie. 1883. 

239 Les Cigognes. Legende Rhenane, rev^e et dessin^e par Gustave 
Jundt, racont6e aux tout-petits p. Alph. Daudet. Giraud et Cie. 

240 Jensen, Wüh. In Wettolsheim. Ein di-amat. Gedicht. 8. 43 S. 
Freiburg i./B. 1884. Kiepert u. Bolschwing. cart. uK 1 50 

241 Kiefer, F. J. Legendes et traditions du Rhin de Bäle ä Rotter- 
dam. 4* 6d. revue et augm. 8. IV, 316 S. mit 1 Holzschnitttafel. 
Mainz, Kapp. Ul 3 — 

242 KöMer, G. Die Bürgermeisterwahl. Strb., Wilmowski, 1883. 74 S. 

243 Leconte, Leon. Fideles au malheur ! Dialogue entre la Lorraine, 
l'Alsace et la France (vers). Nouv. Edition. 8. 8 p. Saint-Omer, 
Fleury-Leraaire. 

244 Lorin, Max. Reischoffen. Po6sie. 8. 6 p. Paris, Schiller. 

245 Marot, Gaston et Philippe Edouard. K16ber, drame en 5 actes 
et 8 tablaux. 18. 186 p. Paris, Tresse. (Th^&tre du Chäteau 
d'Eau. Premiere repr^sentation le 14 d6c. 1882.) fr. 2 — 

246 Martin, Hector. Autrefois et aujourd'hui (souv. de la fete du Lion 
de Belfoi-t 1883). Po6sie. 4. 4 p. Paris, Desgrandchamps. fr. — 15 

247 Biff, Fr. Das Vater unser oder Dr. Blessig während d. Schreckens- 
zeit. 8. 155 S. Strassburg, Bull. cart. ul 1 20 

248 Bobischung, F. A. M^m. d'un guide octog^naire, echos d. vall6es 
d'Alsace et de Lorraine, gr. 8. 352 p. et grav. Tours, Marne et 
fils. (Bibl. des familles et des maisons d'^ducation.) 



— 125 — 

249 Schreyvogel, Jos. Waldner v. Wildenstein. Der letzte elsässische 
Ritter. Eine Erzählung a. d. 3Qjährigen Kriege, gr. 8. 174 S. 
Mülhansen i./E., Detloff, 1881. uK 1 20 

250 SieheckeTy Ed. La tache noire, po6sie dite k Tarbre de Noel de 
TAssociation g^n^rale d'Alsace-Lorraine, le 2ö d6c. 1882. 12. 8 p. 
Nancy, Berger-Levrault et Cie. 

Xn. Mundart. 

251 Grad, Ch. Ueber unsere Lage im Reichslande. Rede im Colmarer 
Dialekt. Colmar 1883. 8. 

252 HcaManty N. Essai sur un patois vosgien. (Urim^nil pr^s Epinal) 
Epinal, V. Collot. 8. 66 p. (I p. 1882, p. 43 ib.). 

253 — Concours de Tidion^e populaire au patois voseien k la d6ter- 
mination de Torigine des noms de lieu des Vosges. Epinal, 
V. Collot. 8. 34 p. 

254 Lustig, A. Bilder üs em Elsass. Gedichte uf Milhüserditsch. gr. 8. 
108 S. Mülhausen, Petry. Ul 1 60 

255 Mundarten, die französischen, in Lothringen und den Yogesen. 
S. Beilage zur AUg. Ztg., 1883, Nr. 130 flf. München 1883. 



1884. 

L Zeitschriften und Sammeiwerice. 

256 Abhandlungen, Strassburger, zur Philosophie. Eduard Zeller zu 
seinem 70. Geburtstage gewidmet. Enthält Beitr d. Professoren 
E. HeitZj H. Höltzmann, E. Laos, H. Vaihinger, W. Windelband, 
Th. Ziegler, 8. 222 S. Freiburg, Mohr. u* 7 — 

257 Annales de la Soci6t6 d'^mulation du d^p. d. Vosges. 1884. 8. 
628 p. Epinal, impr. Collot; Paris libr. Goin. 

258 Annuaire du Doubs, de la Frunche-Comt6 et du territoire de 
Beifort, pour 1884; par Jules Gauthier. (71« ann6e.) 8. 496 p. 
Besan^on, impr. Jacquin. 

259 Annuaire administratif, statistique, historique, judiciair e et com- 
mercial de Meurthe-et-Moselle, par Henri Lepage et N. Großjean. 
1884. (62« ann6e.) 12. 710 p. Nancy, Grosjean. fr. 2 75 

260 Annuaire g^n^ral des Vosges, par Leon Louis. 1884. (14* ann6e.) 
8. LXXXIII, 300 p. Epinal, impr. Busy. fr. 3 — 

261 Annuaire de Tinstruction publique d. 1. Vosges pour 1884, par 
Ch, Merlin. (23« ann6e.) 16. 200 p. Epinal, Vve. Durand et fils. 

262 Bericht über die XII. Versammlung deutscher Forstmänner zu 
Strassburg i./E. v. 27. bis 31. Aug. 1883. gr. 8. III, 179 S. Berl., 
Springer. uK 3 — 

263 Bulletin de la Soci^tS industr. de Mulhouse. Tome LIV. Ann6e 
1884. 12 üvr. Lex. 8. (1.-3. Lief. 119 S. mit 1 Tab. u. JO Steintaf.) 
Mulhouse, Bufleb-Detloff. ^ 18 — 

264 Bulletin de la Soci6t6 pour la conseiTation des monum. histor. 
d'Alsace. II« s6rie. XII vol. 1" livr. Strasb. Schultz. 88 u. 100 S. 

265 Bulletin de la Soci6t6 philomathiqne vosgienne. 9* ann6e. 1883/4. 
8. 266 p. et planches. St-Di6, Humbert. 

266 Bulletin de la Soci^t^ des sciences de Nancy. S^rie 11, tome VI. 
(16* ann6e.) 1883. 8. XXXVI, 91 p. avec planches. Nancy, Berger- 
Levrault et Cie. 






^ 



— 426 — 



267 Catalogue de la biblioth^qne de la sect. vosgienne de la Sociale 
de g^ographie de TEst. 8. 20 p. Epinal, impr. Bnsy. 

268 Gazette m^dicale de Strasbourg. Recaeil m6dical et scientifiqae. 
R6d. Dr. Jtdes Böckel 4S« ann6e ou 4« s6rie, 13« ann^e, 1884. 
12 n. (2 Bde.) gr. 4. Strasb., Schultz et Cie. Ji \0 - 

269 Geschäfts u. Notizkalender f. d. Gemeindeverwaltung in Eis -Lothr., 
enthält die Termine f. d. period. Geschäfte d. Gemeindeverwalt 
u. Ortspolizei, f. d. Gemeinderechnungswesen, d. Armenanstalten, 
Hospize u. Hospitale, Kirchen- u. Fabrikräthe, Sparkassenver- 
waltung, höhere u. Volksschulen etc. 1884. Lex. 8. VI, 146 S. 
cart. Strassb., Schultz u. Cie. tJi S — 

269a Handbuch f. Elsass-Lothringen 1884. Bearbeitetim Ministerium fär 
Elsass-Lothiingen. Sti*assburg gr. 8. XXXVI. 534 S. cart. ul 6 50 

270 Hecht, L. Rapport sur les theses de doctorat soutenues devant 
la facult6 de m^decine de Nancy pend. Pann^e scolaire 1882-83. 
8. 36 p. Nancy, Berger-Levrault et Cie. 

271 Inventaire des archives de la ville de Guebwiller ant^rieures ä 
1790. Guebw., typogr. J Dreyfus, 1884. 8. 

272 Jacquot, F. L^Indicateur professionnel de Nancy et de Meurthe- 
et-Moselle, renseignements administratifs et statistiques sur les 
arts, le commerce, Findustrie, les sciences, les personimes 
notables etc. 8. 180 p. Nancy, Collin 

273 Kirchenkalender, evang., für Elsass-Lothringen 1884-1886. Hrsgb. 
im Auftrage der Strassburger Pastoral-Konferenz. 12. 39 S. 
Strassb., Bull. JC — &} 

274 Lederlin et Beauchet. Rapport sur les travaux de la facult^ de 
droit de Nancy, ann^e scolaire 1882-1883 par M. Lederlin. Suivi 
d'un rapport sur les concours entre les Möves de la m§me 
facult6, par M. Beauchet. Concours litt^raire. 8. 29 p. Nancy, 
Berger-Levrault et Cie. 

275 Memoires de la SociM^ d^^mulation du Doubs. 5* s^rie, t. VII 
(1882). 8, XLVm, 523 p. Besan^on, Dodivers et Cie. 

276 Memoires de la Soci^t^ d'^mulation du Jura. 3« s^rie, 4* vol. 
1883. XVI, 263 p. et planches. Lons-le-Saunier, Declume fr^res. 

277 M6moires de TAcad^mie de Stanislas 1883. (134« ann6e.) 5* sörie. 
8. LXXXVUI, 239 p. Nancy, Berger-Levrault et Cie 

278 Memoires de la SociMe d'arch^ologie lorraine et du Mus6e bist, 
lorrain. 3 s6rie. 11* vol. 8. XXVI, 405 p. et planches. Nancy. 
V^iener. ♦ 

279 M6moires de la Soci4t6 de m6decine de Nancy. Compte rendu 
annuel et proc^s-verbaux des s^ances, par le docteur Bemy. 
(Ann6e 1882|83.) 8. XCVI, 108 p. Nancy, Berger-Levrault et Cie. 

280 Memoires de la Society de m^decine de Strasbourg. Tome XX. 
gr. 8 XII, 174 u. 67 S. Strasbourg, Schultz u. Cie. uK 4 - 

281 Mittheilungen a. d. Vogesenclub. Nr* 17: Jahresbericht 1883/84, 
erstattet durch Dr. F. Harbordt. — Vier Karten zur elsässischen 
üreeschichte v. Dr. Atig. Schricker. — Chamissofeier auf Burg 
Nideck mit der Festrede des Hrn. Oberlehrer Grün. Waldver- 
wüstung u. Holzverschwendung v. F. v. Etzel. 78 S. mit 4 Kart 

282 Poincare. Rapport sur le Service d^partemental de Tassistance 
m6dicale et de la Vaccine de Meurthe-et-Moselle pend. Texercice 
1883. 8. 91 p. Nancy, Berger-Levrault et Cie. 

283 Studien, Strassburg. Ztschr. für Geschichte, Sprache u. Litteratnr 
des Elsasses. Hrsgb. v. E. Martin u. Wilh. Wiegand H. Bd. 
IL u. HI. Heft. 8. S. 113-304. Str., Trübner. JibbO 



— 127 — 

284 - Dasselbe. II. Bd. 4. Heft. gr. 8. UI u. S 305-504. Mit 4 
chromolith. Kart. Str., Trübner. (II. Bd. compl. lf> Jf) JL b bO 

285 Vom Jura znm Schwarzwald. Geschichte, Sage, Land n. Lente. 
Hrsgb. unter Mitwirkung einer Anzahl Schriftsteller u. Volks- 
freunde von F. A. Stocker. I Bd. 4 Hefte, gr. 8. (I Heft. 80 S.) 
Aarau, Sauerländer. JL b — 

286 Westdeutsche Zeitschr. für Geschichte und Kunst. Hrsgb. von 
F. Hettner und K. Lamprecht. Jahrg. HI. Trier 1884. 418 S. 
Korrespondenzblatt. 160 Sp. 

287 — Ergänzungsheft I, hrsgb. von K. Lamprecht. Trier 1884. 
162 S. U^ 4 — 

n. Biographien der Zeitgenoesen. 

288 Ambert. Le üeutenant-colonel Taillant d^fenseur de Phalsbourg 
(1816-1883). 8. 16 p. Paris, Blond et Barral. 

289 Dietz. Aug. Stahl un explorateur africain. Son voyage et sa 
correspondance. Strassb., Vomhoff. Ji 1.20 mit Photogr. «^ 1 60 

290 Discours prononc6s aux fun^railles de M. Charles-Adolphe Wurtz, 
de rinstitut, s^nateur, le 15 mai 1884, par MM. Feray^ d'Ersonnes, 
s6nateur, Friedet, de l'Institut, Bouchardat, Gautier, de TAcad. 
de m^dec, Troost, Bouquet de la Graye de Tinstitut et Grimaux. 
8. 28 p. Paris, impr. Dary. 

291 Gautier, A. Ch.-Ad. Wurtz, ses travaux, son enseignement, son 
ßcole, le^on inaugurale du cours de chimie, faite k la facult^ 
de m^decine de Paris, le 11 nov. 1884 8. 24 p. Paris, impr. 
Quantin. (Extr. de la Revue scientifique du 22 nov. 1884.) 

292 Gerando, M. le baron, premier pr^sident honoraire de la cour 
d^appel de Nancy. 8. 12 pl Bar-le-Duc. Chuquet et Cie. 

293 Marais, Aug. Un Fran9ais, le colonel Denfert-Rochereau. Nouv. 
6d. 8. 135 p. et planches. St-Amand-Paris, Martin. (Education 
morale et civique. Bibliotheqne de la jeunesse fran9aise.) 

294 V. Bedwitz 0. Jugenderinnerungen. I. In : Deutsche Revue 1884. 
I. Heft. (Enth. Erinnerungen aus Weissenburger Schulzeit.) 

295 Scheurer-Kestner. Charles-Gerhardt Laurent et la chimie moderne. 
8. 12 p. Nancy, Berger-Levrault et Cie. (Extr. de la Revue als. 
de 1884.) 

in. Landeskunde. 

296 Abh. z. geol. Specialkarte von Elsass-Lothiingen. II. Bd. 3. Heft 
u. IV. Bd. 2. Heft. Lex. 8. Strassburg, Schultz u. Comp. (I-III, 
1 u. IV. 1 u. 2. .^ 62.60.) .^ 15 60 

297 — n. 3, Andrem, Dr. A. Ein Beitrag zur Kenntniss d. Elsässer 
Tertiärs. Mit einem Atlas von 12 lith. Taf., 5 Kartenskizzen und 
10 Zinkogr. in Mappe. VII. 331 S. JC 10 60 

298 Abhandlungen zur geologischen Specialkarte v. Elsass-Lothr. 
in. Bd. I Heft. Lex. 8. Strassb., Schnitz u. Cie. Inhalt : Link, G. 
Geognostisch-petrograph. Beschreibung d. Grauwackengebietes 
V. Weiler bei Weissenburg. Mit einer geolog. (chromolith ) Karten- 
skizze und mit Profilen. 71 S. — Meyer, G. Beiträge zur Kenntniss 
des Culm in den südl. Vogesen. Mit einer (lith.) Kartenskizze u. 
mit (lith.) Profilen. (S. 73-102.) J^ b — 

299 IV, 1. Deecke, W. Die Foraminiferenfaune der Zone d. 

Stephanoceras Humphriesiorum im Unter-Elsass. Mit 2 (lith.) Taf. 
68 S. mit 2 Bl. Erklärung. Ji 3.—. JL S — 



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— 128 — 

300 — IV. 2. Andrea, Dr. A, Der Diluvialsand von Hangenbieten 
im Unter-Elsass, seine geolog. und palaeontolog- Verhältnisse n. 
Vergleich seiner Fanna m. d. recenten Fauna des Elsass. Mit 2 
photogr. Tafeln, e. lith. Profil u. 5. Zlnkogr. 91. S. «/Ä 5 — 

301 Adressbuch von Metz. 3. Jahrgang. 1885. Nach der stadt, Volks- 
zählung bearb. 8. III. 170 S. Metz, Lang. cart. ./#d 4 50 

302 — der Stadt Strassburg. 1884(85. Nach amtlichen Quellen. Mit 
einem Plane der Stadt Strassburg. Strassb. i./E., Heinrich, cart. 
8. 225 S. JC 6 — 

303 Annuaire des adresses de la Haute-Alsace, Mulhouse excepte. 
1882. Ober-Elsässisches Adressbuch mit Ausnahme v. Mülhansen. 
8. IV. 496 p. Colmar (Münster, Riotte) cart. u» 5 — 

304 Beckerich, A. Conducteur des Ponts et Chau8s6es ä. Bar-le-Duc 
Carte du d6partement de la Meuse. 1.160.000. (K. F. Köhler, 
Leipzig.) fr. 8 — 

305 Beiträge zur geologischen Karte der Schweiz. Lief. 1. Geologische 
Skizze des Kantons Basel und der angrenzenden Gebiete nebst 
2 chromolith. Tafeln, Profile von Alb. Müller. 2. vermehrte Aufl. 
99. S. Bern, Dalp. «/Ä 4 50 

306 Candidus, J. üeber die Kaltenbach und Wegeinburg nach Wörth 
und Fröschweiler. Reiseerlebnisse aus der Südpfalz und dem 
Ünter-Elsass. 8. Kaisersl., Gotthold. JL 1.30, geb. Ji 2 — 

307 FusSy Math. Probe eines erklärenden Verzeichnisses elsass- 
lothringischer Flurnamen. Programm der St-Stephansschule 1884. 

308 Carte nouvelle de France au 1 : 100.000 dress6 par le Service 
vicinal par ordre du Ministre de l'int^rieur : Pont-ä-Monsson. 
Nancy. Sarrebourg. Chaque feuille 75 c. (Cette carte formera 
environ 600 feuilles.) 

309 Crusardj Dr. Le Cephe pygm6e verde la tige du bl6, Conference 
faite au com. agricole de Tarrondissement de Neufchäteau (Vosges) 
le 18 avril 1883. 2« Edition revue et augment^e d'observations 
nouvelles. 8. 56 p. et planche. Neufchäteau, imp. Veuve Kienn6. 

310 Dtdiotij Dr. Jules. Histoire des 6pid6mies qui ont r6gn6 dans le 
d^partement de la Moselle depuis 1821 jusqu'ä 1871. 8. 41 p. 
Nancy, Berger-Levrault. 

311 Dütz, Emile. Les pluies en Alsace-Lon*aine de 1870 k 1880. 
Communication faite ä la soci6t6 des sciences d'agriculture et des 
arts de la Basse-Alsace. 8. 37 S. m. 5 autogr. Tafeln. Strasbourg, 
Treuttel u. Würtz. *^ 1 50 

312 Drion, Alfred. P6r6grinations en Suisse, en Savoie, sur les Bords 
du Rhin, en Hollande et en Belgique. 3* 6dition. gr. 8. 304 p. 
Limoges, Ardant et Comp. 

313 Führer z. Spicherer Schlachtfeld durch Saarbrücken, St- Johann 
und Umgebung. 2. Aufl. 8. 45 S. mit einer Karte. Saarbrücken, 
Ch. Möllinger. M i — 

314 Führer durch Strassburg im Elsass. Mit einem Plane des Stadt, 
Grundriss vom Dom und d. Reisekarte von Karlsruhe (Woerls 
Reisebüch.) 8. 15 S. Würzburg, Woerl. ^ — 50 

315 Petite geographie m6thodique des Vosges en vingt et une le^ons 
avec 19 cartes et une carte g4n6rale des Vosges, par plusieurs 
instituteurs du d^partement. 1" Edition. 16. 52 p. St-Di6, Mad. 
Tresmale. Paris, Picard, Bernheim et Comp. fr. — 60 

316 Grodnitzky Boris, üeber das elsässische Petroleum. Karlsruhe, 
Druck von G. Braun. 1884. 8. 



— 129 — 

317 Guibout, Dr. E. Les vacances d^an m^decin. 4« s^rie. 1883. 
L'AUemagne, la Rnssie, la Pologne, Vienne, Strasbourg. 18. XIX. 
201 p. Paris, Masson. 

318 Habemcht, H. Generalkarte der Staaten and Provinzen des 
Deutschen Reiches. Nr. 17 : Elsass-Lothxingen 1 : 500.000. Chro- 
molith. gr. fol. Gotha, Perthes. ul 1 — 

319 V. Haur^ M. Die schönsten der Yogesenberge (Hohkönigsbarg). 
Mit Abbild, in Alte und Nene Welt. 1884. Heft XXII. S 685. 

320 Jahresbericht über die Beobachtungsergebnisse der forstlich- 
meteorologischen Stationen in Elsass-Lothringen. Heransg. v. der 
Haaptstation für das forstliche Yersnchswesen zu Strassbnrg. 
I. 1882. n. 1883. Strassb., Trübner. 1883. 1884. 4. 

321 Jahresbericht, oenologischer. Bericht über die Fortschritte in 
Wissenschaft und Praxis auf dem Gesammtgebiete von Rebbau, 
Weinbau, Weinbereitung und Kellerwirtschaft. Herausg. von Dr. 
C. Weigelt V. Jahrgang. Strassbnrg, R. Schultz u. Comp. Jlt ß — 

322 Joanne, Adolphe. Geographie du d^partement des Vosges. 6* 6dit. 
12. 76 p. avec 16 vign. et carte. Paris, Hachette et. Cie. (Nou- 
velle coUection des gSographies d6partementales.) fr. 1 — 

323 Karte (Generalstabs-) des Deutschen Reiches 1 : 100.000 in Kupfer 
gestochen, ä Bl. viL 1.50. Nr. 553 Diedenhofen. 554 Saarlouis. 
555 St-Wendel. 568 Metz. 569 St-Avold. 570 Saarbrücken. 584 
Solgne. 585 Chateau-Salins. 600 Bourdonnay. 

324 Lang, G. Metz und seine Um gebung. Führer für Fremde und 
Einheimische. 2. Aufl. 12. Vm. 72 S. mit 2 Holzschnitttaf. u. 1 
chromolith. Plan. Metz, Lang. JC 1 — 

325 See. In the Alsatia mountains. (Für Elsass Ji 3 20.) c^ 9 50 

326 Lorraine, la, illustr^e. Ancienne Moselle par Lor^dan Lorchey; 
Meuse par Andr§ Theuriet; Vosges par L. Jouve et le docteur 

' li^tard; Meurthe par Ed. Auguin. Fase. 1-10 (comprenant le 
Pays messin, la Meuse, les Vosges et le commencement de la 
Meurthe) gr. 4. p. 1-400 avec de nombreuses gravures. Nancy, 
Berger-Levrault et Cie. L^ouvrage complet omS de plus de 360 
gravures formera environ 16 fasc. de 40 p. et coutera fr. 40 — 

327 Marmier, Xav. En Alsace. 8. 19 p. Paris. Extrait de la Revue 
britannique, avril 1884. 

328 Messtischblätter der königl. preuss. Landesaufnahme. 1 : 25.0(X). 
k Blatt Jü 1 — 

Aus der Gegend von Elsass-Lothringen : Nr. 3508 E wringen. 
3522 Deutsch-Oth. 3523 Wollmeringen. 3524 Kattenhofen. 3525 
Sierck. 3526 Merzig. 3527 Reimsbach. 3533 Fentsch. 3534 
Hayingen. 3535 Diedenhofen. 3536 Monneren. 3537 Gr. Hemmers- 
dorf. 3538 Saarlouis. 3542 St-Marie-aux-Ch^nes (Nord). 3543 Gr. 
Moyeuvre. 3544 Lüttingen. 3545 Gelmingen. 3546 Busendorf. 
3547 Ludweiler. 3548 Saarbrücken. 3549 St-Johann. 3550 St- 
Marie-aux-Ch^nes. 3551 Gravelotte. 3552 Metz. 3553 Bolchen. 
3554 Lubeln. 3555 St-Avold. 3556 Forbach. 3557 Saargemünd. 
3558 Bliesbrücken. 3559 Wolmünster. 3560 Roppweiler. 3561 
Gorze. 3562 Ars a. d. Mosel. 3563 Vemy. 3564 Remilly. 3565 
Falkenberg. 3566 Vahl-Ebersing. 3567 Püttlingen. 3568 Saaralben. 
3569 RohÄach. 3570 Bitsch. 3571 Stürzelbronn. 3572 Lembach. 
3573 Weissenburg. 3574 Weissenburg Ost (Gem. Altenstadt). 3575 
Lorry. 3576 Solgne. 3577 Baudrecourt. 3578 Mörchingen. 3579 
Gr. Tauchen. 3580 Insmingen. 3581 Saarunion. 3582 Diemeringen. 
3583 Saareinsberg. 3584 Niederbronn. 3585 Wörth a. d. Sauer. 
3586 Sulz. 3587 Mothem. 3588 Lauterburg. 3589 Aulnois a. d. 



— 130 — 



Seille. 3590 Delme. 3591 Chäteau-Salins. 3592 Dieuze. 3593 Lan- 
terfingen. 3594 Finstingen. 3595 Lützelstein. 3596 Bachsweiler. 
3597 Pfaffenhofen. 3598 Hagenau. 3599 Sufflenheim. 3600 Sek. 
3601 Chambrey. 3602 Marsal. 3603 Maizieres. 3604 Laneenberg. 
3605 Saarburg i. L. 3606 Pfalzburg. 3607 Zabern. 3608 Hoch- 
felden. 3609 Brumath. 3610 Bischweiler. 3611 Stattmatten. 3612 
Avricourt. 3613 Rixingen. 3614 Alberschweiler. 3615 Dagsborg. 
3616 Wasselnheim. 3617 Truchtersheim. 3618 Schiltigheim. 3619. 
Gambsheim. 3620 Lascemborm. 3621 Lützelhausen. 3622 Mols- 
heim. 3623 Geispolsheim. 3624 Strassburg i.lEls. 3625 Plaine. 
3626 Schirmeck. 3627 Barr. 2628 Erstein. 3629 Plobsheim. 3633 
Saales. 3634 Weiler. 3635 Dambach. 3636 Benfeld. 3637 Gerstheim. 

329 Metz. — Kleiner Wegweiser nebst Geschäftsadressen. Mit einem 
Stadtplänchen. Metz, Buchdr. Gebr. Lang. [1884]. 8. 

330 Mülatj C. Etüde sur les orages dans le d^partement de Meurthe- 
et-Moselle. 8. 20 p. Nancy, Berger-Levrault (Extrait du bulletin 
de la sociSt6 des sciences de Nancy.) 

331 Monatsberichte über die Beobachtungsergebnisse der forstlich 
meteorologischen Stationen in Elsass-Lotkringen. 1884. Jan. u. ff. 
4. Strassburg, Trubner. pr. cplt. Ji b — 

332 Morey, M. La vapeur d'eau utilis^e comme force motrice en 
Lorraine dans le cours du XVlll* siecle. 8. 17 p. Nancy, Berger- 
Levrault et Cie. (Extrait des m^moires de Tacad^mie de Stsmis- 
las pour 1883.) 

333 Morey, P. Le nouvel höpital de Nancy, notice sur la disposition 
d'ensemble et de d6tails. 8. 17 p. Nancy, Berger-Levrault et Cie. 

334 Mülhausen im Elsass, der Kreis. Ein Beitrag zur Heimathskunde 
des Kreises. Mit einer Karte. Mülhausen, Bufleb's Sort. 8. VUI. 
71 S. Karte apart JL — 20, ^ — 60 

335 Deux mots sur Niederbronn par un ancien baigneur. Strasboftrg. 
typ. E. Bauer. 1884. 8. 

336 Mündel, Curt. Les Vosges. Guide du touriste. R4dig6 avec la 
collaboration de J. Euting et A. Schricker par C. M. Avec 12 
cartes, 3 pl. 2 panoramas et plusieurs gravures sur bois. 8. XI. 
426 p. Strasbourg, Trübner. geb. JL 4t — 

337 Olry, E. De Nancy au mont Saint-Michel pres de Toul. 8. 37 p. 
Nancy, Berger-Levrault et Cie. [Extrait du bulletin de la soci^t^ 
de g^ographie de TEst.) 

338 Ortschaftsverzeichniss von Elsass-Lothringen. Aufgestellt auf 
Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dec. 1880. Hrsg. 
vom Statist. Bureau d. kaiserl. Ministeriums f. Elsass-Lothr. gr. 8. 
XIL 135 u. 39 S. Strassburg, Bull. JC 2 - 

339 Ortschaftsverzeichniss, Alphabetisches, der Gemeinden und An- 
nexen in Elsass-Lothringen. Bearbeitet von H. Zimmer. Strassb. 
8. 65 S. mit Karte und Tabellen. JC 2 — 

340 Pierre, E. Geographie- Atlas du d^partement des Vosges ä Tusage 
des 6coles primaires. 18 leQons, 17 cartes dans le texte et une 
carte d'ensemble. 4. 36 p. Remiremont, imp Mougin. fr. — 60 

341 Fleischer, Sam. Führer durch Basel und Umgebung. 16. 63 S. 
mit eingedr. Holzschn. Basel. Jenke. (Auch in franz. u. engl 
Ausgabe.) J^ — 60. 

342 Quartierliste der Garnisonen und Militärbehörden in Lothringen. 
Nr. 13. Mai 1884. (2. Abdr.) Mit Wohnungsangabe sämmtl. in 
Metz garnison. Officiere und Militärbeamten, gr. 8. 13. S. Metz, 
Lang. e/Äl — 50 



— 431 — 

343 Sagher, L. de. Notice snr les fronti^res onest et est de TAUe- 
magne. 8. Brüssel, Maquard. (Brochnres militaires n*" 9.) fr. 1 — 

344 Der oberrheinische Schiffahrtskanal Strassbnrg-Speyer. Ein Vor- 
schlag im Interesse des Verkehrs nnd der Landeskultur. Hrsgb. 
V. d. Kanalcomite Speyer. Mit einer Uebersichtskarte. Speyer 
1884. 52 S. 

345 Schuster j Aimi. Observations m6t6orologiqnes faites ä Metz pen- 
dant rannte 1880. fExtr.) Metz, impr. P. Bontillot 1884. 8. 

346 Sehkigdenhauffen, F. Eau min6rale de Dolainconrt snlfur^e, 
sodique, arsenicale, analyse. 8. 16. p. Nancy, Berger-Levranlt 
et Cie. (Extrait de la ReTne m^dicale de l'Est.) 

347 SMebach, W, üeber Landeskultur in Elsass-Lothringen, Belgien, 
Holland, Bremen, Hannover, Bayern und Hessen-Kassel. Reise- 
bericht. Mit 10 Abbild, g. 8. II. 73 S. Stuttg. K. Wittwer. JC 2 bO 

348 Schricker, Äug. Bilder aus dem Elsass (Rappoltsweiler). Mit Text 
zu Holzschnitten yon. K. Stieler. In Ueber Land und Meer. 1884. 
Nr. 40. Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt. 

349 Schumacher, E. Erläuterungen zur geologischen Karte d. Umge- 
bung von Strassburg mit Berücksichtigung der agronomischen 
Verhältnisse. Hrsgb. ▼. d. Commission f. d. geolog. Landesunter- 
suchung von Elsass-Lothringen. gr. 8. VII. 67. S. Strassburg 
1883. Schultz u. Comp. Jtl — 

350 — Topographische Kai-te der Umgegend von Strassburg. 1 : 25.000. 
Strassb., Schultz u. Comp. 1884. 

351 Slawyk, J. Heimathskun^e von Elsass-Lothringen für Schule und 
Haus. 15 verb. Aufl. Strassb., Bull. 1884. 8. uK — 60 

352 Stehle. Die Ortsnamen des Kreises Thann (im Progr. des Real- 
progymn. zu Thann 1884). 32 S. 

353 Strassburg in der Westentasche. Kleines Verkehrshandbuch. 
Sommer 1884. 128. 93 S. Strassb. (Wilmowski). JL -^ 20 

354 Thietne, J. Die Bestandtheile des Wassers, der Lauf und Grund- 
wasserbrunnen der Stadt Rappoltsweiler. 20 S. (Programm der 
Realschule zu Rappoltsweiler.) 

355 Vitencore. La population de Contrexßville (Vosges) ä vol d^oiseau. 
12. 16 p. Neufchäteau, imp. Kienn^. 

356 Wiener, Luden. Recherches sur Tindustrie carti^re en Lorraine. 
8. 81 p. et 9 planches. Nancy, Wiener. (Extrait des m^moires de 
la soci^t^ d^arch^ologie lorraine.) 

357 Zimmer, A. Alphabetisches Verzeichniss der Gemeinden und An- 
nexen in Elsass-Lothringen. Strassb. 65. S. mit Karte. 8. 

IV. Geschichte. 

358 Alters, J. H. König Dagobert in Geschichte, Legende u. Sage, 
besonders d. Elsasses u. d. Pfalz. 2. verm. u. verb. Aufl. Leipzig 
u. Kaiserslautern, H. Kayser, 1884. 8. 

359 ÄpeU, F. v. Argentoratum. Ein Beitrag zur Ortsgeschichte von 
Strassb. i.jE. Mit 2 photo-lithogr. Plänen. Lex. 8. Berlin, E. S. 
Mittler u. Sohn. (Separatabdruck a. d. Bull, de la Soci6t6 p. la 
conserv. des monuments bist. d^Alsace 1884.) JC S — 

360 Aper. Zwischen den Kriegscoulissen. Aus den Erlebnissen eines 
ehem. franz. Gelegenheitsofflciers. 1870/71. Leipz., Lincke. 8. 66 S. 

ul 1 50 



— 132 — 

361 cPÄubigni. Vie de Kleber. 3« 6d. 18. 176 p. avec vign. Pari», 
Hachette et Cie. fr. 1 — 

362 Bazaine. Episoden a. d. Krieg y. 1870 u. d. Belagerang v. Metz. 
A. d. Französischen im Ansznge übers, y. Wevers. gr. 8. IV, 
112 S. Berlin, F. Lnckhardt. JL 2 ^ 

363 Blumstein, F. Auszüge ans den alten Dokumenten der Archive 
des Unter-Elsass betr. die Mühlen y. Benfeld n. Sand. [Deutsch 
u. französ.] Strassb , Druck y. E. Bauer, 1884. 8. 

364 Briqudy C. Lun^ville depuis sa fondation jusqu'ä sa röunion k 
la France. 8. 49 p. Nancy, impr. Cr^pin-Leblond. 

365 Burchardi, Johannis, Argentinensis, capelle pontificie sacromm 
rituum magistri, Diarium, siye rerum urbanarum commentarü 
(1483-1506). Texte latin, publik intöeralement pour la premiere 
fois d^aprdss les manuscr. de Paris, de Rome et de Florence, av. 
introduction, notes, appendices, tables et index par L ThtMsne. 
Tome n (1492-1499). gr. 8. 726 p. Paris, Leroux. (L'ouvrage 
formera 3 yolumes.) fr. 20 — 

366 CarpentieTj MUe. Emilie. Enfants d^Alsace et de Lorraine. lUustr. 
de Zier. gr. 8. VIII, 259 p. et autographe de Victor Hugo. Paris, 
Corbeil, Lef^yre et Cie. 

367 ChanUau, Francis de, Documenta in^dita relatifs ä Thistoire 
de la R^yolution dans les Vosges recueillis et annot^s. 8. 37 p. 
Bar-le-Duc, impr. de FCEuvre de St-Paul. 

368 ChapeUier, J. C., ChevreuXy P. C. et Gley, G, Documenta rares 
ou in^dits de Thist. des Vosges, publik au nom du Co mit 6 
d'hist. yosgienne. T. VIII. 8. X, 396 p. Epinal-Dumoulin, Paris- 
Champion. 

369 Charbonnier, Joseph. Souyenirs de Tinyasion; FAlsace en 1872; 
la Marseillaise. 8. 93 p. et portrait. Paris, impr. Quantin. 

370 Chronique de Büffet (1580-1588); la Ligue k Metz, extrait des 
cahiers de Fran^ois Büffet, ministre du S-E. k Metz. Publik p. 
la premidre fois par E. de BouteiUeTy ayec une introduction et 
des notes par Aug. Frost. 8. XXXII, 248 p. Paris, Pillet et 
Dumoulin. (Petite biblioth^que messine.) 

371 Cinq Lorrains en Haute-Sayoie, relation intime. 8. 49 p. Anncey- 
Depallier et Cie. 

372 Clorer, Ä. Breisach, seine Vergangenheit und Gegenwart. Ein 
geschichtl. üeberblick nebst Beschreibung d. Stadt mit 16 Illustr. 
Mit einem Vorwort y. H, Langer, 8. 56 S. Breisach-Freiburg, 
Stoll-Bader. cart. JC l — 

373 CombeSj Franf, Lectures histor. k la Sorbonne et k 1' Institut 
d^apr^s les archiyes des pays ^trangers. 5* liyr. La R^publique 
hely^tique et Louis XIV dans la question de FAlsace et de la 
Franche-Comt6 d^aprds une correspondance in^dite de Louis XIV 
ayec les cantons suisses (Archiyes hely^tiques). 4. p. 145 k 174. 
Paris, Fischbacher. (Recueil mensuel liyr. 25 cent. p. la France, 
50 cent. pour T^tranger.) 

374 Cristy Georges. Bist, du lieutenant Cite ou capitulation de Tarm^ 
de Metz 1870/71. 18. XVI, 3% p. Cannes, impr. Robaudy fr. 3 50 

375 Demoulin, Mad. Gustave. Oberlin. Liyre.de lecture ä l'usage des 
^coles et de la classe pr^paratoire des lycöes et Colleges. 18. 
36 p. avec yign. Paris, Hachette et Cie. fr. — 15 

376 Des Chdins de Sauhesmes, Baymond, Notice sur Souhesmes. 8. 
74 p. Nancy, impr. Cr^pin-Leblond. (Extr. des M6m. de la Soc. 
d'archeologie lorraine pour 1884.) 



— 133 — 

377 DespreZy Claude. Les arm^es de Sombre-et-Mense et da Khin. 
18. 162 p. et 5 cartes. Paris, Baudain et Cie. ir. 2 50 

378 — Desaix. 18. 185 p. et 6 cartes. Paris, Baudain et Cie. fr. 3 — 

379 Des Robert, Ferd. Denx codex mannscrits de Tabbaye de Gorze. 
[Betreffen die Gesch. der Abtei.] Nancy, Sidot freres, 1884. 8. 

380 DinagOj F. Notice historiqae snr la donation d^nne somme de 
100,000 livr. de France, faite p. le roi Stanislas duc de Lorraine 
en fayenr des babitants de Saint-Di6, victimes de Tincendie du 
27 juillet et publication de Tacte de donation. 4. 14 p. St-Di6, 
Humbert (Extr. du Bull, de la Soci6t6 philomathiqne vosgienne, 
ann^e 1883-84.) 

381 Dominique, J. Souvenirs de Vend^e et de Lorraine, suivis de 
legendes saxonnes. 12. 245 p. Tours, Cattier. 

382 '^cÄard, Aug. ün fils de TAlsace, J.-B. Kleber. 16. 128 p. avec 
portr. et Yign. Paris, Charavay fr^res. (Biblioth^que d'^ducation 
moderne.) fr. — 80 

383 Finke, H. Die grössere Verbrüderung (confratemitas) des Strassb. 
Clerus vom Jahre 1415. (Westdeutsche Zeitschr. III, 372-385). 

384 — Zur Beurtheilung der Akten des Constanzer Conzils (Forsch, 
zur deutschen Geschichte, XXIII, 501-521.) 

385 Foumier, A. Rambervillers au XVIII- siöcle. 8. 12 p. St-Di6, 
impr. Humbert. (Extr. du Bull, de la Soci6t6 philomathique 
vosgienne, annSe 1883|4.) 

386 Germain, Leon. Les Armoiries de G6rardmer (Vosges). 8. 8 p. 
avec dessin. Nancy, Cr^pin-Leblond. (Extr. du Journal de la 
Soci^t^ d'arch6ologie lorraine.) 

387 Grandemange. Notice biographique sur Elisabeth de Rainfaing, 
fondatrice de la maison de Refuge de Nancy. 8. 55 p. Nancy, 
Vagner, 

388 Hartfddery K. Zur Gesch. d. Bauernkrieges in Südwestdeutschl. 
Stuttg. Cotta. gr. 8. VIII, 475 S. .A 8 — 

389 Kindler von Knobloch, J. Die Herren von Hohenstein im Elsass. 
gr. 4. 16 S. mit 1 Tafel. Wien. (Strassburg, Trubner.) Ji 2 — 

390 Knod, Gusi. Jacob Spiegel aus Schlettstadt. Ein Beitrag zur 
Geschichte des deutschen Humanismus. Beilage zum Progr. des 
Reaigymn. zu Schlettstadt. Str., Schultz u. Cie. 59 S. 

391 Kruse E. Verfassungsgeschichte der Stadt Strassburg, besonders 
vom 12. bis 13. Jahrh. 64 S. Enthalten in WesM. Zeitschr. 
für Geschichte und Kunst, hrsgb. von K Lamprecht, Ergänzungs- 
heft I. gr. 8. 162 S. Trier, Lintz. JL A. — 

392 Kuntz, Une guerre civile ä Mulhouse h, la fin du XVI* si^cle. 
(Extr. de la Revue cath. d'Alsace.) Rixheim, A, Sutter, 1884. 8. 

393 Lepage, Henri. Sur Torganisation et les institutions militaires de 
la Lorraine. 8. VH, 444 p. et 4 planches. Nancy-Paris, Berger- 
Levrault et Cie. 

394 Lepage, A. R^cits s. Thist. de Lorraine. 8. 237 p. et grav. Tours, 
impr. et libr. Mame et fils. 

395 Lesage, A. R^cits sur Thist. d^Alsace. 8 160 p. et grav. Tours, 
impr. et libr. Mame et fils. (Bibl. des familles et des maisons 
d^Mucation.) 

396 Löher, Frz. v. Beiträge zur Geschichte u. Völkerkunde. Bd. I 
enthält: Neue Reichs- und Grenzländer. 

397 Luxer, M. L'organisation judiciaire en Lorraine sous Leopold 
et les reformes de ce prince (1697-1729;, discours prononc6 a 
Taudience solennelle de rentr^e de la cour d'appel de Nancy, 
le 3 novembre 1883. 29 p. Nancy, impr. Vagner. 



— iai — 

8 Menard, Thtoph. Le marichal Fabert, 12. 141 p. et grav. Tour», 
Marne et fils, (Bibl. de la jeimeBae chritieDne.) 

Metiger, Albert. L» B^publiqne de Mnlhoase, eon histoire, Mt 
sncienneB familles bourgeoisea et adnUBCa k risidence depnis 1w 
origjnes jaaqa'ä 1798. 6. 149 p. et plancbe. Lyon, impr. StoicL 

M&eiires, Alf. BiciU de l'mvaaion (Aleace et Lorraine}. 3* UÜ 
aagmentie de noaveaox r*ciU, 18. VII, 347 p. Lons-le-Sanniet- 
Faris, libr. PerriD. ^ 3 50 

1 MoMgmann, X. CartnUire de MnUioaBe. Onvrage conronni p. U 
Soci«t« iudnatrielle de Mulhonse, Tom. I, II. Hoch 4. XIV, 525 
u. VU, 668 S. Strasb., Heitz. Colmar, Barth. i UK 32 - 

'2 — Un fonctioimaire d'empire alaaciea au 14* eificle, Bemard d« 
Bebeinheim. (Revne hiatoriqae, XXU, 66-98.) 

3 MüBer, Eug. Souvenirs d'nn jenne franc-tireor. gr. 8. 304 p. 
»Tee illuatrationB de Lix. Paria, Delagrave. 

4 Neumann, Emüe. Odyaeie d'nne ambnlance colmarieone am 
enviroDs de Paris. 1870. 8. 8 p. Nancy, Berger-Levranlt et Cie. 

ö NicouHod, Aug. L'Egypte et TAIsace-Lotraine. Paria, E. Denta, 

1884. 8. 
ß Rabany, Ch. Les Schweiehnnser, biographie d'nne famille de 

eavants alsaciens d'apr^s leor correapondance inidite. 8. 133 p, 

et Portrait Nancy, Berger-Levranlt et Cie. Jt 3 SO 

'7 Sapp, l'abbfi. Saint Fulrade, abbS de St-Denys. 1 vol. 8. ayec 

deox grarares. ^ 3 30 

8 Römer, Dr. M. Straasbnrg n. Zfirich in den Jahren 1576 und 
1870. Histor. Reminiscenzen der B&rgerachätzengeeellacbaft der 
Stadt Zürich anf das Hanptgebot von 1882 gewidmet. Zürich, 
Schnlthess. gr. 8. 39 S. JL 1 - 

9 ScUomon, E. Notice aar le Brenacheckachlöaalein. Avec nne 
hiliotypie. (Extr. du ßnll. de la Soc. p. la conaerv. d, monnin. 
hist. d^Älaace, tome XII, p. 85 ff) Strasb., Schnitz et Cie. 1884. 'i. 

Schmidt, Ch Documenta in^ita ponr serrir ta Biographie d« 
J. D. Sch(epflin publica p. Ch. Schmidt. lEztr. dn Bnll. dn Moste 
histor. de Hnlhonse.) Mnlhonse 1883. 32 S. (mit Portrait). 

1 SduAert, Hans v. Die Dnterwerfang der Alamannen anter die 
Franken. Krit. üntersnchnng. 8, IX, 232 S, Str., Trabner. JLb^ 

2 SchuÜe, A. Die elafisaische Annaliaük in Stanfischer Zeit iMsr- 
bach. Nenbnrg, MaarsmünateT, Strasabnrg 'Mittheil. d. Institots 
t. österr. Geschichtsforsch., V, 613-538). Innsbruck, Wagner, 1884, 

3 Sit, Julün. Querre de 1870, jonmal d'nn habitant de Colmar 

linitlet k novembre 1870) auivi da cabier de Mlle. H pend. 

le moia de janvier 1671 et d'antres annexes. 8. XIV, 288 p. aiec 
3 croqnia de M. Aug. Bartholdy et un dessin original de H. Em. 
Perboyre. Nancy, Berger-Levranlt et Cie. JC G — 

3 a Seingtierlet. L'Alsace fran;aise. Strasbourg pendant la r^volu- 

tion. 8. Paris. fr. 6 - 

4 Segboth, Ad. Easai histor. sar 1' Organisation du service des 
incendies et du corps d. Sapeurs-Pompiers de la ville de Strasb. 
depuis le XV» ai^cle jnsqu'li nos joura. Strasb., Schulte et Cie. 
(Mit Trachten-Bildern.) 

6 Stadtbuch t. Seunheim, Hrsgb. «. A. Birlinger. Bonn, A. Marcus, 
1684. 8. 

6 St<ehiing, Ch. Hist. contemporaine de Strasbourg et de l'Alsace. 
8. XU, 433 p. Nice, impr. Ganthier et Cie. 

7 Slöber, Aug. Recherchea sar le droit d'aaile de Mnlhonse. Noov. 
*d. Mulbonse, Petry, 1884. 8, 71 S. Jt 2 — 



— 135 — 

418 ürknndenbnch der Landschaft Basel. Hrsgb. von Heinr. Boos. 
2. Thl. 1371-1512. 2 Hälften, gr. 8. X, 401-1319. Basel, Detloff. 
(Compl. JC 23.—.) Jt Ib — 

419 Urkunden u. Akten der Stadt Strassbnrg. Hrsgb. mit Unter- 
stützung d. Landes- u. d. Stadtverwaltung. 1. Abtheil. Urkun- 
denbuch. 3. Bd. hoch 4. Strassburg, Trübner. ./ÄL 24.— . (I, 1, 3 
u. n, 1. tM 68. — .) Inhalt: Privatrechtl. Urkunden u. Amts- 
listen V. 1266-1332, bearbeitet v. Äbys Schulte. (XLVIII, 451 S.) 

420 Wenck, K. Albrecht y. Hohenberg u. Matthias v. Neuenberg. 
(Neues Arch. d. Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde, 
IX, 29-98). 1884. 

421 Wenningj V. Ueber die Bestrebungen der französischen Könige 
des 10. Jahrhunderts Lothringen für Frankreich zu gewinnen, 
mit besonderer Berücksichtigung d. Darstellung Richers. (Progr.) 
[Hanau 1884.] 4. 

422 Wolff, Louis. Die Schlacht von Vionville u. Mars-la-Tour. Ein 
Gedenkblatt an den 16. Aug. 1870. 8. XVI, 104 S. Mit 1 lithogr. 
Karte. Guben, König. JL 2. — . gebd. JL ^ — 

423 Wurstisen^ Ch. Basler Chronik. 3. Aufl. Nach der Ausgabe des 
Dr. Brückner 1765. fol. Basel, Birkhäuser. Erscheint in Lieferung, 
ä tAL 1. — . Compl. geb. Ji 2b — 

424 X . . . Bataille du Rhin. 1855-2000. Edition illustr6e de magnif. 
gravures et cartes, des plans de campagnes et de mobilisation. 
Livr. I. gr. 8. p. Paris, Masquin. ä fr. — 10 

V. Politik. 

425 Bertouchj E. v. Burgund als Scheidewand zwischen Deutschland 
und Frankreich. Eine bist, polit. Frage. 8. 51 S. m. 1 Tab. 
Wiesbaden, BischkopfF. «/^ — 80 

426 Une campagne de huit jours, r^ponse au Norddeutsche Allgem. 
Zeitung, organe bismarkois, par un Lorrain. 8. 8 p. Alger, 
Pez6 et Cie. fr. — 25 

427 Carstedt. Mahn- und Hülferuf aus den deutschen Reichslanden. 
Gütersloh, Bertelsmann. JL — 50 

428 Cetty, H. La famille ouvi'i^re en Alsace. Mülhausen, Bufleb^s 
Sort. JL2 ^ 

429 Bahn, Prof. Dr. Felix. Völkerrechtliche, staatswissenschaftliche 
und privatrechtliche Studien. (Bausteine. V Reihe I/H Schicht.) 
enthält : Die deutsche Provinz Elsass-Lothringen. 8. Berlin, 
0. Janke. 

430 Gerdoüe, H. Die Nothlage der Landwirthschaft und die ländlichen 
Vereinigungen. 8. S. Vlll. 128. Leipzig. JL 2 — 

431 — La crise agricole et les soci^tes d'agriculture. 8. VIU. 134 S. 

«^ 2 40 

432 GHbrifij Henri. Essai sur la condition juridique des Alsaciens- 
Lorrains. Paris, A. Rousseau. 1884. 8. 

433 Lage des bäuerlichen Grundbesitzes in Deutschland. Verhand- 
lungen d. Xn. Versammlung des Deutschen Landwirthschaftsrath. 
Separatabdruck aus dem Archiv des Deutschen Landwirthschafts- 
rath. Auf Grund der Sitzungsprotokolle und stenographischen 
Aufzeichnung erstattet von Generalsecretär Müller, pag. 364: 
Bericht über die Lage des Grundbesitzes im Ober-Elsass von 
Gutsbesitzer Bitzenth(iler—E.OThurg. pag. 366: Bericht über die 
bäuerlichen Verhältnisse in Lothringen. Berichterstatter : Bürger- 
meister J^^€te— Ober-Jeutz. Berlin, Parey. 8. 431 p. Ji 4 — 



— 136 — 

434 Lettre, denxi^me, anx r^pnblicains de Beifort par an r^pablicain 
8. 19 p. Besan^on, Millot fr^res. 

435 Maas, M, Was soll aus Elsass-Lothrineen werden? Mit einer 
lithogr. Kartenskizze. 8. 82. Leipzig Q. Wolf. (Zeitbewegende 
Fragen Nr. IV.) JL 1 - 

436 Maurer j Br. Th. Znm Falle Deecke. Offenes Schreiben e. dentsch. 
Gymnasiallehrers an den Gen.-Feldmarschall Frh. v. Mantenffel 
kaiserl. Statth. in Els.-Lothr. gr. 8. 28 S. Mainz, Diemer. Jl — 80 

437 Nentralit6, la, de TAlsace-Lorraine. Compte-rendn de Tassembl^e 

f6n6rale des membres de la ligne internationale de la paix et 
e la libert^ tenne & Gen^ve le 7 sept. 1884. Publik avec Tan- 
torisation du comit^ central de la ligne. gr. 8. 64. S. Basel, 
Bernheim. JL \ — 

438 Otty Edmond. ün mot d^histoire snr TAlsace et Strasbourg. 
(496-1681, 1789, 1870-84.) 8. VIIL 79 S. Nancy, Berger-Lev. et Cie. 

439 Rappoltstein, Alfr. Elsass-Lothringen 1870-1884. gr. 8. 42 S. 
Basel, Bemheim. (Auch in franz. Ausgabe.) uK 1 — 



VI. Recht, Verfassung und Verwaltung. 



440 Franz, Dr. Das Notariat in Elsase-Lothringen. Sammlung der 
darauf bezüglichen Gesetze, Verordnungen und Verfügungen mit 
Anmerkungen. Mit gegenüberstehender franz. Uebersetzung. gr. 8. 
Vm. 591 S. Strassb., Schultz u. Comp. ul 12 — 

441 Geigel, F. Das französische und reichsländische Staatskirchen- 
recht (christliche Kirchen und Israeliten) systematisch bearbeitet 
und verglichen mit den neuesten Gesetzen und der Recht- 
sprechung der deutschen Staaten. 8. XX. d04 S. Strassburg. 
Trübner. Ul 8 — 

442 Gesetz betr. die Bereinigung d. Katasters, die Ausgleichung der 
Grundsteuer und die Fortführung des Katasters vom 31. März 
1884. (Deutsch u. franz.) gr. 8. 59 S. Strassb., R. Schultz n. Comp. 

*/m — oü 

443 Hacky C. Der Polizei und Sicherheitsdienst in Elsass-Lothringen. 
Zusammenstellung der bestehenden Gesetze, Verordnungen, poli- 
zeiliche Vorschriften. (Manuel de police et d'exercice de süret^ 
en Alsace-Lorraine. Collection des lois, ordonnances et r^giements 
de police en vigueur etc.) 8. XXI. 253 S. Gebw., Boltze. JC 4 — 

443a Gutachten, ärztl.. üb. d. Elementarschulwesen Elsass-Lothringens. 
Im Auftrage des K. Statthalters erk. von einer medizin Sach- 
verst.-Kommission. gr. 8. 106 S. Strassb., R. Schultz u. Cie. Jfl — 
(Das Gutachten über das höhere Schulwesen erschien 1882 im 
gleichen Verlage und zum gleichen Preise.) 

444 Handbuch für E-L. Bearbeitet im Ministerium f. E.-L. Strassb. 
Bull. 534 S. Ul 6 50 

445 Katastergesetz, Elsass-Lothringisches. Textausgabe mit franz. 
uebersetzung und Anmerkungen von Dr. W. §unzert. 8. 89 S. 
Strassburg, Trübner. Ul 1 50 

446 Leonij A. Staatsrecht der Reichslande Elsass-Lothringen. Ent- 
halten im Marquardsen Handbuch des öffentlichen Rechts. Bd. \L 
Halbbd. I. gr. 8. S. 215-308. Freiburg i./B. J. C. B. Mohr, ul 8 — 

447 Octroitarif der Stadt Strassburg Renehmigt durch kaiserl. Ver- 
ordnung vom 8. Nov. 1883. gr. 8. 33 S. Strassb., Schultz u. Comp. 

J^ — 40 



— 137 — 

448 Pfannenachmid, H. üeber Ordnung und Inyentarisirung der Ge- 
meindearchive. (Archivalische Zeitschrift VIII, 229 ff; IX, 135 ff.) 
München, Ackermann. 1883. 1884. 

448 a Pietssch. Ein Hagel ver&icherunssTerband f. Elsass-Lothringen. 

8. 58 S. Strassb., fi. Schultz u. Cie. JL 1 -^ 

449 Sammlung Yon Gesetzen und Verordnungen betr. die Verfassung 
u. d. Verwaltg. von Elsass-Lothringen und Geschäftsordnung des 
Landesausschusses von Elsass-Lothringen. Hrsgb. vom Bureau des 
Landesausschusses von Elsaäs-Lothr. 2. Aufl. mit den seit 1880 
eingetretenen Veränderungen. 8. 60 S. Strassburg 1883. Schultz 
u. Comp. Ji 1 — 

450 Sammlung von Gesetzen, Erlässen und Verfügungen betr. die 
Justizverwaltung in Elsass-Lothringen. Im amtl. Auftrage bearb. 
8 Bd. Nr. 1433-1595. gr. 8. XXIV. 440 S. Strassburg, Schultz. 

Ji 10. (1-8 JL 67 — ) 

451 Ueberfüllung, die, des Juristenstandes. Von einem jungen Juristen 
des Reichslandes. 8. 24. S. Leipzig, G. Wolf (Zeitbewegende 
Fragen Nr. V.) Ji — öO. 

Vn. Kirchenge8ohlohte. 

452 Beiträge zur Kirchengeschichte des Elsasses vom 16-19. Jahrh. 
Vierteljahrsschrift im Dienste der evang.-luth. Kirche, redigirt u. 
hrsgb. v. W. Homing. 4. Jahrg. 4 Hefte, gr. 8. 1-2. Heft. 67 S. 
Strassburg, Vomhoff. JC 3 — 

453 BirUngeTy Anton. Aus d. Ablassbuche y. Thann, Ober-Elsass. 
S. Alemannia, Jahi-gang 1884. Bonn 1884. 8. 

454 Caeiny D. La chapelle et le p61erinage de Notre-Dame de Rabas. 
Notice histor. Vigy chez Tauteur [1884]. 8. 

455 BexeHy F. P. Oü est n6 le pape Saint-L6on IX? Strasb., Bauer. 
gr. 8. 47 S. ./Ä — 40 

456 Erichson, A. Ulrich Zwingli n. die elsässischen Reformatoren. 
Gedenkblätter den Protestanten des Elsasses gewidmet zur 
400jährigen Gedenkfeier Zwingli's. 8. 40 S. mit Holzschn.-Portr. 
Strassb.. Treuttel u. Würtz. ^ — 30 

457 Eygqne, T, de St-Di6 aux eaux de Plombi^res en 1884 p. G. H. 
de G. S. 1 p. Remiremont, impr. Vve Mougin. 

458 Favier, J, A, L. Le Mercier de Moriere. Un livre de liturgie du 
XV* siecle ayant appartenu au chäteau de Gombervaux. 8. 11 p. 
Nancy, CrSpin-Leblond. (Extr. du Journal de la Soc. d^archSol. 
lorraine, jum 1884.) 

459 Gandeietj Alb. Hist. de la Congr^gation de Notre-Dame de Metz. 
(Extr. des M6m. de TAcad^mie de Metz, 1880-1881.) Metz, impr. 
P. Boutülot, 1884. 8. 

460 GcUriOj A. Das Breuschthal, oder urkundliche Nachweisung des 
entscheidenden Einflusses des Haslacher Einsiedlers u. Strassb. 
Bischofes Florentius a. d. christliche Umgestaltung d. Breusch- 
thales u. d. Elsasses. Mit 6 Photogr. u. 1 Karte. Rixh. 8. JLb — 

461 Germainj L. Le P^lerinage de la ville de Nancy ä Notre-Dame 
de Benoit-Vaux en 1642. 8. 36 p. Nancy, Cr^pin-Leblond. (Extr. 
des M6m. de la Soci6t6 d'arch^ologie lorraine pour 1883.) 

462 GlÖckUr, L. G, Sanct Maternus od. Ursprung d. Christenthums 
im Elsass u. in d. Rheinlanden. Mit mehreren Photographien. 
Rixheim, Sutter. 8. VH, 385 S. JL 3 10 



— 138 — 

3 (Homing.) Nachrichten über Beformtttiong- n, Latherjabiläen, 
1617, 1717, 1817 im Elsssa. EnUiält Selbstbiographie d. Ge&ig- 
nissprediger Mich. Diemer in StratiEbnrg, Str. Vomboff. 

1 — Dr. Job. Konr. Dannhaner, DniTerBitätsprofessor, MudbIct- 
prediger etc. 130 S. 8. Ebd. ^ 2 60 

Ei — Jnbelfest-Bücblein znr 400jähtigen Geburtsfeier Dr. Lnthers 
mit einem HonatBkalender anf 18H4. Entb. Änsepräche Strassb. 
Theologen Oeiler y. EajBeraberg, Zell, Bntzer, Marbach. Ebd 

^ - M 



67 Jacguemin. La nouv. Sglise de Hayange. Description da monn- 
ment et relatjon des tites de sa consecration le lä nov. ISSi. 
[Avec nne planche.] Metz impr. B£ha, 1884. 8. 

68 KunU, J. Das ehemalige Barfiisaerkloster a. die Mari&hilfldrcht 
iu Maihansen. Bizheim, Bnchdrackerei A. Sntter, 1884'. 8. 

69 Lager. Der selige Peter Fonrier, Ein Beitrag zur Geschichte 
Lothringens im XVII. Jahrb. RegenEborg, Mauz, M 2 - 

70 Lerbs, K. Predigt zni- Feier d. zweihundert] ährigen Gedächtnis»- 
tagea der Einweihung der Wal Ifahrtakap eile voa Marleuheiin. 
Strassb., Drückerei v. E. Bauer, 1884. 8. 

71 Maggioh, L. La vie et les tEUTres de l'abbS Gr^goire (1789-iaHl), 
77 p. 1" faBO. Nancy, Berger-Levranlt et Cie. (Extr. des H6m. 
de TAcad^mie de Stknislaa, pour 1883.) 

ages de l'histoire eccl^siaatiqne de I> 
1. 84 p. Nancy, impr. Bailand. 

73 Noel, J. La Lorraine et l'Alsace ä Lourdes en Tanaie jubtlaire 
de 1883. Notre septiime p^Ierinage. 8. XX, 84 p. St-Dii, impr. 
Humbert. 

74 P^lerinages des dioc^ses de Dijon, Besancon, Autnn, NeTeri, 
Moulins, Langres, Sens. Strasbourg et Fribourg ä Notre-Dame 
de Lonrdes. ImpreEsions et sonvenirs (26 sepL au 3 ocL I"^' 
8. 19 p. Dijon, impr. Mersch et Cie, 

75 Siwera, Wäh. Deber die Abhängigkeit der jetzigen Confessions- 
Tertheilung in Süd Westdeutschland v. d. früheren Territorial- 
grenzen. (EkasB, S. 15-16.) Mit einer Kai-te 1 : 700,000. 4. 61 S. 
Göttingen, Peppmüller. M i - 

76 Thiriel, H. J. L'abbi M£zin, doyen de 1a facnlt£ de th£ologi« i. 
l'universite de Nancy. 8. 19 p. Nancy, Vagner. (Notice extr. de 
la Semaine religieuse, revne, corrig^e et angment^e.) Tir^ ä 
150 exempl, non mis dans le commerce. 

77 FoHfrey, ^f. tf. Hist. des ivSqneE de Bäle. Ouvraga pnbli£ fons 
les auspices de 9. G. M. Lachat, ^TEqne de Bäle. Avec nom- 
brensea illustrationa, vnes, portraits, sceaux etc. Tome L gr. 8. 
244 S. Einaiedeln, Gebr. Benzinger. ^ 8 — 

78 Waither, Victor. Die klerikalen Rahegehälter in der Sitnmg 
[des Lande sau SBchnsaes vom 6. Febr.] 1884. Molsheim, Druck t. 
Ed. Schnltheiss [1884]. 8. 

vni. Kultursetohichtfl und iiaterielle AlteHüner. 

79 Barock, Karl Aug. Badiscbe Studenten auf der Straasbwger 
Universität von 1616-1731. (Sep.-Abdr.i Karlsruhe, Druck von 
G. Braun 1884. 8. 



— 139 — 

480 Benoit, A. B^U, le nain du roi Stanislas (174M764). 8. 18 p. et 
Portrait. St-Di^, impr. Humbert. (Extr. da Bull, de la Soci^t^ 
philomathiqne vosgienne, ann6e 1883/84.) 

481 — Les bibliophiles, les collectionnenrs et les bibliothdqnes des 
monasteres des Trois-EvSchSs. 1552-1790. Nancy, R. Wiener; 
Broxelles, R. Dapriez, 1884. 8. 

482 Bleicher, Nancy avant Thistoire. 8. 31 p. Nancy, Berger-Levraolt 
et Cie. (Extr. des M6m. de TAcad^nue de Stanislas, p. 1882.) 

483 Deecke, TT. Plaudereien über Schule und Haus. Strassburg, 
Bull, 1884. U? — 50 

483a Fortsetzung. 27 S. Strassburg, Bull. uT — 50 

484 Eggert, Herrn. Kaiser-Wilhelms-Uni versität Strassburg. Instituts- 
gebäude der naturwissenschaftlichen u. mathematischen Faculät. 
I. Das physikalische Institut y. Herrn. Eggert. Mit neun Kupfert. 
(S. A. a. d. Zeitschr. f. Bauwesen.) Berlin, Ernst u. Kom, 1884. 2. 

485 Die Einweihung der Neubauten der Kaiser- Wilhelms-Universität 
Strassburg, 26-28. Okt. 1884. Officieller Festbericht. Strassburg 
Heitz 1884. 68 S. 

486 ErichsoHf A. Das Strassburger Universitätsfest v. J. 1621. Ein 
Rückblick am Tage d. Einweihung d. neuen üniyersitätsgebäude 
zu Strassburg, den 27. Oct. 1884. Strassburg, Bull. 15 S. 

487 Feier, Strassburger, mit Präsenzliste. [Betr. die Üniv.-Feier vom 
26-28. Okt. 1884.] (Akademische Monatshefte. Organ d. deutschen 
Corpsstudenten. Heft VIII, v. 26. Nov. 1884.) Stuttgart, Buchdr. 
A. Bonz' Erben, 1884. 4. 

488 Festschrift zur Einweihung der Neubauten der Kaiser-Wilhelms- 
Universität Strassb. 1884. 4. 151 S. mit 16 Ansichten in Lichtdr. 
u. zahlreichen Holzschn. im Texte. Strassb., Bull. c^ 10 — 

489 Fischback, G. Le th^ätre de Strasbourg et la dotation Apffel. 
(Franz. u. Deutsch.) Strassb., typogr. G. Fischbach, 1884. 8. 

490 Vor u. hinter den Coulissen. Ein freies Wort zur Strassburger 
Theaterfrage v. W. FiscJ^er. Strassb. 1884, Selbstverlag. 18 S. 

491 Ein weiteres Wort zur Strassb. Theaterfrage, ebend. 11 S. 

492 Germain Leon. Le Cam^e antique de la bibliotheque de Nancy. 
8. 11 p. et planche. Tours, Bousrey. (Extr. du Bull, monumen- 
tale, 1883.) 

493 — L^Enseigne de la compagnie d^ordonnance de Claude de 
Lorraine, duc de Guise. 8. 20 p. et planche. Nancy, impr. Cr^pin- 
Leblond. 

494 Legendes populaires, ballade en patois de la Haute-Moselotte 
par X***. 8. 24 p. St-Di6, impr. Humbert. (Extr. du Bull, de la 
Soci6t6 philomathiqne vosgienne, ann^e 1883|4.) 

495 Maxe-Werly, L. Trouvaille d*Autreville (Vosges). Monnaies in6- 
dites d^Adh^mar de Monteil 6v§que de Metz et de Henri IV, 
comte de Bar. 8. 17 p. Paris, inipr. Rougier et Cie. (Extr. de la 
Revue numismatique, 3 s^rie, t. II, 2* trimestre 1884, p. 203-219.) 

496 MÖÜer, F. Zu dem Denarfund v. Metz. (Westdeutsche Zeitschr., 
m, 129-135.) 

497 Muck, Anna. Statistischer Rückblick auf die Vorstellungen des 
Stadttheaters zu Metz. Winter saison 1883/84. Metz, Buchdr. der 
Lothr. Zeitung, 1884. 8. 

498 Peregrinations, les, d'un Alpiniste ä travers les Alpes-Mari times, 
les Basses-Alpes, le Dauphin^, la Savoie, la Suisse, l'Italie sep- 
tentrionale et la principaut6 de Monaco, par un Alsacien. 8. 
316 p. Paris-Nice, Marpon et Flammarion. fr. 3 50 



f.T. 



r 



— 140 — 

499 Pfannenschmidt i H. Fastnachtgebränche in Elsass-Lothringen 
gesammelt u. erläutert, gr. 8. «^ S. Colmar, Barth. (Sep.-Abdr. 
aus Revue nouv. d'Alsace-Lorraine.) U^ 1 60 

ÖOO — Weihnachts-, Neujahrs- u. Drei-Königslieder a. d. Ober-Elsass. 
8. 26 S. Colmar, Barth. (Sep.-Abdr. a. Revue nouv. d'Alsace- 
Lorraine, Jan. 1884.) i^ — 80 

501 Bathgeber, JtUius. Eine Strassb. Buchdruckerfamilie [Levranlt]. 
(S. A. a. d. Gemeinde-Ztg. f. E.-L. 1884, Nr. 11 u. 12. Strassb., 
Druck V. R. Schultz u. Cie. [1884]. 8. 

502 Bebe, Maria. Aschenbrödel. Kurze Anleitung zum Kochen för 
einzelne in der Zeit beschränkte Leute. Rappoltsweiler, Lutz. 
8. 24 S. .^ - 30 

503 Der Rektoratswechsel an d. Kaiser-Wilhelms-Üniversität Strassb. 
am 1. Mai 1884. Strassburg, Heitz. 47 S. 

504 Beu88, Bud. Geschichte des Neuhofes bei Strassburg. Eine bist 
Skizze nach ungedr. Dokumenten d. Stadtarchives. Strassburg. 
Bull. 8. 107 S. ^ 1 80 

505 Biocour, comte E. de. Les monnaies lorraines. 8. 44 p. Nancy, 
impr. Cr6pin-Leblond. (Extr. des M6m. de la Soci6t6 d'arch^ol 
lorraine, p 1884.) 

506 Schricker, Ä. Kaiser-Wilhelms-Universität Strassb. 15 Ansichten 
in Lichtdmck von J. Krämer. Mit Text v. A. S. qu. 4. 13 BL 
Text. Strassburg, Bull. cart. JL 1 — 

507 Spengler, H. Aus Kerkermauern. Bilder aus d. Verbrecherleben. 
8. 271 S. Heidelberg, Weiss. •^ 4 - 

508 Sturm. Die Einweihung der neuen Gebäude d. Kaiser-Wilhelms- 
Üniversität Sti'assburg. unter möglichster Benutzung der Strassb. 
Post u. Landeszeitung für Elsass-Lothringen geschildert, gr. 8. 
Vn, 80 S. Strassburg, Bull. JC 1 - 

509 Gauthier, Jules. Repertoire arch^ologique du canton de l'Isle- 
sur-le-Doubs. 8. 15 p et pl. BesanQon, Marion, Morel et Cie. 

510 Nancy-Pepini^re, Kermesse du 13 juill. 1884. Programme, Journal 
special de la f§te. Texte et dessins in^dits. 4. 16 p. et annonces. 
Nancy, Berger-Levrault et Cie. 

IX. Kunstgeschichte. 

511 Bonnoff e, Edm. Le MausoUe de Claude de Lorraine, gr. 8. 24 p. 
Avec vign. Paris, imp. Quantin (Extrait de la Gazette des beanx- 
arts. Octobre 1884.) 

512 de Boureulle. L^Abbaye de Remiremont et Catherine de Lorraine. 
8. 33 p. St-Di6, imp. Humbert (Extrait du Bulletin de la societ^ 
philomathique vosgienne. Ann4e 1883|84.) 

513 Germain, L. Inscription d'autel du XV« si^cle ä Marville (Meuse). 
8. 8 p. Nancy, Cr6pin-Leblond. (Extrait du Journal de la soci6t6 
d'archeologie lon-aine. Fev. 1884.) 

514 — ün sculpteur normand d'origine lorraine. 8. 8 p. Nancy, imp. 
Crepin-Leblond. 

515 Krau^j Fr. X. Kxmst u. Alter thum in Elsass-Lothringen. Beschrei- 
bende Statistik, im Auftrage des kaiserl. Ministeriums f. Elsass- 
Lothringen hrsgb. n. Bd. 3. Abth. gr. 8. (IX. u. S. 417-719 mit 
51 eingedruckten Holzschnitten u. 3 Lichtdr. Tafeln.) Strassburg 
Scbnüdt. (I. u. II. JC^O —.) u» 5 - 






— 141 - 

516 Landsberg^ Abbesse Herrade de. Hortus deliciamm. Reprodaction 
h^liographiqne d'ane s^rie de miniatures calqnöes snr roriglnal 
de ce mannscrit dn XII' si^cle. Texte explicatif par le chanoine 
Straub. Ed. par la sociSt^ des monaments historiques d^Alsace. 
Liv. 4. gr. fol. (10 Lichtdrucktafeln mit 2 Bl. Text.) Strassburg, 
Trübner. (1-4 JL 65.50.) JL \b — 

617 Pattisony Müe Mark. Claude Lorrain, sa vie et ses oeuvres, 
d'aprSs des documents in^dits. 4. Paris. 

518 (iuitard, lAopdd. Monnaie in^dite d^un maltre Schevin de Metz. 
8. 4. p. Avec dessins. Nancy^ Cr^pin-Leblond. (Extrait des m6- 
moires de la soci^t^ d^arch^ologie lorraine pour 1884.) 

519 Renaissance, Deutsche. Sammlung von Gegenständen d. Ärchi- 
tectur, Decoration und Kunstgewerbe, unter Mitwirkung von 
Fachgenossen hrsgb. von A. Ortwin , fortgesetzt von A. Scheffers. 
Abth. XLIV : C o 1 m a r und Umgebung. 4 Hefte von Studirenden 
der technischen Hochschule zu Aachen. 4 Hft. ä 10 Bl. fol. ^ jit 2 40 

520 Schulze, L. Die Kathedrale in Metz. Mit einer Abbildung (den 
projectirten Dachreiter zeigend.) Im christl. Kunstblatt f. Kirche 
Schule und Haus, hrsgb. von H. Menz und C. G. Pfannenschmidt. 
1884. Nr. 7. Stuttgart, Steinkopf. 

X. Litteraturgeschichte. 

521 Bälde, J. Carmina lyrica. Recognovit annotationibusque illustravit 
B. Müller. £d. nova. A. Coppenrath, Regensburg. Jü 1 50. 

522 Falk, Paul Th. Friederike Brion von Sesenheim (1752-1813). 
Eine chronolog. bearb. Biographie nach neuem Material aus dem 
Lenz-Nachlasse. Mit 1 Portrait und 4 Zeichn. in Lichtdr. sowie 
3 facsimil. Briefen, gr. 8. XVI. 86. S. Berlin, Kamiah U> 4 — 

523 Fischart, Joh. «Das glückhafft Schiff». 4. 23 S. mit facs. Titel. 
Strassburg, Bull. JC 1 — 

524 — Dasselbe. Prima versione metrica (La nave awentorosa di 
Zurigo) del Dr. A. Baragiola. 4. 57. S. Ebend. Jt 2 — 

525 Wendeler, CamiUus. Zu Fischarts Bildergedichten. (Schnorrs 
Archiv f. Litteraturgesch. XII, 485-532.) 

526 Leconte, Alfred. Rouget de Lisle et B^ranger. Poöme historique. 
8, 12 p. avec vign. de CoU-Tac. Paris, imp. Duval. 

527 Lefie. Dramatischer Nachlass, hrsgb. und eingeleitet von K. Wein- 
hold. Frankfurt a.|M., Literarische Anstalt. JL 1 — 

528 — Lyrisches aus dem Nachlass, aufgefunden von Karl Ludivig. 
Mit Silhouetten von Lenz u. Goethe. 8. XV. 140 S. Berl., Kamiah. 

JH 1 80 

529 Linnig, Frz. Walther von Aquitannien. Heldengedicht in 12 
Gesängen mit Beiträgen zur Heldensage und Mythologie. 2. verb. 
Aufl. «. XVI. 130 S. Paderborn, F. Schöningh. UK 1 20 

530 Mündel, Curt. Elsässische Volkslieder gesammelt und herausgeg. 
8. XV. 302. S. Strassburg, Trübner. uK 3 — . geb. JL ^ b(y 

531 Otfrid's Evangelienbuch. Mit Einleitg., erklär. Anmerkungen u. 
ausführlichem Glossar, hrsg. von F. Piper. 2 Th. : Glossar und 
Abriss der Grammatik. 5 u. 6. (Schluss-) Lieferung, gr. 8. IX. 
S. 513-696. Freiburg, Mohr, h, Jt S —. (compl. Jü 26 — ) 

532 — Evangelienbuch, hrsgb. v. Paul Pieper. I. Theil. Einleitung 
Text. 2. Ausg. XV. 344 S. (Bücherschatz germanischer, hrsgb. v. 
A. Holder. Freiburg, Mohr. Bd. IV.) Ulf 1 — 

532 a — Dasselbe. 2. Thl. Kurzes Wörterbuch. 64 S. Ebend. Ji 1 — 



f"n- 



— 142 — 

6a3 Fünf Briefe an G. K. Ffeffd, mitgetheilt von Jacob Keller (Schnom 
Archiv f. Litteraturgesch. XII. 289-300). 

534 Rdbanyy Ch. Les Schweighseuser. Biographie d^ane famille de 
savants alsaciens. Paris, Berger-Levranlt. 1884. 128 p. 

535 Rathgeber, J. Eine Strassbnrger Bnchdrackerfamilie (Levrault). 
Sep.-Abdr. aus der Gemeindeztg. f. E.-L. 1884. Nr. 11 n. 12. 11 S. 

536 Wimpfelingj Jeu;. Germania übersetzt und erläutert von E. Martin. 
Mit ungedruckten Briefen von Geiler und Wimpfeling. Ein Bei- 
trag zur Frage nach der Nationalität des Elsasses und zur Vor- 

feschichte der Strassbnrger Universität, gr. 8. 118 S. Strassb. 1885. 
rübner. Ult 2 50 

XI. Schöne Litteratur. 

537 Älbrechtj Herrn. Die Häfnetjungfer. Eine Rebländer Dorfgeschichte 
aus dem vorigen Jahrh. 8. 2^ S. Karlsruhe. Bielefeld. JC S bO 

538 Amour ou Patrie, Souvenirs d'Alsace 1870/71. 5« 6dit. 18. XIV. 
246. Paris, Fischbacher. 

539 BajUy Henri. Le demier jour de Toption, Episode alsacien-lorrain 
en deux actes. pet. 8. 71 p. Paris, A. Bailly. 

540 Bcdzan, Jean. Souvenirs de la guerre de 1870. Po6sie. 16. 7 p. 
Marseille, Librairie marseillaise. fr. — 40 

541 Bomi, Edgar. Le songe dMne mere. Metz, imp. Bontillot. 1884. 8. 

542 Brey, Xavier. Litanies de saint-Bismark, d4di6es aux Alsaciens- 
Lorrains. 12. 8 p. Commercy, imp. Tugny. fr. — 10 

543 Burtz, Patd. Ausgewählte Schriften. Sanunlung I (1869-1870). 
Rixheim, Buchdr. von A. Sutter. 1884. 8. 

544 DaigneaUy Alb. Alsace, Souvenirs, esp^rance (vers). 8. 7 p. Fon- 
tainebleau, imp. Bourges. 

545 DerauJMe, Favi. Monsieur le Hulan et les trois couleurs. Conte 
de Noel. ülustrations de Kauffmann. Paris, A Lahure, 4. 1884. 

546 DorCy Mad. C. Drohenic ou le bless6 des Vosges. Fahles come- 
dies etc. 12. 250 p. Paris, T6qui. (Collection St-Michel.) 

547 Dubais, Charles. Les lis rouges, legendes d'Alsace. 8. 191 p. et 
grav. Tours, Mame et fils. (Biblioth. d. 1. jeunesse chr^tienne.) 

548 — R6cits d'un Alsacien. 6« 6dit. 8. 240 p. et grav. Tours, Mame 
et fils. (Bibl. d. 1. jeunesse chrötienne.) 

549 Ducainmun, Elie. Les premi^res larmes de Mathias Schlitt 
(nouvelle alsacienne). 8. 24 p. Nancy, Berger-Levrault et Cie. 
(Extrait de la Revue alsacienne de 1884.) 

550 Durbec, L. La Marseillaise lorraine, chant national. 40. ä 2 col. 
1. p. Paris, imp. Blanpain. 

551 Erchnann-Chatrian. Epoques m^morables de Thistoire de France. 
Avant 89. gr. 8. 127 p. et 4 grav. Paris, Hetzel et Cie. (Bibl. 
des jeunes Fran^ais.) fr. 1 50 

552 — Les Rantzau, com^die en 4 actes. 18. 173 p. Paris, Hetzel 
et Cie. Th6ätre fran^. : Premiere repr§sentation le 27 mars 1882. 

fr. 1 50 

553 — Zum Mainzer Schinken. Eine heitere Geschichte. 8. 134 S. 
Basel, Bemheim. uK — 25, geb. ul — 40 

554 — Histoire d'un homme du peuple. 13« 6dit 18. 378. p. Paris, 
Hetzel et Cie. fr. 3 — 

555 — Histoire d'un paysan. Deuxi^me partie : La patrie en danger. 
1792. 22- 6dit. 18. 354 p. Paris, Hetzel et Cie. 

556 ~ L'ami Fritz. 10« 6dit. 18. 354 p. Paris, Hachette et Cie. fr. 3 ■- 



— 143 — 

557 Ernst, Ämelie. Rimes fran^aises d'une Alsacienne (anciennes et non- 
velles). 4« edit. 12. 76 p. Paris, Libr. des Bibliophiles. 

558 — Ferry-Schützenberger, Le chäteau de Haus. Strasbourg, typ. 
G. Fischbach. 1884. 8. 

559 G. Gayelin. Lebensregeln für Jünglinge und Handelsvorschriften. 
Gebweiler u. Leipzig, Boltze. 1884. 79 S. 

560 Hagelt, Alb. Der königl. Prätor von Strassburg. Historisches 
Drama in fünf Acten. 8. XIV. 171 S. Ulf 2 40 

561 Halka, Alex. Die heilige Odilia. Schauspiel in 3 Aufzügen. 8. 71 S. 
Wien, Kirsch. .# — 80 

562 Hom, Mor, Göthe in Strassburg und Sesenheim. Dichtg. 2. 
(Titel-) Ausgabe. 12. lY. 120 S. Kassel (1875) Kleimenhagen. 

JC 1 bO, geb. JL 2 — 

563 Jäger, Äug. Der Pfarrer und sein Sohn. Ein Bild aus dem 
30 jährigen Krieg im Elsass. 2. Aufl. Strassburg, Bull 1884. 
123 S. U« 1 — 

564 Jensen, Wilh. Die Pfeifer von Dusenbach. Eine romantische Er- 
zählung aus dem Elsass. 2 Bde. VH. 244 u. 224 S. Leipzig, 
Schlicke. Ul 10 — , geb. UT 12 — 

565 Linden, Adrian. Une histoire du bon vieux temps: Harelle, le 
boulanger de Metz. 18. 107 p. avec vign. Coulmiers. Paris, 
Delagrave. (Lectures du jeudi.) fr. — 50 

565 a Lix, Tony. Tout pour la Patrie. 8. 244 p. Paris, Bray-Retauc. 

fr. 2 50 

566 Lussan, Alfred. Les franc-tireurs de Strasbourg, sc^ne militaire 
en trois actes. 18. 72 p. Paris, Boyer et Cie. (Nouv. th6&tre 
d^^ducation.) 

567 Lutzelbourg, le vieux. Par la baronne B, 8. 70 S. Baden-Baden 
1883. Sommermeyer. UK 1 20 

568 Maurel, C. Fatdin. Le Less d'une Lorraine, poSsie. 8. 4 p. Tou- 
louse, imp. Passeman et Alquier. 

569 Pereux, H. de. Le Chene creux, chronique alsacienne. 32. 63 p. 
avec vign. Ronen, MSgard et Cie. (Bibl. morale d. 1. jeunesse.) 

570 Teter, F. üebergangszeiten in den Reichslanden. Belletristische 
Skizzen. 12. VXH. 128 S. Baden-Baden 1883. Sommermeyer. Ulf 2 — 

571 Bebe, Maria. Goldene Hauben. Federzeichnungen aus dem Elsass. 
8. 134 S. Gotha 1884. UK 1 60 

572 Byon, Hyppölyte. Le Lion de Beifort, r^cit patriotique. 8. 6 p. 
Paris, Lib. Meuriot. fr. — 15 

573 Bobert, Camiäe. RSve Strange de Franz TAlsacien en 1870 etc. 
Legende fantastique. 18. 71 p. Paris, Dupont. fr. 1 50 

574 Bobischung, F. A. Memoire d*un guide octogSnnaire, Schos des 
vall6es d^Alsace et de Lorraine, gr. 8. 368 p. et grav. Tours, 
Mame et fils. (Bibl. des fam. et des maisons d^Sducation.) 

575 Schneegans. Der todte Kosack. Novelle. In Westermann's Monats- 
heften. 1884 Juli. 

576 Schure, Ed. La legende de TAlsace, vers. 18. 325. Paris, Char- 
pentier et Cie. fr. 3 50 

577 Siebecker, Edouard A. Son-Tay, poSsie dite ä TassembUe g6n6- 
rale de Tassociation generale d'Aisace-Lorraine le 30 mars 1884 
k rhötel des chambres syndicales. 12. 7 p. Nancy, imp. Berger- 
Levrault et Cie. 

578 Spreer, Otto. Strassburgs Eichenkranz. Volks-Epos. 20 S. (Aus 
Groschenbl. Nr. 3 u. 4.) Leipz., Buchh. des Yereinshauses. uK — 20 



un* 



— 144 — 

579 Stöber, Adolf. Ephenkranz auf das Grabmal einer Heimgegangenen. 
Lieder ans dem Trauerjahre. Freunden und Trauernden gewidmet 
Mülhausen, S. Petry. 1884. Ul 2 - 

580 Tuefferd, E, H. et Ganter. R6cits et legendes d^Alsace. Avec 12 
compositions hors texte et 44 vign. de Qanier. gr. 4. Vn. 71 p. 
Nancy, Berger-Levrault et Cie. fr. 15 — 

581 Vögtlin, C. A. Gedicht zur Einweihung der Kaiser-Wilhelms- 
Universitat Strassburg. Oct. 1884. Strassb., Druck y. M. Dumont- 
Schauberc. 1884. 8. 

582 Wirth, Max. Kaiser Wilhelm u. die Seebacher Bauern. In : Ernste 
und frohe Tage aus meinen Erlebnisse und Streifrügen. Köln 
1884. 8. 383 S. 



xn. Mundart. 



583 Le dialect alsacien aux ^tats provinciaux de Tempire. In Bibl. 
universelle et revue suisse, 89' annSe, troisi^me p^riode, tom. 
XXn. Nr. 64. Avril 1884. (Behandelt die Dialectrede Grad's um 
Landesausschuss.) 

584 Lustig, A. Der höchste Platz. Gedicht im Miilhauser Dialeci 
Magazin f. Litteratur des In- und Auslandes. 1884. Nr. 30. 

585 Lustig, A. Zwei Erfindnnge. Theaterstück uf Milhuserditsch mit 
Gesang. Mulhouse, imp. Brustlein et Cie. 1884. 8. 



XIII. 



Chronik für 1884. 



2. Februar: Der Geburtstag des Strassburger Dichters 
Daniel Hirtz, welcher sein 80. Lebensjahr beschliesst, wird 
durch ein Fest im Hotel de Paris gefeiert, an welchem noch 
drei gleichaltrige Freunde teilnehmen : Prof. Ed. Reuss, geb. 
16. Juni 4804, Oberconsistorialpräsident E. Kratz, geb. 3. Juli 
1803 (gest. 18. Jan. 4885), Christian Hackenschmidt, geb. 20. 
Mai 4804. 

49. März : August Stöber in Mülhausen stirbt (geb. 4808). 

3. Mai: Enthüllung des Züricher Brunnens mit Fischarts 
Büste. 

5. Juli : Züricher wiederholen die Fahrt mit dem Hirsebrei 
und werden vom Ruderverein empfangen. 

6. Juli : Enthüllung der Gedenktafel für Chamisso auf Burg 
Nideck durch den Vogesenclub. 

46. August : Prof. Euting, Präsident des Vogesenclubs, kehrt 
von einer 45 monatlichen Forschungsreise im inneren Arabien 
zurück. 

27. October : Einweihung der neuen Universitätsgebäude 
in Strassburg. 

44. December : Die Oper «Der Trompetei* von Säckingen» 
von Victor Nessler wird im Theater zu Strassburg zum ersten 
Mal aufgeführt. 

22. December : Oberförster von Lasaulx, hochverdient um 
den Vogesenclub, stirbt in Zabern (geb. 4824). 



10 

i 



XIV. 



Statuten und Geschäftsordnung. 



Statuten. 



§ 1. Der historisch-lilterarische Zweij^erein des Vogesen- 
clubs sucht die Kenntnis der Geschichte, Sprache und Litieratur 
Elsass- Lothringens teils durch Vorträge, teils durch Herausgabe 
eines Jahrbuchs zu fordern. 

§ 2. Das Jahrbuch enthalt hauptsachlich kleinere Unter- 
suchungen und Quellen, sowie eine Uebersicht der ira vorher- 
gegangenen Jahre erschienenen Schriften aus den genannten 
Gebieten. 

§ 3. Der Zweigverein versammelt sich jedes Mal am zweiten 
Sonntag im November zu Strassburg und ernennt den V^or- 
sitzenden und die Mitglieder der Gommission, welche die Aus- 
wahl der Aufsätze für das Jahrbuch bestimmt. 

§ 4. Im Anschluss an diese Versammlung findet ein Vortrag 
statt; zu sonstigen Vorträgen ladet der Vorsitzende die Mit- 
glieder des Zweigvereins durch die Zeitungen ein. 

§ 5. Mitglied des Zweigvereins ist jedes Mitglied des Vo- 
gesenclubs, welches für die Zwecke des Zweigvereins eine Mark 
jährlichen Beitrag zahlt. 

§ 6. Jedes Mitglied des Zweigvereins erhält ein Exemplar 
des Jahrbuchs. 

§ 7. Für den Buchhandel wird der Ladenpreis eines 
jeden Jahrgangs durch die Redaclionscommission festgestellt. 

§ 8. Der Zweigverein behält sich das Recht vor, mit 
anderen historischen Vereinen in Schriftenaustausch zu treten, 
und über die dadurch erworbenen Druckwerke zu verfügen. 



r 



— 147 — 



GeschSftsordmmg. 

§ i. Der Vorstand besteht aus 45 Mitgliedern. 

§ 2. Er wird vom Vorsitzenden um Neujahr berufen, 
um die in das Jahrbuch aufzunehmenden Beiträge zu be- 
stimmen. 

§ 3. Bei Meinungsverschiedenheiten entscheidet die Mehrheit 
der abgegebenen Stimmen. Bei Stimmengleichheit entscheidet 
der Vorsitzende. Ausserhalb Strassburg's Wohnende können ihr 
Votum schriftlich abgeben. 

§ 4. Das Jahrbuch erhält den Titel : Jahrbuch für Ge- 
schichte, Sprache und Litteratur Elsass-Lothringens, heraus- 
{f^ben von dem historisch - litterarischen Zweigverein des 
Vo^esenclubs. 

§ 5. Jeder Beitragende kann 5 Sonderabdrücke seines 
Artikels verlangen. 

§ 6. Jedes Mitglied kann ausser seinem Exemplar noch 
andere zum buchhändlerischen Nettopreise beziehen. 

§ 7. Der Vorstand wird ermächtigt, wegen des in § 8 der 
Statuten vorgesehenen Schriftenaustausches mit anderen Ver- 
einen in Verbindung zu treten. 



Sitzungsberichte . 



1884. Xu( Gvund der von der Genei-alv« 
resenclubs am 18. Mai angenommenen Statuteal 
i-lilterariitcbe Zweijn'erein seine erste Si(zuD| 
ler neuen Univeisiiät zu Strassburg. Die vo^« 
äftsordnung wiii-de angenommen. In den Vor«« 
vählt die Herren : Oberbibliothekar Prof. Dr. | 
sialdirektor Francke (Saarbui^), Oberlehre 

Bezirksrath Hering (Barr), Pfari-cr Her-I 
r (Horburg), Pfarrer Ibme (Bärenthal), | 
■ug (Buchsweiler), Oberlehrer Dr. Lulhir 
)r. M a r l i n , C, M ü nd el , Archiv-direkt« 
hmidt (Colmar), Pfarrer Batbgeber 
lusschuss-Präsident Dr. J. Schlu m bergen 
ssecretär Dr. Schricker, Archivdirektor« 
klit dem Vera tz wurde Prof, Martin beatif^l 

darauf einen Vortrag über « August Stöberl 
i'oi'scherB. Nach der Sitzung vereinigle eins 
im Bahnhof die auswärtigen mit einigen hie- jj 

'. Sitzung des Vorstandes. Anwesend die j 
Herrenfichneider , Ihme, Luthmer, Martiu, 
er, Schlumlwrger , Schricker, Wiegand;] 
Harbordt. Bestimmung der in das Jahr- J 
zunehmenden Arbeiten. Die Ausführung desJ 
en, S ' der Geschäftsordnung vorgesehenen i 
sa äbernimml Herr Oberbibliothekar Barack; i 
Verke werden der Universitäls- und Landes- ^ 
ien. Herr Stuatsrath Schlumberger leill eint 
livalienftind auf seinem Gute Gulenbrunn i 
■afschafl Saarwerden mit. 



JAMRBUCH 

j GESCHICHTE, SPRACHE UND LITTERATUR | 

ELSASS-LOTHRINGENS 

HERAUSGEGEBEN 



HISTORISCH-LITTERARISCHEN ZWEIGVEREIN 

YOGESEN-CLUBS. 

11. JAHRGANG. 



8TR.^SSB^JRG 
J H. ED. HE1T7- (HEITZ S: MÜNDEL,. | 

1886. 




Vf 



J 



^ Terlag von Karl J. Trttbner In Straaabarg; 

^erke über das Elsass und die Stadt Strassburg. 

Geschichte der deatschen Knnst im Elsass, von A. Woltmann. 
Lex.-8 830 S. mit 74 Holzschnitten. 1876 (Statt JL 10.) JL 5.— 

Geschichte der Medicin und ihrer Lehranstalten in Strassburg vom 
Jahre U97 bis zum Jahre 1872 von Friedr. Wieger. 4. 173 S- 
mit 12 Holzschnitten. 1885. Ul 6. — 

Die Rheinschifffahrt Strassbnrgs in früherer Zeit und die Strass- 
burger Schiffleutzunft. Nach archivalischen und anderen Quellen 
bearbeitet von C. Loeper. 1877. JL 5. — 

Zur Geschichte des Verkehrs in EIsass-Lothringen, mit beson- 
derer Berücksichtigung der Schifffahrt, des Post-, Eisenbahn- und 
Telegraphenwesens, nach archivalischen und anderen Quellen, nebst 
32 auf das Verkehi sieben bezügl. Urkunden von 1360 — 1779. Von 
C. Loeper. 8. II, '^88 S 1873. M. 4.— 

Strassburg im Schmalkaldischen Kriege, von Alcuin Hol- 
länder. H. VII, 94 S. 1881. U2 2.— 
Stras8burger Freischiessen vom Jahre 1576, von Jacob 
Stimmer. Nach dem Original- Holzschnitt der kaiserlichen Üni- 
versitäts-Bibliothek zu Strassburg in Lichtdruck-Facsimile u. erklä- 
rendem Text herausg. von Dr. A. Schrick er. (In Mappe). .Äl 12. — 

Moderne Cultnrzustände im Elsass , von Ludwig Spach. 
3 Bde 1873—74. M 13.— 

Jacob Sturm. Rede, gehalten bei üebernahme des Rectorats der 
Universität Strassburg am 1. Mai 1876, von Herm. Baum- 
garten. 8. 34 S. 187Ü. Jl — .M) 

Dreizehn Burgen des Unter-Elsasses und Bad Niederbronn. 
Nach historischen Urkunden von Joh. Georg Lehmann. H. 
243 S. 1878. JL6.— 

Elsässische Volkslieder, gesammelt und herausgegeben von Gurt 
Mündel. 8. 300 S. 1884. .M. 3.— 

Strassburg's Blüte und die volkswirthschaftliche Revolution im 
XIII Jahrhundert, von Gust Schm oller 35 S, »874. JL 1.— 

Strassburg zur Zeit der Zunftkämpfe und die Reform seiner Ver- 
fassung und Verwaltung im XV. Jahrhundert. Mit einem Anhang, 
enthaltend die Reformation der Stadtordnung von 1405 und die 
Ordnung der Fünfzehner von 1433, von Gußt. Schmolle r. 8. 
IX. 164 S. 1875. Jl 3.— 

Die Strassburger Tucher- und Weberzunft. Urkunden und Dar- 
stellung, nebst Regesten und Glossar. Ein Beitrag zur Geschichte 
der deutschen Weberei und des deutschen Gewerberechts vom XIII. 
bis XVIL Jahrhundert, von Gust. Sc hm oll er. 4. XXI, 588 S. 
1879. u« 25 — 

Urkundenbuch der Stadt Strassburg. 

I. Band : Urkunden und Stadtrechte bis zum Jahre 1266. Bear- 

beitet von W. Wiegand. 4. XV, 585 S. 1879. .Ä 30.— 
II. Band : Politische Urkunden von 1266—1332. Bearbeitet von 

W. Wiegand. (Unter der Presse.) 

ni. Band : Privatrechtliche Urkunden und Amtslisten von 1266 — 
1332. Bearbeitet von A. Schulte. 4. XL VII, 451 S. 
1884. Jt 24.— 

Politische Correspondenz der Stadt Strassburg in der Refor- 
mationszeit. 
L Band: 1517—1530. Bearbeitet von H. Virck. Lex-8. Xm, 
598 S. ur 14.— 

II. Band : Bearbeitet von 0. Winckelmann. (In Vorbereitung.) 
Strassburger Studien , Zeitschrift für Geschichte , Sprache und 
Litteratur des Elsasses, herausgegeben von Ernst Martin und 
Wilh. Wiegand. 
I. Band. 8. 1883. U? 12.— 

II. Band. 8. mit 4 Karten. 1884/85. JL 15.— 



JAHRBUCH 



FÜR 



GESCHICHTE, SPRACHE UND LITTERATUR 



ELSASS-LOTHRINGENS 



HERAUSGEGEBEN 



VON DEM 



HISTORISCH-LITTERARISCHEN ZWEIGVEREIN 



DES 



VOGESEN-CLUBS. 



II. JAHRGANG. 



STRASSBURG 

J. H. ED. HEITZ (HEITZ & MÜNDEL). 

1886. 



^ 



THE Ni. . 

PUBLIC Li... 



\ r 



A8T0R, LENOX AND 
TILDEN FOUN DAT IONS. 
Ä 19C6 L 



Strassburg, Druck von J. H. Ed. Heitz (Heitz a Mdndel). 



Inhalt. 



Seite 



I. Daniel Specklin, sein Leben und Tätigkeit als Baumeister, 

von R. Schadow . . . . . .' 5 

n. Dichtungen des Ermoldus' Nigellus, üBersetzt von Th. 

Rein hart 61 

ni. Zur Geschichte der Bergwerke bei Markirch, von C. L öper 72 

lY. Notiz über den Ursprung von Barr^ von Ed. Hering . 96 

Y. Die Mundart des mittleren Zomthales, lexikalisch dar- 
gestellt von H. Lienhart 112 

VL Zwei elsässische Dichter, Karl Candidus und Gustav Mühl, 

geschildert von E. Martin 145 

VH Argentovaria-Horburg. Nachtrag zu Jahrbuch I S. 25, 

von E. A. Herrenschneider 156 

VnL Schützenordnung von Reichenweier, mitgeteilt von E d. 

Ensfelder 159 

IX. Mundartliches .... 167 

I. Sprachproben aus dem Münsterthale, von J. Spieser 167 

II. D^zwai Sti&fschwesterle, von G. Gayelin . . . 169 

X. Hochdeutsche Dichtung 174 

I. Die weisse Frau am Montorifelsen, von R. Barg- 

mann 174 

II. Mein Elsass, von Ch. Schmitt 176 

XL Volkstümliche Feste, Sitten und Gebräuche in Elsass- 

Lothringen 1885 178 

Xn. Kleinere Mitteilungen von A. Socin, Francke, Martin 192 

XnL Analecta Speckliniana, von R. Reuss 196 

XIV. Elsass-Lothringische Bibliographie, von E. Markwald 

und C. Mündel 214 

XV. Chronik 251 

XVL Sitzungsberichte 252 

XVn. Verzeichnis der Vereine, mit welchen der historisch-litte- 
rarische Zweigverein des Vogesen-Clubs in Schriftenaus- 
tausch getreten ist 254 



I. 



Daniel Specklin, 



sein Leben und seine Tätigkeit als Baumeister 



von 

I 



Richard Schadow. 



In seiner Gesddchie der deutschen Kiuist itn Elsass 
nennt Alfred Woltmann den Baumeister Daniel Specklin 
wn Strassburg eine der interessantesten Künstlernaturen 
mner Zeit^. Diese ist die zweite Hälfte des sechzehnten 
Jahrhunderts, wo die von den Italienern wiedererweckte 
Kunst die Berge bereits überschritten und auch im deutschen 
Bürgertum Verständnis und Entgegenkommen gefunden, wo 
die freie Wissenschaft in zahlreichen gelehrten Schulen 
gepßegt und durch neue Erfindungen gefördert, sich unent- 
behrlich gemacht hatte, wo endlich die durch den Augs- 
burger Religion s frieden beigelegten kirchlichen Streitigkeiten 
wenigstens für zwei Menschenalter dem deutschen Geiste 
^ich zu entfalten gestatteten. Und gerade icie die italienische 
Renaissance- Zeit Universalgeister, wie Alberti und Lionardo, 
zeitigte, so auch die deutsche ; zu solchen darf Specklin 
gezahlt werden. Benutzt ihn doch der Historiker als Chro- 
nisten und Ueberlieferer mancher wertvollen Notiz, sttidirt 

^ S. 303. 



— 6 



der Geograph nach seiner Karte des Elsasses längst vom 
Erdboden verschwundene Burgen und Ortschaften, rühmt 
ihn der Fortificationsoffizier als den Urheber trefflicJwr, ewig 
wahrer Principien, während Ingenieur und Architekt ihren 
Anteil behaupten, folglich das Interesse des Kunsthistorikers 
in hohem Masse beansprucht wird. 

Allen Aeusserungen von Specklins reichem Geiste nach- 
zugehen, war mir nicht beschieden : hier ist meine Absicht, 
eine Skizze seines Lebens zu geben, und die Werke des 
Baumeisters und Künstlers eingehender zu betrachten, wäh- 
rend die Beurteilung des Chronisten anderweitiger Forschwig 
an heim gegeben sei. 



Kapitel I. Leben. 



§ 1. Jugend und Lehre. 



D. 



'er Name Specklin wird bereits in der ersten Hälfte de^ 
15. Jahrhunderts erwähnt, und zwar im Schwäbischen Ober- 
lande« dem heutigen würtenbergischen Donaukreise. 

Ein Berthold Specklin, ehemals Kriegsmann, wie sein 

Wappenbrief von 1429 besagt i, zog sich 1433 in das Kloster 

Weingarten bei Ravensburg zurück , und werden am 

29. April über seine Pfründe Bestimmungen getroffen ». Das 

folgende Jahr nennt den Bürger von Ravensburg Ulrich Specklin : 

«Item eine erste Bete ist geben worden dem Ersamen 

Ulrich SpeckUn Burger zu Ravenspurck uff das Kloster 

in der Awe gelegen. Geben zu Basel Dienstag nach 

des heiligen Crucis tag Anno 1434«.» 

Mithin dürfen wir Schwaben als die Heimat der Familie 

Specklin betrachten, welche, dem Laufe des Rheins folgend, 

über Basel nach Strassburg eingewandert sein mag. 

In Strassburger Documenten nämlich kommt der Name 
zuerst A. 1478 vor, woselbst ein «Speckel der Bott» genannt 
wird ; ob dieser bereits Bürger war, steht dahin. Unter ferner- 
hin erwähnten kommen in Betracht Veit Rudolf der Form- 
schneider, von welchem das Bürgerbuch von 1440 — 1530 » 
meldet : 

«1530. Item Veit Rudolf Speckele der Formenschneider 

hat das Burgrecht für voll erkauft und dient zur Stelzen. 

Actum Sambstag nach Invocavit», 

und ein andrer Bürger Daniel, der Seidensticker, welcher sich 

mit seiner Ehefrau Susanna Wegrauftin zu einer Rente für 



1 J. 30 im Reichs-Registratur-Buch des k. k. Hof- u. Staats- 
Archivs zu Wien. 

2 K. 77 ebenda. 

^ Strassburger Stadtarchiv. 



— 8 — 

den hohen Chor verpflichtet! und der am 14. März 1582 als 
verstorben gemeldet wird«. Dieser erscheint identisch mit dem 
in dem Memoriale der XXI. Herren vom 17. Juni 1566 ge- 
nannten alten Daniel Specklin. Es heisst daselbst : 

«H. Abraham Heldt mit Beistand Michel Lllwein seyns 
Anwalts übergiebt Daniel Specklin eyn schriftlichen 
Gegenbericht, sampt etlichen darinnen angezogenen 
Dokumenten / Von dem alten Daniel Specklin abschrift 
begert und erhalten.» 
Erstgenannter Daniel Specklin ist unser Baumeister, welchen 
wir in den 60. Jahren häußg im Process mit Abraham Heldt 
finden, während die Bezeichnung des letzteren Daniel als des 
«Alten ^> sowol, als auch der Gegenstand des Processes zu der 
Annahme fuhrt, dass von Sohn und Vater die Rede ist; es 
handelt sich nämlich um ein ((Baumstück oder Malt zu Suh*^ 
auf welches der alte Daniel verzichtet haben mochte, dessen 
Besitz aber der Junge nicht fahren lassen wollte*. Somit lasst 
sich Schneegans Vermuthung, dass Daniel Specklin, der Seiden- 
sticher, des gleichnamigen Baumeisters Vater gewesen sei, zur 
Gewissheit erheben, während Passavants Schluss, Veit Rudolf der 
Formenschneider sei des Baumeisters Vater gewesen, falsch ist*. 
Fernere Schreibweisen des Namens, deren Specklin sich 
mehrenteils selbst bedient, sind folgende : Speckle, Specke!, 
Speckkle, Speckkel, Speckkl, Speckele, Späcklein ; tles Alters 
und der Häufigkeit halber bevorzuge ich die Form : Specklin. 
Unser D. Specklin wurde A. 1536 zu Strassburg geboren, 
wie die Umschrift seines von Theodor de Bry gestochenen Bild- 
nisses besagt. Sie lautet : «Daniel Speckle Architectus Argenti- 
nensis nascitur A» MDXXXVI obijt Argentinae X^ MDLXXXIX^.d 
Ueber die Jugend giebt un.*< ein Grossen-Rats-Protokoll de A. 15(>r> 
einige Auskunft : «Daniel Specklin, Formenschneider und Seiden- 
sticker, ist in seiner Jugend etwas unnütz und mutwillig ge- 
wesen mit Frauenvolk, Schlagen und Händel, wie aus diesem 
und anderen Protokollen zu ersehen ß.» 



1 Schenkbuch, Franenhaus. 

2 Elsässische Neujahrsblätter für 1847, Aufsatz über D. Specklin 
von L. Schneegans, S. 312, 2. 

» XXI. M6m. de 1565 f. 270a (nicht 170 a; Strassb. Stadtarch. 

* Feintre-Graveur, III, p. 350. 

^ Ein solcher Stich ward Specklins Architectura von Vestungen etc. 
II. Ausg. V. 1599 beigegeben. S. a. Stadt. Kupferstichcab. n. a. a. 

ö Dasselbe ist verloren, wurde zuerst abgedruckt im Bürgerfreund, 
Strassburg 1776, S. 795. Die Biographie daselbst kann nicht, wie 
Schneegans Ansicht, von Silbermann sein, da demselben am Schlüsse 



— 9 — 

Um einen Augenblick bei den erwähnten Kunstzweigen zu 
vei*weilen, so ist bekannt, dass die Stickerei mit Gold- und 
Silberfaden, Edelsteinen und Seide im Mittelalter lebhaft in 
Süddeutschland geblüht hat ; und dass diese Technik auch im 
Elsass geübt worden ist, mag der Umstand beweisen, dass 
Seidenslicker oder Sticker 'zum Eigennamen ward, wie der 
Dr. Constantin «Phrygio», Docent in Schlettstadt, dann in Basel, 
später in Tübingen dartut'. Im besonderen bemerkt Schnee- 
gans, dass die Strassburger Seidenstickerei eines weitverbrei- 
teten Rufes genossen habe, indem noch im Jahre 1570 Kaiser 
Maximilian II. um Uebersendung von Strassburger Seidenstickern 
mit dem Stadtrat verhandelte 2. — Weit bekannter ist, wie die 
Formenschneidekunst, durch Johann Gänsefleischs (Gutenbergs) 
Erfmdung bedeutend gefördert und in ganz neue Bahnen gelenkt, 
sich zu Strassburg trefflichster Pflege und hoher Blüte erfreute. 
Denn wenn zwar unter Form schneidern zunächst die Verfer- 
tiger von Schrifttypen verstanden werden, so haben wir hier 
doch an zeichnende Holzschneider zu denken ; und da braucht 
man nur an Namen wie Hans Baidung Grien, Johann Wechtlin 
oder die (Heinr. V.) Heinrich Vogtherr zu erinnern. Gab es doch 
in Specklins Familie selbst einen solchen Formenschneider, den 
bereits erwähnten Veit Rudolf, welcher für das A. d542 in Basel 
erschienene Werk : De historia stirpium commentarii insignes etc. 
von Leonhard Fuchs dessen Bildnis, sowie die der Maler H. Füll- 
meier, Albert Meyer und sein eigenes auf Holz schnitt. 

Da also Specklin in seiner Jugend Formenschneider und 
Seidenslicker gewesen ist, so steht der Annahme nichts ent- 
gegen, dass er als Sohn eines Seidenstickers zunächst dieses 
Gewerbe betrieben hat, sich aber, da der Formenschnitt ihm 
mehr zusagte, diesem zuwandte, worin zu arbeiten ihm seitens 
seines Verwandten Veit Rudolf sicherlich Gelegenheit und Unter- 
richt ward. Jedenfalls aus beiden Fähigkeiten erwarb er die 
Grundlage alles künstlerischen Schaffens : die Fertigkeit im 
Zeichnen oder « Reissen » ; auch aus der Seidenstickerei, welche 
Muster und Vorzeichnungen erfordert und den Formensinn wol 
zu bilden vermag. 



für Ueberlassung des de Bry'schen Stiches Dank abgestattet wird; 
A. W. Strubel, Vaterl. Gesch. d. Eis. IV, S. 262 f. nennt als den 
Verfasser derselben G. H. Hollenberg in Göttingen. 

» Strebet, Vaterl. Gesch. d. Eis. IV, S. 122 f. 

2 Eis. Neujahrsbl. S. 313, 4. 



— 10 — 

§ 2. Wandeijahre. 

Mit neunzehn Jahren scheint sich Specklin auf die Wander- 
schaft begeben zu haben, wenigstens finden wir ihn, nach seiner 
eigenen Aussage, 1555 zu Wien. Er erzählt nämlich in seiner 
«Architectura von Vestungen etc.^D: «Dann Anno 1555, ehe 
man den Kerner Thurn (= Kärnthner Thurm) abgebrochen, 
bin ich selbst in zween hülen hart darneben und darund^r 

gewesen » und nennt auch in einem andern W^erke * von 

1588, welches später zu besprechen ist, einen Meister, der in 
praktischer, wie künstlerischer Hinsicht gleich bedeutend er- 
scheint, und dessen Ruf ihn offenbar nach der Kaiserstadl 
hingezogen hat. Die Stelle daselbst 3 lautet folgendermassen : 
«Dieweyl nuhn Ich über die dreyssig Jahr In vielen 
Endenn Auch in Hungaren wiider den Türken man- 
cherley Vestungen hab helffen berathschlagen Unndt 
Auffhauwen mit Herren Johann Schalutzer Obrister 

Bauwmeyster Auch mit Herren Lazarj von Schwendy 

selligen, do man offl schlecht genug hatt undt dannoch 

vor dem Türkhen erhalten wurdt, doch hab Ich under 

den fürnembsten die grössten Pasteyen zu Wien Go- 

morrha* undt Rab helffen erbauwen.» 

Da der hier genannte Schalutzer der einzige Meister ist, 

welchen man als den Lehrer Specklins irt eigentlichen Sinne 

bezeichnen kann, so sei es gestattet, einige Augenblicke \m 

dieser Persönlichkeit zu verweilen 5. 

Der Name findet sich in mannigfachen Formen «, deren 
häufigste Schallanzer ist. Das Geschlecht stammt ursprünglich 
aus Leoben in Steiermark, ist aber bereits im 15. Jahrhundert 
in Wien ansässig. Der erste, welcher eine nicht unbedeutende 



1 I. Ausg. V. 1589, Cap. XVIII, fol 35 a. 

2 Architectur- unndt Bauw-Ordnung Ober die Stadt Basell, v. 1588. 
M. S. im Baseler Stadtarchiv. 

3 p. 79 b. 
* Komorn 

^ Hr. Dr. Alb. Ilg in Wien hatte die Güte, mir die interessanten 
Notizen über Seh. und seine Familie zukommen zu lassen, welche 
ich im folgenden wiedergebe und wofür ich hierselbst meinen besten 
Dank ausspreche. 

ß Es finden sich elf verschiedene Schreibarten. Der Bürgerfreund 
bringt die stark abgeschliffene Form Solizer, Schneegans hat Solizar; 
daher fasst Lübke (Gesch. d. deutsch. Renaiss.-Archit. 1882) irrthüm- 
licher Weise Specklins Lehrer, Solizer (I, 276). und den Architekten 
Schallantzer (11, 58) als zwei Personen auf 



— 14 — 

Rolle in der Bürgerschaft spielt, ist der Metsieder Hans, ein 
«Pankart», welche Eigenschaft ihm Michael Behaim i auch 
dann noch vorhält, als ihn der Kaiser bereits durch Brief und 
Siegel legitim gemacht hat. Ein zweiter Johannes war in 
Diensten Herzog Albrechts V., starb 4451 ; wieder ein Johannes 
war kaiserlicher G^heimschreiber, starb 4489, und ein Barlo- 
lomaeus genannter, ebenfalls in kaiserlichen Diensten stehend, 
starb 4&102. 

Der berühmteste Sprosse des Geschlechtes ist jedoch Her- 
mann Schallantzer, der Oheim des berühmten Historikers 
Dr. Lazius, dessen Mutter Ottilia seine Schwester war, und 
in innigem Freundschaftsverbande mit diesem stehend; er 
mochte nach 4490 geboren sein, wollte sich nach Humanisten- 
sitte lieber Hermes, als Hermann genannt wissen, war Archi- 
tekt, «kaiserlicher Bau-Superintendent» und eifriger Sammler 
antiker Fundgegenstande, welche später vom Hofe ei^worben 
worden sein sollen. A. 4547 legte er sein Project für den Bau 
der Kärnthnerbastei vor und verlangte fernere Instructionen 
dafür, musste auch 4548, wo er Bürgermeister » der Stadt war, 
zusammen mit Niclas, Grafen Salm ein Gutachten über diesen 
Bau an den Kaiser abgeben. Aus dem Jahre 4555 haben wir 
folgenden Bericht * über den Stand der Befestigungen : 

«Nachem Im Marcio — — zu Besichtigung der Ange- 
fangen vnd nit vollenden gepey / Öffnung der Stadtmauern 
und Verderbung des Joches vor dem Stubenthor auf der Herrn 
Bürgermaister und Rat antragen und Suplicieren Commissarien 

verordnet /die neben Herrn Bürgermaister und etlichen 

H. des Rates und der Kö. Khu. Mjstt. Paumaister pawschreiber 
H. Schallentzer vnd andern Werchmaistern unter Kamrer Piesch 
Stadtschlosser Stadtmaurer und vil der H. Dienern vor Tag zu 
Besichtigung aller Pastein wier und gepeu umb die ganze Stat 
geritten und gangen, haben Sy .» 

Um dieselbe Zeit entwarf Schallanzer, im Auftrage Fer- 
dinands I., eine Zeichnung zur Aufrichtung des Kenotaphs 



1 Bnch von den Wienern, ed. Th. G. Karajan, Wien 1843. (7,2. 
36,2. 77,3.) 

3 Bericht des Wiener Altertumsvereins, Bd. XII, S. 4, Nr. 2. 

3 Wolfgang Schmölzls Lobspruch Wiens gedenkt des Prangers 
nnd öffentlichen Kornmasses aus dieser Zeit : 

«Hermes Schallantzer liess aufpawn (787) 
Aus beuelch von gemainer Stadt wegn. 
Die solchs bezalt, und liess verlegn 
Ein Pranger und ein stainen mass etc. > 

* Schlager, Wiener Skizzen, I, S. 190. 



— 12 — 

Max I. in der Hofkirche zu Innsbruck ^ ; um das Jahr ioGO 
scheint er dann gestorben zu sein. 

Der Besichtigungsbericht von 1555 bestätigt die eigenen 
Angaben Speckhns ; denn wir dürfen uns nicht daran stossen, 
dass er nach dreissig Jahren die Vornamen verwechselt und 
statt Hermes Johann setzt, da es sicherlich zu dieser Zeit nur 
einen obersten Baumeister Schallanzer gab. Aus der gleichen 
Quelle dürfen wir entnehmen, dass sich Specklin auch bei 
jener Inspizirung im Gefolge des «Paumaisters pawschreibers 
H. Schal lentzer )) befunden hat und überhaupt an den Verbes- 
serungsbauten des Walles tätig gewesen ist. In demselben 
Jahre war er noch an den Befestigungen von Komorn und Rab 
beschäftigt, wie er auch in seiner Architectura * berichtet; so 
wird er etliche Jahre unter Schallantzer in Oesterreich und 
Ungarn gearbeitet und studiert haben, wo man damals auf das 
eifrigste bestrebt war, gegen den anstürmenden Erzfeind, den 
Türken, feste Plätze anzulegen, welche den Bedingungen der 
neuen Kriegführung Rechnung trugen. Damals empfand er 
den Nutzen und die Notwendigkeit guter Verteidigung und 
beschloss, sich diesem Zweige des Baufaches besonders zu 
widmen, wenn er auch, was ihm in der Civil- Architektur 
Bedeutendes begegnete, nicht unbeachtet vorüberziehen Hess. 
Vorab trieb ihn seine Wanderlust vom Fleck, noch andere 
Länder und Städte kennen zu lernen. So soll er, nach dem 
Bericht des Joseph Lang von Kaisersberg », Dänemark, Schweden, 
Polen und Preussen durchwandert haben ; wol möglich, wenn 
es nicht daraus geschlossen ist, dass er Festungen aus ge- 
nannten Ländern in der Architectura beschreibt, z. B. Cronen- 
burg* auf Seeland. Sicher ist, dass er A. 1560* bei dem 
Meister Frantz in Antorif (Antwerpen) war, wohin er den Weg 
durch die genannten nordischen Länder genommen haben mag. 
Er erzählt nämlich, wie er daselbst bei der Roten Porte auf 
Kreidestein gebautes, verwittertes und verwachsenes, enorm 
festes Fundament angetroffen habe, und gibt von dieser Festung, 
welche er die beste in ganz Deutschland nennt, eine auch in 
den Massen so ausführliche Beschreibung, dass man auf seine 
Teilnahme in den Werken schliessen darf. 



1 Birk, Mitth. d. k. k. Central-Comm. XI, S. XXI. 

2 I. Ausg. fol. 18a, b; mit Abbildung der Festungen. 

3 Biographisches Lobgedicht, Architectura II. Ausg. v. 1593 a. folg. 
^ L Ansg. fol. 90 a nebst Abbildung. 

^ M. Frantz leitete von 1540 an die Befestigungsarbeiten von 
Antwerpen, in Diensten Karls V. 



— 13 — 

So ^ngen etliche Jahre, viel bewegt und lehrreich, dahin, 
ohne jedoch den Gesellen seine Heimat vergessen zu lassen, 
in der wir ihn A. 1564, ungefähr ein Jahrzehnt nach seinem 
Auszuge, wiederGnden. Er wurde daselbst von Freunden auf- 
gefordert, «die Stadt Strassburg zu Grund zu legen und abzu- 
contrafehen». Anfang Januar halte Specklin das Werk be- 
gonnen, am 19. Februar 1 kam er bei dem Rat, den Herren 
XXI. um Unterstützung und um die Erlaubniss ein, seine 
Arbeit pubhziren zu dürfen. Die zur Untersuchung der Sache 
gewählten Herren konnten in der Sitzung am 24. April 2 be- 
richten, dass das Werk bereits zwölf Bogen gross, aber noch 
nicht fertig wäre, auch noch etliche Zeit beanspruchen würde ; 
daher gaben sie zu bedenken, ob es nicht besser wäre, das 
unfertige Werk an sich zu nehmen. Diesem Vorschlage pflich- 
teten die Väter der Stadt bei, da sie nicht gesonnen waren, 
einen Neuling zu unterstützen, und von der Veröffentlichung 
eines Stadtplanes Nachteil fürchteten. In Folge dessen wurde 
Specklin veranlasst, seinen Plan in die Kinzlei abzuliefern, 
wofür ihm eine Entschädigung gegeben ward. So scheiterte 
dei* erste Versuch des Technikers, das in der Fremde Gelernte 
zu verwerten, und er musste an sich selbst erfahren, dass der 
Prophet in seinem Vaterland nichts gilt. 

Hierdurch missgestimmt und wol auch durch die rein 
praktische Rücksicht, zu verdienen, veranlasst, begann er nun 
eine Reihe von Processen, namentlich gegen den Ammeister 
Abraham Heldt». Wenn die Notizen des Registrators Clauss- 
rath* recht berichten, dass Specklin wieder «sein Handwerk, 
also das eines Seidenstickers und Formensch neiders wie zuvor, 
betrieben habe 9, so lässt sich daraus wol weniger seine An- 
spruchlosigkeit» folgern, als eben die Sorge ums tägliche Leben. 
Offenbar sucht er festere Stellung, mit welcher Absicht auch 
seine Reise nach Düsseldorf «, A. 1567, zu Meisler Johann, des 
Herzogs Wilhelm von Jülich Baumeister, zusammenzuhängen 
scheint. Das Verhältnis zum Rat hatte sich mittlerweile derartig 
gestaltet, dass seine persönliche Freiheit gefährdet ward ; <la 



1 Mem. de 1564 fol. 52 b, Strassb. Stadtarch. 

2 ebenda 1564 fol. 156a. 

3 üeber eine « Matt zn Sulz » XXI. Mem. de 1565 fol. 270 a ; 
1566 V. 17. Juni; 1568 fol. 359a Strassb. Stadtarch. 

* Claussrath, nicht Clufrath, war von 1594—1612 Stadtarchivar 
zu Strassburg. Siehe J. C. Brucker : Les archives de la ville de 
Strasbourg ant6rieurs h. 1790. Str. 187B, p. 12. 

5 Eis. Neujahrsbl. S. 9. 

^ Ärchitectura, I. Ausg. fol. 16 a. 



— 14 — 

er nämlich bei den anjresetzten Terminen häuGg nicht ei-schien, 
auch die auf sein Ausbleiben gesetzte Strafe nichts fruchtete, 
so beschloss man endlich : « so er nitt erscheynde, In Zu Thurn 
legen zu lassen ».td Zu seinem Glück waren indes seine Be- 
ziehungen zu Männern seines Faches und zu Gönnern im Reich 
derartig, dass ihm sein Wunsch erfüllt wurde. ocAnno 4569 d, 
berichtet Glaussrath weiterhin, «ist er zu Herren Carolo Telti 
auch des Kaysers und des Ghurfürslen zu Sachsen Baumeister 
kommen.» So kam er abermals nach Wien. 



§ 3. Meisterjahre. 

Mit dieser Zeit beginnt, obschon das Wanderleben noch 
nicht aulhört, in seinem 33. Lebensjahre, Specklins Meister- 
schaft. Er ist von 1569-71 Rüstmeister« Kaiser Maximilian II. 
und Erzherzog Ferdinands, Directeur du musee d'arlillerie, wie 
L. Spach sich ausdrückt 3 ; auch übertrug ihm der Kaiser die 
Aufsicht über seine Kunstkammer, welche bereits A. 1558 in 
der Burg angelegt war und die von dem kaiserlichen Bau- 
Superintendenten Hermes von Schal lanzer gesammelten Römi- 
schen Altertümer enthielt*, also Specklin schon von früher her 
bekannt sein mochte. Dass aber seine Stellung als Rüstraeister 
ebenfalls eine administrative gewesen sei, lässt sich nicht an- 
nehmen, vielmehr dürfen wir überzeugt sein, dass er an deoi 
Verteidigungswerke und der Sicherung der Grenzen gegen die 
Türken regen und tätigen Anteil genommen hat 5. Dabei ist 
zu beachten, dass er kein Offizier oder Soldat war in unserem 
Sinne, indem man auch aus dem Verse Längs : 

« Daniel Specklin, ein Mann kunstreich, 
Verständig, weisz, dapffer deszgleich » 

nicht auf directe Teilnahme am Kampfe schliessen darf, sondern 
er ist etwa als technischer Reirat oder ä la suite des Ingenieur- 



1 XXL Mem. de 1568, fol. 242 b, 252 b, 485 b Strassb. Stadtarch. 
Einmal, den 23. Juli, lässt er sich mit Abwesenheit von Strassburg 
entschuldigen ; vielleicht war er gerade in Düsseldorf. 

2 Lobgedicht Längs, Eis. Neujahrsbl. 5. 

3 Bullet, de la Soc. pour la conserv. des monum. bist. d'Älsace. 
1858, p. 72. 

^ Mitteilung des Hrn. Dr. A. Ilg. 

5 Ueber Specklins Tätigkeit ist nichts bekannt ; vielleicht können 
die Registratur des k. k. Kriegsministeriums oder Grazer Archive 
noch Aufschluss darüber geben, da von Graz aus die hauptsächliche 
Verteidigung gegen die Türken geleitet worden sind. 



— 15 — 

Corps zu bezeichnen. Die von Militarschriftstellern, von Xylander, 
von Zastrowi, Gärtner», lebhaft ventilirte Frage, ob Specklin 
der Belagerung von Famagusta auf Cypern im Jahre 1571 bei- 
;:ewohnt hat, muss ich verneinen, neben andern Gründen, weil 
er bei der Schilderung dieser Belagerung die Meldung tut, 
dass ein Laufgraben dieser Festung in zehn Tagen soll erobert 
sein», welche Aussage auf fremden Bericht hinweist. Nach 
Osten ist Specklin demnach kaum über Ungarn und Sieben- 
bürgen hinausgekommen. 

Wichtiger für den Bildungsgang, sowol des Ingenieurs, als 
auch des Architekten, ist die Frage, ob er Italien besucht hat, 
zu welcher man durch seine Bekanntschaft mit zeitgenössischen 
italienischen Fortificatoren sowie die Formensprache seiner 
Architectur unwillkürlich geführt wird. Indessen ergeben beide 
Momente, näher betrachtet, keinen genügenden Anhalt für eine 
solche Reise ; die Architektur wird an andrer Stelle erörtert 
werden, die Ingenieure mögen hier in Kürze betrachtet werden. 

Neben dem bereits erwähnten « Carle Detti, Ihr May. Baw- 
rneister*», nennt Specklin uns noch M. Paccioto da Urbino, 
welcher in Diensten des Herzogs Emanuel von Savoyen Turin 
l)efestigte und später, 1567-70, unter Herzog Alba die Gitadelle 
von Antwerpen erbaute», des Hei^ogs von Bouillon Baumeister 
Aui-elio de Passino«, sowie die bekannteren M. Galasso Alghisi? 
und Franciscus Marchis de Bononia». Galeazzo Alghisi, zu 
Carpi geboren, war 1542 in Rom tätig, arbeitete unter Antonio 
da San Gallo am Palazzo Farnese und baute den Tempel zu 
Loreto ; dann ist er in Diensten des Herzogs von Ferrara und 
befindet sich zur Ausführung von Wasserbauten 1561 zu 
Ravenna. Er verfasste einen Tractat in drei Büchern : «Delle 
Fortificalioni », dessen erste Ausgabe 1570 zu Venedig erschien, 
wovon er ein Prachtexemplar dem Kaiser Maximilian II. wid- 
mete®. Diese Beziehung zu Oesterreich, wo Specklin zur Zeit 
tätig war, mag ein persönliches Begegnen beider Meister mit 
sich geführt haben, eher jedoch indem Alghisi nach Deutsch- 



^ Gesch. d. permanent. Befestigung, 1856. I. Cap. 3, S. 106. 

2 von Mareessche Jahrbücher 1878, XXVII. S. 50. 

3 Architectara, I. Ausg. fol. 45 b. 
^ Ebenda fol. )8b. 

^ Ebenpa fol. 178. 
^ Ebenda fol. 75 b. 
7 Ebenda fol. 75 b. 
s Ebenda fol. 15 a. 

9 Carlo Promis, Francesco di Giorgio Martini. In den : Notizie 
historiche p. 83. 



— 16 — 

land ging, als Specklin nach Italien. Francesco de' Marchi, 
geboren 1490 zu Bologna, ist bekannt als der Erbauer der 
neuen Umwallung Roms, unter Papst Paul 111. (Farnese), 
arbeitete auch für den Fürsten von Parma und den Herzog 
von Sessa. Er legte 1556 sein Werk : <^Della Architettura 
militarei^ dem König Philipp II. von Spanien, damals Gatten 
Marias der Katholischen von England, zu Greenwich vor; und 
starb nach 1574 mit Hinterlassung zahlreicher, im Druck be- 
findlicher Zeichnungen!. Die weite Reise nach England, wenn 
schon damals meist zur See gemacht, gestattet doch, auch 
einen Besuch in Deutschland zu vermuten. Aus alledem können 
wir nur constatiren, wie unser Held sich mit italienischer 
Kunst und Wissenschaft und ihren Vertretern bekannt zu 
machen verstand. Wenn dennoch eine Reise nach Italien statt- 
gefunden haben sollte, so könnte diese freilich nur in jene 
Wiener Periode fallen, da anderen Zeiten ein Alibi entgegen- 
steht. 

Im Jahre 1574 kehrte er nach Strassburg zurück, bald 
von dem kaiserlichen Obersten, Lazarus von Schwendy, Frey- 
herrn zu Oberlandsberg bei Colmar, im Namen Erzherzog 
Ferdinands mit dem Auftrage bedacht, Ober- und Nieder- 
Elsass in eine «Mappe» oder Karte zu bringen 8, welche Auf- 
gabe ihn zu häufigem Umherreisen veranlasste. Wir finden ihn 
nicht allein im Lande, sondern auch in Baden, woselbst gerade 
damals der Bau des neuen Schlosses durch Kaspar Weinhart 
im Gange war, begonnen unter dem Statthalter Grafen Otto 
von Schwai-zenberg 8. Dessen Bericht vom 6. Juni 1574 nach 
München, wo der minderjährige badische Markgraf Philipp II. 
erzogen ward, muss Specklin Zeichnungen, um seine Fähig- 
keiten zu beweisen und seine Dienste zu empfehlen, beigefügt 
haben, wie sich aus der Antwort der Hei^oglich Bayri.schen 
Hofkammer vom 19. März 1575* ergiebt. 

Die Bayrische Festung Ingolstadt bedurfte nämlich bedeu- 
tender Reparaturen, zu deren Behuf die Regierung sich zunächst 
um einheimische, dann um auswärtige Meister bemüht halte. 
So heisst es im Hofkammer- Sessions-Protokoll vom 15. April 
1574: <rDem Herzog von Gülche soll umb ein verstendig Pau- 
meister, so sich auf Wähl vei-steht, geschrieben werden», was 
uns in soweit bemerkenswert ist, als Specklin des Herzogs 



' Notizie historiche p. 116. 

2 Eis. Nenjahrsbl. S. 11. 

^ Lübke, Gesch. d. Bank. d. Renaiss. in Dentschl. I, S. 284. 

^ Vergl. Anhang Note 1. 

ä Tom. 7 fol. 239 a, Kreisarchiv z. München. 



— 17 — 

Wilhelm von Jülich Baumeister Johann und dessen Sohn vom 
Jahre 1567, wo er gleichfalls Tätigkeit suchte, wol bekannt 
war ; daher ist eine Befürwortung von dieser Seite höchst 
wahrscheinlich, ebenfalls werden Schwendy und Schwarzenberg 
gute Zeugnisse ausgestellt haben. 

Jedenfalls nahm ihn jetzt die bayrische Regierung in Aus- 
sicht, trug aber zunächst dem Statthalter von Ingolstadt, Ritter 
von Hegnenberg, am 12. Februar 1575 auf: 

«Ueber den Daniel Speckhl soll er noch mehreres 
nachfragen lassen, was er eigentlich für ein Mann, ist 
er religiös und ob er derjhenige sei, dafür er herümt 
worden? Was er weiter in Erfahrnus bringen, das soll 
er alsbald hierher (nach München) berichten i » ; 
übrigens l>ewilligte sie ihm ein Geldgeschenk für die übersandten 
«Risse» und liess ihm auf eingelegtem Zettel die Zufriedenheit 
mit seinem Bericht, sowie die Versicherung ausdrücken , «wann 
not seyi9, ihn heranzuziehen 2. Auf Hegnenbergs für Specklin 
gunstigen Bericht erfolgte jedoch im April die Weisung : «man 
lass es diesmal dabei beruhen 3 », indem man sich einheimischer 
Meister, wie Wilhelm Eggl und Reinhard Stern, bedienen wollte. 
Direkt von der Kammer eingezogene Erkundigungen ergaben 
zumal für Specklin Nachteiliges, nämlich : « das Ime nit aller- 
dings ein guet lob nachgesagt werde*»; und dies kann sich, 
wenn man die Frage nach seiner Religiosiiät heranzieht, eben 
nur auf sein Glaubensbekenntnis beziehen. Denn er war, wie 
dies bei seiner an der Spitze der reformatorischen und geistigen 
Bewegungen des Jahrhunderts überhaupt schreitenden Vaterstadt 
natürlich ist, Protestant, während Bayern streng katholisch ge- 
Idieben war. Das Bedenken ist also ein religiös politisches, 
ähnlich wie es etliche Jahre später der Strassburger Rat gegen 
den erwähnten Kaspar W^einhart als starken Papisten hegte •'^. 
Als nun aber im Laufe des Sommers der Wall von Ingolstadt an 
einer Stelle einstürzte, und die anwesenden Meister sich unge- 
schickt zeigten, erging im November von Herzog Albrecht V. direkt 
aus München der Befehl, Specklin auf ein Jahr, von Neujahr an, 
mit der Besoldung von i300 fl. in Dienst zu nehmen ß. Er scheint 
bereits in der Nähe gewesen zu sein, vielleicht in Ingolstadt 
zur Besichtigung des Unfalls, da ihm persönlich nach zwei 



1 T. 11. fol. 98 b. Kreisarch. z. Münch. 

2 V. Anh. Nr. 1. 

3 Wie oben, T. 11, fol. 180a, v. 6. Jnni 1575. 
^ Y. Anh. Nr. 2. 

5 — aber aufgab in Hoffnung, dass seine « Gebäu nit papistisch * 
ausfallen würden (Lübke I, S. 284. 
« Anh. Nr. 3. 



— 18 — 

Tagen,* nämlich am 12. September seine Aufgabe formulirl wird, 
und er am 28. September sein schriftliches Gutachten abgiebt'. 
Anfang 1576 reiste er wieder nach Strassburg, indem ani 
11. Januar wegen seiner Ruckkehr angefragt ward*; ei'st nach 
dem 6. Februar kam er nach Ingolstadt zurück und wurde am 
28. April, nebst Stern, durch einen EiIl>o»en nach München 
citirt». Am 13. Juli* erhielt er abermals Urlaub nach Ulm 
und Regensburg, wo ein grosser Baumeistercongress stattfand. 
In seiner Abwesenheit scheint nun die Hofkammer, welche ihm 
bekannter Massen nicht sehr gewogen war und ihr Misstrauen 
nicht abzulegen vermochte, gegen ihn gearbeitet zu haben. 
Am 1. October erinnert sie den Statthalter Hegnenbei'g daran, 
wie wenig Specklins Dienstleistungen seiner hohen Resoldun«: 
entsprochen haben, in Folge dessen der Herzoglichen Regierunjr 
nicht zugemutet werden könne, ihn unter gleichen Bedingungen 
langer im Amte zu behalten, zumal da nichts neues zu bauen 
in Aussicht sei. Da nun der Statthalter Specklin gut aufge- 
nommen, sein Tun und seine Geschicklichkeit beobachtet und 
davon gelernt haben werde, so solle er einen beratenden Bericht 
darüber abgeben, ob wirklich der Nutzen, welchen Specklin 
ferner bringen möchte, zu den Kosten im Verhältnis stehe *. 
Hegnenbergs Gutachten muss aber für diesen sehr günstig ge- 
lautet haben ; die Kammer bleibt jedoch auf Grund eingezogener 
eigener Kundschaft, ohne Ansehung des statthalterlichen Bericht:?, 
der Meinung, dass Specklin zu kostspielig und überhaupt ent- 
behrlich sei, macht aber, um ihn und seinen Rat für dringende 
Fälle zur Verfügung zu haben, den Vorschlag und ist bereit, 
eine jährliche Pension von 50 oder GO fl. auszusetzen «. Ein 
etwas wunderlicher Vertrag, der indes des Herzogs Genehmigung 
fand, und den abzuschliessen Specklin schleunigst nach München 
gerufen ward'. Seine Beurlaubung wurde nun am 7. Dezeml)er 
beschlossen, der Vertrag aber noch eingehender folgendermasseii 
präcisirl, dass man ihm eine jährliche Provision von 60 tl., 
ferner für jeden Tag im Lande 1 fl. Zerung und die Dienst- 
leistung nach MasFgabe der alten Besoldung bezahlen wollet. 
Man merkt sehr die Absicht, ihn loszuwerden, und wie lanj^t* 



i Hofk.-Sess -Prot T. 16 fol. 91, 92a (v. Anh. N. 4) u. fol. 13la. 

2 ebenda T. 17 fol. 19. 

3 ebenda T. 20 fol. 64 a u. fol. 201 b. 
* V. Anh. N. 6. 

5 V. Anh. N. 7. 

6 V. Anh. N. 8. 
"? V. Anh. N. 9. 

« V. Anh. N. 10. 



- 19 - 

dieser Vertrag^ gegolten hat, steht dahin ; sicherhch in der 
ersten Zeit, daher sich Speckhn auch fernerhin fürstlich Bay- 
rischer Baumeister unterzeichnen durfte. Ausser seinem Gehahe 
— dem des Hofbaumeisters Eggl gleicli — von 300 Gulden, 
welche die Baurechnung der Befestigung Ingolstadt de 1576 1 
unter dem 22. Dezember als ausbezahlt meldet, hatte er noch 
bekommen 62 fl. für ein mitgebrachtes « Kriegs werck 2», sowie 
20 fl. extra», vielleicht als Vergütigung der Zeit, welche er 
früher, als seine Bestallung angab, eingetreten war. 

Wie erwähnt, war Specklin im Sommer 76 nach Regens- 

hurg berufen worden, woselbst unter dem Vorsitze Schwendys, 

eine Versammlung von Bau- und Kriegsverständigen stattfand, 

welche über Anlage von Grenzfesten in Ungarn gegen den Erli- 

feind, die Türken, beriet*. Unser Meister eiferte hier gegen 

die «stumpfen und gar scharfen Wehren», eine neue Ansicht, 

welcher auch sein präsidirender Gönner erst später beizupflichten 

vermochte ; sein Ruf als Autorität in Bausachen aller Art ward 

aber dort begründet. Im Anfang des Jahres 77 kehrte er dann 

nach Strassburg zurück, wo gerade die topographische Karte des 

Elsasses, an der er seit drei Jahren gearbeitet hatte, gestochen 

i wurde; klug und patriotisch genug, sie «der Stadt Strassburg 

! und allen Ständen» zu widmen, liess er am 27. Februar das 

erste Exemplar «Burgerpflicht halb» dem Rate überreichen, 

welcher dankend des Künstlers zu gedenken versprach». Im 

Juni (10.) folgte die Ueberreichung eines zweiten W^erkes, einer 

«Visierung» des damaligen Zustandes der Festungsbauten, 

wofür dem noch «fürstlich bayrischen Bawmeister» 50 Pfund 

Strassburgische Pfennige bewilligt wurden. «. 

Inzwischen, nämlich im Mai, ging er jedoch, einem Ruf 
folgend, nach Ulm, wohin wir ihn schon im Sommer 76 beur- 
laubt sahen, und durfte bereits wagen, «dieweil er ein lehen- 
pferd sich nicht könne beritten machen», den Rat um einen 
«Klepper vom Stall» (der Stadt) und einen Diener anzugehen, 
' was ihm auch bewilligt wurde 7 ; im Juli reiste er unter ähnlich 
imnstigen Bedingungen nach I^thringen». 



1 Im k. Kreisarchiv Landshut (Schi. Traussnitz), vergl. auch 
Hofk,-Se8S.-Prot. T. 26 fol. 22a, v. 10. Jan. 1577, Kreisarch Münch. 
8 Hofk -Sess.-Prot. T. 16 fol 271, v. 28. Nov. 1575, ebenda. 
3 Hofzahlamtsrechnung de 1575, ebenda. 
* Ärchit. (I. Ausg.) T. I, Cap. X Schluss 
s Eis. Neujahrsbl. S. 11. 

6 Ebenda S 15. 

7 XXI. Meraoriale de A. 1577, fol. 802a, Stiassb. Stadtarch. 

8 Ebenda fol. 428 a. 



— 20 — 

Endlich war die Stadt, nachdem sie sich hinreichend mil 
dem Gedanken befreundet hatte, diesen originellen Mann für 
sich zu erhalten, auch entschlossen, ihn in ihre Dienste zu 
nehmen. Am 5. October nämlich erfolgte in der Sitzung der 
Herren XXL, nachdem vorher mit den Herren XHI. Verein- 
barung getroffen worden war, seine definitive Anstellung als 
Stadtbaumeister, welches neuerrichteten Amtes Bestallung^ er 
an demselben Tage beschwor. Als Grehalt wurden ihm jährlich 
250 Gulden, sechs Fuder Holz und eintausend Wellen bewil- 
ligt 2. In diese Epoche fallen die verschiedenen Befestigungs- 
bauten Strassburgs, der Neubau des Stadthauses, zahlreiche 
Reisen und Consultationen, welche teils hier, teils gelten tlich 
der besprechenswerten Werke aufzuführen sein werden, sowie 
litterarische Arbeiten in technischer und historischer Hinsicht. 

Gegen Ende des Jahres 77 erfolgte eine zweite Reise nach 
Antwerpen, in Begleitung des jungen Stadtwerkmeisters Diebolt 
Frauler, wiederum zu Meister Frantzs. Im März 79 ßnden 
wii* ihn sodann in Colmar, wohin er sich nebst dem Werk- 
meister Jeremias Neuner, zur Beratschlagung etlicher Festungs- 
bauten, begeben hat ; er steigt daselbst in dem Gasthaus zur 
Blume ab, ehedem am alten Zollplatz. Im Laufe des Sommers 
verfertigte er ein hölzernes Model nebst einem schriftlichen 
«Ratschlag», dessen Eingang das Datum des 24. October ent- 
hält, beide Arbeiten von Strassburg übersendend. Bemerkens- 
wert ist noch die Erwähnung seiner Hausfrau, welche die 
ansehnliche Verehrung von zwanzig Pfund erhält*. 

Mehr Zeit und Mühe sollten die Bauten für Ensisbeim, 
die Residenz der vorderösterreichischen Regierung, beanspruchen. 
Anfang Juni 158() war Specklin dort gewesen, woselbst er, 
nach einer späteren Rechnung » zu schliessen, im Gasthaus 
zum Löwen zu wohnen pflegte, um an Ort und Stelle Auf- 
nahmen zu machen, welche Reise hin und her mit einmaligem 
Nachtquartier in Schlettstadt sechs Tage und zehn Gulden er- 
fordert hatte 8. Dieser folgten in kurzer Zeit drei weitere Reisen, 
wofür nebst einem Kosten Überschlag in Anerkennung von 

Speck lins 

«hierumb gehabte müeh, arbait vnd fleys » 



1 XXI. Mem. de A. 1577, fol 601a n. 603a. Strassb. Stadtarch. 
Die Bestallung ist abgedruckt in d. Eis. Neujahrsbl. S. 17. 

2 Oberbauherrn-Mem. de 1590 fol. 140 fa, Strassb. Stadtarch. 

3 Archit. [l. Ausg.) fol. 17 b. 

4 V. Anh. N. 11. 

^ S. Zahlbefehl v. 14. Dezember 1585, Bezirks-Archiv zu Colmar, 
Inv. C 677 Nr. 238. 
6 V. Anh. N. 12. 



21 



J S. Zahlbefehl v. 12. Jnli 1580, Bez.-Arch. z. Colm., Inv. C 676, 
Nr. 401. 

* V. Brief v. 22. October 1580, Bez.-Arch. z. Colm., Inv. C 676, 
Nr. 407 u. 8. 

3 S. Brief Erzherzog Ferdinands v. 1. Februar 81, Bez.-Arch. z. 
Colm., Inv. C 676 Nr. 406; abgednickt bei M. Merklen, Histoire de 
la Tille d'Ensisheim, Colmar 1840, p. 74-77, Note. 

^ V. Anh. N. 13. 

^ S. Bez.-Arch. z. Colm., Inv. C 676 Nr 839, 40 u. 324. 

« V. Anh. N. 14. 

7 S. Bez.-Arch. z. Colm., Inv. C 677 Nr. 259, 229 n. 28. 

^ V. Anh. N. 15. 

» S. Stadtarchiv zu Basel, Ratsprotokolle v. 1588, S. 21. 

2 



zii.sammen 404 gl. 16 bz. bewilligt und bezahlt ^ wurden. Ein * 

Bericht über seine Tätigkeit seitens der Regierung, bei der ! 

Lazarus von Schwendy wiederum eine einflussreiche Person ^ 

war, gelangte am 23. Juli an den Erzherzog Ferdinand, welcher j 

baldigst über die Art des Baues entschied und mit Specklin : 

über seine Dienste zu verhandeln anordnete ». Dies führte, j 

nach Einholung der Erlaubnis, zu Specklins öfterem Erscheinen 1 

seitens der Stadt Strassl)urg, zu einem festen Contract für die \ 

nächsten drei Jahre, vom Frühjahr 81 ab gerechnet, indem I 

ein jährliches Fixum von 150 Gulden, sowie freie Wegzehrung 1 

und Station bewilligt wurden s. Nicht jeder Zeit ward ihm die ' 

Erlaubnis zur Reise zu Teil, wie ein an den Erzherzog selbst ; 

jrerichtetes Entschuldigungsschreiben Specklins vom 29. Juli 
82 beweist*; fernere Gitalionen sind jedoch vom 20. Februar 
und 5. Juni 83 bekannt 5. Eine über Ensisheim hinau.sgehende j 

Reise im December 83, welche ihn über Gastel nach Beifort 1 

führte, berichtet uns ein Zehraettel von seiner eigenen Hand «. ' 

Seine Dienste wurden aber länger, als ursprünglich beabsich- 
tjtjt, und auch für weitere Zwecke in Anspruch genommen. 
So wird am 27. April 87 über die durch Specklin vorzu- 
nehmende Besichtigung der Burg beschlossen 7, und werden 
erst am 23. August des folgenden Jahres, laut Befehl dei- 
Hentkammer, die bisher gereichten 100 Gulden Jahrgolt des 
allherigen Stadt wallbaues wieder aufgekündigt. 

Mit Beginn des Jahres 1588 hatten sich die Haseler Uats- 
herren von den Strassburger Gollegen die Erlaubnis erbeten, 
(lass der letzteren Baumeister auch ihnen seine Kunst widmen 
dürfte 8. Dieser begab sich daher, nach persönlicher Anmeldung, 
auf die Reise und befand sich am 10. Februar zur Begutach- 
tung der Festungswerke in Basel, woselbst man ihm 50 fl. 
Reisekosten und freien Aufenthalt gewährte». Fernere 400 tl. 



1 



— 22 — 

wurden ihm Ende des Jahres von den Herren XIII. ausgesetzte 
seine Unkosten mit 45 Pfund 18 sh. 4 Pf. vergütet, sowie seine 
Zehrung im Gasthaus zum Storchen berichtigt ^. Das genannte 
Honorar wurde Anfang 89 übersandt und erweckte den vollsteo 
Dank unseres Meisters, welcher, wie er am 43. März von 
Strassburg an Herrn Wolfgang Sattler schreibt, dem er zugleich 
etliche Cirkel und Compasse von neuer Construction übermittelt, 
nur bedauert, mit seiner Gesundheit nicht so wol aufzusein, 
wie er wünschen dürfe *. 

Die letzte Consultationsreise fand im August nach Heil- 
hronn statt, wo er den 25. angekommen nur drei Tage ver- 
weilte, zum Teil seiner Kränklichkeit halber als grosser Herr 
aufgenommen ; er erhielt nämlich für Wohnung 50, zur Zeche 
30 Gold gülden, während sein Gesinde aus der Herberge gelöst, 
und obendrein seinem Diener zwei, dem Kutscher ein Königischer 
Thaler verabfolgt wurden*. 

Die Tätigkeit im städtischen Amte scheint in der letzten 
Zeit nicht mehr bedeutend gewesen zu sein ; dafür sprechen 
wenigstens die Versuche der Gehaltsminderung. Schon A. 86 
hatte man unternommen, seine Besoldung herabzusetzen, was 
im Rate z var erwogen, aber abgewiesen worden war 5 ; dieser 
Versuch wiederholte sich im Herbst 88, unter der Begründung, 
c(dwil er lybs halb nitt vihl mehr zu prauchen», jedoch gleich- 
falls ohne Erfolg. Es berührt aber unangenehm, zu bemerken, 
wie man dem verdienten Manne, zumal sich derselbe noch 
durch schriftstellerische Tätigkeit nützlich zu machen wusste, 
sein Gnadengeld schmälern will. Sein Gesundheitszustand er- 
scheint allerdings bedenklich, wenn man die gelegentlich der 
Baseler und Heilbronner Reise gefallenen Klagen mit der Cor- 
pulenz zusammenbringt, welche der de Bry'sche Stich aufweist; 
darnach litt er offenbar an Verfettung und konnte jederzeit 
auf einen Schlaganfall gefasst sein, welcher ihn denn auch be- 
troffen zu haben scheint. Das Datum seines Todes ist jedoch 
nicht überliefert; nur der terminus post quem ist anzugeben, 
der 26. September 1589, an welchem Tage seine Collectanea 
mit der Nachricht der Einnahme von Geispolsheim endigen. 



1 S. Stadtarch. z. Basel, Ratsprotokolle v. 1588, S. 128. 

2 Ebenda, Jahresrechnang de 1587/88, welche dem Strassb. Bau- 
meister irrtümlicher Weise den Vornamen Hans gibt. 

3 V. Anh. N. 16. — Auf die Baseler Speckeliana wurde ich durch 
Hrn. Prof. Dr Baamgarten in Strassb. hingew^iesen, dem ich dafür 
besten Dank weiss. 

* Heilbronner Ratsprotokolle, Bd. VIII, geg. Ende. 
5 XXI. Mem. 1586 f. 154a u. 328 b, Strassb. Stadtarch. 



— 23 — 

Ein Anhang zu Brants Annalen^ berichtete noch: o: Daniel 
Specklin stirbt, wird sein gemach in seins Schwagers Lazari 
Zetzners Hauss verschlossen und von meinen Herren seine 
Sachen visitirt und zu Händen genommen, was davon zustendig.:» 



§ 4. Charakter. 

Um einige Bemerkungen über Specklins Charakter anzu- 
schliessen, so erscheint er kräftig und mutig an Körper und 
Geist. Er war nicht blos ein wackrer Schläger, wie das Pro- 
tokoll von 1565 berichtet, sondern auch in anderen Leibes- 
übungen gewandt, wie dem Reiten, einer seiner Zeit für die 
Reise unentbehrlichen Fertigkeit, und dem Schwimmen, über 
dessen Nutzen er gelegentlich der wassergefüllten Wallgräben 
eine kleine Lobrede hält, indem er den Kriegsleuten es darin 
zu üben ans Herz legt 2. Hierzu dürfen wir ferner eine acht 
deutsche Eigenschaft fügen, nämlich die des tüchtigen Zechers 3, 
den er mehrfach verteidigt ; ob auch der gute Trunk die Wol- 
beleibtheit im Gefolge hatte, welche wir in seinem Bilde wahr- 
nehmen, und welcher im höheren Alter nicht mehr die Beweg- 
lichkeit und Wanderlust entgegentrat, lässt sich nur mutmassen. 
Gut deutsch ist auch seine Gesinnung : er verteidigt deutsches 
Tun und Denken aller welschen Urbanität gegenüber und führt 
eine Anzahl von Deutschland ausgegangener ErGndungen an, 
von denen die Druckerkunst, die Kunsttischlerei, der Kupfer- 
stich und die Giesskunst erwähnt seien. 

In politischer Hinsicht giebt er sich als freien Reichs- 
stadter, der seinen Kaiser und seine Obrigkeit hochhält, aber 
nur im Kriegsfall Dienste tun will. Dafür empfiehlt er auch 
die Heranbildung von jungen Leuten, welche an fremden 
Kriegszügen und Belagerungen — ohne Kampf — teilnehmen 
sollen, um die Theorie zu studiren und dann daheim zu ver- 
werten, wodurch Kosten und Mannschaften zu ersparen seien, 
zumal der Bürger verlässlicher sei, als der besoldete Kriegs- 
mann; ein idealistischer Vorschlag, aber insofern bemerkens- 
wert, als er dem Gedanken der allgemeinen Wehrpflicht nahe 
kommt. Den Staatssäckel scheint unser Freund hur aus Ein- 
künften von Liegenschaften und dem Verkauf von Grundstücken, 
Häusern und Gärten füllen zu wollen, was er der Obrigkeit, 



^ edidit Jac. Wenker, um 1700 Stadt- Archivar zu Strassb. 
2 Archit. T. I, Cap. XX. 
* Archit. Einleitung. 



— 24 — 

welche auch für Zeughaus, Speicher, Kirche, Befestigung zu 
sorgen hat, jedoch mit der Pflicht überlässt, streng Buch über 
den Besitzwechsel zu führen ; die Bürger nämlich sollen zwar 
der Obrigkeit, unter der stets verständige Bürgermeister oder 
weise Räte gedacht sind, Untertan, aber steuerfrei sein. In 
Gerichtssachen wünscht er rasche Erledigung : so soll bei Appel- 
lationen der Process nicht über drei Monat aufgeschoben werden. 
Betreffs der Gewerke stellt er eine sehr strenge Ordnung auf, 
so dass ein Handwerk nicht ins andere pfuschen könne, oder 
der Soldat ins Handwerk, ferner dass der Kaufmann bei seinem 
Zweige bleibe mit Ausschluss aller Zwischenhändler, Fremden und 
Landstreicher, welche die Bürgerschaft nur schadigten. Aehnlicher 
Weise herrsche auf den Märkten gute Aufsicht bei behördlich 
bestimmter Taxe der Waren, von der nur Wein und Früchte, 
in guten Zeiten für die Speicher zu sammeln, ausgeschlossen 
seien i. So wunderlich uns manches hierin vorkommt, wir 
sehen doch, wie nahe Specklin den socialen Fragen seiner Zeit 
getreten ist und wie er sich bemüht zu bessern. Uebrigens be- 
strebt, was er in fremden Ländern nützliches gelernt, seinem 
Volke zu Gute kommen zu lassen, arbeitete er für alle Fürsten und 
Regierungen, welche Richtungen sie auch verfolgten ; schien ihm 
doch damals die Gefahr von Aussen her grösser, als der Zwist, 
in welchem die Deutschen des folgenden Jahrhunderts sich 
selbst verzehren sollten. In religiöser Hinsicht muss er als 
fromm, doch frei bezeichnet werden; evangelischen Bekennt- 
nisses, wie bereits erwähnt ist und der Ausdruck «Gottes 
Wort und Evangelium 2 » bezeugt, fand er in Oestreich unter 
dem protestantenfreundlichen Maximilian IL gute Aufnahme , 
während er in dem streng katholischen Bayern Anstoss erregte. 
Seine Bildung scheint, lediglich technisch, des gelehrten 
Unterrichtes entbehrt zu haben, so dass ihm kaum die latei- 
nische Sprache geläufig gewesen ist. Wenigstens zieht er wie- 
derholt gegen diejenigen zu Felde, welche, weil der lateinischen 
Sprache mächtig, alle andern als Ungebildete hinzustellen sich 
beeifern, nach welchem Grundsatz auf der andern Seite «Cicero, 
Erasmus Roterodamus / alle Doclores und Professores auff hohen 
Schulen j die besten Bauwmeister und Kriegsleut die man haben 
möchte 3 / » sein müssten. Man sieht zugleich, dass ihm litte- 
rarische Berühmtheiten alter und neuerer Zeit nicht fremd 
waren : neben den erwähnten finden wir noch genannt einen 



1 V. Archit. T. L Cap. XXVIII, 2. Hälfte. 

2 Archit. Einleitung. 

3 Archit. (I. Ausg.) fol. 56 h. 



— 25 — 

Picus von Mirandola, Leonicus Baptista, worunter vermutlich 
Leone Baltista Alberti zu verstehen ist, einen Aldus, offenbar 
den Venezianer Aldus Manutius, ferner Aeneas Sylvius, dessen 
Gedächtnis wol in Strassburg erhalten j^eblieben war, Paulus 
loviusi, von dessen Werken damals deutsche Uebersetzungen 
gemacht wurden 2, u. A. m. So hatte er in einem bewegten Leben 
die Lücken seiner humanistischen Bildung auszufüllen versucht, 
was er schwerlich getan haben würde, hätte ihn nicht das 
lebhaftaste Interesse an fremdem Land und Volk und die Nei- 
jrung beseelt, selbst gehörtes und erlebtes der Nachwelt auf- 
zuzeichnen. Als Haupteigenschaften aber, welche auf seinen 
Beruf bestimmend wirkten, müssen hervorgehoben werden ein 
offener Kopf und ein praktischer Sinn, gelenkt von einer nur 
erreichbares wollenden Tatkraft, welche bereits den Jüngling 
auszeichnete; und was ihn zum Genie erhob war die Art, 
das Gelernte zu verarbeiten und daraus Neues zu schaffen. 



Kapitel II. Werke. 

Indem ich mich Specklins Werken zuwende, werde ich 
zunäcJist seine Ingenieurarbeiten, darauf seine architektonischen 
Schöpfungen und endlich seine Zeichnungen, soweit sie selb- 
ständig erscheinen, betrachten. 

§ 1. Ingenieurw^erke. 

Wenngleich von Festungsbauten so gut, wie nichts — 
höchstens ein par Fundamentmauern oder Turmreste — auf 
uns überkommen ist , so lässt sich doch eine stattliche 
Anzahl von Werken sowol, als auch von Modellen und Plänen 
nachweisen. 

Aus der bayrischen Zeit sind zunächst die « Doppelstab der 
Bergschlösser und Gopie der Risse Speckhls»» aus dem Jahre 
1574, dann das « Kriegswerk *» zu erwähnen, welches er Ende 75 
mitbringt, und das auch eine Zeichnung gewesen zu sein scheint. 



^ Archit. Einleit. 

2 Z. B. : « Berümter, fürtrefflicher Leut Leben > von Georg Klee 
von Mansfeld wurde A° 1589 in derselben Offizin, wo zuerst Specklins 
Arcbitectura erschien, bei Bernhart Jobin in Strassburg gedruckt. 

3 V. Anh. N. 1. 

•* V. Hofzahlamtsrechnung de 1575 unter dem Titel : Verehrungen, 
Kreisarch. z. Münch., und Anh. N. 4. 



1 



— 26 — 

Betreffs des Ingolstädter Festungsbaues hatte er unter dem 
12. November 75 den Auftrag erhalten, einen schriftlichen 
spezifizirten Kostenanschlag Alles dessen, was zur Wiederauf- 
richtung des eingefallenen Walles notwendig wäre^ und, da die 
Hofbaumeister E^l und Stern bezüglich des zu liefernden 
Holzes weit von einander abwichen, darüber einen besonderen 
Anschlag zu machen und beide an die Kammer einzureichen, 
welche mit dem Vorschlage, den schadhaften Teil des Walles 
abzutragen, zumal bei der herrschenden schönen Witterung 
einverstanden wari. Am 28. November übergab er < in schrifflen 
sein bedenkhen / was massen und gestalt der eingefallen Wahl 
aufzupauen und die Pürssten ze schlagen wer ^d. Dieses andern- 
orts Ruten genannte Holz diente offenbar zur Fundamentining 
des Walles und zur Festigung namentlich der Böschung, wozu 
natürlich der Wall bis auf den Grund abgetragen werden 
musste. Die Bauleitung sollte übrigens der Hofbaumeister Eckhl 
(Eggl) in den Händen haben und in dessen Abwesenheit Stern, 
« dann soviel den Speckhl belangt, solle derselb mit dem Gepeu 
nichts zu tun haben, sondern dem gegebenen Befelch nach 
bis auf ferneren Bescheid zu Ingelstadt verharren s*. Specklins 
Anteil an dem Wallbau besteht demnach in der Angabe festen 
Fundamentes und Aufbaues^. 

Interessant ist ein anderes Project, welches Speck lin aus- 
zuarbeiten bekam : nämlich die Anlage einer Fest« auf dem 
Chiemsee, als Refugium oder Stütze des Zöllners zu Traunfels 
an der österreichischen Grenze. Dieser erhielt nämlich Mitte 
December die Weisung, Specklin in dem Kloster der Frauen, 
dann auch der Herren Chiemsee, sowie in deren Umgebung 
herumzuführen, ihn in seinen Arbeiten zu unterstützen, zugleich 
auch zu beobachten und ein kritisches Gutachten über seinen 
Plan einzusenden, während Specklin selbst nach Besichtigung 
der Oertlichkeit die Zeichnungen einer Wasserfestung nebst 



1 V. Anh. N. 4. 

2 Hofk.-Sess.-Prot. T. 16 fol. 131 a, Kreisarch z. Munch. 
8 Ebenda T. 18 fol. 9 b. 

* Wenn daher 0. Kleemann in seiner Geschichte der Festung 
Ingolstadt, 1875, S 37, zu der Annahme gelangt, dass Sp. eine 
besondere Rolle bei den Ingolstädter Festungsbaaten nicht zuerkannt 
werden kann, mass ich das zugestehen, obschon die von ihm be- 
werkstelligte Reparatur in der Lösung einer technischen Aufgabe 
bestand, welche den einheimischen Meistern nicht gelungen war ; der 
Begründung aber, dass « über seine Tätigkeit in dieser Festung weder 
in seinem Werke noch in den Archiven etwas zu finden i8t>, darf 
ich das freilich bescheidene Resultat meiner Forschung entgegen- 
stellen. 



— 27 — 

Kostenanschlag anfertigen sollte*. Bei diesem Plane sollte es 
bleiben ; warum das Project nicht zur Ausführung kam, ist 
unbekannt. Als Specklins Beurlaubung zur Sprache kommt, wird 
noch einmal darauf angespielt : «dieweil dasjhenige, darzue man 
In vielleicht gebrauchen möge^ sein Fortgang nit erreicht >». 

Es folgt Specklins Thätigkeit an den Befestigungen von 
Ulm. Als sich mit dem Tode Maximilian IL, im Jahre 1576, 
die politischen Verhältnisse wieder drohender gestalteten, be- 
schlossen die Ulmer, ihre Stadt, nach der neuen Befestigung 
zu verwahren. Zu diesem Zwecke beriefen sie unsern Helden, 
einen Plan für die Stadtbefestigung auszuarbeiten. Er folgte 
diesem Rufe und fertigte ein Modell an, welches noch Anfang 
unseres Jahrhunderts in dem Inventar des Zeughauses ver- 
zeichnet gewesen, aber abhanden gekommen ist. Dazu gab er 
schriftlich abgefasste Ratschläge, sowie noch ein besonderes 
Bedenken über die Verwahrung der Don^useite und «das stei- 
nern Werk». Besonders wegen Wasserbauten scheint die Reise 
vom Mai 77 unternommen worden zu sein ; es handelte sich, 
wie die ülmer Ratsprotokolle melden », um den Bau vor dem 
tHeerdprücknertor». Die Heerdbrücke heisst heut Ludwig- 
Wilhelmsbrücke; deren Bau stammt aber aus jener Zeit^. 

Um die Arbeiten für die Stadt Sirassburg im Zusammen- 
hange zu behandeln, nenne ich erst hier die « Contrafactur der 
Stadt» aus dem Jahre 4564, welche nach sechswöchentlicher 
Arbeit, auf zwölf Bogen gross angelegt, doch noch unfertig in 
die Kanzlei geliefert wurde *. Wahrscheinlich konnte dies Werk 
benutzt werden für die Visierung oder das Holzmodell der 
Festungswerke von 77 , welches der Bürgerfreund « noch 
«auf dem Conservatorio )> gesehen hat, und das in den Wirren 
der Revolution zu Grunde ging. Eine Stelle aus Specklins Col- 
lectaneis^ berichtet darüber ; «damollen (1577) hat Daniel 
Specklin von Strassburg von Holtz in ein Model just gemacht 
die Stadt in der XIII. Stuben am langen Disch. Drauss kann 



* V. Anh. N. 5. 

2 Ho£k,-Se88.-Prot. T. 19 fol. 66 b, Kreisarch. z. Münch. 

3 Jahrgang 1574-77, fol. 805 b. Das Uathans hat noch eine Fülle 
von Zeichnungen and Skizzen zu diesen Bauten im Besitz, deren 
etliche höchst wahrscheinlich von Specklin herrühren. Leider gebrach 
es mir zu genauer Durchsicht an Zeit. 

^ Äosführlicher handelt darüber £. v. Löffler, Geschichte der 
Festung Ulm, 1880-81. 

^ XXL Mem. de 1564, fol. 52 b u. 156 a, Strassb. Stadtarch. 

6 v. 1776, S. 797 Anm. 

^ Mscr. Tom. II fol. 408 a nach Schneegans, Eis. Nenjahrsbl. 
1&47, S. 16. 



— t>8 — 

man sehen, was seither bawen worden ist». Eine Vorarbeit 
zu diesen Plänen erwähnt die Architectura % wie nämlich der 
Autor «die Gircumferentz » von Strassburg in anderthalb Tagen 
abgemessen und «zu Grunde verzeichnet habe, welches sich 
etwas weniger dann in die 24 tausend Werkschuch erstreckt i>. 

Als Stadtbaumeister begann Specklin nun im Jahre 1578 
mit dem Umbau des Werkes von St. Glara-Wörd. Die beider- 
seitigen Mauern des Grabens zwischen diesem Wörth und dem 
Judentor wurden herausgebrochen und der Graben zugeschüttet, 
darauf der vordere Wall mit dem am Judentor verbunden. In 
den folgenden Jahren ging man an das Roseneck am Steintor. 
«Die Mauern, Rundeele und Gräben, sowie ein Vorbau wurden 
geschleift und das Fundament zu einer neuen Pastey gelegt*, 
dann der Wall zwischen den beiden dreizehner Gräben mit 
dem Steinstrasser Bastion vereinigt. Im August 80 ward die 
Brücke zwischen St. Katharinen- und dem Metzgertore & ab- 
geworfen», der Graben zugeschüttet und das dort befindliche 
Streichwehr vorgerückt. In das Jahr 86 fällt die Erhöhung de^i- 
Metzgerturmes nebst Anbringungeines « Wecht-Stübleins» und 
eines Fallgatters, zugleich wurde ein neuer äusserer Spitaltor- 
turm und der Elisabethtorturm gebaut, beide mit Wachtstuben 
und Fallgattern versehen. Letztere wurden noch an anderen 
Türmen mehr angebracht, wie wir sie beschrielien finden in 
der Architectura 2. Im Ganzen, sieht man, wurde nicht viel 
neues gebaut, allein worauf es ankam, war die Einführung 
des Bastionärsystems und die Durchführung dieses Principes^. 
Alle Werke sind jetzt der Stadterweiterung und der neuen Be- 
festigung erlegen ; im Stadtarchiv findet sich noch ein Plan, 
die Wallpartie vom Kronenburger Tor bis zum Roseneck dar- 
stellend, welcher Specklin zugeeignet wird. 

V'on den im Auftrage der Stadt Oolmar A. 1579 gefer- 
tigten Arbeiten ist noch im Stadtarchiv daselbst erhalten der 
«Ratschlag über die gebew zu Beuöstigung einer loeblichen 
Reichsstadt Colmar», ein stattlicher Folioband (46 : 31«*-'™) von 
35 Blatt, gebunden in hei delbeerget rank tem Lammsfell. Ein 
Passus der Vorrede, welcher auf das verlorene hölzerne Modell 
Bezug nimmt, lautet, wie folgt : 

«Derhalben hab Ich zum Ueberfluss nit allein die grundt 
Visierung verzeichnet, sondern zum bessern Bericht den 



1 Archit. l. Ausg ) fol. 41». 

2 T. III, Cap. II. 

•^ Ueber die Bauten s. Job. Andr. Silbermann, Local-Gesch. der 
Stadt Strassb., 1775, nebst Tafeln u. Plänen, S. 105 folg., sowie 
Kraus. K. u. A. in E.-L. I, S. 329. 



— ^29 — 

hülzen Modell darül)er gestellt, da man au{j;enscheinlichen 
I s€hen kann, wie und was hinweg kommpt, Auch was 
ahn statt dahinn geordnet und gebawen werden». 
Das Buch enthält in i'2 Kapiteln mit 42 grösseren und 
kleineren , teilweise illuminirten Abbildungen Anweisungen 
über Fundamen tirung, Mauern, Streiche, Flügel, Bollwerke und 
Brustwehren, ferner Gräben, Wehre (Schwallen), Gontra- 
scarpen- und Porten, endlich über den besten Anfang des Bau- 
ens, nämlich bei St. Peter oder beim Karcher- (Kerker-) Tor — 
jedenfalls «besser am Eck als anderswo» — und die Art der in 
den Werken aufzustellenden Geschütze. Besondere Hervorhe- 
bung verdient das Beispiel der Mühle mit Wasserturm i, sowie 
•iie am Schluss^ gezeichnete grosse aPastey», deren Funda- 
mente noch sichtbar sind. Die bauliche Ausführung, freilich 
nicht im ganzen Umfang des Specklinischen Planes, erfolgte 
im Frühjahr 80, und zwar wurde am Korkertor begonnen 3. 

Zur Wehr und Befestigung dei- St<idt Ensisheim erfahren 
wir, dass drei unterschiedliche Modelle gemacht worden sind, 
deren drittes die Genehmigung des Erzherzogs Ferdinand fand^. 
Die nähere Ausführung giebt die Hauptrevolution ^ des Erzher- 
zogs vom 1. Februar 1581, welche zugleich daraufhinweist, dass 
«luri h die Befestigung und Veränderung der Wassergräben das 
an letzteren gelegene Münzwerk keinen Schaden erleiden solle. 
Dennoch scheint ein Unfall bei diesem Werk eingetreten zu 
sein, da im Juli 82 Specklins Gegenwart hierzu erfoidert ward, 
und er darauf auch ein <( bedenkhen über den Müllenbach und 
dessen Erweiterung zum Zwecke des Münzwerkes » abgab, wonach 
zu bauen am 8. August beschlossen wurdet. Die übrigen Werke 
waren, im Frühjahr 81 begonnen, während zweier Sommer 
rüstig vorwärts geschritten, bis anhaltende Regengüsse und Frost 
im Winter 82/83 den Wall derartig beschädigten, dass Specklin 
herbeigerufen werden musste , welcher nach Anzeige, «uss 
was Ursach der Bauwein fallen müessen^» am 5. Juli 83 seinen 
Rat <icumb auffierung etlicher Mauern undt Streben s» abgab. 
In diesem Jahre erscheint die neue Umwall ung mit Ecktürm - 
chen, Bastionen und Brustwehren vollendet ^. Doch war Specklin 



' Cap. H, fol. 2;Jb. 

2 fol. 34 b. 

3 V. Kraus, II, S. ^93. 

•» Bez -Arch. z. Colm., Inv. C 676, Nr. 407,S. 

^ S. Merkten, p. 74. 

6 Bez.-Arch. z. Colm., Inv. C 676, Nr. 3:^7 

' Ebenda, Inv. C 676, Nr. 336. 

8 Ebenda, Inv. C 676, Nr. 324. 

» S. Merklen, p. 79 und Kraus II, S. 8ß. 



— 30 — 

noch einem andern Project nahe getreten, nämlich einen Bebau- 
ungsplan der ganzen Stadt auszuarbeiten. Er übersandte am 14. 
Dezember 85 ceine neuwe hülzene Visierung und model wie 
dieselbe gepauwen werden soll i » , welche für künftige Verän- 
derungen als Richtschnur gedient haben wird. Andere Bauten 
im Inneren, besonders der Burg, spannen sich noch etliche 
Jahre fort, erst für den 27. April 87 hören wir behufs der durch 
Specklin vorzunehmenden Besichtigung Termin angesetzt >. 

Eine ccArchitectur unndt Bauw Ordnung über die Stadt 
Basell — — » vom Jahre 1588 und vier grosse illuminirte 
Grundrisse der Umwallung sind uns in dem dortigen Stadt- 
archive erhalten. Das Buch von 88 Blatt zerfallt in zwei Teile, 
deren erster in 10 Kapiteln mit 39 grösseren Abbildungen all- 
gemeinere Grundsätze, ganz ähnlich dem Colmarer Baubuch, 
abhandelt, während der zweite Teil kapitelweise die vier grossen 
Pläne erläutert. 

«Inn der Ersten Visierung», heisst es 3, ck unndt be- 
denkhen würdt gemeldet, wie solche Auffs schlechtest 
zu bau wen mag angegriffen werden.» 
«In der Zweytten, wie solche mit Nüdern bedeckten 
Streichen , Wählen undt Gaualieren, im Graben zu 
ringss umb kahn für genohmmen werden. » 
« INn der drytten Visierung würdt gehandelt , wie 
solche mit kleinen Pasteyen, Bollwerken, Streichen 
undt Gavalieren Aufls best erbau wet werden, davon 
auch ins Veldt kahn gehandlet werden. » 
«INn der viertten undt Letsten Visierung undt Be- 
denken würdt Angezeigt, wie ermeldte Stadt könne 
Zum mechtigsten, mit gewaltigen Bollwerckhen, Wählen, 
Gaualieren undt Streichen Zu Wasser, Zu Landt er- 
bauwet werden darüber der Erste they(l) genügsamen 
Bericht gibt. » 
Die Pläne, neben denen sich acht Detailskizzen von Toren 
und Bollwerken im Text befinden, sind hübsch illuminirt, in 
ziemlich gleicher Grösse (1,25 : 0,90 m), eine Steigerung von 
der einfachsten zur grossartigsten Anlage darbietend; an die 
Ausführung des letzten glaubte zwar Specklin selbst nicht, meinte 
aber, dass immerhin genug nützliches daraus zu entnehmen 
sein werde. Uebrigens wird er noch mehr Zeichnungen für den 



1 Bez.-Arch. z. Colm., Inv. C 677, Nr. 237,8 und Anh. N. 14. 

2 Ebenda, Inv. C 677, Nr. 259. 

3 fol. 44. Von elsässischen Städten, deren Befestigungen nach 
Specklinischen Principien oder von ihm verbessert wurden, finden 
sich noch Benfeld, Hagenan and Schlettstadt genannt. 






— 31 — 

Bau geliefert haben^ dessen Ausfuhrung ein Strassburger Wall- 
meister leitete; bei einem Unfall, Anfang 89, dem Einstürze 
einer Werkes, in Folge mangelnder Holzeinlage, scheint er 
jedoch selbst wieder geholfen zu habend. 

Es sind noch etliche Projecte rückständig, welche der 
Strassburger Stadtbaumeister für Fürsten im Lande ausgear- 
beitet hat. So eine Visierung aus dem Jahre 1580 für den 
Pfaltzgrafen Johann Georg, «wie er könnte die Stadt Pfalzburg 
schiffreich machen*», ferner eine Anlage von «Plechhämmern 
oder Eisenhämmern» für den Pfalzgrafen Johann Casimir A^, 84; 
die Pfalzgrafen waren zur Zeit Landvögte im Elsass. Die Leistun- 
jcen für den Grafen Philipp IV. von Lichtenberg- Hanau (1575) 
und den Strassburger Erzbischof Johann von Manderscheidt- 
Blankenheim (1583) folgen unten, da sie in das Gebiet der 
Architectur hineinspielen. 

Der letzte Ratschlag Specklins sollte im August 1589 der 
schwäbischen Stadt Heilbronn zu Teil werden. Der dortige 
Meister Hans Kurtz wollte das Kügelner Tor abbrechen und 
ein steinernes Haus dafür bauen, worauf der Werkmeister von 
Strassburg beschieden ward, den Bau zu besichtigen und zu 
beratschlagen 5. Bald konnte der Bürgermeister Philipp Ort die 
Ankunft Specklins melden, sowie später, dass dieser «uff die 
Malstatt am kügelner Tor kommen des fürhabenden Pauws 
halben^». Demnach haldelte es sich um eine Torbefestigung und 
eine Mühlenanlage; die Stelle des genannten Tors scheint dem 
heutigen Geschlechte nicht mehr bekannt zu sein. 

Wenn wir. also von Specklins Ingenieurarbeiten nichts von 
Bedeutung auf uns überkommen finden, so entschädigt uns 
dafür seine « Architectura von Vestungen», in welcher er seine 
Erfahrungen und Grundsätze niedergelegt und den späteren 
Geschlechtern vermittelt hat. — Sein Verdienst auf fortifica- 
torischem Gebiete ist die Ausbildung des Bastionärsystems mit 
dem Zweck, den die italienische Befestigung umhüllenden 
Schleier zu lüften und deren Fehler aufzudecken 5. Auf seine 
Principien im Einzelnen einzugehen liegt mir fern, da die ver- 
schiedenen Befestigungsarten, welche er auseinandersetzt, nur 
den Fortificationsoffizier interessiren können; doch seien einige 



1 V. Anh. N. 1«. 

2 Vergl. Bürgerfrennd v. 1776 u. Schneegans nach dem XIII. 
Protoc. de 1580. 

3 Heilbronnei- Ratsprot. 1589, Sitzung vom 22. Juli. 
^ Ebenda, Sitzung vom 26. und 28. Angnst. 

5 S. V. Zastrow, Permanente Befestigung, Trad. frang de 1856, 
vol. I, p. 109. 



— :32 — 

Beispiele angeführt, wie Specklins Geist seiner Zeit voraneilte. 
Den Satz : je mehr Seiten das zu befestigende Polygon enthält, 
desto besser ist die Befestigung, hat erst 150 Jahre später 
Cormontaigne bewiesen ; den Ruhm der Erfindung, den Cavaher 
als Retranchement zu benutzen, müssen Vauban und Cormon- 
taigne mit ihm teilen ; die Flanken senkrecht zur Verteidigungs- 
linie zu stellen, ist nicht Pagans eigener Gedanke, sondern 
70 Jahre früher bereits Specklins i. 

Er war aber nicht allein Kriegsingenieur, sondern über- 
haupt Autorität in allen technischen Fragen des Hoch- und 
Tiefbaus, selbst des Maschinenbaufaches, soweit von einem 
solchen die Rede sein kann. Lebhaft beschäftigte ihn auch die 
Anlage von Städten, deren ein Ideal, sowohl als Festung wie als 
bürgerliche Pflanzung betrachtet, in der Architectura 2 aufge- 
baut und beschrieben wird. Um einen Mittelpunkt, der zum 
Marktplatz bestimmt ist, werden Kirche, Rathaus und Verwal- 
tungsgebäude gruppirt, in den Radialsirassen sollen die Bürger 
wohnen, je geräuschvoller oder sonstwie störender ihre Be- 
schäftigung ist, desto näher der Peripherie, w^o dann Herbergen, 
Krankenhaus und Speicher ihren Platz erhalten, während die 
Kriegsleute in den Bollwerken Quartier finden ». Das Thema 
scheint damals von den Architecten mit Vorliebe behandelt worden 
so sein, schriftlich in grösster Ausführlichkeit von den Italienern. 

Wie die «Architectura von Vestungen» den Zw^eck hatte, 
eine gute Defensive zu lehren, so sollte ein zweites Werk die 
Offensive behandeln, nämlich alles «was im Feld gehörig», 
ein Werk, welches aber nicht zur Ausführung gelangte*. 

Ich komme zu denjenigen Werken, welche den üeber'gang 
zur Civil-Architectur vermitteln : es sind die Rauten auf Hoh- 



^ Vergl. V. Zastrow I, p. 121^; R Wagner, Gruiidriss der Forti- 
fication, 1872, S. 69, welche auch die Vorgänger Specklins betrachten; 
ferner im Archiv für Artillerie- u. Ingenieur-Offiziere des letzten 
Lustrums Aufsätze vom General Schröder (R. IL) über Sp. oder zur 
Geschichte des Bastionär-Tracee's — Die gesammte Militärlitteratnr. 
sowie schätzbare Notizen verdanke ich Hrn. Major Pochhammer zu 
Magdeburg, dem ich hier bestens zu danken Gelegenheit nehme. 

2 T. l Cap. XXVIJI, 1. Hälfte. 

^ Die Disposition der Gebäude erinnert stark an die Economia 
generale della citta in Francesco di Giorgio Maiüni^s Trattato di 
Architettura civile e miütare libr. III, cap. I, welches Werk an die 
'M) Jahre vor Specklins erschienen war; schwächer sind die Anklänge 
an L. B Alberti, von dessen Buch «de re aedificatoria» die zu Strass- 
burg 1^4:1 erschienene (lat.) Ausgabe Specklin immerhin zugänglich 
gewesen sein mag. 

^ Archit. T. III, Cap. IV, V. 



— :r3 — 

Barr bei Zabern, und Lichtenberg, lieber Schloss Lichtenberjj: 
Jjerichtet Specklini selbst, dass es ihm Kriegs- und Bauverstän- 
(lijre haben «beratschlagen helfen», sowie in seiner Chronik *, 
wo das Jahr 1580 angegeben wird ; daher ergiebt sich, dass 
Specklin damals die Befestigungen gebaut hat, welche noch 
A. 1870 einem würtembergischen Bataillon Widerstand ent- 
o^e^ensetzen sollten 3. 

Was al)er die örtliche Untersuchung ergab, waren eine 
Anzahl hübscher Architecturreste, welche aus derselben Zeit 
stammen : ein wohlerhaltener Kamin mit Aufsatz, worin die 
Wappen Hanau-Lichtenberg, nebst einem Spitzgiebel voll feinei* 
Renaissance- Motive, mit der Jahreszahl 1575 auf geteiltem 
Spruchband ; ferner ein Tor zwischen ionischen Säulen, rundbogig 
mit grossem ein Akanthusblatt tragenden Schlussstein, während 
(las Gemäuer mit Ornamenten aus der Schmiedetechnik geziert 
ist; dann ein sechseckiger Brunnentrog mit Dach auf dicken 
Stützen korinthischen Kapitells, ein Stück Erker, ein Fenster 
u. A. m. ; ob aber und wie weit Specklin an diesen Details 
Anteil hat, ist schwer zu entscheiden, da sie früher fallen, als 
die Befestigungen, welche im Auftrage des Grafen Philipp IV 
jrefertigl, in das Jahr 80 gesetzt werden. 

Besser beglaubigt sind die Beste von Schloss Hoh-Barr. 
Es ist das Hauptportal, über dem zwei Tafeln angebracht sind, 
mit Engels- und Löwenköpfchen geziert, und der Inschrift, 
welche Kraus* giebt, und die den Bauherrn Johann Bischof von 
Strassburg aus der Familie Manderscheidt-Blanckenheim, sowie 
die Jahreszahl 1583 nennt. Ausserdem befinden sich an dem 
fünfeckigen Turm originelle Fenster mit ionischen Pilastern 
auf Gonsölchen und hohem Spitzgiebel ; einzelnes erinnert wol 
an die Architectur des alten Strassburger Stadthauses. 

Ganz sind die stark zerstörten Befestigungen daselbst, sowie 
die des ehemals bischöflichen Städtchens Dachstein an einem 
Breuscharm Specklins Werk gewesen. Man sieht von letzteren 
nur noch zwei runde am Wasser gelegene Türme in dem 
Besitztum des Herrn von Türckheim ; der eine ist hoch und 
jrrün bewachsen , der andere niedrigere zeigt zwei Beiheii 
von Schiessscharten und ein eingelassenes, aber unkenntliches 
Wappen. 



I Archit. T. II, Cap. V. S. a. Kraus I, S. 136. 

^ Nach Schneegans. 

3 D. 8. Jäger-Bat., jetzigem Füsiher-Bat. des Inf.-Regts Nr. 126. 

* L S. 201. 



— 34 — 



§ 2. Architectur. 

Als Werke der bürgerlichen Architectur von Specklin er- 
baut, werden uns überliefert : die Decke der Katharinenkapelle 
an der Südseite des Münsters und das ehemalige Stadthaus 
am Gutenbergplatz« , das jetzige Hotel du Commerce , zu 
Strassburg. 

Die Kapellendecke besteht aus zwei Quadraten, jedes aus 
einem spätgot bischen , stark verschnörkelten Gurvengerippe, 
dessen abgeschnittene Rippen, namentlich an der Fenslerseite, 
äusserst unorganisch erscheinen, da sie mit der Dreizahl der 
Fenster in Conflicl kommen, und die Spitzen letzterer verdeckt 
werden. Man sieht sofort, dass die Decke später, als der übrige 
Teil der Kapelle gebaut worden ist, was auch die Quellen he- 
stätigen. Hoseas Schad im Münsterbüchlein von iöl7> berichtet 
uns: «Anno 1547. Als das Gewölb in Sant Gatharinen Capell 
im Münster sehr bresthaft war / da hat man dasselb den 22. 
Marti i hinweg gethan und ein ganz new Gewölb gemacht / das 
noch stehet und sehr zierlich ist». Behrs Münsterböchlein von 
4732 bringt einen Actus des Magistrats vom 22. März 1547 
bei und bemerkt daraus «: « Es hat der Werkmeister / damit 
die Gapeil gebaut wurde / mit Vorwissen des Pflegers diases 
Werks viel Begräbnissen hinweg gethan \ unter andern auch 
des Bischoffs Bertholdi der diese Gapellen ersllichen gebaut ' 
eröffnet welche Begräbnus drei Schuh über und fünf Schuh 
tieflf unter der Erden gewesen / inwendig mit schönen gehauenen 
Steinen aufgeführt / da man helle Leuchter hinabgelassen / da 
hat man wie Daniel Späcklein selbst mit seinen Augen gesehen 
ihn allerdings noch gantz gefunden / » u. s. w. 

Bis hierher stimmen die Quellen überein ; nun berichtet aber 
der Abb6 Grandidier» : 

« Le tombeau de TEv^ue Berthold tut ouvert le 22 mars 1547 
par Tarchitecte Daniel Speckle qui voulait faire des r^parations 
dans la chapelle de Ste. Gatherine.» und weiter unten*: 

«....la voiite qui 6tait fort endommag^e fut abbattue le 
22 mars 1542, et Tarchitecte Speckle en fit bätir une nouvelle, 
qui fut achevee en 1547 ». 



1 S. 19. 

2 S. 102, 103. ' 

3 Essais historiques et topographiques sur T^glise Cathedrale 
de Strasbourg, 1782, p. 340. 

* p. 341. 



— 35 — 

Kraus ^ bringt obige Quellen und nennl das Jahr 1547, be- 
denkt aber, wie Speck 1 in « ohne Münsterwerkmeister zu sein » 
mit der Ausgrabung des Bischofs beauftragt werden konnte, 
und zweifelt, ob die Kapellendecke unter seiner Leitung ausge- 
führt worden ist. Woltmann* schreibt ebenfalls Specklin das 
Gewölbe der Kapelle zu, setzt den Bau aber in die zweite 
Hälfte des sechszehnten Jahrhunderts. 

Nun war Specklin A. 4547 erst elf Jahr all, in welchem 
Alter er unmöglich schon Bauführerdienste getan hat ; also 
muss man entweder Specklins Bauanteil oder das Jahr 1547 
(allen lassen. Woltmann tut das letztere ohne Angabe einer 
Quelle oder eines Grundes und offenbar mit Unrecht. Denn 
das Jahr 1547 ist durch Schad und den Magistrats- Actus ge- 
nügend beglaubigt, ferner ist, um Kraus Bedenken Rechnung 
zu tragen, gar nicht abzusehen, warum nicht der amtirende 
Münstei^werkmeister Bernhard von Heidelberg (1539-51)3 diese 
Arbeiten geleitet haben solM. 

Mithin kann Specklin kein Anteil an diesem Bau zuerkannt 
werden ; vielmehr liegt offenbar ein Irrthum Grandidiers vor, 
welchor den Magistrats-Actus von 1547 vor Augen habend einfach 
den darin erwähnten Werkmeister mit dem Augenzeugen Daniel 
Specklin identificirte. Dass der aufgeweckte elfjährige Knabe ein 
solches Ereignis, wie die Graböffnung eines Bischofs, dessen 
Leichnam in allem Ornate noch nach beinahe 200 Jahren wol- 
erhalten geblieben war, im Gedächtnis behalten und dem Papier 
anvertraut hat, ist wol denkbar und erklärlich. 

Wir kommen zum alten Stadthaus, wo zunächst auch die 
Frage der Autorschaft in Kürze zu erörtern, notwendig erscheint. 
Merkwürdig ist, dass die anerkennende Biographie Specklins 
im Strassburger Bürgerfreund von 1776 dieses Werk nicht 
erwähnt, sondern der erste Schriftsteller, welcher Specklin 
nennt, Johannes Friese ist der Verfasser der neuen vaterlän- 
dischen Geschichte der Stadt Strassburg von 1791 *, welches 
Buch er selbst ein Lesebuch für die Jugend nennt, und das 
von geschichtlichen Irrtümern nicht frei ist; von den folgenden 
Schriftstellern zweifelt gerade wieder derjenige, welcher die 
meisten archivalischen Quellen über Specklin zu Tage gefördert 



1 I, S. 409. 

2 Gesch. d. deutsch. Kunst im Eis. 1876, S. 138. 

3 Kraus, I, S. 409. 

* Auch ist eine nähere Stil Verwandtschaft mit dem Gewölbe des 
Vestibüls im alten Stadthaus nicht vorhanden. 
5 Bd. n, S. 315. 



- :w - 

hat, nämlich der Archivar Ludwijjr Schneegans in den Elsassischen 
Neujahrsblättern von 1847, wenn er sagt i : 

« Hingegen ^^oll ein rühmlicher und sprechender Zeuge 
seiner bürgerlichen Baukunst noch jetzt vorhanden sein. Allge- 
mein wird nämlich Specklin der sogenannte Neubau, die ehe- 
malige Pfalz oder das alte Rathaus, heutzutage das Hotel du 
Commerce, zugeschrieben.» 

Neuere Kenner, wie Gh. Schmidt«, W. Lübke«, Woltmann 
und Kraus nehmen die Sache als feststehend an. 

Für unsern Helden sprechen drei Beweismomente. In 
erster Linie die Einleitung meines Bestallungsbriefes ^, welcher 
seine Dienste ausdrücklich für alle Bauten der Stadt, nicht nur 
zu den Bef^^stigungen sondern auch im Innern, in Anspruch 
nimmt. Die Stelle lautet folgendermassen : «Gemeiner Statt 
treüw und hold zu sein; Zu allen gebeuwen so fürgenommen 
werden, sowol zu beuestigung der Statt, als auch innerhalb sich 
gehrauchen zu lassen, Visierungen, Grundriss, Modell und wafe 
von nötten zu fertigen. » Zweitens steht urkundlich fest, dass, wie 
selbst Schneegans s zuzugeben geneigt ist, Specklin Zeichnungen 
zu dem Bau gemacht hat, indem uns durch Ratsprotokoll ^ 
gemeldet wird : « Das die Werckmeister bescheid begeren des 
oberen Stocks halben, damit sie das Stein werck wissen zu fer- 
tigen. Also haben sie (die Ratsbau verordneten) dem Bau wmeister 
Daniel Specklin beuohlen, eine Visierung oder etliche zu 
machen », welche darauf von demselben angefertigt und von 
der Commission in Kenntnis genommen wurden *?. Das ange- 
zogene Schriftstück legt zugleich für den dritten Punkt Zeugnis 
al) : dass Specklin auch J)ei der Bauausführung und zwar als 
oberster Leiter tätig gewesen ist. Dass er mit den Werk- 
meistern nicht auf gleicher Stufe, sondern offenbar höher stand, 
mag noch folgende, den Gegensatz zwischen beiden ausdrückende 
Bemerkung bestätigen : c — sey aus den Werckmeistern allein 
M. Georg zugegen gewesen, Specklin sei nicht zugegen ge- 
wesen — 8. » Noch eine Stelle aus dem obigen Protokoll ver- 
dient hervorgehoben und besprochen zu werden, dass nämlich 
S[)ecklin Zeichnungen für die Steinmetzen gab, welche genauer 



1 S. 19. 

2 Strassburger Gassen- nnd Häusernamen im Mittelalter, S. 128. 

3 Gesch. d Bank. d. Henaiss. in Deutschi. Bd. I, S. 278. 
* V. Eis. Neujahrsbl. S. 17. 

5 Ebenda S. 316, Nr. 23. 

6 XXL Mem. v. 1684 20. Januar, fol. 24 b, Strassb. Stadtarch. 

7 Ebenda fol. 36 h. 

t* Ebenda, 17. Juni fol. 295a. 



— 37 — 

Masse und Vorlagen hauptsachlich für die Fassadensteine 
Murften. Damit kommen wir auf das Verhältnis zwischen 
Bau- und Werkmeister, das, wie ein BHck auf die Zeit lehrt, 
eia anderes war, als heutzutage. Die Werkmeister fährten 
allerdings ihre Arbeiten nach der Zeichnung und Angabe des 
Baumeisters aus, der allein für die künstlerischen Ideen ver- 
antworllieii war, hatten aber in den Einzelmotiven so viel Spiel- 
raum und waren so erfinderisch darin, dass ihnen ein gut Teil 
Selbständigkeit blieb; sie standen eben — unsere Bauhand- 
werker durchschnittlich überragend — an der Grenze von 
Kunst und Handwerk, wol lähig sich zur ersteren zu erheben. 

Nach den gemachten Ausführungen kann ich mir den 
indirecten Beweis, dass andere Strassburger Meister dieser 
Epoche für die Autorschaft nicht geltend gemacht werden 
können, ersparen und möchte nur andeuten, dass die Stilart 
eines in dem Gartoccio-Motiv schwelgenden Wendel Dietterlein * 
und eines ebentalls barocken Principien huldigenden Georg 
Riedinger2 in augenfälligem Gegensalz zu unserm Bau steht. 

Somit bled)l, unbeschadet der Verdienste zahlreicher fach- 
licher Helfer, Specklin der Ruhm, als Meister des alten Stadt- 
hauses genannt zu weiden. Wenn sein Name in den folgenden 
Jahrhunderten <ler Vergessenheit anheim fiel, so ist das duirli 
(He Wirren und Nöte nach dem grossen Kriege erklärlich; erst 
gelegentlich der Plünderung 3 des Stadthauses im Jahre 1789 
tauchte die Frage nach dem Autor dieses Monumentalbaues 
wiwler auf, welche Friese richtig beantwortete. Wie gering 
noch zu Schneegans Zeit die Kenntnis von Denkmälern deutscher 
Renaissance-Zeit und das Interesse daran waren, ist bekannt, 
und obschon sich die neusten Forscher für Specklins Autorschaft 
erklärt haben, so erschien mir eine nochmalige Untersuchung 
der Frage doch geboten. 

Es wird interessiren, die Wandelungen zu erfahren, welche 
iler Platz des Gebäudes und seine Umgebung im Laufe der 
Jahrhunderte erlitten hat. An der Stelle des heutigen Hotel 
du Commerce stand ehedem die St. Martinskirche, gegründet im 
sechsten Jahrhundert, 1243 neu erbaut, nach welcher der Platz 
<lavor St. Martinsplatz hiess, woselbst in alten Zeiten von dem 
bischöllichen SchuUheissen Gericht gehalten worden war. Der 
Hat der Stadt, welcher zuerst in der Bischofsburg getagt hatte, 



1 V. sein Kupferwerk : Architectura und Austeilung der V-Seulen, 
Strassb. 1593, bei Bernh. Jobin. 

=2 Des Erbauers des 1613 vollendeten kurfürstlich-mainzischen 
Schlosses zu Aschaffenbnrg. 

3 S. unten. 

3 



— 38 — 

erbaute sich um 1321 ein eijfenes Rathaus, die Pfalz, schräg 
über der Mariinskirche auf der nördlichen Hälfte des Guten- 
bergplatzes, welches, ein rechteckiger Bau, durch vier acht- 
eckige Turmchen flankirt, mit zwei grossen Treppenarmen an 
den Seiten, die Front nach Osten nahm i. Westlich davon, 
zwischen Schlosser- und Langgasse, an der alten Kurdewan- 
gasse, befand sich die Kanzlei nebst der Steuerverwaltung, deren 
^'ergrösserung 1462 einen Neubau erheischte und erhielt, welcher 
mit der Pfalz durch eine Gallerie verbunden ward. 

Als in Folge reformatorischer Ereignisse A. 1529 das 
Fortbestehen von nur sieben Pfarrkirchen beschlossen ward, 
ging auch St. Martin ein, dessen Einkünfte dem grossen Spital 
zugeschlagen wurden, während die Kirche selbst abgebrochen 
und das Material, wie allgemein, zu Festungsbauten verwendet 
wurde, da die Furcht vor feindlichem Ansturm aus Ost und 
West berechtigt und gross war. Sobald sich die Wogen der 
Reformation zu legen begannen, beschloss der Rat, zumal da 
die wachsenden Verhältnisse neuen Raum und die Wurde der 
Stadt auch einen dem herrschenden Stile entsprechenden Bau 
erforderten, auf den Trümmern der alten Martinskiitrhe ein 
neues Rathaus zu errichten. 

Im Februar 1582 begann man mit der Säuberung des 
Platzes, zu welchem Behufe der Rat noch etliche Häuser an 
der Dornengasse ankaufte und niederlegen liess*, ferner unter- 
suchte man den Baugrund für die Fundamentirung und tru<> 
für das Material Sorge, wie das XXI. Memoriale vom 12. Fe- 
bruar 1582«, neben der Beschwerde Ijerichtet, dass man mit 
dem beschlossenen Bau so lässig verfahre ; immerhin konnte 
am 3. April der Grundstein gelegt werden. 

Ueber Pläne und die Bau komm ission , welche aus dem 
Ammeister Abraham Held, dem durch seinen Reichtum be- 
rühmten Johann Schenkbecher und David Geiger bestand, 
erfahren wir aus dem XXI. Mem. vom 20. und 27. Januar 
15844. 

Danach hatte Specklin verschiedene ftViesirungen» gemacht ; 
in einer war für das erste Stock eine «Ammeisterstub», d. li. 
eine Wohnung für den Ammeister projectirt «mit dem darzu 
gehörigen gemach st üben küchen», was aber nicht allgemein 



* S. Gassen- und Häusernamen, sowie Piton, Stiasb. illustre. 
I, 1855, S. 155, wo auch ein Grundriss nach Specklin. 

2 Schneeg, Eis. Neujahrsbl. v. 1847,. S. 316, N. 24 nach Speck- 
lins Collectaneis, I. II, fol. 426. 

3 S. fol. 67a. Strassb. Stadtarch. 

4 Fol. 24 a und fol. 361). 



— 39 — 

zusagte. Deshalb wurde eine andere Zeichnung angefertigt, 
worin «das ander gaden zu einer grossen und kleinen Rhat- 
stuben / dessgleichen zu einer fünfzehnerstuben » eingeteilt 
war, «da es denn diese Stuben schön und grösser, denn sie 
jetzt sind, geben und auch ein grösser Platai bleiben wurd» ; 
hierüber und über das ßaupersonal konnte sich aber die Com- 
mission nicht einigen, weshalb ihnen noch zwei andere Herren 
aus der Mitte der XXI : Fuchs und Hohenburg beigeordnet 
wurden. Jedoch auch so entstand keine einhellige Meinung, die 
einen blieben bei ihrem Vorschlag, das Hauptgeschoss zu Rats- 
stuben zu verwenden, die andern gaben zu bedenken, «das 
der mittler Stock also gebauwen würde / domit derselbige den 
Herren mög nutz tragen, es zu einer solchen Gelegenheit rich- 
ten / dass Kauffleut in der Messe ihre Waren darauff haben 
könnten / und man also darvon könnte Zinssen uffheben», bis 
die Sitzung vom 27. Januar für die erste Ansicht entschied, 
die Frage aber, «ob man den dritten Stock machen / oder 
es bei zweien wolle verpleiben lassen», der Ueberlegung an- 
heimstellte. 

Am 20. Juh * konnte Abraham Held den Befehl, «den 
andern Stock an dem neuwen Bau uffzuführen», als ausge- 
führt melden ; mithin wurde er in einem halben Jahr aufge- 
führt, während auf den Keller nebst den Fundamenten und 
das Erdgeschoss ein und drei viertel Jahr fallen, vom April 82 
bis Januar 84. 

Bereits am 17. Juni 1584 « hatte Held «an das jüngste 
Erkenndnus» erinnert «des Bauwes halben an S. Martins 
Platz / das maus nemblich bei zweyen Gäden solle verpleiben 
lassen» und berichtet, dass in Specklins Abwesenheit «die 
Werkmeister dieser Erkenndnus sich befremdeten, und darfüi- 
halten / dieweil es ein langer Bauw und so niderbleiben soll, 
dass der Bauw geschend w^fcrde», während etliche «Zimmer 
für das tach machen» wollten, denn «so bekem der Bauw 
auch ein mehrer Ansehen », was eine dritte Partei aus tech- 
nischen Gründen widerriet. Man sieht also , wie ästhetische 
Rucksichten gegen constructive und ökonomische stritten. 

In Folge dieser Sitzung ward an Stelle abwesender Herren 
Nicolaus Fuchs und der Stadt Schreiber Krebs in die Commission 
^ewrdilt, welche nach Inspizirung das Baues dafür hielt 3, «ein 
verlohren tach zu machen für die rauhe Jahreszeit, damit man 
die Keller und auch khünftige Mess die gaden brauchen kön- 



1 Fol. 349 a. 

2 Fol. 295 a. 

3 20. Jiüi, fol. 349a. 



1 



— 4^) — 

jiejo, lerner, ((da man den Bauvv nit verderben und spolt 
tünle<i:en wöll / das man das dritt gaden auch werde machea 
müesseri.)) Weshalb sich die XXI. Herren gegen das drille 
Stockwerk sträubten, rauss hauptsächlich in der Sparsamkeit 
seinen Grund haben : denn die Zeit der hohen gotliischen 
Giebelhauser lag noch nicht gar fern, befanden sich doch in 
nächster Nähe solche, in deren Mitte der Bau ohne dritten 
Stock einen nahezu komischen Eindruck gemacht hätte. 

Doch zog sich der Entschluss noch hin, besondei-s nachdem 
Mitte October ein Teil der Gewölbe eingestürzt war, indem 
« die Innwendig Mauer gegen dem hoff sich hinauss gethan und 
also dah(T solche Gewölb eingefallen >». Damit nun (he Werk- 
leute dies nicht vertuschten oder wie sich Herr Leichtensteiger 
in der Sitzung am 19. October ausdrückt : « mit einem blauwen 
Dunst sollten darüber faren », wurde von der Commission und den 
Hauleitern Rechens(jhaft gefordeit ; die verordneten Herren aber 
enlschuNligten sich für ihre Personen und vermeldeten, «dass 
sie sich auf meiner Herren Bauw und Werckmeister verlassen, 
die weil sie nit allen Tag können darbey seien, und sey gleicli- 
wol nit ohn ,' das ein ge wölb,, und nit zwey oder drey wie 
etliche sagen eingefallen », während die Werkmeister in zwei 
Parteien zerfallen. Die einen sagten, ((das die Ursach sey, das 
die angezogene Maur nit beschwert gew^esen, also hab man an 
dem andern gewölb, wo der grösst Mangel gefunden da es 
hernach fallen möc-hte, etlichs wider abgebrochen und der Sach 
schon geholfen » worin die andern nicht beipflichten konnten, 
unter welchen man die verständige und kräftige Sprache Speck- 
lins zu vernehmen glaubt : (( so leichllichen nit werde geholfen 
werden können. Dieweil der Mangel im Fundament, und die 
Pfeiler Zugering angelegt, dieselbigen sich gesenkt, und hab 
also der Bauw kein gleich tragen mehr, und hab solches nott- 
wendig lallen müessen, und soll wol darbey nit pleiben, son- 
derlich wenn der dritt Stock und ein so gross holzwerk druff 
kohnien suU / . Dem allem hatte fürkohmen werden können, 
wann man hätte Ptäl geschlagen / nun legt Ir einer die Schuld 
uff <len anderen und will keiner deshalb Inns aug geschlagen 
haben 2 ». Darauf wurde beschlossen , dass die verordneten 
Herren nebst den Baumeistern und auserwählten Maurer- untl 
Zinmierleuten erstens «uff den Augenschein kohmen, besicli- 
tigen wo der feler | alles nach iiotturfft erwegen» was am 
21. October geschah, zweitens bedenken sollten, «ob weger es 
bey den Zwey gäden bleiben /u lassen, oder ob man das dritt 
gaden auch druff setzen wöll >>. 



1 Fol. 519a. 

2 Fol. 5191). 520 a 



— 41 — 

Die Besicht i*rung er*ial) foljjj-enden Befund, Avelcher am 
21^. October den Herren XXI. J berichtet ward, nanihch : (uias 
etliche g^ewölh eingefallen und noch etliche abgehebt werden 
mfiessen ^> und « das das Fundament stark und j<ut und sich 
nicht gesenkt, allein sey der mangel, das die gewölber zu 
flach und nicht recht einjrejochet und die beigestell zu bald 
hinweggethan worden, also das der Jochen mit geringem wie- 
fler zuhelflen und sey wol das^under gewölb beym Kamelthier 
zu 2 ein wenig gerissen, sie haben aber gemeinlich darfür ge- 
halten, das es dessen Schuld / das das Ohergewölb ein und 
diraufl* gefallen / welches ein schwerer Last. — Und dieweil 
ein theil Herren der Meinung gewesen / das das Holzwerk / 
so allbereit gezimmert und daraufT kohmen soll / zu schwer 
sein werde, so halten aber die Bauvers^tändigen silmptlich dar- 
ITir / das das Holzwerk nit zu schwei' sein, sondern das Fun- 
d.nnent ein solches wol tragen niüg)). <rAlso das allein M. 
(reorg schuldig und den Platz neben das Loch gesetzt», welcher 
einen Verweis und den Auftrag erhielt, künflig nur mit Hans 
König und den Werkmeistern zusammen zu handeln. Endlich 
heisst es : «dieweil der tachstuhl vor AVevnacht oder Winter 
nil kann aussgemacht werden / soll man ein verlohren lach 
wachen / damit der Bauw im truckenen stände / sonderlich 
weil man vermeinet / das die Dielen und das Holzwerk bey 
der Hand also das es bald geschehen kann». 

Sämmtliche Vorschläge wurden von den Herren XXL ange- 
nommen. Man vermisst indes einen besonderen Beschluss über 
d;?n dritten Stock; nur implicite erfahren wir, dass constructive 
Hindernisse nicht geltend zu machen waren, müssen daher an- 
nehmen, dass sich die sparsameji Herien der XXL, mit der 
Commission inid dem Baumeister einverstanden, für das dritte» 
Siockwerk erklärt haben, welches jedoch nicht mehr vor Eintritt 
<\e^ Winters, sondern Anfang 85 gebaut sein düifte, so rasch 
jedoch, dass man bereits am 16. Mär/ an das Aufschlagen des 
definitiven Dachstuhles gehen konnte, welche Arbeit am 30. 
des Monats vollendet war. Es folgte noch die Dachdeckung und 
der innere Ausbau — wol nur des Obergescho.sses, da bereits 
am 23. Juni » die Vermietung der unteren Bögen und Gewölbe 
beschlossen wurde. Ich habe darüher nur einen Bericht der 
Mcssherren vom 10. Juli 85 gefunden *, welche die Gäden in 



1 Fol. 525 b. 

2 Hans zu dem grossen Kamelthier wurde genannt Kufcrgasse 
Nr. 30, s. Schmidt, Gassen- und Häusernamen. 

3 S. Schneegans, Eis. Neujahrsbl. S. 316, N. 24. 
* XXL Mem. v. 1585, fol. 256 b. 



— 42 — 

der Zeit zwischen den Messen an Bürger verlehnen wollen, 
und wo erkannt wird, dass drei Herren die Sache ordnen sollen. 
Keinesfalls geht man fehl, die Vollendung des Baues in den 
Sommer 1585 zu setzen, welche Jahreszahl auch im Giebel des 
Portales prangt. 

Es dienten die tiefen und geräumigen Keller als Lager- 
räume, das Erdgeschoss war für den Verkauf und das Publicum 
bestimmt, wo zur Messzeit die fremden Händler, sonst Bürger 
ihre Waren auslegten, im zweiten Geschoss waren die grosse 
und kleine Rats-, sowie die Fünfzehnerstube, während über die 
Verwendung des dritten Stockwerkes kein Bericht vorliegt; es 
mochte wol dem Ammeister zur Wohnung gedient haben. 

Während sich in den folgenden Jahrhunderten an dem 
Baui selbst keinerlei Veränderung vollzogen, so doch an dem 
Platze und der Umgebung. Die Kanzlei erlag A. 4685 einem 
Brand, ward aber neu gebaut 2; um dieselbe Zeit mag sich auch 
der noch übliche Name des St. Martinsplatzes in den Garlners- 
niarkt umgewandelt haben », bis das 1840 zu Ehren Gutenbergs 
errichtete Denkmal den heutigen Namen gab. 

Bemerkenswert ist noch, dass A. 1745 aus dem zum Ab- 
bruch bestimmten Pfennigturm (am Kleberplatz) die Archive in 
die Gewölbe des Stadthauses überbracht wurden, nicht zu ihrem 
besten Schutze: denn die 44 Jahre später hereinbrechende re- 
volutionäre Bewegung gab das ganze Gebäude dem zügellosen 
Volke preis und sollte die Väter der Stadt für immer daraus 
vertreiben . 

Am '20. Juli 1789 sammelte sicli in Folge eines Aufstandes 
der Bäcker eine Menge von Handwerkern, mit ihren W^erkzeugen 
bewaffnet, vor dem Stadthause und begannen, trotz Ankunft 
der Garnison, um fünf Uhr Nachmittags Steine und Feuerbrände 
gegen das Gebäude zu schleudern, so dass Verordnete des Ma- 
gistrats unter dem Versprechen flüchteten, die Lebensniittelsteuer 
zu erlassen, worauf sich das Volk verlief. Trotzdem baten vor- 
sichtige Bürger den Generalcomraandanten im Elsass, Marschall 
de Rochambeau, um die Erlaubnis, bewaffnete Bürger postiren 
zu dürfen, was dieser aljer abschlug. Da das Versprechen des 
Magistrats nicht allgemeinen Glauben fand, sammelte sich am 
folgenden Tage wiederum eine Volksmasse vor dem Stadthaus: 



1 In der Noiivelle descriptioii de Strasbourg 1838 findet sich die 
Notiz, das Stadthaus sei mit Malereien des Sebast. Stosskopf ge- 
schmückt gewesen, demnach aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. 
Jedenfalls ist nichts erhalten. 

•i Woltmanii, S. 218. 

3 Mjirch6 aux Herbes, s. Gassen- und Hänsernamen, S. 129. 



— 43 — 

Steinwürfen folgten Beschwichtigungsversuche und die Flucht 
des Magistrats. Obwol die ganze Garnison unter Waffen stand 
und ein Regiment den Platz zernirte, sahen Mannschaften und 
Offiziere ruhig dem Zerstörungswerke zu, welches nun begann. 

Die Türen wurden gesprengt, die Kassen beraubt, die Ar- 
chive durchwühlt, die Prachtspiegel, Decken, Gemälde und Möbel 
zertrümmert und aus den Fenstern geschleudert ; localgeschicht- 
liche Dokumente und politische Correspondenzen verschwanden 
auf immer^ der Kräutermarkt und die Schlossergasse lagen einen 
Fuss hoch voll Papier; — fünf Jahre suchte man das verlorene 
wiederzusammeln, jedoch ohne Erfolg. 

Endlich drangen der Prinz Maximilian von Zweybrücken, 
nachmaliger König von Bayern, mit einer Compagnie des Elsas- 
slschen Regimentes von der Langen Strasse in die Kanzlei und 
der Prinz von Hessen-Darmstadt an der Spitze einer Abteilung 
seines Regimentes von der Dornengasse in den Neubau ein und 
säuberten die Räume von den Unholden. Der folgende Tag sah 
den Magistrat auf dem Paradeplatz Gericht halten und etliche 
Bestrafungen vornehmen*. 

Das Gebäude der alten Pfalz war bereits 1785 zerstört 
woixlen, das Stadthaus ward im Jahre 1795 für 105,000 Fr. in 
Silber an die Kaufmannschaft veräussert, welche daselbst eine 
Börse, ein Handelsgericht und ein kaufmännisch-litterarisches, 
l)esonders in französischer Zeit viel gesuchtes Casino einrichtete 2 ; 
die Kanzlei wurde nach einem Brand im Jahre 1798 von den 
Herren Messerschmidt Lichtenberger und Hoelbeck erworben, wel- 
che das stattliche jetzige Haus aufführen Hessen^. Zur Mairie wurde 
dann das Hotel de Darmstadt in der Brantgasse, ehemals dei- 
Hof des von Ochsenstein, eingerichtet, welches noch heut der 
Stadt Rathaus ist. — Ausser den Reparaturen nach der Plünde- 
rung von 1789 erlitt das alte Rathaus noch einen Umbau Ende 
«ler 60. Jahre unseres Jahrhunderts, indem die letzten zwei 
Abteilungen der Hauptfassade, mit vier Fenstern in der Front, 
nach (ier Grünen-Banmgasse zu restaurirt, sowie die südliche 
Flanke in der genannten Gasse nach dem Muster der Specklin- 
schen Fassade ausgeführt wurden ; dieser Bau war im Jahr 1870 
fertig gestellt und für postalische Zwecke bestimmt, musste 
aber deutschen Polizei- und Steuer-Bureaux Platz machen. 



1 Album alsacien vom 29. Juli 1838, S. 305. 

2 Notice sur Strasb., par C. Schmidt, 1842. 

3 Piton, Strasb. ill. 1855, I, S. 190. 



— 45 — 

Von Abbildungen des Stadthauses sind bekannt : ein Stich 
von Le Bas nach Zeichnung von J. M. Weiss, gelegentlicJi der 
Anwesenheit des Königs Ludwig XV im Jahre 1744 und der 
dazu von der Stadt veranstalteten Festlichkeiten gefertigt, ferner 
ein Stich von Devere, aus der Zeit nach d789, die Plünderung 
durch den Pöbel darstellend i und endlich ein unveränderlicher 
Lichtdruck in K. E. 0. Fritscli's Denkmälern deutscher Renais- 
sance *, wonach auch der Holzschnitt des Portals l)ei Lübkes. 
Gleichwol erscheint mir eine Beschreibung des architectonischen 
Befundes und eine Ergänzung im Sinne des alten ZuStandes am 
Platze. 

Drei Gesimse teilen das Gebäude in horizontaler Richtung 
ai), ein einfaches über dem Erdgeschoss, ein reiches, kräftigei* 
ausladendes mit Zähnchen über dem Hauptgeschoss und ein 
ähnliches von kleineren Verliältnissen über dem 01>eigeschoss ; 
die Gesimsptatten und Wulste springen hervor, wo sie zugleich 
der vertikalen Einteilung angehören. Diese wird durch Pilaster 
licmacht, welche in jedem Stock, abwechselnd slark und schwach 
jrebildet, die Fenster einmal parweise, dann einzeln abteilen. 
Zunächst eine Gruppe der starken zu beschreiben : im Erd- 
}(escboss steht auf hohem Postament ein unten mit zwei Buckeln 
versehener, oben scharf eingezogener und mit einer Maske 
zwischen Beiwerk von Feld- und Baum fruchten gezierter Pilaster 
dorisirenden Kapitells, im zw^eiten Stock ruht ein solcher auf 
schildbedecktem Postament, hat sechs unten ausgefüllte Gannel- 
luren und trägt ein ionisches Kapitell, zwischen dessen Voluten 
Köpfchen, auch von Tieren, befindlich sind, der Oberstock zeigt 
einen ähnlichen nur wiederum kleineren Pilaster korinthischen 
Kapitells. Ein System oder eine Gruppe schwacher Pfeilei- 
zeigt unten einen Ruslicapfeiler, der sich in der Mauerebene 
hält, im ersten Stock auf gebuckeltem Postament einen Pilaster 
mit leistenartiger Einlassung, in deren Mitte eine Rosette — 
einmal zeigt sich ein Löwenkopf — während unten und oben 
eine Halbrosette angebracht ist, im Oberstock gleiche, nui- 
kleinere Bildung, während die Kapitelle per Stockwerk de** 
ersten Pilastergruppe entsprechen. 

Die Hauptfassade, nach dem Platz, hat acht Fensterpare, 
von denen zwei, wie erwähnt, erneuert sind. Das Portal steht 
in dem vierten Compartiment von der Schlossergasse her ; diese 
selbst zeigt fünf Abteilungen, deren erste an der Ecke abnorm 



^ Wiedergegeben im Album alsacien von 181^ und bei Pitoii 
Strasb. ill. von 1855. 

2 Berlin, Wasmnth 1882. 

3 I, S. 277. 



— i6 — 

ist durch Einschiebung eines Mauerstückes, was durch die bis 
1789 vom ersten Stock über die Gasse wej? und in die Kanzlei 
führende Verbindungsgallerie veranlasst zu sein scheint. 

Die Fenster selbst zeigen unten breite Rundbogen, in den 
oberen Stockwerken sind sie dreimal geteilt, von gradem Sturz, 
und endigen die ausgekehlten Pfosten auf umgekehrten Con- 
^^ölchen. Die Füllungen zwischen Gesims und Banquelt sind 
jetzt in beiden Obergeschossen kahl und glatt verputzt, ureprünjj- 
lich a})er ornamental geschmückt gewesen, wobei nur der Zweifel 
aufkommen kann, ob durch Malerei oder Plastik. Die Fra^e 
wird jedoch durch den Stich von Weiss-Le Bas entschieden, 
woselbst deutlich genug Wappenschilder zwischen Laub- oder 
Fruchlschnüren von Stein oder Stuck zu erkennen sind, welches 
Schmuck werk 1789 zerstört sein mag. Eine Krönung der 
Fenster durch Masken zwischen zw^ei langezogenen Voluten zeigt 
nur das Mittelgeschoss als piano nobile. 

Die Hofseite ist einfach gebildet und zeigt dreigeteilte 
Fensler derselben Dimension, wie aussen, auch zweiteilige. 

Am Hauptgesims waren ehemals, wie uns auch der ange- 
führte Stich lehrt, etliche Wasserspeier in Tierform angebracht. 
Das hohe, steile Dach mit einer reichen Anzahl Luken unter 
Schneckengiebelchen und drei Pyramiden an der GiebeKseite 
(?rscheint sonst unverändert. 

An den Aussenseiten ist noch hervorzuheben die enorme 
Anzahl von Steinmetzzeichen, welche sich auf den Pilastern, 
deren Platten, am Gesims und den Fensterpfosten u. a. a. 0. 
finden, die zusammenzustellen eine hübsche und dankbare Auf- 
gabe wäre. 

Das Hauptportal wird umschlossen von zwei reich gebildeten, 
auf gebuckeltem Sockel ruhenden korinthischen Säulen, die 
zwischen zwei W^appen haltenden und, wie die Schwanzstücke 
links anzeigen, teilweise ergänzten Leuen einen Spitzgiebel 
tragen, den an Stelle des jetzigen Merkurkoples eine Statuette 
mit erhobener Linken, welche als Venus überliefert wird, aber 
eher eine Stadtgottheit dargestellt hat, in Mitte zwischen zwei 
liegenden Figuren krönte. Das Giebelfeld wird durch eine mit 
Carlouchenwerk gezierte Tafel ausgefüllt, in welche die Jalires- 
zahl der Vollendung, ehedem in lateinischen Lettern, jetzt in 
arabischen Ziffern geschnitten ist. 

In das Vestibül eingetreten linden wir zwei Gewölbejoche, 
vorn ein Netzgewölbe, dessen Hauptrippen auf ornamenlirlen 
p]ckconsolen oder Kapitellen ruhen, hinten ein einfaches Kreuz- 
gewölbe, jedoch reicher ornamentirte Kapitelle und auf jeder Seite 
eines mehr, um die die Oeffnungen überbrückenden Spitzbi^n 
zu tragen. Links ist das Treppenhaus, wo ehemals eine schöne 



— 47 — 

Wendeltreppe in die oberen Räume führte, welche gleich wie 
<ier ganze ursprüngliche Charakter des Inneren der Verwüstung 
vom Jahre 1789 zum Opfer gefallen ist. Ein Rest dieser Treppe 
beGndet sich noch im Besitz eines Steinhauers in der Bücher- 
gasse Nr. 14 im Hofe, nämlich eine wolerhaltene, feingeschnit- 
tene Sandsteinstufe von circa 1,7 m Breite, deren Unteransicht 
ein Streifenomament mit Rosette und an dem breiteren Teile 
die Zeichnung eines Gewöll)enetzes aufweist. 

Das Eixlgeschoss'war, wie der tiefe Keller, früher gänzlich 
überwölbt; einzelne Joche, so an der Schlossergas.se, sind er- 
halten und zeigen mächtige Kreuzrippen, welche auf Consolen 
ruhen, andere, welche zerstört wurden, sind durch flache 
Decken ersetzt. Die Holzverkleidungen , welche die Bögen 
schliessen, sind modern, und scheinen die Hallen, wie sich aus 
«len bis nach hinten laufenden Kymatien der Pfeilerkapitelle 
schliessen lässt, vollkommen im Sinne damaliger Verkaufslauben 
ursprünglich offen gewesen zu sein. 

Es ist noch übrig , den künstlerischen Wert <les 
Baues festzustellen. Wer zunächst einen allgemeinen Ueber- 
hlick hält, bemerkt die Gleichartigkeit und Regelnlässigkeit 
<ler Anordnung, sowie die klare Gliederung in unserm Bau, 
welche in horizontalem Sinne durch die Gesimse, in ver- 
ticalem durch die Pilaster ausgesprochen wird. Woltuend 
wirkt die doppelte Teilung der langgestreckten Fas.sade, indem 
je zwei starkgebildete Pilastergruppen eine Oberabteilung von 
zwei Fenstern ausmachen, welche wiederum durch schwache 
Pilaster vereinzelt werden'. Dass aber die Verticaltendenz 
vorherrscht, wie Lübke im Allgemeinen bei den deutschen 
Renaissance-Bauten constaliren kann, darf man von unserm Bau 
nicht behaupten, im Gegenteil überwiegt die Horizontale ; und 
zwar trotz des hohen « deutschen » Daches, welches wir neben 
etlichen andern gothischen Reminiscenzen : das Netzgewölbe im 
Vestibül, die ehemalige Wendeltreppe und die ebenfalls l)esei- 
tigten Wasserspeier, mit in den Kauf nehmen müssen. 

Daneben erscheinen die der Antike entlehnten Ornament- 
formen wol verstanden und ziemlich rein, wenngleich ihnen 
eine gewisse Schwere anhaftet. Mannigfach und voll Phantasie 
ist namentlich das Motiv der Köpfe behandelt, deren sich an 
der Hauptfassade allein, die restaurirten Partien einbegrifien, 
im Ganzen einhundertundneun finden, unter denen männliche 
und weibliche, Löwen- und Widderköpfe der verschiedensten 
Art und Grösse abwechseln. 



1 Diese Einteilung erscheint übrigens in der Zeichnung bei 
Piton, nach Devere missverstanden, indem zwischen der Schlosser- 
gasse und dem Portal ein Fenster fehlt. 



— 48 — 

Liibke bemerkt zu dem Bau, die Arcliitectur entspreche 
der des Friedrichsbaues von Heidelberg , welchen Verjrleidi 
Woltmann als zutreflend bezeichnet. Allerdinjrs ist eine Aehn- 
lichkeit nicht zu leugnen, so in der Einteilung in drei Stock- 
werke , wenn man von dem etwas schweren Unterlmu in 
Heidelberg absieht, terner in den Pilastern, welche die Fassade 
gliedern, übrigens bei dem Friedrichsbau mit Nischenfigui-en 
abwechseln ; immerhin bleibt die Aehnlichkeit eine flüchtige, 
welche nur die Stilverwandschaft beweist. Wollmann und 
Lübke gehen freilich nicht so weit, Reminiscenzen entdecken 
zu wollen, in welchem Falle der Strassburger Bau das Modell 
gewesen sein müsste, da der Friedrichsbau erst dGOl begonnen 
ward. Aehnlichkeiten im Detail lassen sich auch mit dem 
1550 — 59 entstandenen Otto-Heinrichsbau finden, so in dem 
die Fenster krönenden Masken- und Volutenmotiv. Ohne 
den Vergleich urgiren zu wollen, stehen andre Bauten doch 
naher, so das Geltenzunfthaus zu BaseU, welches die nun zur 
Hegel werdende Anwendung der dorischen Stütze , Säule 
oder Pilasters, im Erdgeschoss, der ionischen im ersten Stwk 
und der korinthischen im Obergeschoss aufweist, auch im 
Hauptgeschoss die Dreiteilung der Fenster und das Volutenmotiv 
zeigt, an welchem Bau Lübke selbst «eine strengere und reinen^ 
Auffassung der Antike als gleichzeitig in Deutschland» findet. 

Wenn aber die stärkere Betonung der Horizontale und die 
reinere Aufiassung der Antike, welche ich auch in unserm 
Bau bemerke, an italienisclie Bauten erinnert, so ist doch ein 
bestimmtes Vorbild nicht nachweisbar. Auch muss man sich 
vergegenwärtigen, dass in Deutschland zu jener Zeit viele 
Pallaste von italienischen oder in Italien gebildeten Meistern 
ausgeführt worden waren. Dass der viel und offenen Auges 
reisende Specklin die besten Bauten Deutschlands, wie in 
Baden, Wien, Basel, Heidelberg, vielleicht auch in Brieg und 
Wismar gekannt hat, wissen wir zum Teil, dürfen es teils 
annehmen; wenn er solche Schöpfungen aufzufassen und dar- 
nach zu arbeiten wusste, so beweist das ebensosehr seinen 
guten Geschmack, wie seine Gompo.sitionsfahigkeit. 

Nach allem ge.sagten gehört der Bau des alten Stadthauses 
zu den besten jener dritten und letzten Bauepoche deutscher 
Renaissance-Zeit, wo bereits « Alles einen derberen Ausdnick 
gewinnt » und die Phantasie zu überwuchern anfangt. Wie das 
Gebäude drei Jahrhunderte bestimmt, die städtische Regierung 



1 An dessen Fassade ist nach Lübke, I, S. 244 die Jahreszahl 
1578 zu lesen, was mir jedoch nicht gelang. Der Meister des Baues 
ist unbekannt. 



— ¥J — 

zu bergen, seiner Zeit ein würdiges Seitenslikk war zu andern 
Repiasentationsbauten des Landes, wie dem Rathaus zu Ensis- 
lieim aus dem Jahre 1535 oder dem von Mülhausen von 1552, 
so ist es heutzutage der bedeutendste Monumentall)au jener 
Kunr5tepw!he in Strassburg, auch heute berechtigt, sein Antlitz 
«lern des grossen Domes zuzuwenden, welcher den kühnen, 
Inmmelanstrebendcn Geist des Mittelalters atmet. 

Wägen w^ir die Verdienste Specklins gegen einander ah, 
so müssen wir gestehen, dass für jene Zeit der Kriegsbaumeister 
und «der Mann mit ruhigem Urteil und offenen Auge in 
unruhiger Zeit» mehr galt, als der Architect, zumal in dieser 
seltenen Erscheinung gegenüber dem viel lebhafter ausgeübten 
Kunstfach ; mag er sich selbst als Ingenieur für bedeutender 
jrehalten haben, wie es die Nachwelt bis auf den heutigen Tag 
(ut, merkwürdig ist, dass uns gerade nur ein Architect ur werk 
erhalten ist, und dieser einzige nachweisbare Bau uns nötigt, 
ihn den besten Architecten seiner Zeit zur Seite zu stellen. 



§ :i. Zeichnungen. 

Von Holzschnitten und Kupferstichen nach Zeichnungen 
Specklins ist eine Anzahl noch erhalten oder bekannte Zunächst 
von ersteren : eine Ansicht des Strassburger Münsters, perspec- 
livisch von Süd -West aufgenommen, mit der Inschrift: «Ge- 
stellt auf einfaltigst durch Daniel Specklin und Bernhard Jobin 
Formenschneider zu Strassburg MDLXVI >) ; letzgenannter Drucke- 
reibesitzer und Stecher scheint demnach den Holzschnitt gefer- 
tigt zu haben. Ferner; eine kleine Ansicht des Münsters von 
1587, deren Inschrift auf randverziertem Tilfclchen : « Anno 
(post) Christi natum Templum Argentoratense Daniel Specklin 
fecit 1587» Bartsch 2 veranlasst, Specklin zum Holzschneider zu 
niachen, der ebenfalls nur die Zeichnung geliefert haben wird. 

Unter den Kupferstichen nimmt den wichtigsten Platz die 
topographische Karte des Elsasses ein, welche viele nunmehr 
verschwundene Flecken und Schlösser enthielt und von Schöpf- 
liu nnehrfach benutzt wurdet. Zu Schneegans Zeiten befanden 
^*ich die Kupferplatten dazu noch auf der Stadtbibliothek. — 
Hieran schliesst sich eine äussert seltene in Kupfer gestochene 
Ansicht des Strassburger Münsters mit der Aufschrift : «Daniel 



1 S. Passavant, P.-G. vol. III, p. 350. 

2 Bd. IX. 

3 Vergl. Spach, Bullet, de la societe pour la conserv. des monu- 
ments histor. d'Alsace, 1858. p. 72. 



— 50 — 

Specklin lecit 4587», und dem Monogramm (M, welche Hoseas 
Schad für sein Münsterbuchlein von 4617 1 copiren Hess; sie ist 
von grosser Gorrectheit und Feinheit im Detail, jedoch von der- 
artig falscher Perspective, dass die Gesimse und Gallerien der 
südlichen Turmseite unter und über der Rosette sowie an der 
Plattform in direkt-horizontaler Verlängerung der gleichen Par- 
tien an der Hauptfassade laufen. Doch verdient Specklins Auge 
keinen Vorwurf, da er sichtlich sowohl die Architectur der 
West- als auch der Südseite auf das Blatt bringen wollte. Der 
Vierungsturm zeigt einige Octogonmauern, welche in gothische 
Spitzgiebel enden, abwechselnd die eine mit drei Rosettenfen- 
stern nebst Krabben und Kreuzblume darauf, die andere mit 
hohem, gradpfostigen, dreigeteilten Mittel fenster und zwei Paren 
kleinerer zweigeteilter seitlicher Fenster. Die Satteldächer, deren 
First leicht ansteigt, schneiden sich in einfachen Falten. In der 
Mitte erhebt sich ein Dachreiter darüber, auf dessen Knopf eine 
Madonna thront 2. Voi- dem Südportal befindet sich eine Treppe 
zwischen Schranken gothischen Geländers, daneben zahlreiche 
Bauhütten. Aus demselben Jahre stammt eine perspectivi.sche 
Ansicht der Stadt Strassburg mit der Inschrift : « Daniel Speeklin 
fecit. M. Greuter sculpsit 4587», welche vielfach von späteren 
Künstlern benutzt und copirt wurde. 

Endlich bietet Specklins Architectura von Festungen eine 
Reihe interessanter Blätter. Die erste Ausgabe, deren Stiche 
ich meistenteils hübsch illuminirt gefunden habe, hat 40 Blatt 
und 23 Skizzen im Text, die zweite deren 44 und 28, da 
sie durch Zeichnungen aus Si)ecklins Nachlass vermehrt 
wurde 3. Auf dem mit Säulen, unterbrochenem Giebel, alle- 
gorischen Figuren und reicher Ornamentik nebst Kriegsem- 
blemen gezierten Titelblatt und auf dem Kupferblatt Nr. 4(i 
rechts unten findet sich die Inschrift: ((Mattheus Greuter 
sculpsit», dessen Name und Monogramm bereits erwähnt 
ist, und welcher auch die übrigen Stiche gefertigt haben 
wird. Während die Mehrzahl der Kupferblätter Befestigungs- 
arbeiten, technische Einzelheiten und Constructionen aufweisl, 
fesseln unsere besondere Aufmerksamkeit die Bergschlösser*, 
rösstenteils Vogesenburgen ; obwol Speeklin deren Namen 






5 Zu S. 18, 19. Nach Specklins Skizze caus einer alten Ver- 
zeichnus» ist auch der Grundriss des ersten Münsters, ebenda S. 6. 

2 Weltmann, deutsch. Kunst im Eis. S. 136, 37. 

8 Nr. I erschien bei Beruh. Jobin 1589 ; II bei SpeckUns Schwager, 
Lazarus Zetzner, 1599; III ebenda 1608 ; IV, 1705; V 1712 und VI 1736, 
letztere drei in Dresden. 

4 K.-Bl. Nr. 14-17 ff. 



— 51 — 

tmii Fleiss» verschweigt, so finden sich dieselben doch in 
einem im Besitz der Strassburger Universiläts- und Landes- 
bibUothek befindUchen, illuminirten Exemplar von landeskun- 
diger Hand beigeschrieben, nämlich der des Archivars Jacob 
^Vencker, wie das Titelblatt besagt, das die Worte gleicher 
Handschrift tragt: «Sum Jacobi Wenckeri Argent.» 

Es sind nach Graz und (Alt-) Breisach, «die Claus Affei- 
ton in Burgund », der « Ehrenbreitstein, Trierisch », drei 
Castelle «Im Wassgau, Pfälzisch», Schloss «"Höllenstein ^ im 
WesteiTeich, Nassauisch», das Haus «Pfirdt, in Burgund», 
dem König von Spanien gehörig, die « Claus Plaumont ^ an Bur- 
gund», der «Fleckstein» an der pfalzischen Grenze, das 
Haus «Salm der Frh. von Salm», endlich Hanauisch «Liech- 
tenberg» und der «Hohentwiel, Wurtembergisch ». Dies«» 
Burgen mögen in den Jahren 74-77 gelegentlich der topogra- 
phischen Kaiie aufgenommen worden sein, sie sind sämint- 
lich fein gezeichnet und nicht ohne landschaftlichen AVert. 

Die angeführten Zeichnungen beweisen dass Specklin ein 
trefflicher Zeichner sowol technischer Einzelheiten, als auch 
architectoni scher Motive gewesen ist, bei denen sich bisweilen 
auch malerische Auffassung geltend macht . 



§ 4. Geschichtswerke. 

Obwol ich die Betrachtung des Chronisten ausdrücklich 
abgelehnt habe, so seien doch einige sachliche Bemerkungen 
über die von Specklin hinterlassenen, geschichtlichen Werke 
gestattet. Er selbst äussert sich in einem Bericht an den Rat 
vom 27. Oktober 1587 darüber wie folgt: «Ich hab dis mein 
AVerk in vier bücher abgetheilt : 

Erstlichen von Anfang bis auff' Carlo magno 

Von disem auf Rudolflen von Hapsburg, 

Von Rudolffb bis auf Carlo V 

Von Carlo V bis aufl* unser zevtt do sichs endt, 
vnd alles von jar zu jar, vnd wiewol ich gern vil figuren und 
Wappen darin machen wolte, wil mir der anrosten zu schwer 
fallen, dessen ichs muss vnderlossen^. 

Um die genannte Zeit kam er nämlich bei dem Rat um 
die Erlaubnis ein, diese Collectanea drucken zu dürf<Mi, damit 



^ alias Hohenfels. 

2 alias Beaumont. 

3 S. Eis. Neujahrsbl S. 310. Diesbezügliclie Schriftstücke giebt 
Schneegans daselbst von S. 307 an. 



1 



— 5'2 



ifim nirht andere zuvorkiimen ; er kam jedocli nur dazu, tuiit 
und dreissi*^ Folioblälter sauber abg^eschrieben als Anfang zu der 
Sfrassburgisch-Elsässisoben (Chronik fertig zu stellen. Diese be- 
fand sich später im Besitz des mehrfach erwähnten Jacob Wencker, 
wählend die Gollectanea, das Brouillon von Lazarus Zetzner, 
Specklins Schwager, durch Hoseas Schad um IJÜ tl. erworben, 
J615 auf das Stadtarchiv gelangt waren. In dem Brand der 
Bibliothek von 1870 gingen beide fast gänzli(!h zu Grunde. 

Wenngleich sich vielfache Irrtümer durch Specklin in spätere 
Goschichtswerke eingescldichen haben, so verdanken wir ihm 
doch andererseits unendlich viele Angaben, die anderswo veiyel)- 
lich zu suchen sind. Daher ist das Beginnen, die Werke aus 
gedruckten Büchern, sowie abschriftlichem Material wieder zu- 
sammenzustellen, sowol lohnend, als auch mit Freuden zu be- 
grüssen. 



Denn es ist unsere Pllicht, die reichen Denkmäler der Ge- 
schichte und Kunst, welche das für Deutschland wiedergew-onnene 
Land besitzt, aufzusuchen und dem Publicum zugänglich zu 
machen ; und viele Aufgaben harren noch ihrer Lösung, ich 
will nur an die hochwichtigen Schongauer- und Giünewald- 
Fragen erinnern, oder was für interessante Resultate von einem 
Vergleich der vornehmsten Schnilzaltäre untereinander, zu Alt- 
Breisach, Isenheim und Blaubeuren, St. Wolfgang zu erwarten 
wären ! 

Für solche Bestrebungen scheint nichts geeigneter und ein- 
ladender, als die grossartigen Räume in dem neuen Collegien- 
haus der Reichs- und Landes-Universität, im besonderen der 
kunstgeschichtlichen Institute mit deren schönem, alle Kunst- 
zweige und Epochen umfassenden, trefflich verwalteten Siudien- 
apparat, welcher durch die Reichhaltigkeit der in jeder Weise 
entgegenkommenden Bibliothek ergänzt wird. Darum erlaube 
ich mir mit dem Wunsche zu schliessen, dass die Zahl der jun- 
gen Kunst forscher nicht aufhören möge, ihre Schritte nachdem 
Reichsland zu lenken, um während einiger Semester ihre Krälte 
an den Schätzen des gesegneten Landes zu versuchen und zu 
stählen. 



r 



Anhang handschriftlicher Quellen. 



Aus dem kgl. Kreisarchive zu München. 
Hofkammer-Sessions-Protokolle. 

De 1575. 

1) Tom. 11, fol. 164 b. Decreta antemeridiana vom 19. März. 
Antwort an den Grafen von Schwarzenberg, Statthalter zu Baden, 
auf den Bericht vom 6. Jnni 1574 : 

«Man hab doppelstab der Bergschlösser und Copie der Riss 
Speckhls bey seim poten empfangen, und so gemellter Speckhl all 
dies gefertigt, soll In dieselbe bey einem pot zugestanden werden. 
In Mittels soll er gedacht sein und sich mit der boten bost ent- 
schliessen, wie in jetzigem frankfurter gleit daz gelt mit posst Sicher- 
heit und gelegenheit heraufkhomen möge. 

«Auf pitt des H. Daniel Speckhl pawmeisters halb ist In ein 
Zetl eingelegt daz man mit seim Bericht ziemlich zufrieden und 
wann not sey ihn weiter nachzufragen. » 

2) Tom. 15, fol. IIb. Decreta pomeridiana vom 10. Mai: «Dem 
Statthalter zu Innglsiadt ist auf sein eynzig schreiben, abermalen 
den Strassburgi sehen Werkhmeister Daniel Speckhle betreffend ge- 
schrieben worden. Man well Ime gnedig meinung nit Pergen, das 
man wie Speckhlens halben anderer Ortt in geheim Khündschafft 
nnd erfarung einziehen lassen, befinde aber das Ime nit allerdings 
ein gnet lob nachgesagt werde. Dowegen welle man die Sach mit 
Ime dissmals eingestellt, und darauff werde er in Crafft des hievor 
an Ine ausgegangenn bevelchs ein Nachforsch umb einen anderen 
glegentlichem und teuglichem werkhmeister haben.» 

3) Tom. 13, fol. 168a. Decr. antemer, v. 10. November. Befehl 
Herzog Albrecht V.' : « Erstlich wolle er den Daniel Speckhl von 
Strassburg als einen Paumeister zu den Vestungen und in andre 
Wege auf ein Jahr lang, welches sich khonfftig Weihnachten anfahen 
soll, zu dienen an und aufnemmen und in zu Besoldung 300 Fl. 
volgen zu lassen. Darauf soll ein Bestallung gef<;rtigt werden, Und 
er sich zwischen Weihnacht und Lichtmesse negst in Dienst stellen. > 

4 



^ 54 — 

4) Tom. 16, fol. 91, 92a. Decr. pomer. v. 12. November: «Dem 
Statthalter nnd Rät zu Inglstadt ist geschrieben worden, was man 
sich mit Daniel Speckhle von Strassburg seiner khonnfftig Dienst 
halber die er zu leisten zugesagt, verglichen, das haben sy aus 
Inliegender Copie seiner von unserm gn. H. und H. habenden Be- 
!:tallung zuvernemmen. Darauf habe man Ime auf er laden sich dem 
negst nach Inglstadt zuverfüegen und einen unterschiedlich specificirten 
üeberschlag in schrifften zemachen, was in allem zu erhebung und 
wider erbauung des eingefallenen Wahles daselbst für Unkosten er- 
lauffen würde und, nachdem beide Paumeister, der Eggl und Stern 
in Irem getanen üeberschlag von wegen der Anzal Holz so zu 
berürtem wal gebraucht werden sollte, gar ungleich und weit von 
einander seien, so wollen sie Ime Speckhl gleichfalls ein üeberschlag, 
wieviel man ungefehrlich Holz zu Erhebung des Wahls bedürftig, 
machen lassen und solliche beide des Speckhls üeberschlag unver- 
lenngt zur Cammer hieher schicken. Alsdann soll Inen fernerer Be- 
scheid zukhommen, wo man berürte Anzahl Holz schlagen lassen 
well, weil man auch darfür halte, das merangezogener schadthafiTter 
Wahl noch heuer und bei dieser schönen Wetterszeit abgetragen 
werden soll, so wellen sie die Paumeister für sich erfordern und 
mit jenen beratschlagen wie es am fueglichsten (es) sey, mit den 
Ruetten oder in andere Weg mit geringsten Costen beschehen möchte, 
was sy nun hierauf mit den Arbeitern für ein geding machen werden, 
dessen wollen sy gleichfalls umb ratification mit erstem hieher 
berichten und darüber Beschaids von Inen erwarten. 

Beschliesslich habe man offtermellten Speckhl für das verehrte 
Werkh und dan die Zerung gen Inglstadt und anhaimbs eine Summe 
geltes allhie von Hrzgl. Zahlstube zuestellen lassen, darob er zu- 
frieden sein werden wollte. 

Also ist auch Ime violgedachtem Speckhle für angeregtes sein 
unserm gn. H. und H. verehrtes Werkh, auch die hin und wider 
aufgewendten Zerungen von Hrzgl. Zalstube allhie 62 fl. zugeben 
verschafft worden. > 



5) Tom. 16, fol. 245. Decr. pomer. v. 15. December: 

«Dem Zollner zu Traunstein ist geschrieben worden. Man hab 
einen unseres gn. H. und H. Pauvorständigen Danielen Speckhl in 
das Closter der hl. Frauen Chiembsee verordnet mit bevelch, dass 
er daselbst die Gelegenheit besichtige, ob man dortt auff dem 
Wasser ein Fesste zuerrichten machte, hernach dessen sein Rhatlich 
guetbedünkhen neben einer Viesierung abriss oder Modell dem An- 
schlag und Unkosten solcher gepäw allhier anzeigen und überant- 
worten soll. Bevelch ihnen demnach, dass er sich in angesichts dess 
bevelches aldahin in den Frauenchiembsee verfüge, ime Speckhl in 
seinem Vorhaben und bevelch alle guete Fürcterung und Hülf er- 
zaige, darneben auch ein fleissig Achtung gebeu, wie er sich in 
seiner Verrichtung verhalte, und ob seine gestellte Visierung der 
Sach gemäss sein werde, hernach darüber sein gutachten in schrifft 






hieher überschicken. Er solle Ine auch in das Closter und umbkhreis 
des Herrn Chiembsees füren und Ine daselbst die Gelegenheit auch 
besichtigen lassen, etc. » 

De 1576. 

6) Tom. 18, fol. 198 a u. b. Decr. antem. v. 13. Juli : 

«Auf des Statthalters zu Ingolstadt alher gothan schreiben, 
Daniel Speckhl Pawmeisters daselbs wegen Verordnung gelts und 
erlaubnus etlicher Tag gen Strassburg i und Ulm belangend, Ist Ime 
wider geschrieben : Soviel erstlichen die erlegung eines anzalgelts an 
seiner Besoldung belangt, habe man auf des Speckhles hinuorigs 
anlangen dem Castner zu Ingolstadt vor diesem einen befelch zu- 
schreiben lassen, Ine Speckhl auf sein ersuchen an seiner Besoldung 
150 fl. zuzustellen. Weil aber er Speckhl oder Yemand von seinet- 
wegen ümb solchen befelch bis daher nit angehalten, Ist derselb bei 
der Cammer also verblieben, welchen befelch man Ime hiermit zu- 
schicke. Den wiss er an sein gehörig Ort antworten zelassen. Was 
dann die erlaubnis gen Ulm und Rcgenspurg betrifft. Wolle man 
Speckhl auf eine solche Zeit wie In seinem schrieben vermelt Imo 
würde, erlaubnis haben.» 

7) Tom. 19, fol. 66b Decr. antem. v. 1. Oktober: 

< Dem Statthalter zu Inglstadt ist geschrieben worden : Nach- 
dem Daniel Speckhl von Straszburg nunmehr ein Zeit lang unseres 
H. und H. Dienst gleichwol wenig Verrichtung zugebracht und 
dagegen nichts weniger bisher eine ziemblich starke Besoldung von 
Iro H. Gn. eingenommen und empfangen hab, so wöll Iro H. Gn. 
nit gemeint seyn, in forthin in dieser Gestalt noch lang in solcher 
Besoldung und Bestallung zu behalten, sondern dieweil dasjhenigc, 
darzrni man Ine vielleicht gebrauchen möge, sein fortgang nit er- 
reicht, auch die maisten Inglstedtischen gepeu nunmehr fast zu endt 
Terricht, und man ferner nit gedacht seye, was neues zupauen, son- 
dern das was etwan noch auszepessern sein möchte, durch die andern 
unseres gn. H. und H. 2 Paumeister verrichten zelassen^ So wolle 
man darfür achten, es möchte ermelltes Speckhls nun mer dis Orts 
wol zu entraten und damit überig uncosten zu ersparen oder aber 
er, auf den fall man seiner ye bedürfen würde, vielleicht gegen 
einem geringeren von Haus aus yederzeit zu bekhommen sein. Des- 
wegen und dieweil er, Statthalter, dem gegebenen befelch nach un- 
gezweifelt ernannten Speckhl nun mer wol aufgenommen und von 
Ime ei-fahren hab, was sein thun und seine geschicklichkeit sei, und 
ob er Ir H. Gn. also dieser Gestalt lenger zu behalten nutzlich sey 
oder nit, so well man, dasz er hierüber sein untei*thenig Rathlich 
gnetbedunkhen mit fürderlichstcm hieher khommen lasse.» 



' Soll Regenspurg heissen. 



— 56 — 

8) Tom. 21, fol. 240. Decr. pomer. v. 19. Oktober: 

« Ünserm gn. H. und Hrn. ist geschrieben worden, was Ire H, 
Gn. Man vor der Zeit von wegen Daniel Speckhlens, dero nenanfge- 
nommen Paumeisters zu Inglstadt ündtertheniglich Referirt, Anch 
darüber von Ir H. Gn. der Cammer bevelch worden, daz haben 
sich dieselben ungezweifelt mit gn. znerinnern. Nun habe (man) nit 
undterlassen, Ir H. Gn. Statthalter daselbst zu Inglstadt umb 
sein Ratlich guetachten hierüber Zuezeschreiben, Was nun darauf 
von Ime zu antworten eruolgt, daz haben dieselben beiuerwart mit 
gn. zuersehen. Dieweil aber die hieuor eingezogen erfahrung and 
khundtschafft sein Speckhles thune und wesens auch Geschicklichkeit 
halber (die Zweifelsone auch mit guetem grundt beschehen sein werde) 
viel an andres mit sich bringen, so hielte man nochmalle unange- 
sehn, was Statthalter seinentwegen bericht, ündtertheniglich darfür, 
daz er Speckhl Ir. H. Gn. mit so grossem Uncosten wie bisher 
beschehen, femer nit zuerhalten, sondern vilmeer zu bevrlauben sein 
sollte, oder aber Irr Hrzgl. Gn. möchte Ime ein Jerlich Prouision 
bey 50 oder 60 il. von Haus aus, also und dergestallt geben lassen, 
daz er auf yedes eruordern erscheine, und sich in dem, darzue man 
seins Raths bedürfftig, unuerweigerlich gebrauchen lassen wollte. 
Doch stehe solliches alles one ainige der Cammer Maszgebung za 
Ir. H. gn. gnedig wolgefallen. Nachdem auch gedachter Statt- 
halter neben dises des Speckhls bericht ein Schreiben, so za 
Ir. H. gn. aignen Händen lautt, auch mit hieher geschickt, so haben 
Ir. H. gn. dasselb hie auch also gelich zu empfangen und thun.» 

9) Tom. 19, fol. 162. Decr. antem. v. 3. November: 

Auf unsers gn. H. und H. über dero Cammer Ir. H. Gn. 
des Daniel Speckhl Paumeisters zu Innglstadt halber Zuegethan 
schreiben, alher geschriebenen Resolution, daz Inen Ir. H. Gn. 
der Cammer guetachten : nemblich daz mit Ime Speckhl auf ein 
jerlich Provision gehandelt werde, müsse gfallen lassen, Ist dem 
Statthalter zu Inglstadt geschrieben und bevelch worden, daz er ge- 
dachtem Speckhl auferlege, daz er sich unverzogenlich hieher ver- 
füege sach halber wie er vernemmen werde.» 

10) Tom. 19, fol. 264 «. Decr. antem. v. 7. Dezember : 

« Des Daniel Speckhl halb Ist volgender bescheid ervolgt und 
dem Statthalter zu Inglstadt geschrieben worden : Was er unserm 
gn. H. und H. jüngstlich Daniel Speckhls halber auf den an Ine 
aufgangen bevelch undterthenig bericht, das habe man nach lengs 
vernommen. Dieweil dann nochmalls Ir H. Mainung sey, Ine Speckhl 
von Inglstadt wiederumb anhaimbs nach Straszpurg Zuerlauben und 
Ine forthan von Haus aus zegebrauchen und in Bestallung zehaben. 
Inmassen man Ime dann Jüngstlich bei H. Cammer alhie auch fär- 
halten lassen, so wolle man derwegen, daz er Ime für sich ervordre 
und Ime anzeige, daz man Ime für solche seine Dienste forthin jär- 
lich zu einer Provision 60 fl. auch da er zu Ir. H. Gn. Diensten 
In derselben Landt erfordert werde für Zerung des her und haimb 
raisens yedes tags 1 fl. und dann so lang er im Landtin deren 



— 57 — 

Diensten sey and gebraacht werde, sein zuvor gehabt alte bosoldung 
pro rata temporis geben und volgen lassen. Was nun hierüber sein 
Mainung and glegenheit sein werde, das solle er unverlcngt hieher 
berichten, damit Ime bey H. Cammcr widorumben eine neue Bestal- 
lung aufgericht und zugestellt werden khönntc. > 

Aus dem Stadtarchive zu Colmar. 

11) Kaufhausbuch de 1576-82. De 1579: 

Seite 285. Am 23. März citem dem Wirt zur Plumen bezalt so Hr. Speck- 
lin von Straszburg und Hieremias Neuner verzert Xiiij S" ij ß iij ^» 

Unter ,Ausgab in diversis* : 

S 297. « Item Allss meine Hrn. H. Daniel Specklein vnnd H. Jeremias 
Neunerui von Strassburg alher erfordert ettliche Bew zu beratschla- 
gen mit Ihnen sampt dem fürmann auffgangeri XXXj U XVij ß üj ^> 

S. 403. € Item dem furmann so das Model von Straszburg gebracht 

zalt V ff 

Item dem Speckle Alls Baumeister zu Straszburg für Anstellung 

dess Modells i ff LXXXVij [i X ^ 

Item seiner Hausfrauwen vererdt XX B » 

Aus dem kaiserl. Bezirksarchive zu Colmar. 

12) Inv. C 676, Nr. 404 : Rechnung vom 31. Mai 1580. 

«Specklins fuerlon -— X Gl. ist hierumb 1 brief an General Innemer 

gefertigt den letsten Mai A" etc. 80. 
Den 28sten May Daniel Specklin der Statt Straszburg Bawmeister 

ausgefüert, wie volgtt, und verzeert: 
Isst zu mit Dag zu Bonfellt sampt den pferden Yiij baz 

Ist zu Schlestadt über nacht Xiiij baz 

Den 29sten Zu mit Dag Zu Colmar Viij baz 

Summa U fl. 
Alsz Ist wiederum Zu Rück auch II fl. 



Dutt iiij fl. 
Ist allen Dag anfF zwey pferdt 1 fl., Dutt 2 Dag 
herufif, Ist 2 Dag Zu Ensiszheim Stil ge- 
legen und 2 Tag wiedernmb hinab, dutt 
6 Dag. macht Vj fl. 

Summa alles Zusammen Zerung aufF 

und ab sampt dem Ion, macht X fl. 

Zu Ensiszheim p. fr. 

Wolfgang Kar eher 

Straszburg. > 



* Nicht Noumerin, wie bei Kraus^ K. u. A. i. E.-L. 11, S- 293. 



n 



— 58 — 



13) luv. C 076, Nr. 360 : 

Brief Specklins an den Erzherzog Ferdinand von Oestreich vom 
29. Juli 1582. (Antograph.) 

«Den Wolgeborenen Gestrengen Edlen Ehraesten und hochge- 
lerten Fürstl. H. Erzherzog Ferdinanden zu Osterreich, Statthalter, 
Regenten und Cammor-ßähten In Ober-Elsass, meinen gnedigen Herren 

Ensiszheim. 

Wolgeborener Ersamer Ehrunster und hochgeborener Ewerer 
genaden und herrlichkeiten seyhent mein ganz underthenige und 
willige Dienst zuuoran. 

E. H. ; gnedig schreyben hab Ich In aller underthenigkeyt ent- 
pfangen und thu E. H. underthenig hioruff zu wissen, das mir nichts 
lieber weher gewessen, dan mich zu E. H. nach Ensisheim zu he- 
geben. Nachdem aber E. H. bott ist Ahn kommen, Eben in der Stund 
da ich In meiner gn. Herren geschefften gewessen und mir weytter 
Commissionen Aufferlegt worden, In einer Dag Satzung, welche nit 
mehr kan zurück gelegt werden, Langt dorhalben meine underthe- 
nige bytt, E. H. wollten gn. gcdult haben dann ich verhoflfe (wills 
Gott), den 3ten Augustus mich dienstlichen bei E. H. zu Ensiszheim 
In zustellen- Ich hoffe auch (wills Gott), es soll mit dem werk nich 
also nottig beschaffen sein, dieweil mir der fall nit vermclt würdt 
das es solchen verzug nit mehr erleyden. 

E. Gn. und Herrlichkeiten thue Ich Ihn schuoz des höchsten 
befeilen. 

Datum Straszburg den 29ten Julij etc. 82. 

Ewer genaden 
und herrlichkeytten 
undertheniger 
und dienstwilliger 
Daniel Speckle 

Straszb. Bauwm. mp? 

14) Inv. C 677, Nr. 239 : 

Zehrzcttel Daniel Specklins vom 14. Dezember 1585. (Autograph.) 
< Den 9. Aprilen von Straszburg ausz selb ander sampt 2 pferden und 

gutschen von Zeitt zu mit Dag Zu merzcnheim . Viiij baz 

Zu schlafen über nacht und morgen XViij baz 

Den 10. zu Colmar zu mit Dag Xij baz 

Zu schlestadt und Colmar wegeltt j baz 

Summa ij fl. X baz 
Also vil anher ist widerum Zu umb 

Dutt Summa V fl. V baz 

Den 11. nach Beffort gereist zu Castel über nacht. . XVj baz 
Den 12. alsz es Regnett und In fürn, einem man 3 baz 

geben, Dan erst gen Befort fürtt iij baz 

Den 14. Im hausz Zirhm Zu mit Dag zu sospach . . Xij baz 

Summa ij fl. j baz 



« 



~- 59 — 

Ist Yom 9. April/ dem füiTnan alle Dag 1 il. aaff Ross 
und man Dntt mit dem 18. Dag, alss Ich heim 
kam, 10 Dutt X fl. 

Kab ich über die ganze Statt Ensiszheim eine ncne 
hübsche Visierung und model wie es soll bawen 
werden, kost mich 4 fl. vir mein arbeitt nehme 
ich nichts IV fl. 

Summa XXj fl. 6 baz 

Daniel Specklin, Straszb. Bauwm. mp.» 

Der letzte Posten ist dann von andrer Hand gestrichen und die 
Summe in 17 gld. 24 kr. verbessert, darauf von dritter Iland der 
Vermerk gemacht worden, dass die ganze Rechnung von dem ^Wal- 
pawschriber^ zu bezalen sei. 

Aus dem Stadtarchive zu Basel. 

15) Brief der Stadt Strassburg an die Stadt Basel vom 1 . Februar 
1588. 

«Dem Burgermeister und Rat zu Basel. 

— — uff euer nachbarlich fründtlich schreiben undt ersuchen 
haben wir unseren bestellten Bauwmeister Daniel Specklin befohlen ( 
sich ufTs fürderlichst zu euch zu vei'füegen / dessen Diensts unndt 
rahts oder berichtes ihr euch zu euwerer nottorfft zu gebrauchen. 
Da wir Jemandt tauglichen solcher Sachen bey unns hatten / wollten 
wir euch denselben auch gern zuweyszen; dann euch angenehmen 
fründtlichen willen zuerweyszen, sind wir bereit unndt geneigt, Gottes 
Schutz unndt Schirm unns alle befehlendt. Geben Donnerstag den 
Ersten Februarij Anno etc. 88. 

Sebastian Münz, der älter, der Meister 
und der Rhat zu Strassburg. > 

Dabei ein Zettel von Specklins Hand: 

«Diesen Zeyger dem bott von einer loblichen Statt Basel. Hatt 
meiner gnedigen Herrn von Basel schreyben einem Ersamcu Rat 
zu Strassburg m. g. G. wol geleuffert, doruflf ime befollen, auffs für- 
derlichste nach einer loblichen Statt Basel zu begeben, wo Ich den 
iwils gott) ufF negst künfftigen mitwoch, das Ist den 7. tag februarij 
do ei-scheinen will. Datum den 2. februarij anno 88. 

Daniel Speckle, 
Strassburgischer Bauwmeister mp.» 

16) Brief Specklius an die Stadt Basel vom 13. April 1589 : 

«Dem Ehruesten, fürsichtigen undt weyszen Herrn Wolffgang 
Sadtlem, Bürgern vndt des Rhates zu Basell, Meinen groszgüustigen 
herrcn. Basell. 

Ehrüester, fürsichtiger wcyszer herr. Den Herren soyn meine 
gantz guttwilligen Dienste Zuuoran mit orpictung Alles guten, Iini- 



1 



^ 6() — 



sonders günstiger herren. Des herren günstig schreiben hab ich vor 
knrtz verschienenen Tagen sampt einem schreyben von meinen gn. 
herren einer loblichen Statt Basell gantz und woll empfangen, darinn 
ich des herren Gesundtheitt vernommen, wie auch die Zirckhell und 
zween Compasz durch M. hansz Borkhen woll gelüffert worden sindt 
Belangendt Aber die Zirkhell dasz sie nicht Znm Allerbesten gemacht, 
Ist dazselbig meine Clag auch über diese vier einfachen Zirkhell, so 
mit Stählinnen Spitzen gemacht werden sollen, sollen Wills Gott dem 
Herrnn biss Ostern, den Herren vom Rhat Meyster Anch gelüffert 
werden, belangendt Aber die zween Compasz die etwas grosz sollen 
sein, die Jüngling uff zween Zoll lang, mnss ich die Innsonderheit 
bestellen, jedoch so werden mihr ihn Kurtzem ein Dutzet etwas 
etwas grösserer Zukhommen, will ich dann Alls dann dem Herren 
zween herauss suchen undt allsdann dem Herrnn zuschickhen. 

Belangendt nuhn M. Dieboltt scelig den wahlmeistern, da sein 
werckh ettlicher massen nicht bestandt hatt, Ist zu besorgen, ehr 
hab es zu gehe Über sich gefürt, undt mit kheinem holtz eingelegt, 
oder musz das underst AUss wol sich setzen undt weichen, daranff 
ehr dann Achtung gethan haben sollte ; Jedoch khann ihme noch 
geholffen werden. 

Belangendt aber sonst meine Verehrung : die Vierhundert Gulden, 
thue Ich mich gantz vnderthänig, dienstlich vndt freundlich be- 
dankhen, will auch solches ihn viel Ander wegn verdienen unndt be- 
schulden, wo mihr es khann müglich sein. Ich wollte Auch meinen 
gn. Hrn. einer St. Basell hergegen etwas mehreres gehm verehrt 
haben, so hab ich Aber nichts andres beyhanden, dann ein Traktat 
oder Bauwbuchi, so ich erst kurzlich in Druckh auszgehen lassen, 
wie ich dann hiemit M. H. ein lUuminiret Exemplar Zuschickhe mit 
ünderthäniger bitt, sie wollen solches ihn allen genaden uffnehmen 
undt verstohn, undt will ihn kurtzem dem Herren selbes zuschrei- 
ben; dann ich ietziger Zeit Leibs halben nicht woll uffbinn dene 
Herren aber hiemitt Gottlichen Gnaden beuehlende. 

Datum Straszburg den 13t. Martij 15 89. 

E. Gn. 
Dienstwilliger 

Daniel Specklin der 
Statt Straszburg bestellter 
Bauwmeister mp.» 



' Seine ^Architectura von Vestungen' von 1589. 



II. 



Dichtungen 

des Ermoldus Nigellus 



Qbersetzt von 



Th. Reinhart. 



Vorbemerkung. Der verehrte Verfasser der folgenden 
Uebersetzung hat mir gestattet ihr einige erläuternde Worte 
voraus zu schicken. Die Gedichte, welche er ebenso treu als 
anmutig wieder gibt, sind vor mehr als tausend Jahren hier in 
Strassburg entstanden. Die neuste und beste Ausgabe hat 
E. Dümmler in den Poetae latini aevi Carolitigici II {Monu- 
menta Gemianiae historicay Poet, lat, med. aevi II y Berlin 
1884), veranstaltet. Die nach einer früheren Ausgabe veranstaltete 
Cebersetzung von Pfund, Berlin 1856, genügt unseren Anfor- 
derungen nicht. Was wir über den Dichter wissen, findet sich 
ausser bei Dümmler auch in A. Ebert, Allg. Gesch. der Lit. 
des Mittelalters im Abendlande, Leipzig 1880, II, 170 fg. 

Ermold war ein Cleriker in Aquitanien, Südwestfrankreich, 
der dem jungen Könige Pippin, dem Sohne Ludwigs des From- 
men nahe stand. Als er Pippin jedoch zur Auflehnung gegen 
^feinen Vater zu reizen schien, Hess ihn der Kaiser nach Strass- 
burg fuhren, wo Bischof Bernold, ein geborner Sachse, aber 
in Reichenau erzogen, ihn beaufsichtigen sollte. Ermold suchte 



— 62 — 

die kaiserliche Gnade wieder zu gewinnen, indem er die Thaten 
Ludwigs in einem längeren Dichtwerke erzählte, welches zu 
Ende des Jahres 826 vollendet zu sein scheint. Diesem Dicht- 
werke ist die unten an zweiter Stelle mitgeteilte Vision entnom- 
men, welche der Hüter des Strassburger Domes, Theutramnus 
in der Nacht nach dem Märtyrertode des Bonifacius erblickte. 
Wir erfahren daraus manches über das damalige Münsterge- 
bäude, insbesondere über die Anordnung der Altäre. 

Mehr noch über Strassburg und das Elsass ergibt sich aus 
dem unten zuerst folgenden Gedicht, einer wohl etwas später 
gedichteten Elegie, welche Ermold an Pippin gerichtet hat, um 
diesem seine Sehnsucht nach der Heimat und dem Hofe des 
jungen Königs auszudrücken. Wie Ovid in den Tristien klagt 
Ermold über die Verbannung ; dem Muster Vergils in seinen 
Eclogen und ncch näher einem um 820 verfassten Gedicht 
des Bichofs Theodulf von Orleans folgend lässt er die Muse 
Thalia die Botschaft überbringen. Indem Thalia den g^enwär- 
tigen Wohnort des Dichters schildern will, führt sie die Wohl- 
thäter des Elsasses, Rhein und Wasgenwald, im Wettstreite 
vor und entrollt uns so ein überraschend reiches Bild. 

Und es bestätigen sich anderwärts diese Schilderungen ins- 
besondere von dem damaligen Handel Strassbui^s, der Korn 
und Wein den Rhein hinab, und dafür die kunstvollen Gewebe 
Frieslands d. h. Flanderns herauf führte. Der Strassburger 
Bischof Etto erhielt von Karl dem Grossen 775 für die Angehö- 
rigen der Kirche S. Maria zu Strassburg Freiheit von Abgaben 
an allen königlichen Zollstätten mit Ausnahme der Häfen Quento- 
wich in der Picardie , Dorstat und Sluis in den Niederlanden 
(Strassb. Urkundenbuch, I, p. 10). 

Freilich den Bauern bereicherte, wie Ermold hervorhebt, 
dieser üppige Ertrag der elsässischen Aecker und Weinberge 
nicht. Schon damals war der Besitz in den Händen von Herren, 
unter denen ausser dem König auch der Clerus, wie wir aus 
den zahlreichen Schenkungsurkunden ersehen, reichhchen An- 
teil am (gewinne des ländlichen Arbeiters wie des Kaufmanns 
nahm. 

Dafür war der Clerus auch der ausschliessliche Vertreter 
höherer Bildung und gelehrter Thätigkeit. Wie die Bestrebun- 
gen Ermolds sich zu der damaligen und wenig späteren Dich- 
tung im Elsass verhalten haben mögen, das sei einer literar- 
historischen Phantasie zu schildern erlaubt. 

Werfen wir im Geiste einen Blick in die Pfalz des Bischofs 
Bemold gegen 830. Er sitzt umgeben von seinen Hausgenossen, 
auch von Gästen, unter denen wir den Abt von Weissenboig 
und neben ihm, in demütiger Haltung stehend, einen jungen 



— 63 - 

Mönch erblicken. Eben hat Ermoidus die Vorlesung seiner 
Elegie beendet ; er reicht die Pergamentblätter , auf denen sie 
kunstvoll abgeschrieben ist , dem Bischof zu. Man bewundert 
die schöne Schrift^ die wohl gelungenen Verse. Bischof Bernold 
bemerkt die glän2enden Blicke , die der junge Mönch auf die 
Blätter richtet. Der Abt von Weissenburg stellt diesen als den 
besten Versemacher seiner Klosterschule vor. Aber auf Bernolds 
Frage, ob er dereinst auch ein solcher Dichter werden wollte, 
wie der an den Höfen der Könige hochgefeierte Fremdling aus 
Aquitanien, verneint dies der Jungling bescheiden. So gering 
auch seine Gaben seien, so wolle er sie keinem irdischen Her- 
ren widmen, sondern nur dem Erlöser, dessen Leben in deut- 
scher Zunge dem Volke zu singen sein höchster Wunsch wäre. 
Da zieht ein freudiger Strahl über das Antlitz des Bischofs. Er 
gedenkt der Dichtung, die vor kurzem in seiner sächsischen 
Heimat entstanden , denselben heiligen Gegenstand behandelt 
hat; er tragt dem ehrfurchtsvoll zuhörenden Kreise um ihn 
einige Verse vor , wobei er das Einsetzen des Stabreimes mit 
einem leisen Kopfnicken begleitet. Er hebt die Hochzeit zu 
Cana aus, wie die Schenken die Gefässe mit Met umher trugen 
und der Jubel der Zecher die Halle erfüllte. Innehaltend fragt 
er den Jüngling , wie ihm die Dichtung gefalle. Doch dieser 
sinkt vor ihm auf die Kniee : er wendet ein dass solcher Gesang 
ihm zu weltlich klinge, ihn zu sehr an die Lieder mahne, die 
er ausserhalb des Klosters gehört. Unmutig schweigt der Bischof 
einen Augenblick; dann legt er dem jungen Otfried die Hand 
auf das Haupt und weiht ihn zum fränkischen Sänger des 
Herrn, den er in deutscher Sprache, aber in den durch die 
Kirche geheiligten Formen und Wendungen besingen möge. 

Vierzig Jahre später, 868, übersandte Otfried sein Evange- 
lienbuch König Ludwig dem Deutschen ; er hat seine Widmung 
mit Akrostichen geziert , genau so wie Ermoidus Nigellus die 
an Ludwig den Frommen gerichtete. 

Ernold aber ward wohl 830 befreit und unterzeichnete 838 
Urkunden Pippins als dessen Kanzler. 

E. Martin,. 



— 64 



Des Ermoldus Nigellns 

erste Elegie an König Pippin. 



M. 



Ache, Thalia, dich auf, haldreich mir verbanden ! dem grossen, 

Mächtigen Könige bringt was ich dir sage, geschwind ! 
Birg dich in hallend Gewölk, gib günstigen Winden die Segel, 

Bis za gelangen dir glückt in des Erhabenen Reich. 
Welche Qestade der Edle bewohnt, wo jetzt er sich aafhält, 

Hab ich so häafig erzählt, dass da wohl wissen es magst. 
Dort raascht — hier nar vom Hören bekannt — ein Flass dorch die 

Lande, 

Welcher * Ca r an ton^ heisst and za den herrlichsten zählt. 
Dass er den Fischen behagt, dass prangende Wiesen ihn kränzen, 

Wird ans von Sanktonns^ gern samt Egelisma^ bezeugt. 
Goldgelb schimmern die Aecker am ihn, rotrosig die Wiesen, 

Obst an den Bänmen and Wein über and über genng! 
Hart am Wasser daselbst ragt aaf mit getäfelten Sälen 

(Dein Wort wirkte den Baa, Ladwig!) ein stolzer Palast. 
Dorthin, glaub mir, verlegte der König vor Kurzem und mit ihm 

Sein durchlauchtig Gemahl, Ostern zu feiern, den Hof. 
Kommst du zuletzt an des Königs Palast, den soeben beschriebnen, 

Wirst du gewahren, es herrscht munteres Leben darin : 
Jeglicher holt^ nach dem Rang, der ihm eigen, des Königs Befehle, 

Ewiges Kommen und Geh^n, Laufen und Warten ist da. 
Sieh\ dort stehen die Grossen des Hofs, aufmerksam, aus welcher 

Pforte der König heraus walle zum Hause des Herrn. 
Geistliche treten heran, ehrwürdige Väter und jüngre ; 

Knaben auch, festlich geschmückt, werden nicht fehlen im Zug. 
Vorne die Alten, umringt von der Jünglinge Schaar, und inmitten 

Geht der Berater des Throns, herrlicher König, du selbst! 
Willst du ein Zeichen, Thalia, den König zu kennen, so wisse : 

Dass du erkennen ihn magst, gibt er dir Zeichen genug ! 
Wie rings Phöbus erhellt mit leuchtenden Strahlen den Erdkreis, 

Wie sein wärmender Hauch Nebel und Dünste verscheucht, 
Füllend mit Wonne den Schiffer im Meer und den Wald und die Fluren, 

So spürt Freude das Volk, wenn ihm der König erscheint. 
Aber die Königin folgt mit gemessenen Schritten und leicht doch 

Schwebenden Fusses und nimmt auch nach der Kirche den Weg. 
Herren geleiten sie rings und des Königs erlesenste Mannschaft, 

Jungfrauen schmücken den Zug, bildend den lieblichsten Kranz. 
Und sie selber inmitten der Schaar der geleitenden Mädchen 

Schi-eitet, von fürstlicher Pracht schier überbürdet, einher. — 



1 Charente. 2 Saintes. 3 Angoullme. 



— 65 — 

Hast du das Alles erschaut, dann, bitt ich dich, schenche das Bangen, 

Zeig', das da da bist, lass offen vor allen dich sehn, 
Biinge den Vätern den Gmss und den Brüdern und meinen Genossen. 

Allen, ¥on jeglichem Stand, biete das schuldige Heil! 
Sammeln die Freunde sich dann und die Brüder und Väter, und 

wünschet 

Jeder, zu hören von dir einzeln, wie mir es ergeht, 
Fasse dich kurz und berichte sie knapp, ich sei noch am Leben, 

Schmachtend im fernen Exil, büssend die vorige Schuld! 
Findest du Etliche dann, die meine Bedrängniss beweinten, 

Einen, der Liebe zu mir, heilige, hegt in der Brust. — 
Sag' den Genossen: «Ihr bleibt in der glücklichen Nähe des Thrones, 

«Euerer Treue zum Lohn Fülle der Ehren im Schooss! 
«Doch auch ihn wird endlich das Glück einholen wie ehmals, 

«Dass er den Heimweg noch findet, so Gott es geföllt.» 
unter den Männern umher ist sicher ein Freund auch vorhanden, 

Der vor das Antlitz dich brächte dem Könige gern, 
Und wenn endlich das Glück dir verliehen, zu schauen den König, 

Sprich: «Sei, König, gegrüsst! Heil dir, erlauchtester Herr!» 
Wirf auf den Boden dich schnell und küsse den Fuss des Erhabnen, 

Ob er mit gnädiger Hand auf von der Erde dich hebt. 
Seufzer entsteigen ihm wohl; überwältigt von Thränen, verlangt er, 

Wenn ich ihm wert noch bin, treulichen Botenbericht : 
«Künde, woher du kommst, wer sendet an unseren Hof dich ?> 

Wird er dich fragen, und du gib ihm gewandten Bescheid. 
Sage heraus, was du weisst; nur mach' nicht der Worte zu viele 

Mit Uebertreibungen wird leicht man den Grossen zur Last. 

Thalia. 

Herr, mich trieb des Verbannten Befehl auf die Fahrt in die Weite, 
Eilen mit fliegender Hast must' ich nach diesem Gebiet. 

Sichere Nachricht wünscht er zu haben van deinem Gedeihen, 
Deines Gemahls und des Sohns, deiner Gewaltigen und Herrn. 

Ihrer gedenket er stets, und erkundigen soll ich mich gründlich, 
Hat er geboten, und dann Alles ihm melden geschwind. 

D er König. 

Gerne vemehm' ich, Thalia, geordnete Worte der Rede, 
Doch jetzt gib mir genau von dem Verbannten Bericht. 

Sag' mir das Land, wo er weilt, mir die Stadt und die Leute darinnen, 
Wer dort unten dem Volk waltet des heiligen Amts. 

Air das schildere mir, sorgföltig in Ordnung, so gut du 
Immer mit Worten vermagst, dass ich verstehen es kann. 

Thalia. 

Alt ist das Land und reich und von fränkischen Männern besiedelt, 
Elsass wird es genannt, seit es der Franke besitzt. 

Zwischen dem W a s g a u liegt's und den strömenden Fluten des 

Rheines, 
und in der Bfitte das Volk ist ein beherztes Geschlecht. 



— 66 - 

Bacchus bewohnt die Hagel, der Weinstock reift an den Bergen, 

Und in der Ebene dehnt fettes Gelände sich hin. 
Wahrlich, ja fett ist der Boden, gelockertem Dünger vergleichbar, 

Jährlich mit frohem Ertrag f&Ut er den Bauern das Haus. 
Korn trägt reichlich das Feld und von Wein rings triefen die Hügel, 

W a s a c u 8 spendet den Wald, Rhenus befruchtet den Grund. 
Und jetzt, wenn du gestattest, vernimm, was beide vermögen. 

Welcher von ihnen dem Volk grösseren Segen verleiht. 

Der Rhein. 

Lang schon bin ich den Franken bekannt und den Sachsen and 

Schwaben, 

Denen ich Schätze zuhauf bringe, befrachteten Kiels. 
Wer mag zählen die Waaren ? Und gibVs in den Flüssen, den grossen, 

Fische, der Rheinstrom, ich stehe vor keinem zurück ! 
Aber, von Winden gepeitscht und dem Regen, der elende Wasgau, 

Gibt statt reichen Geschenks Holz nur, zu schüren den Herd. 
Mir, sieh\ läuft als Tribut in den Schooss das Gewässer des Was- 

gaas, 

Ruhmvoll, dienstbar allein Königen, roir ich dahin ! 

Der Wasgau. 

Stehen Paläste gezimmert und Kirchen und Häuser, die Eichen 

Ich, ich gab sie, von mir stammt das erlesene Gebälk ! 
Könige pflegen zu birschen im Forst durch meine Reviere ; 

Mancherlei Wildpret dort scheuchen die Jäger sich auf. 
Hier flieht eilends, getroffen vom Pfeil, zu der Quelle die Hirschknli, 

Dort in den Wildbach stürzt schäumend der Eber vor Wut! 
Soll ich von Fischen noch reden? Ich habe die bunteste Auswahl 

Immer zur Hand, denn reich bin ich an Flüsschen genug ! 
Was durch Handel du meinst und den eignen Besitz zu gewinnen, 

Rhein, o glaub es mir, quillt ohne dich mir aus dem Schooss. 
Wärst du nicht auf der Welt, o Rhein, dann blieben die Scheunen 

Voll von dem Korn, das erzeugt unser gesegnetes Feld. 
Doch du fahrst es hinweg und vertauschst es den Leuten am Meere. 

Während die Unsrigen, weh, hungern und seufzen im Glück! 
Wärst du nicht auf der Welt, o Rhein, dann blieben die Keller 

Voll vom Falemer, und Lust brächte der fröhliche Gott. 
Doch du führst ihn hinweg und vertauschst ihn den Leuten am Meere, 

Während der Winzer daheim durstet, von Reben umringt! 

Der Rhein. 

Hätte das Volk für den eignen Gebrauch das Alles beansprucht, 

E 1 s a s s , was ihm erzeugt Deine gesegnete Flur, 
Lag' das beherzte Geschlecht längst tot bei den Fässern und Waffen, 

Kaum in der Hauptstadt wär^ heut noch am Leben ein Mensch! 
Nutzen gewährte der Rat, an die Friesen und anderes Nordvolk 

Wein zu verkaufen und dort Bessres zu tauschen dafür. 



— 67 — 

Auch bringts Ehre dem Land, dass wackere Bürger und Fremde 

Pflegen mit Gutern dem Volk über den Strom den Verkehrt 
Kleider bescheer ich den Meinen, so prächtig von Farbe wie niemals, 

Wasgau, Aehnliches noch deinen Begriffen geahnt! 
Du hast Schindeln am Dach, ich streue den Boden mit Goldsand, 

Du sägst Scheiter, doch mir leuchten die Perlen im Schooss. 
Und wie der Nilstrom dort in Aegypten begiesst die Gestade, 

Wie sein Wasser das Feld reicher nur macht an Ertrag, 
So werd' ich auch bestürmt alljährlich von Bitten des Volkes, 

Bis mein Kommen im Land Aecker und Wiesen erquickt. 

Der Wasgau. 

Bleib mir Yom Leibe, du Rhein ! dein Wasser ist schädlich ; behalt es, 
Thor, der berieseln die Saat möchte, doch ach, sie ertränkt! 

Hätt' ich gegründet mir nicht mein Schloss auf den Gipfeln der 

Berge, 
Risse die grimmige Flut mich als Gefangenen fort. 

Was ich, o Rhein, dir gab, längst hätt^ ichs dem Liger ^ gegeben, 
Dürft' ich ins E 1 s a s s nar wiederum kehren zurück. 

Der Rhein. 

Wasgau, was du besitzest, magst ganz du behalten und ewig; 
Gib in das E 1 s a s s nur imndsr die Strasse mir frei ! 

Thalia. 

Lasset den Wechselgesang und jeder behalte, was sein ist. 

Mich ruft Strassengeräusch fort zu den Giebeln der Stadt. 
Volkreich ist sie gar sehr und — wert solch prangenden Namens — 

Argentorata hat einst sie der Römer genannt. 
Heut, da neu sie erblüht, nur Strassburg wird sie geheissen, 

Weil sturmfest an der Haupt-Strasse der Völker sie liegt. 
Hier hast du, Bernoldus, den Sitz und vertrittst die Gemeinde, 

Bringend, als Bischof der Stadt, fromme Gelübde vor Gott, 
Du, den Karl, der Beherrscher der Welt, der erleuchtete Weise, 

Einst für den Glauben gewann und des Gelehrten Beruf! 
Stammet aus Sachsen er doch, von Natur scharfsinnigem Volke, 

Er, der an Geist und Gemüt jetzt so gebildete Mann! 
Demut zeichnet ihn aus und Frömmigkeit, Milde verklärt ihn, 

Liebe zum Schönen, zur Kunst ist in das Herz ihm gepflanzt. 
Aber das Volk ist arg, das er weidet als Bischof; des Reichtums 

Hat es genug, doch nichts weiss es von Liebe zu Gott. 
Nichts auch wüsst' es von heiliger Schrift, da barbarisch die Sprache, 

Hätte zum Führer es nicht solchen erleuchteten Mann. 
Denn er bemüht sich, die Bibel dem Volk in der heimischen Mundart 

Näher zu legen und pflügt kräftig die Herzen und treu. 



1 Ich lese : Hie quoque plebis honor : populo transportat honestus 

Hinc regni civis, hinc peregrinus opes. 

2 Die Loire. 



— 68 — 

Dram auch gilt er in Einer Person als Polmetsch und Hirte, 

Welcher der Heerde das Wort kündend znm Himmel sie fahrt. 
Beifall zollt ihm die Mutter des Herrn und gewähret ihm Hilfe, 

Weil sie des Tempels gedenkt, der an dem Ort ihr geweiht. — 
Das ist die Stadt, die des Kaisers Befehl mir bestimmte zum Wohnsitz. 

Das ist der heilige Mann, dem er zu dienen mich hiess. 
Und nicht, König, vermag ich in Worte zu fassen, was Alles 

Gütig der fromme Pr&lat ohne Verdienst mir gewährt. 
Wie er, menschlichen Sinns, mein Leid zu erleichtem beflissen, 

Mahnenden Zuspruch giebt oder zu trösten mich weiss. 
Was soll sagen ich mehr? Der im Range der Erste geachtet, 

Stellt sich im üebrigen gleich mir, dem geächteten Mann! 
Dafür schuld ich zumeist dir Dank, mein gnädiger König, 

Weil er das sicher nur thut Alles aus Liebe zu Dir! — 
So ist beschaffen das Land und die Stadt und das Volk und dei 

Bischof, 

Wo, zu verbüssen die Schuld, Euer Verbannter verweilt. 
Aber obgleich das Exil Wohlwollen ihm gnädig erleichtert. 

Hat er doch doppelten Grund, schmerzlich zu tragen daran: 
Einmal, weil er vertrieben vom teuem Boden der Heimat, 

Dann, weil dich er nicht darf schauen, mein König und Herr! 
Würden ihm Aecker geschenkt und ein Haus und beliebige Güter, — 

Was er besitzt, wird Nichts dünken 'ihm, ferne von Dir! — 

Der König. 

Danke, Thalia! Genug! Der Gesang, den unser Verbannter 

Durch dich gesandt, war wert, dass ihn der König gehört. 
Aber die Not des Exils, schon Mancher, wir Wissens, ertrug sie; 

Heiden ? Es sei ! Doch auch Männer der Kirche, wie du. 
Wenige nenn ich dir nur; doch, was sie dich lehren, ist Vieles; 

Nimm dir zu Herzen das Wort, das ich dir sagen nun will. 
Wie viel Jammer Ovid, den der Neid in Verbannung getrieben, 

Tragen gemusst, ist längst Dir, o Thalia, bekannt 
So auch der Dichter V i r g i 1 , der, beraubt des ererbten Vermögens, 

Aecker und Heimkehr, sieh\ neu sich ersungen zuletzt! 
Und, den Christus am meisten geliebt, den Apostel Johannes 

Stiess man nach Pathmos einst in die Verbannung hinaus. 
Petrus selbst, dem die Schlüssel vertraut, und der Heros des 

Glaubens, 

Paulus lagen in Haft, harrend geduldig des Herrn. 
Endlich, das Licht in der Stadt der Piktaveri, Hilarius, litt er 

Nicht für Christus den Herrn, willig Verbannung und Acht? 
Darum, Thalia, geziemt's, in Ergebung zu tragen ein Schicksal, 

Dem, wie männiglich weiss, beugten die besten das Haupt. 
Bring ihm Grüsse von uns, viel herzliche ! Sag ihm, Thalia, 

Hier geht Alles nach Wunsch ! Glück auf die Reise ! Fahr wohl ! 



1 Poitou. 



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r 



— 69 — 

Ermoldns Nigellas 

über das Strassbnrger Münster. 

(Libr. IV. in honorem Ludowici Pii v. 649 bis 746.) 

Aas der Verbannung erklingt mein Lied, ans Strassburgs Ge- 
wahrsam : 

Seines Vergehens bewusst, schickt es der schuldige Mann^ 
Wo dein herrlicher Tempel sich hebt, o Jungfrau Maria, 

Dnd dein Namen im Land Ehren empfängt nach Gebühr! 
Oft — so sagt man — besuchen das Haus die Bewohner des Himmels, 

Und in besonderer Hut steht es der Engel des Herrn. 
Wunder erzählt man genug. Gib, wenn dir die heilige Jungfrau 

Hold ist, Thalia, jetzt einige wieder davon ! 
Hüter des Strassburger Doms war einst Theutramnus; den Namen 

Trug er mit Recht; denn er war wirklich ein tapferer Mann. 
Weil bei Tag er und Nacht vor dem heiligen Altar Marias 

Wachend gekniet und vor Gott seine Gebete gebracht, 

Wurde dem Frommen gewährt von der himmlischen Huld, zur Be- 
lohnung 

Seines Vertrauens, dass oft schweben die Engel er sah. 
Und in der Nacht einmal, da schon er verrichtet die Andacht 

Dnd dem ermüdeten Leib wünschte die Ruhe des Schlafs, 
Sieht er plötzlich den Tempel erhellt durch Licht, wie die Sonne; 

Ja, wahrhaftig so ist^s: sonnig umfangt^s ihn wie Tag! 
Und er erhebt sich vom Sitz, zu erkennen den Grund der Erscheinung, 

Welche mit strahlendem Licht füllte den heiligen Raum. 
Ist es ein Adler, was dort vorm Altar breitet die Flügel ? 

Solch ein Vogel, er wird nimmer auf Erden gezeugt! 
Golden der Schnabel, unendlichen Werts, Diamanten die Füsse, 

Und das Gefieder in Glut himmlischer Farben getaucht. 
Sieh, und der Lichtquell kommt aus den Augen. — Es staunte der 

Priester, 

Aber den blendenden Strahl halten die Blicke nicht aus. 
Und er bewundert den Vogel, bewundert die Flügel, und immer 

Wieder den Lichtglanz auch und die gesammte Gestalt. 
Und es verharrt das Gesicht, bis dreimal krähend die Hähne 

Riefen den Morgen und wach wurden die Mönche zum Dienst. 
Langsam steigt es empor und — Wunder der Wunder — ein Fenster 

Thut sich auf in der Wand, weit nach der Strasse hinaus. 
Höher verschwebt es und höher und mit ihm mählich der Lichtglanz; 

Wer will zweifeln, es war irgend ein himmlischer Geist? 
Denn ein anderes Mal ward ähnlich begnadet der Meister; 

Wunder erzählte davon oft mir der Mönche Konvent. 
Als, wie gewöhnlich, im Münster er sang vorm Altar Marias, 

Mitten im Dunkel der Nacht sehnlich verlangend nach Gott, 
Gaben die Mönche mit ihm, die den Dienst in der Kirche versahen, 

Wachend in selbiger Nacht, fleissiger Acht auf die Uhr. 



— 70 — 

Sieh, da erschüttert ein Schlag wie Donner and sansend ein Wind- 

stoss 

Plötzlich des heiligen Doms sänlengetragenes Dach. 

Nieder zum Estrich fielen die Brüder, erschrocken die Leiber 

Sti'eckend am Boden, vor Angst alle der Sinne beraubt 
Aber der heilige hob furchtlos zum Himmel die H&nde, 

Schon der Erhönmg gewiss, was die Bedentnng des Schlags. 

Und er bemerkt, dass sich öffnet das Dach und er wird in der Höhe 

(Feierlich schweben sie) drei Männergestalten gewahr ; 
Licht umstrahlt sie ; wie Lilien glänzt das Gewand um die Schultern; 

Weisser als Milch ihr Haupt, weisser die Leiber als Schnee! 
Einer davon ist alt und er geht in der Mitte ; sich stützend 

Leicht auf die anderen zwei, schreitet er würdig daher. 
Und wie den Boden berührt ihr Fuss, zu dem Altar Marias 

Wallen sie andachtsvoll, singend den englischen Gruss, 
Wenden sich dann, wie die Menschen es iJiun, zu den andern Altären, 

Und von den Lippen erklingt ordnungsgemäss das Gebet. 
Denn zur Rechten erfreut sich der Dom an Reliquien des Paulos 

Und Sankt Peters Gestalt bittet zur Linken für uns. 
Zwischen dem grossen Apostel der Welt und dem Pfortner des Him- 
mels 

Leuchtet der Hochaltar also der Mutter des Herrn. 
Und St. Michael steht mit dem Kreuzholz mitten im Hauptschü!; 

Doch von Johannes, am Thor, funkelt ein Finger im Schrein. 
Diese Altäre besuchten die Drei, zu den Heiligen flehend, 

Deren verklärte Gestalt stets sie doch schauen vor Gott. 
Mag ein törichter Narr vorbringen da noch^ dass mit Unrecht 

Heiligen Leibern das Volk zolle verehrenden Dienst, 
Wenn es doch Gott nur verehrt in den Dienern, die lieb ihm gewesen. 

Deren Gebet uns empor trägt in die himmlischen Höh^n ? 
Freilich ist Petrus nicht Gott, doch glaub^ ich, er kann für mich 

bitten, 

Dass mein Frevel mir nicht ewigen Schaden erwirkt. 
Während die himmlischen Drei durchschritten den Tempel Marias, 

Blieb fortwährend das Dach oben geöffnet, und erst, 
Als vollbracht ihr heiliger Dienst, und zum Himmel sie kehrten, 

Schloss sich das Deckengewölb wieder genau wie zuvor. 
Aber der Heilige ging, nachdem das Gesicht er geschauet, 

Zu den Genossen, die starr lagen am Boden gestreckt: 
< Brüder >, er spricht, «steht auf! Was hat Euch bewältigt, dass müde 

«Schlafen Ihr wollt in der Zeit, da Euch zu wachen geziemt?» 
Aber sie sind, schwer atmend die Brust, kaum fähig zu sagen, 

Dass wahrhaftig sie nicht wüssten, was eben geschehn. 
«Ei nun>, spricht er, «so merkt Euch die Zeit und behaltet die 

Stunde ! 

«Möglich, wir hören dereinst, was die Erscheinung erklärt. 
«Ich bin sicher, es war ein Prophet, ein begnadeter Bischof, 

«Welchen die Engel des Herrn trugen zum höheren Chor.» 
Wunder der Ahnung ! Sieh^, Bonifacius war in derselben 

Stunde gestorben, und ihn hatte der HeiPge gesehn. 



r 



— 74 — 

Ihn, den erhabenen Mann, der die eisernen Herzen der Friesen 

Kehren durch Christi Wort wollte zum himmlischen Reich. 
Wehe, sie mordeten ihn, die Kranken den Arzt; doch die Wände, 

Die sie geschlagen dem Leib, brachte der Seele das Heil. 
Eh' er geleitet von zwei der Geföhrten, znm Himmel enteilte, 

Hat Dein irdisches Hans noch er, Maria, besacht. 
Jimgfran, ehrengekrönt im Himmel und mächtig auf Erden, 

Weil da den Vater der Welt durftest gebären ins Fleisch, 
Bring du, wider Verdienst, mir Beistand, bring mir Erlösung 

Ans dem Exile, der Glut meiner Verehrung gedenk ! 
Und wenn einst mir vergehet die Welt und was sie als Glück preist, 

Führe mich, Jungfrau, Du ein in das himmlische Reich! 



n 



III. 



m 

Zur Geschichte der Bergwerke 



bei Markirch' 



von 



C. Löper. 



B 



'er hintere Theil des Leberthals, in welchem die heutige 
Stadt Markirch liegt, ist im frühen Mittelalter anscheinend ein 
Waldgebiet gewesen, das wenig bewohnt war. Die Orte, Ber^e 
und Bäche tragen zum grösseren Teil Namen, welche sich 
nur aus der deutschen Sprache ableiten lassen. Danach ist an- 
zunehmen, dass aus der Rheinebene Bauern ins Leberthal ein- 
gewandert sind und daselbst Acker- und Weinbau getrieben 
haben, soweit der Boden sich -dazu eignete. Der Name 
«Deutsch-Rombach» scheint auch dafür zu sprechen, dass 



1 Quellen : R i s 1 e r : Histoire de Tindustrie dans la vall^e de 
Li^pvre. Ste-Marie-aux-Mines 1848. — (Mühlenbeck) Docnments his- 
toriqnes concemant Ste-Marie-aox-Mines cöt6 d^Alsace (Markirch). 
Ste-Marie-aux-Mines 1876-77. — (Mühlenbeck) Nos mines, im Journal 
de Ste-Marie-aux-Miues 1878-79. — A. Schricker, Die elsässischen 
Bergwerke in Markirch (National-Zeitang 1879). — C a s p a r i, Ge- 
schichte der evangelisch-Iatherischen Kirche von Mariakirch. Maria- 
kirch 1856. — Eine grössere Anzahl schriftlicher Aufzeichnungen aus 
dem Bezirks-Archiv in Colmar u. s. w. 



— 73 — 

die Bewohner dieses Dorfes Deutsche, d. h. Elsässer aus der 
Rheinehene gewesen sind. Von jensei t der Vogesen sind in 
späterer Zeit — wahrscheinlich mit dem Beginn des Bergbaues 
im Thale — ebenfalls Personen eingewandert, um sich dort 
anzusiedeln ; sie beschränkten sich aber auf die Viehzucht, 
welche den Bauern aus der Rheinehene vielleicht weniger ge- 
läufig war. Den ersten Einwanderern folgten andere und drangen 
weiter nach dem Osten vor. So mag es gekommen sein, dass 
{regen Ende des Mittelalters im hinteren Teile des erwähnten 
Thals fast ausschliesslich das französische oder <k welsche "» Patois 
iresprochen wurde. Auffallend sind jedenfalls die Namen Zillhardt 
(französisch Sur-FHäte oder gar Pierre-sur-l'Häte), sodann 
Rauenthal (französisch Founoux), ferner die Leber oder der 
Landbach, Rombach, Meusloch u. s. w. Bereits Pfarrer Caspari 
hat darauf aufmerksam gemacht, dass in der erwähnten Gegend, 
diesseits und jenseits der Vogesen, im Laufe des Mittelalters 
ein öfteres Abwechseln der Volkssprache zwischen deutsch und 
französisch stattgefunden habe ; er weist beispielsweise auf den 
Namen des französischen Ortes Wissembach hin, der wohl nichts 
anders sei, als das deutsche Wiesenbach. 

Es kann kaum einem Zweifel unterliegen, dass die Entstehung 
ixler doch mindestens der Aufschwung Markirchs mit den Berg- 
werks-Arbeiten aufs innigste zusammenhängt. Darauf weisen 
schon der lateinische und der französische Name dieses Ortes : 
cFanum Sanctae Mariae ad fodinas)», « Sainte-Marie-aux-Mines » 
hin. Sodann steht geschichtlich fest, dass die Bergwerke auf 
der sogenannten deutschen oder rappoltstein' sehen Seite des Thals 
vorzugsweise von Norddeutschen, nämlich sächsischen Einwan- 
derern, betrieben worden sind. In einer Gegend, wo längere Zeit 
hindurch fast ausschliesslich französische Sprache und Sitte 
geherrscht hatten, trugen, besonders seit dem Anfange des 
sechzehnten Jahrhunderts, deutsche Beamte und deutsche Berg- 
leute deutsche Sprache, deutsche Sitte, ja man kann mit einigem 
Rechte sagen : deutsche Gultur hinein. Schon die bereits ange- 
führte, noch heutzutage übliche Benennung «deutsche Seite», 
welche dem rappoltstein'schen Gebiete im Thal, im Gegensatze 
zum lothringischen Teile desselben, auch die «welsche 
Seile» genannt, zu Teil ward, ist ein deutlicher Beweis dafür, 
dass die deutsche Sprache daselbst zu jener Zeit (und zwar bis 
zur französischen Staatsumwälzung) die herrschende gewesen 
ist, während auf welscher Seite französisch oder richtiger das 
lothringische Patois — im Elsass auch kauderwelsch genannt — 
esprochen wurde. Was Deutsch-Mariakirch oder Markirch, 
Fortelbach und Sanct-Bläs — das hauptsächliche damalige 
Bergwerksgebiet — anbetrifft, so steht fest, dass in demselben 



jr 



— 74 — 

die deutsche Sprache vorherrschend im Gebrauche gewesen ist. 
Alle Acten, Berichte, Rechnungen u. s. w. des Bergwerks sind 
in deutscher Sprache abgefasst, alle vorkommenden Namen der 
Leute, Oertlichkeiten, Dinge haben deutschen Klang. Weniger 
bestimmt lässt sich dies von Prehagot — es ist dies der Teil 
Markirchs am alten Kirchhofe in der Eckkircher Strasse, heute 
Oberherrgott genannt — und von Eckkirch nebst den umliegen- 
den Weilern behaupten. Pfarrer Gaspari sagt wenigstens gerade- 
zu, dass man annehmen könne, bei Beginn der Reformation sei 
im Thale zu Eckkirch, Zillhardt, Klein-Leberau und Prehagot 
die französische Sprache vorherrschend, dagegen in Markirch 
deutscher Seite, in Fortelbach und Sanct-Bläs die deutsche 
Sprache vorherrschend, wenn nicht ausschliesslich angewandt 
gewesen. Die Reinheit des Hochdeutschen der Acten und Ur- 
kunden jener Zeit im Vergleich zu dem, mit vielen Provin- 
zialismen untermischten Deutsch, welches damals in Golmar 
und Strassbui^ (Eis.) geschrieben wurde, weise darauf hin, 
dass eine bedeutende Ansiedlung Norddeutscher, und zwar vor- 
zugsweise Sachsen, hier müsse stattgefunden haben. Dieses 
wird denn auch von anderen Forschern zugegeben. 

Auf der c deutschen Seite:» Markirchs steht man hiernach 
auf dem Boden einer älteren deutschen Kolonie, von welcher 
merkwürdiger Weise bisher kaum die Rede gewesen ist; um 
so mehr verdient diese Thatsache der Vergessenheit entrissen 
zu werden.* 

Bei Durchsicht eines längeren interessanten Berichts eines 
Bergmanns Wilhelm Prechtler an Eberhard von Rappoltstein 
aus dem Jahre 1602 — der Bericht nennt sich «Kurtzer 
schlechter einfeltiger Bericht etc.» ; sein Verfasser war anschei- 
nend Schichtmeister oder Obersteiger — fand ich darin folgende 
bemerkenswerte Stelle über den Anteil an der Entwicklung 
Markirchs, welcher den Bergwerks-Arbeiten zuzuschreiben ist: 

a:Was vor (für) schöne Stadt und schöne Grebäu hin und 
wieder durch's Bergwerk aufgebracht (in die Höhe gebracht) 
und erbaut worden^ weisen die Bergstädt in Sachszen, Meiszen, 
Böhmen, Tyrol, Steyermarck, Breiszgau, Elsasz und andere Orth 
genugsam ausz, und damit man nicht weit um sich sehen darff, 
wie ist allein dieses Leberthal Rappoltsteinischer Seithen durch 
das Bergwerk erbauet und ob es gleich zum dritten mahl 



1 Ein Vortrag des Hrn. Dr. Klostermann, abgedmckt in der « Zeit- 
schrift für Bergrecht > 1872 behandelt die Wanderungen deutscher 
Bergleute. Nach einem mir vorliegenden Auszüge daraus scheint die 
Wanderung der sächsischen Bergleute nach Markirch darin nicht 
erwähnt zu sein. 



— 75 — 

gleichsam verbrannt, wieder je länger je schöner zugericht 
worden und man wohl sagen möchte, dass der wenige Theil 
von den Gewercken (Unternehmern) und der Knappschaft ge- 
schehen, so musz jedoch ein Jeder bekennen, der den Anfang 
bedencken will, dasz allein aus der einzigen Ursach, dieweil in 
diesem I^eberthal Bergwerck erbauen worden, dieszes Thal auff- 
kommen, durffle sonst noch wohl ein Einöde und unerbauter 
Orlh seyn oder doch noch ein schlechtes Thal, einem geringen 
geroeinen Dorf gleich. Was hat das Urbisthal, Diedoltzhauszen 
und die selben Orth auffgebracht, denn allein das Bergwerck ; 
wer hat in die umliegenden Thäler so viel Häuser und Woh- 
nungen gebracht, denn das liebe Bergwerck?» 

Dies ist jedenfalls ein naives, unverdächtiges Zeugnis für 
meine Behauptung und um deshalb von Wert, weil der Be- 
richterstatter den bezüglichen Verhältnissen um nahezu drei- 
hundert Jahre näher stand, als wir. Diese Angabe wird übrigens 
durch Urkunden aus dem Anfange des sechzehnten Jahrhun- 
derts bestätigt. 

Das heutige Markirch «welscher» oder lothringischer Seite 
war zu jener Zeit anscheinend noch ein unbedeutendes Dorf, 
das € Marienkilch » hiess. (Mühlenbeck, Documents, Seite 184 
u. folg.) Mit einiger Sicherheit lässt sich annehmen, dass dies 
Dorf seine Entstehung ebenfalls dem Bergwerke verdankt. 

Hervorgehoben zu werden verdient noch, dass Markirch in 
früherer Zeit wenig Aehnlichkeit mit anderen Städten im 
Elsass gehabt hat. Es war niemals befestigt, wie Colmar, 
Rappoltsweiler und andere Orte, niemals rief die Sturmglocke 
bei einer vorhandenen Gefahr sämmtliche Bewohner zusammen. 
Man muss diesen Ort vielmehr als eine blosse Kolonie an 
beiden Ufern der Leber ansehen, wohin die lothringischen und 
deutschen Fürsten u. a. Personen zum Betriebe der Bergwerke 
heranzogen. Eine derartige Ansammlung von Personen, welche 
unter solchen Bedingungen lebten und zudem noch zwei ver- 
schiedenen Herrschaftsgebieten angehörten, konnte keine ein- 
heitliche Stadt bilden. Damit scheint auch im Zusammenhang 
zu stehen, dass dieser Ort als solcher in älterer Zeit kein be- 
sonderes Wappen besessen hat. Nur die Brüderschaft der Berg- 
leute in ihm besass ihr eigenes Wappen. Als Ludwig XIV. im 
fiskalischen Interesse den Zünften und einer Anzahl Notabein 
der Städte und Dörfer im Elsass besondere Wappen verheb, 
erhielt auch Markirch ein solches. Der Genealogist d'Hozier 
gab indessen nicht der Stadt, sondern der Gemeinschaft der 
Bewohner des Dorfes Markirch — richtiger hiesse es wohl: 
Flecken — (ä la communaut^ des habitants du village de Sainte- 
Marie-aux-Mines) folgendes Wappen : In einem blauen Felde 



1 



— 76 — 

die Jungfrau Maria von Silber, deren Füsse auf einem Berge von 
Gold stehen. Offenbar hat man hiernach bei der Herstellung dieses 
Wappens an die Bergwerke in der Umgebung gedacht. Uebrigens 
soll auch dies Wappen bisher kaum benutzt worden sein. 

Wann die Bergwerks-Arbeiten zuerst betrieben worden 
sind, darüber sind die Ansichten verschieden. Werkkundige 
Leute behaupten aus der Art, wie einige Gruben angelegt und 
besonders ihre Gänge behauen sind, sicher zu erkennen, dass 
schon die Römer in diesen Bergwerken gearbeitet haben, und 
zwar soll eine Grube angeblich an eine Stelle bei Plinius (Buch 
32) über die Herstellung der römischen Bergwerke erinnern. 
Der Geschichtsschreiber Schöpflin bemerkt jedoch, dass es keine 
Spur von dem Vorhandensein dieser Bergwerke bei den römi- 
schen Schriftstellern gebe, die doch sonst alles auf ihren Berg- 
bau Bezügliche sorgfaltig aufgezeichnet hätten. 

Deutsche und französische Schriftsteller stimmen darin 
überein, dass das Bergwerk im Leberthai als eins der ältesten 
und berühmtesten Deutschlands anzusehen sei. 

Nach der Chronik des Abtes Richer von Senones siedelten 
am Ende des achten Jahrhunderts zwei fromme Männer, Wil- 
helmus und Acharicus, sich im Leberthal an. Hier lebten, 
wie der Chronist weiter bemerkt, späterhin edle Männer, zu 
deren Zeiten die Silbergruben gefunden wurden, aus welchen eine 
Menge Silber ausgegraben sein soll. (In qua postea nobiles 
extiterunt viri, quoinim diebus argentariae fossae repertae sunt, 
in quibus multum argen tum esse fertur effossum.) 

Otfrid von Weissenburg, bekanntlich einer der Begründer 
der althochdeutschen Dichtkunst im neunten Jahrhundert, sagt 
in seiner Evangelienharmonie beim Lobe der austrasischen 
Franken, dass ihr Land, zu dem ein Teil des Elsass gerechnet 
wurde, Kupfer-, Eisen- und Silbergruben besitze, und dass dort 
sogar Gold aus dem Sande aufgelesen werde (I, 1, 69-72) : 

Zi nüzze gr^bit man oah thär Onch thära zna füagi 

Er inti kuphar Silabar ginnagi, 

Job bi thia meina Job lesent thar in lante 

Isine steina ; Gold in iro sante. 

[Zum Nutzen grabet man auch da Erz. und Kupfer, auch, 
nach der Meinung (wie ich glaube), Eissteine (Krystalle), auch 
dazu füge (rechne dazu) Silber genug, ja sie lesen da ini 
Lande Gold in ihrem ^nde.] Otfrid meinte, wie Levrault in 
seinem Werke: «Essai sur Tanciehne monnaie de Strasbourg» 
(2. Aufl., S. 24) anführt, wahrscheinlich die Silbergruben in 
den Vogesen, denn in Deutschland gab es im neunten Jahr- 
hundert sonst nur Bergwerke für Eisen und Kupfer. Dass in 



r 



— 77 — 

der Nähe Strassburgs am Rhein Gold im Sande gefunden 
wurde, ist bekannt; beispielsweise weist der Name des Dorfes 
«Goldscheuer:» darauf bin. 

Der französische Schriftsteller Dom Calmet berichtet, dass 
schon zu Zeiten des heiligen Gerhard, Bischofs von Toul, im 
Jahre 963 eines Zehnten von den Silbererzen im Gebiete von 
St-Die — im Elsass Sanct-Diedel genannt — Erwähnung 
geschehe. Dieses Recht der Touler Diöcese scheint jedoch nicht 
unbestritten gewesen zu sein, denn aus der Zeit Otto's III er- 
fahren wir, dass dem Bischöfe Berlhold zurückgegeben wurde 
eine Stadt im Elsass, Berchem — heutzutage Bergheim — ein 
Zollhaus und das Gebiet der Erzgruben. 

Der Bergwerksbetrieb scheint im elften , zwölften und 
dreizehnten Jahrhundert recht bedeutend gewesen zu sein; so 
führt beispielsweise Dr. E. Huhn in seinem Werke cc Geschichte 
Lothringens:!» (Berlin 1877, S. 158) an, dass der Ertrag damals 
nicht gering sein konnte, da er das nötige Silber für die 
lothringischen Münzen und jene des Capitels von St-Di^ lieferte. 
Freilich darf dabei nicht übersehen werden, dass in Lacroix, 
jenseits des .Hauptrückens der Vogesen, ebenfalls Silber vor- 
ji^efunden wurde. 

In der Weltchronik des Rudolf von Ems, der um die Mitte 
des dreizehnten Jahrhunderts dichtete, findet sich eine Stelle, 
welche von dem hohen Rufe der Markircher Bergwerke Kunde 
giebt : 

B1 der stat vil nähe b! Daz silber daz da wirt gegraben, 

Ober deiner raste dri So ez wirt gibrant, so wirtz erhaben 

Ligent silberberge rieh Und wirt gefüeret in die stat 

Gtoz hoch nnd wnnneclich. Ze Sträzbnrc, davon si vil hat. 

[Bei der Stadt (Strassburg) ziemlich nahe, über kleiner 
Rasten drei (d. h. nach Zurücklegung eines Weges, während 
welcher ein Fussgänger dreimal Rast hält), liegen Silberberge 
reich, gross, hoch und wonniglich. Das Silber, das da wird 
gegraben, wenn es geschmolzen wird, so wird es erhoben und 
wird geführet nach der Stadt Strassburg, wo man davon viel 
besitzt.] 

Auf jene Zeit scheint unter Anderem auch der Bergname 
« Brifosse » hinzudeuten, der anscheinend aus brevis fossa (kleine 
Gmbe) verstümmelt ist. Mann konnte dort wahrscheinlich nur 
eine kleine Grube anlegen, da man auf zu hartes Gestein 
(Granit) stiess. Später dürfte der Name des Berges auf eine 
Anzahl Häuser am Ende der heutigen St-Diedeler Vorstadt 
übergegangen sein, in deren Nähe sich thatsächlich der Eingang 
zu einer Grube befindet. 

6 



^ 



— 78 — 

In der SamniluiiiJ von Acfenslücken : « Documents hislo- 
riques concernant Ste-Marie-aux-Mines» (S. 342) hat der 
Herausgeber, Dr. Mühlenbeck, angeführt, dass zwischen Sancl- 
Bläs und Eckkirch sich die « Mark d ausdehnte, auf welcher 
das heutige Markirch liegt. Die Leber wurde, wie schon oben 
angedeutet, auch der Landbach genannt. Dieser Name erinneii 
an den Landgraben in der Rheinebene, welcher ebenfalls die 
Grenze zwischen zwei verschiedenen Gebieten, dem Ober- und 
Unter-Elsass, bildet. Die lothringische Grenze folgt jedoch nicht 
dem unteren Laufe der Leber, denn beispielsweise gehörte der 
südlich gelegene Ort St. Pilt bis zum Jahre 1766 zu Lothringen. 
Im oberen Theile des heutigen Markirch schied der Bach 
Li verseile — heutzutage der Fluss von Hergochamps genannt 
— und auf dem First die Schneeschmelze die beiden Gebiete. 
Nur einige Häuser in Prehagot gehörten zur einen Hälfte zum 
Elsass, zur anderen zu Lothringen ; auf dieselben bezog sich 
das Sprichwort : « Man macht den Teig im Elsas.s, der in 
Lothringen zu Brod gebacken wird . » (Bürgerf round , eine 
Strassb. Wochenschrift. Strassburg 1777, Bd. I, S. 123.) Ganz 
unbestritten waren diese Grenzverhältnisse jedoch nicht, wie 
viele noch vorhandene Urkunden es darthun. Nach einem 
Berichte des Landrichters Haubinsack stand noch am Anfange 
des sechzehnten Jahrhunderts die Grenze so wenig fest, dass 
man damals sich nicht nur an die benachbarten Klöster und 
Stifter sowie an alte Personen um Auskunft wandte, sondern 
auch die « landfahrenden Kessler und Spengler» darüber iie- 
fragte. Seit jener Zeit wurde auch zwischen den Bei'gwerks- 
arbeiten auf lothringischer und auf elsässischer oder deutscher 
Seite unterschieden. 

Um das Jahr 1280 musslen die Gruben verlassen weixlen. 
Job. Herkel von Plainfaing, Kanonikus zu St-Die, der um das 
Jahr 1541 schrieb, berichtet, dass man wegen Mangels an Holz 
zum Schmelzen und Scheiden der Metalle genötigt gewasen 
sei, die Grubenarbeiten aufzugeben. Daneben scheinen starke 
Wasserzuflüsse sich eingefunden zu haben. 

Sebastian Münster, der deutsche Strabo, giebt in seiner 
Kosmographie eine längere Beschreibung des Bergwerks im 
Leberthal, die mit einer Karte und acht Holzschnitten versehen 
ist ; er sagt da unter Anderem : « dass vor etlich hundert jaren 
ein mechtig gross Bergwerck da gewesen ist, kan aber nit wissen 
ausz was vrsachen dasselbig abgangen, dann dasz man raept, 
dieweil die alten Bergleut allein Schacht vnd kein Stollen 
daraufl" das Wasser sein auszgang mag haben, wie jetz gebauwen 
vnd dieselben so gar tieff versunken, deshalben es vieleicht 
Wassersnot halb abgangen ist.» Diese Angabe Munsters hat viel 



r 



79 



Wahi-scheinlichkeit, denn heutzutage liefern die verlassenen Stollen 
einen grösseren Teil des Trinkwassers für die Bewohner Markirchs. 

Nur jenseits der Vogesen , zu Lacroix in Lothringen, 
wurden die Gruhen unter Herzog Friedrich IV im Jahre 1315 
mit grossem Vorteil betrieben ; sie waren 1581 so reich 
geworden, dass sie nach Abzug aller Kosten wöchentlich 1500 
Ducaten Ertrag gaben. 

Gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts hatte Herzog 
Renatus H, König von Sicilien, auf rappoltstein'schem Gebiele 
ein Bergwerk anlegen wollen, die Herren von Rappoltstein 
hatten aber die Unternehmer vertreiben und deren Schmelz- 
liütten beseitigen lassen. Im Jahre 1508 erliess Herzog Renatus II 
eine besondere Bergordnung in französischer Sprache, in der 
jedoch eine Anzahl deutscher Ausdrücke sicli befinden, wie 
z. B. Verweser, Schacht, Schicht u. s. w. Man kann mit 
einiger Sicherheit daraus schliessen, dass eine Anzahl deutscher 
Beamten und Bergleute auch auf der lothringischen Seite be- 
schäftigt waren. Im Jahre 1516 führte Herzog Anton blutige 
Fehde gegen Gangolf von Hohen- Geroldseck und Franz von 
Sickingen ; es handelte sich dabei um die Erzgruben im Leber- 
thal. Ihrethalben hatte er auch mehrere Verdriesslichkeiten mit 
Kaiser Carl V ; dieselben wurden schliesslich durch einen 
schiedsrichterlichen Spruch ausgeglichen. 

Im Jahre 1486 wurde zwischen Erzherzog Sigmund, als 
dem Herrn der vorderösterreichischen Lande, dem das Berg- 
Regal, ziikam, und Wilhelm von Rappoltstein, als Besitzer der 
einen Hälfte des Thals, ein Vertrag geschlossen, in welchem 
Sigmund erklärt, dass er «nit gemaint 3> sei, «ettliche Pergk- 
werch von Gold, Silber, Pley, Kupfer und Galmey in den Herr- 
schaften Rapoltstain und Hohenagk, so dem edlen vnn.serm liel>en 
getreuen Wilhalmen, von Rapoltstain, vnnserm Rate zugehörn, 
vngepawt verligen zelassen», sondern er wolle, dass ((solhe 
Pergkwerch erweckt in pew (Bau) und wesen bracht mügen 
werden». Beide Theilhaber kamen deshalb uberein : 

^Daz der benant von Rapoltstain in vnnserm vnd seinem 
namen alle Pergkwerch in den gedachten Herrschaften vorleyhen, 
versehen vnd verwalten sol vnd was dieselben mit Zehend, fron, 
wechsl vnd in ander weg ertragen, sollen all weg die zwaytail 
xTins vnd vnnsern Leybserben, Fürsten von Oesterreich, vnd 
Im, seinem Brueder und Iren Erben der drittail veruolgen (zu- 
gehören). Wo wir aber mit tod vergienngen vnd nit Leybserben, 
so Fürsten von Oesterreich wern, verliessen, das Got verhueten 
welle, so sol andern vnnsern Erben, Fürsten von Oesterrich 
nit mer dann der lialbtail der gedachten nutze der Pergkwerch, 
welcherlay obgeschriebner Metall oder Aertzt (Erze) die warn, 



— 80 — 

Im, seinem Brueder und Iren Erben, allweg der ander halbtail 
on vnnser vnd menigklichs Irrung vnd eintrag vöruolgen.» 

Bruno von Rappoltstein Hess im Jahre 1502 die Grube von 
Sankt Wilhelm im Fortelbacher Thale eröffnen ; vier Jabrc 
später verpachtete er dieselbe um die för jene Zeit beträchtliche 
Summe von 200 Gulden ; damals hatte das Silber wohl achtmat 
so grossen Wert als heutzutage. Dessen Nachfolger und Vetter, 
Wilhelm II von Rappoltstein, der die grossen Kosten der Er- 
öffnung und Unterhaltung aller Gruben nicht zu bestreiten ver- 
mochte, verbündete sich mit dem Erzherzoge Ferdinand von 
Oesterreich. Beide kamen überein, sowohl die Unkosten als die 
Ausbeute mit einander zu teilen ; jedoch behielt Wilhelm 11 
von Rappoltstein die von Bruno eröffnete Grube Sankt Wilhelm 
— auch Fundgrube genannt — sich vor. In Folge dieses Ver- 
trages belehnte Kaiser Carl V die beiden Verbündeten mit 
diesem Bergwerke als einem Reichslehn (1530). Im Jahre 1620 
trat Kaiser Ferdinand II dem Herrn von Rappoltstein seine Hälfte 
ab, welche ihm als Erzherzog gehört hatte. Seitdem wuixlen 
Eberhard von Rappoltstein und seine Familie die einzigen Eigen- 
tümer des Ganzen. 

In den höchst zahlreichen und weithin aushaltenden Gängen, 
von welchen diejenigen bei Markirch im Gneis, bei St. Kreutz 
im Gneis und Granit, die Kupfererzgänge des Rauenthals (Fou- 
noux) im Syenit aufsetzen, wurde gediegenes Silber, Rotgültig- 
erz, Silberglanz, Fahlerz, Bleiglanz, Kupferkies, Kobalt und 
Arsenikerz gefunden. Die Fahlei'ze hielten ^j% bis 1 Pix)cent 
Silber, 16 bis 25 Procent Kupfer, die Silberglanze 20, 40 und 
80 Mark Silber im Gentner, Bleiglanze bis 2 1/2 Lolh Silber 
und 40 bis 50 Pfund Blei im Centner. 

Seba.stian Münster, der die Markircher Bergwerke im Jahre 
1545 besuchte und dessen Mitteilungen um so grösseren Wert 
besitzen, als sie zum Teil auf eigener Anschauung, zum Teil 
auf Mitteilungen des damaligen Landrichters Haubinsack in 
Markirch beruhen, berichtet, dass im Jahre 1530 in mehreren 
Gruben Massen gediegenen Silbers von 2 bis 3 Centnern ge- 
wonnen wui'den'. Das Kilogramm Silber zu 220 Franken 



1 In Betreff dieser Fände bemerkt Seb. Münster : « Da zwischen 
Anno 1530 hat man zmu Bachofen, vnud Anno lö39 zu S. Wilhelm, 
der alten Fnndgrnben, gedigen Sylber gehauwen, des man jedesmal 
anff drey Centner an einem stuck gemacht hat. Dasselbig Sylber ist 
so gar gediegen, weisz vnd rein in der Graben mit Schrotmeiseln 
abgehawen worden, dasz es ein Goldschmid oder Müntzer den mehren 
theil ohn alles Fewr verarbeiten hat mögen, vnd ist so wunde r- 
barlich gewechsz gewesen, dasz desgleichen kein 
Bergmann je gesehen». 



r 



— 81 -^ 



gerechnet, wurde die Stufe eineii Werl von 33,000 Franken 
oder 26,400 Mark gehabt haben. Der Fund machte damals so 
grosse Freude, dass der Bergmeister Michael Bühler beauftragt 
wurde, eine Probe davon dem Kai ser Carl V zu überbringen, 
der damals zu Augsburg Reichstag hielt. <r Danach », so erzählt 
Haubinsack in einem besonderen Bericht: «Ir. Mt (Majestät) 
als ein sonderbahrer (besonderer) liebhabender Fürst der perck- 
werken den Herrn von Geroltzeck, Herrn Gangolf, Landvogt im 
Obern Elsass bevohlen, er wollte ihm das perckwerck 
hevohlen lassen sein.]» 

Auch in den Jahren 1539 und 4581 wird von ähnlichen 
Funden berichtet. Wenn die Angaben Piguerre's, eines fran- 
zösischen Chronisten, den Thatsachen entsprechen, so war in 
den Jahren 1528 liis 1550 der regelmässige Ertrag ein so 
bedeutender, dass er darüber schrieb : er Nirgends in ganz 
Deutschland würden weder so viele Gruben bei einander, noch 
von so ergiebiger Ausbeute angetroffen » ; er fugt noch hinzu, 
man habe während der erwähnten Zeit jährlich 6500 Mark 
Silber gewonnen. Da das Mark Silber einem halben Pfunde 
entspricht, so wfirde der jährliche Ertrag auf 360,750 Franken 
oder 288,600 Mark zu berechnen sein. 

Die reiche Ausbeute « macht die Bergleut lustig in dem 
Gebirg mehr und weiter zu suchen», sagt Sebastian Münster. 
Zahlreiche Bergbaulustige wurden damals durch die Nachricht 
von der Entdeckung reicher Silberfunde herbeigelockt, derge- 
stalt, dass 1550 allein auf der Rappoltsteiner Seite 80 Gruben 
im Betriebe waren, von welchen allerdings später verschiedene 
wieder aufgegeben wurden ; daneben waren 10 Schmelzhüttcn 
Tag und Nacht im Gange. 

Im Jahre 1537 wurde zur Entwässerung der Gruben bei 
Fortelbach ein Abzugskanal — Erbstollen genannt — angelegt. 
Dieser 8000 Meter lange Kanal, von dem etwa nur der vierte 
Teil aus Holz bestand, mundete im Leberbach und teilte sich 
in drei Flügelörter. Man hat zehn Jahre daran gearbeitet, und 
zahlte der Herr von Rappoltstein, nach der Mitteilung Haubin- 
sacks «den vierten Pfennig» (den vierten Teil), «welches bey 
20,000 Gulden troflen hat.» Dieser Kanal kann eine Idee von 
der Wichtigkeit der Gruben liei Fortelbach geben, aus deren 
Ertrage die Kosten der Herstellung desselben gedeckt wurden. 
Als um die Mitte des vorigen Jahrhunderts ein Teil des Kanals 
eingestürzt war und das Wasser damals in die Gruben drang, 
scheuten die Unternehmer vor den Kosten der Wiederherstellung 
zurück und gaben die in Betracht kommenden Gniben lieber 
ganz auf. 

Der Ruf, welchen das Bergwerk bei Markirch um die 



— 8t> — 

Mitte des sechzehnten Jahrhunderts genoss, bevölkerte die 
Gegend. Sebastian Münster sagt : «und seind sidher anfan^ 
des Bergwercks vber die zwölflfhundert Heuser gebauwen wor- 
den, allermeist in dem Thal, das im Furtelbach heiszt. Es ist auch 
der Fläcken Markirch trefflich sehr aufigangen in wenig jaren.» 
Das heute unbedeutende Fortelbach erstreckte sich in geschlos- 
senen Häuserreihen bis nach Burgund und hatte allein 
72 Wirtshäuser. Aus jener Zeit stammt das sogenannte Her- 
renhaus, in dem der Bergrat sich versammelte. Daneben la^ 
noch vor der Revolution das Haus der österreichischen Com- 
missare, über dessen Thur ein Brustbild Kaisers Carl V sich 
befand. 

Sebastian Munster fuhrt an, dass er im Februar 1545 das 
Bergwerk in Fortelbach besehen und drei Schächte, das ist 
zweiundvierzig Klafter tief, « in Rumpapump gestigen und da die 
inner Frucht des Erdtrichs gesehen » habe. «Dann ich durch 
den Hochgemeldten Landtrichter, Herrn Johann Hubinsack 
geführt zu einem Gang, gar tieff hinab, der glitzt von Bley, 
Silber vnd andern Metallen, dasz es ein lust war anzusehen. 
Es stunden auch vier oder fünf Knappen daran, die betten 
grosz arbeit, eh sie das zähe Metall mit Schrotmeiszlen und 
Hämmern gewinnen mochten. Vnd bei denen waren zwen oder 
drey andere, die führten das abgeschlagen Ertz mit Trojjen 
hinweg bisz zum nechsten Schach, da ward es durch die 
Haspler hinauff gezogen, und darnach fürbasz mit Trögen ge- 
führt zu einem andern Haspel, vnnd also für vnd für, bisz es 
ausz dem Berg kam. Da kompt es andern Werckern in die 
Hend, nemlich die es scheiden und waschen aufl" dem Sunripff, 
oder Wäschen mit Krücken, oder waschen mit dem Syb, dar- 
nach klauben es die Weyber. Weiter bocht man es auff dem 
Bochwerk : das ist, man zerstoszt es mit Stempfflen, vnd end- 
lich lifert vnd teilt man es under die Gewercker oder Fron- 
herren, die lassen es darnach schmeltzen, wo es einem jeden 
gelegen ist.:» Die dazu gelieferten Holzschnitte geben ein deut- 
liches Bild von den verschiedenen Bergwerks-Arbeiten. 

In jeder Grube wurden 50 bis 200 Pei'sonen beschäftigt, 
so dass die Zahl der damals vorhandenen Bergleute und anderer 
Arbeiter auf etwa 3000 geschätzt wird. Neben den eigentlichen 
Bergleuten wurde eine grössere Anzahl Zimmerleute, Maurer, 
Schmiede etc. gebraucht, sodann eine Reihe von Beamten. Der 
grösste Teil der Bergleute kam aus Sachsen ; die ersten sollen 
1526 eingetroffen sein. Im Jahre 1550 war ihre Zahl so bedeu- 
tend, dass die Landessprache sich beträchtlich veränderte. 
Während man in St. Blas fortfuhr, französisch oder doch das 
welsche Patois zu sprechen, wurde in Fortelbach und Markirch 



r 



— 8:3 — 

(ieutscher Seite nur deutsch gesprochen. In den « Documents 
historiques» etc. S. !207, ist deshalb geradezu gesagt^ dass die 
Bevölkerung Markirchs (deutscher Seite) und Fortelbachs fremden 
Ui*sprungs und diese beiden Orte wirkUche sächsische Kolo- 
nieen sind. 

Die Bergleute waren besonderen gesetzlichen Bestimmungen, 
der Bergordnung, unterworfen, welche Kaiser Maximilian 
1517 in Innspruck vollzogen hatte und für die vier vorderen 
Fürstentumer und Lande Elsass , Sundgau , Breisgau und 
Schwarawald galt; eine andere specielle für Markirch vom 
Jahre -1527, ist von König Ferdinand und Wilhelm von Rap- 
|)ollstein erlassen. Diese Ordnung umfasst 93 Artikel und ist 
{grösstenteils dazu bestimmt, die Rechte und Pflichten der 
Beamten und Bei^gleute festzusetzen und Streitigkeiten zwischen 
letzteren und den Unternehmern zu verhüten. 

Nach der Bergordnung liegt die Ausübung der Justiz und 
Verwaltung dem Bergrichter ob. Bei der Verteilung der 
Arbeiten, des gewonnenen Materials, bei der Regelung der 
Rechnungen für jede Grube soll er den Vorsitz führen ; er 
Michert den Arbeitern ihren Lohn, verhindert die Verwüstung 
der Wälder, bestätigt alle Verträge und entscheidet mit Zu- 
ziehung von Geschworenen, die aus den Bergleuten entnommen 
sind, alle streitigen Angelegenheiten, wie Vergehen, Beschä- 
digungen, Schuldverhältnisse u. s. w. Vom Bergrichter ressortiren 
alle bei den Bergwerks-Arbeiten beschäftigten Pei'sonen. Sonst 
Ij'ab es noch einen Berggerichtsschreiber, einen Frohn boten oder 
Weibel und einige Zeit hindurch einen besondern Einnehmer. 
Die Bergleute sollen acht Stunden am Tage oder in der 
Nacht und zwar von 7 bis 11 und von 1 bis 5 Uhr arbeiten. 
Wenn in eine Woche zwei Festtage fallen, so ist nur einer zu 
feiern. Der blaue Montag — im Original gute Montag — ist 
streng verlM)ten. Diejenigen, welche zu spät erscheinen, werden 
nicht in die Grube gelassen und im Falle der Wiederholung 
solcher Unregelmässigkeit nicht weiter beschäftigt. Ein cc H e r- 
renhauer» erhält 8 Schillinge oder 48 Kreuzer in einer 
Woche, die Haspler, Truhen- oder Hundläufer 
6 Schillinge; ein Schmied für's Stählen von hundert Spitzen, 
« Ortten » genannt, V4 Gulden. Die anderen Löhne sind nicht 
angegeben. Aus anderen Aufzeichnungen geht hervor, dass 
in späterer Zeit fast ausschliesslich « L e h e n h a u e r » oder 
«^Zinshauer» beschäftigt worden ; wir würden dieselben 
«Accord-Arbeiter» nennen. Ueber die Arbeiten und deren Er- 
trag wurde mit diesen Arbeitern abgerechnet ; sie hatten die 
Ausgaben für Talg, Eisen, Tröge u. s. w. zu bestreiten. Die 
Bergleute sollten «Wunn und Weid» geniessen, die Unterhai- 



— 84 — 

iun^^ eines Hirten lag ihnen ob. Das erforderliche Holz für den 
eigenen Bedarf durften sie dem Walde entnehmen. Alles, was 
zum Betriebe des Bergwerks dient und aus demselben ent- 
nommen wird, wie Silber, Kupfer, Blei, Erz, sodann auch 
Eisen, Unschlilt, Holz, Kohlen sollen keinen Zöllen unterliegen, 
denn das Bergwerk im Leberthal soll «ein freies Berjr- 
werk sein, wie die anderen Bergwerke des löbl. Hauses 
Oesterreich». Jeder Handel und Verkehr mit Bezug auf das 
Bergwerk ist gestattet, soweit derselbe nicht gegen die Religion 
und die Sitte verstösst. oder wie es heisst, «was mit Gott und 
Ehren zugehet ». 

Genaue Bestimmungen setzen fest, in welcher Weise zu 
verfahren ist, wenn man beim Durchschlagen eines Stollens 
einer anderen Grube sich nähert u. s. w. 

Ganz treffend hat Sebastian Munster bemerkt : «Die Berg- 
leut halten sich jrer Freyheit, sind niemands gehorsam oder 
underworflen, dann ihrem Richter an statt der Oberkeit, haben 
ein Ordnung mit vielen Artiklen, das kaum ein Irrung, die 
Gruben oder andere Ding betreffend, furfallen mag, den es 
ein entscheid gibt und laszt man jedermann handtieren und 
werben olm alle Beschwerd, was mit Ehren .zugeht x^. 

Die Knappschaft bildete einerseits eine Art militärischer 
Hierarchie, andererseits eine religiöse Brüderschaft. In Kriegs- 
zeiten erliess der Herr von Rappoltstein ein Aufgebot an die 
Bergknappen ; thatsächlich haben sie sich im Bauernkriege mit- 
beteiligt. Sie hielten von Zeit zu Zeit Waffenübungen ab, so 
z. B. im Schiessen und nannten sich auch «Bergschützen»: 
der Name « Schützenacker » erinnert noch heute daran. Sie 
standen unter der hierarchischen Gliederung vom Berghaupt- 
mann bis zum Steiger. Ausser den Arbeitern in den GrulK^i 
gab es noch solche ausserhalb derselben, wie die Pochknechte, 
die Siebwäscher, die Kruckenwäscher, die Scheider, die 
Schmelzer u. s. w. Die hierarchische Rangordnung stand in 
solchem Anselien, dass sie sogar in der Kirche streng beob- 
achtet wurde. 

Die Tracht der Bergleute hat sich im Laufe der Zeit 
einige Male verändert : Im Jahre 1625 trugen die OfQciene 
einen langen Bock von schwarzem Tuch, ohne Kragen, vom 
offen, mit rotem Futter und mit Schnüren versehen, dazu 
rote Aufschläge ; die Beinkleider von Tuch waren entweder 
rot oder hellgrün ; weisse Strümpfe und Schuhe mit goldenen 
Schnallen; Handschuhe von Hirschleder; die Kopfbedeckung 
war rund, platt, von schwarzem Tuch, ohne Schirm und Feder- 
busch, verziert mit einem vergoldeten Schilde, auf dem zwei kreuz- 
weise liegende Schlägel sich befanden, darüber eine Lampe und 



TH'-^ '• 



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— 85 ~ 

der ßei^maiinsgruss : «Glück auf!» Hinten wurde ein 
schwarzes Leder getragen, versehen mit einem vergoldeten 
Schilde, das mit dem der Kopfbedeckung übereinstimmte ; ein 
schwarzer Mantel mit gelben Schnüren, vorn mit rotem Futter 
versehen; gerader Degen, dessen Scheide von Kupfer war. — 
Im Jahre 1700 erhielt der Rock einen Kragen; die Strümpfe 
sind von weisser Seide ; die hohe Kopfbedeckung verengert sich 
nacli oben ; der Handgriff des Degens ist vergoldet. — Im Jahre 
1750 langer Rock aus schwaraem Tuch, mit geradem, car- 
rirtem Halskragen ; Aufschläge und Futter sind rot, mit ver- 
goldeten Knöpfen ; rote Beinkleider ; Stiefel nach ungarischer 
Art, verziert mit vergoldeter Eichel ; gerader Degen. Die Kopf- 
bedeckung ist rund und ohne Schirm, aber mit einer Goldtresse 
versehen ; vergoldetes Schild mit zwei Schlägeln ; der Feder- 
busch ist hochrot und schwarz ; das Leder wie oben. — Im 
Jahre 1820 trug der einfache Bergmann eine Blouse von 
schwanger Sarsche mit rotem Verstoss ; eine Art Schako aus 
Filz ohne Schirm, oben und unten mit schwarzem Sammet 
berändert, versehen mit einem versilberten Schilde, auf dem 
zwei über Kreuz liegende Schlägel, eine Lampe und der Gruss : 
«r Glück auf!» sich befinden; hochrot und schwarzer Feder- 
Imsch ; schwarzes Leder mit versilbertem Schild, das gleich 
demjenigen auf der Kopfbedeckung ist ; blaue Beinkleider mit 
rotem Verstoss.* 

Ueber der Thür ihrer Häuser pflegten die Bergleute ihr 
besonderes Zeichen, das Wappen mit den kreuzweise liegenden 
Schlägeln, anzubringen; man sieht dergleichen noch auf einigen 
Häusern im Markircher Thal. 

Jährlich einige Male begaben sich die Bergleute aus den 
entfernteren Thälern in festlicher Tracht mit angezundetei' 
Lampe nach der Mattenkirche in Markirch. Im Jahre 15t^ z(^ 
zum ersten Male ein Fähnlein Bergknappen zur Kirchweih oder 
zum Pfeifertag nach dem benachbarten Rappolts weiter ; seitdem 
scheint es öfters geschehen zu sein. 

An jedem Samstag kam der Bruderpfennig in eine beson- 
dere Büchse, die Bruderbüchse hiess und von einem « Bruder- 
meister» verwaltet wurde. Aus dieser Kasse wurde der Pfarrer 
und der Lehrer besoldet. Verunglückte und Kranke fanden in 
dem Spital, das Eigentum der Knappschaft war, Aufnahme. 



1 In Eckkirch bei Markircb besteht eine Knappschaftskasse, 
deren Statuten noch aus der Bergwerkszeit herrühren sollen. Die Mit- 
glieder dieser Kasse, teilweise Enkel der früheren Bergknappen, 
ziehen bei feierlichen Gelegenheiten noch mit ihrer Fahne in Berg- 
mannstracht auf. 



— 86 — 

Wer seinen Beitrag nicht entrichtete, wurde von der Arbeit 
verwiesen. Die Knappsch^ift besass auch ihre besondere Zunft- 
Stube ((Zur Blumen». 

Der von Gefahren aller Art umgebene Beruf der Bergleute 
weist sie beständig auf Gott hin. Die Finsternis, in welcher 
sie arbeiten, macht sie für die Schönheit des Lichts besonders 
empfänglich. Der beliebteste Grottesname ist «Vater des Lichts»; 
das Firmament ist ihnen das herrliche Lichtgelilde, das sie 
auch in der Kirche vor Augen haben wollten ; deshalb musste 
auch Licht auf dem Altar brennen. 

Die aus Sachsen eingewanderten Bergleute waren dort zum 
lutherischen Glauben übergetreten oder hatten sich in Markircli 
zu ihm bekannt. Unter den meist das lothringische Patois 
sprechenden Einwohnern von Eckkirch, Zillhardt, Klein-Leberau 
und Prehagot fand die Beformation ebenfalls Aufnahme, sie 
bekannten sich aber zur Lehre Zwingli's. Nur die Bewohner 
der welschen Seite verblieben beim katholischen Glauben. 

Die im Jahre 1542 im Bau begonnene Mattenkirche ging 
schon nach etwa 10 Jahren an die lutherische Gemeinde über 
und war eine wahre Bergmannskirche. Der erste Pfarrer 
an derselben, Hoger, ging aus dem Bergmannsstande hervor 
(ebenso der erste Pfarrer der reformirten Gemeinde, Elias). 
Das Innere der Kirche stellte eine gewölbte, den Himmel mit 
Sonne, Mond und Sternen andeutende Decke dar. Die gemalten 
Fenster zeigten Symbole und Arbeiten des Bergbaues ; die 
Kanzel wurde durch eine Bildsäule, in Gestalt eines kolossalen 
Bergmanns, getragen. Im Chor befand sich ein Altar aus St«n. 
Dort waren auch die Sitze der Herrschaft, der Bergbeamten 
und Bei^leute. Diese Kirche, in welcher eine Anzahl Bergbeamte 
begraben waren, brannte 1754 ab ; zwei Jahre später wurde in 
deren Stelle eine andere erbaut, die ebenfalls Mattenkirche hiess.' 



^ Die Mattenkirche, in der Nähe des jetzigen Bahnhofs, wurde 
1881 abgebrochen. Im Juni 1867, zwei Jahre sechs Monate nach er- 
folgter EröfEnung der Eisenbahn nach Schlettstadt, hörte der Gottes- 
dienst in derselben auf. Aus einer damals veröffentlichten kleinen 
Schrift des beliebten Predigers Grötzinger, «Der letzte 
Gottesdienst in der Mattenkirche» mögen folgende 
Strophen eines warm empfundenen Liedes angeführt sein : 

< Du trautes Kirchlein auf der Matten 
Wie oft in deinem kühlen Schatten, 

Vergass der Pilger seine Qual! 
Nochmals erscholl dein sanft Geläute, 
Du Silberglöckchen ! aber heute 

Ludst du uns ein zum letzten Mal. 



— 87 — 

In dieser Kii'che wurden jene frommen merkwürdigen 
Gesänge angestimmt, welche zuerst Pfarrer Titelius gesammelt 
und unter dem Titel: «Bergmännische Gott geheiligte 
Andachten u.s.w.» 172^2 in Markirch herausgegeben hat. Der 
erste Teil dieses Bei^gesangbuchs enthält unter Anderem für 
jedes einzelne Glied der Hierarchie, von der Landes-Ohrigkeit 
bis zum Bei'g-Jungen oder Hundläufer, ein Ijesonderes Gehet 
und einen Liedervers. 

Speciell auf das Leberthai nimmt der einundzwanzigste 
ßerggesang Bezug, aus dem ich folgende Strophen anführe: 

«Auf! auf! ihr Bei'gleut lasst uns singen; Ermuntert euer 
Sinn und Herz; Lasst uns Gott ein Dankopfer bringen, Für 
seine schöne edle Erz. Auf! auf, ihr Bergleut allzumal, Lobt 
Gottes Gut in diesem Thal. 

Sanct Ghnstian giebt Kol3olt-Gängc ; Daraus wird schönes 
Blau gemacht. Das hernach wird in grosser Menge In fremde 
Länder hingebracht. Drum auf, wer immer rufen kann: Gott 
segne unsern Ghristian ! 



In deines Lebens hundert Jahren 
Hast da des Wechsels viel erfahren : 

Es brauste schnell der Strom der Zeit. 
Und könnten sie ihr Schweigen brechen, 
So würden deine Steine sprechen: 

Ach ! Alles hier ist Eitelkeit ! 

Des Vaterlandes ernste Wege, 
Der Grabenstadt verhallte Stege, 

Des Krieges Weh^, des Friedens Glück, 
Des Webstahls Takt, des Bergmanns Freuden, 
Des Handels Flor, des Handels Leiden : 

Aaf Alles fallt dein Blick zurück. 

Wo ist die anzählbare Menge 
Der Knappschaft in dem Festgepränge, 

Die feierlich das Haus betrat 
Am Tag des Herrn? Wann kehrt sie wieder. 
Die Zeit der ernsten frommen Lieder, 

Wo Herr mit Knecht der Kirche naht ? 



Du hörst schon lang das Dampfross schnauben : 
«Ich werde dir das Leben rauben, 

«Da, Kirchlein! weich' dem Geist der Zeit.> 
Nun, stolzes Boss, brich diese Mauern, 
Ich weiss, wer dich wird überdauern, 

Dein Name auch ist Eitelkeit!» 



— 88 ~ 

Die Leberau Sanct Jacob weisen, Wo Silberera vei'ji^abeö 
liegt. Sanct Wilhelm kann mit andern preisen, Wie zierlich 
schön sie seynd beglückt. Drum ruft ihr Bergleut allzumal: 
Herr, segne unser Leberthal! 

Sanct Leonhard kann auch mit prangen, Weil niemals da 
kein Erz gebricht; Man hat die Anbruch' nach Verlangen, An 
Bley und Silber mangelts nicht. Drum ruft ihr Bei^leut allzu- 
mal : Herr, segne unser Leberthal ! 

W^er hätte immer sollen denken, dass diese Berg' so edel 
rNeyn? Dass Gott uns solchen Segen schenken. In einem allzu- 
festen G'stein ? Drum ruft ihr Bergleut allzumal : Herr, segne 
das Markircher Thal ! . . . » 

Eine zweite Auflage dieses Berggesangbuchs ei'schien ITio 
in Strassburg ; in demselben sind einige neue Berglieder hin- 
zugetreten. Aus diesem Gesangbuche wurde von der Gemeinde 
bis zum Jahre 1810 gesungen. 

Aus der Vorrede dieses Buchs ist die Angabe erwähnens- 
wert, dass man kein Bedenken getragen habe, die gewöhnlichen 
bergmännischen Bedensarten darin beizubehalten, welche viel- 
leicht anderen Personen, die nicht zum Bergwerke gehören, 
etwas unverständlich oder anstössig vorkommen möchten. Dabei 
wäre indessen zu erwägen, dass jedes Volk Gott in seiner 
Sprache lobe, auch bestände in allen Bergorten eine alte und 
an sich nicht verwerfliche Gewohnheit, die Berglieder auch beim 
öffentlichen Gottesdienste zu singen. «So machen auch,» heissl 
es wörthch, <rdie denen Bergleuten geläuffige Bedens-Arteii 
ihnen einen grösseren Eindruck ; sie lernen dadurch, wie sie 
bei allen ihren Arbeiten, bei dem Anblicke ihrer Werkzeuge 
oder Gezähs, bei Antreff'ung der mancherlei Berg-Arien gute 
Gedanken haben, alles auf das Geistliche deuten und bei ihrem 
gefährlichen Beruf immer an das Wohl ihrer Seelen denken 
können, und wenn sie ausdrücken wollen, wofür sie Gott loben 
und danken und was vor Segen sie in ihren Arbeiten von ihm 
erbitten, so können sie der bergmännischen Bedensarten unmög- 
lich entbehren.» 

In der Litanei wird bei Aufzählung der verschiedenen Ge- 
fahren der Bergleute auch um Schutz cc für (vor) unterirdischen 
Geistern und Gespenstern» gebeten (Seite 36 dies erwähnten 
Gesangbuchs). 

Ehe die Bergleute in die Grube fuhren, pflegte der Steiger 
im Zechhause einen Morgengottesdienst abzuhalten. 

Im Jahre 4602 erstattete, auf Wunsch Eberhards von 
Kappoltstein, ein Bergmann, der oben bereits erwähnte Wilhelm 
Prechtler, einen wertvollen ausführlichen Bericht über die da- 
malige Beschaffenheit der Bergwerke auf der deutschen Seite. 



— 89 — 

Kr führt tbigende Namen von Gruben an, welche zu jener Zeit 
im Betriebe waren : 

i. «Am alten Berget), d. h. am Bergrücken zwischen 
Fortelbach und St -Philipp, unterhalb dessen der grössere Teil 
der Stadt Markirch liegt : 1) Lehenschatt, früher Sanct Wil- 
helms Fundgrube genannt, 2) Rumpump (Rumpapurap bei Seb. 
Münster) auch St-Leonhard genannt ; 3) Sancta Barbara, vor- 
liem Eisenthür ; 4) Sanct Michael ; 5) Sanct Philipp bei Fortel- 
bach; 6) Sanct Philipp in Prehagot ; 7) Grüntann in Prehagot; 
8) Sanct Jacob in Fortelbach. 

2. «Am neuen Berge», d. h. westlich von Sanct Phi- 
lipp : 9) Erbstollen im Leberthal (bei Klein Leberau) ; 10) Sanct 
Johann Fundgrube, eben daselbst; 11) zur Treu eben dort ; 
12) zur Eisenthür eben dort ; 13) zum himmlischen Höher eben 
da; 14) Sanct Jacob im Rauenthal; 15) Sanct Wilhelm und 
Sanct Peter eben da ; 16) Zum Haus Sachsen und güldenen 
Cron eben da ; 17) Sanct Paul im Krelisslhal ; 18) Zum Pfen- 
nigthurm am Bluttenberg. 

Von der Grube : « Zur Treu » bei Klein Leberau weiss 
Prechtler unter Anderem Folgendes zu berichten : «In dieser 
^(ruben auff St Niclaus Feldorth und nicht über zwei Klafler 
unter dem Stubengestäng i, hat in A<* 1581 den 17 Septembris 
in der nacht, zwischen der 5. und 6. Rechnung, ein Arbeiter 
Clausz Schirbald genannt, welcher über 14 Tag oder 3 Wochen 
nicht alda gearbeitet, anfänglich ein schwartzen Schmilben, da 
der Centner auff 40 Mark Silber in der kleinen Prob gehalten, 
anlroffen, und als er daraufT zugeweitet, hat er darunter 2370 
Mark fein Silber in einem Stück, in Gestalt eines geharnischten 
Mannes, jedoch das gediegene Silber also, als wenn Tannen- 
reiser, Federn und andere krause Kräuter und Blumen aulV 
einander gelegt werden, befunden. Daraus sind fürnemblich 
3 schöne Handstein 2, da der eine 253 Pfd., der andere 159 Pfd. 
und der dritte 106 gewogen, geschrotten und also ganz aus 
dem Berg gebracht worden, der Ueberrest in kleinen Stücken; 
und ist das gediegene Silber so fein gewesen, dasz weder am 
ifewicht, noch der Feine, von dem so in's Bley eingetrucknet 
und abtrieben worden, nicht 3 auffs hundert abgangen ist. 
Unter dem gediegenen ist eine gelbe leichte Materie wie ein 
K'antz Ey gelegen. » 



' unter Gestäng versteht man das Holz im Stollen, auf welchem 
<ler Handlänfer den Karren mit Erz schiebt. 

* Handstein oder Erzstnfe, s. Schönberg, neu verfasstes Bergbuch. 
Frankfurt a.fM. 1698. 



1 



— 90 — 

Prechtler erwähnt noch, dass man dort weder vorlier noch 
auch späier gediegenes Silber gefunden habe. 

Aus dem reichen Bergsegen des sechzehnten Jahrhunderts 
rühren eine Anzahl Pokale her, welche sich im Besitze der 
Familie Rappoltstein befanden. Der ])edeutendste von allen wird 
jetzt in der Schatzkammer in München aufbewahrt ; derselbe 
ist nahezu 1 Meter hoch und enthält 25 Mark 2 Unzen Silber. 
Die sechs Felder am Fusse zeigen alle Arbeiten der Markircher 
Bergwerke, darüber erheben sich zwischen reichen Zieraten 
im Stil der Renaissance Bilder der Haupttugenden und Dar- 
stellungen aus der römischen Geschichte und Mythologie und 
siebzehn Wappenschilder. Ganz oben sitzt in einem sechs- 
tHjkijren Thürmchen König David und spielt die Harfe. Herr 
Professor Kraus hat in dem Werke «: Kunst und Alterthum in 
Elsass-Lot bringen )> Bd. H eine hübsche Photographie dieses 
Pokals geliefert. Acht andere Pokale, Gefasse und Becher sind 
grösstenteils von den Herren von Rappoltstein für die Rat.<- 
stube in Rappoltsweiler gestiftet worden und befinden sich 
noch heutzutage im Ratshause daselbst. 

Die Bergwerks- Arbeiten hatten im sechzehnten Jahrhun- 
dert einen schnellen Aufschw^ung genommen ; noch schneller 
kam es zum Niedergang. Während im Jahre 1594 auf der 
lothringischen Seite allein noch 12 Sill)er- und Bleigi'uben im 
Betriebe waren, zogen schon im Jahre 1633 eine Anzahl Berg- 
leute von Markirch fort, und hörte die Grubenarbeit auf. Manche 
Ursachen wirkten hierzu mit. Einmal war während des sech- 
zehnten Jahrhunderts die Silberwährung stetig gesunken. So- 
dann waren im Bei^werksgebiete mehrere Unglficksschläjre 
vorgekommen : im Jahre 1589 hatte ein Brand 166 Häuser in 
Markirch zerstört. Daran reihten sich Ereignisse mehr poli- 
tischer und religiöser Natur. Von der Regentschaft der öster- 
reichischen Lande hatten die Herren von Rappoltstein den ge- 
messenen Befehl erhalten, den lutherischen Gottesdienst ihrer 
Unterthanen einzustellen ; die Bergleute auf der deutschen Seite 
J)ekannten sich aber, wie angedeutet, zum lutherischen Glau- 
ben. Im Jahre 1631 fand abermals eine Feuersbrunst statt. 
Zwei Jahre darauf herrschte, im Gefolge der Truppendurch- 
züge aus Anlass des Krieges, im Thale die Pest, und wiederum 
zwei Jahre später, brannte Fortelbach bis auf die Kirche und 
wenige Häuser ab. Inzwischen waren schwedische Truppen 
nach dem Elsass gekommen und hatten eine Anzahl Schlösser, 
wie beispielsweise die Hoh-Königsburg, zerstört. In Folge dieser 
allgemeinen und besonderen Umstände hatte sich die Bevölke- 
rung in Markirch und Umgebung sehr vermindert. 

Die Arbeiten in den Gruben wurden auf lothringischer 



— 91 — 

Seite im Jahre 1699 wieder begonnen, auf deutscher Seite in 
regelmässiger Weise am Anfange des achtzehnten Jahrhunderts. 
Die männliche Linie der Herren von Rappoltstein war 1673 
erloschen, und von den Töchtern hatte die eine den Pfalzgrafen 
bei Rhein und von Birken feld geheiratet, denen später Zwei- 
brücken zufiel; sie residirten teilweise in Rappoltsweiler, teil- 
weise in Bischweiler. Der Pfalzgraf übertrug die Ausbeutung 
der Gruben in seinem Besitzanteile von 1711 ab einer Strass- 
burger Gewerkschaft, bestehend aus den Unternehmern Knoll, 
Duminger und Sederer — nach einer andern Lesart Federer 
— unter der Leitung des Rats Kröber. Später übernahm 
Sederer die Arbeiten für alleinige Rechnung. 

Der Pfalzgraf hatte sich an Ludwig XIV wegen Conces- 
sionirung der Bergwerks-Unternehmung gewandt, und 1712 
war dieserhalb auch ein besonderes «Patent» ergangen. Die 
französische Regierung hatte es unterlassen, sich die Souve- 
rainetätsrechte ausdrücklich zu sichern, welche vom Hause 
Oesterreich auf Frankreich übergegangen waren. Dieser Uni- 
stand veranlasste den Pfalzgrafen später, die Production zu or- 
mässigen, wenn sie aussergewöhnliche Verhältnisse annahm, um 
nicht die Aufmerksamkeit darauf zu ziehen. Dies erhellt besonders 
aus einem Briefe des Kanzlers Papelier an Herrn von Wrede, 
vom 27. Februar 1755, den Baquol in seinem Werke: «L'Alsace 
ancienne et moderne» (Strassburg 1864, Seite 255) mitteilt. 

Die Bergwerke auf der lothringischen Seite wurden im 
Jahre 1724 der Gesellschaft Säur und Comp, in Erbpacht ge- 
geben. Die Gesellschaft erhielt das Grubenholz unentgeltlich 
und die Holzkohlen zum Hüttenbetriebe zu 5 Sous füi* das 
Klafter, entrichtete dem Herzog den Zehnten und verpflichtete 
sich, die Hälfte des gewonnenen Goldes ^, Silbers und Kupfers 
an die Münze zu Nancy abzuliefern, den Rest aber in der in 
Markirch eingericliteten Fabrik goldener und silberner Tressen 
zu verarbeiten. 

Auf der deutschen oder Zweibrückner Seite übertrug Sederer 
1734 seine Rechte der Gesellschaft Kröber und Schreiber, 
welche bis zum Jahre 1767 den Betrieb leitete. 1735 wurden 
mit 300 Arbeitern gewonnen : 4000 Mark Silber, 300 Centner 
Kupfer und 2000 Centner Blei, ausschliesslich des dem Herzoge 
in Natur entrichteten Zehnten. 

Das Bergwerks-Personal bestand 1740 aus : 1 Director, 
1 Schichtmeister, jeder mit einem festen Gehalt von 12 bis 



I Die Srwähnung des Goldes im Vertrage vom Jahre 1486 und 
in obigem liefert noch nicht den Beweis, dass jemals solches bei 
Markirch gefanden worden ist. 



— 92 — 

30 Livres wöchentlich ; 2 Schreibern, 2 Hutleuten, 12 Unter- 
steigern mit 10 bis 12 Livres, 8 Waschmeistern, 8 Ober- 
schmelzem mit 8 bis *H Livres Wochenlohn und 486 Arbeitern, 
die bis zu 6 Livres in der Woche verdienten. Ein bemerkens- 
werter Bericht aus jener Zeit liebt hervor, dass die Bergwerks- 
Beamten damals fast durchgängig mit einander verwandt oder 
verschwägert waren, welcher Umstand, streng genommen, den 
allgemein giltigen Bergverordnungen widersprach. 

Im Jahre 1749 zerstörten die aussergewöhnlich starken 
W^asserzuflüsse die Zimmerung des oben erwähnten Erbstollens 
im Forlelbach-Thale, und die Gruben liefen voll Wasser. Dieser 
Unfall hatte für den Bergwerksbetrieb sehr nachteilige Folgen. 
Auf lothringischer Seite hatte eine neue Gesellschall: Schreiber, 
Kinck, Brüger & C»" die Goncession erhalten, die sich dem- 
nächst mit der elsässer Gesellschaft vereinigte, denn seit 1767 
fanden sich sämmtliche Gruben des Thals im Besitze der letz- 
teren Gesellschaft. Die dieser Gesellschaft gewährte Goncession 
umfasste ausser den gewöhnlich vorkommenden Metallen auch 
Quecksilber, sowie Stein- und Braunkohle. Seit 1711 war auch 
Kobalt gewonnen worden. 

Der französische Mineralog Monnet, welcher sich längei^ 
Zeit in Markirch aufgehalten hat, bemerkt in seinem Werke : 
<( Exposition des mines. Londres 1772 », dass 1754 das Rol- 
gultigerz so häufig vorgekommen sei, dass man es wie gewöhn- 
liches Fahlerz verschmolzen habe. Im Jahre 1765 war die Aus- 
beute plötzlich sehr gering geworden. Nach einem damals 
eingeholten Gutachten sollten zur Hebung des Betriebes min- 
destens 50,000 Livres erforderlich sein. Da die Gesellschatl 
indessen aus Anlass mehrfacher Unfälle sich nicht in der Lage 
befand, eine solche Summe daran zu wenden, so zog sie es 
vor, sich 1767 aufzulösen. Die damaligen Bergleute zerstreuten 
sich darauf; ein Teil ging nach dem Harz, ein anderer nach 
Spanien, während ein dritter Teil sich anscheinend anderer 
Beschäftigung zuwandte. 

In einem Briefe des Kanzlers Papelier in Rappoltsweiler 
von 1766 heisst es nämlich : Es war im Jahre 1755, als einige 
wohlhabende Private aus Mülhausen...,die zu Markirch wohnten, 
den Plan fasslen, daselbst eine Manufactur von Kattun, Halb- 
baumwolle und anderer Stoffe dieser Gattung einzurichten... b 
Nach anderen Forschungen geschah es bereits um 1750 und 
war Philipp Steffan — nicht J. 6. Reber — der eigentliche 
Hegründer dieser Art Industrie im Leberlhale. Schon im sieb- 
zehnten Jahrhundert befanden sich daselbst einzelne Tuch- 
macher und sonstige Weber. Reber scheint die Färberei in 
Markirch eingeführt zu haben. 



— 93 — 

Der Herzog von Zweibrücken Hess nunmehr den Bergbau 
auf eigene Rechnung betreiben und vorerst etwa 70 Personen 
beschäftigen. Im Jahre 1774 wurde das Bergwerk « Nothhülfe » 
angelegt, welches die Kosten für die übrigen Arbeiten deckte 
und noch 300 bis 400 Livres jährlichen Ertrag lieferte. 1784 
betrug die Ausbeute sämmtlicher Gruben : 401 Mark ganz ge- 
diegenes Silber, 382 Mark fein Silber, 2089 Pfund Rosetten- 
kupfer, 14,775 Pfund Hartblei und 72,657 Pfund Kaufblei. Die 
Silbererze enthielten 2 bis 6 Unzen Silber und 5 Pfund Kupfer, 
die Bleischliche 1 bis 1 1/2 Unzen Silber und 40 bis 50 Pfund 
Blei im Centner. 

Dietrich fuhrt in seinem Werke: <k Description des gites 
de minerai de la Haute et Basse-Alsace. Paris 1789 1» an, dass, 
als er die Bergwerke bei Markirch im Jahre 1784 besuchte, dort 
beschäftigt waren : ein Director, der 700 Livres Gehalt bezog ; 
ein Obei*steiger erhielt täglich 24 Sous ; zwei Untersteiger be- 
kamen je 20 Sous 6 Pf. (deniers) ; 40 Hauer je 18 Sous 6 Pf. ; 
20 Arbeiter und Hundläufer je 12 Sous 6 Pf. bis 15 Sous. 
Im Ganzen wurden damals 151 Personen beschäftigt. 

Im Strassburger <!c Bürgerfreund für 1777» wird berichtet, 
dass im Jahre 1772 in der Grube : «Glückauf:» im Schulberge 
— bei Eckkirch — gewachsenes Baumsilber gefunden sei, das 
wegen seiner Schönheit nicht eingeschmolzen, sondern in Stufen 
verkauft wurde. Mehrere Reisende erwähnen denn auch, dass 
sie in Markirch schöne Silberstufen gekauft hätten, so z. B. 
die Schriftstellerin Laroche, die Jugendfreundin Wielands, 
welche 1785 von Paris über Markirch nach Deutschland reiste. 

Der französische Mineralog Monnet sagt geradezu : « Alle 
diejenigen, welche nur einige Kenntnisse von der Geschichte 
der Bergwerke besitzen, werden jene zu Markirch für die älte- 
sten und beträchtlichsten der Welt ansehen, welche vielleicht 
alle anderen an Mannichfaltigkeit und ungeheurer Menge von 
Erzen und Metallen übertreffen. Beinahe die schönsten Stufen 
von allerlei Gattungen in den Mineralien-Sammlungen der Fürsten 
stammen aus diesem Bergwerke. Es giebt in Deutschland viel 
reichhaltige Silbergruben, allein bisher hat es vielleicht keine 
gegeben, welche dieses Metall unter so verschiedenen Eigen- 
schaften geliefert haben*.» 



1 Die grosse Mannichfaltigkeit der bei Markirch gefundenen Erz- 
arten geht anch aus einem Yerzeichnisse des Erbständers und Mine- 
ralogen Christian Jakob Schreiber hervor, das sich im Besitze des 
Herrn J. G. Beber in Markirch befindet. Dies Verzeichnis berichtigt 
zugleich ein älteres im Strassburger Bürgerfrennd für 1776, das 
mehrere auffällige Fehler enthalten soll. 



— 94 — 

In der Staatsumwälzung wurden alle Vorrechte aufgehoben, 
deren der Bergbau sich bis dahin erfreut hatte. Nunmehr wei- 
gerten sich die Gremeinden, das für den Betrieb der Bergwerke 
erforderliche Bauholz zu liefern. In späterer Zeit erhielt die 
Gesellschaft Valet und Ledere, der die Concession Lacroix jen- 
seits des Hauptrückens der Vogesen gewährt war, auch die- 
jenige für Markirch auf 50 Jahre. Die Nation bewilligte ein 
jährliches Quantum von 600 Klaftern Holzkohlen zu einem um 
ein Drittel ermässigten Preise. Diese Gesellschaft versuchte den 
Betrieb vneder aufzunehmen, gerieth aber sehr bald mit den 
Gemeinden in Streitigkeiten. Die Ausbeute war trotz vieler 
Kosten gering. Die Gesellschaft Larigaudelle 8c C^^, auf welche die 
Werke 1824 übergegangen waren, stellte bereits zwei Jahre 
später den Betrieb ein und verkaufte 1834 ihr ganzes Eigen- 
thum, indem sie sich nur das Gewinnungsrecht vorbehielt, 
ohne dasselbe wieder auszuüben. 

Die 4333 Hectaren umfassende Concession Markirch ist in- 
zwischen auf Despechers in Paris übergegangen. 

Ein englischer Ingenieur, Taylor, welcher im Auftrage des 
Goncessionärs in Markirch gewesen ist, soll sich angeblich dahin 
ausgesprochen haben, dass die Bergwerke bei dieser Stadt und 
Lacroix bedeutend mehr Chancen bieten, als sämmtliche von 
ihm in Frankreich besuchte Minen. Sie sollen in vielen Be- 
ziehungen den alten Gruben im nördlichen Wales ahnen, wo 
mit vielem Erfolge silberhaltiges Blei geschürft vdrd und die 
zu den wichtigsten Grossbritanniens gehören. 

Der Bergassessor Koch zu Bonn sagt darüber in einem 
wertvollen Aufsatze in der Zeitschrift für Bergrecht für 1874 : 
«Eigentlicher Tiefbau ist im Leberthal nicht geführt worden 
und dürfte bei den aufzuwendenden bedeutenden Kosten und 
der Thatsache, dass die Gänge sich im vorigen Jahrhundert 
nach der Teufe verschlechtert haben, auch seine Bedenken 
haben ; die Möglichkeit etwaiger günstiger Aufschlüsse mag 
jedoch nicht ausgeschlossen sein.]» 

Nach dem neuesten Yerwaltungsbericht an den Bezirkstag 
des Ober-Elsass ist, da der Besitzer der Bergwerks-Concession 
Markirch auch im Jahre 1884 den Betrieb auf den durch ihren 
Erzeigenthum so berühmten Feldern nicht wieder eröffnet hat, 
Seitens der Bergbehörde, nach eingeholtem Gutachten des Ge- 
meinderaths in Markirch, in Anerkennung der Wichtigkeit der 
Wiedereröffnung des Bergbaues, das Verfahren zur Entziehung 
des Bergwerks-Eigentums eröffnet worden. 

Es wäre zu wünschen, dass bei einer Wiederaufnahme des 
Bergwerksbetriebs ähnliche Erfolge erzielt werden möchten, wie 
zur Zeit der Blüte desselben im sechzehnten Jahrhundert. 



— 95 — 

Die Sage verheisst in dieser Beziehung Günstiges, wie 
August Stober in seinem Werke : « Sagen des Elsasses » be- 
richtet hat ; dort lesen wir unter der Ueberschrift : « Die 
silberne Rose > Folgendes : 

«Der Berggeist, der in den Silberwerken von Maria- 
kirch waltet, verkehrte einst viel mit den Menschen und that 
ihnen Liebes und Gutes, erntete aber dafür nichts als Undank. 
Als er eines Tages die schöne Tochter eines Bergmannes ge- 
sehen hatte, bat er sie um ihre Liebe; allein sie verschmähte 
ihn, und seit jenem Tage verschloss er sich ins Innere des 
Berges und verschüttete alle Gruben, so dass die Bergwerke 
stille standen. Nur ein einziges Mal zeigte er sich noch, gab 
dem Mädchen eine künstlich in Silber gearbeitete Rose und 
verschwand sodann für immer. Die silberne Rose, welche bis 
auf den heutigen Tag im Besitze der Nachkommen des Mädchens 
sein soll, von ihnen aber als ein Geheimniss verwahrt und 
Niemanden gezeigt vnrd, öffnet sich jedesmal, wenn der Fa- 
milie ein Glück zu Theil werden, und schliesst sich, wenn sie 
ein Unglück treffen soll. Es wird hinzugesetzt, dass man den 
Geist noch oft im Berge hämmern höre und dass er einst die 
reichen Silberadern wieder öffnen werde. » 



IV. 



Notiz 



über den Ursprung von Barr 



von 



Ed. Hering 

Ehrenpräsident des Vogeseaclubs. 

In welche Zeit fallt wohl die Entstehung von Barr? 
Entstand der Ort erst unter den Franken, oder war er schon 
zur Zeit der Römerherrschaft vorhanden, oder existirte er viel- 
leicht gar schon zur Keltenzeit? Die Beantwortung oder doch 
die Beleuchtung dieser Frage soll Gegenstand folgender Notiz 
sein. 

Urkundlich erscheint Barr zum ersten Mal als vi IIa 
Barru unter der fränkischen Monarchie im VII. Jahrhundert. 
Die vom Herzog Attichus gegründete Abtei Ebersmünster besass 
nämlich Güter im Banne des Dorfes Barru. Des Ortes erwähnen 
ferner 2 Urkunden im YIII. Jahrhundert unter der Regierung 
Karls des Grossen. Die erste, vom Jahr 788, bezieht sich auf 
eine Schenkung die ein fränkischer Gutsbesitzer Namens Uto 
der Abtei Fulda von seinen in Barru gelegenen Besitzungen 
machte. Die zweite, von 798, ermähnt gleichfalls einer Schen- 
kung von Gütern in Beara an dieselbe Abtei, seitens eines 
fränkischen Edlen Namens Adalrichi. 



1 Schannat, Trad. Fuld. u. Schöpflin-Raven^z III, p. 455. 



— 97 — 

Barr kommt femer vor unter dem Namen Barra in den 
Tradiüones Wizenburgensis vom Jahr 820 1. 

Und nochmals erscheint Barr unter demselben Namen 
Barra in einem Diplome Karls des Dicken vom Jahr 884, in 
welchem er der Abtei Honau die vom Grafen Adalbert gemachten 
Schenkungen bestätigt >. 

Als villa Barre wird seit dem XIII. Jahrhundert der 
Ort in den betreffenden Urkunden bezeichnet und vom XVI. 
Jahrhundert an heisst er stets Barr. 

Urkundlich also kann das Vorhandensein des Orts nur bis 
zur Mitte der fränkischen Monarchie nachgewiesen werden. 
Aber schon die Lage desselben am Fusse jenes langen Berg- 
rückens, den die so imposanten Reste der colossalen Heiden- 
mauer krönen, dürfte mehr als hinreichend sein zu der An- 
nahme, dass der betreffende Ort nicht nur vor der Franken 
Herrschaft bereits existirt habe, sondern dass seine Entstehung 
sogar über die romische Occupation des Landes hinaufreiche, 
und folglich sein Ursprung in der celtischen Zeit zu suchen sei. 

Ist doch schon der Name des Orts weder alemannisch noch 
römisch, sondern viel eher celtisch, zu welcher Ansicht sich 
auch der Verfasser der neuen Ausgabe des Dictionnaire topo- 
graphique, historique et statistique de Baquol bekennt. Ob aber 
der Name Barr eine pointe bezeichne (wohl im Sinne von 
Landspitze oder Vorhügel?), wie dort angegeben, oder ob die 
Bedeutung des Namens nicht eher in passage oder defile — 
Durchgang oder Engpass — zu suchen sei ; diese Frage dürfte 
wohl einer nähern Prüfung unterzogen werden. 

Jedenfalls aber steht das VSTort Barr in enger Beziehung 
zu dem Begriffe von verschli essen, verrammeln oder 
versperren; daher harrer ^ den Weg oder die passage ver- 
sperren; harrey der Riegel, die Stange; harrierCy das Gatter, 
der Verschluss; harrage, der Damm, der Schlagbaum, und 
harreaUf die Gitterstange. 

Vielleicht dürfte auch mit dem Begriffe Durchgang oder 
Engpass, das bekannte Wappen der Stadt Barr — das Gatter, 
la grille — in Beziehung zu bringen sein, durch welches ver- 
muthlich die Versperrung der Passage angedeutet werden sollte. 

Dass aber in nächster Nähe von Barr solche Engpässe oder 
deßäs seit undenklichen Zeiten existirten, das bezeugen noch 
heute mizweifelhafte Reste alter Hohlwege, die an einigen 
Stellen über einige Meter tief im harten Granit vorhanden sind 
und die alle die Richtung von Ost nach West einhalten, sich 



^ Alsatia illnstr. Edit Raven. in, 455. 

2 Alsatia dipiom. I, p. 92 a. Alsatia illnstr. Ed. Raven^z III, p. 455. 



— 98 — 

mithin in die Berge hineinziehen. Die Breite dieser Wege ist 
fast durchgängig 6 Schuh oder 1,80 nciy und noch heute werden 
einige davon teilweise als Fahrwege benutzt, während andere 
längst schon zu Waldboden geworden sind. 

Der Verfasser des Werkchens cTAlsace romaine» (Mulhouse 
1359)9 Herr Coste, hegte gleichfalls die Meinung, dass Barr 
schon zur Römerzeit existirt hat, denn er erwähnt mehrere 
Wege die in dessen Nähe nach dem Berge Hohenburg oder 
dem heutigen Odilienberg geführt haben. 

Der eine, der von der ehemaligen römischen Töpferei 
Itten willer nach Barr ging und noch heute der Römer- 
scheidweg heisst, trat durch das Altgassthor ein und 
durch das Burggassthor wieder aus, worauf er sich nach 
dem Die t weg (heute Diebsweg geheissen und soviel als 
öffentlicher Weg, chemin public, bedeutend), wandte, um über 
den Hob Steg (im Volksmunde Hohstig geheissen) und bei 
Landsberg und unterhalb des Wachtsteins vorbei, auf das Pla- 
teau von Hohenburg zu fuhren. Dieser Weg war früher mit 
einem Pflaster belegt, wovon die letzten Ueberreste erst in den 
letzten Jahrzehnten weggenommen worden sind. 

Der zweite von Herrn Goste erwähnte Weg, der wie der 
vorige nach Hohenburg führte, zog in der Richtung von Burg- 
heim gen Heiligenstein ; er lässt sich aber heut nur noch ober- 
halb des ehemaligen Augustinerpriorats Truttenhausen als alter 
Hohlweg erkennen. Zu beiden Seiten bordiren ihn schroffe 
Granitfelsen die sich hin und wieder von 4 — 6 m erheben und 
dies auf eine ununterbrochene Länge von mindestens 200 Schritte. 
Seine Breite ist hier immer 1,50 m. Weiter aufwärts verliert 
er jedoch seinen altertümlichen Charakter, indem er hier auf- 
hört tief eingeschnittener Hohlweg zu sein und gleichzeitig tritt 
er aus dem Granit in den Vogesen-Sandstein ein. 

Einen Schritt weiter als Herr Coste ging in der Auffassung 
der in der Nähe von Barr gelegenen alten Wege Herr Louis 
Levrault in seinem Buche «Ste-Odile et lemur paien^ (Golmar 
1855). In diesem spricht sich der Verfasser da, wo von den 
nach dem Odilienberg führenden Wegen die Rede ist (p. 114 
u. 115) unverholen für die Ansicht aus, dass einige davon schon 
von den alten Galliern müssen angelegt worden sein. Er sagt 
unter anderm : (nPour se rendre ä leiirs sanctiuiires ou ä 
leurs lieux cPassernbleey ü fallait aux Gaulois des chemins 
fratjes. PeuUetre serait-il encore possible de reconnaitre ceux 
de ces chemins qui conduisaient ä ces places de räunion et 
stirtoiit aux sanctuaires, Lorsque sur les flaues d*une man" 
tagne aux vestiges de monuments mägalithiques un chemin 
tres-encaisse ce qui est presque toujours un signe de haute 



— 99 — 

antiquite, decrit des circuits nombreux et souvent inutileSy 
on est fonde ä conjecturer que ce chemin ne doit pas son 
origine aux ingenieurs romainSy mais au qilte inaugurä par 
les Druides, Des echantillons de ces antiques chemins creuXy 
ä bizarres detourSy enrouläs aux flancs d'un mont comme 
un long serpent^ se rencontrent encore assez fräquemment 
dans les Vosges et nous croyons pouvoir ranger dans cette 
classe ce double chemin de ceinture qui se dessine depuis 
les pentes du Mennelstein sur le versant m&ridional de la 
BlosSy en aUant de Vest au sud et du sud ä Vouest,i^ 

Ein paar Jahre nach der Puhlication des vorbin erwähnten 
Buches von Herrn Levrault, untersuchte Herr Ch. Oppermann, 
damals Professor an der £cole de Pharmacie in Strassburg, 
gleichfalls die altertümlichen Wege in der Nähe von Barr, und 
das Resultat seiner Forschungen, das ganz die Meinung Levraults 
bestätigte, publicirte er im Bulletin de la Soci6t6 pour la con- 
servation des monuments historiques d'AIsace, 11^ s^rie, tome I, 
p. 182-483. Ann^e 1862. 

Als Hauptcharakter dieser alten gallischen Wege führt 
Herr Oppermann gleichfalls ihre tiefe, zwischen hohen Fels- 
wänden eingeschlossene Lage (leur profond encaissement) an, 
womit denn auch ein anderer und höchst competenter Archäo- 
loge, Monsieur Aug. Quiquerez, ehemaliger Ingenieur des mines 
des Cantons Bern, übereinstimmt. 

Zu diesen von Herrn Oppermann untersuchten Wegen 
gehört einmal derjenige der heute ungefähr 30 Minuten süd- 
westlich von Barr bei der sogenannten «Bergmer Tränk» beginnt, 
wo er rechts von einem modernen Fahrweg der gerade auf- 
wärts zieht, tief in den Granit einschneidet, so dass seine Ein- 
senkung hin und wieder über 3 m erreicht. Seine ursprüngliche 
Breite scheint 1,80 m gewesen zu sein. Der anstehende Granit 
ist sehr verwittert, so dass er schon längst auf Sand ausge- 
beutet wurde. Weiter aufwärts aber, wo er in der Nähe der 
alten St- Anna-Kapelle vorbeigeht, erscheint der Weg mehr wie 
ein Graben, der an einigen Stellen mit Hecken und Gestrüpp 
stark verwachsen ist. Etwas unterhalb des Schlosses Andlau 
trifft dieser Weg auf einen andern, der direct vom Barrer- 
oder Sanct-Ulrichsthal, wo er über die Kimeck setzt, herauf- 
kommt. Wie der vorige in den Granit eingehauen, ist er, oder 
war er wenigstens in früherer Zeit, an einer Stelle an 8 m 
tief, bei 1,80 Breite. Auch hier wird der zu Grus zerfallene 
Granit seit lange auf Sand ausgebeutet, daher die in der linken 
Felswand noch vor 25 Jahren sichtbaren 4 Einschnitte heute 
spurlos verschwunden sind. Dieselben befanden sich je 2 und 2 
übereinander, halbbogenformig ausgehauen, bei einer Länge von 



— 100 — 

42 cm auf einige Centimeter Tiefe. Von dem Punkte aber, w 
nun beide Wege sich vereinigt, sieht man solchen nur noch 
als halbverwachsenen Graben links neben einem modernen Wege 
hinziehen, bis er an der Stelle, wo heute der Pfad nach Schloss 
Andlau links abgeht, sich dann rechts, als beinahe unkenntlicher 
Graben, und bald nachher wieder links, als alter Weg aufwärts 
zieht, um zuletzt auf den von der Bergmer Tränk heraufkom- 
menden Weg auszumünden, unter dem er nun ganz verschwindet. 

Seine Fortsetzung lässt sich erst jenseits des Forsthauses 
Hungerplatz wieder erkennen, wo er rechts vom heutigen Fahr- 
wege, als ein tief eingeschnittener Hohlweg, den bald rechts, bald 
links, hohe Granitfelsen bis zu 8 m Höhe einschliessen, während 
seine Breite zwischen 2 und 3 m wechselt. Dieser Weg lässt 
sich heute noch über 5 Minuten lang verfolgen, nur ist er fast 
überall arg mit Gestrüpp verwachsen, so dass er nur mit Mühe 
zu passiren ist. Weiterhin hat ihn dann der neue Fahrweg wieder 
absorbirt ; aber schon nach dO Minuten tritt er wieder ganz in 
seuiem altertümlichen Charakter, als tiefe, zwischen hohen 
Felswänden eingezwängte Hohlgasse auf, und hier sehen wir 
aufs neue, rechts und Hnks, im Granitfels, mehrere Locher 
eingehauen, in welche offenbar in ältester Zeit, behufs der 
Absperrung oder der Verrammlung, Balken oder Stangen ein- 
geschoben wurden. Das grösste dieser Löcher — denn alle sind 
nicht von gleicher Grösse — ist 35 cm lang, 30 cm hoch und 
28 cm tief; es befindet sich auf der linken Felswand gegen 
2 m über dem Boden. Der Engpass selbst ist 28 Schritt lang, 
bei einer Breite von 4,80 m und einer Tiefe von 5 bis 6 m. 
Die Sonne scheint das ganze Jahr nicht in diese Hohlgasse 
hinein. Noch ungefähr 600 Schritt lang behält nun der Weg 
seinen altertümlichen Charakter, verliert ihn aber dann unter 
dem modernen Fahrweg, um ihn erst später, jedoch nur auf 
kurze Strecke wieder zu erhalten. Diese beiden von Barr ab- 
gehenden Wege, scheinen angelegt worden zu sein, um auf 
den Berg zu führen der den Namen Rosskopf trägt, und mög- 
licher Weise von da auch weiter noch nach dem Steinthal und 
hinauf zum Donon. 

Der Rosskopf, von nicht ganz 800 m Höhe, bildet 
oben ein ziemlich ebenes Plateau von ein paar hundei*t Schritte 
Länge bei einer nur geringen Breite. Aber auch der östliche 
Abhang des Kopfes constituirt ein kleines längliches Plateau von 
40 Schritten Länge auf 20 Schritte Breite, welches ein Haufen 
grob bearbeiteter Bruchsteme umringt und um das sich noch 
Spuren eines ehmaligen Grabens herumziehen. Auch liegt hier 
ein grosser Felsen von braunem Porphyr, bekannt unter dem 
Namen «der Rgthenfels». Die Vermutung liegt nahe. 



— 101 — 

dass der Rosskopf ehemals bei den Kelten als Opferstatte 
gedient habe. Unterstützt wird diese Vermutung noch durch 
die unmittelbare Nähe von zwei künstlich hergestellten Er- 
höhungen (mamelons) von ungefähr 20 Schritt Durchmesser 
und ganz nahe bei einander liegend und von denen die eine 
noch deutliche Spuren von einem Ringwall aufweiset. Die Steine, 
mittlerer Grösse, sind grob behauen, und hin und wieder sieht 
man deren noch zwei oder drei auf einander liegen, während 
jedoch die meisten zerstreut umher liegen. Diese beiden Ring- 
wälle sind bekannt unter dem Namen vom <3cHomburger- 
schloss», ohne dass Jemand anzugeben wüsste, wie diese 
Benennung entstanden ist. 

Ein dritter, gleichfalls höchst altertümlich und von Pro- 
fessor Oppermann wieder als gallischer Weg bezeichnet, befindet 
sich auf der linken Seite des Kimeckbaches, wo er gleich ober- 
halb des Holzplatzes, wie die beiden vorher erwähnten Wege, 
tief in den Granitfels eindringt. Es lässt sich dieser W^eg 
heutigen Tages noch ungefähr 5 Minuten lang verfolgen, worauf 
er dann in der Nähe des Baches verschwindet. Professor 
Oppermann vermutete, dass dieser Weg auf den Kienberg 
geführt habe, der sich im Hintergrund des Kirneckthals auf 
der linken Seite des Baches erhebt. Für diese Ansicht spricht 
jedenfalls der Umstand, dass unmittelbar am Fusse des Yorder- 
Kienbergs noch ganz deutliche Spuren eines sehr altertüm- 
lichen Weges sichtbar sind. Es vnirde dieser schon früher von 
Levrault in seinem Buche über den Odilienberg und die Heiden- 
mauer erwähnt (p. 115-117). ^ 

Zweifelsohne kam dieser alte Weg ursprünglich aus dem 
hintern Kirneckthal herauf — Spuren davon lassen sich da und 
dort noch nachweisen — allein heutigen Tages ist derselbe erst 
vom sogenannten Untern Heihgensteinerweg ab, nach aufwärts 
deutlich zu verfolgen, und hier tritt er alsbald mit dem Cha- 
rakter eines höchst altertümlichen, oft bis zu 4 m. Tiefe in 
den Berg eingeschnittenen Weges auf, so dass er fast einem 
bedeckten Gange gleicht. Seine Breite beträgt 1,50 m bis 2 m, 
er ist aber heute stellenweis ganz von Farren und Gestrüpp 
verwachsen, und anderseits auch teilweise in einen Schlitt- 
weg umgewandelt worden. 

Es unterliegt wohl gleichfalls nicht dem geringsten Zweifel, 
dass auch die um den Odilienberg herum führenden Wege, von 
Levrault in seinem Buche als chemins de ceinture bezeichnet, 
schon von den Kelten angelegt worden, um in ihre heilige 
Vmwallung zu gelangen, und diese vorrömische Bevölkerung 
konnte wohl nur in nächster Nähe ihres heiligen Berges ange- 
siedelt gewesen sein. 



— 102 — 

Der Annahme, dass Barr schon zur Keltenzeit existirt habe, 
also nicht erst fränkischen Ursprungs sei, stehen indess, ausser 
seinem Namen und den altertümlichen Wegen, die noch in 
seiner unmittelbaren Nähe vorhanden sind, noch andere Beweise 
zu Gebote. 

Dahin gehören die vielen Steindenkmäler oder die soge- 
nannten monuments m^lithiques, deren Entstehung meisten- 
teils der neolithischen Steinzeit angehören dürfte und folglich 
weit über die Römerzeit hinaufreicht. Die Umgegend von Barr 
hat solcher Denkmäler in grosser Anzahl aufzuweisen, und es 
finden sich darunter, abgesehen von der Heidenmauer des 
Odilienbergs, deren Errichtung durch die Kelten heute wohl 
von keinem competenten Archäologen mehr bestritten wird, 
Specimina von Menhir, von Dolmen, von Cromlech, von Abris- 
sous-roche, von Couloirs oder Steinkammem, von Schüssel- 
felsen oder auch solcher von Sitzen, Rinnen, oder andern 
symbolischen Zeichen, und zuletzt fehlen auch die Tumult und 
die Murgers oder Steinrodeln nicht. 

Nächst dem Odilienberg dürfte auch der Kienberg zur 
Keltenzeit eine besondere Bedeutung gehabt haben, da nidit 
nur, wie gesagt, ein höchst altertümlicher Weg zu ihm hin- 
geführt hat, sondern auch auf dem Kopfe desselben noch deut- 
liche Spuren von einer besondem Anordnung wahrzunehmen 
sind. Der Kienberg, der zum Unterschied vom Vorder-Kienberg, 
mit dem er durch einen Sattel oder Col zusammenhängt, der 
Grosse Kienberg heisst, bildet bei 808 m Höhe, einen langen 
Kamm dea ungeheure Sandsteinblöcke bedecken und zugleich 
auf der Südseite einfassen. Unter den vielen roh bearbeiteten 
Blöcken, die auf dem Kopfe umherliegen, zeigt eine Gruppe 
eine solche Anordnung, dass man einen ehmaligen Kreis oder 
ein Cromlech vermuten könnte. Auch befinden sich auf einem 
dieser Steine zwei eingehauene Vertiefungen davon die grössere 
80 cm Diameter und 28 cm Tiefe hat, die kleinere dagegen bei 
nur 20 cm Diameter 8 cm Tiefe zeigt. 

Die Annahme, dass der Kienberg einst als Opferstätte 
gedient hat, findet gewissermassen einen Grund darin, dass vor 
ungefähr 30 Jahren in der Nähe desselben, ein kleines, ganz 
gut erhaltenes Opferbeil von Bronze aufgefunden worden, dessen 
Herr Voulot in seinem Werke «cLes Vosges avant THistoire», 
auf Seite 114 erwähnt und von dem sich auf planche X, fig. 9 
eine ganz getreue Zeichnung befmdet. 

Wer von Barr aus nach diesem Kienberg gehen will, der 
schon seiner schönen Aussicht wegen, mehr als dies gewöhnlich 
der Fall ist, einen Besuch verdiente, kann seinen Weg durch 
den sogenannten Untereinungpfad nehmen, wo er dann Gele- 



r 



— 103 — 

genheit hat daselbst zwei von jenen megalithischen Denkmälern 
zu sehen, deren ich vorhin erv^rähnt habe. Das eine Monument 
ist ein Menhir von Granit, von 2,90 m Höhe und aus 3 Blöcken 
errichtet, von denen die beiden untern auf 3 Seiten roh behauen 
sind, dagegen auf der vierten (der nördlichen) Seite, der unterste 
Block einen dreieckigen Yorsprung von 40 cm Länge bildet, 
während der aufliegende auf derselben Seite eine merkliche 
Verengerung zeigt. Der unterste Block ist ausserdem noch an 
der einen Ecke mittels eines Steines so unterlegt, dass er fest 
aufsitzt. Die Spitze dieses Menhirs, dessen längste Seite 1,40 m 
misst, bildet ein im Dreieck behauener Stein von 40 cm Länge 
auf 45 cm Höhe. Er liegt nur 2 Minuten rechts vom Pfade ab, 
im Walde versteckt. 

Das andere Monument liegt kaum 5 Minuten von diesem 
entfernt und gleichfalls im Waldkanton Untereinung. Es ist 
ein grosser Granitfels von nahezu 2,50 m Höhe bei gleicher 
Länge^ auf dessen Vorderseite (gen Süden) in einer Höhe von 
2 m ein Sitz eingehauen ist von 50 cm Diameter und mit ab- 
gerundeter Rücklehne. Auf der Oberfläche des Felsen von 
ungefähr 1 Quadratmeter, befindet sich beinahe am Rande der 
entgegengesetzten Seite (nördlich) ein eingehauenes Viereck von 
20 cm Länge und Breite und 4 cm Tiefe ; mit diesem steht 
dann eine 10 cm breite und zum Rande gehende Rinne in 
Verbindung. Auf der hintern Seite des Felsen liegen noch 
2 Steine aufeinander, vi^ährend ein dritter, am Boden liegender, 
davon herabgeworfen zu sein scheint; es mag dies wohl eine 
Vorrichtung zum Aufstieg gewesen sein. Auch bemerkt man 
am grossen Felsen, vom an der rechten Ecke, einen eingehauenen 
Fusstritt, 70 cm über dem Boden. Es ist dieser Felsen bei 
den Waldarbeitern seit lange schon unter dem Namen Blut- 
gerichtsfelsen bekannt, indem angenommen wird, dass 
derselbe in alter Zeit zum Enthaupten gedient habe. Die ajfi 
ihm erwähnte Vorrichtung in Verbindung seiner Lage unter- 
halb des Kienbergs und am Wege zu diesem hin, dürfte leicht 
die Vermutung unterstützen, dass dieser Felsen einst diese 
Bestimmung gehabt habe. 

Es bleibt mir in derselben Gegend noch ein dritter in 
dieselbe Kategorie gehörender Felsen zu erwähnen übrig, es ist 
der unter dem Namen Gluckhenne bekannte Menhir. Er 
liegt südwestlich unterhalb des Schlosses Landsperg und hart 
am sogenannten Untern Heiligensteiner Weg. Es ist ein auf- 
rechtstehender Granitfels von 3 3/2 ni Höhe und 2 m Breite 
auf der Südseite, während dagegen die Nordseite nur 1,20 und 
die Ostseite nur 1,05 m hat. In dem erwähnten Werke «Les 
Vosges avant THistoire», von Herrn Voulot, findet sich auf 



— 104 -^ 

Seite 111 eine Beschreibung, sowie eine Zeichnung dniiplanche 
55, fig. 3. 

In geringer Entfernung von diesem Menhir, aber noch in 
demselben Waldkanton Obereinung, befinden sich ganz un- 
zweifelhafte Spuren eines prähistorischen Clans. Auf dem 
hervorragendsten Punkte des Abhangs erkennt man noch 
Trümmer einer aus rohen Blöcken errichteten Mauer von circa 
25 Schritten Länge bei einer Breite von 80 cm; zugleich stehen 
nach Osten zu, 2 grosse Steine aufrecht. Wenige Schritte ab- 
wärts der Mauer und rückwärts eines grossen Felsen, der einen 
Meter hoch auf der obern Seite behauen ist, befindet sich ein 
couloh' oder richtiger eine Lagerstätte von 3,40 m Länge auf 
1 m Breite. Zuletzt bemerkt man an einem andern dicht 
daneben stehenden Felsen von 3 m Länge und 2,30 m Höhe, 
in einem Abstand von 1,50 m vom Boden, eine auf der Seite 
eingehauene Nische von 42 cm Tiefe bei 32 cm Diameter unten 
und 42 cm oben. Etwas weiter abwärts liegen dann mehrere 
Gruppen Granitfelsen, zwischen denen lange Couloirs sich hin- 
ziehen, während die Felsen oben ersteigbar gemacht sind. Auch 
muss früher ein Teich in der Nähe gewesen sein, was jetzt 
noch durch eine grosse sumpfige Stelle angedeutet wird. 

Die mehr dem Kimeckthale zu liegenden Waldkantone 
Lenckenbach, Buchenberg und Siebenwindenwald haben gleich- 
falls ganz unzweifelhafte Spuren alter Ansiedelung aufzuweisen, 
und zwar finden sich diese immer vorzugsweise auf der Miltags- 
seite. Es sind dies Mauerreste, sogenannte Murgers, bald 
deutlich kennbar, bald nur an einer Erhöhung des Bodens 
wahrzunehmen ; es sind halbverdeckte, von Bäumen und Ge- 
strüpp überwachsene Reste von tumuli oder GaUGalSy die 
länglich-runde Erhöhungen bilden, am Rande teils mit liegen- 
den, teils noch stehenden Steinen, von denen einige sogar im 
Dreieck roh behauen sind, umgeben ; es sind Cromlechs mit 
Dolmen in der Mitte, welche letztere gewöhnlich auf 3 Steinen 
aufsitzen, wie dies auf dem obern Plateau vom Lenckenbach 
der Fall ist, wo zugleich in der Nähe eine Quelle ist; es 
sind endlich Granitfelsen, auf denen Vertiefungen (Schüsseln, 
cuvettes) eingehauen sind, wie dies namentlich auf dem Buchen- 
berg der Fall ist. 

Den Odilienberg darf ich wohl nicht mit Stillschweigen 
übergehen, wo es sich darum handelt den an dessen Fusse 
liegenden Ort Barr, als frühkeltishe Niederlassung nachzuweisen. 
Doch liegt es durchaus nicht in meiner Absicht der daselbst 
befindlichen Heidenmauer, diesem in seiner Art so einzigen 
keltischen Denkmal, besonders zu gedenken, noch ihr eine 
besondere Beschreibung zu widmen. Es ist dies schon zum 



— 105 — 

öflern von vielen Archäologen und andern Gelehrten geschehen ; 
nur möchte ich hier Bezug nehmen auf eine Stelle aus 
einem erst kürzlich erschienenen französischen Werke, dessen 
Verfasser sich viel mit keltischer Archäologie befasst hat und 
auch unsere Heidenmauer aus eigener Anschauung kannte. 
(Jules Quicherat, Antiquit^s celtiques, romaines et gallo-romaines.- 
Paris 1885, p. 84-86 et p. 280.) 

Im Vorbeigehen möchte ich noch einer andern sehr alter- 
tümlichen Mauer erwähnen, die ungleich weniger bekannt ist. 
ßeim Schlosse Landsperg nämlich, vom rechts am Wege und 
gleich hinter dem Grarten des Försters, sieht man noch deut- 
liche Reste einer Mauer aus prähistorischer Zeit. Sie zieht sich 
von Ost nach West und ist aus grossen Granitblöcken ohne 
Schwalbenschwänze und ohne Mörtel aufgeführt. Ihre Breite ist 
1,70 — ^1,80 ra und ihre Höhe beträgt noch fast überall 1,75 m 
und an einigen Stellen sogar noch 2,70 m. Viele ihrer Blöcke 
messen über 60 cm im' Quadrat einige noch mehr : 2 m Länge 
auf 75 cm Höhe. Sie lässt sich noch auf eine Länge von circa 
60 Schritten verfolgen und scheint unterhalb der Felsen auf 
denen der östliche runde Turm steht, geendigt zu haben. 
Vielleicht fasste sie ursprünglich das ganze Plateau ein, aber 
in Folge der Erbauung des Schlosses, mag sie dann grössten- 
teils zerstört worden sein. Dieser frühkeltischen Mauer hat 
seiner Zeit Professor Oppermann im Bulletin de la Sociöt^ pour 
]a conservation des monuments historiques d*Alsace, s^rie II, 
Tome I, p. 183, annte 1863. Erwähnung gethan, und Herr 
Voulot hat sie gleichfalls in seinem schon erwähnten Werke 
angeführt und abgezeichnet (pl. 63, flg. 1 u. p. 155). 

Auf dem Odilienberg selbst führe ich einmal an die vielen 
Couloirs oder Felsengänge, die Mardellen und die so zahlreichen 
Ahris-soiis-roche, an denen fast immer die symbolische Axt, 
die Ascia oder der Kelt bald grösser, bald kleiner eingehauen 
ist, und die entweder mit der Heidenmauer unmittelbar in 
Verbindung stehen, wie am sogenannten rocher d'Oberkirch 
und die Attichs Grotte, oder öfters gleich ausserhalb derselben 
am Abhang liegen, wie unter andern bei den Monuments 
dniidiques und oberhalb des Dreisteinthals; während noch 
andere bald da, bald dort sich vorfinden, unter welch letztern 
ich namentlich anführe, den unterhalb der hangenden Kapelle, 
den oberhalb des Hagelthals in der Nähe des Hexengartens, 
den sogenanten grossen Herrnfelsen in der Nähe vom Hexenplatz 
und die beiden auf dem Eisberg unterhalb des Kiosk's. 

Beim Herrnfelsen der vom Weg nach dem Eisberg am 
leichtesten zu erreichen ist, und dessen Höhle 4,80 m breit 
ist, bei 2,75 m Tiefe, steht zugleich auch ein Menhir in Sand- 



^ 



— 406 — 



steinconglomerat gehauen, von 2,50 m Höbe, von 3,60 m Breite 
am Sockel und von 85 cm Dicke. 

Zwei andere, ganz grosse Menhir, zwischen denen ein 
schöner Dolmen k jour in der Mitte Hegt, stehen am östlichen 
Rande vom Hexenplatz. Und auf diesem, der mit dem Elsbeiig 
zusammenhängt und der von meist niedrigen Sandsteinblöcken 
gleichsam wie übersäet ist, findet sich eine ganze Sammlung 
von Vertiefungen (d^pressions) mehr denn 60 an der Zahl 
Schüsseln, Schaalen, Näpfchen, Rinnen u. dgl. mehr bildend, 
und sowohl in Dimensionen als in Formen die grösste Ver- 
schiedenheit zeigend. Die künstlich eingehauenen Vertiefungen 
— eine natürliche Bildung durch Atmosphärilien, wie von 
einigen Geologen behauptet worden, muss hier ganz entschieden 
zurückgewiesen werden — finden sich teils vereinzelt, teils 
mehrere bei einander auf ein und demselben Felsen, und jeden- 
falls ist diese Stelle des Eisbergs, bei der sich ausserdem auch 
noch lange Couloirs und Felsen mit tief eingehauenen symbo- 
lischen Zeichen befinden, eine der merkwürdigsten und inter- 
essantesten des ganzen Bergkamms ; zugleich aber auch ein 
sicherer Beweis für eine frühe Occupation desselben durch eine 
in der Gegend angesiedefte Bevölkerung. Eingehauene Ver- 
tiefungen, unter denen einige auch sogenannte Sitze bilden, 
lassen sich übrigens auch auf vielen Steinblöcken nachweisen 
die Bestandteil der Heidenmauer selbst bilden. 

Ist der auf der linken Seite des Kirneckthals liegende 
Odilienberg nebst seinen zahlreichen Vorhügeln oder Contre- 
forts , wie aus dem angeführten ersichtlich , überaus reich 
an prähistorischen Monumenten, so fehlen nun solche ebenso 
wenig auf der entgegengesetzten rechten Seite des Thaies. 

Etwas oberhalb der Sägemühle von Madame Dietz und nur 
wenige Minuten vom Kirneckbach entfernt, gewahrt man eine 
kleine bewaldete Anhöhe auf der sich noch ganz unzweifelhafte 
Spuren eines kleinen Cromlech nachweisen lassen. Die nord- 
östliche Ecke wird von einer Granitfelsgruppe gebildet die sich 
auf eine Länge von 7 m ausdehnt und an 4 m Höhe hat. An 
diese Felsgruppe schliesst sich nun eine Mauer an, die aus 
grobbearbeiteten Blöcken ohne Mörtel errichtet war, und noch 
3 Steinlager bildet. Die Steine haben 40 bis 50 cm Höhe auf 
80 bis 90 cm ja bis zu 1,20 m Länge. Die Mauer hat eine 
Ausdehnung von 14,50 m bei 1,50 m Höhe. Unterhalb der- 
selben sieht man die Reste einer zweiten, jedoch weit mehr 
zertrümmerten Mauer, die einem kleinen Plateau zu Stütze 
diente, das sich zwischen beiden Mauern ausdehnte. Rückwärts 
der obern Mauer befindet sich ein zweites Plateau in dessen 
Mitte 5 Granitblöcke liegen von denen der grösste 3,60 m lang 



— 107 — 

und 2 m hoch ist; an demselben befindet sich an der Seite 
eine eingehauene Vertiefung von 70 cm Länge^ 20 cm Breite 
und 35 cm Höhe. Auf der Oberfläche des Felsen ist gleichfalls 
eine Vertiefung eingehauen und dieser zur Seite eine Rinne 
von 40 cm Länge auf 3 cm Breite und 7 cm Tiefe. An einem 
zweiten Felsen von 1,20 m Länge, 80 cm Breite und 90 cm 
Höhe, der aber umgestürzt liegt, bemerkt man an der untern 
Seite eine Schüssel eingehauen. Rückwärts dieses interessanten 
Gromlech^ sieht man eine moderne Mauer als Delimitation 
zwischen Partikular- und Gemeindevirald errichtet, deren Steine 
vermutlich der Keltenmauer entnommen worden. 

Weiter aufwärts nach dem Schlosse Hoh-Andtau zu, liegt 
zwischen diesem und den wenigen Ueberresten der ehemaligen 
Kapelle Sanct-Anna (gewöhnlich Thannenkirchel genannt) eine 
andere Gruppe Granitfelsen die gleichfalls unsere Aufmerksam- 
keit verdient. Es besteht diese Gruppe aus 5 Felsen von denen 
4 Vertiefungen zeigen die meistens Schüsseln von verschiedener 
Dimension und mit Ausflussrinnen darstellen. Auf einem der 
Felsen liegen, aber in ungleicher Höhe, 3 Schüsseln von denen 
die oberste, welche die kleinste, rund ist und 50 cm Diameter 
auf 25 cm. Tiefe hat. Die beiden andern, gleichfalls fast rund 
oder oval, haben hingegen grössere Dimensionen. Auf einem 
andern Felsen liegen, wieder in ungleicher Höhe, 4 Schüsseln 
eingehauen und gleich den andern mit Ausflussrinnen ver- 
sehen. Zwei derselben sind fast rund von 45 cm Länge. 40 cm 
Breite und 15 cm. Tiefe; die beiden andern sind mehr läng- 
lich rund und misst die oberste davon 95 cm Länge, 75 cm 
Breite und 50 cm Tiefe. Ein dritter Felsen, etwas tiefer gelegen, 
zeigt nur eine einzige Schüssel die teilweise verwittert ist. 
Diese Felsgruppe war auf der Seite nach dem Kirneckthal zu 
von einem Graben umgeben von dem sich noch Spuren erkennen 
lassen, und auf der obern Seite ward sie durch eine Art Runze 
oder ravin begrenzt. Auch hat es heute noch den Anschein 
als wäre ausserdem der Zugang noch durch besondere Vor- 
richtung abgeschlossen gewesen. 

An diese beiden Monumente einer prähistorischen Zeit reiht 
sich nun ein drittes an das etwas weiter oben bei einer Fels- 
gruppe liegt, die unter dem Namen der Silberfelsen bekannt 
ist. Das Monument selbst dominirt das zuletzt beschriebene und 
besteht in einer künstlichen Erhöhung die noch deutlich Spuren 
von einer dreifachen Umwallung und von einem Graben zeigt; 
in der Mitte stehen 3 Menhir von Ost nach VV^est ahgnirt. Der 
grösste, gegen Osten, ist 3,68 m lang, eben so hoch und misst 
10 m im Umfang; der zweite, 1,80 m hoch, bei gleicher Breite, 
zeigt auf der östlichen Seite eine Schüssel. Der dritte ist 1,70 m 



— 108 — 

hoch und 1^65 iii breit. In geringer Entfernung von diesem 
Monument finden sich nach Westen zu noch Mauerresie im 
Walde. 

Aber weit interessanter und zugleich auch viel zahlreicher 
werden diese prähistorischen Denkmäler auf dem Plateau das 
sich jenseits der Silberfelsen in südlicher Richtung hinzieht. 
Hier gewinnt es in der That den Anschein als ob ehemals ein 
megalithischer Clan daselbst existirt habe. Wir b^^nen zuerst 
einem grossen Ahri-sous-roche gebildet von 2 gros.sen Granit- 
blöcken die so gegeneinander geneigt sind, dass sie sich oben 
berühren, unten aber ein Couloir bilden von 3 m Länge auf 
1,30 m Breite und von 2,70 m Höhe. Der eine Blocke der 
2,75 m breit ist, ist an seinem Fusse mit 3 Steinen festgemacht 
die zum Teil im Boden stecken ; der andere von 3,45 m Länge, 
1,68 m Dicke und 3 m Höhe, ist der Länge nach auf einen 
kleinen Felsen aufgelegt. Auch bemerkt man dabei einen Stein 
derart eingehauen um eine Thorangel darin zu befestigen. Un- 
fern davon und etwas mehr östlich findet sich ein schönes 
Cromlech mit einem grossen Menhir von 3,40 m Höhe und 6 m 
Breite und vorwärts desselben 2 Reihen aufgerichteter Steine, 
davon einer einen eingehauenen Sitz von 75 cm Länge auf 
60 cm Höhe an der Rücklehne zeigt. Links vom grossen Menhir 
liegt gleichfalls ein Stein mit eingehauenem Sitz von 70 cm 
Länge und 85 cm Höhe an der Rücklehne; dabei auch Reste 
eines alten Ringwalls. 

Noch etwas mehr östlich steht wieder ein Menhir von 
2,60 m Höhe, 4 m Länge und 60 cm Dicke ; seine Vorderseite 
ist flach behauen und oben findet sich eine kleine Schüssel ; 
dann nach abwärts zu trifft man eine ringförmige Umwallang 
mit Mauerresten von 1,20 m Höhe, und hier findet sich abermals 
ein Menhir mit behauener Vorderseite und auf Sockel stehend, 
von 2,50 m Höhe, 2 m Breite und 1,50 m Dicke; zugleich 
oben mit einer Rinne von 30 cm Länge. 

Noch weiter das Plateau abwärts findet sich dasselbe mit 
vielen Mauerresten bedeckt, die sowohl Längs- als Quermauern 
bilden, wodurch gleichsam Sectionen entstehen. Die Mauern 
sind aus grossen quadratisch behauenen Blöcken construirt und 
bestehen noch aus mehreren Lagern. 

In geringer Entfernung von der erwähnten Stelle liegt 
südlich und gegen dem Städtchen Andlau zu, ein anderes 
Plateau auf dem sich abermals Ueberreste ehemaliger Ansiede- 
lung vorfinden und wobei zugleich auch unzweifelhafte Merk- 
male von zwei Cromlech mit Dolmen und Menhir sovrie Cou- 
loirs und Mardellen sind. Auch findet sich eine grosse Anzahl 
Schüsseln und Sitze auf Felsen eingehauen und eine Quelle 



^ 409 — 

liegt nicht weit davon entfernt. Beim ersten Cromlech befindet 
sich ein Dolmen ä jour der auf zwei Steinen aufliegt und 
1,30 m Länge, 80 cm Breite, in der Mitte um 30 cm Dicke 
hat. Beim zweiten Cromlech, das etwas mehr nach Andlau 
liegt und von grösserer Ausdehnung als da vorige ist, bemerkt 
man gleichfalls einen Dolmen k jour und zugleich einen grossen 
Menhir, ein grobbehauenes Dreieck figurirend und auf der Ost- 
seite stehend. Das Cromlech ist auf der Ost- und Südseite mit 
einer doppelten Mauer geschätzt, von denen die obere noch 
3 Steinlager hat. Auf zwei der Felsen die innerhalb des Crom- 
lech liegen sind Sitze eingehauen. 

Etwas unterhalb dieses Cromlech liegen 2 Felsen von denen 
der eine eine eingehauene Schüssel , der andere aber einen 
Sitz aufweist; ein dritter Fels als Pyramide fa^onnirt steht etwas 
mehr nach dem Thale zu. Und den Abhang noch weiter hinab 
begegnet man einer andern Felsengruppe wo auf der Oberfläche 
eines Felsen eine Schüssel und auf der Seite eines andern 
Felsen gleichfalls eine solche vorhanden ist, während auf einem 
dritten Felsen 4 Schüsseln eingehauen sind, davon die zwei in 
der Mitte 20 cm Diameter und ebensoviel Tiefe haben, eine 
dritte aber 25 cm Diameter und 20 cm Tiefe hat. Diese Fels- 
gruppe ist auf ziemliche Entfernung von Menhir umgeben und 
nach Norden zu bemerkt man eine Mauer die ziemlich regel- 
mässig ist und vermuthlich zum Schutze dieser Stätte errichtet 
ward. 

Von dem in Rede stehenden Plateau das sich südUch von 
den Silberfelsen nach dem unmittelbar über dem Städtchen 
Andlau liegenden Castelberg hindehnt, gelangt man über eine 
Mulde oder einen Sattel zu dem weiter vor (nach Osten zu) 
liegenden Berg Crax. Und auch auf diesem Berge lassen sich 
von einer celtischen Benützung desselben ganz deutliche Zeichen 
nachweisen. Schon sein Name Crax oder Krakes ist durchaus 
nicht deutsch und ebenso wenig römisch oder lateinisch. Da 
der Berg ausschliesslich aus Vogesensand stein besteht und diese 
Felsart in der Bretagne mit Krag bezeichnet wird (in Irland 
heisst er Grearty daher vermuthlich das französische gr^s) so 
wäre es wohl möglich dass die Celten den Berg deshalb so 
benannt haben. 

Aus der Localgeschichte wissen wir, dass auf unserm Berg 
Crax im XDI. Jahrhundert das der Familie von Berckheim 
gehörende Schloss Krax gestanden, und dass solches von 
Bischof Konrad von Lichtenberg im Jahr 1293 seinem damaligen 
Besitzer, dem Herrn Cuno von Berckheim, gewaltsam entrissen 
und von Grund aus zerstört worden ist. Der tiefe, in das Ge- 
stein eingehauene Burggraben, der das Schloss auf allen Seiten 

8 



— 410 — 

umgab, so wie einige spärliche Mauerreste und mehrere im 
Burggraben umher liegende Quadersteine documentiren noch 
sein ehemaliges Vorhandensein. 

Es ist sehr wahrscheinlich, dass in Folge der Erbauung 
des Schlosses Krax manches celtische Denkmal zerstört und weg- 
geräumt worden ist;; indess hat sich doch an der rechten Ecke 
eines horizontal liegenden Steins ein deutlich eingehauener 
Pferdehuf erhalten von 14 cm Länge, 10 cm Breite und 5 cm 
Tiefe. Rechts von diesem Stein trägt ein anderer umgel^er 
Stein zwei eingehauene Zeichen auf der untern Fläche. Auf 
einem dritten Stein bemerkt man gleichfalls auf der untern 
Fläche ein grosses länglichovales Zeichen eingehauen. Vier 
andere Steine sind ebenfalls mit solchen Zeichen versehen; auf 
einem derselben ist ein Einschnitt für die rechte Hand und 
ein besonderer für den Daumen. Die Länge für die Hand ist 
8 cm und die Tiefe 7 cm. Auf dem Felsplateau wo die Burg 
gestanden, tragen einige Steine deutliche symbolische Zeichen, 
und auf einem grossen, auf dem Abhang nach dem ehemaligen 
Burggraben zu liegenden Felsen ist nochmals ein tief einge- 
hauener Pferdehuf sichtbar. Alle diese noch vorhandenen sym- 
bolischen Zeichen stehen jedenfalls mit der mittelalterlichen 
Burg in keinerlei Beziehung, weisen vielmehr thatsächlich auf 
eine viel ältere Benützung des Bergkopfes zurück. 

Unmttielbar hinter dem Schlosse Andlau liegt calirt auf 
zwei kleinen Steinen, ein schöner Dolmen oder Steintisch aus 
Granit von 3 m Länge, 1,75 m Breite und 1 m Dicke. 

Deutliche Ueberreste von 2 kleinen Cromlech finden sich 
ganz nahe des Wegs der von der Mittelbergheimer Tränke nach 
Forsthaus Hungerplatz führt. Auf einer kleinen Felskuppe die 
ein Fels gleichsam als Altar krönt, stehen noch mehrere Steine 
so alignirt aufrecht, dass man erkennen kann, dass sie einst 
einen Kreis gebildet haben; ebenso finden sich auf der untern 
Seite der Kuppe noch Spuren von einem Graben. Das andare 
Cromlech liegt in ganz geringer Entfernung davon und etwas 
unterhalb desselben. Die Anordnung ist ungefähr die gleidie, 
nur findet sich hier noch ein aufgerichteter Fels als Menhir 
an der östlichen Ecke des Cromlech. Auch hier sind noch 
Spuren sogar von einem doppelten Graben sichtbar. 

Von hier erreicht der erwähnte Weg in wenig Minuten 
die letzte Anhöhe und hier zeigen sich auf der linken Seite, 
nur freilich ganz unter Bäumen versteckt, wieder ganz deutliche 
Spuren einer frühern Ansiedelung oder von einem sogenannten 
Clan m^alithique. Auf dem nach Osten zu abfallenden Plateau 
finden sich hin und wieder alignirte Reste von trockenen 
Mauern, sogenannten Steinrodeln, von verschiedener Länge und 



— 141 — 

Dimension^ und ebenso auch kreisnmde Erhöhungen, zum Teil 
aus Steinhaufen bestehend, wahrscheinlich alte Tumuli. Unge- 
fähr in der Mitte des Plateaus liegt ein Granitfels von 3 m 
Lange und gleicher Höhe; derselbe zeigt auf der Seitenfläche 
einen eingehauenen Sitz von 25 cm Diameter auf 18 cm Tiefe, 
und 50 cm unterhalb eine Schüssel von 20 Diameter am Boden 
und von 15 cm Tiefe. 

In geringer Entfernung davon bemerkt man dann auf der- 
selben linken Seite des Wegs einen grossen Tumulus von 25 
Schritten Länge, 12 Schritten Breite und noch 3 bis 4 m Höhe. 
Derselbe ist aus herzugeschafifler Erde aufgeführt wie dies an 
der nebenan befindlichen Excavation des Bodens ganz deutlich 
zu erkennen ist. 

Endlich liegt in nur geringer Entfernung von Forsthaus 
Hungerplatz und abwärts gegen Andlau ein Granitfels, der oben 
zu einer grossen Schüssel ausgehauen ist und deshalb der 
grosse Schüsselfelsen genannt vnrd. Der Fels, von 2,20 m 
Länge, 1,10 m Breite und 1,55 m Höhe bei 5,50 m Girconfe- 
renz, ist* calirt, also künstlich hergerichtet. Die Schüssel ist 
oval und hat 1 m Diameter in der Länge wie in der Breite; 
ihre Tiefe in der Mitte beträgt 55 cm. Auf der untern Seite 
hat sie einen ausgehölten Ausguss von 15 cm. Breite. Zur 
Schüssel, die wahrscheinlich zu einem häuslichen Gebrauch 
diente — vielleicht zum zermalmen von gerösteten Eicheln — , 
gelangte man mittelst eines Vorsprungs am Felsen der als Auf- 
tritt diente. Ein Stein liegt noch ausserdem am Fusse des Felsen ; 
auch ist eine Quelle ganz in der Nähe, und deshalb mag wohl 
der Schüsselfelsen hergerichtet worden sein. Er könnte auch zu 
dem vorhin erwähnten Clan m^galithique gehört haben, in 
dessen Nähe er gelegen ist. 

Es ist wohl selbstverständlich, dass mit den auf den vor- 
hergehenden Blättern erwähnten und beschriebenen Resten und 
Spuren celtischer Denkmäler^ ihre Zahl nicht erschöpft ist. 
Manche dürften zur Zeit noch unbekannt sein, oder in Waldes- 
dickicht versteckt oder wohl auch im Boden vergraben liegen, 
ohne dabei all derer zu gedenken die im Laufe der Zeiten ver- 
nichtet worden sind. Aber immerhin mögen diese angeführten 
Ueberreste als Beweise dienen, dass die Gegend von Barr schon 
in der frühesten Celtenzeit ihre Ansiedler gehabt hat und 
dass jedenfalls der Ursprung des Orts Barr in der celtischen 
Periode zu suchen ist. 



V. 



Die Mundart 



des mittleren Zornthaies 



lexikalisch dargestellt von 



Hans Lienhart 

in Ingenheim (Ldkr. Strassburg). 

Uie Fixierung der grammatischen Eigentümlichkeiten und 
des Wortschatzes einer Mundart hat einen zwiefachen Wert: 
einmal erhalten wir dadurch Kunde über den geistigen Stand- 
punkt desjenigen Volkes oder Stammes, bei dem die betreffende 
Mundart heimisch ist, und sodann lassen sich an der Hand der- 
artiger Untersuchungen mancherlei Gharactereigenschaften des- 
selben feststellen. Was speziell den elsässischen Dialect hetrifit, 
so genügt es, den gemeinen Mann gelegentlich im Umgang mit 
Seinesgleichen zu beobachten, um zu erkennen, wie beispiels- 
weise die Abstracta mit einer gewissen Scheu umgangen und 
in der Regel durch Umschreibungen wiedergegeben werden. 
Anderseits aber entspricht es ganz der stark ausgeprägten 
Individualität des alemannischen Stammes und der günstigen 
geographischen Lage des Elsasses zwischen einem mächtigen 
Strom und einer gewaltigen Gebii^skette, wenn der heutige 
Elsässer in Sitte und Sprache, trotz der wechselvollen Stürme 
der Zeiten, im ganzen ziemlich conservativ geblieben ist. Eine 
syntaktische Untersuchung des Elsassischen dürfte auch nach 



— 113 — 

dieser Seite hin von Interesse sein. Ich habe mich im folgen- 
den beschränkt auf die lexikahsche Darstellung der Mundart 
des mittleren Zomthalesi, d. h. der Strecke von Zabern bis 
Brumath etwa, eines Gebiets, wo ich von frühester Kindheit an 
heimisch war und dessen Mundart mit allen seinen Nüancie- 
rangen und Schattierungen ich grundlich zu kennen behaupten 
darf. Den gesammten Wortschatz meiner heimatlichen Mundart 
in den engen Rahmen dieser Arbeit aufzunehmen, lag von 
vornherein nicht in meiner Absicht ; ich hatte es bei der Samm- 
hing lediglich auf solche Wörter und Wendungen abgesehn, 
die sich teils formell eng anschliessen an das Mittelhochdeutsche 
— das ich zur Basis meiner gesammten mundartlichen Unter- 
suchungen genommen habe — teils vom Neuhochdeutschen 
erheblich abweichen oder für die Schriftsprache überhaupt ver- 
loren gegangen sind. Zwar war ich auch von Anfang an bemüht, 
bei den meisten Wörtern die entsprechenden Formen aus nach- 
barlichen und entfernteren Mundarten zum Vergleich heranzu- 
ziehen; allein ich konnte hier davon absehen, den gesammten, 
mühsam zusammengetragenen Apparat zum Abdruck bringen 
zu lassen, da inzwischen eine sehr fleissige und gewissenhafte 
Darstellung der Mundart des Münsterthaies von W. Mankel im 
Druck erschienen ist', die aufs angelegentlichste empfohlen zu 
werden verdient. Unter den Wörtern, die auch im Münsterthal 
(M) vertreten sind, habe ich mich in der Regel darauf beschränkt, 
die mittelhochdeutsche Form anzuführen. Wegen der verwand- 
ten Dialectformen möge ein für alle Male auf die Darstellung 
Mankels verwiesen werden; dieselben sind hier nur bei solchen 
Wörtern anzutreffen, die bei Mankel nicht vorkommen, oder 
da, wo die vergleichbaren Formen ihm entgangen sind. Meine 
Arbeit bildet auf diese Weise gewissermassen eine Ergänzung 
zu jener Untersuchung; sie wird aber hoffentlich auch als solche 
willkommen sein. 

In der Orthographie habe ich mich hauptsächlich' an das 
System von J. F. Kraeuter angeschlossen, weil es mir von allen, 
die ich zu Gesicht bekam, als das einfachste, consequenteste imd 



1 Eine grammatiBche Untersnchong derselben Mundart werde ich 
später veröffentUchen. 

s W. Mankel, «Die Mundart des Münsterthales. Granunatisch- 
lexikalischer Beitrag zur Erforschung der deutschen Sprache im 
Elsass», in den < Strassburger Studien», Zeitschrift für Geschichte, 
Sprache und Litteratur des Elsasses, hrsg. von E. Martin n. W. Wie- 
gand, Bd. 2, 113-284. Strassburg 1883. 

3 Die von Kraenter vorgeschlagenen graphischen Zeichen für die 
ä- und ö-Laute mussten durch die in der Druckerei vorhandenen 
» und OB ersetzt werden. 



— 114 — 

am meisten praktische erschienen ist. Es ist im Interesse der 
Wissenschaft sehr zu bedauern, dass dasselbe bisher nicht die 
Beachtung gefunden hat, die ihm zweifelsohne gebührt; denn 
es giebt die Mittel an die Hand, für jede Lautnüance ohne 
grosse Schwierigkeit ein verständiges und allgemein verstand- 
liches graphisches Zeichen zu schaffen, und — was noch 
besonders hervorgehoben zu werden verdient — es eignet sich 
auch vorzüglich zur Darstellung romanischer Dialecte^. 



A. Vocale. 

Die Mundart des mittleren Zomthales hat 15 kurze Vocale : 
ä, a, ab, 6, e, i, i, o, oe, dfe, de, ü, y, y, 9. — 10 lange Vocale: 
ä, ä, ^, ö, 6, i, ö, (fe, ü, y. — 9 Diphthonge : di, ^i, ei, ife, 
oey, oey, oey, d^y, ya. — 2 Triphthonge : i6i, ydey. 

k ist der kurze zwischen norddeutschem a und o schwe- 
bende Laut, der indessen in unserer Mundart etwas mehr nach 
hinneigt; er entspricht ziemlich genau dem engl, a in what. 

a lautet genau wie das kurz gesprochene helle a der ro- 
manischen Sprachen, wie a in ital. amalato, frz. maladie, ra- 
masser. 

se ist ein recht breiter offener Mittellaut zwischen nhd. a 
und a, und entspricht ungefähr dem engl, a in fat, that. Als 
Kürze kommt dieser Laut selbständig nicht vor, sondern nur 
in Verbindung mit mitlautendem i in dem Diphthongen sei. 

ä ist der kurz gesprochene Mittellaut zwischen nhd. ä und 
geschlossenem e, und lautet wie nhd. e in Eltern, Ferse, oder 
wie das stammhafte frz. e in terre, pelle, oder wie frz. ai in 
biais, bienfait, mais. 

e lautet wie das kurz gesprochene geschlossene nhd. e in 
jedoch, See, Reh, oder wie das frz. e aigu in cr^^, c^cit^, 
ddc^d^. 

i liegt auf dem Wege von mundartlichem e zu reinem 
nhd. i, klingt jedoch an letzteres etwas mehr an als an ersteres; 



1 Zu eingehenderen Stadien des Systems mögen empfohlen werden 
die von J. F. Krsenter in Frommann^s Zeitschrift fär deutsche Mund- 
arten, Bd. 7, pag. 313 fif. aufgestellten Grandsätze; ferner «Zwölf 
Sätze über wissenschaftliche Orthographie der Mundarten», im An- 
zeiger für deutsches Altertham, Bd. 4, pag. 299 fF. VgL von dem- 
selben Verfasser: «Zur Laatverschiebang ». Strassburg 1877. «Die 
schweizerisch-elsässischen ei, öy, oa für alte 1, y, ü» in Zs. f. d. A.) 
Bd. 21, pag. 258 ff. «Die Prosodie der nhd. Mitlauter» in Paul und 
Braune's Beiträgen zur Geschichte der deutschen Sprache und Litte- 
ratur, Bd. 2, Halle 1876. 



— 445 — 

seibständig kommt es fast nur in der Negation nit und niks 
vor, dagegen häuOg in diphthongischen Verbindungen und als 
svarabhaktischer Vocal zwischen den Liquiden 1, r und einem 
Kehllaut. Steht dasselbe intervocalisch oder zwischen Liquida 
und Vocal, so hat es durchgehends den Character eines Mit- 
1 auters (bei Mankel = j). 

i lautet wie kurzes reines nhd. i in Bistum, Gift, oder wie 
frz. i in fini, silice. Im Anlaut vor Vocalen (wo es nhd. j ver- 
tritt) ist es Mitlauter, ausgenommen in den Fürwörtern 
iöma, iöriks. 

o ist der kurz gesprochene Laut des nhd. o in soll, Volk, 
Rock, oder des frz. offenen o in coq, vol, objet. 

oei, das kurze geschlossene ö, kommt nur vor in der Ver- 
bindung mit y als Diphthong. 

de ist das kurze offene ö, gesprochen wie frz. eu in seul, 
veuf, jeune, oder wie frz. e in je, me, te, le. Selbständig kommt 
es nicht häufig vor, vielfach aber im Triphthongen ydey. 

de hat denselben Character wie ab ; es ist ein recht breiter 
Laut, dessen Articulationsstelle noch weiter nach hinten zu 
liegt als bei db. Am treffendsten lässt er sich vergleichen mit 
der Aussprache der ersten ^Is des nhd. Diphthongen eu in 
£ule, heute, teuer, verleumden, oder des äu in Häute, 
Bäume, säugen ; mit anderen Worten : die Articulationsorgane 
verharren während der Aussprache des ob in der Lage, welche 
sie während der obengenannten Zeit bei der Aussprache des 
eu, äu einnehmen, so dass das nachklingende ü nicht zu Gehör 
kommt. Es tritt nur auf in diphthongischen Verbindungen. 

ü ist lauthch wenig verschieden von nhd. u und zeigt nur 
eine geringe Hinneigung zu geschlossenem o. 

y ist der offene ü-Laut ; in intervocalischer Stellung hat es 
den Character eines Mitlauters. 

y ist identisch mit reinem nhd. ü und mit frz. u in du, 
SU, menu, tu, ^lu. 

a ist der kurz gesprochene dumpfe Laut des nhd. e in 
unbetonten Vor- und Nachsilben : begeben, gehorchen, Bote, 
Woche, lachen. 

Für die langen Vocale bleibt die Klangfarbe dieselbe wie 



^ Das Yerschlxingene oe ist an Stelle des gewöhnlichen ö ge- 
wählt worden, weil bei Anwendung mehrerer diakritischer Zeichen, 
wie sie znr näheren Characterisiemng der verschiedenen ö Lante 
erforderlich sind, notwendigerweise überladene and anschone Typen 
hätten resultieren müssen. 



— 146 — 

bei den entsprechenden Kürzen ; hinsichtlich der Quantität 
jedoch muss hervorgehoben werden, dass auf eine Länge ge- 
wöhnlich mehr als 2 Moren kommen ; in der Regel sind es 
deren 2^\% bis 3, vor Liquiden durchgehends 3. 

Die Diphthonge sind als Doppellaute erhalten; sie werden 
nicht monophthongiert wie im nhd. Zu beachten ist dabei, dass 
durchweg der erste Vocal die Präponderanz über den zweiten 
hat, dass die Mundart also nur fallende Diphthonge besitzt. 

Auch die Triphthonge lassen deutlich alle drei Vocale hören. 

Die Mundart hat bereits zahlreiche französische Wörter in 
sich aufgenommen, namentlich aus dem Handels-, Verkehrs- 
und Militärleben. Dabei haben sich die französischen Laute in 
der Regel den correspondierenden deutschen angegUchen, be- 
sonders in häufig gebrauchten Wörtern. 

B. Gonsonanteu. 

Der Consonantismus des mittleren Zornthaies charactensiert 
sich, wie der des elsässischen Sprachgebiets überhaupt, durch 
den Mangel an tönenden Lauten. Nicht nur, dass b, d, g 
durchaus des Stimmtons entbehren, auch die Liquiden und 
Spiranten sind unzweifelhaft tonlos. Im allgemeinen werden 
die Consonanten unserer Mundart mit geringerer Exspirations- 
energie und besonders die Verschlusslaute dazu noch mit leich- 
terem Verschluss gebildet als die norddeutschen oder romanischen 
Tenues; immerhin aber ist die Intensität derselben etwas grösser 
als bei den Medien i. Wir stellen deshalb unsere tonlosen Ver- 
schlusslaute am füglichsten dar durch p, t, k ; die Bezeich- 
nungsweise b, (1, g ist schon deshalb nicht angängig, weil eine 
Media ohne Stimmton schlechterdings unmöglich ist. 

Der Consonantismus der Mundart lässt sich daher in fol- 
gende drei Gruppen zusammenfassen : 

1) Verschlusslaute : p, t, k, nebst ihren Aspiraten ph, 
th, kh. 

2) Liquidae : 1, r, m, n, y). 

3) Spirantes: f, w, s, ts, s', ts*, x, h. 

Da eine Verbindung mehrerer Zeichen zur Darstellung 
eines einzigen Lautes unpraktisch ist und leicht zu physiolo- 
gischen Irrtümern führen kann', so ist für den Nasal mit 
Gaumenverschluss, also für hd. ng, das von Rapp und vielen 



1 8. Kraeuter, Zur Laatverschiebnng, pag. 2, 3, 9, 10, 78. 

2 8. Kraeuter in Frommann's Zt. VII, 306. 



— 147 — 

Anderen eingeführte Zeichen r^, d. h. ein im zweiten Grund- 
strich verlängertes n verwendet. 

Aus demselben Grunde ist der mediopalatale Reibelaut x 
für hd. chy und zwar für den ich- und ach-Laut, welche in 
der Mundart zusammenfallen, so wie das Zeichen s* für die 
gequetschte Spirans seh eingeführt worden. 

Femer ist es unbedingt erforderlich, alle Lautfolgen in 
ihre einzelnen Bestandteile aufzulösen ; daher ist hd. x überall 
durch ks und z durch ts ausgedrückt. 

Die französischen Consonanten unterliegen bei ihrem Ueber- 
gang in die Mundart denselben Gesetzen wie die ursprünglichen. 

A. 

äy n. Kuss, in der Kindersprache; ^m 9-n-4 kän jemd. einen 
Kuss geben; pfälz. ay. 

afakhät, m. Advocat; 9 myl hän wy a-n-ä. plaidieren können 
wie ein Advocat; M. äpfakhät. 

afrünta, pl. Beleidigung, Ehrenkränkung; dbm ä. öntyanjemd. 
beleidigen; frz. alTront. 

äidl, n. Splint des Hanfstengels, welcher beim Brechen des- 
selben abfällt; mhd. agen; Keisersberg Omeis 31 <^ ägel ; 
schwb. achel, ageln, äge ; hess. achel, acheln die gröberen 
Ahne, Getreidegranne. 

Aidrla, adj. adv. brach, unbebaut; ä. leia brach liegen; mhd. 
egerde unbebautes Land; M. älarsH. 

^ikli, adv. 1. eigentlich, sicherlich, unbedingt, bestimmt; ar 
khümt sb. er kommt ganz bestimmt; 2. das heisst: ^., dr 
h^t ks^it .... das heisst, er hat gesagt. . . . 

iiläsdr, m. Eidechse; zusges. aus ei (=mhd. ege in egedehse) 
und frz. l^zard; M. ekl^s, f. — lieber die verschiedenen 
Namen der Eidechse vgl. Alsatia pro 1875, pag. 332. 

sblsa, m. Blutgeschwür, Eiterbeule; mhd. ei}; M. ^isa. 

^ix basal, n. Eichhörnchen; mhd. eichorn; M. öixar. Vgl. 
Kuhn's Zt. f. V. Spr. I, 5. 

äkar, m. Ackerfeld von ca. 20 Ar Ausdehnung. — tsäkar 
föra, eig. zu Acker fahren, das Feld umpflügen, bebauen, 
häufiger als tsäkara, v., mhd. zackem. — akarlar^, f. 
Länge eines Ackers ; mhd. ackerlenge. — äkarlänt, n. 
eig. Ackerland; unter dieser Bezeichnung versteht man 
die fruchtbare Gegend nordwestlich von Strassburg, die 
sich bis an den Saum der Yogesen hinzieht. 

äks, f. Axt; mhd. ackes ; M. ebenso; ndl. aks; ungr. ax. — 
äksahälm, n. Axthelm, der in dem Auge der Axt be- 
festigte hölzerne Stiel; Keisersb. Omeis 32 <^. 



— 418 — 

älart, älat (.'^_), adj. heiler, munter; frz. alerte; s. From- 
mann IV, 321 u. V, 49; Schmeller bair. WÜ). I«, 56; 
henneb. allart. 

ä 1 9 k a p 1, adv. eig. nach jedem (allem) Gebot, jeden Augen- 
blick, häufig, oft: ä. ^ps äntars* jeden Augenblick etwas 
Anderes ; M. älkapot. 

ältfraigkis*^ adj. altertümlich, nach der alten Mode ; mhd. alt- 
vrenkisch; bair. aldfantsch, altfräntsch. 

ä m 9 1 s äs, conj. während, eig. alle Male als = jedesmal wenn. 

ämprä (^^), m. Prahlerei, Schau; & krüsar ä. met ^ps mäxd 
mit etwas gross thun, prahlen ; frz. embarras. 

am s' toi, f. Amsel; mhd. amsel. 

änäntar, onäntar, adv. an einander; M. än^tar ganz, 
unzertrennt, in einem fort. — anäntarnüx, näntnüx, 
adv. sogleich, geschwind, schleunigst; M. änätarnyo. 

ä n 8 , n , adv. hin ; wy wet äno ? wohin wiUst du gehn ? Ke 
äna ! Fischart annen; M. äna; lothr. pfalz. ane; hess. anne. 

aig, adj. enge, beklommen, an Brust- und Atmungsbeschwerden 
leidend : ses' mar aiQ ich bin brustleidend ; mhd. enge ; 
M. ebenso. 

a T) , n. Ende, Lebensende : s k^t tsyam av] met am er liegt im 
Sterben; M. ebenso. 

äY)al, m. 1. Stachel der Biene, Wespe, Hornisse; 2. Stich mit 
einem solchen Stachel : a-n-äY)al pakhüma von einer Biene 
gestochen werden; mhd. angel; M. ebenso. — äv)la, v. 
stechen wie eine Biene ; M. ebenso. 

äY)ka, m. gesottene Butter; Keisersb. anken ; mhd. anke; 
M. ebenso. 

sbnsaxti, adj. adv. einzeln, ein Stück von einem Paare. 

antakres*t, m. eig. Endechrist^ Antichrist (vgl. Kuhn's Zs. 
I, 18) wird nur als Schelte gebraucht für einen pfiffigen, 
durchtriebenen Menschen : tes es* a-n-antakres*t ! 

äpärti, adj. adv. beiseite, besonders, an einem Platze für 
sich, für sich allein, sonderbar, eigensinnig; ^ps ä. labie 
etwas an leinen besonderen Ort legen ; s es* a-n-äpartixar 
kharal; frz. ä part; henneb. aparte adv., apartenes n. 

äpsanät, adj. wählerisch, sehr empfindlich; M. opsanät. 

arna, v. ernten; mhd. ernen, arnen; M. ebenso. — arne, 
f. Ernte, mhd. erne, am; M. arn. 

äs, part. 1. dass; 2. als; 3. Zusatz zu Zeit-, Zahl- und Mass- 
bestimmungen oder zum Interrogativpronomen in indirecten 
Fragesätzen : ar h^t äs k^s*t w^la khüma er hatte die Ab- 
sicht gestern zu kommen; se sen äs trei, fi^ mül äna 
käY)a s tdeys sie giengen drei- bis viermal hin am Tage; 
mhd. als ; M. ebenso. 



— 419 — 

as', f. Asche; mhd. esche, asche. — as'ar, m. ausgelaugte 

Asche; mhd. escher; bair. äscher. 
äsi, adv. adj. völlig, ganz, nur, ausschliesslich, bloss; in den 
Verbindungen äsi win, äsi wäsdr, äsi ^si, äsi khäfl, äsi 
kärs*t und in unzähligen ähnlichen hat äsi die Bedeutung 
unvermischt, ohne Zusatz von irgend et^as Anderem ; 
s flsbis* äsi as9 das Fleisch ganz einzig, ohne Brot oder 
Gemüse essen. In diesen Fällen wird äsi wol aufzufassen 
sein als entsprechend mhd. alse, bair. alsa, aisa, äsa, 
M. äs8, im Sinne des frz. 6tant (s. Frommann III, 487, 44; 
YU, 506) ; allerdings ist im mhd. eine ähnliche Bedeutung 
nicht nachzuweisen. Eine recht charakteristische Redensart 
ist cfon äsi khüma]» ohne irgend welche Veranlassung, 
von selbst kommen (syn. fon salwar khüma), namentlich 
in Bezug auf Veränderungen oder krankhafte Erscheinungen 
am menschlichen Körper; z. B. eine Krankheit, ein Ge- 
schwür etc. eckhümt fon äsi» oder «es* fon äsi khüma» ; 
fon äsi l^rd ganz aus sich lernen, ohne fremde Hülfe. In 
dieser Verbindung «fon äsi etc.» könnte man geneigt sein, 
das bereits früher vorgeschlagene (vulgär =) lat. Etymon 
4ca se» (== per se) zu adoptieren, wozu die Bedeutung sehr 
gut passen würde; der Pleonasmus «fon äsi» Hesse sich 
wohl erklären aus einem dem Volke abhanden gekommenen 
Verständnis der Formel «a se». Dieses «a se» müsste aller- 
dings aus vulgärlateinischen Schriftstellern erst nachgewiesen 
werden, was wohl kaum gelingen wird. Auch hier werden 
wir an dem mhd. Etymon alse festhalten müssen. — üf am 
äsixa pota k6n auf dem blossen Boden gehn, barfuss gehn. 

-at, m. Vater, nur im Compositum krüsat Grossvater ; s. 6ta; 
M. kryosat. 

- a t , Bildungssilbe für Eigenschaftswörter : wislat ins Weisse 
scheinend; kälat gelblich ; närat verrückt; mhd. öhte, eht; 
M. -axt. 

ä t i e s , ä t i e , ohne Art. Lebewohl ; ä. fon ^m näma sich bei 
jmd. verabschieden ; frz. adieu. 

ätsal, f. Tl. Elster; mhd. atzel; hess. atzel, pfälz. ebs. ; henneb. 
atzel kleiner unruhiger Mensch, geschwätzige, zänkische 
Person. 

äw^i, f. Epheu; mhd. ebehöu m.; M. häwM. 

äwarjar, m. 4. Ackerfeld, auf dessen Langseite eine Reihe 
anderer Aecker mit der Breitseite aufstösst, Abwender ; 
vgl. M. khiferäkar; 2, sehr fettes, geräuchertes Schweine- 
fleisch, gewöhnlich von der Schnittseite des Rückens, wo 
sich kein mageres befindet. 

äxla, V, essen; hebr. achal; hess. pfalz. henneb. acheln. 



— 120 — 

B. 

(Siehe P.) 

C. 

(Siehe K.) 

D. 

(Siehe T.) 

E. 

^y adv. eher; mhd. er, e. 

^kspras (_^) adv. absichtlich; frz. expr^s. 

^ks*tdbn, m. Eckstein, quadratförmige Figur, Carreaa (im 
Kartenspiel); M. ^ks't^in. — äksUdbnalt, a^j. mit qua- 
dratförmigen Figuren versehn (von Kleiderstoffen) ; M. 
^ks'täinli. 

^laif], n. Elend; M. ebenso. — p^lavja, v. impers. sehr zu 
Herzen gehn, unangenehm berühren ; s p^lairjt mi I M. ebenso. 

elia, m. Lilie; mhd. gilge, lilje; M. ebenso. — ploeyelia, 
m. blaue Lilie, Schwertlilie. 

feite, f. Alter; en ^nere-n-fe. sen gleichalterig sein ; mhd. alter, 
elte; M. ebenso. 

ema, m. I.Biene; M. eim; S.Bienenschwarm; mhd. imbe 
imme ; M. eima. 

ems, m. Mahlzeit, Gastmahl; a-n-ems kän ein Essen veran- 
stalten ; mhd. inbT} ; M. eims, f., emss, m. 

anäntar, anänt, adv. einander; mhd. einander, enander. 

er)-, Vorsilbe ein - : e r^ k a w sb i x t , n. Eingeweide. — e t; - 
traT]ka, v. entgelten, fühlen lassen : ex wel s am evjtrarfka 
(s. Schmeller I, 667); henneb. eintränken. — etjs'tanti, 
adv. knapp gewogen, ohne Uebergewicht. 

entar, adv. eher; zu mhd. end=ehe, bevor. 

fep, conj. ob, lat. an, num; mhd. obe, ob, selten Sb (s. Grk. 
3, 285). 

äpa, frag. Adv. etwa, vielleicht; mhd. Stewenne; M. ebenso. 

fepalfet (^v-.^) f- Achselklappe; frz. ^paulette. 

feps, pron. etwas; viel, oft: ihr es' s*ün h, pim toktarkawän; 
mhd. ätewaj; M. öpas (s. Grk. 3, 58). 

er, adj . verwirrt, irre : ex pen ifets känts er ; er k6n sich ver- 
irren ; mhd. irre. — e r a , v. hindern, hinderlich seiu : 
s ert na älas ! 

^re, V. ackern, pflügen; mhd. ern, eren; hess. aren, eren 
(veraltet). 



- 121 — 

ferwe, V. erben^ beerben, (eine Krankheit) durch Ansteckung 
bekommen; M. ebenso. — ferpli, adj. ansteckend; M. 
ebenso. 

^s'tdmi&ra, v. schätzen, achten, ehren; frz. estimer; henneb. 
estamler. 

-dt, Endsilbe einiger weibl. Substantiva : fäiat Kehricht, näiat 
Nähzeug, päxat, p^xat (s. päxa), s*pits9t Speichel, trdfeyat 
(s. trd^ya), s'penat Hanf zum Spinnen, der schon am Spinn- 
rocken befestigt ist; M. -ta. Vgl. Weinhold alem. Grk. § 249. 

^ta, m. Vater; mhd. atte; hess. ette = Memme; henneb. ätte, 
ette. 

ewarantsi, adj. allein übrig, isoliert, eig. übereinzig; zu 
überrandig wie prantsli zu brandig; M. ewarantsik. 

äwarlänt, n. der südliche Teil des Elsasses, Ober-Elsass. 

ewartswarix, adj. adv. verkehrt, quer über; M. ebenso. 



F. 



fäks, m. Diener, meist nur in piärfäks Brauknecht; y^ahr- 
scheinlich Verstümmelung von frz. facteur ; nordrhein. fax ; 
vgl. auch -fex in lat. artifex etc. 

fäla, V. fehlen; tes fält si nit das wird wahrscheinlich ein- 
treffen, es ist wirklich so; vgl. From. III, 214, 21. 

fälik^ m. falbes Pferd oder Kuh*. 

fans'tartiöxal, n. eig. Fenster tüchlein, Fenstervorhang ; 
syn. nümhaY]kal. 

farm, adj. fest, stark; a farmar kharal; farm trüf lüs hosya; 
frz. forme. 

fars't, färs'ta, m. Ferse; mhd. vörsen, förs, forsch. 

fäs'nöxt, f. Fastnacht; mhd. vastnacht, vasnaht. Man unter- 
scheidet die h^rafäs*n6xt oder h^rafäsH (Estomihi) und die 
pyrafäs'nöxt oder pyrafils't (8 Tage später) ; vgl. auch Mankel 
pag. 36 unter fäsanäxt. 

fatsa, m. 1. zerrissener Lappen, Fetzen; 2. grosses Stück: 
a fatsa prüt ein grosses Stück Brot. 

f6, n. Vieh; s f(6 mäxa Dummheiten machen. — föhsbit, 
f. dummer, toller Streich, Roheit; M. f^häita. — f^mdsi, 
adj. 1. roh; 2. stark, kräftig: a fiSmäsixar kharal ein 
strammer Mensch ; 3. eine Steigerung ausdrückend : f. rix 
ausserordentlich reich; f. s'torik sehr stark; M. f^mdsik. 

fens'tarli, adv. im Dunkeln, im Finstern; sex f. ontyan sich 
im Dunkeln ankleiden; mhd. vinsterliche ; M. fais'tarläyj. 

fer, präp. für. — fer tse um zu (vor Inf.); M. fer, fer tsa. 

ferix, in was ferixar, -i, -s was für? M. ferik. 



— 122 — 

fern, adj. nur von altem, fettem Käse : 9 femar khas; mhd. 
vime alt ; M. fama, adv. im vei^angenen Jahre, famik 
vorjährig. 

ferti, n. Frauenschürze; M. ferta. 

fesalspdeya, m. Fiedelbogen; M. fesalpökd. 

fes*, m. Fisch. — fes'pdbn, n. Elfenbein. — fes'trünöl, n. 
Leberthran. 

fetsa, V. 1. mit der Rute oder Peitsche schlagen; M. ebenso. 
2. stolz davongehn. — fetsar, m. Stutzer, flotter Bursche j 
M. ebenso. 

föxta, V. fürchten; M. ebenso. — föxtapüts, m. f. furcht- 
samer Mensch ; M. f^xtpütsd ; vgl. auch pütsamüraal. 

fiärtal, n. li/s hl Getreide, nach derfi alten Mass 1/4 Malter. 

fifetaro, V. füttern; mhd. vuotern, vüetem. 

filot (j^J), f. Veilchen; M. feklät, feilät ; frz. violette. 

fin^sa, pl. Streiche, Ränke, Launen; mäx mar khän f.! frz. 
flnesse; henneb. finesse. 

fir, n. Feuer; dfem a päts* kän äs ar s f. em s'wortswält set 
jmd. eine Ohrfeige geben, dass es ihm vor den AugeD 
funkelt, eig. dass er das Feuer im Schwarzwald sieht; wy 
rdeyx es*, es' dey fir wo Rauch ist, ist auch Feuer. — fir- 
plüs, f. eiii ausgehöhlter Holunderstab, der zum Anblasen 
des Feuers benutzt wird. 

fläxla, V. flechten; mhd. vlöhten. 

flöklcY), m. n. dickes Brett, "Bohle ; mhd. diu vlecke ; M. fifeklätj. 

flös, m. Flachs; M. fläs. — flaksa, adj. von Flachs, aus 
Flachs verfertigt; mhd. vlehsTn. 

fldeysa, pl. Ausreden, unredliche Vorwäyde ; mäx markhfenfl.! 
M. floisa; allg. obd. und ndd. flausen. 

flüs, m. Rheumatismus; mhd. vlu3 Strömung, Fluss, Rheuma; 
M. ebenso. 

flüx, m. Floh; mhd. vloch, vlo. — flüxa, v. Flöhe fangen; 
M. flyoxa. 

fokt, m. Vormund; a f. mäxa einen Vormund setzen. — 
s*tritfokt^ m. Nebenvormund; vgl. M. pifokt. 

förldeyf, m. der beim Destillieren zuerst abfliessende Brannt- 
wein; mhd. vorlouf der erste Wein beim Keltern; M. förloif. 

fort, f. eine Kufe voll: a fort triwal ; M. färt. 

fortal, m. Vorteil; ar hfet kh^n f. tatsy er weiss die Sache 
nicht praktisch anzugreifen ; M. fprtals. 

föta, m. 1. Faden; fig. ta f. hän eig. den Faden halten, auf 
dem richtigen Wege sein, etwas richtig aufgefasst haben; 
2. dickflüssiger Weinstrahl : tar win tsixt fäta ; 3. dünnes 
Blättchen, welches sich bei zu langem Schleifen der Schneide- 
werkzeuge bildet ; M. fäta. 



— 423 — 

frent, adj. befreundet, blutsverwandt: ex pen f. met na; se 
sen f. met näntar; mhd. vriunt, md. vrünt; M. fräit. 

fräs', f. Frosch; M. ebenso. 

fri, adj. frei; in dieser Form nur in der Bedeutung «frei 
vom Militärdienste)!) und im Compositum, «fdsydlfri vogel- 
frei» erhalten, sonst «frei». 

friäsal, n. bläschenartiger roter Ausschlag auf dem ganzen 
Körper, gewöhnlich verbunden mit Fieber; zu mhd. vriesen; 
henneb. friesel ; s. Schmeller I, 828 frisel ; ungr. i frisen ; 
M. fr^sal. 

friko (^.w)j m. Braten, schmackhafte, gut zubereitete Mahl- 
zeit : se hän d kptar f. met näntar forwekst I frz. fricot. 

fürix, f. Furche; mhd. vurch, vurich ; M. ebenso. 

füsakotsnäkit, acy. ganz nackt. 

fütiera, fyti6ra,v. sich nichts daraus machen ; ex füti^r 
mi trüm. = frz. je m'en foute ; M. fütiara. 

fyar, f. 4. Gespann, Fuhre; 2. munteres, tolles Treiben, 
intere.<^sante lustige Unterhaltung ; mhd. vuore Fahrt, Le- 
bensweise. — fyari, adj. spassig, komisch, eigentümlich; 
syn. warikli (s. d.). 

fyatar, n. Futter; mhd. vuoter. — fyatarära, f. eine 
Frau, die auf dem Felde Futter zusammensucht; mhd. 
vuoteraere, vüetersere der im Kriege Futter auftreibt. 

fytara, v. fluchend schimpfen, bei sich selbst fluchen; M. 
fytara (s. d,). 

fyti, adj. tot, verdorben, zerbrochen, finanziell ruiniert : ter 
es* fyti ! frz. foutu zum Teufel ; M. ebenso. 

G. 

(Siehe K.) 

H. 

häft, f. 1. Ilaken, an Kleidern; 2. die zum Zweck des Zu- 
sammenhaltens um die Weinranken und den Rebpfahl 
geschlungenen Strohhalme oder Binsen ; mhd. haft Halter. 
— haftalmäxar, m. nur gebräuchlich in der Rda. 
«üfpäsa wy a h.» auf etwas sehr aufmerksam sein; M. 
haftlamäxer; vgl. pfalz. hachelmacher. — hfefte, v. 1. 
zusammenbinden, leicht zusammennähen; 2. die Wein- 
ranken an den Rebpfahl aufbinden ; mhd. haften. — h fe f t , 
n. Griff am Messer; s h. en ta harja hän; mhd. hefte. 



1 ungarisch ist hier identisch mit rheinfränkisch und bezeichnet 
die Sprache der deutschen Bewohner des ungarischen Berglands, 
deren ursprilnglicbe Wohnsitze in der Moselgegend zu suchen sind. 



n 



— 124 — 

haiö (>!,-), interj. vorwärts; tu k6t s äs h. ! vgl. M. haia zur 

Eile antreiben, 
hsibit, m. Zigeuner, eig. Heide; en hüntart iura khüma t 

häbita sagt jmd., dem alles gleichgültig ist; M. h^it. 
hsbitdra, n. f. Helligkeit, Licht; k^ mar ys am h. I M. h^i- 

tera, f. 
hdbitsal^ n. 1. junges Schwein, Spanferkel; 2. Schelte für 

eine schmutzige Person ; vgl. hyts; M. h^its, f. 
häka, v. hacken, spez. den Boden der Weinberge umhacken.— 

hakar, m. der den Boden der Weinberge umhackt : t^r khän 

asa wy a h. der hat einen sehr grossen Appetit ; M. ebenso, 
haksatänts, m. kahle Fläche eines Kom- oder Kleeackers, 

auf welcher nach dem Glauben der Leute deshalb nichts 

wächst, weil nachts die Hexen ihren Reigen dort abhalten, 
häl, adj. adv. geheim, verborgen; ^ps hals; öps hdl h^ etwas 

verheimlichen; mhd. haele, hael. — hälev)a, adv. heimlich, 

versteckterweise; mhd. dat. pl. haelingen; ungr. höling. 
hdbl, meist räwhd^l, f. die im Garten oder an einer Seite 

des Hauses gezogenen Weinranken; M. halt, 
hals*, m. Hals; Zss. häls*w6, häls*tyax. — hals'al, 

n. Halsriemen der Pferde mit einem eisernen Ring zum 

Einhängen der Deichselkette ; mhd. halse Halsriemen des 

Leithundes, 
hält, adv. bekräftigendes und einräumendes Füllwort: natür- 
lich, selbstverständlich, eben, allerdings, ohne Frage; M. 

ebenso; vgl. Weinhold, schles. Wtb. 32«. 
hälta, V. 1. halten, festhalten, anhalten an einem Punkte; 

2. erhalten, im Stande halten : ar hält älawil s^ks ros; 

wie mhd. halten, 
hälwar, adv. halb; h. tswfelaf; h. sü wit halb so weit, 
häm, f., Zss. f^rtarhamal, n. Schinken; mhd. hamme; M. 

ebenso, 
hämars'läk, m. Abfall von dem durch das Hämmern auf dem 

Ambos bearbeiteten Eisen; mhd. hamerslac; M. ebenso, 
hi^misal, n. Heimchen, Grille; mhd. heimelmüs ; vgl. M. 

myxäimla. 
h a m l a , v. die Aeste eines Baumes behauen oder beschneiden ; 

mhd. hamelen, hemelen; M. hämla. 
hd^mli, adj. adv. leise, undeutlich; h. rfeta leise sprechen; 

mhd. heimliche vertraulich, 
hämpfel, f. Handvoll; M. häpfal. 
h a y; k a , v. hängen, hangen ; M. ebenso. — n ü m h ä nt , 

ümhänt, m. Bettvorhang; mhd. umbehanc; M. üm- 

häY)k. — nümhaT]kal, ümkav^kal, n. Fenstervorhang; 

syn. fans'tarti^xal ; M. ümhaigkla. 



f 



— 125 — 

häntiära, v. kleinere Arbeiten verrichten; mhd. hantieren. 

hants'i, m. Handschuh ; mhd. hantschnoch, entstellt hentsche, 
hansche. — feY)8rhants*i, m. Handschuh mit den ein- 
zelnen fünf Fingern; M. haits'a. 

häns*trsbix, n. eig. Handstreich, Handschlag, Verlobung, 
identisch mit farsViwüt) (s. d. unter s'riwa); vgl. D. Wtb, 
4, 2 pag. 419 ; s. auch ysr^ta ; vgl. Rathgeber «Die Graf- 
schaft Hanau-Lichtenberg:» p. 165. 

har, interj. links, Zuruf an die Ochsen, umgekehrt wie im 
östl. Hessen, wo här bloss den Pferden gilt (s. Vilmar 
«Kurhessisches Idiotikon» 150); Moscherosch hähr; vgl. 
Fromm. II, 37, 225 ; s. Grk. 3, 309 f. ; ungr. har ; kelt. 
jar retro (Pott, Ersch-Gruber Encyklop. sect. II, Teil 18, 
pag. 89); vgl. iis*t. — här9, rümhära, v. auf einer 
Stelle hin- und herfahren, ohne dabei recht vorwärts zu 
kommen. 

har 8, V. refl. die Haare verlieren, namentl. die Winterhaare 
im Frühjahr ; mhd. hären die Haare ausraufen ; M. ebenso. 

h a r t s , n. Herz ; tsarts hän den Mut haben ; mhd. herze. — 
hartsäft(i), adj. mutig, verwegen, auch als Zuruf an 
einen Streitenden, schnell : h. trüf lüs k^n ; mhd. herze- 
hafl. — hartswäsar, n. eig. Herzwasser, Sodbrennen:, 
9r pakhümt äla moria s h. ; M. ebenso. 

ha s* pal, m. Haspel, Garnwinde; 2. flüchtige, unbedachte 
Person ; M. ebenso, pfalz. haspel unbesonnener Mensch. 
— häs*pla, V. haspeln, etwas nur oberflächlich machen: 
trewar nys h. ; M. ebenso. 

ha w a r k ab i s , f. kleiner Brummkreisel aus Holz ; vgl. Schmeller 
12, 4034; Lexer Kärnth. Wtb. 112; D. Wtb. 4^ 82; 
M. häwarkäis. 

hfel, f. Hölle; Rda. a^m himal ün h. förs'tfela jmd. sehr ein- 
dringlich zureden; ^m t h. hdbis mäxa; M. ebenso. 

heli, adj. in Folge eines nüchternen, leeren Magens Uebel- 
keit verspüren; iron. iü s es* mar h. fällt mir grade ein! 
mhd. hellic, hellec ermüdet, angegriflen, erschöpft; M. h^lik ; 
pfalz. hellig. 

helia, m. Heiligenbild, Bildchen, das gewöhnlich eine Er- 
zählung der h. Schrift illustriert, dann ganz allgemein 
Bild, Bilderbogen ; M. ebenso. 

h ^ 1 m , n. 1. Handhabe, Stiel einer Axt, einer Hacke, u. dergl. ; 
mhd. halme, halm ; M. hölp, h^m; 2. m. Hut des Destil- 
lierkessels; mhd. hälm. 

hels' f. Hülse, Schote; mhd. hülse, später hulsche; s. Wein- 
bold alem. Grk. § 193. 

h e m p l a , V. schlecht vorwärts gehn, hapern, stocken ; M. hämpla. 

9 



— 126 — 

h^n, h^niy adj. adv. was hin ist, zerbrochen, beschädig, tot 
(von Tieren) : le khäts es* h. ; a hönixi mys ; ar h^t s h. 

kamöxt; M. hä, hänik. 

h e n 9 9. adv. 1. hier innen ; pli h. bleib hier innen, im Zimmer; 
mhd. hie inne, hinne; 2. pleonast. Fragepartikel, dem 
Fragesatz stets folgend : hfes' ty na ksän, h. ? wy wfela-n-ar 
äna, h.? sagt, wohin wollt ihr gehn? In diesem Sinne 
entspricht es vollständig dem vulg. frz. hein! 

heiQd, adv. hinten; mhd. hinden. — her^ar, prap. hinter; 
M. häiQar. — heigara, 1. adv. nach hinten; 2. v. hindern, 
hinderlich sein. — heiQarli, adv. hinderlich ; s V&i am h. 
es geht ihm sehr schlecht, es sieht sehr armselig bei ihm 
aus. — hev^arsäs, m. Hintersasse; mhd. hindersae)e. — 
heTjars'i, adv. rückwärts, zurück, hinter sich (auch für 
die 1. u.-Q. Person: ke h. etc.); heigarsM nys rückwärts 
hinaus; henneb. hennersichnaus ;■ M. hävjarsi. 

h^nläsi, adj. fahrlässig, träge, faul; mhd. hinlaezec ; M. 
h^iläsik. 

hent, adv. heutenacht; mhd. ahd. hlnaht; M. hänixt; ungr. 
heunt, hent. 

h^p, f. kleines Blasinstrument aus Weidenbast, das beim 
Hineinblasen einen schnarrenden Ton von sich gibt; M. 
hap, hup, hyp. — h^pe, v. 1. in die h6p blasen; ahd. 
hiufan ; nhd. noch die Jagd abhupen = ein Hornsignal zum 
Schluss der Jagd geben ; M. hapa, hüpa, hypa ; vgl. frz. 
houper den Jagdgefahrten zurufen ; 2. trinken : \hv khän 
kyat h. ! 

h^r, m. 4. Städter, Stadtbewohner; 2. einer, der nicht \iel 
oder gar nicht zu arbeiten braucht : tes es* a hdr der hat 
gute Tagel — h^ralit, pl. Städter oder solche, deren 
modische Tracht von der ländlichen abweicht. — h^ra- 
lüs, adj. keinen Herren (Brotherren) habend, ohne Arbeil 
sein. — hdreteiQs, n. Sitten, Gewohnheiten, Eigentüm- 
lichkeiten etc. wie sieden Städtern eigen sind. — hferis*, 
adj. nach Art der Städter; h. r^ta nicht im Dialect des 
Landes reden. 

h e r n a , , V. auf dem Hörn blasen zum Austreiben der Schafe 
oder der Rinder: tar hert hemt! 2. pöbelhaft für weinen; 
mhd. hürnen. 

hernwiöti, adj. adv. 4. rasend; 2. steigernd: h. rix ausser- 
ordentlich reich, h. f6l sehr viel; M. hermietik. 

hört, adj. 1. hart, fest: a hfertar s*lüf ein tiefer, fester Schlaf ; 
h. snyf gehemmter Atem; khfen h^rts wort rfela nicht 
streiten mit einander, friedlich mit einander leben. 2. adv. 
laut : h. läxa, h. röta, h. seija, u. ä. 



— 127 — 

heta, adv. hier unten; mhd. bie nidene; M. h^ta/h^tand. 

hets, f. Hitze, Fieberhitze, Fieberphantasien: ys tar h. r^a; 
M. ebenso. 

häwa, 1. V. tr. halten, festhalten; h^p na! h^wa na! halte, 
haltet ihn ! Rda. fer a nära h. zum besten haben ; 2. v. 
intr. fest sein, halten : s h^pt nit I 3. impers. nicht leicht 
von statten gehn, Schwierigkeiten bereiten: s würt hart 
h. pes äs ar lüs khümtl aus mhd. haben und heben (vgl. 
Lexer 4, 1133) ; M. höwa. — h ä wal , m. Prügel, Knüppel, 
dicker Stock; mhd. hebel. — hänth^war, m. Hand- 
habe, Henckel, Griff an einer Thüre; mhd. hanthabe. — 
h ä w^ i s a , n. Stemmeisen , namentl. zum Brechen der 
Steine oder zum Fortbewegen schwerer Lasten gebraucht; 
mhd. hebisen. 

hewa, adv. auf dieser Seite, hüben; hewa-n-ün tewa hüben 
und di-üben, auf beiden Seiten ; M. hewara, hewa. 

hila , V. weinen, heulen ; t üre h. mar ich habe Ohrensausen ; 
mhd. hiulen ; M. hyla. 

h i m a I s* 1 e s a 1 , m. Primel ; mhd. himelslüj^el ; M. s'iesal- 
pliemla. 

hins', m. Geschwulst am Euter der Kühe*, te khy het h. 
am fäs. 

hisix, hisi, adj. 1. zum Dorfe gehörig; 2. sich an einem 
Orte aufhaltend : sen ar oBy h. ; M. hiesik. 

h i t , adv. heute ; mhd. hiute ; M. het. — h i ta s t d^ s , adv. 
heutzutage. — hit oxt td^ heute vor acht Tagen; hit oxt 
nöxt; hit ewar oxt tob heute in acht Tagen. 

bei, äla hoi, äle ii, interj . Zuruf sgi einen Strauchelnden, 
zum Marsche antreibender Zuruf an das Zugvieh ; äla = 
frz. allez. 

hcfelar, m. Holunder; mhd. holunter ; M. hoilar. — hd^larthö, 
m. Fliederthee. 

hi^lkhdl, f. Kehle eines Daches; zu mhd. kel. 

hols'yax, m. 1. Holzschuh; 2. misratene, unreife Zwetsche, 
welche gewöhnlich die Form eines kleinen Holzschuhs hat ; 
M. syn. tas*, f. 

hopla, v. aufprallen, sich auf- und niederbewegen, von 
einem Wagen, der auf einer unebenen Strasse fahrt; mhd. 
hoppeln hüpfend springen ; schwz. hoppeln possenhafte 
Sprünge machen; nl. huppelen; ungr. höppelen hüpfen. 
— hoplar, m. Polka. 

horixa, v. hören, zuhören, aufmerksam sein, horchen, ge- 
horchen ; mhd. horchen. 

hornösal, m. Hornisse; mhd. hornuj, später horneszel; M. 
horn^sal ; s. D. Wtb. hornisse 7, pag. 1828. 



— 128 - 

hos 9, pl. nur in der Verbindung 9 phör h. eine Hose; mhd. 

hose. — hosalöta, m. Hosenlatz, vomehml. obd. ; M. 

hosaläta. Die Hosen mit «hosdlötdi^ werden nur noch von 

älteren Männern getragen und sind jetzt meistens ersetzt 

durch die <KS*letshos9» (s. s*iets). 
hot, interj. rechts, für Zugtiere; allg. deutsch; mhd. hott; s. 

Grk. 3, 309 ; Fromm. 2, 37 ; M. ebenso. 

hotdl, n. Pferd, in der Kindersprache ; mhd. hodelros Saum- 
pferd. — hütel, m. junges Pferd, Fohlen. 

ho wo, adv. hier oben, oben; M. howa, howana. 

höwa, V. in die Höhe gehn, gähren, von Flüssigkeiten und 

vom gesäuerten Teig; M. häwo. — häwi, khäwi, adj. 

gehoben, gegohren ; M. häwik zähe fliessend. — ewar- 

häwi, adj. zu lange gegohren; zu sehr gehoben, vom 

gesäuerten Teig, 
h 6 w ü Y] , f. das Halten, Festhalten, Festigkeit ; mhd. habunge ; 

M. häwÜY). 
hdhy, f. Hacke; mhd. houwe. — rümh(feya, v. umhacken. 

— yshojya, v. aushacken, 
h&y, n. Heu; mhd. houwe, höuwe, höu, hou. — hdeys*rakar, 

m. Heuschrecke ; mhd. der höuschrecke, höuschreckel ; 

vgl. M. mäts'rak. — hdeyat, m. Trocknen des Grases, 

Heuernte; mhd. höuwet; M. hfeiwat. 

hoeyfa, v. zurückgehn, rückwärts sich zurückziehn, meist nur 
von Zugtieren gebraucht. — hyf, interj. Zuruf an Pferde 
(s. Grk. 3, 309). 

hüka, V. sitzen, hocken; M. ebs. ; s*tel h., v. ruhig, still 
sein, aufhören zu 'sprechen od. zu weinen: buk s'tel ! 

hülixa, holixa, v. scherzhaft für gehn, nur in der Ver- 
bindung plabita h. sich davon machen (s. pldbita); hebr. 
halach gehn. 

hülpar, m. 1. derber Stoss, Rippenstoss: dbm a h. kän; 
2. grosser Schluck, namentlich Schnaps; zu mhd. holpeln, 
nhd. holpern ; M. ebenso. 

h ü m p f , m. Hanf; mhd. hanf, hanefi — hümpfsüt, in. 
Hanfsamen ; Rda. läwa wy tar fdeyal em h. leben wie der 
Vogel im H., in Saus und Braus leben; M. haif, haif- 
syüma. 

hÜKjartyax, n. eig. Hungertuch, Armut; Rda. am h. ncfeie 
eig. am Hungertuch nagen , sehr armselig und dürfüg 
leben; mhd. hungertuoch Tuch, womit in der Fasten der 
Altar verdeckt wird ; M. hÜYjartyüx. 

hüril , f. eig. Haareule, ein Frauenzimmer, das mit zerzausten 
Haaren umhergeht ; M. hyoril. 



— 129 — 

hürl, f. Gerüst zum Dörren oder Aufbewahren von Früchten; 
mhd. hurt; M. ebs. — hertal, n. Hürde, Flechtwerk 
von Reisig oder Stäben zum Dörren des Obstes. 

hürtsalknopf, m. Kuchen mit eingebackenen getrockneten 
Birnschnitten und Zwetschen ; mhd. hützel, hutzel getrock- 
nete Birne. 

farhütla, v. in Unordnung bringen, namentlich Faden, 
Garn, Stroh, etc. ; übtr. a fsrhütalti s'et (s. s'et) eine 
heikle Angelegenheit; bair. verhudern. 

hüxtsitar, m., hüxtsitara, f. Bräutigam, Braut; zu 
mhd. höchzlt; M. höxtsitar, -9r9. 

hyp, f. Hörn oder Rohr, mit welchem der Dorfbüttel oder 
Nachtwächter ein Signal gibt; s. auch h^p; vgl. nhd. 
Hifthorn. — hype , v. ein Homsignal geben. — y shypa , 
V. etwas öffentlich ausrufen, nachdem die Gemeinde vorher 
durch die Hornsignale des Büttels aufmerksam gemacht 
ist. In neuerer Zeit ist die ^hyp)) durch die Klingel ersetzt. 

hyrdy V. niederhocken, kauern; mhd. hüren. 

hys9, V. gut haushalten, wirtschaften, sparen; Zss. torhysa 
ersparen ; Sprw. w6r niks tarhyst ün niks arwerpt, plit 
orm pes äs ar s'terpt; mhd. hüsen. 

hysksäs, m. Mitbewohner eines Hauses; mhd. hüsges^zze. 

hytfe, interj. fort! Zuruf an Gänse und Enten; mhd. huss da 
(s. Grk. 3, 309); bair. huda. 

hyts, n. Schwein, nur in der Kindersprache; ebenso das 
Deminutivum hytsal ; als Interjection Lockruf für Schweine ; 
mhd. wuzi (s. Grk. 3, 309) ; schwb. hutz I schwz. hatz 
(Stalder 2, 24). 

hyts' 8, V. die Hunde gegen jmd. aufhetzen; bair. hussen, 
vgl. Schmeller, 2, 252; frz. hou ga I mhd. hürzen. 

hyxel, f. 1. was hohl oder lose an einander liegt; 2. eine 
mit Wasser angefüllte, grosse Blase auf der Haut ; 3. ein 
vom Samen entleerter Mohnkopf; M. ebenso. — hyxla, 
V. 4. die Halskrause fälteln ; 2. trinken: mer hän d^ns khy- 
xall! — hyxals'är, f. Scheere zum Fälteln der Hals- 
krause; M. ebenso. 

I. 

i^m9, i^mas, pron. jemand ; mhd. ieman, iemen ; schwb. 

alem. iemans, iemantz, iemz ; henneb. imst ; westerw. 

öimes, imes ; sieb, sächs. ömast, emmest. — Neg. niöma, 

n i ^ m 8 s , niemand, 
ieriks, adv. irgendwo; (mhd. iergen, ierigin. — Neg. nife- 

r i k s nirgends ; M. niend. 



1 



— 430 — 

i sa , n. Eisen ; Rda. sbn üf t isa lydeyd eig. jmd. auf die Eiseo 

des Absatzes, auf die Fersen sehn, ihn nicht aus deo 

Augen verlieren, scharf beobachten ; M. ebenso. — isapön, 

m. Eisenbahn ; M. isapän. 
i t ^ , m. Ansicht, Meinung, Geschmack, Neigung : tes wärt nit 

nüx mim it^ das wäre nicht nach meinem Geschmack; 

frz. id^e. 
itol, adv. nichts als, bloss, nur, lauter: i. krüsi krump^ra; 

zu mhd. Ttel. 
i a s* 1 9 , V. gestikulieren, mit grosser Aufregung sprechen ; frz. 

geste ; mhd. jSsten schäumen. — iäs*, iäs*t, m. Hitze, 

Eifer, Gährschaum : em a i. sen ; M. i^s't. 
i ^ 1 a , V. wimmern, stöhnen, halblaute Schmerzensseufzer aus- 

stossen ; mhd. jölen laut singen ; M. ^^ia Jodeln, 
iep, f. Jacke, Joppe, spez. Kirchenrock der Männer; mhd. 

jope. 
ier, pron. jener; iena iöb vor einigen Tagen, neulich; M. 

känar. 
ii, interj. antreibender Zuruf an Zugtiere; M. ebenso, 
iis't, interj. Zuruf an Zugtiere, wenn sie links gehn soUen 

(ausgen. bei Ochsen, s. här); mhd. wist (s. Grk. 3, 310); 

hess. west. ; M. ebenso, 
iüs'tamant, adv. freilich, gewiss; frz. justement. 
iyksa^ v. i. jauchzen, jubeln ; 2. brüllen, von Rindern; mhd. 

jüchezen, jüwezen ; M. i^ytsa. 

K. 

kähets, f. eig. eine jähe Hitze, eine schnell erzeugte und 

zu intensive Ofenhitze, 
köfei, n. Gehege, Gegend; Rda. ^m en s k. k6n mit der Ge- 
liebten eines andern vertrauten Umgang haben, od. jmd. 

bei einem unternommenen Geschäfte auszustechen suchen; 

üf s. k. k^n auf Anschläge ausgehn, suchen Geschäfte zu 

machen, hausieren ; en tsalam k. in jener Gegend ; mhd. 

gehege ; M. k^i. 
kicis, f. Ziege; mhd. gei}; Rda. sü ks'vvent äs a k. frei so 

schnell als möglich. — kabispok, m. Ziegenbock, 
ksbis'al, f. Peitsche des Fuhrmanns; mhd. geisel, geischel; 

henneb. geischel. Die einzelnen Teile heissen k8feis*els'tok> 

kabis'als'nyar und trips'nyar. 
käkel, n. Ei, in der Kindersprache; demin. kakala, n. kleines 

Ei, Vogelei ; zu mhd. gagen ; henneb. gackel; M. kakab. 
kakla, v. viel schwatzen; zu mhd. gägen. — farkakalt, 

adj. verschwatzt. 



— 131 — 

k ä k S9, V. schreien wie eine Eier legende Henne ; mhd. gagzen. 

käkümar, f. Gurke; bair. kukumer; weiter, gegomer ; frz. 
concombre ; lat. cucumis. 

kal, kalt, pl. kalte Fragepart, nicht wahr? mit dem Neben- 
begriff der Aufforderung zu einer bejahenden Antwort oder 
zur Mitverwunderung; zuerst bei Königshofen, ed. Schilter 
^? § ^ S^l^^ > Fischart gelt, pl. geltet ; Ctöthe «gelt, dass 
ich dich fange»; s. Weig. Syn. Nr. 1890; Schmeller 2^, 
44; M. kal, kalta. — kalte, m. nur in der P'ormel ab 
k. jeden Atigenblik ; äla k. ^ps änters*; syn. äbkepot. 

käl, f. 1. Galle; 2. Schrei, gellender Schrei : a k. yslün einen 
gellenden Schrei ausstossen, eig. auslassen ; mhd. gal. — 
kal9, V. unanganehm schreien; pfälz. gaalern hell, laut 
lachen. 

kdl, adj. gelb; mhd. gel; M. ebenso; Rda. ^na kriän-a-k. 
s*l(j^ya jmd. schlagen, dass er grüne und gelbe Male be- 
kommt. — kälsüxt, f. Gelbsucht; mhd. gölsuht; M. 
kälsüxt. 

käl^, n. bezeichnet sowohl die Galeerenstrafe als auch den 
Ort, wo man dieselbe absitzen muss ; üf s k. khüme ; 
ts^n iür k. ; mhd. gale; frz. galöre. 

kälr^i, f. Gallerte aus tierischen Stoffen; mhd. galreide; 
schwb. galrei; westerw. galrei gallera. 

känaf , m. Dieb; s. Schmeller, 1, 291 ; hehr, ganab; henneb. 
gandf. — känafa, v. stehlen. 

käTjk, käiQ,m. der in den Landhäusern über dem Haus- 
flur sich befindliche Teil des ersten Stockwerkes, eig. der 
Gang. 

kara, adv. gern, spez. mit Absicht; ex häp s nit k. katün 
(s. Winteler, Kerenzer Mda. 77). 

kä rix el, f. an einem Fasse die Stelle, wo der Boden ringsum 
in die rinnenartige Vertiefung der Dauben eingefasst ist; 
zu mhd. gurgel. 

kärtla, v. den Gemüsegarten bestellen, aus Liebhaberei sich 
mit Gartenarbeit beschäftigen ; M. ebenso. 

käs'nä, n. dicke wollene Halsbinde, wollener Shawl; frz. 

Cache- nez. 
katar, n. Gitter; mhd. gater. 

keft, m. 1. Gift; 2. schädlicher, schadenfroher Mensch; 
demin. keftal, n. boshaftes Frauenzimmer; mhd. gift. — 
farkefti, adj. Neubildung aus dem Adj. giftig und dem 
Part, vergiftet, giftig (eig. u. übertr.), boshaft, bissig. 

kela, f. leichtfertiges Frauenzimmer; mhd. gelle Neben- 
buhlerin, Kebsweib. 



1 



— 132 - 



fark^ls'tard, v. jmd. Furcht oder Schrecken einjagen , 
durch falsche Vorspielungen in Schrecken versetzen; zu 
mhd. galster Gesangs bes. Zaubergesang, Betrug; M. ebenso. 

k e 1 1 , f. Abgabe eines Teils der Bodenerzeugnisse an den Ei- 
gentümer ; mhd. gülte, gilt ; md. gilde Schuld, Zahlung. 

keltd, ra. ein frz. Zweifrancsstück; syn. 9 fiärtsikar ein Vier- 
ziger; mhd. gülden guldin. 

kalüs't(a), m. Gelüst; mhd. gelüste. 

kamd^n, adj. adv. leutselig, herablassend, zuvorkommend; 
sex k. mäxa sich mit jedermann abgebe»^ ohne Ansehn 
der Person; mhd. gemeine; M. kamäin. 

kamät, adj. zahm, von Tieren; mhd. (Königshoven) gemede. 

k emax , n. genitalia ; mhd. gemäht, gemehte; ungr. gemächt. 

kempolmarik, m. Trödelmarkt, Gerümpelmarkt ; Keisersb. 
Pr. 45, 6 gümpelmarkt; zu mhd. grempeler, ^empler 
Trödler, und grempen Kleinhandel treiben. 

kera, m. 1. Schoss; 2. Zeugstück, welches vorne in einen 
Frauenrock eingesetzt wird, wenn der dafür vorhandene 
Stoff nicht hinreicht ; da die betr. Stelle durch die Schürze 
verdeckt wird, kann dasselbe auch etwas andersfarbig sein 
als der Rock selber; mhd. ggre keilförmiges Zeugstück, 
das unten an ein Gewand zur Verzierung oder zur Er- 
weiterung eingesetzt ist, der so verzierte, besetzte Teil des 
Kleides, Schoss, Saum ; lothr. gehren ; M. s*yos. 

kfes't, adv. gestern ; k. oxt tdb, k. oxt nöxt (s. hit). — üni- 
kfes*t, adv. vorgestern (s. üni). 

k^tdl, f. Patin; dem. kMab, n. Mädchen, welches über die 
Taufe gehoben wird ; M. ebs. ; pfalz. gödel. — kfetal- 
prifef, m. Taufschein des Paten oder der Patin. 

kfätarlit, pl. Taufpaten, eig. Gevatterleute. 

kfärt, n. ein bespannter VSTagen, Gespann; mhd. geverte. 

khsbip, m. 1. durchtriebener, schlau berechnender Mensch: 
tes es' a k. I 2. pöbelhaftes Schimpfwort, Aas : ty k. ! 
mhd. keibe Leichnam, Mensch^ der den Galgen verdient 
(auch Schimpfwort); M. khäip. 

khälfÜTjkal, n. grosses Blutgeschwür, Karbunkelgeschwür. 

khäliäntar, m. Koriander; Rda. k., ^nar wy tar äntar! 

keiner von ihnen taugt etwas; mhd. koUander, kullander, 

calander. 
khälik, m. Kalk, Weisse, Tünche: tar k. ket ö, tar k. ript 

si ö die Tünche reibt sich ab (vgl. Anz. f. d. A. 4. Bd. 

1876, pag. 12). 
khälias, ohne Art. Verleumdung; nur in der Rda. &m k. 

mäxe jmd. verleumden, namentlich um eine Verlobung zu 

hintertreiben ; zu mhd. kalle Gerede, Geschwätz. 



— 133 — 

khälprok, f. eig. kalter Brocken, eine ungesalzene kalte 
Suppe von Weissbrot und Milch, in welche beim Kochen 
mehrere Eier ausgeschlagen werden ; wird namentl. in 
heisser Sommerzeit und traditionell am Himmelfahrtstage 
genossen. 

khälwara, v. sich auf dem Boden wälzen; ostfries. kalvern 
in kindischer Weise zärtlich thun. — farkhälwera, v. 
etwas in Unordnung bringen, dadurch dass man sich da- 
rauf herumwälzt : s pät farkhalwara ; M. rümorkhälwara. 

k h ä m a r , f. Zimmer der ersten Etage in den Landhäusern ; 

mhd. kamer. 
khämüt( l), adj. bequem; frz. commode. — Subst. n. 

Commode, Schubladenkasten. 

khämpys, f. elende, vernachlässigte Behausung; frz. cambuse; 
mndd. kabhüse ; ndd. kabüse. 

khar|9l, meist fatdrkhaTjdl, m. Federkiel; wceyakhatjal Wag- 
balken; mhd. kengel; M. khaiQal hohler Stengel, Halm. 

khavjk, n. Leber, Herz und Lunge des Schlachtviehs ; schwb. 
henneb. gehäng; M. khair]k, haY]k. 

kbans'terld, n. Schrank, Kasten in der Wand; mhd. ken- 
sterlTn ; lat. canistrum ; M. khans^tarb. 

khänsti, m. Johannistag (^. Juni); M. khänstik. — k h ä n - 
sistriwdla, m. Johannisbeere ; M. khäntstriwal. 

khäntal, f. Dachrinne; mhd. kaner, kanel, kandel (Mone, 
Zt. 9, 303, Jahr 1446 kandel) ; aus lat. canalis ; M. khänar, 
pfalz. kandel. * 

khäp, adj. luft-und wasserdicht, fest zusammenschliessend : tes 
fäs es' nit k, ; obd. geheb, beheb, behebt; zu mhd. be- 
heben ; M. phäp. 

khäp, f. Mütze; mhd. kappe mantelartiges Kleid mit Kapuze ; 
frz. cape. — khäpyt, khäpytrok, m. Ueberzieher, 
Ueberrock, Mantel ; frz. la capote ; M. ebenso. 

k h a p e , v. die Spitzen der Weizenhalme vor der Entwickelung 
der Aehre abschneiden, um für den unteren Teil eine 
grössere Festigkeit und Zähigkeit zu erzielen ; mhd. 
kappen verschneiden ; ungr. kappen castrieren ; vgl. 
Schmeller 2, 316 f. ; ndl. ndd. kappen. 

khapdl, n. 1. dem. von khäp Mützchen; 2. Zündhütchen; 

3. Fingerspitze ; M. khapb. 
khäpital, n. Kapitel (der Bibel); Rda. ^m s k. röläsa jmd. 

tüchtig seine Meinung sagen, ausschelten, 
khärix, m. Karren; mhd. karre, karrech, karrich (bes. im 

mittleren und oberen Rheinland); M. khärix. — s'äl- 

khärix, m. Schiebkharren, eig. Schaltkarren. 



1 



— 134 — 

khäriüs(_. i), adj. adv. sonderbar, eigentümlich, eigensinnig, 

starrköpfig; tes es' 9 khäriüsi s^x, äs ... . das ist nun 
doch sonderbar, dass ; frz. curieux. 

khärixla, v. röcheln, schwer atmen, keuchen; zu mhd. 

gurgeln einen gurgelnden Ton hervorbringen ; bair. gargeln 

= gurgeln, 
k harn 9, m. Kern; mhd. körne,, kern; M. ebenso, 
kharpholts, n. Kerbholz, nur noch gebr. zum Aufzeichnen 

der Hufeisen, die der Schmied aufgenagelt hat, und zwar 

sind zur gegenseitigen Kontrolle zwei Exemplare vorhanden 

— das eine beim Pferdebesitzer, das andere beim Schmied 

— die mit ihren Erhöhungen und Vertiefungen ganz genau 
in einander passen ; jedes Hufeisen wird dann durch einen 
sich gleichzeitig auf beide erstreckenden Sägeschnitt auf- 
getragen ; mhd. kerbholz. 

k hds, m. Käse; wabixer k. Quark; hörtar k. ausgetrockneter, 
molkenfreier Käse; iron. h^ar ün wd^ixsr (seil, khäs), hal 
masti! d. h. da haben wir alten und jungen Käse vor uns 
stehn, ein Essen so delikat wie am Messtag (Kirchweih- 
fesl). — khäskhydxd, m. Quarkkuchen; mhd. kaese- 
kuoche. — khäskykdl, n. khdsdey, n., ein mit ver- 
härteter Augenbutter beklebtes Auge ; ersteres auch als 
Schelte für jmd. mit solchen Augen. — khäsris, f. ein 
auf der Vorderseile gewöhnlich mit einem Drahtnetz über- 
spannter rechtwinkliger Kasten, in welchem Käse in der 
Sonne getrocknet wird ; mhd. kaeseriuse. — khäswäsar, 
n. Molken ; s. M. khäs, etc. 

khäsow^k, m. lose anliegende kurze Frs^uenjacke, Nacht- 
jacke ; frz. cassaquin; bair. die Kasaken (s. Schmeller 2, 
1300). 

khäs*t, f. Speicher, Boden; mhd. der käste. 

khäs'ta, m. Kleiderschrank; mhd. käste. 

k h a t r i n , f. Katharina ; t s'nal k. Diarrhöe ; ungr . de Trenn ; 

M. ebenso, 
k h ä t s , f. Katze ; i^ts ket tor k. t wol ys jetzt wird es Ernst 

damit, eig. jetzt geht der Katze die Wolle aus. 
k h ä X e 1 , f. Nachttopf; Fisch, seichkachel ; mhd. kachel, 

kachele; M. khäxalTopf aus Thon. — khäxalofa,m.mhd. 

kacheloven. — k h a x o lo , n., dem. von khäxel, 1. kleiner 

flacher Tiegel ; 2. Futter- und Wasserbehälter an einem 

Vogelbauer, 
khefdl, m. Kiefer, Kinnlade; mhd. kivel, kiver; M. khefal. 

— khefdlkrämpf, m. Starrkrampf der Kinnladen- 
muskeln ; M. khefalkräpf. 



— 135 — 

kheia, v.^ Part, kheit^ 1. fallen; Compos. änakheia hinfallen; 
rökheia herabfallen, herunterfallen ; yskheia ausfallen ; en t 
k^xtar kheid in so hohem Grade erschreckt iverden, dass 
man den Starrkrampf bekommt, eig. in die Gicht fallt. 
2. impers. ärgern, verdriessen : s kheit mi ; sü ^ps so! ^ne 
nit kheia darüber soll man sich nicht ärgern I mhd. gehTen 
plagen; M. kheia; ungr. heien, geheien necken. — Rda. 
am kheit, um kheit in der Verbindung lüs mi am kheit 
lass mich in Ruhe, ungeschoren, ungeplagt I M. ümkheit ; 
vgl. Fromm. IV, 401, 5. 

khdls*, m. eig. kölnisches Zeug, Barchent, gewöhnlich mit 
blauen , sich kreuzenden Streifen auf weissem Grund ; 
mhd. kölsch, kölsche; M. kh^ls*. — kxäls'pld^y, adj. 
dunkelblau^ im Gresicht und an Händen, meist in Folge 
der Kälte oder des Keuchhustens, aber auch als Wirkung 
von tüchtigen Prügeln ; M. kh61s*ploi. 

khemp^t, f. n. Kindtaufe, VSTochenbett ; en tar k. sen im 
Wochenbett liegen ; k. hän Kindtaufe halten, einen Kind- 
taufschmaus geben ; mhd^ kintbette. 

khenal, n. Kaninchen; mhd. küniclFn, künolt, künlFn ; lat. 
cuniculus; allg. obd. künchel ; M. khänikla. 

kh^nets(i), adj. nichtsnutze, eigensinnig; mhd. keinnütze; 
bair. koannütz. 

khens*t9rli, adj. kunstfertig; M. khäisHarli. 

khep, f. Spitze eines Baumes; md. kuppe, kippe Gipfel; 
mhd. kuppe Kopfbedeckung unter dem Helm ; bair. köppm, 
m. ; sieb, sächs. der küpen; Luther kipfe; vgl. M. kam. 

khepa, (jüd.) ohne Art. halber Anteil an einer Spekulation 
auf Gewinn oder Verlust : ex nem k. met tar ! 

kh6r, m. Wendung, Knie einer Strasse, Umweg, Reihe (beim 
Spiel), Mal, Spaziergang: to k. höla vermittelst einer 
weiten Ausbiegung einen Wagen umdrehen, oder beim 
Spazierengehn auf Umwegen zum Ausgangspunkt zurück- 
kehren ; i^ts es* minar k. jetzt komme ich an die Reihe ; 
tene kh^r k6t s äntars* diesmal nimmt (od. wird nehmen) 
die Sache einen andern Verlauf; tes s*tek bot s^ks k. 
dieser Acker hat sechs zur Mitte symmetrisch liegende 
Furchenpaare; M. khi^r das ungepflügt gelassene Ende 
eines Ackers (dessen syn. im «Ackerland» und im Zornthal 
f(§rhsbipal = Vorhäubchen) ; mhd. diu kere, der kgr = 
Wendung. 

kherns, n. i. das aus Häcksel und Hafer (oder Gerste, 
Weizen, Saubohnen) gemischte Kurzfutter, welches den 
Pferden nach der Tränke aufgeschüttet wird ; 2. Sammel- 
wort für Hülsenfrüchte; mhd. kerne, körn; M. kakherns. 



— 136 — 

khes, m. scherzhaft für Geldbeutel, Tasche; praf kalt em k. 
hän viel Greld in der Tasche haben; vgl. frz. caisse. 

khes't, f. 1. Kiste; 2. Rausch: 9 k. wy a hysi mhd. kiste. 

forkhäts'a, v. verschleppen , hinter jmds. Rücken etwas 
veräussern^ was man diesem bereits versprochen hatte oder 
was derselbe gern zu besitzen gevirünscht hätte; Keisersb. 
ketschen; M. farkh^ts'a. 

khäwa, V. refl. stöhnen, seufzen: er khäpt si wy e-n-älts 
iütdros ; mhd. sich gehaben = sich befinden ; M. si ph^we. 

khiexdl, n. kleiner in Feit gebackener Kuchen, spez. Fast- 
nachtskuchen, Krapfen ; M. khiexla. 

khimi, mäkhimi, m. Wiesenkümmel ; mhd. kumin, 
kume, küme, kümel ; lat. cuminum ; M. khäma, mätkhäma. 

khita, m. meist nur in kn^wlikhita Knoblauchzehe ; mhd. 
klde Schössling, Spross. 

k h i 1 9 r , m. Täuber ; Dasyp. keüter ; schwz. küter ; schwb. 
kuter; 9 khopf hän wy a k. einen roten Kopf haben; sex 
üfplüsa wy 9 k. ausserordentlich stolz sein, eig. sich auf- 
blasen wie etc. — khit9r9, v. heimlich, verstohlen 
flüstern, verliebt thun, leise mit einem anderen sprechen 
und lachen ; mhd. kittern = kichern ; vgl. M. khyta leise 
sprechen. 

khits9, f. weibliche Katze ; schwb. frnk. henneb. kitze; hess. 
kitsche, kitze; schles. kitsche. 

khiwis*, adj. gram, erzürnt, zänkisch: ar es' äs hälwar k. ; 
mhd. kTbic; bair. kibig stark, heftig; schwz. kTbig grol- 
lend, zänkisch. 

khix9, V. husten, mit dem Keuchhusten behaftet sein; mhd. 
kleben. — khix9r, m. 1. Asthma, Keuchhusten: ta k. 
am hals* hän ; 2. ein mit dem Keuchhusten Behafteter ; 
mhd. kiche ; M. 1. ebenso. 

khol9r, bisweilen verstärkt sUüfkhobr, m. schläfriges, kopf- 
hängendes Pftird ; mhd. kolre; nhd. Koller = ausbrechende 
od. stille Wut. 

khdbm, m. Mähne des Pferdes; M. khäm; bair. kamp, kämme. 

khöri, adj. karg, knauserig, knickerig, sehr sparsam; mhd. 
karc; ungr. körig. 

khorn, n. Roggen; in diesem Sinn auch mhd. in den Nürn- 
berger Polizeiordnungen des 13.-15. Jh., ed. Baader, 
Sluttg. 1861, pag. 215, 321. — khorn färal, n. eig. 
Kornferkel, Hamster. 

khos*t9, m. Kost, Nahrung, Lebensunterhalt; mhd. der, 
diu koste; M. khosUa. 

khot9r, m. Brustschleim, Auswurf; M. khot9r. — khotari, 
adj. mit Brustschleim behaftet od. beschmutzt; M. khotarik. 



— 137 — 

khots9, V. 4. husten; 2. sich erbrechen (s. s'eta); spät mhd. 
kotzen vomere ; k. wy a s*Joshünt sich stark erbrechen 
(wie ein Schlosshund, von dem man voraussetzt, dass er 
viel gefressen hat); ungr. nordböhm. kutzen. — khotsar, 
m. 1. einer, der hustet; fem. khotsard; 2. Husten: ta k. 
hän; pfalz. kotzer. — khotsat, f. vomita : en tar k. 
leia (liegen). 

khowdl, f. 1. Federbusch auf dem Kopfe eines Vogels; 
2. dichtes struppiges Haar; s. D. Wtb. 5, 1541 ; M. khowal. 

khoxat, f. was auf einmal gekocht wird, Kochportion; M. 
kh^xt. 

khoey elh-tipf , f. Backwerk von weissem gegohrenem Mehl- 
teig, welcher in einer mit Fett bestrichenen gerippten oder 
glatten runden Form von Thon oder Blech gebacken wird, 
Aschkuchen; bair. gugelhupf ; hess. gugelhuppe, gugelhupf 
(vgl. Weigand, Intelligenzblatt für die Provinz Oberhessen 
1845, Nr. 9, pag. 34); ndöstr. guglupf; vgl. Fromm. H, 
319, 10; Wetter, kuelhoppe; M. khükalhüpf. 

k h ü m p f , m. hölzernes cylinderformiges Gefass für den Wetz- 
stein ; mhd. kumpf ; M. khüpf. 

khÜT;k8l, f. Kunkel, Spinnrocken; M. khÜYjkolära, f. 

Spinnerin. — khÜYjkals'tüp, f. Spinnstube ; M. khür^ 

kalsHüp. 
khiipar, m. Krippensetzer (von Pferden); vgl. frz. coupeur. 

khürs*, f., dem. khers'al, n. 1. trockene Oberfläche eines 
früheren Schlammbodens oder einer vorher besprengten 
Fläche ; 2. Auswuchs an einem Laib Brot ; ndl. korst ; 
ndd. korste ; ungr. kurst, kurscht; mhd. kruste. 

khüt, f. Frauenrock; mhd. kutte Mönchskutte (s. prüs't, 
ösol). 

khütal, f., pl. khütb 1. Eingeweide, Kaldaunen ; 2. Blut- 
wurst ; 3. gieriges, gefrässiges Tier, bisweilen auch als 
Schelte für solche Menschen : tes es' a-n-älti k. ; mhd. 
kutel ; M. 1. 2. ebs. ; pfälz. kuttel ; ungr. kotlel. — 
k h Uta 1 s ü p , f. Metzelsuppe ; M. khütalsüp. 

khy, f. Kuh, pl. khifei. — khymokala, n. Koseform für 

Kuh; bair. mockelein Kalb (Schmeller 2, 658; Stalder 

2, 225; Fromm. 1, 284; 2, 234). 
khyena, pl. Schimmel auf dem Wein oder dem Essig; mhd. 

kam, kän ; M. khyüna, khyäna. 
khyft(i), adv. gewöhnlich in Verbindung mit fol = gehäuft 

voll, voll zum Ueberlaufen; mhd. hüfeht ; M. khyftik. 
khyt, f., dem. khit^l, n. Grube, Loch im Boden; mhd. küte, 

kutte ; hess. kutte, kutt ; harz, kute ; vgl. M. lüt. 



— 138 — 

kifd, V. schwache, pfeifende Laute ausstossen, namentl. von 
crepierendem Federvieh; ob zu mhd. kTben schelten, zanken, 
mndd. kTven, oder onomatopoetisch? 

k i k s a , V. knarren von Thüren, kreischen von neuen Stiefeln ; 
mhd. gigzen ; M. kiksa. — kikslater, n. kreischendes 
Leder an neuen Stiefeln; M. kikslätar. 

k i t s 9 , V. die Spitze des Tabakstengels und die schmarotzenden 
Seitenäste abbrechen ; s. Schmeller 1, 1225 ; Fromm. II, 
372 b; III, 115, 324; VI, 16. — kits, f. schmarotzender 
Seitenast der Tabakpflanze; henneb. giz die obersten blät- 
terigen Spitzen des Tabakstengels. 

klsbiwd, V. die Gefache der Gebäude mit Strohlehm ausfüllen, 
den man nachher glatt streicht ; mhd. kleiben = kleben ; 
M. kläiw9 ; ungr. kleiben. — klabips'ip, f. Holzscheibe 
mit Grifl, mit welcher der Strohlehm glatt gestrichen wird. 

kl^lx, n. Gelenk, Glied einer Kette, Fuge; mhd. geleich: 
M. klöix. — klsblxi, adj. gelenkig, flink auf den Beinen ; 
M. kl^ixik. 

kläm, f. Engpass, Schlucht; mhd. klamme. 

k 1 a r^ k a , v. so läuten, dass der Klöpfel nur auf einer Seite 
oder unregelmässig anschlägt; so auch schwz. chlenka; 
bair. tirol. kämt, klenken ; ndfrnk. klengen ; hess. klengen 
= klingen machen ; mhd. klengen, klenken. 

kl^ma, V. zusammenzwängen, quetschen; mhd. klemmen. 

klempfli, adj. adv. zart, gelinde; k. tarfon khüma trotz 
ungünstiger Bedingungen in einer Angelegenheit einen 
glücklichen Ausgang finden; mhd. gelimpflich, zu limpfen 
angemessen sein; M. kläipfli. 

kleka, v. 1. ticken, von der Uhr; mhd. klecken tönend 
schlagen; M. klaka; 2. knicken: lis k. ; mhd. klecken 
einen Riss oder Spalt machen ; M. klöka. 

kleT)la, v. klingen, ertönen; mhd. klingelen einen Klang 
geben. — klev]als*tsbn, m. Mörser; M. kläT(3als*t6in. 

kl^para, v. klappern, rasseln; mhd. kiepfern; M. ebenso. 

kl^pfa, V. läuten zu einer Versammlung der Bürger zum 
Zweck der Beratung einer Gemeindeangelegenheit, zur Ab- 
haltung einer Versteigerung, oder um das vorher durch 
den Büttel angekündigte Eintreflen des Steuerempfängers 
anzuzeigen ; mhd. klepfen knallen ; M. kl^pta mit der 
Peitsche knallen. 

kletsara, v. glänzen, blinken; mhd. glitzern. 

kliät, f. glühende Kohle; mhd. gluot, pl. glüete; M. kliet. 

klixleiQ(a), adj. adv. eben, flach; k. fol bis an den Rand 
gefüllt. 



— 139 — 

kloeyal, n., dem. kleiala n. Knäuel; mhd. kliuwelTn; M. 

knüiwa, kneiwia. — kloeyld, v. gewohnheitsmässig ein 

Stück Brot aus der Hand essen. — kloeylar, m. einer^ 
• der zwischen den Mahlzeiten gewöhnlich mehrere Stücke 

Brot ist. 
klük, klükhan, klyk, f. Bruthenne; mhd. klucke. — 

klikala, n. dem. von klük Küchlein; M. klekald. 
klüksar, m. singultus, der Schlucken; intens, von mhd. 

klucken; M. ebenso. — klüksa, v. den Schlucken haben; 

M. ebenso, 
klünsa, v. glimmen; mhd. glünsen. 
klyra, v. schielen; syn. ewar s kawala lydeya eig. über das 

Gäbelchen gucken; mhd. glaren glänzen, starr ansehn; 

M. ebenso. — klyri, m. einer, der schielt; M. ebenso. 

— klyral, n. ein schielendes Mädchen, 
klywa, V. mit den Fingern stückweise abbröckeln, etwas fest 

Verbundenes mit den Fingern aufzulösen oder zu trennen 

suchen ; mhd. klüben ; M. ebenso, 
knäpa, v. in die Kniee einsinken; mhd. gnaben, gnappen 

wackeln, hinken ; M. ebenso, 
knats'a ^ v. quetschen, beim Essen Quetschlaute hören lassen ; 

Intens, von mhd. knoten; M. ebenso. — farknats*t, 

adj. zu lange und zu weich gekocht, vom Fleische, 
knfela, V. knallen, die Peitsche schwingen ; mhd. knellen mit 

einem Knall zerplatzen ; M. knela knallend zerdrücken, 
knöpfal, n. Kloss, Mehlkloss, Fleischkloss (s. Adelung, unter 

cKnopf») ; schwb. knöpfla ; pfalz. knöpfle. 
knets'a, v. zerquetschen, den Bast des Hanfstengels durch 

Quetschen von dem Splint befreien; mhd. knitschen. — 

knets*, f. Quetschapparat zum Brechen des Hanfs, 
knipa, m. Messer des Schusters zum Lederschneiden; mhd. 

knTp, gnippe Stechmesser, Dolch ; M. knip, f. 
knipa, v. hinken ; mhd. gnaben, gnappen, gnippen (s. knäpa); 

M. ebenso, 
knola, m. Knöchel am Fussgelenk; mhd. knolle Klumpen; 

s. Adelung <Kknollen»; vgl. M. knöta. 
knypa, m. Auswuchs, überhaupt etwas, idas dick und rund 

heraussteht, dicke harte Geschwulst, Knoten in der Haut, 

Knollen im Holz: a k. wy a fysH (Faust), oder a k. wy a 

kaT)S8bi (Gansei) ; mhd. knübel Fingerknöchel ; ndd. knubbe 

knobbe ; dän. knub ; schwed. norw. knubb ; al. knobbe; 

M. ebenso. — knypas*tok, m. Stock mit Knollen am 

unteren Ende, 
knypa, v. Rippenstösse geben; ndd. nubben ; ndl. nopen 

stacheln, aufspornen, reizen. 



^ 



— -140 — 

knytdl, f. Nudel; frz. nouille ; ob zu mhd. kneten? 

k s*, f. in gemeiner Sprache für Mund ; vgl. Weigand 1 *, 
608 ; M. ebenso. 

kotspfani, m. Aufgeld (gewöhnlich 3 bis 5 Mk.), das der 
Dienstbote nach geschlossenem Dienstcontract von dem 
Dienstherrn bekommt ; bair. gottspfennig. Im jül.-berg. 
gibt man bei der Pachtung eines Hauses oder Gartens dem 
Verpächter zur Gewisheit ein geringes Stück Geld> welches 
man Gottsheller nennt ; s. Rathgeber pag. 166 ; M. syn. 
häfkalt. 

kdeyläm, f. Ringlerche; corrumpiert aus mhd. galander. 

k di y t s' a , v. unnötigerweise viel dummes Zeug schwatzen ; 
M. khawaits*a, khaits'a. — kdeyts'ar, m. Schwätzer, 
Schreier, Plauderer; M. khaits'i. 

kräfts, f. der langgezogene Graben, in welchem junge Wein- 
stöcke gepflanzt werden ; mhd. grafl, zu graben ; M. krfefls. 

krabi, adv. deutlich, laut, vernehmlich; mar h6rt s k. lita 
man hört es deutlich läuten ; tar isapön pfift sü k. ; viel- 
leicht zu mhd. krei, kri Geschrei ; lautlich zulässig wäre 
• auch ge -|- rege. 

kräia, v. krähen; mhd. kra^jen ; Sprw. wan t hin en s 
hisal kräia, ket s kära räia wenn die Hähne in's Hühner- 
haus hinein krähen, gibt's gerne Regen. — kräiancey, 
n. Hühnerauge, eig. Krähenauge. 

k r a k s a , v. stöhnen ; mhd. krochzen ; M. krüksa. 

krämäntsalsteiQS, n. künstvolle Verzierungen an Klei- 
dungsstücken; zu mhd. cramanzen Schnörkeln; M. kra- 
mantsal. 

k r a m a s i , adj . adv. grimmig ; vgl. mhd . gram zornig, unmutig ; 
frz. grimasse ; östr. gremmassi kränklich, nicht wohl auf. 

kräma, v. mit den Klauen oder Fingernägeln verwunden; 
mhd. krammen ; eis. Pfingstmontag 99; schwz. Stalder 
2, 125 ; ndfrnk. überall ebs.; Goethe «pickt und kratzt und 
krammt und hacket»; Keisersb. «cramen» von den Katzen ; 
dän. kramme ; schles. grammein, krammein = betasten. — 
krämar, m. Kratzwunde. 

kramp, m. Kleinhändler, Eier-, Butter- und Geflügelhändler, 
der seine Waren gewöhnlich in die Stadt bringt ; mhd. 
grempeler, grempler, gremper. — krampalöta, m. 
Laden eines Kleinhändlers, Kramladen. 

k r ä m p ü 1 (_ jl), m. grosser Lärm, Skandal, Streitigkeit ; frz. 
carambole. 

krams, f. eisernes Gitterwerk; zu ndd. krampe; ndl. kram, 
kramp; engl, cramp = Haken, Klammer; Goethe «Ge- 
räms». — ferkramst, adj. mit Eisenstäben vergittert. 



— 141 — 

kraiQ9l, m. n. Pflugbaum; mhd. grendel Riegel^ Balken; 
M. kraiQal, krantal. 

krätla, V. klettern; schwz. krätteln, grätteln ; tirol. gratein 
mühsam arbeiten; schwb. krattler alter gebrechlicher 
Mann, der nur noch «kräpelt^D ; pfalz. krattlen ; ndl. klan- 
teren. — krätal, m. Hochmut; tfer hat 9 kr. em khopf; 
mittelrhein. gratel, f. ; schwb. krattel. 

krdts, f. Rückenkorb; mhd. kretze, zu kratte, gratte ; lat. 
crates; nds. kretse; vgl. Fromm. III, 120; M. ebenso. 

kratsa, v. auf dem Kopf (oder an einem andern Körperleile) 
mit den Fingernägeln kratzen; vgl. frz. gratter. 

kräwlo, V. mit den Füssen, mit allen vieren krabbeln (von 

kleinem Getier, Gewürm), die Hände wie Pfoten gebrauchen ; 

mhd. krappein, 15. Jh. krabeln, krabelen ; ndd. krabbeln ; 

engl, grapple, grovel (Milton) ; vgl. Kluge, etymol. Wtb. 

unter «krabbeln», 
kräxel, kräxalp^n, n. weisse, knorpelige Knochenmasse ; 

M. kräxlät. 
kräx8r, m. alter gebrechlicher Mann: en-n-älter kräxar I 

kraxarle, n. Koseform für Kuss ; zum vb. krachen. 

krefa, v. die Hufeisen mit scharfen Nägeln aufschlagen, 
damit die Pferde auf glattem, eisigem Boden einen sicheren 
und festen Tritt haben, die Hufeisen schärfen ; M. ebenso ; 
vgl. frz. river (einen Nagel) nieten. 

krepf, f. Krippe; mhd. krippe, kripfa ; M. ebenso. 

kr^pfd, v. 1. kröpfen, in der Kehle stecken bleiben ; 2. impers. 
ärgern, namentl. wenn man sich über ein erlittenes Un- 
recht nicht beschweren kann oder darf: tes kröpft mi ! zu 
mhd. kröpf, kroph. 

krepsd, V. stehlen; ahd. cripsen ; s. Fromm. II, 420; ungr. 
gripsen. — kreps, m. Kehle, Gurgel, namentl. des Feder- 
viehs. 

kreshäri, adj. 1. ungekämmt, vernachlässigt, von einem 
Barte; 2. Begleitwort bei Schimpfnamen: ruppig; wahr- 
scheinl. zu mhd. gris, grTsbart. 

kretsd, v. 1. knirschen, vom Sand zwischen den Zähnen; M. 
ebenso; tar kriös kretst das Griesmehl knirscht, weil sich 
Sandkörner vom Mühlstein darunter befinden ; schwz. 
gritzen, gritzgen, kritzgen; appenz. gritza, gretza, gritzga 
vom Knirschen mit den Zähnen; tirol. grutzgen knarren, 
knirschen ; fläm. kritscheln = knistern ; 2. einen krei- 
schelnden Ton von sich geben, von einer Schreibfeder: 
t fator kretst; ndd. kritsen. — kretsor, m. gekritzter 
Strich ; mhd. kritz. 

10 



— 142 — 

kretsla, v. 1. schlecht schreiben; schwz. kritzen, kritzeln; 
ndd. kritsen; 2. kitzeln; Murner kritzeln; Fisch, kritzeln; 
mhd. kitzeln, kutzeln, krutzeln; M. ebenso; voigtl. krit- 
zeln ; ndd. kritzeln mit einem scharfen oder spitzigen 
Dinge über etwas herfahren, dass es unangenehm in die 
Ohren klingt. — kretsli, adj. kitzlich; M. kretslik. 

kri^ntsritar, f. das mit den weitesten Maschen versehene 
Sieb, welches beim Sieben des Getreides das Grünfutter 
zurückbehält; vgl. M. knentsa. 

kr ina, v. wiehern; mhd. grmen. 

krisalsp^r, krysalpör, f. Stachelbeere; frz. groseille 
-(- nhd. Beere; vgl. Diez rom. Wtb. 1, 224; M. krjsalp^r. 

krisarli, adj. adv. 1. schauerlich, grausig, unerhört, ganz 
merkwürdig : tes es* ^ps krisarlis ! 2. steigernd : ausser- 
ordentlich, sehr : kr. rix ; pfälz. cobl. grisselich = schreck- 
lich, abscheulich. 

krit, f. Hahnenkamm; frz. cröte. 

kriti, adj. adv. gierig, ausschliessl. mit den verbis essen, 
trinken, fressen, saufen verbunden ; die Bedeutung «geizig» 
des mhd. gltec ist unbekannt; vgl. M. kitik; hess. grittig, 
eifrig, gierig; s. Martin, Strassburger Studien 1, 381 ff.; 
holl. graag; engl, greedy. 

krits, n. Kreuz, Mühsal, Elend, Anliegen; mhd. kriuze; M. 
ebenso. — krits*tok, m. Fensterrahmen ; M. ebenso. 

krot, f. Kröte; mhd. Kröte, Krot. 

krcfeyo, m. Kragen, verächtl. für Kehle. 

krüma, v. einkaufen; mhd. kramen Kramhandel treiben, ein- 
kaufen ; M. krüma ein Geschenk vom Jahrmarkt mit- 
bringen (?) 

krümpör, f. Kartoffel; fränk. grundbim; ungr. krummpir^ 
Fromm, IV, 164. 

krüsal, f. Grossmutter; ungr. groessel; M. kryosla. 

kr y ans, m. f. grosse Freude, nur in der Rda. a k. hän 
eine grosse Freude haben in Folge irgend eines angeneh- 
men Ereignisses ; vgl. M. üf kryüns 2., unter kryuns. 

krypfal, m. missratenes Obst, Missgeburt (beim Vieh, in 
diesem Fall auch rypfal), kleines junges Vieh, das nicht 
wächst, böses unartiges Kind; vgl. mhd. ruppig. 

kryt, n. 1. allgemeine Bezeichnung des Kohls, Krauts, etc.; 
2. Blattwerk der Rüben, Kartoffeln ; mhd. krüt. — krital, 
n. kleinere Nutz- und Medicinalpflanze ; pl. kritar Pflan- 
zen, aus denen Heiltränke gekocht und Salben bereitet 
werden ; M. kryt, kritla, kritar. 

k s' ! interj. Scheuchruf für Vögel, Hühner und Tauben ; mhd. 
schü schul s. Grk. 3, 309; M. ebs., auch s*a I 



— 143 — 

ks^tsel, n. Abschnitt, Strophe, Vers; M. ksfelsla. 

ks'läf, m. Sklave; rahd. slave, sklave, gslaf; M. ebenso. 

ksMöxt, adj. zart, von Esswaaren; rohd. geslaht. 

ks'msbis, n. schmarotzende (resellschaft, unangenehmer Be- 
such von mehreren Personen; mhd. gesmei3e Unrat; M. 
ks*m^is. 

ks*wei, f. Schwägerin; lolhr. pfalz. geschwei. 

farks*wei8, adv. geschweige; f. wy ar kawest hfet, äs,,.. 
zumal da er gewusst hat, dass . . . . ; zu liihd. gesweigen. 

ks'wfela, V. das Wasser eines Grabens durch einen Damm 
aufhalten; mhd. geswellen. 

küf, f. Stecknadel ; Rda. üf küfa-n-ün nüla setsa wie aufheis- 
sen Kohlen (eig. auf Stecknadeln und Nadeln) sitzen; 
spätmdh. glufe, guffe ; M. küf. — k üfa , v. mit einer Steck- 
nadel zusammenheften ; bair. klüfeln. 

kümpa, m. Bassin einer Mühle, das sich unterhalb des Rades 
befindet und in welchem sich das zur Triebkraft bereits 
benutzte Wasser sammelt; Rda. em k. sen sich in der 
Klemme befinden, in finanzieller Hinsicht ruiniert sein ; 
mhd. gumpe Wasserwirbel ; M. küpa tiefe Stelle in einem 
Flussbette ; nds. gumpe, gompe ein See, eine Tiefe im 
Flussbette ; ungr. gumpen Teich. — k ü m p , f. Pumpe, 
Saugpumpe. 

kür^sHar, m. Gänserich; mhd. ganzer. 

k ü p , f. erster Gewinn bei einem Pferderennen ; pl. küwa, 
nur in der Rda. k. mäxa Spässchen zum besten geben, 
Possen machen, ausgelassen sein; mhd. gäbe. 

kür, f. 1 schlechtes Pferd; 2. schlechtes, sittenloses Frauen- 
zimmer ; mhd. gurre ; harz, gorre ; fmk. henneb. gorre ; 
hess. gurre ; bair. gurr, gurren. Fromm. II, 318, 2 ; östr. 
gurm^ schles. gor Stute; sieb, sächs. gorr Stute. 

kürixalknopf , m. Kehlkopf. 

kürt, f. grosser, breiter Gürtel; Zss. pyxkürt Bauchriemen 
am Pferdesattel ; mhd. gurt ; M. ebenso. 

kwäksa, v. krachen, von einem Balken, der schwer belastet 
ist ; ndl. kwakken Geräusch machen. 

kwäla, m., dem. kwalala, n. Hinterkeule des Kalbes, auch des 
Schweines (wenn dieselbe noch nicht geräuchert ist), Ham- 
melskeule; M. ebenso. 

kwats'al, n. Zwetsche; ndl. kwets; älter nhd. zwetzlein ; 
M. kwats*. 

ky, m. Geschmack des Weins, des Schnapses; frz. goüt. 

ky! int^rj. Ruf beim Versteckspiel; bair. gugku ! aus dem 
imper. kyk. 



— 144 — 

k y k 8 , v.y dem. kikb neugierig schauen, gucken ; mhd. gucken, 

gucken; bair. gugken; frnk. gucke, gückeln ; Fromm. HI, 

227, 5. 
kykal, n., dem. kikak n. verächtlich für Auge; das Deinin. 

i. Aeuglein, in der Kindersprache; 2. Gartenblume auri- 

cula. 
kykdlhön, m. Hahn ; mhd . gugelhan ; hess. gickelhahn ; 

schmalkald. gückel; vgl. M. kybr. 
kys*8, V. refl. sich hinlegen; sich zu Bette legen ; frz. se 

coucher. — kisMa, v. demin. zu kys'a sich zu Bette 

legen, in der Kindersprache. 

(Fortsetzung folgt) 



VI. 



Zwei elsässische Dichter 

Karl Candidus und Gustav Mühl 

geschildert von 

Ernst Martin. 

Ziiemlich gleichalterig, durch Freundschaft und Verwandt- 
schaft verbunden^ auch in den Ansichten übereinstimmend, 
wenn auch nach Lebensberuf und Begabung verschieden, lassen 
sich Karl Candidus und Gustav Mühl leicht biographisch 
zusammenfassen. 

Ueber Candidus liegt mir durch die Güte seiner Tochter, 
Frau Landbauinspektor E^ert eine vortreffliche biographische 
Skizze vor, welche Herr geistlicher Inspektor Ungerer verfasst 
hat. Indem ich die darin enthaltene Würdigung seines theolo- 
gischen Standpunktes hier weglasse, ergänze ich anderseits die 
Züge seines Lebens und Dichtens insbesondere durch das, was 
ich von seinen jüngeren Schwestern erfuhr oder aus den mir 
freundlichst mitgeteilten Briefen von Candidus an August Stöber, 
Gustav Mühl und Jacob Grimm entnehmen konnte. Die Briefe 
von Jacob Grimm an Candidus habe ich in der Zeitschrift für 
deutsches Altertum XXX, Anzeiger S. 117 ff. veröffentlicht, wie 
ich auch drei für die politische Wandelung der Jahre 1847-1851 
sehr interessante Briefe von E. M. Arndt an Candidus in den 
Preussischen Jahrbüchern LYI S. 82 ff. habe abdrucken lassen. 



— 146 — 

lieber seine Abstammung schreibt Candidus an J. GrimiD^ 
der den Namen CSandidus für ein Pseudonym gebalten hatte^ 
am 8. September 1853: «Mein deutscher Name war Weiss, 
wie Sie vermuten. Doch ist das schon gar lange her, nämlich 
seit Melanchthons Zeiten, in dessen Hause mein aus Nieder- 
österreich gebürtiger und damals in Wittenberg studierender 
Aeltervater lebte und der ihm den ehrlichen deutschen Namen 
Weiss in Candidus umsetzte, wie solches in Adami vitae viro- 
rum clarorum s. tit. Pantaleon Candidus ausführlich zu lesen. 
Besagter Ahne kam durch Melanchthons Empfehlung nach 
Zweibrücken, wo er als Schwebeis Nachfolger die Reformation 
vollends durchführte, und von dort kam die Familie später ins 
Elsass. Fast hätte ich vergessen zu bemerken, dass schon jener 
erste Candidus ein Versifex war. Er mochte jedoch nur ele- 
gante lateine Distichen machen. Die deutsche Sprache war ihm 
noch nicht so lieb geworden, wie seinem Urenkel. » 

Karl August Candidus selbst wurde geboren zu Bischweiler 
am 14. April 1817 als der älteste Sohn von Karl Philipp Can- 
didus und Marie Elisabeth Allgayer. Seine Kinderjahre verlebte 
er in Assweiler (in Deutsch-Lothringen), wo sein Vater schon 
seit 1817 als reformierter Pfarrer angestellt war und im Mai 
1860 starb. Die Mutler, deren Geistesart der Dichter ererbt 
und die ihm immer besonders nahe gestanden hatte, starb in 
ihrer Vaterstadt Strassburg 1873. 

Im Jahr 1832 kam K. Candidus nach Strassburg zu einer 
Schwester seiner Mutter: Er besuchte hier 5 Jahre lang das 
protestantische Gymnasium und widmete sich dann 4 Jahre 
dem Studium der Theologie und nebenbei der Philosophie und 
Litteratur. In die Studentenzeit fallen seine ersten Dichtungen. 
Schon 1837 schrieb er das Libretto zu einem confessionelle 
Conflicte behandelnden Singspiel « Rot und Grün », mit vielen 
eingelegten Liedern. Seine Gedichte zu veröflentlichen gab ihm 
zuerst Aug. Stöbers Erwinia Gelegenheit. Launig schreibt er 
diesem (19. März 1838) : «Wissen Sie, dass ich ein Mann werde 
wie der Geliert? Ich • gab meiner Tante den Brief (offenbar eine 
Erwiderung Stobers auf poetische Zusendungen) zu lesen ; dar- 
auf hat sie ihn schmunzelnd betrachtet und hat gesagt : « Karl- 
chen, du wirst am End* ein Mann wie der Geliert. » Lachen 
musste ich und doch stand mir die Thräne der Rührung im 
Auge. V 

Nachdem Candidus seine theologischen Studien beendet, 
wirkte er zuerst 1841-42 als Lehrer an einer Privatschule in 
Markirch, dann 4 Jahre als Pfarrvicar zu Altweiler bei Saar- 
Union. In diesem «prosaischsten Tusculo», wo er von gleich- 
strebenden Freunden entfernt war und nur schwer sich Bücher 



r 



— 447 — 



verschaffen konnte, vollzog sich eine Wandelung in seinen 
Stimmungen und Beschäftigungen. Die Dichtung trat allmäh- 
lich zurück. «Der Philosoph hat sich etwas breit gemacht und 
die foile du logis ins Hinterhaus verwiesen)» schreibt er am 
28. März 1846. 

Im Mai 1846 zog Candidus nach Nancy, wohin er als 
zweiter Pfarrer berufen war. Dorthin begleitete ihn seine 
Schwester Sophie, die schon in Altweiler ihm das Haus geführt 
hatte; auch seine jüngeren Brüder nahm er der Reihe nach 
zu sich, und gab ihnen so besonders Gelegenheit sich im 
Französischen auszubilden. 

Eine eigene Familie begründete er, indem er sich am 
30. October 1849 mit Luise Homus aus Speyer verehlichte. 
Aus dieser Zeit stammen wieder mehrere seiner schönsten 
Gedichte, in denen sich die vollste Befriedigung seines Gemütes 
ausspricht. Aber freilich, die Vereinsamung im fremdsprachigen 
Lande fühlte er lebhaft, insbesondere als dei* Wunsch immer 
stärker wurde, einen Canzonencyclus, der unter dem Titel <l Der 
deutsche Christus > seine Auffassung des Christentums aus- 
sprach, auch veröiTentlicht zu sehn. Er wandte sich an Jacob 
Grimm, der bereits die Zusendung früherer Dichtungen freund* 
lieh aufgenommen hatte. Jacob Grimm vermittelte, dass der 
Buchhändler Hirzel in Leipzig den Verlag des deutschen Christus 
übernahm und leitete das Gedicht selbst durch ein Vorwort 
ein. Seitdem dauerte der Briefwechsel fort, in welchem Can- 
didus Ausdrücke des Lothringer Dialects an Grimm mitteilte, 
gelegentlich auch etwas kühne Worterklärungen und -ableitungen 
vortrug. Wie hoch er die Teilnahme des grossen Gelehrten 
schätzte, spricht er oft aus. «Was für ein Wunderbares em- 
pfinde ich, so oft ich in Ihre geistige Nähe trete ! Als thäte 
sich ein grünender Wald mit aller seiner ruhigen Kraft, Lieb- 
lichkeit und Erhabenheit vor mir auf. Dass dasjenige, was 
diesen Eindruck macht, meinem Wesen fehlt, fühle ich jedes 
Mal, doch nicht schmerzlich ; denn eben, weil ich es fühlen 
und verehren kann, brauche ich es nicht als ein Fremdes zu 
betrachten. Es freut mich dann innig, dass ich Sie lieben und 
verehren kann, und dass auch Sie mir freundlich gesinnt wohl 
wollen» (12. Jan. 1854). Als er das Bild der Brüder Grimm 
vor dem Deutschen Wörterbuch gesehn, schreibt er : « Wie oft 
und lange stand ich davor ! Ich schämte mich in meine Seele 
hinein. Ich hatte mir mehr physiognomische Constructionsfähig- 
keit zugetraut. Derber und realistischer hatte ich Sie mir vorge- 
stellt und sah nun grundidealistische Züge, Gestalt und Haltung. 
Offenbar hatte ich Sie noch nicht genug geliebt und verehrt, sonst 
würde ich Sie mir voi^estellt haben wie Sie sind.» (21. Dec. 



— 148 — 

1854). Und im letzten Brief, aus Odessa vom 27. Mai (8. Juiü)| 
1862 datiert, dankt er für J. Grimms fortdauerndes Wohl- 
wollen. <i[Noch herrlicher als des Geistes ungebrochene Krafl, 
ist wahrlich bei so hohem Alter solches Gedächtnis des Herzens!» 

Nach Odessa war Candidus im August 1858 als Prediger 
der dortigen reformierten Gemeinde gekommen. Er hatte hier 
deutsch und französisch zu predigen wie in Nancy, und er 
wirkte, während bisher Spaltungen aller Art die Gemeinde zer- 
rissen hatten, durch sein versöhnliches Wesen, durch Uner- 
schrockenheit und die Bedeutsamkeit seiner Person überaus 
segensvoll. Seine Predigten ragten durch Gedankenfülle und 
Schönheit der Form so sehr hervor, dass sie auch aus russi- 
schen Kreisen zahlreich besucht wurden. Nebenher suchte er, 
dessen Herz auch in der Fremde unverrückt den Geschicken 
Deutschlands zugewandt blieb, durch öffentliche Vorträge Ver- 
ständnis für deutsches Wesen, namentlich deutsche Literatur 
zu verbreiten. • 

Die elsässische Heimat sah er noch einmal, 1868, wieder. 
Als das Elsass wieder deutsch geworden war, hofHe er hier 
einen Wirkungskreis zu finden. Aber sein Wunsch erfüllte 
sich nicht. Am 8. September 1871 ward er von einem Ner%'en- 
fieber auf das Krankenlager geworfen und von da an war seine 
leibliche und geistige Kraft gebrochen. In Theodosia auf der 
Krim, wohin er sich am 5. Mai 1872 auf Anraten der Aerzte 
begab, fand er, statt der gehofflen Genesung, schon den 16. Juli 
den Tod und das Grab. Mit der Wittwe trauerten 5 Waisen, 
ein Sohn und vier Töchter. Die Wittwe starb im Februar 
1877 zu Strassburg; der Sohn, welcher sich in München als 
Maler ausgebildet hatte, war ihr zu Ende des Jahres 1875 im 
Tode vorausgegangen. 

Seine schriftstellerische Thätigkeit begann Candidus mit der 
Th^se, welche Strassburg 1842 in 4« erschien und den Titel 
trug: Comparaison des deux ouvrages de Schleiermacher et 
Lamennais sur la religion. Scharfsinnig entwickelt er Ver- 
wandtschaft und Verschiedenheiten zwischen den Ideen, welche 
Schleiermacher in seinen Reden über die Religion dargelegt 
hatte, und- den von Lamennais im Essai sur TindifTerence 
ausgesprochenen. Er selbst stimmt durchaus dem ersteren zu, 
dessen Manen die Schrift auch gewidmet ist. Hierauf folgt von 
theologischen Arbeiten zunächst: Einleitende Grundlegungen zu 
einem Neubau der Religionsphilosophie (Leipzig, Hirzel, 1855). 
Der Methode Hegels folgend leitet Candidus hier aus der Iden- 
tität von Freiheit und Notwendigkeit, Einheit und Vielheit eine 
Reihe von Gedanken ab, welche auch die Aesthetik berühren, 
und auf jeden Fall eine Fülle selbständiger Beobachtungen unter 



— 149 — 

allgemeinen Gesichtspunkten zusammenfassen. Dieselben reli- 
pösen Grundgedanken legte er einem grösseren Leserkreise vor 
in seinem «Evangelium aeternum» (Leipzig, Bemdt, 1866). 
Zwischen inne liegt eine Besprechung der zeitgenössischen fran- 
lösischen Philosophen Proudhon, Cousin u. s. f., vtrelche er 
anonym unter dem Titel « Mes griefs contre ces Messieurs par 
Madame de la logique» (Paris, Grarnier, 1862, 2. Aufl. Leipzig, 
Bemdt, 1863) herausgab. Auf das politische Feld trat Candidus 
mit seinen «Neuesten Göttergesprächen }i> (Leipzig, Hermann 
Schultze, 1867), worin er, offenbar von Huttens Dialogen ange- 
regt, mit den Olympiern die deutschen Geistesheroen eine 
Wolkenfahrt nach Berlin antreten und in Unterredungen, die 
geistvoll der Eigenart eines jeden angepasst sind, die politischen, 
philosophischen, theologischen Verhältnisse Deutschlands nach 
1866 beurteilen lässt. Auch sich selbst, den «Einsamen)!», flicht 
er ein und erinnert daran, dass er schon, 1850 gesungen: 
«Deutschland gehört der That. :» Das kleine Buch verdient als 
Stimme der Zeit fortzuleben. 

Von seinen Gedichten, enthält « Der deutsche Christus » 
(Leipzig, Hirzel 1854) Religionsphilosophie in poetischem Ge- 
wände. Indem der Dichter in Natur und Kunst, in allen Le- 
benserscheinungen die Wirkungen des göttlichen Geeistes flndet 
und empfindet, geniesst er freudig die Schönheit der Welt, 
urteilt er mild über die Verirrungen der Menschheit. Er will 
«die Classe der Gebildeten gewinnen, welche von der Strauss- 
Feuerbach'schen Bewegung ergriflen, den Boden des Glaubens 
verloren haben i> und bietet ihnen gedankenvolle, warmfühlende 
Mystik. Er selbst erinnert einmal daran, dass gerade im Elsass 
während des Mittelalters eine «gesunde Mystik» geblüht habe. 

Andere Dichtungen zeigen mehr das, was er von seinem 
Standpunkte aus ablehnte : so die «Theologischen Humoresken ]», 
welche er unter dem aus Reinecke Fuchs entlehnten Titel 
« Krekelborn und Hülsterlo» zuerst autographiert zu Nancy 1846 
herausgab, später teilweise in seine Gedichtsammlungen aufnahm. 

Wie er in diesem Falle nur einen Teil des bereits Veröf- 
fentlichten später noch der Wiederholung würdigte, so hat er 
sich auch sonst seinen Schöpfungen gegenüber kritisch gestellt, 
und es möchte zu den Sammlungen seiner Gedichte, die er 
4846 als «Gedichte eines Elsässers» (Strassburg, Treuttel und 
Würtz), 1867 unter dem eigenen Namen, als «Vermischte 
Gedichte» (Leipzig, Hirzel) herausgab, Manches noch aus dem 
nachzutragen sein, was er als Student und Gandidat in der 
Erwinia, im Rheinischen Odeon und in Rückerts Musenalma- 
nach 1840, später in dem von Schad 1850, und vielleicht noch 
sonst veröffentlicht hat. 



— 150 — 

Elbenso wenig als diese Jugenddichtungen sind natürlich 
in den Sammlungen zu finden die wenigen Gedichte von Gan- 
didus, die nach dem Abschlüsse jener erschienen sind. So vom 
Jahr 1870 das in der elsässischen Mundart verfasste cAn den 
deutschen Reichskanzler », und das tiefempfundene cHeimlichi 
HeimethD, worin der Dichter seine innige Freude darüber 
ausspricht, dass nunmehr das elsässische Volkstum vor der 
Auflösung in eine fremde Nationalität gerettet sei. 

Unter den Gedichten in jenen Sammlungen finden sich 
nun so manche erzählende, vnrie denn, im Anschlüsse an die 
schwäbische Dichtungsschule die elsässischen Dichter derselben 
Zeit gerade diese Gattung bevorzugt haben. Aber die von 
Gandidus haben doch manches Eigentümliche, was etwa an 
Mörike erinnert, ohne doch von ihm veranlasst zu sein. Sie 
haben zum Teil einen humoristischen Zug, wie die von Rückert 
einst bevorzugte Ballade von der Prinzessin Johanna, die, um 
einen Goldschmuck von ihrem Vater zu erhalten, bei der Ge- 
burt ihres Sohnes, des späteren Heinrich IV., ein Gascogner- 
liedchen sang, dessen leichter Rythmus im Gredichte selbst noch 
nachzuklingen scheint. Andere zeigen schlichten Ernst : so der 
'<!C Bauernkrieg )t>, der das tiefste Mitgefühl mit den unglücklichen 
Freiheitskämpfern ausspricht. Ganz selbständig erfunden ist der 
humoristische «Münsterschatten» und «das rote Männlein», 
später «das Harzmännel» genannt, worin alle Schauer der 
Romantik walten. 

Die reinlyrischen Gedichte lassen zuweilen den Einfluß 
von Heine erkennen. Aber ob in diesen die Sehnsucht der Ju- 
gend, ob später das Glück des Gatten und Vaters zum Ausdruck 
kommt, es ist alles selbst gefühlt. Darauf weisen auch die 
eigenen Gompositionen, die er der Sammlung von 1846 beifügte. 
Höchst anmutig ist im «Trommlerliedcheni> mit dem Klang der 
Trommel das Gefühl des Sängers in Uebereinstimmung gebracht. 
Später hat Brahms mehrere Lieder unsers Dichters in Musik 
gesetzt. 

Am bedeutendsten ist Gandidus in den reflectierenden 
Dichtungen. Sind von den grösseren manche auf vorübergehende 
Zeiterscheinungen gewendet, wie die theologischen Humoresken, 
so fassen die Epigramme allgemeine Gedanken in den knappen 
Ausdruck, der unsern Dichter characterisiert. Tapfer wehrt 
sich der «Schwärmer» gegen die «Philister», Eine ausser- 
ordentlich schöne «Parabel» schildert die religiöse Entwicke- 
lung im Lebensfortgang ; man ist überrascht, wenn man sie 
in der ersten Gedichtsammlung unter dem Titel «Pelagianis- 
mus, Semipelagianismus, Augustinianismus» wiederfindet. 

Ausgezeichnet ist dabei die Freiheit, mit welcher die Form 



r 



— 151 — 



gehandhabt ist ; den im Volkston gehaltenen Balladen stehen 
die schweren Canzonen des deutschen Christus, die antiken 
Strophen anderer Dichtungen gleich rein durchgeführt zur 
Seite. In der Sprache ist zuweilen ein Spielen mit Worten, 
Lauten und seihst Buchstaben bemerkbar; und Aug. Stöber 
hob einmal mit Grund die kühnen Neubildungen hervor, die 
sich Candidus gestattet hat. 

Bei solcher Eigenart konnte Candidus freilich nicht populär 
werden : dazu ist seine Poesie zu kunstvoll, zu kühn. Wer aber 
seinen hohen Gedanken, seinen innigen Empfindungen sich 
hinzugeben bereit ist, der wird den Dichter in ihm hochschätzen 
und den Menschen lieben. 

Während ich über Candidus nur nach seinen Schriften 
und den Mitteilungen Anderer berichten konnte, steht dagegen 
mir und wohl auch vielen meiner Leser Gustav Mühl noch 
immer vor dem geistigen Auge. Vor allem die offene, herzliche 
Freundlichkeit, mit welcher er die ins Land gekommenen Deut- 
schen empfing, wird ihm nie vergessen werden. 

Sein Leben und Dichten hat ein in Lahr lebender jüngerer 
Dichtergenosse, Friedrich Gessler, in der Gartenlaube 1881, 
S. 609-611 geschildert. Auf diesem Aufsatze beruht der Ar- 
tikel in der Allg. D. Biographie. Ausserdem standen mir 
wieder die Briefe Mühls in dem Nachlass von August Stöber 
zu Gebote, sowie aus der Zeit nach 1870, die an Geh. Regie- 
rungsrat R. Böckh in Charlottenburg bei Berlin, gerichteten. 
Hiefür, sowie für die Mitteilungen der Familie selbst, die mir 
auch den litterarischen und brieflichen Nachlass durchzugehen 
gestattete, spreche ich auch hier den herzlichsten Dank aus. 

Gustav Adolf Mühl war zu Strassburg am 7. Mai 1819 
geboren, als der dritte und jüngste Sohn des Rentners Andreas 
Müht, der aus Strassburg gebürtig, als französischer Offizier 
die napoleonischen Kriege in Spanien mitgekämpft, 1815 den 
Dienst quittiert hatte. Dieser starb 1862 ; die Mutter, Marie 
Madelaine Meckert, 1850. Sie war die Tochter eines Eisen- 
grosshändlers in Strassburg und gehörte der Familie des from- 
men Dichters an, der im vorigen Jahrhundert zu Heiligenstein 
bei Barr lebte und alß Zimmermann bis Ceylon gekommen ist. 

G. Mühl erhielt seine Schulbildung (bis 1839) auf dem 
protestantischen Gymnasium ; und hier erfüllte er sich mit 
jener Liebe für die deutsche Dichtung, die er sein Leben hin- 
durch gehegt. Insbesondere war es der Professor G. Schweig- 
häuser, dem er seine ersten Jugendgedichte mitteilte. 

Auch für ihn wurde dann die Erwinia von August Stöber 
die Stätte zur Vereinigung mit Gleichstrebenden. Aber es ist 



^ 



152 — 



für Mühl bezeichnend, dass er nicht nur für die deutsche 
Dichtung und Sage Sinn hatte, dass er auch die pohtischen 
Ideen teilte, \velche ein grosses und freies Deutschland an- 
strebten. Als ein Ausdruck dieser Sympathien sind seine Ge- 
dichte «die Sage von der Zukunft» 1841, «Hambach» 1842 
anzusehen. 

Seine Studien auf der Universität der Vaterstadt bezogen 
sich auf die Medizin. Er vollendete sie am 25. Juni 1847 mit 
der Dissertation o^sur le rJiachitisme'». Auf dem Widmungs- 
blatte erscheinen auch die Namen August Stöber, Gandidus, 
Freiligrath ; mit dem letztgenannten und L. Schücking hatte 
er 1840, in der Gegend von Bonn, poetische Tage verlebt. 

Die ärztliche Praxis auszuüben war indessen seine Absicht 
nicht. Immerhin lassen spätere Briefe noch ersehn, dass er 
für die Gesundheit der Seinigen und seiner Freunde wohl zu 
sorgen wusste. 

Auf die Promotion folgte eine grössere Reise. Ueber Stutt- 
gart, München, Weimar führte sie ihn nach Berlin, wo er den 
Winter auf 1848 verlebte. Die Wirren der Zeit gestatteten die 
geplante Weiterreise nach Wien, Rom, Paris nicht mehr. 
Doch hat Mühl 1851 auf dem Wege zur Londoner Ausstellung 
auch Paris gesehen. 

Ueber den Berliner Aufenthalt berichtet ein sehr interes- 
santer Brief, den er, nach Strassburg zurückgekehrt, am 
16. Aug. 1848 an Aug. Stöber schrieb, ein Leipzig überschaut« 
ich vom Pleissenturm das weltberühmte Schlachtfeld, wo mein 
Deutschland wieder erstand.]» Von Berlin ging er noch im 
Sept. 1847 weiter nach Rügen. «Auf Arkona (die äusserste 
Spitze von Rügen) hauste ich zwei Tage zwischen Herbststürmen 
am Meeresstande. In Altenkirchen, eine Stunde von Arkona 
weg, besuchte ich Kosegartens Grab. Auf dem Wege nach 
Altenkirchen kamen Bauern über das Feld gegangen und 
sangen : ^ 

Strassburg, o Strassburg, du wunderschöne Stadt! 

und dasselbe Lied hat mir einmal ein Führer im Bemer Ober- 
land, nicht allzu weit von der italienischen Grenze, gesungen. 
Das heisst ein Volkslied ! und was es mir jetzt, im fernen 
Norddeutschland, auf einsamer Insel für einen Eindruck machte! 
In Berlin erlebte ich auch die Mordnacht vom 18. auf den 
19. März.... Doch jetzt zu jener anderen und heitereren Seite 
meines Berliner Aufenthaltes. Von Freiligrath an Varnhagen 
von Ense empfohlen, verlebte ich viele schöne Augenblicke in 
der Nähe dieses ausgezeichneten, weltmännischen Schriftstellers. > 
Ebenso lernte Mühl Fanny Lewald, Franz Kugler, Wilibald 



— 453 — 

Alexis, Kopischy Raupach, Tieck u. a. kennen. Besondei^s inter- 
essant war ihm ein 4 — 5 Stunden langer Besuch hei Bettina. 
cDie Etikette, die sonst hei derartigen Besuchen immer eine 
gewisse Holte spielt, war gleichsam mit dem ersten Worte 
schon üher das Haus geworfen und das Gespräch streifte nicht 
selten an eine Art von Kampf, in welchem die Ausdrucke 
gerade nicht immer auf dem Gold wäglein gewogen wurden. 
Es ist aber gewiss eine ausgezeichnete Frau, und alle ihre 
Aeusserungen zielen immer so sehr nach dem tiefsten, dem 
heiligsten Grund der menschlichen Natur, dass auch da, wo 
sie das Wahre überbietet, noch reicher Stoff zum Nachdenken 
bleibt. » 

Mühl war in Berlin auch Mitglied einer gemütlichen 
Dichtergesellschaft, des Eratovereins, aus dem er schöne Erin- 
nerungen mitnahm. 

Die nächsten Jahre vergingen in litterarischen, auch in 
social-poli tischen Studien, deren Ergebnisse er in Zeitschriften 
und Zeitungen niederlegte. An Aug. Stöbers Sammlungen von 
volkstümlichen Gebräuchen, Redewendungen, Vorstellungen 
beteiligte sich Mühl und steuerte namentlich Märchen bei, bei 
deren Abfassung er freilich dem dichterischen Verlangen nach 
Selbstbethätigung sich nicht immer versagte. An Ottes Samstags- 
blatt arbeitete er eifrig mit. Von deutschen Zeitschriften versah 
er besonders die Leipziger Illustr. Zeitung mit Beiträgen. Auch 
mündlich suchte er zu wirken und war, mit dem späteren 
Maire Küss, Mitglied des Ausschusses für die Volksvorlesungen. 
Einzelne Talente, die ihm bekannt wurden, forderte er durch 
Anweisung und Fürsprache : so den Schriftsetzer und ehema- 
ligen afrikanischen Jäger K. Bernhard, dessen Gedichte eines 
Strassburgers (Strassburg, Noiriel) 1860 erschienen sind. 

Am 4. Oktober 1853 verehlichte sich Mühl mit einer 
Schwester seines Freundes, Wilhelmine Candidus. Sein gast- 
liches Haus öffnete sich dem trauten Verkehr mit den Freunden 
in Strassburg. und im Elsass, auch von Deutschland her wurde 
er vielbesucht. Vamhagen, Frau von Suckow (Emma Neudorf), 
Frau Schebest-Strauss sprachen hier vor. Seinerseits hatte Mühl 
noch 1851 Kerner in Weinsberg aufgesucht. 

Aus diesem litterarischen und künstlerischen Verkehr gingen 
mehrere biographische Skizzen hervor. So besprach er in der 
Revue d'Alsace 1855 p. 241 flf. Leben und Werke des Malers 
J. Klein ; so gab er weit später, 1876, eine biographische Skizze 
des Bildhauers Andreas Friedrich. Ganz besonders aber konnte 
er seinen eigensten Gefühlen Ausdruck geben in der Biographie 
des 1858 verstorbenen Historikers Ludwig Schneegans, die in 
der Alsatia 1862 erschien. War es doch Schneegans vor allen 



1 



— 154 — 

anderen, der das Hinschwinden des Interesses für die elsässische 
Vergangenheit ergreifend beklagt hat. 

Wie Schneegans so hatte auch Mühl gelegentlich der Feier 
der zweihundertjährigen Vereinigung des Elsasses mit Frank- 
reich 1848 seine Meinung über dies Fest ausgesprochen und 
Manches deshalb über sich ergehn lassen müssen. Und diese 
Ansicht hielt er fest, auch als spätere Ereignisse selbst Freunde 
wankend gemacht hatten. 

So mannhaft wie Mühl sich hier der Zeitströmung entge- 
genstellte, so wusste er auch eigene Beeinträchtigung zurückzu- 
weisen : s. Revue d'Alsace 1860, p. 336. 

Da war es denn nicht zweifelhaft, wie Mühl über die Er- 
eignisse von 1870 urteilen würde. Auch er hatte unter der 
Beschiessung von Strassburg gehtten : sein schönes Landhaus 
in Schiltigheim war in Trümmer gesunken. Am 27. August 
war er selbst zu Fuss, die Kinder an der Hand, aus der Stadt 
gegangen, um zunächst in Herrenalb Ruhe und Erholung za 
suchen. Dann aber zurückgekehrt war er bereit der Rückge- 
winnung des Elsasses, soviel an ihm lag, die Wege zu ebnen. 
Gesellschaftlich und politisch wirkte er für die Versöhnung. 
Gern befürwortete er die Wünsche einzelner seiner Landsleute. 
Freilich hat sein damaliges Auftreten ihm auch viele Anfeindung 
zugezogen, selbst manche Enttäuschung und Verkennung musste 
er erfahren. 

Der Versöhnung war denn auch seine Dichtung in dieser 
Zeit gewidmet. Seine «Wacht auf den Vogesen» war am 
5. Dec. 1870 gedichtet : L. Liebe und v. Sturmeck haben sie 
componiert. Die Begründung der neuen Universität im Mai 
1872 begrüsste er mit einem schwungvollen Gedicht. Ein 
Prolog von ihm leitete die theatralische Vorstellung für die 
notleidenden Ostseeanwohner am 8. März 1873 ein. Die Eröff- 
nung der Schiffbrücke zwischen Neufreystett und Gambsheim 
1875 feierte er mit einem gemütvollen Trinkspruche «Vum 
Babbe Rhin sine Noochbre». Bei der ersten Anwesenheit des 
Kaisers Wilhelm 1877 brachte er diesem einen Gruss dar ; und 
ebenso war das Gedicht in elsässischer Mundart, womit die 
Mundolsheimer sich am ,20. Sept. d879 bei dem Kaiser für die 
gewährte Eisenbahnhaltestelle bedankten, von ihm verfasst. 

Gesammelt erschienen seine Gedichte unter dem Titel € Aus 
dem Elsass», Strassburg, Trübner 1878. Viele darunter waren 
schon früher einzeln gedruckt worden. So unter den Sagen und 
Erzählungen (icEin Künstlerleben]», das den Tod des Organisten 
Peler Grereis an der von ihm miterbauten Orgel bedandelte. 
So ferner die einst seiner Frau gewidmeten Lieder; die dem 
fic Herzensfreunde}» L. Schneegans zugeeignete cMarietta», ein 



— 155 — 

Distichencyclus ; so die für J. Kleia geschriebenen <ic Neuen 
Bahnen 9, welche auch im Zeitalter der Eisenbahnen und Tele- 
graphen die Poesie suchten und fanden. Dramatische Entwürfe 
der 40 er und 50 er Jahre (Agis, die Gracchen) waren nicht 
zur Ausführung gelangt. 

Mühl ist als Dichter am glücklichsten da, wo der Gegen- 
stand ihm das ruhige Entfalten einer Stimmung, die ausführliche 
Darstellung eines Vorgangs gestattet. Doch auch unter den 
Liedern geben so manche trefflich den sehnsüchtig milden Ein- 
druck wieder, mit dem etwa das Heraufdämmern des Mondes 
oder das Nahen des Frühlings das Gemüt ergreift. In diesen 
Bildern prägt sich die Stimmung aus, welche das damalige 
Strassburg wohl erregen konnte mit seinen alten Häusern, die 
in den Armen der lil sich spiegelten, mit den hohen Baum- 
gängen vor den dunklen Thoren : an alte Grösse erinnernd, aber 
hinter froh verjüngten Schwesterstädten mehr und mehr zurück- 
geblieben. 

Es war Mühl beschieden an den ersten Schritten des 
Wiederaufstrebens seiner Vaterstadt Teil zu nehmen. Als es 
galt die Bibliothek neuzubegründen, ward auch ihm zu Anfang 
des Jahres 1874 eine Stelle als Gustos angeboten, welche ihm 
die erwünschte Gelegenheit bot sich besonders mit der elsäs- 
sischen Litteratur zu beschäftigen. Von dieser Stelle aus hat er 
die neuanhebende Forschung freundlich unterstützt. 

Auch seines Familienglücks durfte er sich freuen. Von 
seinen vier Töchtern war die eine an den Ingenieurhauptmann 
von Putlitz verheiratet, die zweite mit einem Juristen verlobt. 
Da traf ihn im Dezember 1879 der schwere Schlag, das blühende 
Mädchen durch eine schnell sich entwickelnde Krankheit hinweg- 
gerafll zu sehen. Am 26. August 1880 war er noch an ihrem 
Grab. In der folgenden Nacht starb er. 

Bei der Bestattung zeigte sich die Teilnahme^ die man 
ihm, dem Treuen, schuldete. Ein bleibendes Erinnerungszeichen 
ist das mit seiner Büste geschmückte Grabdenkmal auf dem 
St-Helenenfriedhof, welches auf Grund einer Subscription seiner 
Freunde und Verehrer errichtet, durch eine Rede des Ober- 
bibliothekars Prof. Barack am 2(3. Juli 1882 eingeweiht wurde. 



^ 



VII. 



Argento varia - Horbur g . 



Nachtrag zu Jahrbuch I, S. 25 ff. 



von 



E. A. Herrenschneider 

in Horburg. 

JJas in seinen Hauptbestandteilen nunmehr aufgefundene 
Römercastell bildet ein längliches Viereck und misst nach 
Angabe des Hm. Architekten Winkler in seiner von West 
nach Ost ziehenden Länge 174,50 Meter auf eine von Süd 
nach Nord laufende Breite von 466 Meter. Von den vier 
Thoren, welche sich einst in der Mitte je einer Seite der 
Umwallung belinden mussten, sind zwei aufgedeckt worden; 
auf die vier runden Eckthürme des Gastrums, sind 
drei und auf die acht halbrunden Mittelthürme sind 
bereits sechs entdeckt worden, sie haben einen Radius von 
3 Meter. 

Das verhältnissmässig gut erhaltene südliche Thor 
hat eine mit steinernen Platten belegte Passage von 3,65 Meter 
Oeffnung, wobei der noch vorhandene Sockel um je 30 Genli- 
meter vorsteht, und die Oeffnung unten am Boden auf 3,05 Meter 
reducirt. Dieser «bewunderungswürdige:» Thorbau, von 10 auf 
12 Meter in's Viereck, enthält noch die Spuren des einstigen 
Fallgitters und beider Doppelthüren, womit er verschlossen 



— 157 — 

wurde. Er befindet sich 1 Meter tief unter dem jetzigen Strassen- 
Niveau. 

Im Inneren der drei Meter dicken Umfassungsmauer, haben 
ebenfalls Ausgrabungen von grossem Erfolg stattgefunden. Mitten 
im einstigen Castrum, wo sich jetzt der Garten Ittel be- 
findet, haben wir römische Mauerreste entdeckt, welche darauf 
hindeuten, dass Prätorium und Quästorium hier einst 
gestanden haben. Es sind hier meterdicke Mauern, mit regel- 
rechten Steinschichten und steinhartem rötlichem Putz vor- 
handen, an deren äussersten Enden, 23 Meter von einander 
entfernt, sich zwei römische Brunnen befanden. Weniger 
festgemauerte Fundamentreste, in welche zerschlagene Kapi- 
tale von Säulen dorischer Ordnung eingefügt worden 
waren, stammen von der alten Kirche, die im Jahre 4593, 
auf Befehl des Grafen Friedrich abgebrochen wurde. 
Mitten in diese Mauerreste hineingebettet, fand sich die Ne- 
c r o p 1 e vergangener Jahrhunderte. Da waren keltische 
Urnen vermischt mit fränkischen Sarcophagen. Zu 
einem der hier aufgefundenen Steinsärge war eine römische 
Stele verwendet worden. Die Inschrift (s. Jahrb. I, S. 32) 
bedeutet nach der durch Hrn. Zangemeister von Heidel- 
berg uns mitgeteilten Uebersetzung : 

Den Göttern Manen. 
Hier ruht Prittillius Sohn des Banuo. 
Natalis Sohn Luto's hat ihm dies 
Denkmal, «de Suo» aus eigenen Mitteln gestiftet. 

Die wichtigsten, in den entdeckten 24 Sarkophagen — 
ausser den noch gut erhaltenen Gerippen — gemachten Funde, 
sind ein goldener Ring mit rotem Granatstein, auf dem 
ein Vogel eingegraben ist, — und ein 30 Gramm schweres 
goldenes Büchschen, in Gestalt einer Trommel. Letz- 
teres enthielt wohlriechendes Harz und zwei Gewürznelken. 
Hr. Flückiger von Strassburg, findet hierin einen neuen 
unwiderlegbaren Beweis dafür, dass Gewürznelken vereinzelt 
schon im VI. Jahrhundert in Europa vorkommen, und dass 
dieselben nicht, wie A. de Candolle meint, erst nach der 
Entdeckung der Molukken durch die Portugiesen im Jahr 4544 
eingeführt wurden i. 

Die auf den Randziegeln (a. a. 0. 33) erscheinenden Buch- 
staben 

TEGIMR und TEGINR. 



i Journal de Pharmacie d'A.-L. Stbg. 12« ann^e, n** llbis, 2* suppl. 
Nov. 1885 p. 343—345. 

11 



^ 



— 158 — 



sind nach Mommsen, Inscriptiones helveticae, Nr. 345, 
zu lesen : «Tegula I (primae legionis) Miner viae.» 
Demzufolge hätte in Argentovaria eine Cohorte der ersten, 
die Minervische genannten, Legion stationniert, deren Haupt- 
quartier das bedeutendere Augusta Rauracorum, bei 
Basel war, wo ebenfalls Randziegel mit diesem Legionsstempel 
aufgefunden wurden. 

Der enge Raum des ((Jahrbuchs}» gestattet uns weder 
über unsere Funde ausfuhrlich zu berichten, noch auch die 
zwingenden Gründe des Weiteren zu besprechen, welche für 
die Verlegung Argen tovaria's nach Horburg miütieren. 
Wir verweisen einstweilen auf eine grössei^e Arbeit, die im 
Werk ist, und auf eine kleinere, die im nächsten «Bulletin de 
la Society pour la conservation des monuments- historiques» 
erscheinen wird — und schliessen mit einigen Bemerkungen 
über die im <i:Jahrbuch]» über Argentovaria-Horburg 
abgedruckte Arbeit. S. 29 ist der Plan des Castrum^ 
gegen Süden orientiert; die Südfront ist nicht wie ange- 
geben eine gebrochene, sondern eine gerade Linie. S. 38, 
zweitunterste Zeile ist statt Vogelsheim: Volgelsheim zu 
lesen. 



VIII. 



Schützenordnung von Reichenweier 

mitgeteilt von 

Ed. Ensfelder 

in Reichenweier. 

tJVi wiszen seye allermänni(j[lichen dasz uiT Sontag nacli 
Sanct Georgentage im Jahr nach Christi gehurt gezalt Tauszend 
funffhundert Sechzig und acht die Ehrnvesten Ui Fürnehmen 
Conradt Annhroster, Schaffner, und Christoph Heylman, Statt- 
schriber zu Reichenwyller, anstatt des hochgebohrnen Fürsten 
unde Herrn, Herrn Friderichen Graven zu Würlemberg unde 
zu Mümpelgart i nachgemelte Ordnung der gemeinen Büchsen- 



1 «Anstatt des Hochgebohmen Fürsten unde Herrn Herrn Frie- 
derichen Graven zn Würtemberg unde zu Mümpelgart.» Friedrich I 
folgte 1558 seinem Vater in der Eegierang von Mümpelgart nach, 
erbte nach dem Ableben seines Neffen Ludwig (3. Angnst 1593) auch 
die schwäbisch -württembergischen Lande und starb den 29. Januar 
1608. In seinem Namen und unter seiner Auetoritat wurde die 
Schützenordnung erneuert; denn die Schützengilde war kein freier 
Verein wie heute, sondern von Staatswegen gegründet. Daher auch 
der Obermeister « ihnen von eim Eath gegeben » war. Bestätigt wird 
diese Ansicht durch den Bürgereid wie er im Rothbuch (löOö) im 
Jahr 1607 als «verbeszerter Bürgeraydt» fol. 37 eingeschrieben ist; 



n 



— 160 — 



schützen mit Rath derselbigen ernewert unde fürgeaomznen als 
nachjj^eschrieben stath. 

Item des Ersten soll eines jeden Jahrs durch gemeine 
Schützen drey Schützenmeister darunder zween von Riehen- 
willer und der dritt von den vier dörffern Bebelheim , Huna- 
willer, Mittel willer oder Ostheim erwählt werden, welche ohne 
den Obernmeister, ihnen von eim Rath zugeben, der auch den 
Schlüszel zu der Büchszen^, nichzit handeln, auch die Büchsz 
nicht uffgethan werden, sie seyen denn alle Vier beyeinander, 
und keiner ohne den andern oder seinen Anwaldt, so er nit 
selbst gegenwärtig seyn möchte, öfTnen laszen sollen. 

Item so seindt verordnet sechzehn Paar Hoszen > unsers 
gnädigen Fürsten unde Herrn zu Würlemberg u. s. w. die 
sollen die nächsten sechzehn Sonntag nach einander verschoszen 
werden von den genannten Büchszenschützen der berührten 
Statt und Fleckhen gemeiniglich und unabgesondert, es soll auch 
keiner darin vervortheilt werden. 



dort heisst es : % Ihr samptlich and ewer Iglicher werden and sollen 

ewer trew geben and daraaff einen leiblichen Eydt schweren 

die Amptleath and prädicanten aach Rathspersofaen wo ihr die 
(anbillicher weisz) vergewaltiget and genöthiget sehen oder befandten, 
so fast ihr immer können, retten and schirmen za helffen, aach 
ihnen znzaspringen, ein jeder sich mit seiner wehr, nach gelegenheit 
seiner Person, nachdem sie ime aafferlegt, in farfallendten Gefähr- 
lichkeiten and Kriegsläaften, bey der Handt za haben, darmit sich 
ohne fehl gleich alsbaldt za versehen and gefast za machen (onch 
selbige saaber and rain za halten .... (im Ranft) : ingleichen ein 
Jahr lang nach dem Zihl za schieszen. > 

2 < Den Schlüssel za der Büchssen aach die Büchsz nicht 

affgethan werden etc.» Im weiteren Yerlaaf dieser Ordnang heisst 
Büchse natürlich das Gewehr; hier bringts der Sinn mit sich, dass 
von der Vereinskasse die Rede ist. 

3 < Sechzehn Paar Hoszen. » Dass Hosen als Preise ansgeschossen 
worden, kann nicht befremden, wenn man weiter anten liest, dass 
die Sitte Hosen za tragen noch nicht in jener Zeit aaf dem platten 
Lande allgemein war. Als Seitenstück daza mag gelten, was fol. 27 
des Rothbnchs angemerkt ist : «Anno 1510 so hant sich vogt Schaffner 
annd radt za Richenwylr miteinander einhelligklich entsloszen dem- 
noch annd vonn althem bar der proach gewesenn, das man eim 
jeden desz Radtz jahrs ein meygbonm (Maibaam) gebenn annd aber 
an den waldenn groszer mangel annd abgang gespürt, so hat man 
verordnet das man einem jeden dafür za der Zytt so man das Badt- 
tnch aszgibt , angeverlich vier elenn porchent za einem 
Wamse gebenn annd mit den Radthosen überantwurtten 
soll. > Note von späterer Hand : < Man gibt jetz becher darfür. > 



— löl — 

Item man soll am Sontag nit anfahen umb die Hoszen 
schieszen, es habe denn die Glockhen zwelfe geschlagen auil 
dasz die in den Döi*ffern auch herkommen mögen ; welcher 
aber darüber auszbleibt und sich des Schutzes versäumbt, wird 
man ihm den hernach zu thun nicht zulaszen. 

Item einer soll frey schieszen unde kein Versuchschutz zu 
der Mauren thun uff den Sontag, so man umb die Hoszen 
schieszt. 

Item es soll auch keiner ausz einer gelehnten Büchszen 
schieszen, er überkumb denn eine eigene in vierzehn Tagen. 

Item wenn man an eim Sontag anfahet schieszen unde die 
Schützen an dem ersten Standt ihre Schütz nit all gethan und 
sich, ob ihn schon durch die Schützenmeister gerufen, nit darzu 
förderten, bis dasz das erste Feuer abgelöscht i, soll der oder 
dieselbigen so sich also säumbten, demnach solchen schütz ver- 
lehren haben. 

Item welcher anhebt zu Schieszen der ist gantzen Doppel 
verfallen, er hebe an wan er wolle*, es wehre denn sach dasz 
Junge oder Newe kämen die nie geschoszen hätten, denen 
möchte man halben doppel nachlaszen ; wo aber nit, so soll 
derselben jeder solchen ohnnachläszlich zu bezahlen schuldig 
seyn und alsobald erlegen. 

Item wehre Sach dasz Frembde Schützen kämen die von 
ihren Herren nie Hoszen hätten zu einer freyen Gaben, die 
sollen nit schieszen dann umb die nachgeschriebenen Gaben, 
und ob einer oder mehr nit angeseszene Bürger wehren, soll 
dem oder denselbigen zu schieszen nit zugelaszen seyn. 

Item wenn einer Hoszen erveldet der sie vorgewonnen, 
der gewinnt drey Plappert* und sindt dieselbigen Hoszen den 
gemeinen Schätzen. 

Item wenn einer die Scbeib trifft unde man ihm den 
Nagel mit schlagen mag, es treff denn der Nagel ein Leist 
oder ein Ast, so gilt der Schutz nichts. 



1 «bisz dasz das erste Fem* abgelöscht». Die Büchsen wurden 
mit Lnnten zum Schnsse gebracht und diese, wie es scheint, an einer 
gemeinsamen Lunte angezündet. 

* «Welcher anhebt zu Schieszen, der ist gantzen Doppel ver- 
fallen, er hebe an wann er wolle.» Doppel scheint das Schiessgeld 
far die Uebung zu bezeichnen ; wer also mitten in der üebung seinen 
Eintritt nimmt, muss das ganze Schiessgeld entrichten. 

8 «drey Plappert.» Krug-Basse, L'Alsace avant 1789, p. 336 sq. 
giebt den Wert der Münzen für das Ober-Elsass folgendermassen 
an : ein plappert = 1 sou 4 deniers (der sou hatte 12 deniers) ; ein 
Pfennig oder Rappen = 3 deniers; ein Schilling = 2^13 sous. 



— 162 — 

Item wann einer gellet oder Schirpffet unde die Scheib 
trifft, der Schutz gilt nichts. 

Item welcher die Hoszen gewinnt, der gibt dem Zeiger 
sechs Pfennig und an dem nächsten Sontag darnach das feür. 

Item wehre es sach dasz ein Schütz auszblieb, der uff die 
Hoszen geschoszen hat, so verfallt er das Doppel, es wehre 
denn der in geschafften unszers gnädigen Herrn oder Leibs- 
krankheit halber behafft oder verhindert. 

Item wann zween oder drey umb die Hoszen geschieszen 
und drey Schütz gefeien, nämlich Sechs Schütz, so sind die- 
selben Hoszen gemeinen Schützen frey verfallen. 

Item wann Einer an den Standt kombt unde er die Büchsz 
dreymal anschlecht, klambt oder verlescht, so hat er seinen 
Schutz gethan. 

Item keiner soll Feür under Schützen tragen, es sey im 
Zundel oder sonst, bey Straff Sechs Pfenning. 

Item welcher erzürnt oder sein Büchsz grimmiglich von 
ihm wirfil oder einen unziemblichen Fluch thut, der beszert 
sechs Pfenning. 

Item welcher Zucht oder Unfur begieng, der beszert sechs 
Pfenning den Büchszenschülzen und unszerm gnädigen Fürsten 
und Herrn sein recht vorbehalten. 

Item welcher zween Klotz uff einmal schieszt oder einen 
gefiederten Boltz, der hat sein Schieszzeug verlohren. 

Item welcher den andern freventlich heiszt liegen oder 
ein Reipszer oder ein Furtz laszt oder einer einem andern 
in Schutz oder wer an den stein stehet, der beszert sechsz 
Pfenning, und unszerm gnädigen Fürsten und Hen'n, so es 
freventlich und offtmals beschehe, sein recht vorbehalten. 

Item wann Gesellschaft oder andere Haubtschieszen ge- 
halten, dazu dann Frembde Schützen geladen werden, -wann 
sich dann span oder unfur zwischen ihnen und den heimischen, 
die wären gleich schützen oder nit, zutragen sollte, dieselbi^en 
durch die Schieszgesellen usz der Stadt und Fleckhen von jedem 
orth zweyen und vertragen und in der Gute hingelegt werden, 
es wehr denn sach, dasz die handlung so wichtig wehre, zu 
schwehr, oder aber die Beiden part seyen so halsstarrig dasz 
die welche zwischen ihnen nit vertragen laszen weiten, soll 
alsdann unser gnädiger Fürst und Herr oder Ihrer fürsll. 
Gnaden Amlleuth sich derselbigen Handlung durch Bericht des 
Oberen und der Schützenmeister unterziehen und denselben 
gegen ihnen ihr Anspruch je nach Gelegenheit vorbehalten seyn. 

Item es soll keiner hinausz zu der Scheiben gehen olme Er- 
laubnisz der Schützenmeister bey der Straff sechsz Pfenning, 
auch sonst sich durchausz keinen Vortheil gebrauchen. 



— 163 — 

Item ob Jemand schaden jreschehe, namblich so einem 
ein Büchsz zersprengt oder ein Straub auszgieng, des sollen 
gemeine Schützen unbeladen seyn. 

Item ob zween oder drey mit einander begehren zu stechen, 
dasz nit in der Scheiben gülte, sonder in der Mauren, die 
mögen daszelbig thun, doch die Schützen meister und Schiesz- 
gesellen des orths unbekümmert, und so ein verdrusz oder 
hader daraus entstündte, beszert jeder sechsz pfenning. 

Item wann gemeine Gesellschaft auff Haubt oder andere 
Schieszen an Benachbarte oder sonst Frembde orth und endt 
beschrieben und geladen werden, sollen die beiden Schützen- 
meister in der Stadt dem Schützenmeister und andern Schiesz- 
gesellen in den Fleckhen ein solches durch den Zeiger von 
Hausz zu Hausz verkünden laszen und nit verhalten. 

Item welchem Schützen oder Schieszgesellen in seinem 
Hausz von dem Zeiger geholten wirdt zu der GesellschafFt zu 
kommen und auszbleibt, der beszert ein Schilling, wo er nit 
sein erhebliche Entschuldigung, so bald ihm gebothen wird, 
j^egen den Zeiger thut. 

Item wo etwan wichtige Handlung Fürfielen dasz durch 
gemeine Schützengebot h zu halten von Nöthen, wann dann 
dem Zeiger ihnen, Schieszgesellen in Stadt und Fleckhen durch 
die Schützenmeister zusammen zu gebietten befohlen wird, soll 
das durch ihne fleiszig verrichtet werden ; da er aber fahrlesig 
und etliche unter ihnen von Hausz zu Hausz nit verkündet, 
soll er also für jeden den er also übergehet sechsz Pfenning 
zu straff verfallen. 

Item ob auch dem Zeiger von den Schützenmeistern etwasz 
von wegen einer gemeinen Gesellschaft zu verrichten und zu 
versehen befohlen würde und er denselben nicht nachkäme und 
gehorsamte oder sonst sich liederlich erzeigete dasz etwasz in 
demselbigen versäumbt würde, beszert er jedesmahl, so oft das 
beschiehet, sechsz pfenning. 

Item welcher straffbar erfunden wirdt, der solle von dem 
steine nit weichen, er seye denn derhalb vor und ehe mit den 
Schützen meistern übereinkommen ; ob aber einer sich unge- 
horsamblich darumb erzeigete, soll er uff den folgenden Sontag 
verl)eszern sechsz pfenning ; da es aber alsdann von ihme auch 
nicht beschehe und es vierzehn tag anstehen liesze, wird er 
ein Schilling verfallen seyn ; wo sich auch einer darüber also 
halsstarrig erzeigete und die dritte warnung verächtlicher 
weisz in windt schlüge und welches von ihm den Amtleuthen 
furgebracht, soll derselbig darumb zum ernstlichen gestrafft 
werden. 

Item es soll ein Seyl gespant werden, unde welcher ohne 



— 464 — 

Erlaubnisz darüber gehet unde die Buchszenschützen irret, der 
heszert ein maas wein oder aber haltet die BritschJ. 

Item so man den Schätzentag halt, sollen die Meister ein 
Rechnung thun den gemeinen Schützen unde danach andere 
Schützenmeister erwählen uff das zukünfftige Jahr damit das 
Schieszen nicht gehindert sondern gefördert werde. 

Item welcher der Poen eine oder mehr verfiel unde sich 
mit gewaldt darwider zu setzen vermeinet oder sonst stet oder 
dieser Ordnung nicht wolte geleben, würde ein Vogt und Ober- 
ambtmann zu Riehen wyller sambt den andern mitambtleuihen 
anstatt unseres gnädigen Fürsten und Herrn die Schützenmeister 
dabey handhaben und den oder dieselbigen widerspenstig oder 
ungehorsamen ernstlich darumb straffen. . 

Item wehre sach dasz einer des Raths, Weibel oder 
Leitterer« Schieszgesellen seyn wollen und schieszen, der ist 
zugelaszen, so ihr Einer Ambtshalben in geschaffen wehr, sein 
schütz nach den zwölf! uhren zu thun, wann er mag, vor und 
ehe dann die Stichscheibe ufTgehenckt wirdt. 

Item es soll auch ein Jeder so schieszen will Hoszen an- 
haben, es wehre denn sach dasz er solche Kranckheit halb nit 
anleiden möchte. 

Item man soll auch nit anheben zu schieszen, es seyen 
denn zwölff Schützen bey einander und Ein Schützenmeister 
dabey. 

Item des doppeis halben soll man auch hiemit FremMe 
Schieszgesellen halten, wie dann sie von denselben des orths 
auch gehalten und soll keiner darin verfortheilt werden. 

Item wann ein Frembder Schütz allein kommt, den lasze 
man umb die Herrengaab nit schieszen, er bring denn ein 
schieszgeselle mit ihm. 

Item die so seh ützenme ister sindt sollen das Tuch zu den 
Hoszen nit kaufTen ohne vorwiszen der gemeinen Schieszgesellen. 

Und haben Hochgedachter unszer gnädiger Fürst unde 
Herr unde Ihrer fürstl. Gnaden Ambtleuthe diese Ordnung 
künftiglich zu ändern, zu mindern, zu mehren, gar oder zum 
theil abzuthun und din andere an die stelle zu geben, je nach 
gelegenheit und gefallen, Ihnen in allweg vorbehalten ohn- 
gefahrts. 



1 «oder aber haltet die Britsch». Die Schützengilde hatie noch 
bis in dies Jahrhundert hinein einen Pritschenmeister zur Erhaltung 
der Ordnung; heute heisst er Portier. 

^ «einer des Raths, weibel oder Leitterer». Weibel heisst im 
Ober-Elsass noch heute der Gemeindediener ; im Unter-Elsass Büttel 
oder Schütz ; Leiterer sind noch heute die Weinläder in den Reborten. 



— 165 — 

Dasz gegenwärtige Schützenordnung von einem andern 
ganz ohnargwöhnischen Formulare so bishero von denselbigen 
zum fleiszigsten observieret worden, fidelifer abgeschrieben und 
demselben collationando gleichkam, Wort zu Wort gleichlautend 
seye bezeugt mit eigenhändiger Subscription und derselben bey- 
gelrucktem gewohnlichen Notariatinsiegel, Reichen weyer den 
achtzehnten Septembris im Jahr Christi Sechzehnhundert achzi 
und acht. 



<r 

r 



Johann Georg Denner, Königlicher Notarius 
(S.) Statt- und Ambtschriber beeder GrafT- undt 

Herrschaft Horburg undt Reichen weyer. 



n 



IX. 



Mundartliches. 



I. Sprachproben aus dem Munstertbale 



von 



J. Spieser. 

W as ich hier mitzuteilen beabsichtige^ sind eine Anzahl 
Sprichwörter, die zwar meistens dem Münsterthale nicht eigen- 
tümlich sind, die sich aber doch für Sprachproben sehr gut 
eignen. Es ist oft interessant zu beobachten, wie gerade ein 
allgemein deutsches Sprichwort eine kleine Veränderung in der 
Form erleidet oder einen Zusatz erhält. Da ich zuverlässige 
und für den Dialekt forscher brauchbare Sprachproben zu bieten 
wünsche, kann ich nicht von dem Grundsatze abweichen, 
streng phonetisch zu schreiben. Der Gleichförmigkeit wegen 
schliesse ich mich der von Herrn cand. phil. Lienhart in seinem 
Aufsatz «Die Mundart des mittleren Zornthaies » in diesem 
Jahrbuch angewandten Orthographie an, weiche also von meiner 
frühern ab. Nur gebrauche ich nicht x, sondern h oder h für 
den Redelaut der Gutturalreihe; ersteres Zeichen steht hinter 
dunklen, letzteres hinter hellen Vokalen. 

Die Nasalierung eines Vokals bezeichne ich durch ein 
Häkchen unter demselben. 

Sodann möchte ich noch mitteilen, dass in den von mir 
im letzten Jahrgang mitgeteilten Sprachproben leider fol- 
gende Druckfehler stehen geblieben sind, die ich diejenigen, die 
sich für eine korrekte Wiedergabe der Mundart interessieren? 
in ihrem Exemplar zu verbessern bitte : 



— 167 - 

Seite 80 Zeile 2 lies h* statt ha, Zeile 3 awar statt awer, 
und sä statt sa; Seite 84 Zeile 10 krät was statt krat was; 
Zeile i4 kä statt ka; Zeile 19 weis statt weif; Zeile 23 faf 
statt faf ; Zeile 24 sUar statt sttar ; und Zeile 29 töhtarma statt 
töhrorma. Zeile 15 ieflat statt ieffät- 

m 

SpreÄwerter. 

1) a fylar epfal mäht tsäna fyl. 

2) ^ikanar ryüm s'tärjkt. 

3) a jÜTiar sält^t, a ältar patlar. 

4) a jÜY;i hyür, a älti haks. 

5) a kyüti ysröt es* trei pätsa wärt. 

6) a s'päts e tar har^ es' pösar äs a typ üf am täh. 

7) a triir^k üf ta sälät s'ät am toktar a tykhät. 

8) e äim, wü net tsa ryota es*, es* o net tsa halfa. 

9) fil hatj hai kWh a atj. 

10) fil tresal hai kli/i a läri s'esal. 

11) fil II kyüt es* nie pin^tar. 

12) khürat tsit, khümt ryot. 

13) krieni winähta, wisi yos'tara. 

14) kryos ü lietarli sai t s w 6 i fäler. 

15) met kryosa h^ra es* ne(t) kyüt khersa asa (, sa warfa 
eim ti s*t61 es ks^M). 

16) met s'pak ßit)t mar ti mis (ü met les*t ti lit). 

17) met tar käwal es* s a ifer, äwar mäm Ifefal klökts mi^r. 

18) met trakik wäsar khä mar ^ina net syfar was*a. 

19) mar khä fer nit röta. 

20) mar khä ta ^sal ä ta pürna fiera, äwar syfa kha mar 
na net mäha. 

21) mar müs am krämar nie e ti war s* . . . , an ar yska- 
päkt het. 

22) mar müs kfe fys*t wdla mäha, wämar ke har; h^t. 

23) mar müs nie jytsa för tar khelp (süs kheit ^im ti fr^it 
e ta trak). 

24) mar müs nie sä, ä tam pürna trär^k i näm. (ün ä 
tam tes* es i näm), 

25) mar müs si älawil nyo tar t^kta s*tr^ka. 

26) mar müs s'meta, wil s isa wärm es*. 

27) mar müs ta firyowa am morja syüha. 

28) morjaräia ü wiw^rwie es* nyümatä nit mie. 

29) nit ha es* a reiwik läwa (, äwar 6pas hä es* toh o kyüt). 



— 168 — 

30) pari ü tiil khümd nie isama, äwar ti lit. 

31) p^ls' kyüt, leis' kyut. 

32) sa fil myol äs si tar ösal wdlt, lost ar hyor leia. 

33) s es' fein a s'lähti mys, wän sa nüma äj loh wfeis. 

34) s es' e kliäm myl tsa trüia. 

35) s'teli wasarlar kryuwa tief. 

36) tdr, wü ta säk hfept, es* tiep we lar, wü tri tyüt. 

37) tfeifalst^Tjk es* feim si lyün. 

38) tar höfart es* a ier, äwar ar mäht ta kaltsfekal sier. 

39) tsa fil ü tsa wänik hfept s s*p§l üf. 

40) ümsüns*t es* tar tyot (, ü salar khos*t nä s läwa). 

41) ÜY)farsyüht s*mfekt net. 

A'-l) wämar öim net holt es*, s*täkt mar eim kfe mäia. 

43) wämar a paridla ärjar a hart süi werft, prielt nüma 
tie, wü s treft. 

44) wämar nüma ta s*äta hfet ! fer ta s*pot pry/it mar net 
tsa sorja. « 

45) wämar pi ta weif es*, müs mar met na hyla. 

46) wämar si äiQar ti kleia mes*alt, frasa feina ti süi. 

47) wän a fokal hife^ar flika wel, äs ar fatja het, sa fkrfi 
na ti pyüwa. 

48) wän feim s kiek wel, sa khälwart feim tar holts*lekal 
üf tar pän. 

49) wän eim ti häilja wai, es* kyüt e ta hämal khüma. 

50) wän a say;ösal sar^la wel, sar^alt sa, wil sa jÜY;k es*. 

51) wän s e tar kfeis tsa wyol es*, sa s*ert sa pets sa ewdl 
leit. 

52) wän s misla fol es*, es* s mal petar. 

53) wän tar s*tfein ys tar hat] es*, es* ar e teifals kawält. 

54) wän ti khäts ys am hys es*, tätsa ti mis. 

55) wän üsar herkot a när wel ha, nämt ar äma älta man ti 
froi. 

56) was feina net pränt, müs mar net plyosa. 

57) was mar arhir^'ot, pryht mar net tsa arhysa. 

58) was mar net khd, s*tifet feim s lifera wyol a. 

59) was mar net wöis, mäht 6im net heis. 

60) wä« päts eina, wän ta ätar tar tfeifal holt, ü mar müs 
ta fyürarlyün patsäla? 

61) was si tswfeit, tret si kam. 

62) wör ib mäit, tar mie mait. 



- 169 — 

63) wer net khümt tsu rahtar tsit, tdr müs hä, was 
ewrik plit. 

64) wer tsümd rok kamäht, es* pakhümt nie kb khetal. 

65) wit fäm ks ets ket älti kriekslit. 

66) wü fil es', wel fil äna. 

67) wü nil es', het tar kh^isar s raht farlöra. 

68) fes'ar, jäkar, fokalfaTjar säi ti iMfalsmiesikaif^ar. 

69) lie/itmas, s'päna larkas(a), rölla ärjar ti t^r, rdmasar 
arför. 

70) märtsas'ioip, äwarelaloip, mäialäha säi trei kyüti säha. 

71) khäs mäht s myl ms. 

72) kli^ ü kli/i ksält si kam. 

73) ti jür^a fökal liöra fä ta älta pfifa. 

74) ti kbein ü ti nära sdka ti wyorat. 

75) wie tar man es*, es* ks*er. 

76) Iilkana h»{ khürsti p6in. 

77) nüii päsa fäia kyüt. 

78) s*miers' kyüt, färs* kyüt. 

79) tie ros, wüta häwara mien fartiena, pakhüma na net. 

80) tswfei ry/ii s*täin mala nie kals räin. 

81) wän s am esal tsa wyol es*, kiöt ar üfs is ü tatst. 

82) wän tar töifal hütjarik es', frest ar rypa. 

83) was jür^k es*, es* myütik. 

84) was mar net e tar har; h^t, kha mar net h^wa. 

85) wie mar e ta wält s'reil, s*reils rys. 



II. D'zwäi Stiäfschwesterle ' 

von G. Gayelin. 

Z^Milhüse das, im Räbbärg züe, 
Dert isch, gar tiäf, dV Bäxer Brunne, 

Drüs ziäht me im e grosse Schüeh 
D'antaafte Kinder nf an d^Sunne. 

Nitt wit d'rvo steht o-n-e Hüs, * 

£ Häxle geht drinn i nn üs. 



1 Bezüglich der Prosasage sehe man Aug. Stöbers < Elsässisches 
Volksbüchlein >. — Supplement zum Sagenbuch. 

2 Im Anfang des zweiten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts, als 
der Kanal schon gegraben war, fand sich in Mülhausen, vor dem 



— 170 — 

^s hat dar nin Häfe dure gsäh, ^ 
Hat alle Tag zwelf Scheple trunke ; 

Hat o züem Bronne Achtung gä 
Un niämes lo d^r Schüeh dri tunke. 

Zwäi Mäidele hat^s salbst drüs gha, 

Aeis sis, als geht d^r Mann nur a. 

Was 's erste will, das wird em glängt, 
Fir's andere thüet se Rüethe kaufe ; 

In äim se d'schenste Kläider schänkt, 
Dochts andere müess in Lumpe laufe. 

Fir Guld nitt gab se, zäntnerschwär, 

Ihrs, 's andere fir e Zwätschge här. 

6ar mängmol sieht me 's arme Kind 
Am Rand vom tiäfe Brunne sitze, 

Wo's vom e Rocke Küder spinnt 
Bis d'Fingele si blüetig ritze, 

Bis es üs bäide Aeigle grint, 

Un's Stärneliächt am Himmel schint. 

Emol hat's Kind nitt Achtung gä, 
Losst s' Wirwele^ in^s Wasser falle, 

Do thüet d'Stiäfmüeter d'Rüethe näh, 
Schreit : « Wai-t ! di Boshäit müesch m'r zahle, 

< Gschwind ! üsse holsch's, enanderno s, 

< De derfsch m'r's nitt im Brunne lo. > 

Se pufft's un schlat's züem Brunnehüs, 
Tiäf müess es si dri awe näige; 

's lüegt fast si d'blaüe Aeigle üs, 
Doch will käi Wirwele si zäige. 

Jetz gitt se-n-em e arger Stoss, 
Plump . . . ! isch's bi 's Wasserwiwles Schloss. 



1 



Spiegelthore, über der Kanalbrücke, nur ein einsames Haus rechts 
an der Strasse. £twas weiter, in der Ecke der Altkircher Strasse, 
stund ein tiefer, offener, nicht mehr benutzter Ziehbrunnen, Bexer 
Brunnen genannt, der bald darauf zugeworfen wurde. Aus diesem 
Brunnen, hiess e», wurden die kleinen ungetauften Kinder der Stadt 
geholt. 

Wie manchmal warf ich nicht neugierige Blicke nach den Tiefen 
des Brunnens um die kleinen Kinder darin zu erspähen, wann ich 
mit meiner Mutter in die Reben ging. 

Die gleiche Rede galt vom Davidsbrünnlein. 

^ Sagt sich 7on Personen die schielen. 

2 Wirwele. Hölzernes Schräubchen am Spinnrade, das das Tritt- 
brett befestigt. 

3 Alsogleich. 



— 471 - 

Dert triffts e Wundergarte a, 
Wo dTegel nitt as Liädle dichte, 

Voll Rose, Jilgei, Tülipa, 
An alle Bäim voll Laub an Frichte. 

Gar liäwlig d^häitere Snnne schint, 

Doch's Mäidele das jomert, grint^. 

Um d^Nest, im gnldene Sanneglanz, 
Flattere kläine Kinderseele, 

Se hänn e Roseknospekranz 
Um^s Kepfle, in de Handle hehle 

Se BriäfleS diä am Gottebärg^ 

Znächst wachse, voller Zackerwärk. 

D'r Kirsbaam säit : < Was fählt d'r Kind ? 

< Liäb Mäidele ! thue^s Grine losse. » 

— «Mi Miäterle, das isch m^r find, 

< Hat mi in Branne awe gstosse. » 

— «Komm! will d^r e paar Kirse gä, 
« De kasch se in di Schirzle näh. > 

D'r Birrebadm : « Was filhlt d'r Kind ? 
« Liäb Mäidele! thüe^s Grine losse. > 

— «Mi Miäterle, das isch m^r find, 
« Hat mi in Branne awe gstosse. > 

— « Kamm ! will d*r e paar Birre gä, 
« De kasch se in di Schirzle näh. » 

Das isch e Jawel an e Gnass; 
So isch^s bi alle Bäim ergange. 

ün Zwätschge, Aepfel, Pfersig, Nuss, 
Gsicht me im kläine Firtüech * prange. — 

Jetz macht's zwäi Aeigle, kirbsegross, 

Denn — potz! 's steht am kristallene Schloss. 

DTrinzässin im e Stärnekläid 
Mit Parle, thüet am Fänster warte, 

Se sieht mi Mäidele an säit : 
« Liäb Kind, wiä kannsch du in mi Garte ? 

« Was fählt d'r ? Woram grinsch e so ? 

« Hat d'r ebbe ebber ebbes ^ tho ? > 



^ Lilien. 

2 Weinet. 

* Düten. 

^ Pathin. 

ö Schürze. 

6 Etwa jemand etwas. 




— 172 — 

— «Mi Miäterle, Frau Kinigin, 
« Hat mi in Bäxer Branne gstosse. 

« I bin-n-e arm, kläi Winnie, grin, 
« Wil mi d'r liäb Gott o virlosse. 

< Er hat m^r jo fir hinecht z^Nacht ^ 

« Noch niäne hie kai Bettle gmacht. » 

— < Kamm, Mäidele ! ins Nixe Hü8, 
« Kasch bi m^r ässe, schlofe, bliwe. 

< Doch sag zerst, mach kai Ghäimniss drüs, 
« Wo wottsch am liäbste d'Zit virtriwe ? 

«Eb' d'gärn bi Herr un Frau am Tisch, 
« Eb d'gärn bi Hindle, Kätzle bisch ? > 

— «Bi Hindle, Kätzle isch mi Wahl; 
« I bin mit allem härzlig z^friede. » 

Do nämmes Herr un Frau in Saal. 
E side Bettle isch em bschiede; 

Drinn schloft's bis d'Morgesunne Jacht, 
Isch erst am halle Tag virwacht. 

Me frogt's: «Vo Päch un Wackestäi 
«Wottsch d'Schese nur fir häime z'kumme? 

«Wottsch diä vo Guld un Aelfebäi?» 
« I will To Päch un Stäi se numme. » 

Gschwind spannt me d^guldene Kutsche i, 

Mi Mäidele stigt bschäide dri. 

Zwäi wisse Pfärd mit schnalle Fiäss 
Ziähn d'Kütsche dur d'r Wundergarte, 

Un alle Bliämle nicke Griäss, 
Am Wäg thiän alle Bäimle warte. 

's kummt z'Owe züe d'r Müeter Thor, 

's Stiäfschwesterle steht grad d'rvor. 

Lüt riäfts : « ! bidi, bidi ! bumm ! 
« Mi Schwesterle thüet Liädle singe. 

« Kumm wäidlig, Schwesterle ! o kumm ! 
< Guld, Silwer thüesch d'r Mänge bringe. 

« Ablade will i hälfe, kumm ! 

« ! bidi, bidi ! bumm, bumm, bumm ! > 

Nitt lang si 's alte Häxle bsinnt; 
Wo's gsieht diä viele schene Sache, 

Sait's wäidlig ^ züc sim äigene Kind : 
De müesch di o in Brunne mache; 

«Wirfs Wirwele dri un spring em no, 

« Bis iwermorn bisch wieder do. » 



^ Heute Nacht zu Nacht. (Gebräuchliche Wiederholung.) 



-* Eilig. 



— J73 — 

E wiäst, halsstarrig Kind isch^s gsie, 
Doch springt^s. — Kam knmt's züer Gartethire, 

So riäft^s scho : < Gsiehsch nitt war i bie ? 
« AUnng du ! gieb m^r Kirse, Birre ! » 

D'Bäim lache, bliwe riähwig steh, 

Un len^s sehen näwe dbre geh. 

Zletst knnnt^s o yor d'r Nixe Schloss: 
« AUnng dune ! ^ wäidlig, len mi ine. 

« 's schickt nitt si dass me warte loss 
« Wenn nimes gliche Lit erschine. 

< E Gastmohl här, e side Bett, 

« Un d'guldene Kutsch^ wenn's haim züe geht. » 

Doch d'Bronnekinigin V^cht^s üs; 
Mit Hund un Kätzle muess es ässe, 

Bekumt züem Schlofe 's Hindles Hüs, 
Isch niä bi Herr un Madam gsässe. 

D'harzige Schese spannt me a, 

Un ganz virpächt kunnt^s d^häime-n-a. 

Was d'Mueter, wo^s mit Schand un Spott 
Zruck kumme, gsäit, isch m^r entrunne; 

Lengst isch mi Uergrossvater todt, 
Wo*s gwisst, si awer nimme bsunne. 

Nur Hefligkäit macht liäb un wärth; 

D'r Grobhäit wird Virachtung bschärt. 



1 AUons donc. 



12 



1 



X. 



Hochdeutsche Dichtung. 



I. Die weisse Frau am Montorifelsen 

von R. Bargmaim 

in Oberhof bei Dossenheim. 

Xm wilden Gebirge, fast unbekannt. 
Ragt bis in der Wolken Gebiet, 
Ein kabler Felsen^ Montori genannt, 
Den düster der Wald umzieht. 

Gar einsam ist es so weit umher, 
Scheu eilt der Wandrer vorbei : 
Im Yolksmund lebt die alte Mär, 
Dass von Geistern bewohnt er sei. 

Einst irrte im schattigen Waldesgrün 
Ein Mädchen, jung noch und rein. 
Waldkräuter sucht es, die duftend hier blühn, 
Für 's kranke Mütterlein. 

Und plötzlich, wie durch Zaubergewalt 
Gewahrt sich's im Geisterbereich. 
Bald scheint es zu flüstern, zu kichern bald, 
Lind rauschen die Wipfel und weich. 



J 



— 175 — 

Das Kind, wie festgebannt mnss es stehn, 
Ein Schauer durchrieselt es kalt — 
Da steiget hernieder ans luftigen Höhn 
Ein Nebelbild in den Wald. 

Die weisse Frau! Doch flehendlich 
Ruft sie dem Mädchen zu : 
cDu reines Kind, erlöse mich, 
Gieb mir zurück meine Ruh ! 

Komm morgen wieder in früher Stund', 
Komm her zu derselbigen StelP ! 
Ich trag^ als Schlang' einen Schlüssel im Mund: 
Den Schlüssel entreisse mir schnell ! 

Und hast du den Schlüssel, so ist er dein, 
Der Schatz der im Felsen ruht. 
Doch dass du es wagtest mich zu befrein. 
Das bleibt dein herrlichstes Gut. 

Denn wisse, nicht länger verwünscht bin ich dann. 
Meine wahre Gestalt wirst du sehn. 
Gelöst hast du den verzaubernden Bann : 
Frei kann ich von hinnen gehn. » 

Die Erscheinung schwand. Nur ein Wölkchen weiss 
Schwebt leicht am Felsen hinauf. — 
Und andern Tags geht nach dem Geheiss 
Zum Walde des Kindes Lauf. 

Noch ist es dunkel; der Wald steht stumm. 
Bang späht das Mädchen umher. 
Doch plötzlich wendet' s erschrocken sich um : 
Es geht ihm der Atem so schwer. 

Denn sieh! Im dichten Moose sich rollt 
Eine Schlange, rot schillernd und grün : 
Im Munde hält sie den Schlüssel von Gold, 
Den das Mädchen ihr soll entziehn. 

Schon greift es danach : da sprühet ihm Glut 
Und Dampf in das Angesicht — 
Da flieht es eilig, es sinkt ihm der Mut : 
Der Verheissung denket es nicht. 

Von fern nur hört es, wie tiefbetrübt 

Eine Stimme leise verklingt: 

< Noch wächst nicht der Baum, der die Wiege giebt 

Für das Kind, das Erlösung mir bringt. » 



1 



— 176 — 

Der Montoi'i ist eine Bergkappe des Rückens, der vom Bären- 
kopf, nnd Sudel in die Ebene bei Rougemont und La Chapelle aus- 
läuft. Dort wurde mir im Juli 1884 die Sage von einem Holzmacher 
aus Stöcken bei Masmünster erzählt. Später fand ich dieselbe Sage 
in Stöbers Sagen des Elsasses, S. 3B, unter der üeberschrift : cDie 
weisse Dame von Rotenberg» wieder. 

Vom Montori ist in der Umgegend von Masmnnster noch der 
folgende Glaube in Bezug auf das Wetter verbreitet: Wenn*s trom- 
melt auf dem Montori, so giebt^s in der Zeit von 2 Stunden Regen. 
Auch erzählt das Volk : Wenn^s Changierung giebt vom Wetter, da 
kommt eine Kutsch (in der nach Einigen « die wissi Madam > sitzt) 
vom Montori und rasselt schön über den Marktplatz von Masmnnster 
in den Stiftshof. 



IL Mein Eisass 

von Christian Schmitt 

in Strassburg-Neudorf. 

Sei mir gegrüsst, du Elsass mein. 
Du Land am grünen Rheine I 
Wie liegst du da im Sonnenschein 
Gleich einem Edelsteine ! 

Stolz seh^ ich deine WasgenhÖhn 
Zum blauen Himmel ragen : 
Durch ihre Burgruinen gehn 
Viel duftig-fromme Sagen. 

Und in den weiten Wäldern wacht 
Erinnrung alter Zeiten : 
Mir ist, als bort durch Waldesnacht 
Druiden ernst ich schreiten. 

Das Thal bis hin zum Silberstrom 
Erglänzt in Segensfülle, 
Und in der Feme Erwins Dom 
Ragt aus der Nebelhülle. 

Stolz hebt er sein gekröntes Haupt, 
Bewacht des Landes^Weiten : 
Nichts hat ihm seine Pracht geraubt 
Im Wechselgang der Zeiten. 

Zu seinen Füssen, schlicht und recht 
Und fromm und treu und bieder, 
Siehst du das kräftige Geschlecht 
Der Allemannen wieder. 



— 177 — 

Mein Vaterland, wie könnt* ich ganz 
Und würdig dich besingen? 
Lass mich nnr diesen Ephenkranz 
Zu deiner Ehre bringen! 

und schenkt mir ein ein volles Glas 
Vom edlen Wasganweine : 
cAuf dein Gedeihen leer* ich das, 
Mein Vaterland am Rheine !> 



XI. 



Volkstümliche 



Feste, Sitten und Gebräuche 

in Elsass-Lothringen. 



188S. 



Auf den Aufruf in den «c Mitteilungen des Vogesenclubs 
Nr. 18» zur Sammlung von «Nachrichten über volkstümliche 
Feste, Gebräuche und Trachten», sind uns Beitrage übersandt 
worden von den Herren : Apotheker Gasser in Masmünster, 
G. Gayelhi in Rixheini, Regierungsbaumeister Schemmel s. Z. 
in Stossweiery Forstassessor Bargmann auf dem Oberhof hei 
Dossenheimy Gymnasialdirector Francke in Saargemünd und 
Director Erichson in Strasshurg. 

Ferner wurden wir durch die Güte des Herrn Bürgermeister 
Baumgartner in Markirch in den Stand gesetzt, ein getreues 
Bild der Tracht der Bergknappen von Eckkirch zu geben. Indem 
wir die Beiträge hiermit veröffentlichen, wiederholen wir unsere 
Bitte und hoffen wir durch alljährlich reichere Beiträge unserer 
Mitglieder eine für die spätere Zeit nicht unwichtige Sammlung 
von Material zusammenzubringen, dessen Bearbeitung Jeilern 
freisteht. 



— 179 — 

Sylvesterabend. 

Äfastnünater. — L^habitnde de tirer des conps de fnsil, de pis- 
tolet, an conp de minnit, existe toujonrs encore snrtout dans le 
peaple, et est obligatoire ponr an galant, qui va tirer 2 oa 3 coups 
de pistolet devant la fen^tre de sa belle. Cette habitnde existe dans 
presqne tous les villages de la valUe. — La veille dn nonvel an, 
c^est-ä-dire le jonr de la St-Silvestre, les gamins entrent dans les 
liiaisons on se pr^sentent devant les portes, en chantant sur nne 
m^lodie pen harmoniense et an rythme saccadd, le coaplet saivant, 
en langue allemande plns oa moins pure : 

Wir kommen doher, am Obend so spot 

Wir wünsche each alle */• e glückhaftigs Neajobr '/• 

Die ewige Fread, die ewige Frend 

Die Gott ans im Himmel bereit. {Gasaer.) 

Itixheim. — Das Jahr wird trotz polizeilichen Verbotes noch 
häafig angeschossen. Um Mittemacht wird Blei gegossen am den 
Berafsstand des Zukünftigen za erraten. (Gaydin.) 

Sto88weier (Monsterthal). — Das Neajahr wird angeschossen; es 
ist Freinacht. Das Liedersingen kömmt ab, doch gibt es noch einige 
alte Leute, die Lieder kennen and singen. Es werden lange Wecken, 
sogenannte Neujahrs wecken gebacken und in den Wirtschaften aus- 
gespielt. (Schemmel.) 

Eschburg (Kreis Zabern). — Das Jahr wird angeschossen. Neu- 
jahrswecken werden gebacken und von den Pfettern und Götteln den 
Patenkindem geschenckt, auch Abends in den Schenken ausgespielt. 

{Bargmann.) 

Oberhof (Kreis Zabern). — «Wenn man in der Sylvestemacht die 
Maulwurfshügel umstöst, kommen sie das ganze Jahr nicht mehr. » 

{BoA'gmann.) 

Neüingen (Kreis Forbach). — Das Jahr wird angeschossen. In 
manchen Orten werden um Mitternacht die Glocken geläutet. Es 
wird ein besonderes Gebäck gebacken, ein langer Kuchen, den man 
< Neujahr > heisst. Es werden auch Lieder gesungen, so wurde gehört, 
noch in französischer Zeit, das Uhland^sche Lied : < Ich hatte einen 
Kameraden », ferner folgendes : 

Ich ging einmal spazieren den grünen Wald hinzu, 

Da hört ich ein Waldvögelein. «Was pfeifest du so schön ?> 

«Ich pfeift an mein Herzliebchen, das ich verloren hab ! > 
< « Hast du^s die dein verloren und ich hab^ keine mehr, 

« « So gehen wir zusammen und machen ein Kränzelein, 
« < Ein Kränzelein von Violen, ein Kränzelein von Schnee. » > 

{Francke.) 



180 — 



Neujahr. 



Masmünster. — Glückwunsch: «Glückhaftiges Neujohr!» — 
Les bonlangers mettent en vente des bonshommes en päte, coinme 
k Strasbourg, soit un «Butterweck» ayant plus ou moins la forme 
d^un homme. La place des yeux est marquSe par deux raisins de 
Corinthe. {Grosser.) 

Stossweier hei Münster. — Neujahrsglückwunsch lautet : c GlQck 
und Gesundheit und alles was gut ist für Euch, oder alles was Ihr 
Euch selber wünscht.» {Schemmd.) 

Kaysersherg. — Mir kommen daher, 

In allen Gefehr, 
Mir wünschen in der Dam^ 
Ain schöne Krön ; 
Of das Johr 
Ain junja Sohn; 
das war ain guotes neies johr, 
ain freliche Zait, 
wie as Gott Vater im Himmel befrait. 

Was ich euch wünsch\ 

a schöna ronda Tesch, 

a schöna Platt voll Fesch, 

a schöna goldne WaTja. 

as der Herr mit siner Dama 

kann der Himmel nof fahra. {Erichson.) 

Eschburg. — Glückwunsch : « Ich wünsche Euch ein glückseliges 
neues Jahr, langes Leben, gute Gesundheit und was Ihr Euch selbst 
wünscht. » — Die Kinder, namentlich Yom Graufthal, gehen in die 
Häuser oder sagen unterwegs den Begegnenden folgenden Neujahrs* 
wünsch : 

«Ich wünsche Euch von Herzensgrund 
«Ein neues Jahr in dieser Stund, 
«Ein neues Glück, ein neues Leben, 
«Was Euch der liebe Gotte will geben. 
«Soll dieses Jahr das letzte sein, 
«So führ er Euch in den Himmel ein. 
«Das ist der Wunsch zum neuen Jahr 
« Komm, liebster Jesus, mach es wahr ! 

Ein anderer scherzhafter Spruch lautet : 

«Ich wünsche dir ein glückseliges Joahr 

«Und e Rückkorb von Geisehoar 

«Und e Bretzstel wie e Schienthor 

«Und e Hobel an's Ohr.» {Bargmann.) 

Neüingen — Glückwunsch : « Ich wünsche Euch ein glückliches 
neues Jahr, lang zu leben und eine gute Gesundheit und zuletzt den 
Himmel. » 



— 181 — 

Drei Königstag. 

Masmünster. — II y a 10 ou 15 ans environ, c*est-ä-dire avant 
rannexion, 3 enfants de choenr, costnm6s^ rnn k face noircie, allaient 
de maison en maison, chantant des cantiqaes allemands. L^nn d'enx 
portait nne immense 6toile en carton qnUl faisait tonmer an moyen 
d^nne ficelle, T^toile 6tant fix^e h. nne ponlie, fix6e elle-m^me h nn 
fort bäton de 2 ä 3 m^tres. Cette contnme tend k disparattre com- 
pletement. 

Les bonlangers distribnent k lenrs clients le < g&tean des rois ». 
L'habitnde de tirer an sort ponr avoir la feve dn g&tean des rois et 
de boire h sa sant6 n^existe pas ici. — Dans la partie frangaise voi- 
sine {territaire de Belfort), cette contnme existe. En raison dn voisi- 
nage, eile est connne, mais n^est pas pratiqn^e ici. (Grasser.) 

Mixheim. — Der Umzng der drei Könige hat noch immer statt, 
hauptsächlich in den katholischen Ortschaften. Von ihren weniger 
bekannten Liedersprüchlein lantet eines : 

D'hailige drei Kinig mit ihrem Stärn 
Diä snffe nn frässe nn zahle nit gärn. 

• 
JRixheim. — Der Gebranch der Dreikönigsknchen mit einer 
Bohne darin, nm einen König auszulösen, findet nnr noch selten statt. 

{Gayelin.) 

Stossweier hei Münster. — Nnr bei den Katholiken gehen ver- 
kleidete Kinder in Chorkleidem mit Stab und Stern hemm, singen und 
betteln. In Familien wird der Dreikönigskuchen gebacken mit einer 
Bohne darin; in wessen Stück die Bohne gefunden wird, ist König 
und mnss etwas zum Besten geben. (Schemmel.) 

Kaysersherg. 

Drei König' mit ihrem Stern, 

Sie krachen die Nüsse 

Und essen die Kern\ 
Sie reisen mit n'ander ein Berglein auf, 
Sie sehen ein Sternlein oben am Haus, 
Sie reisen mit n'ander ins Haus hinein; 
Sie finden das Kind im Krippelein, 
Ganz nacket und blott; 
Die Maria hebt's in ihrem Schoos, 
Der Josep zieht sein Hemdle aus. 
Die Maria schneidet drei Windle draus, 
Sie wickelt's in eines nein ; 
Wir kochen dem Kind ein MUsselein. 
Wann das Müsselein war gössen, 
Haben wir unsern Herr Jesus erwart. 

{Erichson.) 



n 



— 182 — 



Uschburg. — Die drei Könige ziehen von Pfalzbarg kommend 
vom 5. bis 7. Jannar in der Umgegend herum und übernachten an 
zwei Nächten, eei es in Schönburg, Eschbnrg oder GraofthaL Einer 
hat schwarze (bemsste), die andern beiden rot angemalte Backen. 
Alle drei sind mit weissen Kleidern angethan, mit Bändern ansge- 
pntzt, tragen Papierkronen, der Mohrenkönig eine besonders schöne, 
auf den Köpfen und in den Händen Stöcke, die mit Bändern umwan- 
den sind. Der eine weisse König hat am Stecken einen beweglicheo 
Stern. Er dreht, nachdem der Mohrenkönig den Vers gesagt, den 
Stern und während dem sammelt der Mohrenkönig ein. Das laed, 
das sie singen, ist bereits mitgeteilt in Alemannia^ 1881, S. 34 

(Bargmamv.) 

NeUingen. — Die drei Könige ziehen herum und singen folgen- 
des Lied : 

«Nun macht euch auf, ihr Könige, und sparet keinen Gang. 
«Es ist ein Kind geboren, das uns löset von der Sünde Bann. 
« Zu Bethlehem im Stalle, da halten's Maria und Joseph auf ihrem 

Schoos. 
«Ach eilet nur dahin, dort findet ihr Ruhe und Trost. 
« Ach eilet nur dahin, der Slern dort an dem Himmel der soll euer 

Führer sein,> 

Besonderes Gebäck wird gemacht, ein Kuchen, in dem sich eine 
Bohne befindet. Der Kuchen wird am Dreikönigstage gegessen, das- 
jenige Glied der Familie, welches die Bohne bekommt, ist König. 

In der Gegend von JDiedenhofen wird kein Dreikönigskuchen ge- 
backen, sondern am Vorabend des Dreikönigstages nimmt der Haus- 
vater nach einer guten Mahlzeit so viele Erbsen als Familienmit- 
glieder und noch zwei mehr. Eine Erbse wird schwarz gemacht. Die 
Erbsen werden auf einen Teller gelegt und vom Hausvater in die 
Höhe gehalten. Das jüngste Glied der Familie nimmt nun Erbse nach 
Erbse vom Teller und legt sie auf den Tisch. Bei der ersten sagt 
er : « Die ist für unsern Herrgott > ; bei der zweiten : « Die ist für 
die Muttergottes » ; bei der dritten : « Die ist für den Vater, dann 
für die Mutter und für die Kinder dem Alter nach, zuletzt die übri- 
gen Glieder, Knechte, Mägde u. s. w. Dasjenige Glied, das die schwane 
Erbse bekommt, ist < König >. Wird aber unser Herrgott oder die 
Muttergottes König, so wird nochmals gezogen, bis eins aus der 
Familie König wird. In vielen Familien muss der König der ganzen 
Familie einen süssen Wein zum Besten geben. {Francke.) 

St'Blasientag (3. Febr.) werden in Eschburg die Hälse eingeweiht, 
damit man kein Halsweh bekomme. [Bargmann.) 

Fastnacht. 

Masinümter, — Le mardi-gras, on mange dans toutes lesmai- 
sons bourgeoises du lard et des quartiers de pommes, « schnitz ». 
C'est de rigueur. [GasBcr) 



— 183 — 

Rixingen, — Donnerstag vor Estomihi « schmutziger oder 
Sdmitz-Dnnstig >, weil ein Hauptgericht dieses Tages gedörrte 
Schnitze mit Speck sind. (QayeUn.) 

Stassioeier bei Mütister, — Sonntag Estomihi heisst Herrenfast- 
nacht und wird von den Katholiken gefeiert. Montags wird nicht 
gearbeitet. Bauemfastnacht am Sonntag. 

Invocavit, wird von den Protestanten gefeiert. Am Donnerstag- 
8 Tage nach Aschermittwoch, werden Eüchlen gebacken und die 
Fastnacht vergraben (in Form einer Strohpuppe). An der Bauemfast- 
nacht werden Torten, Pasteten, Küchlen in Oel und Butter und 
Apfelküchlen gebacken. (SchemnuH,) 

OberhaiHach. — Am Sonntag Estomihi, dem Küchlesonntag, wird 
ausserhalb des Dorfes auf einer Höhe ein Feuer abgebrannt. Man 
schneidet dünne Scheiben aus harzigem Holze, macht sie glühend 
und schnellt sie mit einem Stäbchen in die Luft ; dabei wird gesungen : 

« Schiwog, Schiwog 

< Die Schieb hob i gemoht 

« Se fahrt über den Rhin 

«Kommt wider herin 

ffN. N. (Name des Schatzes) 

«In's Lädle rin. > iMündd.) 

Eschburg. — Der Sonntag Estomihi heisst hier Küchlesonntag, 
weil die Fastenküchlein gebacken werden. 

yeUingen, — Donnerstag vor Estomihi heisst «Fetterdonner, 
stag». — Estomihi : € Fastnachtsonntag». Die jungen Leute machen ihren 
Liebsten die Küche, d. h. sie gehen unvermerkt in die Küche und 
stellen alles in die grösste Unordnung. Manchmal führen sie auch 
das Vieh aus dem Stalle in die Küche. {Francke.) 

Aschermittwoch. 

NeÜingefi. — Es wird an diesem Tage «mager gemacht», d. h. es 
wird kein Fleisch genossen. In der Kirche werden geweihte Aschen 
ausgeteilt, daher der Name des Tages. {Francke ) 

Invocavit. 

In der Gegend von DiedenJtofen heisst der Tag «Beiersonn- 
tag». An diesem Tage wurde früher ein grosses Feuer angezündet, 
zn dem die jungen Leute das Stroh sammelten. Das Feuer wurde 
niit einer Pistole angeschossen, um das Feuer herum tanzten die 
Burschen und Mädchen. Nach dem Erlöschen des Feuers wurden 
dann die « Lenchen » ausgerufen, d. h. die jungen Leute wurden ge- 
paart. Dem Burschen oder Mädchen, dem der Schatz nicht gefiel, den 
es bekommen hatte, nahm etwas Stroh und verbrannte es; dies 
sollte heissen : es verbrennt seinen Schatz. {Francke.) 

Rixheim. Sonntag Mitfasten heisst Jungfrauenfastnacht. In vielen 
Ortschaften um Rixheim ist es Gewohnheit, dass sich die jungen 



— 184 — 

Leute zu den Bekannten begeben, die ledige Töchter haben. Von 
diesen werden sie dann, besonders wenn sie die Fastnacht mit ihnen 
getanzt haben, mit < Jangfrauenküchlein » bewirtet. In den Schenken, 
in denen sich ledige Töchter befinden, findet die gleiche Bewirtung 
der Stammgäste statt. (GayditL) 

Palmsonntag. 

Masmünster. * — Les rameaux b^nis sont mis en vente, principale- 
ment par les enfants des villages voisins, au sortir de Toffice on 
grand^messe. Ces rameaux sont faits avec des branches de houx, de 
sapin et de baguettes de coudriers, r^unies au moyen d'un lien, le 
tout piqu6 ä un bäton de coudrier de deux m^tres au moins de 
hauteur. Ce rameau böni est plante dans le verger ou le potager, 
et souvent encore conserrö dans la maison, T^curie, pour pröserver 
de la foudre. Lorsqu^une vache est malade^ les paysans lui donnent 
parfois quelque peu de ce rameau b^ni, soit avec du sei, soit associe 
ä de Yulgaires mSdicaments. {Gasser.) 

Bixheim. — Die Palmen werden aus Buchs oder Stechpalmen ge- 
fertigt, an etwa meterlangen Stöcken befestigt und mit einigen 
Butterbretzeln behangen. Nach der Einsegnung werden sie im Hanse 
aufgestellt, um gleich dem Agathenzettel ^ vor Feuer und Hexerei 
zu schützen. (GayeUn.) 

Stossweier hei Münster. — Es werden Büschel aus Stechpalmen. 
Buchs, Lebensbaum auf einen Stock gebunden, in der Kirche geweiht 
und nachher die Zweigchen im Hause verteilt, in Stall, Kamin, 
Schlafzimmer, hinter dem Crucifix etc. (Schemmd.) 

Heüighreuz. — Dem letzten, der die Kirche yerlässt^ werden die 
Palmen auf den Kopf geschlagen ; er wird c Palmesel > genannt. 

{Bargnumn.) 

Eschburg. — Die Palmen werden aub Tannen gewunden, und in 
der Kirche eingesegnet. Sie werden bei Krankheiten des Viehes auf 
dasselbe gelegt, und bei Gewitter verbrannt, um den Blitz abzn- 
lenken. 

In Sufflenheim und HeiUgkreuz wird in Stücke gespaltenes HoU 
mitgenommen, vor der Kirche zusammengesetzt und angebrannt- 
Nach beendigtem Gottesdienste wird das Feuer ausgemacht, ange- 
kohlte Scheite nach Hause getragen und unter das Dach gesteckt, 
damit cdas Wetter nicht einschlägt>. {Bargmann.) 

NeÜingen. — Palmen aus Buchsbaum werden gesegnet und diese 
über die Haus- und Stallthüren gesteckt, auch in den Gärten und 
Aeckem, die mit Waizen bebaut sind, aufgepflanzt. Manche Männer 
tragen ein Zweiglein am Hute. Die gesegneten Palmen schützen 
gegen alles Unglück und gegen Hexerei {Francke.) 

Karwoche. 

Masmünster. — Quand le pr^tre brüle devant Vöglise le coton qoi a 
servi aux saintes huiles (ä TextrSme onction), et qu^l jette dans le 

1 Abgedruckt in Mitleil. d. V. C, Nr. 15, S. 46. 



— d85 — 

fen le reste de ces saintes builes, qai sont renouveUes cbaqae ann^e, 
le peaple, les gamins sartont, disent : der Jad verbrenne. 

{Gasser.) 

Rixheim. — Besondere Gericbte : am Gründonnerstag Spinat nnd 
Eier, am Cbarfreitag Stockfisch und Karpfen mit Nudeln. 

(Gayelin.) 

Stossweier bei Münster. —Cbarfreitag — Es wird kein Fleisch ge- 
messen. Am Grandonnerstag werden Sengnesselküchlein gebacken. 
Wenn am Cbarfreitag zwischen 11 nnd 12 Uhr Mittags Blamensamen 
gesäet wird, so geben die Blamen gefüllt nnd in mannigfaltigen nnd 
seltenen Farben auf. {Schemmel.) 

Eschburg, — Am Gründonnerstag isst man neunerlei grüne Ge- 
müse. {Bargmann.) 

Neüingen. — An den drei letzten Tagen der Charwoche darf keine 
Fleischspeise gegessen werden. Am Cbarfreitag auch keine Eier. 
Nach der Messe am Cbarsamstage, wenn das Halleluja gesungen ist, 
< wackeln die Schinken im Schornstein ». Am Charsamstage vor der 
Messe wird ein Feuer auf dem Kirchhofe oder neben der Kirche an- 
gezündet. Das Feuer wird vom Priester gesegnet und mit dem so 
geweihten Feuer die Kerzen in der Kirche angezündet. Im Volke 
heisst das Feuer < Judasfeuer», und man sagt: der ungetreue Apostel 
wird verbrannt. {Francke.) 

Ostern. 

Masmünster. — On mange dans toutes les maisons des v^ques 
faites par les boulangers sous forme de miches rondes (Osterlaiwele). 

{Chisser.) 

Bixingen. — In manchen katholischen Gegenden ist es Gebrauch, 
sich ein glückseliges Halleluja anzuwünschen. Ostereier werden ge- 
sucht. {Oayelin.) 

Stossweier bei Münster. — Es werden Ostereier gefärbt und unge- 
färbt gegessen. Figuren aus Zucker, Männer und Thierfiguren; in 
den Scheunen werden Nester gemacht, und wie man den Kindern 
sagt, legen die Hasen ihre Eier hier hinein ; die Kinder werden mit 
Stöcken vor eine Wand gestellt, und sollen hier den Hasen heraus- 
schlagen ; inzwischen legt man rasch die Eier in die Nester. 

{Schemmei.) 

Eschburg. — Ostereier werden gesucht. {Bargmann.) 

Neüingen. — Geförbte Ostereier werden verteilt. Man sagt, die 
Sonne tanze in der Frühe. {Francke.) 

Walpnrgistag. 

In Lautenbach im Lauchthale findet noch das Mailäuten statt. 

{Oayelin.) 

Eschburg. — Das bekannte Maikäferlied wird oft scherzweise mit 
folgender Yaiiation gesungen : 

« Der Vater is im Wirthshüs 

«Und süft alle de kleinen Gläser üs.» 

(Bargmann.) 



— 186 — 

NeUingen, — Am Abend vorher werden die Häuser mit Weihwasser 
besprengt zum Schutze gegen Hexerei. (Frandce.) 



Pfingsten. 

Bixheim. — Der Umzug des Pfingstmannes (Pfingstflitteri), auch des 
Sommers und Winters wird noch hie und da durch Kinder veran- 
staltet, um Gelder einzusammeln. (Gaydin.) 

Eschburg. — Grüne Pfingstbäume < Pfingstmaien > werden gesetzt, 
meist Birken, auch in Weissenburger Gegend und in Sesenheim. 

Pfingstquack wird hier und in Suffletiheim der Gebrauch ge- 
nannt, wobei ein vermummter oder auch nur mit Besenpfriem (Reh- 
haide) geschmückter Bube, der einen Rück-Tragkorb tragt, von 
anderen Buben, die singen, von Haus zu Haus gefuhrt wird. Man 
sammelt Gaben ein. In Sufflenheim nennt man dies c Pfingstbatz >. 
Doli; sind die Buben mit Laub geschmückt. 

Pfingstquacklieder sind : 

De Pfingschte trocken und nass 

Bringt uns viel Laub und Grass. 

Wir hören die Schüsselein klingen, 

Was werden die Jungfrauen jetzt bringen ? 

Gott behüt^ euch, Gott dank' euch, ihr ehrlichen Lent. 

Ihr haben uns geben ein Gockel oder zwei.» 

(Graufthal) 

Jetzt kommen die armen Busfahrers Knecht, 

Die wollen auch haben das Pfingstenrecht. 

Eier heraus! Butter heraus! 

Oder es bleibt keine schöne Jungfer im Haus. 

Thut euch nicht verdriessen, 

Lasst das Messer hineinschiessen. — 

Rund ist der Apfel, braun ist der Kern; 

Gell, Spitzbu, einen Menschen hättest gern? 

Nein, Kalfakter, mich musst fragen, 

Wenn d* einen Menschen willst haben.» 

(Graufthal ) 
Fli unten nüs, fli oben nüs ; 
Heb alle blotte, blinde Vögel üs.» 

{Müschdorf bei TTeissenburg.) 

Mutter gibt uns ein Stückchen Speck 

Ton der Seite der Moore weg, 

Nit zu klein und nit zu gross, 

Dass es uns den Habersack nit verstosst.» 

{Mitscüidorf.) 

Eier und Speck herüs: 

Sonst schlag ich 's Hirn zum Kopf rüs.» 

(Eschburg.) 



— 187 — 

Johannistag. 

Mfismünsier. — La coutnme de faire des feux de joie, ou fenx de 
St-Jean, est perdae; j*en ai va il y a 2ö on 30 ans snr les hantenrs 
qui dominent le petit yillage. 

Par contre, la contnme de faire de Feaa de noix, cNusswasser», 
ayec des cerneaux, de la cannelle, de la noix mascade, persiste tou- 
jours. C^est une panacee universelle qn^on conserve avec soin dans 
chaqne manage. (Gaisser.) 

Fdleringen. — Alljährlich brennen zahlreiche Johannisfener auf den 
Bergen im ganzen oberen St. Amarinthal. Das Holz wird von den 
militärpflichtigen jungen Leuten des Dorfes gesammelt und auf den 
Höhen zu hohen Holzstössen, die von einem in der Mitte stehenden 
Tannenbaum überragt sind, aufgeschichtet. Das Holz liefert auch 
in einigen Gemeinden die Gemeindeverwaltung. Die Jugend sammelt 
sich um das Feuer, singt, schiesst, und hält Umschau nach den 
übrigen Feuern. Der Anblick der rings auf den Höhen lodernden 
Flammen ist überaus malerisch. (Mündel,) 

Bixheitn. — Wie bei Pfingsten, wird auch nur noch durch Kinder 
Holz und Geld gesammelt, um ein Feuer anf einer Anhöhe anzu- 
zünden und dabei zu schiessen. Selten ist es eine Belustigung von 
Erwachsenen. — Nusswasser wird noch immer angesetzt. 

(Gaydin.) 

Urbets. — Im Weissthal um Urbeis brannten ebenfalls auf den 
Bergen Feuer. In das Feuer wird etwas Geweihtes, z. B. vom Palm- 
sonntag aufbewahrte Palmzweige geworfen und zwei Aeste darauf 
geworfen, um dicken Rauch zu erzeugen. Durch diesen Rauch wird 
das Vieh getrieben, um dasselbe das Jahr über vor Krankheit und 
vor den zaubernden Hexen zu schützen. 

{El8,'Lothr. Landeszeitung 26/6 85.) 

Am Johannistage Mittags 12 Uhr werden die ersten Nüsse ge- 
pflückt, um das Nusswasser anzusetzen. (Ebendctselbst.) 

Stossweier bei Münster, — Feuer brennen auf den Bergen, jedoch 
nur bei den Katholiken ; es wird Leseholz im Wald hierzu geholt 
Am Johannistage wird das Nusswasser angesetzt. {Schemmei.) 

Eschburg. — An diesem Tage wird Endiviensalat gesäet, damit er 
nicht schiesst. Nusswasser wird angesetzt. {Bargmann) 

NeUingen. — Die Wunderdoctoren sammeln an diesem Tag, zwischen 
11 und 12 Uhr Mittags, ihren Bedarf an Heil-Kräutern. Nusswasser 
wird angesetzt. Die Nüsse müssen Schlag 12 Uhr Mittags gepflückt 
werden. Es gilt dann als Universalmittel gegen alle Krankheiten. 

(Francke.) 

Michaelis. Martini. 

Masmünster. — C'est encore ä cette Spoque que les fermiers ont 
lliabitude d'apporter les fermages, de payer les termes et les loyers 
des terres. (Gasser.) 

Stossweier bei Münster. — Am Michaelistage kömmt das Vieh von 
den Bergen. (Schemmei.) 




— 188 — 

Eschburg. — «Am Michelstag sind die Qeise böckig.» 

{Bargnumn.) 

NdUngen. — An diesem Tage thun die Bauern mit den TaglÖhnern 
und Handwerkern abrec>inen; alle Schulden sind fallig. 

Weihnachten. 

Rixheim, — Zwischen Christ- und Dreikönigstag finden, um Geld 
einzusammeln, in verschiedenen Orten noch Umgänge und kleine 
scenische Vorstellungen statt, als : Das Opfer Abrahams (zwei Per- 
sonen), der Sündenfall Cfünf Personen), deren Witze oft sehr derb 
sind. (GayeUfL) 

Stossweier bei Münster. — Man erzählt den Kindern Yom Christ- 
kindle; es erscheint ein Vermummter, der «Biggesel», französ. 
Croquemitaine (Hans Trapp) genannt wird, als Schreckgestalt far 
die Kinder; er belohnt die braven und straft die unartigen. Es 
werden Schnitzwecken gebacken, die den Namen < Hofgail >* fuhren ; 
es werden Weihnachtsbäume mit Kerzen, goldenen und silbernen 
Nüssen und Aepfeln geziert. 

Das Zwiebelorakel wird ausgeführt, siehe unter Oberhof. 

Auch heisst man die Tage mit dem Christfest beginnend «Loos- 
tage» ; wie nämlich das Wetter am Christfest ist, so wird der Januar, 
wie es am Stephanstag ist, so ist der Februar u. s. w. 

Jungfrauen giessen in der Christnacht Blei. In der Christnacht 
wird ferner Farnblustsamen (Samen der Farne) gesammelt und als 
Hausmittel das Jahr über gebraucht. {Schemmd.) 

Eschburg, Dossenheim. — Am 23. December wird hier die «Sperz- 
nacht» abgehalten, in Dossenheim c Sperrnacht» genannt^ weil die 
Frauen, die sonst spinnen, das Spinnrad gesperrt bekommen, was in 
Dossenheim und Emolsheim, wo noch richtige Kunkelstuben gehalten 
werden, auch geschieht; das Spinnrad bleibt dann über die Feie^ 
tage gesperrt. — In Schönburg, Eschburg, Graufthal kommt man 
häuserweise, d. h. immer einige befreundete Familien zusammen, mn 
gemeinsam zu singen, erzählen und essen. Die Buben bringen Schnaps, 
Wein und Bier, die Maidle Küchle, Häring mit. Um Mitternacht wird 
schwarzer Ka£Fee getrunken und gegessen. Vermummte mit grossen 
Barten (Hans Trapp; gehen auf der Strasse herum, kommen in die 
Häuser und tanzen. Am 23. December 1885 wurden in Eschburg fol- 
gende Lieder gesungen : «Wenn *s Liedel einmal gesungen ist.» — 
< Ich ging wohl bei der Nacht. » -> < Es wollt ein Maidlein in der 
Früh, aufstehen.» (Brombeerlied.) — < Mama, Papa, da draussen steht 
ein Elnabe.» 

Am 24. Dec. erscheint hier der Hans Trapp, auch cMüUewitx» 
und « Rüpelz » genannt, und das Christkind ; ersterer verkleidet mit 
langem Bart und grossem Knittel. Die Kinder müssen Lieder vor- 
singen und bekommen dann vom Christkind Geschenke. 

Eschburg. — In der Weihnachtsnacht soll man die Bäume, weiche 
nicht viel getragen haben, schütteln, damit sie mehr geben. 



— 489 — 

Oherhof. — Ein anderer Gebrauch in der Weihnachtsnacht ist fol- 
gender: Man kerbt zwölf Zwiebeln, von denen jede einen Monat be- 
dentet, ein nnd thut Salz in die Kerben. Die Zwiebeln werden der 
Reibe nach aofgestellt. Schmilzt das Salz in den Zwiebeln^ so be- 
deutet dieS; dass der betreffende Monat ein nasser wird, im Gegen- 
teile ist der betreffende Monat ein trockener. {Bargmann,) 

NdUngen. — Am Christtage wird ein Gebäck in Gestalt von Män- 
nern oder Tieren gebacken, die man «Hnphäschen» nennt. 

In der Weihnachtsnacht wird das oben beschriebene Zwiebel- 
orakel angewandt. (Fruncke.) 

Spinnstube (Kunkelstnbe, Meienstube). 

Masmünster. — «N^existe pas ici. » {Gaaser.) 

In Doasenheim nnd Emolshem werden jeden Winter Spinnstnben 
abgehalten. {Bargmann.) 

Stosaweier bei Münster. — Spinnstnben werden nicht mehr gehalten. 
Früher 30—40 Theilnehmerinnen. Gesang nnd Spiele. {Schenmiel) 

NeUingen nnd umliegenden Dörfer werden Spinnstuben abge- 
halten. 

EmoLsheim. — 14. Jan. 1886. Die Eunkelabende werden mit Aus- 
nahme von Samstag und Sonntag im Winter fast täglich in Anwe- 
senheit der Burschen in dem einen oder andern Hause wandernd 
abgehalten. Die Burschen sollen eigentlich die beim Spinnen vom 
Werg abfallenden Eulen-Wergteile den Mädchen von den Schürzen 
abschüren, «damit sie auch wissen, weswegen sie da sind». Die Mäd- 
chen sitzen an einem langen Tische jede mit einem neuen Spinnrade, 
auf dem der Knnkelstab mit bunten seidenen Bändern geschmückt 
wie eine Standarte fast bis an die Decke reicht. Die seidenen Bänder 
erhalten die Mädchen von ihren Conscrits. Beim Spinnen werden 
Lieder gesungen, so z. B. : «Ich habe den Frühling gesehen.» — 
«Die Sonne neigt sich nieder.» — «Als wie ein Yöglein lebt^ ich.» — 
«Aber jetzt ist alles öde, trüb um mich her.» — «0 wie schön zum 
Hörnerklang, tönt des Jägers Waldgesang.» — lA, B, C, wenn ich 
dich seh.» — «Juchhei 's Grethel wird jetzt glücklich, denn es kriegt 
ein Handelsmann.» — «Soll ich euch mein Liebchen nennen?» — 
«Es klopft, wer ist draussen?» — «Eine sehr betrübte Maid.» — 
«Jetzt kommt der Feierabend, alles schläft schon in Ruh.» — Zwi- 
schen durch wird ein gemeinsamer Gang durch das Dorf gemacht 
und dabei ein Lied gesungen. Bei der Rückkunft wird schwarzer 
Kaffee getrunken. Schliesslich werden die Spinnräder weggestellt und 
Spiele gespielt oder getanzt. {Bargmann) 

Yerlobnngeii, Hochzeiten. 

Stoasweier bei Münster. — Es wird ein Handstreich gehalten und 
tüchtig gegessen. Wenn der Bräutigam eine Schwester oder Cousine 
hat, so kauft diese den Brautkranz; der Bräutigam kauft seiner 
Braut Röcke, den Laderock zum Einladen, den sogenannten «Zinstig- 
rock» für den Tag nach der Hochzeit. Dies alles wird in einen Korb 

13 



J 



— 190 — 



gepackt, eyentuell noch Schmucksachen tind Stoff zu Kleidern etc. 
beigepackt und der Braut feierlich übergeben ; dann erst wird der 
Tag der Hochzeit bestimmt. Die Braut ladet ihre Freundinnen zni 
Besichtigung der Herrlichkeiten ein. Der Bräutigam, € Hochzeiter > 
genannt, wie die Braut < Jungfer Hochzeiterin » heisst, erh&lt Hemden, 
Halstücher, ein Gilet, etc. 

Zur Hochzeit geht es zu Fuss im Zuge in die Kirche und 
ebenso heraus. Bei den Hochzeiten wird geschossen und ein tüch- 
tiger Hochzeitsschmaus gehalten; wer nicht kann, kommt Abends 
oder andern Tags. 

Andern Tages wird ein Ausflug gemacht und gehen die Klein- 
thäler nach dem Grossthal, die Grossthäler nach dem Sulzbach. 

(SchemmeL) 

Eschburg, — Die meisten Hochzeiten werden Dienstags und Donner* 
stags gehalten. Die Schuhe und die Strumpfbänder der Braut werden 
versteigert und von dem aus den Schuhen gelösten Geld Zuckerwein 
gemacht. Das Geld, welches aus den Bändern gelöst wurde, bekommt 
die Braut [Bargnumn,) 

In Obersteinbach und Bimbauih bei Masmünster werden der Braut 
die Schuhe versteckt. {Bargmann.) 

Emölsheim. — Die Brautjungfern «SchmoUjungfem» genannt, haben 
die Aufgabe der Braut die Strumpfbänder zu hüten. Der Brautfahrer 
raubt sie aber doch, d. h. er hat ein anders Band in der Tasche, 
welches er für das der Braut ausgibt. Er hebt es hoch in die Höhe, 
es allen zeigend. Die SchmoUjungfem werden dann vom Hoch- 
zeiter gescholten. Das Strumpfbund wird zerschnitten und kurz ror 
Schluss des Essens gehen drei Teller herum, einer mit den Stücken 
des Strumpfbandes^ der andere mit Stecknadeln. Jeder Hochzeita- 
teilnehmer muss sich ein Stück anheften. Auf den dritten Teller 
legt er ein Geldstück. (Bargmatm,) 

Tanfe. 

Stosstoeier hei Münster, — An der Taufe wird geschossen, unter die 
Kinder werden Zuckererbsen verteilt. 

Todesfall. 

Stosstoeier bei Münster. — Es wird fast wie bei einer Hochzeit ge- 
trunken und gesungen, wenn die Leidtragenden lange beisammen 
sitzen. Weiterher kommende Leidtragende sowie die Träger bekom- 
men ein Essen. Diese Essen werden meist im Wirtshaus abgehalten. 
Die Gemeindeangehörigen der eigenen Gemeinde kommen in der 
Regel nicht zum Essen, nur die weiter herkommenden. Diejenigen, 
die beim Kranken gewacht haben, bekommen ein Andenken an den 
Verstorbenen, ein Kleidungsstück etc., die Leichenfrau erhält ein Hemd. 

(Schemmd.) 
Säen, Ernten. 

Stosstoeier bei Münster. — Man achtet sehr auf die Zeichen, in 
denen man säen und ernten muss. Sät man z, B. die Gelbenröben 
im Zeichen des Fisches, so werden sie glatt, während sie im Zeichen 
des Krebses stachlich werden. 



— 191 — 

Tracht. 

Masmünster, — Les costnmes popalaires ont dispam chez les 
hommes et cbez les femipes, c'est k peine si le village d' Oberburbach 
a conservö ponr coiffare feminine un petit bonnet special, sans goüt, 
avec petita rnbans, et ponT coiffure masculine, nne casquette ä large 
snrface. {Gasser.) 

Münsterthal. — Die Tracht im Kleinthal ist am Aussterben; es 
werden noch schwarze Mieder getragen mit viereckigem Ausschnitt, 
darnnter das weisse Hemd. Schwarze Röcke und schwarze Schürzen. 
Die kleinen Hauben mit Bändern heissen «Nebelkappen» ; eine ältere 
Art von Häubchen hiess «Bodenkappen». (Schemmeh) 

Markirch. — üeber die Tracht der Bergknappen in Eckkirch, s. die 
Abhandlung von Löper und das Trachtenbild. 

Das Eiergpringen in Rixheim. (Noch in verschiedenen 
Orten des Sundgaus gebräuchlich.) 

Die jungen Leute, die sich im Laufe des Jahres zum Militär zu 
stellen haben, sammeln am Ostertage Eier ein. Am folgenden Tage 
teilen sie sich in zwei Parteien, die eine mit roten, die andere 
mit blauen Bändern verziert, jeder hat einen weiQS gekleideten 
Springer mit den farbigen Bändern seiner Partei ; so durchziehen 
sie in Begleitung vop Musik die Ortschaft. Dann werden die Eier 
auf eine gewisse Strecke gelegt (vom Gemeindehause bis zum Stock- 
bninnen). Während der Springer des einen Teils die Eier, eines 
nach dem andern, einsammelt und zusammenhäuft, muss derjenige 
des andern sich an einen vorbestimmten Ort und wieder zurück- 
begeben (die Station in Habsheim). Derjenige, der seine Aufgabe zu- 
letzt erledigt, verliert und seine Partei hat der andern die Zehrkosten 
der Schmauserei, bei der die Eier verspeist wenden, zu entrichten. 



^ 



XII. 



Kleinere Mitteilungen 



I. 

Ueber die Hohenkönigsburg finde ich in dem Dia- 
rium des Basler Gaplans Hans Knebel folgende Notiz zur Mitte 
des Jahres 1479 (Basler Chroniken, Bd. III^ pag. 265) : «:Eodem 
tempore dominus Oswaldus de Tierstein evacuavit castra sua in 
Tierstein et Pfefßngen, vendidit etiam ligna, que ibidem habuit 
desiccata ; quid pretendat nescitur, et transtulit omnia sua bona 
ad alienos, et que non potuit transferre, vendidit. et timent 
Basilienses, quod ex quo ipse sit marescalcus domini ducis 
Lothringie, quod ipse aliquo dierum se iterum opponat Basi- 
liensibus, sicut alias pluries fecit.» Hiezu bemerkt der Heraus- 
geber (Vischer) an : den 9. Nov. 1479 verkündet Kaiser Friedrich 
allen Beichsangehörigen, dass er den Gebrüdern Oswald und 
Wilhelm von Thierstein das zerbrochene Schloss cHohenkünigs- 
perg^D mit seinen Zugehöi^ingen zu Lehen gegeben und wieder 
zu bauen erlaubt habe, a:nach lautt unsers keyserlichen leben- 
briefs darüber auszgangen » ; dass sie auch, wie er vernehme, 
dasselbe eingenommen und zu bauen angefangen hätten ; er 
gebietet, sie bei dieser Verleihung und der Ausübung der dar- 
aus fliessenden Bechte schirmen zu helfen. Pergamenturk. mit 
aufgedrücktem Siegel im Staatsarchiv Basel, Thiersteiner Ur- 
kunden 107. Damals war also der grossartige Neubau der 



— 193 - 

Hohenkönigsburg unternommen worden, dessen Trümmer heute 
unsre Bewunderung erregen. Vgl. F. X. Kraus, Kunst und 
Alterthum im Unter-E)sas.s, S. 406 fF. — Soweit Vischer. 

Oswald von Thierstein war Landvogt des Herzogs Sigis- 
mund von Oesterreich in den vordem Landen gewesen und 
hatte sich in den Burgunderkriegen als Held bewährt. Zugleich 
war er ein eifriger Verteidiger der Rechte des Adels und 
seines Herrn gegen die Bestrebungen der elsässischen Städte 
und eidgenössischen Orte. Sein unversöhnlicher Hass gegen 
das Bürgertum riss ihn aber zu Ungerechtigkeiten hin, sodass 
Sigismund seihst ihn fallen lassen und durch Wilhelm von 
Rappoltstein ersetzen musste. Dies scheint der Grund gewesen 
zu sein, dass er seinen Stammsitz im Jura verliess. 

A. Socin in Basel. 

H. 

Wie ich von hiesigen Rechtsanwälten erfuhr, ist unter 
den Bauern unserer Gegend eine sonderbare Redensart, welche 
vielleicht auf einen alten symbolischen Rechtsbrauch hinweist, 
ganz allgemein im Gebrauche. Wenn jemand auf eine Erb- 
schaft verzichtet, so sagt er : «Ich lege den S c h 1 ü s s el a uf's 
Grab.» Dadurch wird dem Verstorbenen zugerufen, er solle 
seine Habe behalten. Francke in Saargemünd. 

HL 

Der Name Beleben, den eine Reihe von Bergen in den 
Vogesen, im Jura, im Schwarzwald tragen, hat die verschie- 
densten Deutungen erfahren. Aus dem Persischen leitet ihn ab 
Gh. M. Engelhardt, Wanderungen durch die Vogesen (Str. 1821) 
S. 107. Er vergleicht ihn mit dem Balkan und mit einem Ge- 
birgszuge im Kaukasus. Dann hat viel Beifall gefunden die 
Ableitung aus dem Keltischen, wobei man an den Gott dachte, 
dessen alte Namensform Belenus ist : Grimm, Mythologie 579. 
Dies hat mit grammatischen Gründen zurückgewiesen E. Fallot, 
Revue d'Alsace 1885, p. 24 ff. Es müsste wie in zusammen- 
gesetzten Namen immer der Eigenname an zweiter Stelle 
stehen. Fallot selbst bringt ein bretoneisches Balch «stolz» 
zur Erklärung bei. Gegen jede Ableitung aus dem keltischen 
spricht nun dass wir in Hessen, südöstlich von Kassel, zwei 
Beleben finden die Spitzen des Söhrewald genannten Gebirgs- 
zuges : s. Vilmar, Idiotikon von Kurhessen, S. 31. Vilmar 
fmdet keine Anlehnung an deutsche Wortursprünge. Eine solche 
wird in Mündel, Die Vogesen, S. 1 angenommen, in dem hier an 
BoUe, das Runde am Ei, erinnert wird. Aber woher dann das ch 
hinter 1? woher das o? Sowohl der Gebweiler Beleben heisst 



1 



— 194 — 



schon 817 oder doch im 12. Jahrh. (StofTel, topographisches 
Wörterbuch des Oberelsasses 1876) Peleus, Beleus, wie 
auch für die hessischen Berge die Form Beliehen im J. 1291 
fest steht. Dass im lateinischen das Spirans hy ch durch e wie- 
dergegeben ist, macht kein Bedenken. Eine lautlich unantastbare 
Etymologie ist die folgende. Belebe, althochdeutsch pelicha, 
pelaha, heisst noch jetzt im bairischen das Blässhnhn, das^ 
schwarze Wasserhuhn mit einem weissen Hautfleck über dem 
Schnabel ; es ist nach den Lautgesetzen identisch mit lat. fulica. 
Damit ist nach Grimm Wh. 106 das masc. Belch=: Felchen, (Fisch) 
identisch. Als Name begegnet Belebe in der Heldensage: 
das Pferd Dietleibs wird so genannt in dem nach diesem Hel- 
den genannten Gedicht, das um das J. 1200 entstanden ist. Ein 
Pferd oder eine Kuh, mit derselben Zeichnung auf der Stirn, 
heisst noch jetzt Blass oder Blässei (Wackernagel in Pfeiffers 
Germania 4, 142). Damit konnte ein Berg, der über einer dun- 
keln Waldregion eine kahle, graue Stelle zeigt, sehr gut ver- 
glichen werden. Und dieses Aussehen finden wir sowohl bei 
den oberrheinischen wie bei den hessischen Beleben. Unser 
kleiner Beleben führt den Nebennamen der kahle Wasen : dies 
bezeichnet genau das, was nach meiner Deutung auch im Na- 
men Beleben liegt. Martin. 

IV. 

Die am Greburtshause der Landgräfin Caroline (s. Chronik 
unter 25. Nov. 1885) angebrachte Gedenktafel hat folgende 
Inschrift : 

Hier wurde geboren im Rappoltsteiner Hofe 
Caroline, Landgräfin von Hessen - Darmstadt 

Urgrossmutter 
Kaiser Wilhelms I. und der Kaiserin Augusta. 

Die Geburtsstätte wurde von Dr. Froitzheim auf Grund 
Münchener, Strassburger und Colmarer Akten ermittelt. Ver^M. 
dessen Artikel «die Lage des Rappoltsteiner Hofes in Strass- 
burg]» und «zur Geschichte des Rappoltsteiner Hofes» Nr- 
148 u. 158 der Strassburger Post, Jahrgang 1885. 

V. 

Von besonderem Interesse für den Vogesenclub dürfte die 
unter Nr. 577 der diesjährigen Bibliographie aufgeführte Abhand- 
lung von Zangemeister sein, welche nachweist, dass in römischer 
Zeit nur die Namenform Vosegus vorkommt. Vogesus hat 
keinerlei alte Gewähr. 



— 195 — 

VI. 

Wir versäumen nicht unsere Leser noch besonders hinzu- 
weisen auf die neue (3.) Auflage der «Geschichte des 
Elsasses!» von 0. Lorenz und W. Scherer, welche in 
Berlin, in der Weidmann*schen Buchhandlung 4886 erschienen 
ist. Es ist dies Werk eine der vorzüglichsten Provinzialge- 
schichten die wir besitzen. Insbesondere sind die litterar- und 
kulturgeschichtlichen Partien, welche Scherer bearbeitet hat, 
ebenso grundgelehrt als geistreich und fesselnd geschrieben. 
Die neue Auflage zeichnet sich durch die Hinweise auf die 
Quellen und Hilfsmittel vor den früheren aus. Eine Zierde, 
welche sie mit der zweiten teilt, ist das schöne Bild von Jacob 
Sturm. 

vn. 

Der «Verein für Geschichte der Deutschen 
in Böhmen]» zu Prag schreibt einen Preis im Betrage von 
900 fl. ö. W. aus, für die erschöpfende Lösung folgen4er zwei 
Aufgaben : 1. Es ist der Nachweis zu erbringen, ob der um die 
Mitte des XVII. Jahrhunderts zu Neuhof bei Fulda als prae- 
fectus urbis (Amtmann) angestellt gewesene Herr Johann Wil- 
helm Kekule, ein Nachkomme der altböhmischen Ritterfamilie 
Kekule von Stradonilz ist, oder nicht. 2. Geschichte der Fa- 
milie Kekule von Stradonitz. — Der erste Teil der Preisauf- 
gabe ist der wesentlichste und für den Erwerb des ausgesetzten 
Preises Bedingung. — Die an die Geschäftsleitung des «Ver- 
eines für Geschichte der Deutschen in Böhmens in Prag, 
Annaplatz 188-1., einzusendenden Arbeiten dürfen keinen Au- 
torennamen tragen, sondern müssen mit einem Motto versehen 
sein, welches auch ein dem Manuscripte beiliegendes Gouvert, 
dessen Inneres die genaue Adresse des Verfassers enthält, auf 
der Aussenseite zu tragen hat. Der Einsendungstermin erstreckt 
sich bis zum i. Januar 1887 ; die Entscheidung über die Preis- 
zuerkennung erfolgt bis zum 1. Februar 1887. Als Preisrichter 
fungieren : a) Der Ausschuss des Vereins, b) der Gustos des 
Archivs und der genealogischen Abteilung des Vereins, c) Herr 
Stephan Kekule, Second-L ieutenant im Feld- 
Art illerie- Regi ment Nr. 15 zu Strassburg i. E. 
— Die preisgekrönte Arbeit wird in der Zeitschrift « Mitthei- 
lungen d des « Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen » 
publicirt. 



XIII. 



Analecta Speckliniana 



von 



Rudolf Reuss. 



Öeit Jahren mit dem Sammeln der noch vorljandenen 
Fragmente von Specklin's Gollectaneen beschäftigt, die ich 
bereits im Jahre 1869 herauszugeben beauftragt worden (ein 
Plan der leider nicht zur Ausführung gekommen), habe ich 
mit lebhaftem Interesse von der gediegenen und verdienstvollen 
Arbeit , welche diesen Band eröffnet , Kenntnis genommen. 
Wenn mir auch die darin benutzten Strassburger Dokumente, 
teils durch Ludwig Schneegans , teils durch eigene Nach- 
forschung , sämtlich bekannt waren , so erkenne ich mich 
doch gerne dem Verfasser wegen der aus den Münchner und 
Colmarer Archiven beigebrachten, neuen Materialien zu Danke 
verpflichtet. Ich bin daher auch willig der Aufforderung, die 
der Herausgeber dieses Jahrbuchs an mich gerichtet, gefolgt, 
zu dem bereits Gebotenen noch einige Nachträge, wie sie die 
Durchsicht meiner Papiere ergab, zu liefern, und zugleich 
einige Berichtigungen einzuflechten. Die einem nicht auf der 
heimischen Scholle grossgewordenen Schriftsteller kaum als 
Fehler anzurechnenden Missverständnisse und Verstösse auf die 



— 197 — 

sie sich beziehen^ nehmen der gründlichen Abhandlung von 
Herrn Schadow nichts von ihrem Mrissenschaftlichen Werte. 
Dem künftigen Forscher wird es angenehm sein hier, an einer 
Stelle, alles v^as bis auf diesen Tag über Specklin's Leben und 
Thätigkeit erkundet worden ist, beisammen zu finden, und ich 
selbst benutze die sich darbietende Gelegenheit um so lieber, 
als es nicht im Plane der Fragmentensammlung 
strassburger Chronisten, die Herr Kanonikus Da- 
cheux und ich in den nächsten Heften des Bulletin de la 
Societö des monuments historiqi^s d'Alsace zu veröffentlichen 
gedenken, liegen kann, bei dem knapp bemessenen Raum, weit- 
läufigere biographische Notizen den spärUchen Ueberbleibseln 
unserer einst so reichen Chronikenlitteratur vorauszuschicken. 
So wird man denn hier, ohne weitere, mehr formelle Aus- 
führungen, eine gewisse Anzahl von Bemerkungen und An- 
gaben aneinander gereiht finden, die ich als nützlichen Anhang, 
als Glossen zur Schadow'schen Arbeit anzusehen bitte, und durch 
welche einzelne Punkte der Lebensgeschichte Specklin's näher 
beleuchtet, das Bild seiner Thätigkeit etwas erweitert, vielleicht 
auch hie und da berichtigt werden sollen. 

Ausdrücklich möge darauf hingewiesen werden, dass ein 
Teil des hier zusammengestellten Stoffes aus dem handschrift- 
lichen Nachlass des hochverdienten Stadtarchivar's Ludwig 
Schneegans (f 1856) herrührt, den ich so glücklich gewesen 
bin, durch die Freundschaft seines Sohnes für die Stadtbibliothek 
zum Geschenke zu erhalten. Er hat, auch nach der Heraus- 
gabe seiner Lebensskizze Specklin's in den Elsässischen 
Neujahrsbiättern (Basel, 1847), seine Nachforschungen 
über den Gegenstand fortgesetzt und noch Manches ihm damals 
Unbekannte gefunden. Ich erfülle nur eine Pflicht des Au- 
slandes und der Dankbarkeit zugleich, indem ich dies in ge- 
bührender Weise hei*vorhebe. 

I. Specklin's Familie und Abkunft. 

Ob die Specklin wirklich aus Schwaben stammten, mag 
dahin gestellt bleiben. Jedenfalls kommt der Name in Strass- 
burg, längst vor den citirten Persönlichkeiten bei Schadow vor. 
Wir lesen im Aechterbuch (Gerichtsprotokoll), das im 
Stadtarchiv noch heute aufbewahrt liegt i, folgende Stelle: 
citem Guonrat Speckelin, der brotbecker kneht, Gemarten (?) 
<csun, von Höfen, ginsite Rines, iuravit unum annum umbe 
<idass er einen gewundet het .... Et iuravit feria quinta post 



1 Stadtarchiv, Gewölb unter der Pfalz, ladula 1. 



1 



— 498 — . 



«diem Sancti Nicolai episcopi anno domini M<^ GCC*' nonagesimo 
enono.)!» 

Dass der im Jahr 1478 erwähnte ecSpeckel der hott», der 
in den Excerpten von Schneegans vorkommt, und von dessen 
Lebensskizze Daniel Specklin's in die Arbeit Schadow's über- 
gegangen ist, näher mit Strassburg zusammengehangen, möchle 
ich bezweifeln. Kam er doch nur als Bote des Kaisers an Erz- 
herzog Sigismund hier durch, letzterem ein Schreiben zu über- 
bringen, und als kaiserlicher Kurier können wir uns ihn kaum 
anderswo als am Hofe des Fürsten verweilend denken. 

Sehr zahlreich ist das Greschlecht der Specklin zu Strass- 
burg jedenfalls schon zu Beginn des XVI. Jahrhunderts ge- 
wesen, da wir in dem sogenannten Bürgerbuch, der 
Matrikel der neuen Aufnahmen in's Bürgerrecht, zwischen 
4500 und 4542 nicht weniger als vier Specklin oder Speckel 
erwähnt finden, nämlich Hans Specklin, den Scherer, Niklans 
Speckel, den Krämer, Ulrich Speckel, den Becker, und einen 
zweiten Hans Specklin, der von ersterem verschieden ist, da 
der Name seiner Wittwe anders lautet als beim gleichnamigen 
Scherer. Einer davon kann der Grossvater des Baumeisters 
gewesen sein. Doch welcher? 

Ebensowenig lässt sich über die allernächsten Verwandten 
Specklin's, über seine Eltern, ein endgültiges Urteil nach dem 
vorhandenen Materiale fallen. Zwei Persönlichkeiten nämlich 
sind es, denen man, je nach Belieben, auch heute noch, die 
Vaterschaft über Daniel Specklin zusprechen kann. Der eine ist 
der bekannte Formenschueider oder Holzschnitzer Veit Rudolf 
Spöckel, der aus Franken oder Schwaben zu stammen scheint 
und erst am Montag nach Invocavit des Jahres 4530 in's Burger- 
buch eingetragen wurde. Er hatte vor seinem hiesigen Aufent- 
halt, wie es scheint, in Nürnberg gearbeitet und war auch 
daselbst, wie eine handschriftliche Notiz auf seinem Portrait 
besagte 1, zur Zeit des Bauernkrieges, <rmeuterey halben selber 
in verhafft gekommen. :» Dieser Veit Rudolf muss vor Ende des 
Jahres 4550 hier gestorben sein, denn im Protokoll der Con- 
tractstube auf dem Stadtarchiv, tritt seine Frau Elisabeth als 
cweillandt Vit Rudolif Specklin's formenschneiders zu Strass- 
burg seligen wittwe ]i> unter dem 42. Christmonat besagten 
Jahres auf. 

Der andre Prätendent auf die Vaterwürde ist Daniel Specklin, 
der Seidensticker, der als der t alte Daniel Specklin» im XXI. 
Memorial vom 47. Juni 4566 genannt wird, und der, nach dem 



1 Brief des bekannten AltertumsforHcher von Berlepsch an 
Ludwig Schneegans, vom 6. Februar 1853. 



— 499 — 

Schenkbuch des Frauenhauses, am 22. Mai 1574, mit seiner 
Gemahlin Susanna Wegprauftin, eine Schenkung von zwei Pfund 
Strassbui^er Pfennigen stiftet. Es ist nicht so ganz leicht, als 
es sich Schadow vorstellt, aus dem geringen vorhandenen Ma- 
terial sich für den einen oder den andern zu entscheiden. 
Schneegans hat allerdings zuerst in den Elsässischen 
Neujahrsblättern (S. 313) den letztem als csehr vermut- 
lich» des Baumeisters Vater genannt, und sogar noch später 
in seinen Excerpten, als < ohne Zweifel Specklin's Vater » be- 
zeichnet. Aber in anderen Notizen hat er auch von Veit Rudolf 
Speckel als c des berühmten Baumeisters Daniel Specklin Vater» 
gesprochen und dabei, als auf seine Quelle, auf die, leider auch 
verbrannten, Genealogischen Collectaneen von Reich- 
hardt (sub voce Zetzner) verwiesen. Darauf würde ich kein 
besondres Gewicht legen dass im XXI. Memorial des Jahres 1582 
von dem älteren Daniel als einem relativ kurz vorher gestor- 
benen Manne die Rede ist', denn der alte Seidensticker hätte 
wohl noch selbst ein höheres Alter erreichen können. Dagegen 
scheint es nicht unerheblich dass es sich in den auch von 
Schadow (S. 8. 13, u. s. w.) besprochenen Processen Specklin's, 
des späteren Baumeisters, mit dend Ammeister Heldt, um 
Besitzungen in Sultz handelt, und wir nachweisen können dass 
Veit Rudolf Specklin's Familie dergleichen besessen, 
während für den älteren Daniel derselbe Beweis nicht geliefert 
werden kann, und doch Specklin die besagten Güter, wie wir 
sehen werden, «von sinen eitern ha^r», in Anspruch nimmt«. 



1 Memorial der XXI, 1582, fol. 135'' (14. März). -- Es wird wohl 
Hberhanpt die Stelle nicht mehr angezogen werden können, da sich 
herausstellt dass zwar der Name Daniel im Protokoll vorkönunt. 
im Bepertorium aber von gleichzeitiger Hand wieder gelöscht und 
alle die Stellen, in welchen von dem Prozess «Specklin contra 
Blatterhanss » die Rede ist, unter dem Stichwort Hieremias 
Specklin mbriciert sind. Es handelt sich also nm einen momentanen 
Lapsus memoriae des Protokollfahrers nnd ist offenbar von den 
Erben des Jeremias Specklin, Schaffners im Blatterhanse, der sich 
1579 im Rhein ertränkte, die Rede, wie schon Memorial XXI, 1581, 
fol. 540, u. 8. w. 

^ « Elisabeth wielandt Vit Rudolff Specklin formenschneiders zu 
Strassborg seligen witwe .... mit bewillignng des erbaren Gabriel 
von Kein, lederbereiters, bürgern zu Strassbnrg, irs gewornen vogts 
kauft vier omen wisen, getroten wins, von uff un abe eim zweiteil 

rebenn im ban Sultz, in vorst, jährhchen, zu herbst, umb zwelff 

galdin.B (12. Christmonat 1550.) Protokoll der Contraktstnbe, de 
anno 1550, fol. 189a. — «Adam Küffer de Sultz vendidit relicte et 
liberis honesti quondam Yiti Rudolffi Specklin, iormenschneider, civis 



— 200 — 

Allerdings kann zwischen dem Seidensticker und dem Bau- 
meister die Gleichheit des Vornamens urgiert werden; schliess- 
lich könnte aber auch dieses daraus erklärt werden dass der 
ältere Daniel der Pathe des jüngeren gewesen, denn ver- 
wandt sind Daniel und Veit Rudolf wohl gewesen, wie 
schon die Doppelbeschäftigung unseres Specklin's in seiner 
Jugend, die traditionnel wohl beglaubigt (Seidensticker und 
Formenschneider), anzunehmen erlaubt. Aus dem hier Gresagten 
ergiebt sich, wie w i r wenigstens glauben, nach jeglicher Rich- 
tung hin, und bei den schwachen Gegenbeweisen, die Ver- 
pflichtung, die Frage nach den Eltern Specklin's vor der Hand 
noch als eine offene zu behandeln, bis die Auffindung neuer 
Dokumente (vielleicht dass in den Kirchenregistem, die ja 
teilweise für 1589 noch vorhanden sind, sich beim, ebenfalls 
noch aufzufindenden Todestage des Baumeisters, auch der Name 
seiner Eltern verzeichnet findet) eine Entscheidung, sei's für 
Veit Rudolf den Forraenschneider, sei's für Daniel den Seiden- 
sticker, erlaubt. 

U. Zur Lebensgeschichte Specklin^s. 

Das erste Faktum das uns aus Specklin's Leben bekannt 
ist und das wir seinen eigenen Gollectaneen entlehnen, 
führt uns in sein elftes Jahr zurück und giebt Zeugnis von 
seinem früh erwachten Interesse für die Altertümer seiner 
Vaterstadt. Wir lesen in einem von Ludw. Schneegans erhal- 
tenen Fragment (T. II, fol. 287 b) zum Jahre 1547: 

«[Den 22. Martii alz im münster S. Catharinacapel oben 
das gewelb bresthaff was, do hatte man solhs hinweg gethan 
und ein gantz new gewelb do hin gehawen und auflgericht wie 
noch zu sehen. Do hatte der Werkmeister, domit die capel 
gebuett werde, mit vorwissen vil begrebnussen hinweg gethan, 
do hatt er bischoff BehtolfT begrabnuss auch aufF gethan, weihe 
unde der erdrich etwas dieff aufl* 5 schuh was, oben aber, über 
der erden ufl* 3 schuh alss man hinab gesehen. Das grab wardt 
inwendig mit schonen steinen aussgehawen. Do hatte man helle 
liechter hinab gelassen, do hab ichs selbs gesehen das er noch 
ganz do gelegen, ein schone, grosse, lange, herrliche person. 



argentinensis, praesentibas coram nobis, Martmo Eürtzel, vitrificio, 
et Gabriele de Koeln, lederbereitter, civibus argentinensibus, redditmn 
annuum qnatnor amaram vini albi nobilis et tar8i(?) melioris sine 
dolo, saper bonos in banno Saltz, pro precio dacdecim ilorenoniin. 
Actum Idus Februarii 1551. » Protokolle der Contraktstnbe, de anno 
1551, fol. 236«. 



— 2(M — 

£r läge mit dem haupt auiT einem schonen kissen, damn golt 
wass, sein ahngesicht, mundt und nassen, wass noch alles 
gantz und weyss von färben, allein die äugen wahren mit einer 
schwartze überzogen, hatte ein schone infuU auff und von goltt, 
Silber, und grünen samett mit gulten rossen ain schonen ornatt 
ahn, lag etwas auff rechten seytten. Ahn seinem rechten arm 
hatt er ein bischofflichen stab gantz vergoldten, in der lincken 
handt ein verguU schwertt und buch, an den banden handtschuh 
und güldene ring daran; an seinen fuszen hatt er stiffei ahn 
und dorüber pantofTeln und vergultte sporen. Zu verwundern 
dass er 194 ior also gantz noch da gelegen ist als wan er vor 
3 dagen gestorben wehre. Man liesz in meniglichen sehen, den 
gantzen dag. Den andern dag hatte man blatten darüber gelegt 
und den obem stein in die werkhütte gestellt, aber sein epi- 
iaphium ist noch in der wandt, welhs im zu den fussen in 
der wandt stunde, und noch zu sehen ist.:» 

Durch Mitteilung dieses bisher ungedruckten Fragmentes 
wird jeder Anhaltspunkt für die wunderlichen Combinationen 
von Grandidier (Essais historiques sur la cath^drale, S. 340) 
bei Seite geräumt i und deren Entstehungsweise, wie sie Schadow 
(S. 35)' gegeben, zur Gewissheit erhoben. 

Das Datum der Abreise Specklin's aus Strassburg lässt sich 
wohl mit ziemlicher Gewissheit auf das Ende des Jahres 1552 
festsetzen. Denn wir lesen in der unvollendeten Vita Daniel 
SpeckhelSy die sich im zweiten Bande (ifol. 76) der handschrift- 
lichen Gollectaneen J. Wencker's auf dem Stadtarchive beündet: 
cHatt anno 1552 das handtwerck allhie zu Strassburg ausge- 
lehrt, i» Nach beendigter Lehrzeit, wird es eine so unruhige 
Natur wie die Specklin's nicht länger in der Heimat geduldet 
haben. 

Auf die Wanderschaft ist er jedenfalls als Seidensticker 
gegangen, da nicht anzunehmen, dass er, selbst wenn er pro- 
fessionnel ausgebildet, im sechzehnten Jahr schon ein geübter 



1 Wie Schneegans dazu gekommen (was Schadow nach ihm 
wiederholt) die Notizen über Specklin die mit besagtem Bruchstück 
übereinstimmen, mit dem Namen Clnssrath einzuführen, ist mir 
nicht recht verstandlich. Lanrentins Clnssrath (Schneegans hat aller- 
dings falsch Clufrath geschrieben, Schadow aber eben so an- 
richtig Claassrath corrigiert), der am 25. Mai 1594 zum Regis- 
trator Archiv! ernannt wurde, hat in der Tat einen höchst inter- 
essanten Band meist auf Jurisprudenz bezüglicher Gollectaneen 
zusammengestellt, der noch auf dem Archiv existiert, in dem aber 
von Speckhn nicht die Rede ist, und die von mir citierte Notiz in 
Wencker's Collectanea Mss. trägt weder Clussrath^s Namen noch 
weisst irgend etwas auf ihn hin. 



— 202 — 

Holzschnitzer gewesen wäre, während er eine mehr industrielle 
Technik leicht sich angeeignet haben konnte. Auch konnte er 
in diesem Handwerk auf grösseren materiellen Erfolg hoffen 
und die dortige Nachfrage nach Seidenstickern wird ihn wohl 
auch nach Wien gefuhrt haben. Wie gesucht diese Strassburger 
Techniker damals in der Kaiserstadt waren, erhellt aus der 
folgenden Stelle des Memorials der XXI. vom 21. September 1570 
(fol. 647 a), die Schneegans nur angedeutet und Schadow nicht 
gekannt zu haben scheint, welche aber, schon wegen des daria 
vorkommenden Namens Specklin, wörtlich angeführt zu werden 
verdient : <k Die Roem. Kays. Mayestaet schreibt und begert 
citius citissimo was für meister und gesellen seidenstucker handt- 
Werks allhie zuwege zu bringen, sie zu bescheiden uffs furder- 
liehst sich bey ihrer May. obristen Stallmeister anzuzeigen. 
Erkandt, soll Joergen Apotzellern beschiken, dessgleichen den 
Speklin beschicken, ihnen das fürhalten. Herr Niclaus Meyer 
und herr Joerg Muele*.» — Ob mit dem hier genannten Daniel 
Specklin, der alte Seidensticker, oder gar unser Specklin 
gemeint sind, wage ich nicht zu entscheiden, muss jedoch 
gleich hier bemerken, dass des Baumeisters wenigstens zeit- 
weilige Gegenwart im Elsass, auch für diese Zeit nachgewiesen 
werden kann. 

Was Schadow über eine Mitarbeit Specklin's an den Festungs- 
werken von Raab und Komorn, bei seinem ersten Aufenthalt 
in Ungarn, im Jahre 4555, in dessen Architectura heraus- 
zufinden glaubt, kann ich in den angeführten Stellen des Werkes 
durchaus nicht entdecken und wenn ich auch gerne zugeben 
will, dass der neunzehnjährige Specklin sich schon damals für 
fortifikatorische Arbeiten interessierte, so li^, meiner Ansicht 
wenigstens, nichts vor das auf eine persönliche Thätigkeit 
in diesem Fache für die damalige Zeit hinweist. Es wird daher 
einfacher sein, bis auf weiteres anzuerkennen, dass wir über 
Specklin, zwischen 1555 und 1560, nichts wissen. Im Jahr 
1560 hält er sich, eigenem Berichte nach, in Antwerpen auf, 
ob aber als angehender Ingenieur, scheint uns doch sehr frag- 
lich, da es in der oben erwähnten biographischen Notiz heisst: 
«Anno 1561, als er in Schweden, Denmarkh, Ungern ge- 
wesen, und uff den hantwerck gewandert, ist er im 
herausziehen uff Wien kommen und allda gearbeitet.» 
Es lässt sich daher annehmen, dass er von Antwerpen aus, in 
östlicher Richtung, nach Skandinavien, darauf nach Polen (?) 



1 Noch im Jahr 1616 bitten die Seidensticker zu Ulm beim 
Strassbnrger Rate um Mitteilung der Ordnung ihrer hiesigen 
CoUegen. ^XX!., 1616, fol. 105, 109.) 



FT 



— 203 — 

und Ungarn gezogen und allerwärts als Seidensticker oder 
Formenschneider gearbeitet hat, 'denn Ingenieurarbeiten aus- 
führen heisst man doch, nicht e:aufs Handwerk wandern]». 
Dazu war er damals erst 25 Jahr alt, ein wilder Bursch, etwas 
«unnütz mit frawenzimmern ]», wie das bekannte Gerichtspro- 
tokoll von ihm später melden sollte, und keineswegs ein Adept 
in seinem späteren Fache. Es geht dies ebenfalls aus dem folgenden 
Satze der Biographie hervor, «er habe alda (in Wien) gear- 
beitet, und wegen seines reiszens (Zeichenkunst) ist er zu 
dem herrn SoUützer, des Keysers obrisfen bawmeister khommen 
und bey irae etliche iahr gewesen, durch welchen er nach- 
mals in des ertzherzogen Ferdinanden und Maximiliani rüst- 
kammergebracht worden, all wo er seinen anfang zu 
der bawmeisterey bekhommen.D Hier scheint uns 
also ganz genau der Moment von Specklin's Eintritt in die neue 
Laufbahn angegeben, und auch kein Grund vorhanden diese 
fast zeitgenössische Notiz anzuzweifeln. 

In Betreff der Geschichte mit dem begonnenen Stadtplan, 
den er am 19. Februar 1564, gelegentlich eines Aufenthalts 
in der Vaterstadt, durch den Sladtadvokaten Teurer Meinen 
Herren anbieten Hess, möchte ich eine von Schadow's ganz ver- 
schiedene Deutung des Verhaltens des Rates vorschlagen. Nicht 
«weil ein Prophet in seinem Lande nichts gilt», oder weil man 
« keinen Neuling unterstützen wollte », hat der Magistrat diesen 
Entwtirf im grössten Massstab ungern entstehen sehen und 
schliesslich, auf ein Gutachten der verordneten Herren, des 
Steif meisters Georg von Kippenheim, Heinrich Joham und 
Jacob von Moltzheim hin, sekretieren lassen. Wer die Lokal- 
geschichte jener Zeit nur etwas näher aus den Akten kennt, 
der weiss, mit welcher anhaltenden Aengstlichkeit (die nicht 
jeden Grundes entbehrte) die gut protestantische Reichsstadt 
von Seiten der katholischen Mächte, der Habsburger, Spaniens, 
Lothringen's, des Bischofs von Strassburg, eine Ueberrumpe- 
lung, einen plötzlichen Ueberfall befürchtete. Wie kann es nun 
befremden, dass man einen eben erst aus Wien kommenden, 
in österreichischen Diensten gestandenen, durch lockere Sitten 
übel berüchtigten jungen Mann sehrungerh an eine «Abconter- 
feyungi> der Stadt gehen sah, die zum Angriff auf die damals 
noch schlecht verwahrte Stadt die besten Dienste leisten 
konnte? Verbietet doch auch heute noch, und mit grösserer 
Schärfe, die Militärbehörde jede Einzeichnung der Festungs- 
werke auf den Plänen von Strassburg und seiner Umgebung. 
Dass der Rat, nachdem er Specklin's Arbeit sich hatte aus- 
liefern lassen, demselben eine pecuniäre Entschädigung zu- 
kommen liess, zeugt im Gegenteil von einer humanen Auffas- 



— 204 — 

sung der Dinge, die nicht in allen ähnlichen Fällen zum Aus- 
druck gelangt ist. 

Die Streitigkeiten mit dem Amn^eister Abraham Heldt sind 
nicht die einzigen, die Specklin in den folgenden Jahren Tor 
Gericht auszufechten hat, so weit wir überhaupt das in den 
Protokollen gemeldete verstehen können. Sie zeugen jedenfalls, 
wenn nicht von Prozesssucht, so doch von einer grossen Nach- 
lässigkeit in Erfüllung seiner Pflichten. Umsonst dringt Heldt's 
Anwalt, Michael Illwein, auf Erledigung der Klagepunkte; um- 
sonst schreibt Hans Albrecht von Anweyl, Landvogt zu Rötteln, 
und begehrt, dass man unsern Seidensticker anhalte, das geld, 
das seine Pupillen, Johann Entringers Wittwe und Kinder, ihm 
schuldig seien, auszuzahlen; umsonst lassen ihm die Herren 
bedeuten, zu gehorchen, «werden sonst mitt ime nit zufriden 
seynD. Nichts scheint bei dem genialen aber etwas «: verbum- 
melten j» Manne gewirkt zu haben (XXI, 5. August 1566). Im 
Jahre 1568 kommt dann noch ein fernerer Rechtsstreit mit 
Ludwig Gessner aus Marlenheim, der ihn gar vor das Hof- 
gericht zu Rotweil citiert (XXI, 10. November 1568). Das alles, 
wenn wir auch die Einzelheiten nicht näher kennen lernen, 
deutet doch auf ziemliche Verwirrung in seinen Angelegenheiten 
und erklärt allerdings sein deutliches Bestreben, auf irgend eine 
Weise wieder aus Strassburg fortzukommen. 

Dass er, wie Silbermann in seiner Lokalgeschichte 
(S. 103) berichtet, schon im Jahre 1567 nach Regensburg be- 
rufen worden sei, und zwar um sich dort mit Lazarus von 
Schwendi wegen der Befestigungen der Stadt Strassburg zu berat- 
schlagen, würde von mir unbedingt als eine Verwechslung mit den 
Regensburger Conferenzen des Jahres 1576 angesehen werden, 
wenn nicht Schneegans in seinen Excerpten eines Speckhn'schen 
Planes der Stadt im Archiv des städtischen Bau-Bureaus Er- 
wähnung thäte, auf dem von dessen Hand geschrieben steht: 
<( Ungeferliche berathschlagung durch den wohlgebornen herm 
M. von Solis und mich, doch nichts beschlossen, nur ahnzeught. 
Sp. 1567, in Regenspurg». So lässt sich Silbermann's Angabe 
nicht wohl bei Seite schieben. 

Was den zweiten Aufenthalt Specklin's in Wien betrifft, 
wo er nach seiner Berufung durch den kaiserlichen Baumelst^ 
Carlo Tetti, im Jahre 1569, sich selbst eine dauernde Beschäf- 
tigung gesucht (etwa mit Schallantzer's Hülfe, falls derselbe 
damals noch lebte), scheint mir derselbe bei weitem kein so 
langer gewesen zu sein, als Schneegans und nach ihm Schadow 
annehmen. Jedenfalls hat er keine fünf Jahre gedauert, wie 
seine beiden früheren Biographen sagen, denn bereits im Früh- 
ling 1572 finden wir Daniel Specklin als «schafTner des edlen 



— 205 — 

und festen iuncker's Samson von Fleckenstein», wie er beim 
Rat um die Erlaubnis einkommt, für seinen Herrn «Frucht 
zu verführen » (XXI, 47. Mai 1572). ' Wenn wir aber genauer 
zusehen, wird uns klar, dass auch bereits zwischen 1569 und 
1572, Specklin des öflem seinen Posten in der kaiserlichen 
Rüstkammer verlassen haben muss. Ausarbeitungen und Auf- 
nahmen, deren eine schon in's Jahr 1570, andere in die fol- 
genden fallen, bedingten doch wohl einen vorübergehenden 
Aufenthalt im Flsass, und so wird wohl die «rege Thätigkeit» 
an der türkischen Grenze, von der uns erzählt wird, bedeutend 
zusammenschrumpfen müssen. Auch im Jahre 1573 wird seine 
Gegenwart in Strassburg durch Erwähnung eines von ihm per- 
sönlich dem Stadtschreiber überreichten Schreibens dokumentiert 
(XXI, 24. Dezember 1573). Dass in den folgenden Jahren jede 
Spur von ihm in den Strassburger Quellen fehlt, lässt sich leicht 
erklären, da er ja wegen Aufnahme seiner grossen Karte des 
Elsasses damals stets unterwegs sein musste. Von seiner Be- 
rufung nach Ingolstadt im Jahre 1576, seiner G^enwart bei 
den Conferenzen zu Regensburg u. s. w. hat uns Schadow's 
Arbeit zum ersten Male gründlicher unterrichtet. Aber schon 
im Beginne des Jahres 1577 ist er hier zurück und endlich auch 
zur Reputation eines gewiegten Technikers gelangt, denn am 
18. Februar werden Ratsmitglieder verordnet, die «fürderlich 
mit den Kriegsverstendigen, sonderlich dem Speckell» berat- 
schlagen sollen, auf welche Weise der Einfluss der 111 abzu- 
sperren sei (XXI, fol. 95a). 

An eine eigentliche Anstellung aber wurde, auch nach 
Ueberreichung der Karte des Elsasses, (n per Büttjelbronn », am 
27. Februar, von Seiten des Rates nicht sogleich gedacht, 
denn die Herren Nicolaus Meyer, Jacob König, Michael Fuchs 
und Christoph Stadel wurden verordnet « zu bedenken, was ihm 
zu verehren» (XXI, 1577 fol. 108 b) .Erst im Mai heisst es in 
den Protokollen: «Und soll man nachgehendts bedenken, wie 
er in Bestallung anzunemmen, dass man ihn l>ey der Hand be- 
halten mueg » (XXI, 22. Mai, fol. 302 a). Nachdem er eine 
Reihe von Proben seiner Befähigung abgelegt, im August die 
Arbeiten am Roseneck vorgenommen ^ (XXI, 21. August 1577), 
und ausserdem in mehr spielender Weise, aber auf eine für 
Dilettanten in- und ausserhalb des Rates fasslichere Art sein 
Talent durch Herstellung des berühmten Reliefplanes der Stadt 



1 Also nicht erst 1578, wie Schadow (S. 28) sagt, hat er seine 
hiesige fortificatorische Thätigkeit begonnen. 

14 



— 206 — 

Strassburg bewährt hatte ^^ wurde er am 5. Oktober zum 
Stadtbaumeister ernannt. Diese Ernennung scheint übrigens 
hauptsächlich aus Gründen der Sparsamkeit erfolgt zu sein. Er 
hatte nämlich im September eine Rechnung eingereicht, deren 
verschiedene Posten dem Stadtseckel so empfindlich zusprachen, 
dass Meine Herren es vorteilhafter fanden, ihn mit einem fixen 
Gehalt anzustellen, als künftighin seine einzelnen Leistungen 
nach einem «Costenzeddeli^ zu honorieren*. 



1 Wie leicht auch verdienstvolle Arbeiten znr Verbreitung irr- 
tümlicher Sagen beitragen können, ersehen wir an der Geschichte 
dieses Planes. Schadow erzählt (S. 27) dieses vielbesprochene Holz- 
modell Specklins sei vom Bürgerfrennde noch 1776 gesehn 
worden, dann aber «in den Stürmen der Revolution zu Qrond ge- 
gangen. » Auch ich bin noch in der Lage gewesen, obgleich kein 
hundertjähriger Greis, die Arbeit unseres Baumeisters zu bewundem, 
da dieselbe bekanntlich erst am 24. Angust 1870, beim Bibliotheks- 
brande zerstört wurde. Der Irrtum Schadow^s ist um so merkwür- 
diger als eine Reduktion dieses Planes durch Herrn Eduard Weis- 
sandt im Jahr 1869 aufgenommen worden und dem zweiten Bande 
der durch Professor Carl Hegel herausgegebenen Strassburger 
Chroniken beigelegt ist, so dass seine Umrisse wenigstens auch 
heute noch erhalten sind. 

s Aus dieser Rechnung lassen wir hier einiges folgen: 

< . . . . Den 10. Junii aufs Herren von Schwendi schreyben und 
M. Herren befelchs ein visirung gestellt über den ganzen zarg um 
die statt, wie sey ietzt ist — per se. 

«Item ein newe visirung über den gantzen zarg, wie sey so! 
verbessert werden auff ein newen modell, sampt einem bedencken, 
daran gemacht XHI. dag — per se. Hab ichs selbs ir gnaden zu 
Geisslingen gelüftert. 

«Den 22. July zwo grundtvisü'ungen und zwen auffzug perspec- 
tiffe über Roseneck und ein bedencken, daran gemacht 10 dag. 

«Den 6. Augusti ein dag mit Meinen gnaed. Herren zu Dorlis»- 
heim gewesen und ein visirung über den atigenschein gestellt, daran 
gemacht 2 dag. 

«Den 8. widerum auff dem influss gewesen (und darvor zwey 
mol) von wegen des wasserfanges. 

«Den 9. den halben morgens und noch mitdag auff der p£aitz 
gewessen bis beschlossen worden» u. s. w. 

Der Brief, der beigegeben, schliesst mit den Worten: «Ist mein 
ganz underthenig und fleissig bytten. Meine gnaedigen Herren woUent 
nur, was bilhch und recht ist, bezalung lassen volgen. Womit ich 
sunst M. Gn. Herren dienen kann, bin ich underthenig und willig, 
dan ohne das M. Gn. Herren geneigt bin in mehrerem zu dienen, 
auch jetzundt geltt von noetten bin. Ew. Gnaden undertheniger 
burger, Daniel Speckle, fürstl. bayericher bauwmeister.» Auf der 
Rückseite steht: «Lectum bey Meinen Herren XHI, den 11. September 
1577. (Excerpte von Ludw. Schneegans.) 



— 207 — 

Ueber die Thätigkeit, die Specklin von diesem Augenblick 
an entfaltet, wäre gleichfalls einiges zu Schadow's Angaben 
nachzutragen, insbesondere könnte das Verzeichnis seiner zeit- 
weiligen Berufungen zu auswärtigen Fürsten und Ständen etwas 
verlängert werden. Am 15. September 1578 erbittet ihn der 
Graf Philipp von Hanau «zu fertigung einer mappen» (XXI, 
fol. 350 a). Am 30. März 1579 und wiederum am 19. Februar 
1580 erfordert ihn der Pfalzgraf Hans Georg von Veldentz 
zu sich (XXI, 1579, fol. 152 a und 1580, 91b). Das letztere 
Mal erlaubt ihm zwar der Rath die Reise, erklärt aber, «doch 
dass er sich inn keine andere gespraech oder geschafft einlasse 
und darbey sein eyd ihm eingebunden werde, dieser statt halb 
kein abriss oder dergleichen nicht mit sich zu nehmen oder zu 
machen». Und als er zurückkommt von der Reise, werden 
zwei Magistratspersonen, Friedrich von Gottesheim und Niclaus 
Fuchs aljgeordnet, « Specklin zu ihrer gelegenheit zu hören, 
was mit ihm gehandelt worden» (XXI, 12. März). In diesem 
selben 1580. Jahr wird er femer am 9. März nach Schlett- 
stadt, am 23. April abermals zum Pfalzgrafen Hans Georg, 
am 7. Mai zu Philipp von Hanau, am 2. Juli und am 23. 
November nach Ensisheim erbeten. Am 15. April 1581 soll 
er zu Schwendi, am 13. Mai wieder nach Ensisheim, am 16. 
Dezember «nach Lichtenberg, auf 12 tag, eines haus halben» 
ei-scheinen. Und so geht es in den folgenden Jahren weiter, 
wie die Protokolle der XXI. nachweisen. Im Juni 1584 schickt 
sogar einmal Hans Georg von Veldentz eigens seine Kutsche 
nach Strassburg, um den unpässhchen Specklin desto leichter 
zugesandt zu erhalten (XXI, 1584, fol. 276 a). 

Diese fortwährenden Ausflüge und längere Reisen Specklin's *, 
die natürlich seinem städtischen Wirken sehr störend entgegen- 
traten, mussten den Rat, der doch nicht wagte, hohen Nach- 
barn und Gönnern ihren Wunsch abzuschlagen, auf die Länge 
unzufrieden stimmen und gegen den Baumeister selbst einneh- 
men. Es ist daher nicht zu verwundern, dass in den Jahren, 
die dem bösen «bischöflichen Krieg» vorausgingen, und wo 
überhaupt nach Kräften gespart wurde, mehr als eine Stimme 
auf der Pfalz gegen ihn laut wurde und man sagen hörte, Hans 
Schoch «sey tauglicher denn Specklin oder Neuner, die grosse 
besoldungen haben, nichts dafür thun, welchs dem gemeinen 
seckel wol zu ersparen were» (XXI, 18. Juni 1586, fol. 115a). 
Doch fand Specklin offenbar im Rat auch treue Freunde und 



1 Was die von Schadow (S. 21) erwähnte Lokahtät Castel 
zwischen Ensisheim nnd Belfert sein soU^ vermag ich nicht anzu- 
geben. 



n 



— 208 



Verteidiger, denn es blieb Jahre lang bei diesen Redensarten; 
wie es dort im Protokoll heisst : « Und obwohl in der umbfrag 
SpeckUn's und Neuner's halb stark anregung beschehen, dass 
man ihnen urlob geben solt, so ist doch nichts darumb 
erkandt». Es ist dies um so merkwürdiger, als auch damals 
noch seine Aufführung zu manchen Klagen Anlass gegeben zu 
haben scheint, wie aus einer Bemerkung des Ammeisters Cari 
Lorcher hervorzugehen scheint, der im März 1586 bei Meinen 
Herren erwähnt, dass c: Daniel Specklin eine grosse besoldung 
habe, und wenig drumb thue, werde vil für den kleinen rath 
erfordert, erscheine aber nicht, hab vil hend im haar u. s. w. >. 
Auch die Bemerkungen in den Protokollen vom 17. Juni, 26. Juni, 
25. September 1587 lassen erkennen, dass in der That unser 
Baumeister «vil hend im haar^ hatte, die ihn raufen wollten, 
denn immer kehren die Anträge auf Kürzung seiner Besoldung 
aufs neu, und zwar mitten in den Aengsten des m Diebskri^es >, 
wo sein Rat doch ein sehr gewichtiger sein musste. Ob etwa 
sein alter Widei'sacher Heldt, der gerade damals (1586) wieder 
regierender Ammeister gewesen war, ihm das Leben sauer zu 
machen suchte? 

Specklin mag wohl gemerkt haben, was man gegen ihn 
im Schilde führte, und die Einreichung des Entwurfs und der 
Collectaneen zu seiner Chronik bei Meinen Herren, wie sie ver- 
mittelst Supplik am 7. September 1587 vor sich ging, sollte 
wohl seine Lebenskraft und Arbeitsfähigkeit bei ihnen erweisen. 
Aber er erreichte dadurch nicht viel, da die zur Untersuchung 
seiner Handschrift verordneten Herren, der Stettmeister von 
Kageneck, Wolfgang Schütterlin, Matheus Wicker und Niclaus 
Fuchs, ihren Collegen erklärten, es seie diese bloss «ein far- 
rago aus alten historien, also geschaffen, dass es gutter correction, 
so viel allein die grammatik, bedürfe d (XXI, 25. September 
1587). Achtzehn Monate später, am 1. März 1589 überreicht 
dann Ulrich Dietherich, in Specklin's Namen, ein neues W^erk, 
seine Architectura von Vestungen, mit der Bitte, 
« dasselb in gnaden auffzunemen und ihn als einen diener 
commendirt zu haben » (XXI, 1589, fol. 99 b). Aber auch diese 
Captatio benevolentiae verfing nicht * mehr und am 
4. August 1589 wird, bei abermaliger Discussion über Speck- 
lin's Beseitigung, wohl zur Verteidigung desselben ange- 
führt, «es sei (mit ihm) also beschaffen, dass er nicht 
langwürig sein könne» (XXI, 1589, fol. 406). In der 
That muss es bald darauf mit ihm zu Ende gegangen sein. 
Nur darf aus dem Faktum dass der 28, September das letzte in 
seinen Collectaneen angeführte Datum war, nicht ge- 
schlossen werden dass der Tod des Verfassers gleich darauf 



— 209 — 

erfolgte. Die unter dem ganz unzutreffenden Namen Brant's 
Annalen bekannten Auszüge aus den alten Dreizehnerpro- 
tokoDen, von denen Wencker in seinen juristischen Abhand- 
lungen einiges citiert*, und die nun auch verbrannt sind, 
brachten, nach einem Excerpte von L. Schneegans, auf fol. 23» 
des zweiten Bandes, zuerst den Tod des Altammeisters Michael 
Lichtensteiger, unter dem 18. December 1589; dann folgte 
die von Schneegans und Schadow mitgeteilte undatirte 
Notiz über das Ableben Specklin's«. Dürfen wir eine chrono- 
logische Reihenfolge bei diesen Auszügen annehmen (was aber 
fraglich bleibt) so würde Specklin's Tod in die letzten Tage 
des December 1589 zu verlegen sein. 

Das Haus in dem er starb, und das seinem Schwager, 
dem Buchführer Lazarus Zetzner gehörte, war «c oben an Pre- 
digergassen, gegen der PredigerkirchenD (XXI, 1588, fol. 166b). 
Trotzdem, gleich nach dem Tode Specklin's, Meine Herren, 
seine Sachen versiegein Hessen und czu banden genommen 
was davon zuständig ](>, scheint doch manches von seinen Hand- 
schriften und Plänen damals bei Seite gebracht worden zu sein, 
denn, viel später noch, im Jahre 1619, sehen wir den Ma- 
gistrat, beim Absterben des Baumeisters Hans Enoch Meyer, 
nach cettlichen Büchern von Speklin]» suchen lassen (XUI, 
1619, fol. 226 a), was sich doch nur auf ungedruckles Material 
beziehen kann. Da Lazarus Zetzner Specklin's Schwager ge- 
wesen, und wir den Namen der beiden Frauen Zetzner's kennen», 
von denen keine Specklin's Schwester war, so muss unseres 
Baumeisters Gattin eine geborene Zetznerin gewesen sein. Dass 
sie noch 1579 lebte, wissen wir jetzt aus der von Schadow 
mitgeteilten Kaufhausrechnung der Stadt Colmar. Da aber nir- 
gends von ihren Kindern die Rede ist, können wir auch nicht 
feststellen, ob der 1603 erwähnte Andreas Specklin, Schultheiss 
zu Barr (XXI, fol. ,247 b), etwa ihr Sohn gewesen. Ebenso- 
wenig lässt sich eine Verwandschaft zwischen unserm Daniel 
und den im Oberbauherrenprotokoll von 1643 erwähnten «Erben 
Jacob Specklin's» begründen. 



J Ein vollständiges Missverstandnis ist es wenn Schadow (S. 23) 
von einer Ausgabe der Annalen Brant's durch Wencker spricht. 

2 Auch am Schluss der C o 11 e c t a n e e n , wo das Todesjahr 
Specklin's auf fol. 490 des Tom. II, von andrer Hand verzeichnet 
stund, ist kein genaueres Datum vorhanden gewesen. 

3 Sie hiessen Anna Heberer und Magdalena Wünschler (Schnee- 
gans nach Reichardt's genealogischen Tabellen). 



1 



— 210 — 

m. Zur Baathätigkeit Specklin's. 

Ueljer die Einzelnheiten seiner Thätigkeit als städtischer In- 
genieur hier zu berichten fehlt es an Raum, Sie wird am besten 
durch Einsicht in die zahlreichen von ihm gezeichneten, und 
mit seinem Monogramm DS versehenen Plänen klar gestellt^ 
die noch heut im Archiv des städtischen Bauamtes verwahrt 
werden und von denen ein stattliches Verzeichnis in den Pa- 
pieren von Ludwig Schneegans vorhanden ist. Seinen Anteil 
an den Arbeiten bei der (nun auch verschwundenen) « Achträder- 
mühle » belegt das Protokoll der XXI vom 14. März 1584. 
Mit seinem Namen ist der damals viel Staub aufwirbelnde Bau 
eines « thürnlin's » in des Grafen Eberhart von Manderscheid 
Hof verbunden, welches als zu Spionendiensten und Mordge- 
läute verwendbar, bei Rat und Bürgerschaft grosse Aufregung 
hervorrief (XXI, 1. April, 2. April 1584, 16. Mai 1585). Ueber 
die «Wurzmühlen» der Stadt, über Reparatur des «oberen 
Wuhrs» (Deichs), hat sich noch in den letzten Jahren seine 
Thätigkeit erstreckt (Oberbauherrenprotokoll 1588, fol. 186», 219»). 

Mit Recht hat Schadow sein Interesse auf den Bau con- 
centriert, der noch allein Specklin's Namen bei den Zeitgenossen 
im Andenken erhält, nachdem mit dem Abreissen der alten 
Wälle die letzten Reste seiner fortificatorischen Arbeiten ver- 
schwunden sind. Ueber die Vorgeschichte des «Newen Baw's> 
könnte noch einiges nachgetragen werden. Schon 1527 wurde 
erkannt, es sei die Martinskirche abzubrechen ; im Jahr 1528 
wurde sie dann geschlossen, aber erst 1529 wirklich abge- 
brochen. Dann wurde die Frage sehr lange ventiliert was mit 
dem Bauplatze zu thun, und mehr als dreissig Jahre darüber 
gestritten (XXI, 1539, fol. 384 a; 1558, fol. 99 a; 1564, fol. 
302 b; 1573, 836 a). Endlich, im Jahre 1576, wurde die Diing- 
lichkeit eines neuen Rathausbaues erklärt, weil das alte Rat- 
haus und die « schlosserhaeusser umb die cantzley herumb so 
gar baufaellig dass zu befürchten, ob sie gleich underspriesst 
(gestützt), dass sie etwan bey den grossen winden, denjenigen 
so darinnen wohnen, darunder auch, fürnemblich in den 
schlosserhaeussem , junge kinder, zum verderben einfallen 
moechten» (XXI, fol. 709 b). Ueber den, auf die Grundlegung 
am 5. Hornung 1582 folgenden Bau selbst ist dagegen wenig 
neues zu sagen, so gründlich hat Schadow die betreffenden 
Ratsprotokolle durchgearbeitet!. Nicht ganz richtig ist es zu 



1 Es ist nur zu bemerken, dass die Ammeisterstube keines- 
wegs eine < Wohnung für den Ammeister > war. Dieser jährlich 
wechselnde höchste Beamte unserer Republik wo h n te nicht auf der 



— 241 — 

sagen, dass nach 1585 am «Newen Baw » nicht mehr gearbeitet 
wurde. Derselbe kommt noch mehrmals im Oberbauherrenpro- 
tokoll von 1586 vor (fol. 15. 16. 95.), und noch 1599 wird be- 
richtet, dass die Obermessherren von Kettenheim, Obrecht und 
Mathis von Gottesheim den Befehl gegeben «uff den Schnecken 
im Newen Baw einen heim zu setzen)» (Ibid. 1599, fol. 225 a)i. 
Ebenfalls unrichtig ist es, dass der Pfalzsturm vom Juli 
1789 die Väter der Stadt «für immer» daraus vertrieb. Sowohl 
der alte Rat als der interimistische von 1790, und noch der 
neue Munizipalrat tagten in den alten Räumen weiter, bis im 
Jahre 1791 die Stadt das ehemalige Palais des Cardinais von 
Rohan als Emigrantengut ersteigerte und zur Mairie machte. 
Erst mehrere Jahre später wurde dann der Darmstädter Hof 
in der Brandgasse ^ zum Stadihause eingerichtet. 

Eine Frage die in der Schadow'schen Arbeit mit keinem 
Worte berührt wird , die aber gerade durch einen Kunstver- 
ständigen am besten eingeleitet und gelöst werden konnte, ist 
die nach dem Anteil den Specklin am Bau des andren, bedeu- 
tendsten Civilgebäude jener Zeit gehabt haben mag , ich meine 
die damalige « Newe Metzig » an der Rabenbrücke. Dieser statt- 
liche Bau wurde bekanntlich im Januar 1587 begonnen und im 
Mai 1588 beendet. » Doch schon 1584 ist ein Bedacht über die 
Sache vorgenommen und sind Visierungen auf dem Pfennig- 
turme hinterlegt worden (XXI, 1586, fol. 89«). Im Mai 1586 
berichten dann wieder die dazu verordneten Herren « baw- und 
werckmeister betten underschiedliche visierungen gelieffert » 
und nicht weniger als sechs Baupläne werden zur Diskussion 
gestellt, von denen endlich der eine, im August, angenommen 
wird, der den Neubau hart am Wasser errichten lässt (XXI, 
11. Mai, 14. Mai, 1. August 1586). Es wird nun freilich in 
keinem dieser Protokolle Specklin's Name genannt, aber es ist 
doch kaum denkbar dass unter allen den eingeforderten Plänen 
gerade keiner des städtischen Baumeisters gewesen sein sollte, 
der im Jahr 1584 ja noch in voller Kraft dastund. Zudem muss 



Pfalz. Die Ammeisterstube war das officielle Lokal in welchem all- 
abendlich der Ammeister, auf Kosten des Staates im Silbergeschirr 
desselben, ass nnd trank, und zugleich die Fremden von Rang, so 
wie die Persönlichkeiten des Magistrats empfing und bewirtete, also 
eine Art Empfangslokal. Zu nächtlicher Stande gingen dann (wie 
uns zeitgenössische Stiche noch zeigen) Ammeister und Silbergeschirr, 
unter Bedeckung der Schaarwache, nach Hause. 

^ Der S. 39 erwähnte Sekretär hiess Kniebs nnd nicht Krebs. 

^ Nicht Brantgasse wie Schadow schreibt. 

9 Ghroniqne de Meyer, publice par R. Reuss, S. 23. 



^ 



— 242 — 



doch eine gewisse Aehnlichkeit in den Verhältnissen der beiden 
Gebäude, P&lz und Metzig, von Jedermann zugegeben werden, 
ein Uebereinstiramen der Formen, in der Höhe der Stockwerke, 
in der Gestalt der Fensterrahmen, des Turmes mit der Wen- 
deltreppe im Hofe, u. s. w. die es für mich wenigstens — 
allerdings einem Laien in der edlen Baukunst — zur Wahr- 
scheinlichkeit macht dass Specklin, wenn nicht den Bau selbst 
ausgeführt« so doch die Risse dazu gemacht hat. Einem Sach- 
verstandigeren möge es überlassen bleiben der Frage näher zu 
treten und sie mit technischen Argumenten zu erörtern. 

IV. Zur antiquarischen Thätigkeit Specklin's. 

lieber Specklin's Thätigkeit als Chronist, und über den 
Wert seiner Arbeiten ist hier nicht der Ort mich auszulassen, 
um so weniger als ich, hoffentlich bald, an anderer Stelle gründ- 
licher auf diese Fragen einzugehen haben werde. Nur auf einen 
Punkt möchte ich hier mit wenigen Worten noch verweisen, 
auf unseres Baumeisters reges Interesse für die Ueberreste ver- 
gangener Zeiten, die ihm auf seinen Reisen, bei seiner amt- 
lichen Thätigkeit aufstossen, sie mögen nun der Urzeit, der 
römischen Periode oder auch dem Mittelalter angehören. Aus 
den spärlichen Bruchstücken seiner Gollectanecn sehen wir wie 
eifrig er diesen c Antiquitäten:» in der Rheinebene, wie auf den 
Spitzen der Vogesen nachspürt und mit welcher Vorliebe er 
darüber berichtet. Ein zünftiger Gelehrter allerdings ist er nicht, 
aber ein verständiger Laie, wie deren auch heut zu Tage nicht 
im Ueberfluss vorhanden sind. Man sehe nur die schon teil- 
weise von Silbermann in seiner Lokalgeschichte (S. 30) 
angezogene Beschreibung der im Jahr 1568 vorgenommenen 
Ausgrabungen am Weissenturmthore, die in den Gollectaneen 
Bd. II, fol. 366*^ zu lesen war und von der wir einen längeren 
Auszug aufgefunden haben. Im Jahre 1577 erzählt er von den 
vielen <9: Antiquitäten» die zu Woerth aufgefunden worden sind, 
«darunter ein viereckigter Stein, dorauff Mercurius, Hercules, 
Diana, Venus» (Coli. II, fol. 411 ^). Später berichtet er von einem 
«bilde» das zu Brumath gefunden worden, «mit schriflten und 
müntzen» (ad ann. 1583, Coli. II, fol. 433). Im Jahr 1584 ist 
die Rede von «antiquitäten zu Neuwiler» die er nach Lichten- 
berg gebracht hat (Coli. II, fol. 442). Kein Zweifel dass wenn 
seine Aufzeichnungen noch vollständig vor uns lägen, wir so 
ein recht ansprechendes Bild Specklin's als eines der ältesten 
Liebhaber römischer Altertümer im Elsass entwerfen könnten. 

Recht liebenswürdig in seinem Wissenseifer und seinem 
bescheidenen Anerkennen der eigenen Unwissenheit, zeigt er 



— 243 — 

sich in eipigen Briefen, die er über Antiquitäten und Inschriften 
mit dem bekannten Strassburger Professor Michael Beulher von 
Carlstadt, dem üeberselzer und Fortsetzer des Sleidan, und 
einem gewissen David Bündel gewechselt hat. Diese Papiere 
sind — auf welche Weise kann nicht mehr erraten werden 
— in Jakob Wencker's Hände gefallen, und befinden sich in 
dem zweiten Bande der Collectanea manuscripta 
Argentoratensia des gelehrten Archivars, die ich schon 
oben citiert habe. Diese Briefe beziehen sich allerdings auf Denk- 
mäler die grossenteils von Andern später besser entziffert und 
in correkterer Weise gedeutet werden, lassen uns jedoch einen 
Einblick thun in die Art und Weise der epigraphischen For- 
schung jener Zeit und zeugen von dem Eifer SpeckJin's sich 
über das Gefundene auch gehörig zu orientieren. Sie sind aus 
den Jahren 4582 und 4583, und beziehen sich teils auf eine 
römische Grabschrift, die auf dem Murrhof aufgefunden worden, 
teils auf einen Grabstein, der später in Schöpflin's Sammlung 
sich befand, theils endlich auf «der antiquita3tt geschrilTten so 
auff Wassenburg ist, bei Niderbronn im Elsass, anYio 4582 
erfundene» der bekannten attegia Mercurii. Es wurde 
diese Notizen allzusehr ausdehnen wenn ich des weiteren hier 
darauf eingehen wollte, aber wenigstens noch einmal erwähnt 
ru werden verdienen sie gewiss i. 



' Diese Briefe sind von mir, bereits vor achtzehn Jahren, der 
SociHe des monumerUs historiques vorgelegt worden and wnrde ihre 
Veröffentliclinng im Bulletin damals beschlossen; dieselbe ist jedoch, 
ans welchen Granden ist mir nicht mehr erinnerlich, nicht erfolgt, 
ßrst kürzlich habe ich die Abschrift derselben anter meinen Papieren 
wieder entdeckt. • 



XIV. 



Elsass-Lothringische Bibliographie 



188S 



bearbeitet von E. Marck'wald und G. MtLndel. 



Vorbemerkung: Die Bibliographie reicht bis zum 1 . April 1 886 
und wird von jetzt an den Zeitraum von April bis April umfassen. — Das 
Verzeichnis der Zeitungen und Zeitschriften wird nur in grösseren Zwischen- 
räumen gegeben werden. — Aufgenommen sind nur Artikel aus Zeitschrülen 
und wissenschaftlichen Beilagen politischer Zeitungen, ausgeschlossen sind 
dagegen Recensionen. — Ist bei Zeitungen etc. keine Jahres- oder Bandzahl 
angegeben, so ist der Jahrgang 1885 gemeint. Als Abkürzungen sind ge- 
braucht: w. = wöchentlich; m. = monatlich; j. = jährlich. 

I. Zeitsohriften. 

1 L'Aheüle d^Alsace-Lorraine. Jonmal hebd^madaire, religienx et 
politique. Erscheint alle 3 Wochen. 

2 Affiches de Strasbourg (Strassbnrger Wochenblatt). Strassborg. 
Fischbach. 2 w. Jt. 12 — 

3 Alemannia. Zeitschrift för Sprache, Litterator und Volkskunde 
des Elsasses, Oberrheins und Schwabens. Hrsgb. v. A. Birlinger. 
13. Jahrg. 3 Hefte gr. 8. Bonn, Marcus. Ul 6 — 

4 Annaien der Verbreitung des Glaubens. 2 m. 

ö Annuaire administratif, statistique, historique, judiciaire et com- 
mercial de Meurthe-Moselle pour 1885 (63* ann^e), par Henri 
Lepage et N. Grosjean. 12. XXIV. 700 S. Nancy, libr. Gro^ean. 

fr. 2 75 

6 Arvnuaire du Doubs, de la Franche-Coxntd et du territoire de Beifort 
pour 188d, par Jul. Gauthier. 72* ann6e 8. 478 p. et planches. 
Besan^on, Jacquin. 

7 Annuaire de la papeterie latine pour 1885 (6* annöe). France et 
colonies, Alsace-Lorraine, Belgique, Suisse fran^aise, romande et 
italienne, etc. 8. XXII. 384 p. avec dess. Paris, Lahousse. fr. 6 — 

8 Anzeiger, AUgem., f. d. deutsche Armee. 1 w. Strassburg. »# 4 — 



— 215 — 

SaÄnjseiger, Landwirthschaftlicher. Organ der oberelsäss.- Darlehns- 
kassen. 1 w. Bixheim. ..^ 1 60 

9 Archiv der Strassborger Pastoral-Conferenz. 8. Band. 6. Lieferang. 
1885. 8. 506 S. Strassbnrg, Heitz-Mündel. 

10 ÄrcfUv für öffentliche Gesundheitspflege in Elsass-Lothringen. 
Hrsgb. vom ärztl. hygien. Verein. Red. von H. Wasserfuhr. 
IX. Bd. gr. 8. IV. u. 243 S. Strassburg, Bull. Jl 6 — 

11 X. Xn u. 496 S. mit 5 Karten, 2 Taf. m. Querprof., 1 

Fcs. n. 1 graph. Darstellg , sowie mit 24 in den Text gedruckten 
Fig. Ebd. ^. 20 — 

12 Association pour prSvenir les accidents de machines, fondöe sous 
les auspices de la Soc. industr. de Mulhouse. Compte-rendu de 
la XVn* ann^e. (Sep.-Abdr. aus « Bulletin de la Soc. ind. de Mul- 
house».) 8. Mulhouse, impr. Bader et Cie. 

13 Bade-Blattf Niederbronner. [Erscheint unregelmässig]. 

14 Beiträge zur vaterländischen Geschichte. Hrsgb. von der hist. u. 
antiquar. Gesellschaft zu Basel. Neue Folge. Band 11. Heft L 11. 
Der ganzen Reihe XII Bd. Basel, Georg. 8. (Erscheint von jetzt 
ab in Heften; vier Hefte bilden einen Band.) JL 2 — 

15 Beiträge zur Kirchengeschichte des Elsasses vom 16.-19. Jahrh. 
Vierteljahrsschrift im Dienste der evangel.-luth. Kirche, red. u. 
hrsgb. V. Wüh. Homing. 5. Jahrg. 1885. 4 Hefte, gr. 8. Strassburg, 
Vomhoff in Comm. u». 3 — 

16 Bienenzüchter j Der Elsässisch-Lothringische. XHI. 8. Strassburg, 
Fischbach. 

17 Blätter, Elsässische, für Stadt und Land. Illustrirte Wochenschrift 
mit Inseratenbeilage. 1 w. JL ^ — 

18 BvUetin agricole. Organe et propri^t6 de la Soc. d^agriculture de 
Tarrondissement de Chäteau-Salins. 4. Metz, imp. de la Gazette 
de Lorraine. 

19 Bulletin de la Soci6t6 industrielle de Mulhouse. Tome LV. Annee 
1885. 12 livrais. gr. 8. Mülhausen i.|Els. (Bufleb u. Detloff.) .^ 18 — 

20 Bulletin de la Soci^te industrielle de Mulhouse 1886. Mülhausen, 
Detloff. JL IS — 

21 Bulletin de la Soci6t6 d^histoire naturelle de Metz. 1 j. 

22 BvMetin de la Soci6t6 d^histoire naturelle de €olmar. Ann6e XXVI 
8. Colmar. 

23 BuUetin de la Soci6t6 philomathique vosgienne. 10<) ann6e. 1884. 
1885. 8. 191 p. St-Di6, Humbert. 

24 Bulletin de la Soci^tö pour la conservation des monuments histo- 
riques. [Erscheint jedes 2. Jahr.] Strassburg, Schultz u. Cie. 

2a BuUetin de la Soci6tS v^t^rinaire d'Alsace-Lorraine. [Erscheint 
unregelmässig.] 

26 Bulletin du musSe historique de Mulhouse. X' ann6e. 8. Mulhouse. 

27 Bulletin eccUsiastique de Strasbourg. Ann6e IV. 8. Strasbourg, 
typ. Le Roux. 

28 BuUetin mensuel de la Soci6t6 des sciences, agriculture et arts de 
la Basse-Alsace. (Gesellschaft zur Beförderung der Wissenschaften, 
des Ackerbaues u. d. schönen Künste in Unter-Elsass.) 1 m. 

29 Caecüia. Organ d. elsäss. Ver. f. Kirchenmusik. Organe de la 
Soci6t6 alsacienne de musique religieuse. Jahrg. H. 4. Colmar, 
Druck von Eglinsdörfer u. Cie. 1 m. 

30 Centräl'AnJseiger f. Metallindustrie. Anzeigeblatt f. d. deutschen 
Eisen-, Stahl- u. Kurzwaaren-Handlungen. 3 w. 



— 216 — 

31 ElsasSy Das. (L^Alsace.) ülnstrirtes Wochenblatt. (Jonmal illustre) 
1 w. Strassburg. JC 6 — 

32 Familie, Die heilige. 1 w. Rixheim. uC 1 20 

33 Famüien^Bwue (Hevne des Familles;. 1 w. 

34 Friedensbote, Evangelisch-lutherischer, ans E-L. Hrsgb. von 
F, Ä. Ihme. 16. Jahrg. 1885. 1 w. gr. 8. Bärenthal [Philipps- 
barg]. (Dresden, H. J. Naumann). Uf 4 7d 

35 Gazette m^dicale de Strasbourg. Eecueil m^dical et scientifique. 
Red. Jul. Boeckel. 44 ann^e ou 4 s^rie. 14« ann^e. 1885. 12 nrs. 
gr. 4. Strasbourg, Schultz et Cie. ul 10 — 

36 L'Hortictdture commerciale. Journal special universel d^annonces 
horticoles. 2 m. 

37 Höbiverkauf 8' Anzeiger. Officielles Publications-Organ f. d. öffentL 
Versteigerungen u. Ausschreibgn.. etc. Jahrg. V. 1 w. Strassburg, 
Auer JL S ^ 

38 Hopfen-, Brauer- und Gasthof szeitung, Elsässische. Organ des 
Hopfenbau-Yer. f. E.-L. X. 4. 1 w. Hagenau, Druck von Gilardone. 

39 Jahrbuch f. Lothringen. Annuaire de la Lorraine. 6* annöe. 1886. 
8. VI 124 S. Metz. G. Lang. uT 4 — 

40 Jahrbuch, Basler, 188d. Hrsgb. von Alb. Burckhardt u. Rod. 
Wackernagel. (5 Jahrg.) 8. VIII. 312 S. Basel, Detloflf. uT 4 — 

41 Jahrbücher des Vereins y. Aterthumsfreunden im Rheinlande. 
78. Heft. Mit 7 Taf. u. 10 Holzschnitten. Lex.-8. IV u. 258 S. 
Bonn 1884. Marcus. UK 6 — 

41a 79. Heft. Mit 7 Taf. u. 12 Holzschnitten. Lex.-8. HI. 292 S. 

Bonn. Marcus. «^6 — 

42 Jahrbuch für Geschichte, Sprache und Litteratur Elsass-Lothriii- 
gens, hrsgb. von dem hist.-lit. Zweigverein des Vogesen-Clabs. 
1. Jahrg. gr. 8. IH 148 S. Strassburg, Heitz u. Mündel. UK. 2 50 

A2^ Jahresbericht der kirchlich-evangel. Gesellschaft in Colmar. 1 j. 

43 Jahresbericht des Elsässischen Fischer ei- Vereins für 1884. 8. 
Strassburg. 

44 Jahresbericht über die Beobachtungs-Ergebnisse der v. den forslL 
Versuchsanstalten d. Königr. Preussen, Württemberg, d. Herzoeth. 
Braunschweig, d. thüring. Staaten, d. Reichslande und d. Landea- 
directoriums d. Prov. Hannover forstl. meteorol. Stationen. Hrsgb. 
von A. Mütterich. 10. Jaiirg. Das Jahr 1884. gr. 8. HL 128 S. 
Berlin, Springer. Ul 2 — 

45 Jahresbericht VI u. VII des Vereins f. Erdkunde zu Metz 1 1883- 
1884. Lex. 8. 168 S. Metz, Scriba. Ul 3 — 

46 Jahresbericht des Centralbureaus für Meteorologie u. Hydrographie 
im Grossherzogthum Baden, nebst den Ergebnissen der meteorol. 
Beobachtungen u. der Wasserstandsaufzeichnungen am Rhein o. 
an seinen grösseren Nebenflüssen f. d. Jahr 1884. gr. 4. IV. 56 S. 
mit 11 Taf. Karlsruhe, Braun. «J« 4 — 

47 Jahresbericht des naturwissenschatfl. Vereins von Els.-Lothringen 
u. Annales de la Soci^t6 botanique vogöso-rhönane 1884. Hrsgb. 
vom Vorstand, gr. 8. 34 S. mit 2 Lichtdmcktafeln. Strassburg, 
Bull. ul 1 — 

48 Jahresbericht der Handelskammer von Colmar für 1884. 8. Colmar, 
Jung. 

49 Jahresbericht der Handelskammer von Mülhausen. 8. 1884-1885. 

50 Jahresbericht der Handelskammer von Strassburg. August 1884- 
August 1885. 

51 Immobüienr Anzeiger. Central-Organ für das gesammte Immobilien- 
u. Hypothekenwesen. 1 w. Strassburg. 



r' 



— 217 — 

52 Journal de la Soci^t^ d'archöologie lorraine et da Comit6 da 
Mas^e lorrain. Ann6e XXXIV. 8. Nancy, Cr^pin-Leblond. 

53 Journal de la Soci6t6 d'horticaltnre de la Basse-Alsace. [Erscheint 
nnregelmässig.] 

54 Journal de pharmacie d'Alsace-Lonaine. 1 m. 

55 Journal du Clab des Cri-Cris. [Erscheint anregelmässig.] 

56 Joumtü far Landwirthschaft, Indastrie a. Handel. Organ d. land- 
wirthschaftl. Vereins des Landkreises Metz. (Joarnal agricole, 
indostriel et commercial. Organe de la Soc. agricole de Tarron- 
dissement de Metz-campagne.) 2 m. 

57 Kamerad, Der gnte. lUastririe Monatsschrift für die deutschen 
Soldaten. 1 m. 

58 Kirchenbote, evangelisch-protestantischer, f. E.-L. Red. : Tabach. 
14. Jahrg. 1885. 1 w. Strassbarg, Heitz u. Mandel, in Comm. 
gr. 4. «^3 25 

59 Konkurs- Ameiger, Allgemeiner, für das deutsche Reich u. Central- 
Organ f. d. Gesammt-Interessen d. deutschen Handels u. d. In- 
dustrie. 1 w. 

60 KorrespondenehlaU für die evangelischen Geistlichen der deutschen 
Annee. 1 m. 

61 Massigkeit f Die. Organ zur Bekämpf ang der Trunksucht. Hrsgb. 
unter Mitwirkung verdienstvoller Arbeiterfreunde von M. Matter. 
Jahrg. I. Mülhausen, Druck von Matter. 1 w. JL 2 ^ 

62 MSmoires de la SociM^ d^arch^ologie et d'histoire de la Moselle. 
Vol. XVI. 8. Metz, Verronnais. 

63 Mhmoires de TAcad^mie de Metz. 1 j. 

64 Mhfioirea de TAcadömie de Stanislas. 135o ann^e. V' s^rie. t. IL 
1884. 8. CXLÜI. 358 p. Nancy, Berger-Levrault. 

65 Memoires de la Soci^tS d^archSologie lorraine et du Musee histo- 
rique lorrain. 3* sörie. t. XH. (34* de la coUection.) 8. XXIV. 
458 p. Nancy, Wiener. 

66 Mhnoires de la Soci6t6 de m^decine de Strasbourg, j. 

67 Mimoires de la Soci6t6 de m^decine de Nancy. Compte-rendu 
annuel et procds-verbaux des s^ances par Rehmer. Ann^e 1883/84. 
8. LXVl. 134 p. avec fig. et pl. Nancy, Berger-Levrault et Cie. 

68 Mirliton. 1 m. Strassburg 

69 Mittheüungen des Vogesen-Clubs. Nr. XVIÜ. : Jahresbericht 1884/85 
erstattet durch F. Harbordt. — E. Hering : Die Frankenburg 
im Weilerthale. Aufforderung des hist.-lit. Zweigvereines zu Mit- 
theilungen über volksthümliche Feste, Gebräuche und Trachten. 
8. 56 S. Strassburg, Druck von Heitz u. Mündel. 

70 Mittheüungen, Statistische, über E.-L. [Erscheinen unregelmässig.] 

71 Monaieberichte der meteorolog. Stationen in E.-L. 1 m. Strassburg. 

72 Monatahlatt für Christen augsburgischer Confession. 

73 Notariata-Zeitschrift für Els.-Lothr. (Journal du notariat d^Alsace- 
Lorraine.) 1 m. Strassburg. 

74 Progres religieux, Le. Journal des 6glises protestantes. R^d. : Th. 
Gerold. 18* ann^e. 1885. 1 w. 4. Strassburg, Heitz u. Mündel. 5 20 

75 Bevue alsacienne. VIII* ann^e. 1 m. 8. Paris, Berger-Levrault et Cie. 

U^ 10 60 

76 Remte catholique d^Alsace. 1 m. Rixheim. JL b — 

77 Bevue, La, nouvelle d^Alsace-Lorraine. V' ann6e. 8. Strasbourg, 
Metz, Alcan; Colmar, impr. Decker. 

78 Bevue d^Alsace. Nouv. s6rie. XIII« annSe. 8. Colmar. 



— 248 — 

79 SchMlatt^ Elsass-lothringisches. Central-Organ für Erziehnng, 
Unterricht nnd amtl. Berichte in E.-L. Begründet von Theophil 
Hatt nnd unter Mitwirkung namhafter Schulmänner fortgef. von 
Paul Zänker. 15. Jahrg. 18^5. 2 m. Lex. 8. Strassburg, Schultz 
u. Cie. Verl. UK 6 40 

80 Schülblatt, Hagenauer. Hagenau, Gilardone. 2 m. 

81 Schulfreund^ Der. (L*ami des 6coles). 2 m. Metz. uJ 30 — 

82 Sonntags-Blatt, Elsässisches evangelisches. Red. : C. F. Bögner. 
22. Jahrg. 188ö. 1 w. gr. 8. Strassb., Heitz u. Mündel. UK 4 — 

83 Sonntagsblatt, Lothringer. 1 w. Forbach. «#2 — 

84 Stibmissionsaneeiger, Strassburger, für Süd- und West-Deutschland. 
Central-Organ für öffentl. Arbeiten. 2 w. Strassborg. ul 12 — 

85 [Hermanny Gtistav.] Das Täublein von Neuenberg. Nr, 9. 4. Strass- 
burg, Schultz et Cie. 

86 Tribüne von Elsass-Lothringen. Organ des Versicherungswesens 
u. d. Yolkswirthschaftl. Interessen in E.-L. (Tribüne d'Alsaoe- 
Lorraine. Journal des assurances et des int^rets 6cozioiniqiieB 
d'Alsace-Lorraine.) 25 j. Strassburg. UlE 8 — 

87 Umschau, Die, auf dem Gebiet des Zoll- und Steuerwesens. Fach- 
schrift für Zoll- u. Steuerbeamte. 1 m. 

88 üniversaJIrAnzeigeblatt für Gartenbau u. alle verwandten Fächer. 
[Deutsche Ausgabe von: L^Horticulture commerciale.] 2 m. 

89 Verein zur Fürsorge für entlassene Gefangene des Bezirks Unter- 
Elsass. [Auch mit französ. Titel.] Jahresbericht für 1884/85. 8. 
Strasbourg, typ. Fischbach. 

90 Vereinsblatt, Katholisches, der Jugend von Elsass gewidmet. L 8. 
Rixheim, Druck von Sutter. 

91 VerwaUungsbericht der Handelskammer von Metz. 1884/85. 8. 

92 Volksblatt. Die Welt in Wort u. Bild. Hrsgb. von Chr. G. Hotün- 
ger. 8. Jahrg. 1885. 1 w. 4. Strassburg, (Strohmeyer). •# 2 60 

93 VoUcsschule, Elsass-lothringische. Wochenschrift für Theorie nnd 
Praxis d. Elementarschulwesens. Hrsgb. v. J. J. Alexandre. 10. 
Jahrg. 1885. 1 w. gr. 8. Strassburg, Trübner in Comm. [Erscheint 
nicht mehr.] Uf 6 50 

94 WohnungS'Änzeiger des Eigenthümer-Ver. v. Strassb. [Auch mit 
französ. Titel.] Jahrg. I. 4. Sti*assburg, Druck v. Bauer. 

95 Zeitschrift für französisches Civilrecht. Sammlung v. civilrechtL 
Entscheidg. d. deutschen^ sowie d. französ., belg. u. italien. Ge- 
idchte mit krit. u. erläut. Bemerkxmgen, Abhandlungen u. Lite- 
raturberichten. Nach dem Tode von Sigism. Puchelt hrsgh. von 
Max Heinsheimer. gr. 8. Mannheim, Bensheimer. uK 12 — 

96 Zeitschrift, Juristische, für d. Reichsland E.-L. Hrsgb. v. Pnchelt 
u. Duy. 10. Jahrg. 1885. 12 Hefte, gr. 8. Mannheim, Bensheimers 
Verl. ur 8 — 

97 Zeitschrift, Westdeutsche, für Geschichte u. Kunst. Hrsgb. von F. 
Hettner u. E. Lamprecht. 4. Jahrg. 1885. [Pick's Monatsschrift 
12. Jahr^.] gr. 8. 4 Hefte. Nebst Eorrespondenzblatt. 1 nL 
gr. 8. Trier, Lintz. JL 10 — 
Korrespondenzblatt allein. Ui 5 — 

98 Zeitschrift, Landwirthschaftliche, für E.-L. , zugL Organ für Wein-, 
Obst- u. Gartenbau. Hrsgb. v. H. Vogel. 2. 1 w. Strassburg, 
Schultz u. Comp. «^ 1 60 

99 Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins. Hrsgb. v. d grossherz. 
General-Landesarchiv zu Karlsruhe. 38. u. 39. Bd. gr. 8. Karls- 
i-uhe 1884 u. 1885. Braun. k JL b -^ 



— 219 — 

n. Sammelwerke. 

100 IHssertatumes philologicae Argentoratenses selectae. vol. VIII. IX. 
gr. 8. Vm. 300 S. ur 6. ; EX. III. 196 S. JL 7. Strasßb., Trübner. 
Cl-IX JL 59.—)- «y^ 13 — 

101 Festgruss, Strassbnrger, an Anton Springer zum 4. Mai 1885. 
gr. 8. (Mit eingedr. Autotypien.): JaniUcheckj H. Zwei Studien 
zur Geschichte der caroling. Malerei. 30 S. — Michaelis, A. 
Michelangelos Leda u. ihr antikes Vorbild. S. 31-43). Stuttgart^ 
Spemann. Ji 6 — 

102 Stöber, Äug. Nene Alsatia. Beitr. zur Landeskunde, Geschichte, 
Sitten- u. Rechtskunde des Elsasses, ausgewählt aus 50 Jahren 
literar. Thätigkeit des Verf. 1834-1884. Zugleich Schlussband der 
<Al8atia>. gr. 8. II. 303 S. Mülhausen i./E., Petry. «^ 4 50 

103 Stitdien, Strassburger. Zeitschrift für Geschichte, Sprache und 
Litteratur des Elsasses. Hrsgb. von £. Martin u. W. Wiegand. 
HL Bd. I. Heft. gr. 8. 146 S. Strassburg. Trübner. UK 3 — 

104 Tagblatt der Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte 
in Strassburg. 18. bis 23. Sept. 1885. red. von J. Stilling, Strass- 
burg 1885. 4. 663 S. (Trübner). vÄ 8 — 

105 Vom Jura zum Schwarzwald. Geschichte, Sage, Land u. Leute. 
Hrsgb. unter Mitwirkung einer Anzahl Schriftsteller und Volks- 
freunde von F. A. Stocker. U. Bd. 4 Hefte. (1. Heft. 80 S. mit 1 
Portrait) Aarau, Sauerländer. tAL b — 

in. Kalender. 

106 ALmanach de Nancy pour 1886. 8. ä 2 col. 98 p. avec Vignette. 
Nancy, Hinzelin et Cie. 

107 Almanach de Strasbourg pour 1886. 8. ä 2 col. 80 p. et avec 
Vignette. Nancy, Hinzelin. 

108 Almanach des Familles. 4. Metz, Verronnais. 

109 Almanach Mulhousien. Editeur J. Maurer. Ann^e II. 8. Mulhouse. 

110 Almanach Saint-Joseph. Strasbourg, Hubert et Haberer. 

111 V Amüsant. Almanach des campagnes. 8. Metz, Verronnais. 

112 Bote, Der Colmarer hinkende. Colmar, Decker. 

113 Bote, Der grosse Strassburger hinkende. E. Kai. für Römisch- 
KathoUsche und Protestanten. 4. Strassburg, Le Roux. 

114 Bote, Der gute. 4. Strassburg, Evangel. Gesellschaft. 

115 BoUy Der hinkende, am Rhein. Strassburg, Fischbach. 

116 Cälendrier, Petit, litnrgique. Metz, Ballet. 

117 Cälendrier liturgique pour les fidMes du dioc^se de Strasbourg. 
8. Strasbourg, typ. Le Roux. 

118 Conteur, Le v6ritable vieux. 4. Metz, Verronnais. 

119 OuUivateur, Le, lorrain. Almanach. 4. Metz, Verronnais. 

120 Farnüienkaiender, Neuer elsässischer, Jahrg. I. 4. Altkirch, Boshrer. 

121 Geschäfts- u. Notizkalender für die Gemeindeverwaltung in E.-L., 
enth. die Termine für die period. Geschäfte der Gemeindever- 
waltung u. Ortspolizei, für das Gemeinderechnungswesen, die 
Armenanstalten, Hospize u. Hospitäler, Kirchen u. Fabrikräthe, 
Sparkassenverwaltungen, höhere u. Volksschulen etc., nebst einem 
Auhang, enth. Märkte u. Messen, Tabellen über Gemeindezu- 
schläge u. über Krankheiten der Hausthiere, sowie Jagd- und 
Fischereikalender. Lex. 8. VIH, 164 S. Strassb., Schultz u. Comp. 
Verl. cart. UJ? 3 — 



— 220 — 

122 Hana-Michd, Der lustige. 4. Rixheim. 

123 Hauskälender, Christkatholischer. 4. Coimar, Hoffmann. 

124 Jagd- u. Fischerei-Kalender für Elsass-Lothringen. Lex. 8. 7 S. 
Strassburg, Schultz n. Comp. Verl. JC — W 

125 Josephe-Kalender, Elsass-Lothringer, f. Stadt n. Land. 4. Strass- 
barg und Metz. 

126 Kalender, evang.-luth. Hrsgb. von der Evang.-luther. Gesell- 
schaft für innere u. äussere Mission in Elsass-Lothringen. 4. 
80 S. mit lUustr. Strassburg, Yomhoff. ul — 24 

127 Kalender, Illustrirter christlicher, f. d. Jugend. Strassb. Yomhoff. 

128 Kalender für Elsass-Lothringen. 4. Strassbui'g, Wurst. 

129 Kalender, Landwirthschaftlicher, für^ E.-L. Mit landwirthschaftL 
Hilfstabellen, Tagebuch u. Schreibkalender. Hrsgb. v. H. VogeL 
4. Strassburg, Bull. 

130 Kalender, Marienthaler. Hagenau, Gilardone. 

131 Kalender, Verbesserter, genannt der Hinkende Bote am Ehein. 4. 
Strassburg, Fischbach. 

132 Kirchenkalender, Evangelischer, für E.-L. 8. Strassb., Heitz u. Mandel. 

133 Kirchenkalender, für die Gläubigen der Diözese Strassborg. 
8. Strassburg, Druck von Le Rouz. 

134 Land- u. Bergbote, Der lustige. Coimar, Jung u. Comp. 

135 Marien-Kalender, Strassburger. 4. Strassburg, Wurst. 

136 Messager, Le grand, boiteux de Metz. Almanach instructif et 
amüsant. 4. Metz, Veronnais. 

137 Messager, Le grand, boiteux de Strasbourg. Almanach historique, 
moral et r^crlatif. 4. Strasbourg, Le Boux. 

138 Messager, Le, lorrain. 8. ä 2 col. 84 p. avec Vignette. Nancy, 
Hinzelin et Cie. 

139 Messager, Le, frangais de Strasbourg, almanach interessant. 8. k 
2 col. 88 p. avec grav. Döle et Paris, Guyot. 

140 Messager, Le, fran^ais lorrain, almanach 8. ä 2 col. 40 p. aTec 
gravures. Döle et Paris, Guyot. 

141 Messager, Le v6ritable, boiteux de Coimar. Coimar, Decker. 

142 Postillon, Le, lorrain, almanach moral, historique et röcreatif. 
8. ä 2 col. 66 p. avec vignettes. Nancy, Vagner. 

143 Sanct-Morands-Kalender, Der neue. 4. Altkirch, Schuffenecker. 

144 Schretb-Kälender für elsass-lothringische Lehrer. Hrsgb. von Ant. 
Ph. Largiader. gr. 16. 203 S. Strassburg, Bull. geb. JL 1 20 

145 Schrjßib-Kalender, Neuer, gestellt durch Jacobum Rosium. 4. Basel, 
Schweighauser. 

146 Staats-Kalender. Neu verbesserter, vollkommener, genannt der 
Colmarer Hinkende Bote. 4. Coimar. 

147 Stadt- u, Landbote, Elsässer. Illustrirter Haus- u. Volkskalender 
für Jedermann. 4. Mülhausen, Druck v. Nawratil. 

148 Stadt- u. Landhote, Der Elsässer. Strassburg, Wurst 

149 Termin-Kalender für Justiz- und Verwaltungsbeamte in Elsass- 
Lothringen. Nach amtl. Quellen. 16. IV. 204 u. 68 S. Strassburg, 
Schultz u. Comp. geb. JL 2 50. 

150 Veritable, Le, almanach lorrain de Nancy et Metz. 4. & 2 col. 
56 p. avec portr. Nancy, Chevry. 

151 Vcükskalender, Elsässischer, für Stadt und Land an der Hl und 
am Ehein. [A. u. d. T. : Kleiner Volkskalender.] 4. Altkirch, 
Boehrer. 



— 221 — 

152 VöOcskäUndeTy Kleiner. Altkirch, BoBhrer. 

153 WeihncuMs- u. Greschäftskaiender. Petit almanach. 8. Strassburg, 
Klinger. 

154 WeihfMcJUS'Kdlenderj ülastrirter, der Neuesten Nachrichten. 8. 
Strassburg, Kayser. 

IV. Zeitungen. 

155 AnUsbUxtt der Generaldirektion der Eisenbahnen. 1 w. Strassburg. 

156 AnUsblcUt des Generaldirektors der Zölle n. indirekten Steuern 
in E.-L.. [Erscheint nnregelmässig.] 

157 Anzeiger, Elsässischer. Mfiches alsaciennes. ^Imar, Jung. 4 w. 

JL\2 — 

158 Anzeiger, Mülhanser. (Indicatenr de la Haute-Alsace.) 6 w. Mul- 
hansen, Druck von Nawratil. JL & — 

159 Anzeiger, Rappoltsweiler. (A£ßches de Ribeauvill6.) 1 w. 
lb%Bauemfreunä, Lothringer. 1 w. Forbach. JC 2 ^ 
mi^Belier. 1 w. Nancy. Jl 10 85 

160 Bote, Der, vom Munsterthal. Wochenblatt u. Anzeiger für die 
Kantone Münster u. Winzenheim. Jahrg. IX. 1 w. Münster, Riotte. 

161 Bote, Sennheimer. 2 w. Sennheim. .i^ 6 20 

162 Bote, Strassburger. Wochenblatt für E.-L. Jahrg. XV. 1 w. Strass- 
burg, Schneider u. Schultz. tMk 2 — 

163 Centrair und Bezirka-AmUblaU f. E.-L. 1 w. ul 4 — 

164 Courrier, he, de la Moselle, und: Courrier, Le, de Meurthe-et- 
Moselle. 6 w. Metz. [Erscheint nicht mehr.] Jf 16 — 

164« Courrier de Meurthe et Moselle. 3 w. Nancy. ut 9 20 

IQih Echo von E.-L. 6 w. Strassburg. [Erscheint nicht mehr.] J$ ß — 

164c Jg!c^ de Metz. 1 w. Metz. [Erscheint nicht mehr.] ul 4 — 

165 Erzähler, Elsässer. Wochenblatt vom Bezirk Colmar. Kreisblatt 
des Kreises Colmar (mit Sonntags-Unterhaltungsblatt). 4 w. 
Colmar. Ji S — 

166 Express. (Journal de Mulhouse.) 6 w. Mulhouse. J^ 2b — 

167 Crozette de la Lorraine. (Journal de Metz.) 6 w. Metz. uK 16 — 
l^lti Gazette vosgienne. 2 w. St.-Di6. Ul 23 70 

168 Gesetzblatt für Elsass-Lothringen. 1885. Strassburg. [Erscheint 
unregelmässig.] JC 4c — 

l^Impartiäl des Vosges. 1 w. St.-Di6. uK 7 60 

IGSblmpartial de TEst. [Erscheint alle 2 Tage.] Metz. ut 19 — 

169 Joumai de Sainte-Marie-aux-Mines et de la Vall6e. AnnSe XL. 
Sainte-Marie aux-Mines, Cellarius. 2 w. Markirch. ul 10 — 

170 Joumai, Elsässer, u. Niederrheinischer Kurier. (Joumai d'Alsace 
et Courier du Bas-Ehin.) 6 w. Strassburg, Fischbach, ul 40 — 

171 Joumai, Mülhauser. (Mulhouse- Joumai.) 3 w. 

171& JioumoZ de TArrondissem. de Guebwiller. 2 w. Gebweiler. «/^ 12 — 

172 Kantans-Blatt, Barrer. 1 w. BaiT. J^ 6 40 

173 Kreisbhxtt, Altkircher. (Journal d^ Altkirch et de Tarrondissement.) 
1 w. Altkirch. uK 6 — 

174 Kreisblatt für den Landkreis Strassburg. [Ersch. unregelmässig.] 

175 Kreisblatt, Gebweiler. (Joumai de Tarrondissement de Gueb- 
willer.) 2 w. Gebweiler. u!f 12 — 

176 Zre»&2a^,Molsheimer. (Journ. de Molsheim.) 2 w. Molsheim. Jfll^ 

15 



^ 



— 222 — 

177 Kreisblatt, Rappoltsweiler. (Jonmal de rarrondissement de Bi- 
beauTill^.) 1 w. Rappoltsweiler. ul 6 — 

178 Kreisblatt, Thanner, (Journal de Thann et de rarrondissemeni) 
1 w. Altkirch. ^ 8 _ 

179 Kreuz-Zeitung für E.-L. Kehl, Butz. [Erscheint seit. lö./IL 85 
nicht mehr.] 

180 Kurier, Thanner. 2 w. 

181 Landes- Zeitung far E.-L. Hrsgb. im Anftr. des Ministerinms. 6 w. 
Strassborg. Schultz n. Cie. «# 16 — 

182 Lorrain, Le. Echo de Metz et d'Alsace-Lorraine. 6 w. Metz. UUl 16 — 

\%2^Meisdacker, Der. (Le petit Strasbonrgeois.) Illiistr. lltt.-hiimor. 
Wochenblatt. 1 w. Strassborg. UUL 6 — 

182bJSf<^mona2 des Vosges. 3 w. Epinal. JL 27 15 

183 Messin, Le petit. Echo da pays lorrain. 3 w. Metz. 

184 Messin, Le. 6 w. Metz. uK 12 iO 
\%i^Moniteur de la Meorthe et des Vosges. [Erscheint alle 2 Tage.] 

Metz. ur 19 — 

185 Moniteur de la Moselle. 6 w. Metz. JL IG — 

186 Mosel- u. Nied-Zeitung. Anzeige-Blatt för die amtl. tu eerichtL 
Bekanntmachungen der Kreise Bolchen u. Diedenhofen. (Gazette 
de la Nied et de la Moselle.) 3 w. Diedenhofen. UK 6 — 

187 Ndichrichten, Elsässische. Amtl. Bekanntmachnngen f. d. Kreis 
Schlettstadt (Nonvelles alsaciennes.) (Nebst Beilage: ülastrirtes 
Unterhaltnngs-Blatt.) 3 w. Schlettstadt. ul 16 — 

188 Nachrichten, Neueste. (Demiöres Nouvelles.) Allgemeiner Anzeiger 
(Intelligenzblatt) für E.-L. 6 w. Strassburg. uK 4 40 

189 Fölizei-Anzeiger, Elsass-Lothringischer. 1 w. Strassburg. uK 6 — 

190 Fost, Elsässer, u. Mülhauser Nachrichten. Organ des landwiith- 
schaftl. ELreisvereins Mulhausen u. * LandtoirthschafiL Anseiffer» 
(mit Sonntagsbeilage « Der Hausfreund»), 2 w. Mülhausen. UK. 6 — 

191 Post, Strassburger. 12 w. Strassburg, Du Mont-Schauberg. UUL 20 — 

192 Sammler, Der Colmarer. Samstagsblatt. (Le Glaneur du Haut- 
Rhin.) 1 w. 

193 Sprechsaal, Jüdischer, für E.-L. u. d. Schweiz. (Lectures isra^lites 
pour l'Alsace-Lorraine et la Suisse.) 1 w. 

194 Tagblatt, Mülhauser, m. d. Beil. : Der Hausfreund, 6 w. uff 7 60 

194a Traduction du « Central- und Bezirksamtsblatt f. E.-L. (SuUetin 
officiel des Administrations Centrales et Döpartementales d^Al- 
sace-Lorraine.) 1 w. Metz. UK 4 — 

195 Völksblatt, Metzer katholisches. 1 w. Metz. ,4C 2 — 

196 Volksfreund, Der. 1 w. Strassburg. uK 2 — 

197 Völkszeitung, Strassburger (Strassburger Anzeiger), nüt Sonntags- 
Beil. : Illustr. ünterhaltungsblatt. Strassb., Wurst. 6 w. uff 4 40 

197a Vosgien. 3 w. £pinal. UVL 22 06 

198 Wochenblatt^ Mülhauser, und elsäss. Yolkszeitung für Stadt und 
Land (mit illustrirtem Sonntagsblatt). 1 w. Mülhausen. UI6 3 40 

199 Wochenblatt von Bischweiler. (Affiches de Bischwiller.) 1 w. Bisch- 
Weiler. v4L 7 60 

200 Wochenblatt, Weissenburger. Amtliches Organ f. d. Kreis Weis- 
senburg. 2 w. Weissenburg. uff 8 — 

201 Wochenblatt, Zaberner. Anzeigeblatt f. d. amtl. Bekanntmachun- 
gen im Kreise u. Landgerichts-Bezirk Zabem (mit illustrirtem 
Sonntagsblatt). 2 w. Zabem. je iQ ^ 



— 223 — 

202 Zeitung, Ersteiner. Kreisblatt f. d. Kreis Erstein, mit Beilage : 
lUustrirtes SonntagsbkUt. 2 w. Erstein. j^ G — 

203 Zeitung, Forbacher. Amtl. Kreis-Blatt f. d. Kreis Forbach (mit 
Sonntagsbeilage: * Lothringer Blätter >). 3 w. Forbach. JK ß — 

204 Zeitung, Hagenaner, nnd amtl. Bekanntmachung f. d. Kreis 
Hagenan. (Ancien Indicatenr de Hagnenaa.) Mit d. Beilage : lüu- 
strirtes ünterhdltungablatt. 3 w. Hagenan. JL 12 — 

205 Zeitung, Lothringer. Amtliches Organ. 6 w. Metz. uf 16 — 

206 Zeitung, Metzer^ (mit iUnstr. Sonntagsblatt). 6 w. Metz. e/M 16 — 

207 Zeitung, Nene Mülhanser, mit der Beilage Landtoirtschaftl. An- 
zeiger. 6 w. Mülhausen. uC 15 — 

208 2kitung, Saarbnrger. Kreis-Blatt f. Saarbnrg. (Gazette de Saar- 
bonrg.) 2 w. Saarbnrg. Jd 4 — 

209 Zeitung, Saargemnnder. Kreisblatt f. d. Kreis Saargemnnd nnd 
amtl. Anzeige-Blatt f. d. Landgerichtsbezirk Saargemnnd (mit 
illnstr. Unterhaltnngsblatt). 4 w. Saargemnnd. Ulf 9 80 

210 Zomffialbote, Der. 3 w. Bmmath, Langner. [Vom 1. Jan. 1886 ab 
Neuer Zomthalbote.] UT 3 60 

V. Biographien der Zeitgenossen. 

211 Äux 6ponx Möäi/ ä Toccasion de lenrs noces d^argent. 29. I. 
1886. Le bon coin des biberons ä convercle. 8. Colmar, impr. 
Jung et Cie. 

212 Barbier, J. N. Les voyagenrs inconnns. ün Vosgien tabou k 
Nonka-Hiwa, sonvenirs de voyage de Georges Winter, ex-soldat 
d'infanterie de marine. Avec nne carte de Tile Nonka-Hiwa. 8. 
65. p. Nancy, Berger-Levranlt et Cie. (Extr. du Bulletin de la 
Soci^tö de g^ographie de TEst.) 

213 Berr^ieim. Discours prononcö sur la tombe de feu Monsieur 
Damd Cohen, le 10 mai 188ö. 8. Strasb , impr. Schnitz et Cie. 

21^ Erichson, Ä. Professor Dr. KLaiser f, (In: Protest. Kirchen- 
zeitung, Nr. 2ö.) 

214 Erinnerung an die goldene Hochzeitsfeier von Chr. HacJcenschmidt 
und Louise Urban, den 7. Juni 1885. Den Freunden gewidmet. 
8. Strassburg, Druck von Hubert. 

215 FlecJc. Epithalame en Thonneur des 6poux Louis Wetterwald et 
Marie Fleck dont le manage c6l6br6 k Türkheim, le 1**^ sept. 
1885, a et6 b6ni par M. Tabb^ Wetterwald, fröre du mari^. 8. 
Colmar, impr. Jung et Cie. 

216 Grad, CharUe. Etudes historiques sur les naturalistes de TAlsace. 
Edouard CöUomb. 1801-1875. Notice lue ä la Soc. d'hist. natur. 
de Colmar (s6ance du 4 nov. 1885). (Extr. du Bull, de la Soc. 
d'hist. nat. de Colmar, annSes 1883-85.) 8. Colmar, impr. Decker. 

217 Hohenlohe-SchiUingsfürst, Clovis-Charles-Yictor prince de, Statt- 
halter d^Alsace-Lorraine. Esquisse bibliographique [sie]. Avec 
Portrait. 8. Metz, Böha. 

2llaHohenlohe, Fürst Chlodwig zu, Statthalter von E -L. (In: üeber 
Land u. Meer. LV. 6.) 

2nh HoJienloTie, Fürst, der zukünftige Statthalter von E.-L. «In: 
Illust. Zeitung, Nr. 2196.) 

218 — Chlodwig Rud. Victor Fürst von, Statthalter von Elsass-Lothr. 
Eine biograph. Skizze. Mit Poi-trait. 8. 25 S. Metz, Scriba.-uB — 50 

219 Homing, Wilh. Friedr. Theodor Horning, Pfarrer an der Jung 
St-Peterkirche. Lebensbild eines Strassburger evang.-luth. Be- 



— 224 — 

kenners im XIX. Jahrh. (Mit dem Brustbild in Lichtdruck). 
4. kaSi. (Vermehrt durch Anhang in.) Lex. 8. 424 S. Würzburg, 
Stuber. cart. UK 5 — 

220 — j Fr. Trauerrede zum Andenken an den kaiserl. Statthalter, G«- 
neral-Feldmarschall Frhr. Edwin von Manteuffel, geh. nach der 
Amtspredigt am 3. Trinitatissonntag (21. Juni 1885) in der Jung 
St-Peterkirche zu Strassb. gr. 8. 8 S. Strassb., VomhofE. ui — 10 

221 H. Grand. Jundt Gtist. 8. 20 p. Paris, imp. Quartin. 

222 KöMin, Eugene f. (In : « Chemiker-Zeitung >. 9. Jahrg. Nr. 2^ 

223 Kapp, G. Worte bei der Trauerfeier S. £xc. d. kaiserl. Statt- 
halters von Elsass-Lothringen, General-Feldmarschall Freiherra 
van Manteuffdf am 21. Juni 1885, in der Neuen Kirche zu Strass- 
bürg. gr. 8. 8 S. Strassburg, Bull. uT — 20 

224 Lehmann, Matthieu. £loge fnn^bre prononc6 sur la tombe de 
Monsieur JtUes Bemheim. Colmar, 2d mars 1885. 8. Colmar, 
impr. Decker. 

225 Manteuffd, Feldmarschall Freiherr von. (Kulturkämpfer, hrsgb. 
Yon Glagau. Heft 121). Berlin, Exp. d. Kulturkämpfers, jlt — 60 

225a—, Edwin von. (In: Üeber Land u. Meer. LIV. 41.) 

225b—, Freiherr von, Generalfeldmerschall. (In: AUgem. Militär- 
zeitung. LV. 48. 49.) 

225c — , Freiherr von, Generalfeldmarschall. (In: Illustr. Zeitung, 
Nr. 2191.) 

226 Marais, Aug, Un Fran^ais : le colonel Denfert-Bochereau. Nouv. 
edit. 8. 135 p. avec gravures et carte. Paris, Martin. (Edncat 
morale civique. Bibl. de la jeunesse frangaise). 

227 Matthia. Leichen-Predigt gehalten bei der Beerdig, v. FriedriA 
Siegrist, den 29. Dec. 1885, in der luther. Kirche zu Eyweiler. 8. 
Strassburg, Druck von Du Mont-Schauberg. 

228 Mury, P. Anreden der Herren P. Mury u. Schi616 bei der Einsetzg. 
des Letzteren als Pfarrer zweiter Klasse zu ülkirch-GrafenstadexL 
(21. Dez. 1884.) 8. Strassburg, Druck von Le Roux. 

228^ Necker, M. Alberta von Puttkammer. (In: Die Grenzbot^L 
XLIV. 29.) 

229 Notiee biographique sur M. Jean-Auguste Michel, 8. Mnlhouse, 
impr. Bader et Cie. 

230 Petry, Ch. J. Oraison funöbre prononcee ä Tenterrement de 
Madame Sophie-Lianie-Elisabeth de GaJhau, n^e Villeroy, dans 
r^glise paroissiale de Yaudrevange, le vendredi 17 juillet 1885. 8. 
Metz, impr. Delhart. 

2dO^ Statthalter, der neue, in den Reichslanden. (In: Preossische 

Jahrbücher. LVH. 1.) 
2'dOhStattJidlier, der neue, von E.-L. (In: Daheim. Beilage XXI. 48. .i 

231 Weü, Isidore, £loge fun^bre prononc6 sur la tombe de Monsieur 
Abraham Meyer, ancien membre du Consistoire de Colmar. 27 
d6c. 1885. 8. Colmar, imp. Decker. 

232 — j^loge funebre prononc^ sur la tombe de Monsieur Jules 
Bemheim. Colmar, le 26 mars 1885). 8. Colmar, impr. Jung et Cie, 

233 Weü, Discours d'adieu prononcS au temple israölite de Sarre- 
bourg, le samedi 5 sept. 1885. 8. Strasbourg, typ. Fischbach. 

234 Zum Andenken an den am 17. Juni 1885 zu Carlsbad verstoi^ 
benen kaiserl. Statthalter von E.-L. General-Feldmarschall, Frei- 
herrn van Manteuffd, (Nach der < Landes-Zeitung für E.-L.>) 
8. Strassburg, Druck von Schultz u. Comp. 

235 Zur Erinnerung an Canrad Albert Ehrhardt in SchiltigheiiD. 
1817-1885. 8. Strassburg, Druck von Hubert. 



— 225 — 

VI. Landeskunde. 

236 Adreashuch von Metz. Nach der städtischen Volkszählnng be- 
arbeitet. [Aach mit französ. Titel : Annuaire de Metz etc.] III. 8. 
Metz, Yerronnais. 

237 Adressbuch d. Stadt n. d. Kreises Mülhausen. 1885. Bearb. mit 
Genehmigung d. Kreisdirection, v. H, Jannsen. gr. 8. XV, 557 S. 
Mülhausen, Detloff. UK 8; geb. uK 9 — 

2^7a Adressbuch der Stadt Strassbnrg. 1886-87. Nach amtl. Quellen* 
Mit 1 Plane der Stadt Strassburg. gr. 8. VIII, 264 u. 326 S. 
Strassburg, Heinrich, geb. JL 6 bO 

238 Algermissen, Joh. Ludw. Karte d. Umgegend v. Metz. 1 : 50.000 
5. Aufl. Chromolith. qu. fol. Metz, Lang. JH 2 — 

239 — üebersichtskarte y. Elsass-Lothringen. Verkleinerte Ausg. der 
Specialkalte. 1 : 400.000. 5. Aufl. ChromoKth. gr. fol. Metz, Lang. 

J( 1 - 

240 — üebersichtskarte v. Südwest-Deutschland. 1 : 400,000. Aufl. 
1886. 2 Blatt. Chromolith. qu. gr. fol. Metz, Lang. uK 3 ; auf 
Leinw. in Etui u9^ 5 50; m. Stäben UK 6 50. 

241 Amman, Karl. Album des Kreises Forbach. Zwölf Ansichten aus 
dem Kreise Forbach. In Mappe (daraus einzeln: Höhen von 
Spichem, Lichtdruck, Ji 1 — ). Forbach, Hupfer. UJ^ 4 — 

242 Ansichten der Hoh-Königsburg. 12 Photographien v. W. Linde. 
Strassburg, Heitz u. Mündel. Cabinetf. k Jt 1 — 

242a^itö dem « Vogesen-Club >. (In : Allgem. Zeitung. Beil. Nr. 203.) 

243 Becker, August. Der Schauplatz des Walthariliedes. (In : Wester- 
mann's illustr. deutsche Monatshefte. 29. Jahrg. Mai, Juni). 

244 Badermann, G, Specialkarte v. Wangenburg, Niedek, Eisenbahn- 
station Bomansweiler bezw. Urmatt, zum Gebrauch d. Touristen. 
1:40.000. Lichtdruck, qu. fol. Strassburg, Trübner. uj? 1 — 

245 Beiträge zur Hydrographie des Grossherzogthums Baden. Hrsgb. 
V. d. Centralbureau für Meteorologie u. Hydrographie. HI. Heft 
mit Atlas. Inhalt: Die Korrection des Oberrheins v. d. Schweizer 
Grenze unterhalb Basel bis zur grossherzogl. hessischen Grenze 
unterhalb Mannheim, insbesondere der badische Antheil an dem 
Unternehmen. Karlsruhe, Braun. Jf 20 — 

246 Biere, La, Gruber et ses d6tracteurs. 1882-1885. 8. Strassbourg, 
typogr. Fischbach. 

247 Brennfleck, Fr. u. Wester, Constantin. Touren- u. Fahrtenbuch für 
E'-L. u. Baden, mit Berücksichtigung Frankreichs u. d. Schweiz. 
Ein Handbuch für den Radfahrersport. J^ 2 — 

248 Burckd, G. Les plantes indig^nes de PAlsace propres ä Torna- 
mentation des parcs et jardins. s. Kasnig, Ch. 

249 Catalog der Ausstellung f. Wein-, Obst- u. Gartenbau, Geflügel- 
u. Bienenzucht u. d. auf Jagd bezügl. Gegenstände bei Anlass 
d. Generalversammlung d. deutsch. Weinbaucongresses zu Colmar 
V. 19-27. Sept. 1885. [Nebst] Nachtrag. 8. Colmar, Druck von 
Eglinsdörfer u. C. 

250 Conty. Les Vosges en poche. Guide Conty. 3* Edition. 18. IV, 
212 p. et gi'av. Paris, ä Toffice des Guides Conty, 

251 Courbe, Ch. Nancy vendant ä boire et k manger. 18. 68 p. Impr. 
nouvelle. (Extr. du Petit Nanc^in). 

252 Denkmäler und Kriegergräber auf den Schlachtfeldern v. Metz. 
1:50.000. 6. Aufl. Chromolith. qu. gr. fol. Metz, Lang. JL 1 QO 



— 226 — 

253 Ebefij H. Kleiner Schwarzwaldföhrer f. Tübinger, Stattgarter, 
Heidelberger and Strassbnrger Touristen. Mit 2 Wegkarten. 2. 
verm. Aufl. 8. VI, 98 S. Tübingen, Fues. cart. UUL l 60 

254 Elsässerin aus dem Leberthale. Zwei Photographien v. W. Linde. 
Strassburg, Heitz u. Mündel. ä Uf 1 — 

255 Euting, Jtd, Beschreibung der Stadt Strassburg u. d. Bfünsters. 
Mit Plan, Panorama, Karte u. Holzschnitten. 3. verbess. Aufl. 
12. 68 S. Strassburg, Trübner. ..Ä 1 — 

256 — Guide illustre de la ville de Strasbourg et de la Cathödrale. 
12. 47 S. Strassburg, Trübner. UC 1 — 

257 Fiedler. Wegweiser für Weinkäufer im Elsass. Ein Verzeichniss 
der bedeutendsten Weinorte des Elsasses, der noch daselbst 
lagernden Weine nebst Preisen, d. Namen der Weinsticher nebst 
anderen Notizen. Hrsgb. zur Festfeier der Colmarer Ausstellimg 
im Sept. 1885. Mülhausen, Druckerei v. Munch. 8. 38 S. UK — oO 

258 Fischer^ A. Prakt. Führer durch Metz u. seine ümgeboBg mit 
besond. Berücksichtig, der Schlachtfelder. Mit einem Plane der 
Stadt u. d. Schlachtfelder, sowie mehreren Holzschnitten. 12. 
Yin, 106 S. Metz, Müller, cart. uV 1 50 

259 Foumier, A. Rothenbach au Reinhopf. 8. 9 p. et carte. Nancy. 
Berger-Levrault et C. (Extr. du Bull, de la seci vosg. dn Club 
Alpin fran^.) 

260 — Excursions aux environs de St-Die. 8. 7 p. Nancy, Berger- 
Levrault et C. (Extr. du Bull, de la sect vosg. du Club Alp. fr.i 

261 Frankreichs Ostgrenze u. Eisenbahnnetz. (In : Wissenschaftl. Bei> 
läge d. Leipziger Zeitung. 1886. Nr. 9 u. 13.) 

262 Frieddy M. Das Projekt der Canalisirung der Mosel von Metz 
bis Coblenz. AnfgesteUt im Auftrage der Vereinieung von Gross- 
industriellen am Niederrhein und an der Mosel. Für die Ver- 
öfFentl. bearbeitet unter Mitwirkung des Reg.-Baumeisters Pasquaj 
zu Metz. fol. 39 S. mit Plantafeln u. Skizzen im Text. Trier, 
Lintz. ^JC 3 — 

263 Fuhrer für Kaysersberg u. Umgebung. Mit 1 Karte. Bearb. tob 
Mitgliedern u. Freunden d. Y.-C.-Section Kaysersberg. 8. Kayseis- 
berg, Selbstverlag der Section. cart. uV 1 2C> 

264 Gavier, Henry. Yoyage aux chäteaux historiques de la Chaine 
des Vosges. 1 vol. 8. d^environ 400 pages ayec 200 dessins ori- 
ginaux ae Tauteur. 

265 Grad, Ch. Le climat de TAlsace et les Services m6t6orologiqne&. 
In: Revue scienüfique, Nov. 1885. 

266 Häberlin, Metz. (In : Ueber Land u. Meer. LV, 17.) 

267 Hirn, G. A, R6sum6 des observations m6t4orologiques faites 
pendant les ann^es 1882, 1883, 1884, en quatre points dn Haat- 
Rhin et des Vosges. (Extr. du Bull, de la Soc. dabist, nat. de 
Colmar. 8. Colmar.) 

268 Husaon, C. Empoisonnement par les Champignons ä Essey-les- 
Nancy et au Pont d^Essey en septembre 1884. 8. 19 p. Nancy, 
Sordaillet. (Extr. du Compte rendu des travaux de la Sod^t^ 
de pharmacie de Lorraine, octobre 1884.) 

269 Joanne, P. Vosges, Alsace-Lorraine. 32. ä 2 col. XXXIl, 351 p. 
avec 6 cartes et 4 plans. Paris, Hachette et Cie. fc- 5 — 

270 — Geographie du d^partement de Meurthe-et-Moselle. 3« 6dit- 
12. 80 p. avec 17 grav. et carte. Paris, Hachette et Cie. fr. 1 — 

271 Karte des Petroleumvorkommens im Ünter-Elsass. 2. Strassburg. 
Druck von Hubert. 



— 227 — 

272 Karte des Deutschen Reiches. Abtheilang : Königreich Prenssen 
1 : 100.00<.\ Hrsgb. v. d. kartogr. Abtheilnng der kgl. prenss. 
Landesaufnahme. Kupferst. u. color. qu. fol. Berlin, Schropp. 
Nr. 600. Bourdonnaye. Ii Uf 1 50 

273 Kiepertj H. Schulwandkarte des deutschen Reichslandes Elsass- 
Lothringen. 1 : 180000. 6 Blatt. 2 bericht. Aufl. Chiomolith. qu. 
gr. fol. Berlin, Reimer. Ul 8 — 

274 König, Ch. *u. Burckely Georg. Les plantes iiidigenes de TAlsace 
propre ä Tomementation d. parcs et jardins. 1" partie. Plantes 
herbac6es vivaces. (Aus: BuU. de la Socidt6 d'histoire naturelle 
de Colmar.) gr. 8. Iö6 S. Colmar, Barth. Uir 2 40 

275 Krieger, Der Gesundheitszustand in Elsass-Lothringen während 
d. J. 1883. Im amtl. Auftrage nach den Berichten d. Medicinal- 
beamten. gr. 8. X, 132 S. Strassburg, Bull. uT 3 — 

276 Lederlin et Baurcart, Rapport sur les travaux de la facultö de 
droit de Nancy (acadSmie de Nancy) pendant Tannöe scolaire 
1883-1884. 8. 31 p. Nancy, Berger-Levrault et Cie. 

277 Lepsius, Bich. Die oberrheinische Tiefebene u. ihr Randgebirge. 
Mit 1 lith. Uebersichtskarte d. oberrheinischen Gebirgssystems. 
S. 33-92. 8. Stuttgart, Engelhorn. (Forsch, z. deutschen Landes- 
u. Volkskunde. Bd. I. Heft II.) Jf 2 — 

278 Lerond, Heinr. Herappel u. Rosselthal. Skizzen aus der Rossel- 
gegend. 8. IV, 116 S. Forbach, Hupfer. Ul 2 — 

279 Lorraine, la, illustr^e. Introduction historique par Aug. Prost. 
Ancienne Moselle par Lor^dan; Meuse par Andr. Theuriet; 
Vosges par L. Jouve et Liötard; Meurthe par Edg. Auguin. 
Fase. 1 & 15. gr. 4. ay. nombr. erav. Nancy, Berger-Levrault et C. 
L^ouvrage complet, ornS de plus de 360 grav. avec frontispice 
en Couleurs, formera environ 20 fasc. de 40 p. et coutera 50 fr. 
Prix de chaque fasc. mensuel fr. 2 50. 

280 Meininger, Ernest. Essai de description de statistique et dabist, 
de Mulhouse. Pr6c6d6 dMne notice histor. par M. X. Mossmann. 
Quinze illustrations dans le texte et quatorze planch et cartes 
hors texte 4. Mulhouse, Graeub. 

281 Memoires de deux voyages et s6jours en Alsace 1674-76 et 1681. 
Avec un itin^raire descriptif de Paris ä Basle et les vues d^ Alt- 
kirch et de Beifort dessin^es par Tauteur L D L S D L*H P. 
[Par H. de L'Hermine.] 8. Mulhouse, impr. Bader et C. [Auch 
in: Bull, du Mus6e histor. de Mulhouse. VII-X.) Publie pour la 
premiere fois d^apr^s le manuscrit original par L B J C. M. 

282 Messtischblätter des Preussischen Staates. 1 : 25.000. Kgl. Preuss. 
Landesaufnahme 1884. Nr. 3583 Saareinsberg 3584 Niederbronn 
3587 Mothem. 3596 Buchsweiler. 3597 Pfaffenhofen. 3599 Sufflen- 
heim, 3600 Selz. 3607 Zabem. 3610 Bischweiler. 3617 Truchters- 
heim. 3622 Molsheim. 3625 Plaine 3626 Schirmeck. 3629 Plobs- 
heim. 3634 Weiler. 3643 Eckkirch. 3647 Diebolsheim. 3659 Rothen- 
bach. 3663 Neubreisach. 3667 Wildenstein. 3670 Niederenzen. 
3671 Heiteren. 3585 Wörth a. d. Sauer. 3586 Sulz u. Wald. 
3598 Hagenau. 3609 Brumath. 3616 Wasselnheim. 3623 Geispolds- 
heim. 3624 Strassburg i. E. 3627 Ban\ 3633 Saales. 3635 Dam- 
bach. 3636 Benfeld. 3646 Hilsenheim. 3668 Lautenbach, h, Ml — 

283 Militär-Adressen v. Metz in aiphabet. Reihenfolge, (Aus Adress- 
buch V. Metz.) 8. 15 S. Metz 1884. Lang. U8f — 50 

284 Mittheüungen, technisch-statistische, über die Stromverhältnisse 
des Rheins längs des elsass-lothringischen Gebietes. Aufgestellt 
im Ministerium f. Elsass-Lothringen. Erstes Heft. 4. 193 S. Text 
nebst Atlas v. 52 Tafeln. Strassburg, Bull. UK 12 — 



— 228 — 

285 MüUer-Käppen. Die Höhenbestimmungen d. kgl. prenss. Landes- 
anfnahme in Elsass-Lothringen. 2. Heft Zusammengestellt nach 
amtl. Werken, gr. 8. S. 55-74. Berlin, MüUer-Köppen. (l. n. 2. 
Jf SSb) ur 1 35 

286 Münchj Josef. Znr St-Maternosqnelle bei Sand. Ein kleiner Weg- 
weiser f. d. Elsässer Pilger. 8. Strassburg, Druck y. Bauer. 

287 Nationälites, les. 30 graziöse Frauengestalten in* eleg. National- 
Kostümen: (Kniestücke.) Nach d. Natur aufgenommen. Kabinet- 
format. Nr. 1-6. Elsass-lothring. Trachten. München, Verlaga- 
anst. f. Kunst u. Wissenschaft. ä ul 1 — 

288 Nouveau guide dans Nancy, contenant la description de Nancy 
et des alentours, Thistoire de Nancy et des sept faubonrgs, les 
renseignements g6n6raux s. la ville etc. pour 1885. 1'* ^t. 18. 
228 p. et cai-te. Nancy, Thi6baut. 

289 Olry. Rech. s. 1. phSnomenes m^t^orologiques de la Lorraine. 8. 
107 p. et pl. Nancy, Berger-Levrault et Cie. (Extr. du BulL 
de la Soc. de gSogr. de TEst.) 

290 Omptedüf Ludto, Freiherr van. Rheinische Gärten von der Mosel 
bis zum Bodensee. Bilder aus alter u. neuer GärtnereL Mit 55 
farbigen Abbild, im Texte. 4. Berlin, Parey. Subscript Ji 20 — 

291 Organisation, Die, des Weinmarktes in E.-L. Von A. H— g. 8. 
Strassburg, Druck v. Bauer. 

292 Peyerimhoff, Henri de. «Supplement» zu: Catalogue des lepidop- 
teres d^Alsace etc. (Extr. du Bull, de la Soc. dabist, nat. de 
Colmar, ann6es 1883-85.) 8. Colmar, impr. Decker. 

293 Plan von Metz. 1:8333 1/3. Chromolith. qu. gr. fol. Metz, Lang. 

an - 

294 JPlan der Stadt Strassburg u. deren Erweiterungen. Massstab 
1|5000. Neueste Ausgabe. 2. Strassburg, Schultz u. Cie. JL 1 — 

295 Programm, Allgemeines, f. die bei Gelegenheit d. Weinbau-Kon- 
gresses zu Colmar v. 19.-27. Sept. 1885 stattfindende Weinbau- 
Ausstellung. [Deutsch u. franz.] 8. Colmar, typ. Jung et Cie, 

296 Quartier-Liste der Garnisonen u. Militärbehörden in E.-L. Mit 
Angabe d. Wohnung sämmtlicher in Strassburg gamisonirenden 
Offiziere u. Militarbeamten. Nr. 1. März 1886. 8. Strassburg, 
Wolff. UK — oü 

297 Quartier-Liste der Garnisonen u. Militärbehörden in Lothringen. 
Nr. 14. Nov. 1884. Mit Angabe d. Wohng. sämmtl. in Metz gam. 
Offiziere u. Militärbeamten, gr. 8. 12 S. Metz, Lang. uiT — 50 

298 Nr. 15/16. Ebend. ä ul — 50 

299 Beiber, Ferdinand. Apercu d. progres de Tentomologie en Alsace 
et notes sur les collections et les collectionneurs d^insectes de 
cette province, suivi dMne notice sur le phylloxSra en Alsace- 
Lorraine. (Extr. du Bulletin de la Soc. dabist, nat. de Colmar, 
annöes 1888-85.) 8. Colmar. JL l &) 

300 Bheininseln, Die elsässischen. Nach Ch. Grad's «Durch E.-L.>- 
(In : Aus allen Welttheilen, XVII, 6.) 

301 Beutenauer, A. Annuaire des adresses du commerce, de Tindustrie, 
des professions et des administrations du district de la Basse- 
Alsace. 8. Schiltigheim, typ. Gottlieb. 

302 Schaffer, Maurice. Des conduites d^eau 6tudi6es au point de vue 
juridique ä Poccasion des travaux ä ex^cuter ä ObemaL 8. 
Strasbourg, typ. Fisch bach. 

303 [Schir, N.) Le guide du p61erin au mont Sainte-Odile. 3' 6d., 
revue et corr. 8. Strasbourg, impr. Bauer. 



— 229 — 

304 Schuster. Observations m^töorologiques faites k Metz pendant 
1^ rannte 188 t. (Extr. des MSmoires de FAcad^mie de Metz. 

X* ann^e de la 3* sSrie. 8.) 

305 Seyfried, C. Notiz über Dornach. 8. Rixheim, Buchdr Satter. 

306 Societe indastrielle de Malhonse. (In : Chemiker-Zeitung. IX. 
Nr. 62, 63, 78-81, 86, 87, 90, 100, 101. — X. 1-4, 9, 10, 21, 22). 

307 Straasehbüder aus Metz. (In : Ueber Land n. Meer. LIY, 43). 

308 Topographie der Stadt Strassbnrg. Herausgegeben von dem 
Elsass-Lothringischen ärztlich-hygienischen Verein. Festschrift 
für die in Sti'assburg tagende Versammlung deutscher Natur- 
forscher und Aerzte. Redigiert von J. Krieger. Strassbnrg, Bull, 
gr. 8. 496 S. J<1 20 — 

309 JJehereichUlcarte, Neue, von Central-Europa resp. der öster-ungar. 
Monarchie. 1 : 750,000. Hrsgb. vom k. k. militär-geogr. Institute 
in Wien. 9 Lfg. Imp. fol. 4 chrom. Karten. Wien. Lechners Sort. 
(Enthält : Westt. A 3. Qenf, Lyon, Beifort, Macon. A 4. 5. E 4.J. 

ä uf 2 — 

310 ümbeTy Ch. Tableaux des observations m6t6rologiques pendant 
les annees 1882-84. (Suppl. au Bulletin de la Soc. d'hist. nat. de 
Colmar 1883-85. qu. 2. Colmar). 

311 Voigtländera Pfalzführer. Wegweiser für die Besucher der baye- 
rischen Pfalz und der Städte Mannheim, Heidelberg, Karlsruhe, 
Weissenburg, Worms, Mainz, Saarbrücken, Kreuznach u. Bingen. 
5. umg. Aufl. mit 4 üebersichtskarten. 8. VIH, 226 S. Kreuznach, 
Voigtländer. UK 2 — 

3lla Wag^teTy H, Wandkarte v. E.-L. 1 : 200,000. 4 Blatt. Chromolith. 
gr. Fol. Strassbnrg, Schultz u. Co. Verl. 

JL. 5 ; auf Leinw. m. Stäben JL \0 — 

312 WeisSy Armand, Üne touriste anglaise en Alsace. 8. 13 p. Nancy, 
Berger-Levrault. (Extr. de la Revue alsacienne de 1884.) 

313 WosrVa Führer durch Colmar und Umgebung. Mit Stadtplan, 
Umgebungskarte u. Eisenbahnkarte. 2. Aufl. gr. 16. 16 S. Würz- 
burg, Wcerl. Ji — 50 

314 — Führer durch Hagenau im Elsass u. Umgebung. Mit Plan der 
Stadt, Karte von Elsass-Lothringen u. Eisenbahnkarte. 2. Aufl. 
gr. 16. 14 S. Würzburg, Wcerl. ./Ä — 50 

315 — Reisehandbücher. Die Rheinlande u. die anstossenden Qebiete 
vom Bodensee bis zur holländischen Grenze. Mit 1 Rhein-Pano- 
rama, 7 Karten des Rheines von Konstanz bis Kleve, 3 Üeber- 
sichtskarten, 1 Eisenbahnkarte, 19 Routenkarten, 18 Stadtplänen 
u. 4 Grundrissen von Kirchen. 2. vollst, umgearbeitete Aufl. 12. 
XV, 448 S. Würzburg, Wcerl. geb. Ji 6 — 

VIL Geschichte. 

316 Adam. Mömpelgard u. sein staatsrechtl. Yerhältniss zu Württem- 
berg u. d. alten deutschen Reiche. (In: Württemb. Vierteljahrs- 
hefte f. Landesgesch. 7. Jahrg. Heft 3 u. 4.) 

317 BeUe-Croix, Baron de la. Enthüllungen u. Erinnerungen eines 
franz. Generalstabsofficiers aus den Unglückst^gen von Metz u. 
Sedan. Aus den hinterlassenen Papieren. 1.-7. Aufl. 8. IV. 210 S. 
Hannover, Helwing. JL S — 

318 BemouUi, A. Die Basler vor Blochmont. (Beiträge zur vaterlän- 
dischen Geschichte. Hrsgb. v. d. bist. u. antiq. Gesellschaft zu 
Basel. Neue Folge. Bd. II. Heft H. Nr. 2). Basel, Georg. 

319 BoureuUe, de. L^ Alsace de la reforme. (Extr. du Bulletin de la 
Soc. philomathique vosgienne, 1885/86). 8. St-Di6, typ. Humbert. 



^ 



— 230 — 

320 — L^Alsace da moyen-ige. (Extr. du Balletin de la Soc. philo- 
mathique vosgienne. Ann6e 1884/8Ö. 8. St-Di6.) 

321 Bouvier, Füix, Les vosges pendant la r^Tolation 178^1795-1800. 
Etnde hlstoriqne. 8. ö36 S. Mit 4 Abbildg. Nancy, Berger- 
Leyrault et Cie. JL^lh 

322 Bremer, F. P. Franz von Sickingens Fehde gegen Trier und ein 
Gutachten Claadlus Cantiancnlas über die Rechtsansprüche der 
Sickingenschen Erben. Strassbarg, Heitz n. Mündel. 4. CXVI imd 

28 S. ^ 4 50 

323 Cardinal v. Widdern, G. Das XYI. Armee-Korps und die 7. Ka- 
vallerie-Division während ihrer selbständigen Operationen im 
Moselfeldz. bei Metz. M. Karten u. Skizzen. Gera, Reisewitz, ul 8 — 

324 Castex, Maurice de, Histoire de la seignenrie de TanviUer en 
Alsace. 8. 210 num. Expl. — 10 auf holl. Papier mit 8 Rad. Jt 24. 
— 200 anf Velinpapier mit 8 Rad. ul 9.60. — 100 nnmm. mit 
2 Rad. JL 4.80. Nancy, Berger-Levranlt et Cie. 

325 Cauvint Ch. Yie de Fran^ois de Lorraine, duc de Gnise, «ar- 
nommö le Grand. 12. 288 p. et portrait. Tonrs, Marne fils. 
(Biograph, nationales). 

326 Contades, Gerard de. Coblenz et Qniberon. Souvenirs du comte 
de Contades, pair de France. 18. LX. 298 p. et portr. Paris, 
Dentn. fr. 5 — 

327 — Notion biographiqne snr le comte G. de Contades, pair de 
France. 18. 60 p. et portr. Le Mans, imp. Monnoyer. 

328 Courbe, Ch. Nancy, ses portes et ses places, esqoisse historique. 
8. 32 p. Nancy, Imp. nouvelle. (Extr. du grand annnairvde TEst). 

329 Daivime, Ä. J. Le siege de Bitsche. 6 aoüt 1870- 27 mars 187i. 
18. Xn. 157 p. Paris, Dentn. fr, 2 - 

330 Des Eobert, F. Le siege de Thionville (juin 1639). 8. 37 p. Nancy, 
Berger-Levranlt et Cie. (Extr. des M4m. de FAcademie de Sta- 
nislas 1884). 

331 — Gorrespondance in^dite de Nicolas-Fran^ois duc de Lorraine 
et de Bar (1634-1644). 8. 76 p. Nancy, Cr6pin-Leblond et Sidot 
fr4res. (Extr. des Mem. de la Soc. d^arch. lorr. pour 1885). 

332 Droysen, G. Bernhard von Weimar. 2 Bde gr. 8. VIII, 444. u, VI, 
575 S. Leipzig, Dunker u. Humblot. ul 18 — 

333 Ehren-Gedächtnü88 des in Gott seeligst ruhenden Hoch-WoM- 
Edel gebohrnen Henn Gebhard von Müllenheim-Bechberg. 
königl. Majetstät in Fohlen weyland hoch-Wolbestalten 0be^ 

Jäger Meister, Cammer Herrn (Neudruck aus Daniel Erasmi, 

Heilige -Gedancken etc., gedruckt bei Paschen Mense, zu Königs- 
berg, im Jahre 1675, veanstaltet von Hermann Freiherm von 
Müflenheim-Rechberg ) 8. Strassburg, Druck von Schultz u. Comp. 

334 Fkichson, Alf. Das Strassburger Universitätsfest vom Jahre 1621. 
Ein Rückblick am Tage der Einweihung der neuen üniversitats- 
gebäude zu Strassburg, den 27 Octob. 1884. 8. 15 S. mit 2 lilnsL 
Strassburg, Bull. ul - 30 

335 Faber, C. W. Peter von Hagenbach, der burgundische Landvogt 
am Oberrhein. (Progr.-Beil.) 4. Mülhausen i./E. 

336 FaU, Der, Strassburgs im Jahre 1681. (In: Hist.-polit. Blätter 
XCVI, 3). 

337 Fransecky, von. Geschichte des 1. rhein. Infanterie-Regiments 
Nr. 25 von 1857 bis 1883, als Fortsetzung der RegimentsgescL 
bearb. Mit lUustr. (l Holzschnitt, l Lichtdruck u. 1 color. Stein- 
tafel), (eingedr.) Skizzen u 1 (lith.) Uebersichtskarte. gr. 8. VI 
305 S. Berlin, S. Mittler u. Sohn. ul 7 öO 



— 231 — 

338 FritZj Joh. Das Temtoriam des Bisthums Strassbnrg nm die 
Mitte des XVI. Jahrhunderts nnd seine Geschichte. Ein Beitrag 
zur deutschen Territorialgeschichte. Mit einer Specialkaile. 
gr. 8. XYI u. 221 S. Strassbnrg, Heitz u. Mandel. ul 6 50 

339 Gedenktaae, Elsässische. Wichtige Daten n. Fakten ans der elsäs- 
sischen Geschichte für jeden Tag im Jahre, gr. 8. 72 S. Strassb., 
Schnitz u. Comp. cart. Jl 1 bO 

340 Gefecht, Das, von Weissenbnrg. Eine taktisch - krlegsgeschichtl. 
Studie Ton L. y. B. gr. 8. III. 108 S. Berlin, Liebel. JC 2 50 

341 G^rmain, Leon, L'6rection du duchS de Bar. 8. 7 p. Nancy, 
Cr^pin-Leblond. 

342 — üne erreur du nobiliaire de Dom Pelletier: Mercy-Morey- 
Mory. 8. 7 p. Nancy, Cr^pin-Leblond. 

343 — La Familie de La Bourlotte. 8. 8 p. Nancy, Cr6pin-Leblond. 
(Extr. du Journal de la Soc. d'arch. lorrain. f§v. 188ö). 

344 — La famille des Richier d*apr^s les travaux les plus r6cents. 
8. 32 p. Bar-le-Duc, Fhilipone et Cie. (Extr. des M6m. de la Soc. 
des lettres, sciences et arts de Bar-le-Duc. t. IV. 2« s^rie 1885). 

345 — Fragment d^6tudes historiques sur le comt6 de Vaudemont; 
Ancel, sire de Joinville, 8. 35 p. Nancy, Cr6pin-Leblond. (Extr. 
des M6m. de la Soc. d'arch. lorr. pour 1884). 

346 — De la pr6tendue noblesse des gentilhommes verriers en Lor- 
raine. 8. 15 p. Nancy, CrSpin-Leblond. 

347 — Becherches g^n^alogiques sur la famille d^Auey (Barrois XV«- 
XVn* si^cles). 8. 52 p. et pl. Nancy, Cr^pin-Lebiond. 

348 — Kenseignements sur Alix-Berthe de Lorraine, comtesse de 
Kibourg, dame de Vignory. 8. 11 p. Nancy, CrSpin-Leblond. 

349 — Les seigneurs de Beaumesnil de la maison de Lorraine (1458- 
1604). 8. 31 p. Bernay, Lefdvre. 

350 Gröber. Alamannisch-fränkische Ansiedlungen in Deutsch-Lothrin- 
gen. (Aus : VL u. VII. Jahresbericht d. Ver. f. Erdkunde zu Metz. 
1883-84\ 8. Metz. 

351 Harlfinger. Vaterländisches Gedenkblatt aus der Geschichte des 
4. bad. Infanterie-Ueg. Nr. 112. Zur Feier des 25 jährigen Chef- 
Jubiläums Sr. Grossherzogl. Hoheit des Prinzen Wilhelm von 
Baden. Im Auftrag des Regiments bearb. Mit einem Festbericht 
u. einem Prolog von Vict. von Scheffel nebst 5 photogr. Abbildg. 
der vom Dichter entworfenen leb. Bilder, gr. 8. 68 S. Mülhausen 
i. E., Bufleb's Sort. [Wohlfeile Ausgabe. UK — 50] JL 2 40 

352 Hartmann, J. Erlebtes aus dem Kriege 1810/11. (Titel-) Auflage, 
gr. 8. Vn, 248 S. Wiesbaden, Bergmann. JL b 60 

^2üHavetj Julien. Questions m^rovingiennes II (Fragment d^xme vie 

de Sainte-Odile) [In: Biblioth^que de T^cole des chartes XL VI, 
205-271.] 

353 Hering, E. Die Frankenburg im Weilerthal. Zwei Vortr. (Sep.- 
Abdr. aus den Mittheilungen d. V.-C.) 

354 Herisson, Le comte de. Journal d'un officier d'ordonnance (juillet 
1870-f6Yr. 1871). 18. VI, 388 p. Paris, Ollendorf. fr. 3 50 

355 Herisson, Graf Maurice von. Tagebuch eines Ordonanz-Ofßciers. 
Juli 1870-Febr.l871. 2. Aufl. Autor. Ausgabe. 8. 429 S. Augs- 
burg, Gebr. Rechel. uK 4 — 

356 Inauguration du buste du baron Guen-ier de Dumast au palais 
des facultas ä Nancy (1" aoüt 1885). 8. 44 p. Nancy, Berger- 
Levrault. (Extr. des M6m. de TAcad. de Stanislas). 



— 232 — 

357 Infanterie-Brigadej die 49., in der Schlacht von Yionville-Mars- 
la-Tour am 16. Aug. 1870. Eine kriegsgeschichtliche Studie ans 
dem deutsch-französ. Kriege 1870/71 nach der applikator. Me- 
thode, gr. 8. X, 152 S. Berlin, Mittler n. Sohn. Ul 3 — 

358 Kindler von Kncbloch, J. Das goldene Buch von Strassburg. 
1. Thl. Mit 23 Wappentafeln, gr. 8. 192 S. Strassburg, Trübner. 

OÄ 10 - 

359 KleU, J. Hagenau zur Zeit der Revolution. 1787-1799. (18 Bro- 
maire VIII.) gr. 8. IE, 326 S. Strassburg, Bull. ul 5 - 

360 Krohn. Beiträge zur Territorialgesch. der Saargegend. (Progr.-: 
Beil.) 4. Saarbrücken. ^'' 

361 LaUemandj P. ün manuscrit retrouv^: Guerre de Metz en 1821 
Nancy, Cr6pin-Leblond. (Extr. du Journ. de la Soc. d^arch. lorr. 
Juin 1885.) 

362 Lepage, Henri. Nouvelle note sur Tauteur de la vie de Ren4 IL 
imprimSe k St-Di6 en 1510 et sur Jean Perrin. 8. 8 p. Nancy. 
Cripin-Leblond. (Ex. du Journ. de la Soc. d*arch. lorr. D^. 1884.) 

363 LepagCy Henri et Lion Germain CompUment au nobiliaire de 
Lorrskine de Dom Pelletier pr6ced6 d^une dissertation sur la 
noblesse et suivi de listes chronologique et alphabStique des 
anoblis depuis Torigine jusqu^en 1790 et des nobles faits oa 
reconnus öcuyers, gentilshommes, Chevaliers, barons, comtes et 
marquis. 1 vol. 8, d^environ 400 p. avec blasons gravis par 
Lapaix. Nancy, Gr6pin-Leblond. £r. 15 — 

364 lAvre d^or^ le, de TAlsace-Lorraine. Tableau historique en 150 des- 
sins hors texte et 300 dans le texte par J. FiAchs, EmmaamA 
Meyer et P. Kauffmann. Reproduction des monuments gallo- 
romains d'apres Schöpflin, Cognatum, Chiffletins, GoUut etc. etc. 
— Armoiries, monnaies, vues des viUes au moyen-&ge. Docn- 
ments relatifs ä son apport coopßratif aux sciences, aux lettres. 
aux arts et aux progris de la civilisation ^ travers les siecles. 
1 liv. 2. Paris, typ. Chamerot. 

365 LorenZy Ottokar u WUh. Scherer. Geschichte des Elsasses. Dritte 
verbesserte Aufl Mit einem Bildnisse Jacob Sturms von William 
Ünger. Berlin, Weidmann, 8. X, 574 S. geb. *# 7 — 

366 MagnienviUey B. de. Claude de France, duchesse de Lorraine. 
[Avec un portrait et une planche.] 8. Paris, Perrin (Didier). 

367 Mossmanny X. Cai*tulaire de Mulhouse. Ouvrage couronn^ par 
la Soc. indust. de Mulhouse. Tom. IE. hoch 4. YD, 574 S. Stras- 
bourg, Heitz u. Mündel. Colmar, Barth. JC S2 -- 

368 Ott. tJn mot d'histoire sur PAlsace et Strasbourg (1496-1681, 
1789, 1870-84). 8. VIII, 79 p. Paris, Berger-Levrault et Cie. 

369 Page, Aug. Les journ^es de Wissembourg et de Froeschwiller 
(4 et 6 aoüt 1870). Po6sies patriotiques. 12. 16 p. Grenoble, 
Dupont. fr. — 25 

370 Foulet, Jtdes. La cour souveraine de Lorraine sous Stanislas; 
M. d^Aristay de ChateaufoH; discours prononc6 k Taudience solen- 
nelle de rentr^e de la coui d^appel de Nancy, le 3 novembre 
1876. 8. 36. p. Nancy, Berger-Levrault et Cie. 

371 Poidmaire. Le proc^s de J.-B.-N. Flosse, n6 a Boulay, le 7 dk. 
1757, condamn^ ä mort par le tribunal r^volutionnaire de Paris, 
le 17 flor^al an 11 (6 mai 1794), ex6cut6 le lendemain, 18 flor. 
sur la place de la Revolution. [Betr. d. ehem. Abtei Wadgasse 
in Lotlur.] 8. Metz, impr. Delhart. 

372 Quidde, Ludw. Studien zur deutschen Yerfassungs* u. Wirth- 
schaftsgeschichte. 1. Heft. Studien zur Geschichte des rhein. 



— 233 — 

Landfriedensbnndes von 1524. gr. 8. X, 54 S. Frankfurt a./M.^ 
JägePs Verl. uK 1 20 

373 Babenhorst, A. Dragoni Edler v. Strategische Betrachtungen über 
den deutsch-französ. Krieg 1870/71. 1. Thl. : Kampf der Deutschen 
gegen das. franz. Kaiserreich u. die Kapitulation von Metz. Mit 
1 üebersichtskarte u. s. w. gr. 8. VII, 181 S. Temesvär; Wien, 
Seidel u. Sohn in Comm. JC ß — 

374 Röhrich, Emest. Souvenirs d^un grand-pSre. Fragment d^auto- 
biographie. 8. Paris, Fischbacher. 

875 Boi, le, Dagobert. 16. 14 p. avec 6 chromo-typograph. Paris, 
Quantin. fr. — 15 

^Iba Schulte, Aloys. Studien zur ältesten und- älteren Gesch. d. Habs- 
burger u. ihrer Besitzungen vor allem im Elsass. I. D. Kloster 
Ottmarstein u. d. Habsburger im E. bis ca. 1120. (In: Mitthei- 
lungen d. Instituts f. östr. Geschichtsforschung. VII, 1.) 

376 Sieber, L, Zwei neue Berichte über das Erdbeben von 1356. 
(Beiträge zur vaterländischen Geschichte. Hrsgb. von der bist.- 
ant. Ges. zu Basel. Neue Folge. Bd. ü. 2. Basel, Georg.) JL 2 — 

377 Veranlassung, Die, zur Schlacht bei WMh am 6. August 1870. 
(In: AUg. Militär-Zeitung. Nr. 10.) 

378 VteUard. Documents et memoire pour servir ä Thistoire du ter- 
ritoire de Beifort (Haut-Rhin fran^ais), recueillis etc. gr. 8. XI, 
548 p. Besannen, Jacquin. 

379 Wissmann. Die Weissenburger Linien. Schilderung u. Geschichte. 
I. (Frogr.-Beil. des Gymn. zu Weissenburg.) 4. Weissenburg. 

380 Witte, Heinr. Zur Geschichte der Entstehung der Burgunder- 
kriege. Herzog Sigmunds von Oesterreich Beziehungen zu den 
Eidgenossen u. zu Karl dem Kühnen von Burgund. 1469-1474. 
4. 53 S. Hagenau, Kuckstuhl. Ji l oO 

Vm. Politik. 

381 Abel, Charles. Cri d'alarme pouss6 par un alambiquS lorrain. 8. 
Metz, impr. Even fr^res. 

382 Adresse zu Gunst, d. Sonntagsruhe. An S. Durchl. Fürst Bismarck, 
Kanzler d. Deutsch. Reichs. 2. Strassb., Druck v. Fischbach. 

383 Antiderical. Si Monsieur voulait me permettre de r6pondre? ün 
anticlerical de Tepoque, ^cho de propos d'auberges, de caf^s.... 
sur les pr§tres aux prises avec un bonhomme de sens et de 
justice. D6di6 aux amis et aux ennemis du clerge. 8. Rixheim^ 
impr. Sutter. 

384 Aux electeurs alsaciens-lorrains de Paris, Emile Keller, ancien 
d6put6 du Haut-Rhin (notice); par un groupe d^61ecteurs alsa- 
ciens. 16. 4 p. avec portr. Paris, impr. Momblat. 

385 BöU, Leon. Le monopole de Teau-de-vie et les int6r§ts viticoles 
. de VAlsace-Lorraine. 8. Mulhouse, impr. Bader et Cie. 

386 Debats, les, sur Tabolition de la dictatui*e en Alsace-Lorraine. 
S^ance du Reichstag du 28 janvier 1885. 8. Strasbourg, typ. 
Fischbach. 

387 Elections, les, legislatives dans les Vosges en 1885. in-fol. 2 p. 
avec croquis. Nancy, lith. Voirin. 

388 Fischer, Wüh. Manteuffel in Elsass-Lothringen und seine Ver- 
deutschungspolitik. Politische Betrachtungen, gr. 8. 50 S. Basel, 
Bernheim. JC i — 

389 (ö.). Aus Elsass-Lothringen. (In: Protest. Kirchenzeitung, Nr. 11 
u. 19-21, 43. 1886. Nr. 10). 



— 234 — 

390 GerdöÜe^ H. Elsass-Lothringen von einem Lothringer. (Allgem. 
konservat. Monatsschrift. 1885. I. Heft. Leipzig, G. Böhme.) 

391 GrciU von der. Strategische Combination: 1) Deutschland gegen 
Frankreich, 2) Deutschland gegen Rnssland, 3) Dentschland gegen 
Frankreich und Rnssland. Berlin, Eisenschmidt. 

392 Hälbeeky Ernst Zur Lage in Elsass. (In : Die Gegenwart 
XXVin, 50). 

393 Landtoirthe, an sämmtliche^ Elaoflente, Wirthe, Küfer, Weinsiicher 
u. Arbeiter! [Deutsch u. französ. Petition bezw. Anreg. einer 
solchen gegen die Einfuhrung eines Branntweinmonopols.] 4. 
Strassburg, Druck von Bauer. 

394 Lettres k un ami par un Alsacien-Lorrain. 8. Paris, Fischbacher. 

395 Mahalin, P. Les Allemands chez nous : Metz, Strasbourg. 18. 
371 p. Paris, Boulanger. fr. 3 50 

396 Notoack, Wüh. Cfust. Herrn, Die Manteuffersche Kirchen- und 
Schulpolitik in den Reichslanden. (In: Deutsch-evangelisdie 
Blätter, hrsgb. von W. Beyschlag. X. 8.) 8. Halle a./S. 

397 VerJumdlungen, die, über die Aufhebg. des Diktaturparagraphes 
in E.-L. Siteg. des Reichtages vom ^. Januar 1885. 8. Strassb., 
Druck von Fischbach. 

398 Walther, V, [Petition] an die Herren Mitglieder des Landesans- 
schusses. [Auch französisch.] [Betr. die Gehälter des kathol. 
Klerus.] 2. Molsheim, Druck von Schultheiss. 

399 Zur Gallisierung des Elsasses. (Li : Wissenschaftl. Beilage der 
Leipziger Zeitung. 1886. 6 u. 7.) 

IX. Recht, Verfassung und Verwaltung. 

400 Albert, wm, Erläuterungen zu d. kaiserl. Verordnung, betr. die 
Anlage u. d. Betrieb v. Dampfkesseln in E -L , v. 3. Nov. 1884. 
(In: Zeitschr. f. Bergrecht, XXVI, 2.) 

401 Aemter-V er Zeichnisa für die Verwaltung der Zölle, B^chsstenem 
u. Uebergangsabgaben. 2. Tbl. fol. III, L'28 S. Berlin, v. Decker. 
Inhalt: Verzeichniss der Zoll- u. Steuerstellen, welchen Abferti- 
gungs- u. Hebebefugnisse hinsichÜich der Uebergangsabgaben n. 
bezüglich Badens u. E.-L. der inneren Abgaben v. eingehendem 
vereinsländischem Wein beigelegt sind. Hrsgb. im Beichsschatx- 
amt. Mai 1885. Ui 6 - 

402 Begründu/ng der Gesetzentwürfe, betr. Einführung des Gnind- 
buchsystems in Elsass-Lothringen (deutsch u. franz.). 8. 421 S. 
Strassburg, Trübner. •# 6 — 

403 Beiträge zur Forststatistik von Elsass-Lothringen. 1. Heft gr. 8. 
IV, 80 S. Strassburg (1884), Schultz u. C. JL'6- 

404 Beiträge zur Forststatistik von Elsass-Lothringen. II. Heft. gr. 
8. IV, 62 S. Strassburg, Schultz u. C. (1 u. 2 ^.iL 5.—). M2- 

405 Bericht über die Verwaltung d. Eisenbahnen in E.-L. u, Luxem- 
burg im Jahre 1884/85. gr. 4. Strassburg. Schultz u. C. 

406 Bericht über die Thätigkeit d. chemischen Laboratoriums d. k. 
Polizeidirektion zu Strassburg vom 1. April 1884 bis 1. April 
1885. 8. Strassburg, Druck v. Schultz u. C. 

407 Bericht über die Verwalt. d. vereinigten Bezirks-Irren-Anstalten 
Stephansfeld-Hördt f. 1884/85. 4. Strassburg, Druck v. Schultz u. C. 

408 Bodenheimer, C. L'enqu§te agricole en Alsace-Lorraine. Rapport 
pr^sentS a la Soc. des Sciences, Agricult. et Arts de la ßasse- 
Alsace. 8. Strasbourg, typ. Fischbach. 



— 235 — 

409 Bonnardot, F, Docnments ponr servir ä rhistoire da droit coa- 
tamier & Metz an Xm* et XIV* siecles. 8. 64 p. Paris, Larose 
et Forcel. (Extr. de la Nonvelle Eevae histor. de droit fran^ais 
et Stranger.) 

410 Budget der Stadt Colmar pro 1884/85. 1885/86. 8. Colmar, Jung. 

411 Budget d. Stadt Hagenan. Für 1884/85. 1885/86. 8. JBLagenan. 

412 Budget de Texercice de la ville de Metz 1884/85. 1885/86. [Auch 
mit deutsch. Titel : Hanptbndget d. Stadt Metz.] Dazu : 1) Budget 
snpplömentaire 1884/85. — 2) Frojet de bndget 1884/85. 1885/86. 
[Auch mit deutsch. Titel : Entwurf zum Budget.] 4. u. 8. 

413 Budget der Stadt Mülhausen. 1) Primitiv-Budget v. 1885/86. — 
2) Supplementar-Budget v. 1884/85. [Titel u. Text deutsch und 
franz.] 4. Mülhausen, impr. Bader u. C. 

414 Budget der Stadt Schlettstadt. 1884-85. 8. Schlettstadt. 

415 Budget der Stadt Strassburg. Ergänzgs-Budget d. Jahre 1883/84 
u. 1884/85 und Hauptbudgets f. d. Rechnungsjahre 1884/85 und 
1885/86. 8. Strassburg, Schultz u. C. 

416 Denkschrift betr. d. Ausübung d. Angelfischerei im Bezirk Ünter- 
Elsass. Hrsgb. v. Vorstand d. Ver. d. Strassb. Angelfischer. 8. 
Strassburg, Druck y. Kayser. Jf — 10 

417 Denkschrift über d. Lage d. bei d. Reichs-Eisenbahnen in E.-L. 
als Bureau-Assistenten beschäftigten MiJitar-Anwärter. 2. Metz, 
Lang. 

418 Eisenbahnr, Post- u. Telegraphen-Kursbuch f. Elsass-Lothringen. 
Bearb. nach amtlichen Materialien mit zwei Eisenbahnkarten v. 
E.-L. u. Luxemburg. Nr. 27. 28. Strassburg, Schultz u. C. 8. 
141 S. ä. UK — 60 

419 Eintheüung und Standquartiere d. XIV. Armeecorps, m. namentl. 
Angabe d. Generale, Stabsofficiere, Compagnie-, resp. Escadron- 
u. Batterie-Chefs. Zusgst. u. hrsgb. v. Br. 2. Ausg. Berichtigt 
bis 15. Nov. 1884. 8. 18 S. Berlin, Liebel. ^ _ 10 

4l9a Fran^r. Rechtsprechung d. Oberlandesgerichts Colmar i. E. in 
Strafsachen. Im Aufti-age d. kais. Oberstaatsanwaltschaft hrsgb. 
1. Okt. 1879 bis Ende 1885. 8. 112 S. Strassburg, R. Schiütz 
u. C. .^ 2 50 

420 CresetZj betr. die Jagdpolizei v. 7. Mai 1883, Verordnung, betr. 
die Jagdpolizei v. 20. Juni 1883, Gesetz, betr. die Ausübung d. 
Jagdrechts v. 7. Febr. 1881, u. Verordnung, betr. die Fischerei- 
polizei V. 12. Febr. 1883. 2. Aufl. (Deutsch u. franz.) 8. 57 S. 
Strassburg, Schultz u. C. Verl. cart. JC — 60 

421 Gesetz, betr. die Kommanditgesellschaften auf Aktien und die 
Aktiengesellschaften vom 18. Juli 1884. [Deutsch u. französisch.] 
8. 127 S. Strassburg, Bull. JC 2 40 

422 Gesetze, betr. d. Aufsuchen v. Waarenbestellungen u. d. Gewerbe- 
betrieb in umherziehen, v. 14. März 1884; die Approbationen f. 
Apotheker u. Aerzte, v. 17. März 1884; den Gewerbebetrieb 
der Besorgung fremder Rechtsangelegenheiten, sowie der Ver- 
mittelung von Immobiliarverträgen, Darlehen und Heirathen, v. 
19. März 1884. (Deutsch u. französisch.) 8. 43 S. Strassburg 1884, 
Schultz u. Cie. Verl. cart. .it — 80 

423 GesetzenturO/rfe, die, betr. Einführung d. Grundbuchsystems in 
E.-Lothr. (Deutsch u. franz.) 8. 89 S. Strassb., Trübner. JL \ bd 

424 Gesetzentumrfej die in d. XIII. Session d. Landes-Ausschusses für 
E.-L. vorgelegten, betr. d. Reform d. Grundeigen thums u. Hypo- 
thekencredits u. d. Einführung d. Grundbuchs. [Deutsch u. franz.] 
8. 95 S. Strassburg, Trübner. Ul 1 50 



1 



— 236 — 

425 Grad, Ch. Les am^liorations agi'icoles et ramSnagement d. eaux. 
8. Strasbourg, typogr. Fischbach. 

426 Gunzert, G. Les livres fonciers d'apr^s 1. projets de lois soomis 
& la d6l6gation d^Alsace-Lorraine dans la Session de 1885. Rapport 
präsente h la d^Ugation aa nom de la commission speciale. 8. 
m, 127 p. Strasbourg, Trubner. Ul 2 - 

427 CfutacJUen, ärztliches, über das Elementarschulwesen Elsass- 
Lothringens. Im Auftrage d. kais. Statthalters erstattet v. einer 
medizin. Sachverständigen-Kommission. Lex. 8. 106 S. Strassb. 
1884, Schultz u. C. Ul 1 — 

428 Hack, C. Der Polizei- u. Sicherheitsdienst in Elsass-Lothrmgen. 
Zusammenstellung der besteh. Gesetze, Verordnungen, poliaeil 
Vorschriften etc. 8. XVI, 206 S. Gebweiler, Boltze. cart U^ 2 50 

429 Hagdversicherungs-Verband, ein, für Elsass-Lothringen. (Aus: 
Gemeindezeitung für Elsass-Lothringen.) gr. 8. V, 56 S. mit 1 
Tab. Strassburg 1884, Schultz u. C. Ul 1 - 

430 Hanätmch, statistisches, für Elsass-Lothringen. Hrsgb. v. statisi 
Bureau d. kaiserl. Ministeriums für Elsass-Lothringen. 1. Jahrg. 
gr. 8. XII, 280 S. Strassbuig, Bull. Jl 6 - 

431 Hjeli, Edo. Valtiollisista ja yhteis kunnallisista oloista Elsass- 
Lothringissa. [= Politische und sociale Verhältnisse in E.-L] 
(Valvoja, Jahrg. V, Heft 5 u. 6.) 8. Helsingfors. 

432 Kampf ge^en d Missbrauch geistiger Getränke : Vorgehen der 
elsass-lotnring. Landesregierung. (In : Deutsches Wochenblatt för 
Gesundheitspflege u. Bettungswesen. Nr. 31.) 

433 König, Bericht über die im Frühjahr 1885 z. Schutze y. Frost- 
schäden in Colmar gemachten Bäucherungen des Beblandes. 8. 
Colmar, Druck v. Decker. 

434 — Rapport sur les mesures prises ä Colmar pour pr^server la 
vigne contre les geUes blanches par la production de nuages 
artificiels. 8. Colmar, impr. Decker. 

435 Kumthauten der Staatsbahnstrecke y. Güls bis zur Rheingrenze 
bei Perl (Moselbahn). Mit 17 Kupfertaf. (Aus : Zeitschr. für Baa- 
wesen.) fol. 22 S. Berlin 1884, Ernst u. Korn, cart ul 16 - 

436 Lage, die gegenwärtige, der Grundbuchgesetzgebung für Elsasa- 
Lothringen u. d. Bericht der Special-Commission des Landes- 
Ausschusses. (Beilageheft zu Jurist. Zeitschrift f. d. Beichsland 
Els.-Lothr. X. Bd.) gr. 8. 47 S. Mannheim, Bensheimer. ul — 75 

437 Largiadhr. D. Volksschulwesen d. Reichslandes E.-L. nnter der 
deutschen Verwaltung. (In : Pädagog. Blätter für Lehrerbildung 
u. Lehrerbildungsanstalten, XIV, 6.) 

438 LebenaversicTierungsgeseUschaften, die französ., in E.-L. Sammlung 
d. Urtheile d. Landger. Metz u. d. Oberlandesger. Colmar Tom 
17. Okt. 1884, 23. Dez. 1884 u. 28. Febr. 1885. 4. Metz, Druck 
V. Delhalt. 

439 Metz, L. Die Landwirthschaft in E.-L. (In : Jahrb. für Gesetz- 
gebung, Verwalt u. Volkswirthschaft im Deutsch. Reich. IX, 2.) 

440 Midier, A. Monsieur le Maire de la Yille de Dieuze [sur une 
d^cision du Tribunal des ^cheYins de Dieuze]. 4. Metz, impr. 
Gazette de Lorraine. 

441 Notariat, das, in Elsass-Lothringen. (Kulturkämpfer, Heft 112.) 
Berlin 1885. 

442 Oppenau, Fr. v. Die Hebung d. kleinbäuerl. Milchwirthschaft in 
E.-L. Im Auftrage d. landwirthschaftl. BezirksYer. Ünter-Elsass 
bearbeitet. 8. Strassburg, Bull. 



— 237 — 

443 Oppenhofff F. C. Das Strafgesetzbuch für d. Deutsche Reich, 
nebst d. Einfühnmgs-Gesetze v. 31. Mai 1870 n. d. Einfühmngs- 
Gesetze f. £.-L., erläutert. 10. verb. a. bereich. Ausgabe, hrsgb. 
Ton Th, F. Oppenhoff. gr. 8. VIII, 952 S. Berlin, G. Reimer. 

ur 15 — ; geb. ul 17 — 

444 Fetiiian der Landwirthe d. Landkreises Strassburg i. £., d. Er- 
höhung d. Getreidezölle betr., überreicht durch d. Abgeordneten 
Mühleisen. 2. Schiltigheim, Lithogr. Gottlieb. 

445 Bang- ti. Quartier-Liste des XIII. [königl. württembergischen] 
Armee-Corps f. 1885. Nebst Angabe der nicht im Armeecorps- 
Yerband befindl. Offiziere, Militär-Behörden etc. 8. lY, 120 S. 
Stuttgart, Metzler's Verl. uK 1 80 

446 Rapport s. 1. 6coles publiq. sup^rieures d'Alsace-Lorraine, dress6 
d^aprös 1. ordres du gouverneur imperial par une commission 
de docteurs en m^decine. Trad. litt^rale de Tallemand p. Ihm^ 
Seih. 8. 60 p. Gex., impr. Broccard. 

447 Rappart s. 1. 6coles de jeunes filles en Alsace-Lorraine, dressS 
d^aprds les ordres du gouverneur imperial par une commission 
de docteurs en mSdecine. Trad. litt, de Tallemand p. Em, Both. 
8. 60 p. Gen., impr. Broccard. 

448 Reicfdin, Freih. van. Die Gemeindegesetzgebung in Els.-Lothr. 
Zusammenstellung d. betr. Gesetze, Verordnungen, Ministerial- 
▼erfugungen etc., übers, u. erläutert. 2. verm. u. nmgearb. Aufl. 
8. Xn, 404 S. Strassburg, Trübner. Ul 5 — 

449 Sammlung von Gesetzen, Verordnungen, Erlassen u. Verfügungen 
betr. die Justizverwal tuns in Elsass-Lothringen. Im amtl Aiftr. 
bearb. IX. Bd. (Jahrg. 1884 umf.). Strassb., Schultz u. C. uTll — 

450 Sammlung von Gesetzen^ Verordnungen, Erlassen u. Verfügungen 
betr. die Justizverwaltung in E.-L. Alphabetisches u. chronolog. 
General-Register zum 1.-9. Bd. gr. 8. 298 S. Strassburg, Schultz 
u. C. Verl. (1-9 m. Reg. Jt = 88 — ) .^ 10 — 

451 Sparkasse der Stadt Strassburg, gegr. im Jahr 1834. Verwaltungs- 
Ber. f. 1884/85. 4. Strassburg. 

452 Statuts de la Corporation de Tindustrie du bois du sud-ouest 
de TAllemagne (Südwestdeutsche Holz-Berufsgenossenschaft), avec 
la loi sur Tassurance contre les accidents, du 6 juillet 1884. A 
Tusage des membres de la section IV (Alsace-Lorraine). 8. 
Strasbourg, impr. Schultz et Cie. 

453 Statuts de la corporation de la Meunerie avec la loi cur Tassu- 
rance contre les accidents, du 6 juillet 1884. (Pour Tusage des 
membres de la section XllI [Alsace-Lorraine]). 8. Strasbourg, 
impr. Schultz et Cie. 

A5/^9iUnfaXhersicherungs-0eset2 vom 6. Juli 1884, nebst Ausfahrun gs- 
verordn. (Deutsch u. franz.) 8. 119 S. Strassburg, Schultz u. G. 
Verl cart. JL \ — 

454 (Ministerium für E.-L.) Untersuchung der Lage u Bedüi*fnisse d. 
landwirthschaftl. Personal-Kredits in E.-L. 4. Strassburg, Druck 
V. Fischbach. 

455 Untersuchung der Lage u. Bedürfnisse der Landwirthschaft in 
Elsass-Lothr. Hrsgb. vom Ministerium für E.-L. gr. 4. XXHI, 
100 u. 276 S. Sti-assb. Bull. ul 12 — 

456 Verordnung für d. Nachrichtendienst bei Hochwasser des Rheins, 
der 111, Thur, Fecht, Leber, Breusch, Zorn u. der Moder, erlassen 
von dem Minist, f. E.-L. am 14. Mai 1885. 8. Strassburg, Druck 
▼. Fischbach. 

16 



— 238 — 

457 Verordnung, betr. die Anlage und den Betrieb von Dampfkesseln 
vom 3. Nov. 1884. (Deutsch u. französisch.) 8. 49 S. Strassbnrg, 
Schultz u. Comp. Verl. cart. JL — 80 

457a Verwdnung d. kaiserl. Statthalters vom 25. Sept. 1885, betn d. 
ünfallversicherungsgesetzes. (In : Zeitschr. f. Bergrecht, XXVII, 1). 

458 Stadt Strassburg. Bürgermeister-Amt. Verwdl^ngsfrecknung för 
das Jahr 1884/85. 8. Strassburg, Fischbach. 

459 Verwaltungsreglement der israelitischen Friedhöfe des 0ber-£lsas8. 
[Auch mit französ. Titel.] 8. Colmar, Druck v. Decker. 

460 Wasaerstandsbeöbachtungen an den Pegeln des Biieins läa^ des 
elsass-lothring. Gebietes in den Jahren 1881-85. Zsgst i. Minist 
für E.-L. Abth. für Gewerbe, Landwirthsch. u. öffentl. Arbeiten. 
[Mit 10 Tafeln.] 4. Strassburg, Druck v. Fischbach. 

461 Winterer. üeber die Frage der Landwirthschaft in E.-L. Reden 
gehalten von dem Abgeordn. Winterer in den Verhandlungen des 
Landesausschusses von E.-L. in den Jahren 1883, 1884 u. 1885. 
8. Rixheim, Druck v. Sutter. 

AßUZacharue v, LingenthcU, Karl Sal. Handbuch d. franz. Civilrechts. 

7. verm. u. bis auf d. neueste Zeit fortgeführte Au fl. Hr sg. von 
H. Dreyer. (In 4 Bdn.) 1. u. 2. Halbbd. gr. 8. (1 Bd. XXVI, 631 a) 
Freiburg, Mohr. «#^ 3 50 

462 Zündeiy Äug. Der Gesundheitszustand der Hausthiere in E.-L. 
während der beiden Berichtsjahre vom 1. April 1882 bis Ende 
März 1884. Nach den amtl. Berichten der Kreisthierärzte und 
anderer beamteten Thierärzte. gr. 8. IV, 179 S. Strassburg, 
Noiriel. vM. 4 — 

X. Kirchengeschichte. 

463 JJlmenröder. Zur Reformationsgesch. des Elsasses. Zwei Briefe 
Butzer^s u. Hedio's an den Grafen Philipp IV. v. Hanau-Lichten- 
berg, (In : Zeitschr. für Kirchengesch., hrsgb. von Th. Brieger. 
Vn, 3. S. 470-477.) 

464 Anbetung, Die ewige. Gebet- u. Andachtsbuch bei Gelegenheit 
des ewigen Gebets im Bisthum Strassburg. 6. Ausg. 8. Strass- 
burg, Druck V. Le Eoux. 

465 Berthüemy. Explication littSrale et morale du catöchisme de 
Metz. 8. Metz: Ballet, Thiriet; Nancy: Pierron. 

466 Beiträge zur Kirchengeschichte des Elsasses vom 16. bis 19. Jahr- 
hundert. Vierteljahrsschrift im Dienst der evang.-luth. Kirche, 
red. u. hrsgb. von Pfarrer Wilh. Homing. 5. Jahrg. 1885. 4 Hefte, 
gr. 8. (1 Heft 40 S.) Strassburg, Vomhoff. vÄ 3 — 

467 Bericht über die Thätigkeit des protest. -liberalen Vereins von 
Elsass-Lothringen in den beiden Jahrgängen Nov. 1882-Nov. 1884. 
Uebersichtlich zusammengestellt durch Mb. Engelmann. 8. 14 S. 
Strassburg, Heitz u. Mündel. 

468 Blöach, Emü. Der Leutpriester Diebold Baselwind [aus Gebweiler]. 

8. 32 S. (Bemer Volksschriften, Nr. 17.) Bern, Huber u Comp, 
in Gomm. tAL — 25 

469 Braun, Eugen u. Noumey. Aufruf [für das Diakonissen-Kranken- 
haus ff Mathildenstift • zu Metz]. 8. Metz, Lang. 

470 Burg, Joseph. Ein Wort zur elsäss. Beform ationsgeschichte. 
(Sep.-Abdr. aus dem cElsässer». Dez. 1885.) 8. Strassburg, 
Druck V. Bauer. 

471 Carstedt, B. Die evangel. Deutschen im nördlichen Lothringen. 
(Für die Feste und Freunde des Gustav-Adolf-Vereins, Nr. 6.) 
22 S. Barmen, Klein. JL — lÖ 



— 239 — 

472 Ckimery 0. Qninze sermons prSchds dans les ^glises de Metz et 
de Nancy. 8. X, 185 p. Nancy, Berger-Levrault et Cie. 

473 — Les Röformes de la Lorraine et du pays messin. 8. 32 p. 
Nancy, Berger-Leyraalt et Cie. 

474 Döring, Oscar. Beiträge zur ältesten Geschichte des Bisthums 
Metz. (Inaug.-Dissert) 8. Innsbruck, Druck von Wagner. 

475 Erich^m, Alfred. L^^glise fran^aise de Strasbourg au XVI« siecle 
d'apr^s des documents inödits. 8. 71 p. Strasb. Bull. JL 1 — 

476 — Ein Aufruf zur Missionsthätigkeit im Jahre 1538 [von Martin 
Butzer]. (In: Protest. Kirchenzeitung, Nr. 26). 

477 ( — ) Erinnerung an den Brand des Collegium Wilhelmitanum und 
des Protest. Gymnasium am 29. Juni 1860. Mit einer Rede von 
Prof. Baum. 8. 12 S. Strassburg, Heitz u. Mündel. Ulf — 20 

478 Gedächtnissfeier, Die am 6. Sept. 1885 gehalteue hundertjährige, 
der Einweih, der Gebweiler Notre-Dame-Kirche. Von A. G. [Mit 
3 Tafeln.] (Sep.-Abdr. aus dem Gebweiler Kreisblatt.) 8. Gebweiler, 
Druck Y. Dreyfuss. 

479 GUkMer, Ludwig Gabriel. Festrede gehalten zu Niederbronn den 
10. Mai 1885, bei Gelegenheit der Grundsteinlegung zur neuen 
katholischen Kirche. 8. Rixheim, Druck v. Sutter. 

480 Homing, WUh. Dr. Johann Dorsch, Professor der Theologie u. 
Münsterprediger zu Strassburg im XVII. Jahrhundert. Ein Le- 
benszeuge der lutherischen Kirche, gr. 8. 196 S. Strassburg, 
VomhofL uK 2 60 

481 — Dr. Sebastian Schmidt von Lampertheim, Prof. u. Präses d. 
Kirchenconventes in Strassburs. f 1696. Geschildert nach unbe- 
nutzten Manuscripten und ^Urkunden mit besond. Bezugnahme 
auf die Eroberung Strassburgs durch Ludwig XIV. und die da- 
durch den Lutheranern bereiteten Bedrückungen, gr. 8. IV. 
157 S. Strassburg, Vomhoff. JC 2 bO 

482 Horstj L. Die Bekenntnissfrage nach unserem organischen Kir- 
chengesetz. Ein kurzer Kommentar. 12. 11 S. Strassb., Trimttel- 
Würtz. JC — 20 

483 Lorraine, la, ä Lourdes en 1884. (8- p61erinage.) 8. 96 p. St-Di6, 
Humbert. 

484 Lucius, E. Die Elräftigung des Missionssinnes in der Gemeinde. 
Referat vorgetragen auf der elsäss. Pastoral-Conferenz am 2. Juni 
1885. gr. 8. 38 S. Strassburg, Bull. uK — 60 

485 Marie-DorotJUe de la Compassion de la Sainte-Vierge, [Lettre sur 
la vie et la mort de la m^re Th^r^se de J4sus, prieure du 
monast^re des Garm^lites de Metz, d6c6d6e le 28 oct. 1885. d. 
15 nov. 1885.] 4. Metz, impr. Delhali 

486 Notice sur le p^lerina^e en Thonneur du glorieux martyr St. 
Quirin 6tabli ä St-Quirin (Lorraine). [Auch mit deutschem Titel.] 
8. Strasbourg, typ. Bauer. 

487 Ordo et modus rei divinae faciendae in usum dioecesis Argenti- 
nensis pro anno 1885. 8. Argentorati, typis Le Roux. 

488 Ordo divini officii recitandi missaeque celebrandae iuxta ritum 
sanctae Romanae ecclesiae ad usum dioecesis Metensis pro anno 
1885. 8. Metis, Ballet. 

489 Ordo divini officii recitandi missaeque celebrandae ad usum 
sanctae ecclesiae Nanciensis ac Tullensis anno 1885. 16. XXXVI, 
169 p. Nancy, Thomas, Pierron-Hozö. fr 1 — 

490 Ordo divini officii recitandi sacrique peragendi anno 1885. ad 

usum dioecesis St-Deodati. 12. 104 p. St-Di6, Humbert. fr. — 60 



1 



— 240 — 



491 Oriffines, les, de F^glise de Toni. Etndes pr^limin&ires. l*^ tode. 
VcRurre d'Adson. 8. 16 p. Nancy, Yagner. (Extr. de la Semaine 
relig. de la Lorraine.) 

492 Pauli, Jch. Predigten 1493-94 zn Thann L/E. gehalten. (Hand- 
schrift, angeboten in: Yerzeichniss Ton meist seltenen nnd werth- 
▼oUen Büchern, Mannscripten n. Antographen Yon E. KamWs 
Yerlagsbuchhandlnng in Friedenan bei Berlin.) 

493 Pfarrwahly die Illkircher. 8. Strassborg, Yomho£F. 

494 BMÜivismus, Der kirchliche, im Elsass. (In: Protest Kirchenzei- 
tung, Nr. 29.) 

495 PrcfUst^ememäen, Die elsassischen. (In: AUgem. eTang.-lixther. 
Kirchenzeitnng, Nr. 50.) 

496 [lAenhard.] I^roiestgemeinde, Die eYang.-lnther, innerhalb der Lan- 
deskirche Angsborger Confession von Elsass-Lothringen. (Nr. 1 
nnd 2.) gr. 8. 30 n. 29 S. Strassbnrg, Yomhoff. a UKL — 40 

497 — Nr. 3. gr. 8. 36 S. Strassbnrg, Yomhoff. (Enth. : Die Bepreasiv- 
Massregeln des Liberalismus gegen evang. Protestgemeinden). 

Ul -40 

498 Bapporty treizieme, de TUnion protestante liberale d^Alsace et 
de Lorraine 18S3-1884. 8. 30 S. Strasb. Heitz n. Mündel. 

499 Bathadter, Jül. Elsässische Beformationsgeschichte. Ein evang. 
Hansbnch. gr. 8. lY. 254 S. Mit vier Holzschnittportr. Strassburg, 
BnlL UC4- 

500 Beception de M. Isaac Weil, grand-rabbin de la Lorraine l la 
synagogne consistoriale de Metz. 8. Metz, impr. B^ha. 

501 Reeueü des priores, qni se chantent anz processions, qni se fönt 
dans la viUe de Metz, pendant les trois jonrs des rogationa. 8. 
Metz, Antoine. 

502 Reese, Bud. Die staatsrechtliche Stellung der Bischöfe Bnrgimds 
n. Italiens unter Kaiser Friedrich L Yin, 118 S. 8. Göt&gen, 
Calvör. Ul 2 - 

503 BepressixhMassregdn, die, d. Liberalismus gegen evang. Protest- 
Gemeinden. 8. Strassburg, Yomhoff. Jt — 40 

504 \Beu88, Eduard.] Seminarium, Kapitel u. Fakultät Ein rechtL 
Qutachten, den Ober-Konsistorien der Kirchen A. C. in E.-L zur 
Beherzigung empfohlen. 8. [Strassburg.] 

505 BeusSy Bod. Un Episode de Thist. de T^glise St-Pierre-le-Yienx 
avant la Bövolution. (Le Progös religieux, 1885, p. 101 etsniT.) 
Strasbourg, Heitz u. Mündel. 

506 — Die kirchlichen Wahlen in Dingshoffen. (Schriften des proi 
liber. Yereins in E.-L. XXY.) 8. 21 S. Strassburg, Heitz u. Mündel 

507 Schicksale der luther. Gemeinde Wiebersweiler in drei Jahrhnnd. 
(Sep.-Abdr. a. d. Strassb. Yierte^ahrsch «Beitr. z. KirchengescL 
d. Elsasses».) 8. Strassburg, Yomhoff. 

508 Schneppy Johann. Ist auch alles wahr was die Alt-Lutheraner 
schreiben? Eine Widerlegung d. Schrift Nr. 1, betitelt: «Die 
evanget-luther. Protest-Gemeinde innerhalb d. Landeskirche L 
C. y. E.-L. 8. Bischweiler, Druck v. Posth. 

509 SchuUze, W. Gerhard von Brogne u. d. Klosterreform i n Nie der- 
lothringen u. Flandern. (In : Forsch, z. deutsch. Gesch. XXV, 2.) 

510 Spener^s des Bappolteweiler Phil. Jac., Erklärung d. Strassburger 
«Kinderbibel». I. Einleitung u. d. erste Hauptstück. Eine Jubi- 
läumsgabe gr. 8. YI, 154 S. Strassb., Yomhoff. cart. Ji 2 — 

511 Tkirion, Maur, Etüde sur Phist du Protestantisme h Metz et 
dans le pays messin. 12. 480 p. Nancy, Collin. 



— 241 — 

512 Tinseau, de. Vie de St-Livier, chef des milices mödiomatriciennes 
et martyr de Teglise de Metz au temps de rinvasion des Hnns 
command^ par Attila (Y* si^cle). 8. Metz, B6ha. 

513 ünionspläne in E.-L. (In : AUgem. ev.-lnth. Kirchenztg. Nr. 39.) 

514 Vautrey. Histoire des ÖY^qnes de B&le. Onvrage publik sons les 
anspices de S. 6. Mgr. Lachat, 6Y§qae de B&le. Avec chromos, 
nombr. illnstrat., portraits, vues, armoiries, sceanx etc. Tom. ü. 
Lex. 8. S. 245-616. Einsiedel, Benziger. UT 8 — 

515 Vom protestantisch-liberalen Verein in E.-L. (Li : Prot. Kirchen- 
zeitong, Nr. 24.) 

516 Vormus f A. Appel de fonds ponr la r6paration de Pancien cime- 
tidre isra61ite de Delme. 4. Vic, impr. Thiriet. 

516a Weäand, L. Zwei tmgedmckte Papstbriefe aus d. ELanonensamm- 
Inng d. sog. Botger v. Trier: 1. Papst Benedict III. an Bischof 
Ratald v. Strassbnrg über d Basse eines Vatermörders (855-58). 
(In : Zeitschrift f. £rchenrecht, XX, 1.) 

517 Wichtigkeit der kirchlichen Wahlen in Elsass-Lothringen. 8. 8 S. 
Strassbnrg, Heitz a. Mündel. 

518 Wie steht es mit den Geschäften in Plobsheim? 4. Strassbnrg, 
Druck von Bauer. 

519 Winterer, L. Festpredigt gehalt. bei Gelegenheit d. Generalvers. 
d. Marianischen Männervereine d. Elsasses in Oberehnheim, am 
6. Sept 1885. 8. Rixheim, Druck v. Sutter. 

520 — Sainte Odile. 8. Rixheim, impr. Sutter. 

521 Zur Lage im Elsass. (In : Allg. evang.-luth. Kirchenztg. Nr. 7.) 

XI. Kulturgeschichte und materielle Altertümer. 

522 Abel, Ch. £tudes archöoloeiques sur la cath6drale St-£tienne de 
Metz. (Extr. d. M6m. de l^cad. de Metz.) 8. Metz, impr. Delhalt. 

523 Association des soci6t6s chorales d'Alsace. R6union du comit^ 
central le 27 sept. 1885 & Barr. 8. Strasb., Hubert et Haberer. 

524 Aus Strassbnrg [betr. Einweihung der neuen Universität ohne 
kirchl. Feier]. (In: Protest. Kirchenzeitung, Nr. 2.) 

525 Berlanj Francesco. Un nuovo documento su Guttenberg. (In : Archi- 
vio Veneto, XXVH, 1.) 

526 Birlinger, A. Altstrassburg. Weisheit. (Aus: Alemannia, Xm, 1.) 

527 Bleicher. £tude compar6e des temps pröhistoriques de TAlsace 
et de la Lorraine. [Avec planche.] (Extr. du Bulletin de la Soc. 
dabist, nat. de Colmar.) 8. Colmar. 

528 BourcoH, Charles. Notes relatives ä quelques monuments m^ga- 
lithiques et ISgendaires des Yosges. [Avec 16 planches.J (Extr. 
du Bull, de la Soc. dabist, nat. de Colmar, ann^es 1883-85.) 8. 
Colmar, impr. Decker. 

529 (Braun, Theodore.) Mes trois Noblesses. Fragment de Chronique 
Mulhousienne, rim6 par un dcscendant des deux principaux per- 
sonnages des 26 chants, qui disent la seconde. gr. 4. XI, 658 S. 
Mülhausen i. E , Petry. uK 54 — 

530 Bretagne, A. et E, Briand. Notice sur une trouvaille de mon- 
naies lorraines des XII* et IE" si^cles, faite ä Saulxures-les- 
Vannes (canton de Colombey). 8. 55 p. Nancy, Cröpin-Leblond. 
(Extr. des M6m. de la Soci6t6 d'arch. lorr. p. 1884.) 

531 Decharme. Rapport sur les travaux de la facultö des lettres de 
Nancy pendant Fannie scolaire 1883/84. 8. 14 p. Nancy, Berger- 
Levrault et Cie. 



— 242 — 

532 Faudel et Bleicher, Matöriattx poor une ^tude prShistorique de 
TAlsace. 4" pnblication. gr. 8. 186 S. 32 Tafeln (15 color.). 
Colmar, Barth. ^ 6 — 

533 — Recherches sur Tage du bronze en Alsace. (Extr. du Bullet 
de la Soc. dabist, nat. de Colmar.) 8. Colmar. 

534 FavieTj J, La bibliothöque d^an maltre-^chevin de Metz au 
commencement du XVI« si^cle, inventaire annot6 et publik. 12. 
21 p. Nancy, Sidot. 

535 Festschrift für die 58. Versammlung deutscher Naturforscher n. 
Aerzte : Die natorwissenschaftl. n. medicinischen Institate der 
Universität und die natarhistorischen Samminngen der Stadt 
Strassborg. 4. 148 S. mit vielen Plänen n. Abbildungen. Strassb.» 
Heitz XL Mündel. Ul 4 — 

536 Flückiger. Bestand einer Apotheke in Strassb. i. J. 1643. (Sep.- 
Abdr. aus d. Joum. de Pharmacie d'Alsace-Lorraine. 8. Strassb., 
Druck von Fischbach. 

537 — Zur Gesch. d. Gewürznelken. Ein antiquar. Fund im Elsass. 
(Sep.-Abdr. a. d. Journal de Pharmacie d'Alsace-Lorraine.) 

538 — Unuiss d. Geschichte d. Pharmacieschule in Strassburg. (Sep.- 
Abdr. a. d. Journ. de Pharmacie d'Alsace-Lorraine.) 8. Strassb.^ 
Druck von Fischbach. 

539 Förster, E. Das Lehrerseminar zu Strassburg. Ein Beitrag zur 
Geschichte der Anstalt. (In : Els.-lothr. Schulbjatt, Jahrg. XY. 
1885. Verl. von R. Schultz u. C.) 

540 Göldschmidt, D. Coup d'oeil r^trospectif sur les travaux de h 
Soci6t6 de M^decine de Strasbourg depuis 1873. (Extr. de la 
Gazette mSdicale. N** 8, aoüt 1885.) 8. Strasbourg. 

541 Chrad, Ch. La nouv. Qniversit6 de Strasbourg. (In : Revue internal 
de Tenseignement. N^ 12.) 

542 HeitZy Emil, Zur Geschichte der alten Strassburger Universität. 
Rede geh. am 1. Mai 1885, d. Stiftungstage d. Kaiser Wilhelms- 
üniversität Strassburg, bei Antritt des Rectorats. gr. 8. 29 S. 
Strassburg, Heitz u. Mündel. 6^ — 60 

543 Horstmanny C, Bericht über d. ophthalmolog. Vorträge auf der 
Naturforscherversammlung zu Strassburg 1885. Nach d. TagebL 
erstattet. (In : Archiv für Augenheilkunde. XVI, 1.) 

544 Institute^ die naturwissenschaftlichen u. medicinischen, d. Uni- 
versität u. d. naturwissenschaftlichen Sammlungen der Stadt 
Strassburgs. Festschrift. 

545 KratiS, F. X. Johann Gutenberg u. d. Erfindung d. Typograpliie. 
(In: Deutsche Rundschau. XI, 12.) 

546 Largiadh', Das' Volksschulwesen d. Reichslandes Elsass-Lotk. 
unter d. deutschen Verwaltung. Nach amtl. Quellen. In : Pädagog. 
Blätter. März 1885.) 

547 Lazarque du Montaut, E. Äuricaste de, Monsieur Henneqnin, 
ancien cur6 de Sainte-Barbe. Histoire de chasse et de guerre i 
le pays messin. 8. Metz, Sidot Frk*es; Paris, Pairault. 

548 MarC'Werlf/, L. Fibule et collier en or, trouv^s ä TotainTÜ 
(Vosges). 8. 10 p. Nogent-le-Rotrou. Daupeley-Gouvemeur. (Ejctr. 
des M6m. de la Soci^t4 nat. des antiq. de France.) 

549 MeMis, C. Studien zur ältesten Geschichte der Rheinlande. Mit 
d. archäol. Karte d. Pfalz u. d. Nachbargebiete. 8. Abth. Hrsgb. 
V. bist. Ver. d. Pfalz, gr. 8. 70 S. Leipzig, Duncker u. Humblot 

^■Ä 6 — 

550 Meyer, Wilhelm, Bücheranzeigen d. 15. Jahrhxmderts. (In: Central- 
blatt für Bibliothekswesen. II. Jahrg. 11. Heft; S. 437-463.) 



— 243 — 

551 Mumer-Jölain. L^ancien regime dans nne bonrgeoisie lorraine, 
Stade historique. XXIV, 416 p. 8. Paris, Berger-Levrault et Cie. 

552 NaeheTj J. Die deutsche Bnrg, ihre Entstehang n. ihr Wesen, 
insbesondere in Süddentschland. Mit 73 Holzschnitt, n. Darstell ong 
nach eig. Anfn. d. Verf. gr. 8. III, 44 S. Berlin, Toeche. uK 1 — 

553 N(Uur forscher- Versammlung j die 58. deutsche, zu Strassburg. (In : 
Gaea, XXI, 12.) 

554 [Fetition der] Gesellsch. f. Erhalt, d. bist. Denkmäler im Elsass 
[um Erhalt, d. sog. Kalenderthurms am Spitalthor zu Strassb. 
— Französ. u. deutsch. Vom 28. Nov. 1885J. gr. 8. Strasbourg, 
impr. Schultz et C. 

555 EeetorcUswechsel, der, an d. Kaiser-Wilhelms-Universität Strass- 
burg am 1. Mai 1885. 8. 61 S. Heitz u. Mündel. 

556 Meminiscenjsen an die Eröffnung d. Universität Strassburg am 
1. n. 2. Mai 1872. von F. F. (In: Acad. Monatshefte. 1885. Heft 5. 
S. 147-150.) 

557 BeusSj Bud. La justice criminelle et la police des moeurs ä 
Strasbourg au XVI' et au XVU' siöcle. Causeries historiques. 
12. 286 S. Strasbourg, Treuttel et Würtz. ./Ä^ 2 — 

558 Schavenburgj baron de. Notes recueillies aux archives de la ville 
snr d'anciennes fondations de Strasbourg. Strasb., impr. Huder. 

559 Scheid, Elie, Histoire des Juifs de Haguenau, suivie des recense- 
ments de 1763, 1784 et 1808. LVIII u. 90 p. avec figures. Paris, 
Darlacher. (Extr. de la Revue d. Studes juives.) 

560 Schlosser, H. Notice sur un sarcophage dScouvert d. Fancienne 
^glise de Diedendorf. Avec 2 grav. (Extr. du Bull, de la Soci6t6 
pour la conserv. des monum. bist. d^Alsace. XU, 2.) 8. Strasb., 
Schultz et C. 

561 Schneider, J. Diö alten Heer- u. Handelswege der Germanen, 
Römer u. Franken im deutschen Reiche. Nach örtlichen Unter- 
srachungen dargestellt. Heft IV mit einer Kai*te. 8. 26 S. Leipzig, 
Weigel. JL 1 — 

562 Schwehel, 0. Sagen u. Bilder aus Lothringens Vorzeit. 8. VH u. 
312 S. Forbach, Hupfer. uST 5 — 

563 Section, die hygienische, auf d. 58. Versammlung deutsch. Natur- 
forscher u. Aerzte in Strassburg im Sept. 1885. (In: Deutsche 
Vierteljahrschrift für öffentl. Gesundheitspflege. XVII, 4.) 

564 Siegel, Bullenartiges, der freien Reichsstadt Mülhausen. (In: An- 
zeiger des german. Nationalmuseums. I. Beil. Nr. 10.) 

565 Societi industrielle de Mulhouse. (In : Chemiker-Zeitung. 9. Jahrg. 
Nr. 4, 5, 20, 21, 28, 29, 34, 35.) 

666 Spaeieraänge, kosmopolitische, d. Corpsburschen Kurt v. Terzen- 
heim. L (Enthält : Die Einweihungs-Feierlichkeiten der Neubau- 
ten der Kaiser Wilhelms-Üniversität zu Strassburg.) Stuttgart, 
Bonz Erben. 8. 378 S. Ji b — 

567 Strohl, E. Le choMra ä Strasbourg dans les ^pid^mies de 1849, 
1854 et 1855. 8. Strasbourg, impr. Schultz et Cie. 

568 Tourdes. Rapport sur les travaux de la facultö de mSdecine de 
Nancy pendant Tannöe scolaire 1883-84 8. 38 p. Nancy, Berger- 
Levrault et Cie. 

569 Trucheribrod, C. Bericht über d. otiatrische Section auf der 58. 
Naturforscherversammlung zu Strassburg. (In: Zeitschrift für 
Ohrenheilkunde. XV, 3.) 

570 VerTiandlungen der (25.) Section f. landwirthsch. Versuchswesen 
d. 58. Versammlung dtsch. Naturforscher u. Aerzte zu Strassb., 



— 244 — 

18. bis 23. September 1885. (In: Die landwirthschaftl. Versacfas- 
Stationen. XXXU; ö.) 

571 Versammlung^ die, deatacher Naturforscher n. Aerzte zu Strassb. 
(In: Nene evang. Kirchenzeitnng. XX VU, 42.) 

572 Verzeichniss, amtliches, des Personals n. d. Studenten d. Kaiser 
Wilhelms-Universitat Strassburg für das Sommerhalbjahr 1886. 
8. 47 S. Strassburg, Heitz u. Mündel. Uil — 60 

572a für d. Winterhalbjahr 1885/86. 8. 47 S. Ebend. JL ^ m 

573 Verzeichniss der Vorlesungen, welche an der Kaiser-Wilhehns- 
Universität Strassburg im Sommersemester 1885 gehalten werden. 
8. 32 S. Strassburg, Heitz u. Mündel. .,« — 50 

573a Wintersem. 1885|86 geh. werden. 8. 32 S. Ebend. .yA — 50 

574 Wahrheit und Dichtung im Reichslande. (In: AUgem. Zeitung, 
Beilage, Nr. 289.) 

575 WeiUy Fr. Die Arbeiter-Wohnungsfrage in Strassburg; mit einem 
Plane d. Stadt Strassburg. 8. 16 S. (Sep.-Abdr. a. d. Schriften d. 
Ver. f. Socialpolitik. XXX.) Leipzig, Duncker u. Humblot. JL 1 — 

576 Wieger, Friedr. Gesch. der Medicin u. ihrer Lehranstalten in 
Strassburg v. J. 1497 bis z. J. 1872. Der 58. Versamml. deutsch. 
Naturforscher und Aerzte in Strassburg 18.-22. September 18Bd 
gewidmet, hoch 4. XIX, 173 S. Strassburg, Trübner. Ul 6 — 

577 Zangemeisier, Karl, Inschriften d. Vosegus. (In : Etudes arch^lo- 
giques, linguist. et histor., dMiöes & M. Leemans. (Leiden, Brill). 
S. 239-242.) 

578 Zur Erinnerung an das 200jährige Jubiläum der Buchdruckerei 
des Hauses R. Schultz u. C. in Strassburg i. £. am 26. Sept 
1885. Als Manuscr. gedruckt. Strassburg, R. Schultz u. C. 1885. 
4. 35 S. 

579 Zur Qeschichte d. Buchhändler-Anzeigen. (In: Deutsche Papier- 
Zeitung. Nr. 40) [Betr. Mentelin^sche Strassburger Drucke.] 

580 Zur 58. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in 
Strassburg. (In : Chemiker-Zeitung. Nr. 68, 69, 76 - 83, 86, 87.) 

XU. Kunstgeschichte. 

581 Besneraif Marie de. Les grandes 6poques d. 1. peinture : Le 
Poussin, Ruydael, Claude Lorrain. 2« 6dit 8. 302 p. et graT. 
Paris, Delagrave. fr. 2 90 

582 Büder aus dem Kunstverlage : 1) Die Firma A. Braun u. Cie. in 
Domach. (Deutsche Buchhändler-Akademie Bd. II. 1885. 8. 
45 Bog. Weimar, H. Weissbach.) 

583 Centralbahnhof, Der neue, in Strassburg. (In : Illustrirte Zeitung, 
Nr. 2198.) 

584 Claude le Lorrain. Die vier Tageszeiten, gestochen von Chr. 
Haldenwang. Stichgr. 41 : 58 cm. Berlin, Amsler u. Ruthardt. 
Auf weissem Papier JK 12 — 
Auf chines. Papier u8f 15 — 
Die Folge zusammen auf weissem Papier uir 36 — 
Die Folge zusammen auf chines. Papier Jt 4S — 

585 Des Bobert, Ferd. Ex voto de Charles V» duc de Lorraine, dans 
r^glise de Todmoos (Brisgau). 8. 13 p. Nancy, Cröpin-Leblond 
(Extr. de la Soc. d'arch. lorr., sept. et oct. 1884.) 

586 Duplessis, G. De quelques estampes en bois de T^cole de Martin 
Schongauer. 8. 16 p. avec gravures. Nogent-le-Rotrou, impr. 
Daupeley-Gouvemeur. (Extr. des M6m. de la Soc. nat des antiq. 
de France). 



— 245 — 

587 Germainj L, Goillanine de Marcillat, peintre lorrain. 8. 11 p. 
Nancy, Cr6pin-Leblond. 

588 — Un porlxait de Margnerite de Lorraine, dnchesse d^Alen^on, 
an Mus^e lorrain. 8. 8 p. Nancy, Cr^pin-Leblond. (Extr., avec 
additions^ dn Jonmal de la Soc. d^arch. lorr., nov. 1884.) 

589 — R^ciconrt, chapelle fnn^raire de la famille Du Hantay. 8. 20 p. 
Nancy, Cr6pin-Leblond. 

590 Hetmadorfj F, Elsässische Landschaften. Vier Originalradierangen. 
Nene Ausgabe. Text von A. Schricker. Strassburg, Heitz u. 
Mündel, qu. fol. JL 6 — 

591 Jacqtiot, Alb. Anoblissement d^artistes lorrains. Memoire, lu ä la 
T^union des sociSt^s savantes et des beaux-arts des döpartements 
ä la Sorbonne, dans la s6ance du 11 avril 1885. 8. 23 p. 
Nancy, Sidot 

592 JSlemm, Ä, Ein alter Bauriss zum Thurmhelm am Strassb. Münster. 
(Li : Württemb. Vierteljahrshefte f. Landesgesch. VIII, 1. 2.) 

593 MdUerj Emüe, ün graveur li6geois h, Nancy, Jean Valdor. 8. 
19 p. et autogr. Nancy, Cr6pin-Leblond. (Exü*. des M6m. de la 
Soc. d^arch. lorr. pour 1884). 

594 Peteghem, C. van. De la valeur des mSdailles et monnaies d^Al- 
sace. Avec leur description. d^apr^s les planches du baron Ber- 
stett. 4. 44 p. et 16 pl. Paris, libr. numismatique. 

595 Trosty Aug, La cathSdrale de Metz. £tude sur ses Sdifices actuels 
et sur ceux qui les ont pr6c6dSs ou accompagn^s, depuis le 
V* sidcle. [Extr. des M6m. de la Soc. d^arch. et d^histoire de la 
Moselle. Tom. XVI.] 8. Metz, impr. Even fr^res et Cie. 

596 RaoseveU, Blanche, Gustave Dor6. Life and reminiscences com- 
piled from material supplied by Dor^^s relations and friends 
and from personal recollections with many original unpublished 
Sketches etc. 1 vol. large 8. cloth. London. S. Low. & Co. 

sh. 24 — 

b^G^Sarhophag Ludwigs des Frommen im städt. Museum zu Metz. 
(In: Kunstchronik XXI, 17.) 

597 Sckadow, Bichard. Daniel Specklin. Sein Leben u. s. Thätigkeit. 
Strassburg, Heitz u. Mündel. Diss. 8. 64 S. 

598 Schangatter, Dürer, Rembrandt. Stiche und Radirungen in heliogr. 
Nachbildungen nach Originalen des königl. Kupferstichkabinets 
zu Berlin. Mit begleit. Text von J. Janitsch u. A. Lichtwark. 
[3 Thle ä 5 Lief.] 1. Thl. 1. Lief. gr. fol. (5 Taf. nüt 5 Bl. Text.) 
Berlin, Grote. In Mappe. UK 10 — 

599 Schmidt, Charles. Der Strassburger Maler Hermann von Basel. 

g Beiträge zur vaterl. Geschieht^, hrsgb. von d. bist. u. antiq. 
esellschaft in Basel. U. 1. Basel, Georg.) 

600 Seinguerlet, E. L'6cole alsacienne. 8. 11 p. Nancy, Berger- 
Levrault et Cie. (Extr. de la Revue alsacienne de 1884.) 

&}0^Siege8denkm<ü, Römisches, im Museum zu Metz. (In : Knnstchronik, 
XXI, 17 u. 21.) 

601 Tapisseries, Les, de Saint-Jean-des-Choux, pres Saverne (Sanct- 
Johann bei Zabern) Alsace. pPubli6es par Job. Christmann.] [Avec 
8 photogr.] qu. 8. Saverne, impr. Gilliot. 

602 TomoWy Paul. Das neue Liebfrauen-Portal der Kathedrale zu 
Metz. Kurze Beschreib, des figürl. Schmuckes u. Notizen zur 
Gesch. des Fortals. 8. Metz, Even. 

603 Tüfferd, P. E. L' Alsace artistique. 8. Mulh , imp. Bader et Cie. 



— 246 — 

604 Warth, Otto. Das KoUegien-Gebäade der Eaiser-Willielms-Uiu- 
versität zu Strassborg. 18 Lichtdrucktafeln in gr. fol. Karlsmhe. 
Bielefeld. In eleg. Mappe. UUL 24 — 

605 Weerth au^m. Die Reiterstatne Karls des Grossen ans dem Dom 
zu Metz. (Mit Taf. n. Holzschn.) (In: Jahrbücher des Ver. von 
Alterthnmsfrennden im Rheinlande, Heft 78.) 

xm. Litteratorgeschiohte. 

606 Bachy Josef. Jakob Bälde der nealateinische Dichter des Elsasses. 
(Sep.-Abdr. ans dem Bulletin ecclSsiastique de Strasbourg.) 8. 
Strassburg, Druck v. Le Roux. 

607 Barock, K. A. Bruchstück a. Wolframs Parzival. [Colmarer Hs.] 
(In: Germania. 30. Jahrg. 1. Heft.) 

608 — Bruchstück aus Rudolfs von Ems Wilhelm von Orlens. [Strass- 
burger Hs.] (In: Germania. 30. Jahrg. 1. Heft.) 

609 — Notiz über Erwerbung arabischer u. hebräischer Handschriften 
durch die kaiserl. üniversitäts- und Landesbibl. zu Strassbnrg. 
(In: Gentralblatt f. Bibliothekswesen. H. Jahrg., p. 136.) 

610 Bartsch, Karl, Beiträge zur Quellenkunde der altdeutschen lit- 
teratur. gr. 8. Vm, 392 S. Strassbnrg, Trübner. JL%- 

611 Becker, Aug. Auf Goethes Wanderpfaden. 2. Sesenheim. (In: Wester- 
mann's illustr. deutsche Monatshefte. XXX, 1.) 

612 Reimsprüche des 15. Jahrh. (aus einer Hs. mit einer Colmarer 
Chronik) ; hrsgb. Ton BemotMi. (In: Germ. 30, 214—216.) 

613 Bossert, Gustav. Wolfhart Spangenberg. (In : Schnorr, Archiv £. 
Lit.-Gesch. XIV. 107, 108.) 

614 Braux, G. de. Note bibliographique sur une pidce de ven 
d^Alphonse de Ramberviller. 8. 4 p. Nancy, Cripin-Leblond. 
(Extr. du Journal de la Soc. d'arch. lorr. Mars 1885.) 

615 Catähgue des ouvrages imprimös de la Biblioth^que municipale 
de Metz. Fase. VH. 8. 

616 Dünteer, H. Eine Lebensgech. von Goethes Friederike. (In : Allg. 
Zeitung, Beilage, Nr. 35.) 

617 FaC'SimtU du Codex de Gorze actueUement ^«Goerlitz. Tableaa 
in-plano. Nancy, autogr. Christophe. 

618 Geiger, L. Bebel und Etterlin. (In: Yierteljahrsschr. f. Kultarn. 
Literatur d. Renaissance, I, 1.) 

619 Briefe J. CHrimms an F. W. Bergmann in Strassbnrg ; mitgetheilt 
Y. E. Martin, flu: Anzeiger für deutsch. Alterth. und deutsche 
Literatur. XI, S. 92-95.) 

620 Briefe yon Jacob Grimm an Karl Candidus [aus Bischweiler], 
mitgeth. v. Ernst Martin. (Ebd. XH, p. 117-120.) 

621 Briefe von Jakob u. Wilhelm Grimm an August Stöber, mitgeth. 
V. Ernst Martin. (Ebd. XH. p. 107-117) 

622 Hatüant, N. Plan, divisions et table d^xme bibliograph. vosgieime. 
8. 11 p. Nancy, Cr6pin-Leblond. (Extr. du Journal de la Soci^t^ 
d»arch. Juin 1885.) 

623 Hartfelder, K. Analekten zur Gesch. d. Humanismus in Südwest- 
deutschland (Gedichte u. Dedikationen v. Wimpfeling u. A.) (In: 
Yierteljahrsschr. f. Kultur u. Literatur d. Renaissance. I, I.) 

624 Herzog, Hans. Zum memento mori (Germania., hrsg. v. K. Bartsch. 
N. R. Jahrg. 18, Heft 1, S. 60-63.) [Bemerkungen zu dem zuerst 
V. K. A. Barack (Zeitschr. f. deutsch. Alterth. XXffl, 212) ve^ 
öftentlichtl. althochdeutschen cmemento mori» der Strassburger 
Handschr.] 



— 247 — 

625 Silier j Jacob. Zur Kenntniss F. M. Lettchsenrings. (In : Schnorr 
Archiv f. Litt-Gesch. XIV, 143-160.) 

626 Knod, Cfustav, Jacob Wimpheling und Daniel Zanckenried. Ein 
Streit über die Passion Chnsti. (In : Schnorr, Arch. f. Litt.-Gesch.y 
XIV, 1-16.) 

627 — Neun Briefe von und an Jacob Wimpheling. (In : Vierteljahrs- 
Bchr. f. Kultur u. Literatur der Renaissance, I, 2.) 

628 —r Wimpfelingiana. (Aus: Alemannia, XII, 7.) 

629 — Zur Biographie u. Bibliographie des Beatus Rhenanus. (In: 
Centralblatt f. Bibliothekswesen. II. Jahrg. 7. Heft. S. 253-276.) 

630 — Zur Vita Geilleri des Beatus Rhenanus. (In: Vierteljahrschr. 
f. Kultur u. Literatur der Renaissance. I, 3.) 

631 Mere, A. Mathias Holzwart. Eine Abhandlung. (Programm der 
Realschule zu Rappoltsweiler.) Rappoltsw., Brunschwig. 

632 Merz, Jtd. Goethe v, 1770-1773 od. seine Beziehungen zu Friede- 
rike von Sesenheim u. Werthers Lotte. Neue unv. Abdruck gr. 
8. rV. 24 S. Nürnberg, Bauer-Raspe. JL — 60 

633 MufTier, Thomas. Die Narrenbeschwörung. Erneuert u. erläutert 
Y. Karl Pannier. 286 S. (Reclams Universalbibl. Nr. 2041-2043.) 
Leipzig, Reclam. JC 1 — 

634 Paris, Gaston. Les Serments de Strasbourg. Fragment d'une 
introduction au commentaire de ce texte. Firenze, Le Monnier. 
(Sep.-Abdr.) 

635 Psautier, Le, de Metz. Texte du XIV* siöcle. Edit. critique, 
publice d^apr^s quatre manuscrits par Bonnardot. Tom. I. — 
Texte integral, pet. 8. 470 p. Paris, Vieweg. JC d — 

636 Itetssenberger, K. Zu Reinhart Fuchs (von Heinrich d. Gleissner) 
(In : Paul u. Braune Beitr. XI, 330-344.) 

637 Schönbach, A. Die Ueberlieferung im Reinhart Fuchs. (In: Zeitschr. 
f. d. Alterthum XXIX, 47-64.) 

638 Schwarz, G. Rabelais u. Fischart. Vergleichung d. «Gargantua» 
u. d. € Geschichtsklitterung» v. «Pantagrueline Prognostication» 
u «Aller Practik Grossmutter >. Inaug.-Dissertation. gr. 8. 96 S. 
Winterthur (Halle, Niemeyer). JL 2 — 

639 Sondheim, M. Die ältesten Frankfurter Drucke (Beatus Murner 
[geb. zu Strassburg] 1511-12). Eine bibliographisch - literarische 
Studie. Frankfurt a./M., Jos. Baer et Co. 50 S. gr. 8. M. 3 Facs. 
«Als Manuscript gedruckt.» 

640 Stiehler, H. Der Dichter Johann Fischart u. insbesondere sein 
«Glückhaft Schiff», das Hohelied v. Manneskraft u. Mannestreue. 
Mit Einleit. u. Bemerk. Eine Jubelausgabe zum 6. deutschen 
Turnfest. 2. Aufl. 8. 77 S. Dresden Lehmann. JL — ßO 

641 Festschritft d. Stadttheaters in Strassburg i. E. unter Direktion 
des Herrn Temmel. Saison 1885/86. Theatralisches Vergissmein- 
nicht. 8. 8 S. Strassburg, Druck von Fischbach. 

642 Wimpfeling, Jacob. Germania, übers, u. erläutert v. E, Martin. 
Mit'ungedr. Briefen v. Geiler u. Wimpheling. Ein Beitrag zur 
Frage nach d. Nationalitat d. Elsasses und zur Vorgesch. der 
Strassb. Universität. 8. Strassburg, Trübner. ul 2 50 

XIV. Schöne Litieratur. 

643 Ambert. Gaulois et Germains, r6cits militaires ; 3' sSrie : La 
Loire et PEst. 1870-71. 3- edition illustr. de 8 portraits. 8. VH, 
407 p. Paris, Blond-Barral. .^ 4 — 

644 Arx, Adrian von. Die Dornacher Schlacht. Schauspiel in 5 Auf- 
zügen. Aarau, Saüerländer. e/^ 1 40 

645 Büder, Strosburjer. fol. Strassb., Schneider. Nr. 99-103. ä .^ — 10 



— 248 — 

646 Blum, H, Herzog Bernhard. Eine Geschichte y. Oberrhein ans 
den J. 1638, 1639. 8. X, 260 S. Leipzig, C. F. Winter. OL 6 — 

647 Cavcdcade de Beifort, jonrnal-prosramme de la cavalcade de 
bienfaisance de Beifort, an profit des panvres et des bless^s du 
Tonkin. (Avril. 1885.) pet. in-fol. a 2 col. 8 p. avec croqnis. 
Beifort, lith. Devillers. 

648 Cesar, P. Le forgeron de Thalheim. Nonvelle alsacienne. 8. Lau- 
sanne, impr. Jannin fr^res. 

649 CharauXj Äug. France et Lorraine; Rome et Bretagne; Patrie. 
Familie ; vers. 2* Edition revne et angment^e. 16. 158 p. Paris, 
Lefort. 

650 Cointreau, Ad. L* Alsacienne, comödie en trois actes, en vers. 
snivie de : Un mariage, com6die en denx actes, en vers. 8. 122 p. 
Angers, Lachese et Dolbean. 

661 Dietz^ Aug. Klänge ans dem Elsass. 8. 152 S. Strassbnrg, Heitz 
n. Mündel. JL ^ — 

652 Dominique, J. Souvenirs de Vend6e et de Lorraine, smyls de 
denx legendes saxonnes. 8. 239 p. et grav. Tonrs, Cattier. 

6Ö3 Du Vddon, Georg. Un roman en Alsace ; le mariage de Blanche. 
18. 323 p. Paris, Delhomme et Brignet. 

654 Elster, 0. Am Bivonakfener ! Manöver- n. Qamison-Geschichten 
ans Elsass-Lothringen. 8. Vn, 124 S. Berlin, v. Decker. JL 2 — 

655 Epinal'Tonkin, Journal special de la fete da 15 mars 1885. pet 
in-fol. It 2 col. 12 p. avec seines diverses, croquis, antographes 
etc. Epinal, Pellerin et C. ; Busy. 

656 Erchnann-Chatrian. L'Art et les Grands idöalistes. 18. 342 p. 
Paris, Hetzel et Cie. fr. 3 — 

657 — Histoire d'un consent de 1813. 48* 6dit. 18. 338 p. Paris, 
Hetzel et Cie. fr. 3 — 

658 — Histoire d'un paysan. L'an I de la R^publique 1793. lO»" ed. 
18. 414 p. Paris, Hetzel et Cie. fr. 3 — 

659 — Histoire d'un paysan. Le Citoyen Bonaparte. 1794-1815. 14' ^ 
18. 377 p. et frontisp. Paris, Hetzel et Cie. fr. 3 — 

660 — LUnvasion. In Auszügen. Mit Anmerkungen zum Schul- und 
Privatgebrauch, hrsgb. von K. Bandow. Leipzig, Velhagen n. 
Klassing. 16. 220 S. f Prosateurs frangais ä Tusage des Scoles. 
Livr. 50.) JL\2Ü 

661 — Maitre Daniel Rock. 6« 6d. 18. 340 p. Paris, HetzeL fr. 3 — 

662 — Les vieux de la vieille. 6^ ^ditition. 18, 302 p. Paris, 
Hetzel et Cie. fr. 3 — 

663 — Waterloo. Fortsetzung der Geschichte e. Anno 1813 Consch- 
birten. Deutsch von H. Denhardt. Leipzig, Reclam. 16. 227 S. 
(üniversalbibliothek Nr. 1997/8.) U^ - 40 

664 Fischart, Joh. Ehzuchtbüchlein nebst dem Ehstand-Eapitel aus 
dem Gargantua für Volk u. Familie bearb. v. Rieh. Weitbrecht. 
Stuttgart, Metzler. gebdn. Jt 2 4D 

665 — Das glückhafte Schiff von Zürich, nebst dem Schmachsprach 
u. Kehrab u. einigen verwandten Gedichten. Erneut u. erläutert 
V. Karl Pannier. Leipzig, Reclam. 16. 119 S. (üniversalbibliothek, 
Nr. 1951.) JC — 20 

666 Frodich, J. Strosburjer Holzhauerfawle. Mit (lithogr.) Titelkupfer 
un zwanzig Bildle fum Jos. Lindebluest. 18. VÜ, 73 S. [Aufl. 210 
numerierte Expl.] 1-200 auf Chamois Papier ä «^ 6. 201-10 auf 
Japan. Papier Ik JC 16. 

667 Frommel, Emil. Treue Herzen. Drei Erzählungen. (Enthält : 
Dominicus Dietrich, der letzte Ammeister der freien Reichsstadt 
Strassbnrg.) 2. Aufl. kl. 8. 143 S. Barmen, Klein. «# 1 50 



— 249 — 

668 — Strassbnrg, du wunderschöne Stadt ! Alte und neue, freud- 
volle u. UebeYolle, fremde u. eigene Erinnerungen eines Feld- 
predigers vor Strassburg im Jahr 1870. 3. Aufl. 12. 128 S. 
(Deutsche Jugend- und Volksbibliothek. Nr. 40.) Stuttgart, 
Steinkopf. JC — Ib 

669 Gibracy C. Lorraine ! 18. 277 p. Paris, Charpentier et G. fr. 3 50 

670 Crirardin, J. Petits contes alsaciens. 5* 6d. 8. 192 p. Paris, 
Hachette et Cie. (Bibl. des 6coles et des familles). fr. 1 50 

671 Guyon, Ch. Histoire d'un annex6 (souvenirs de 1870-1871). 8. 
96 p. avec grav. Paris, Hachette et Cie. (Bibl. des 6coles et d. 
familles.) fr. 1 — 

672 Hägdi, Albert. La cour mörovingienne de Kirchheim ou Dago- 
bert II. Drame historique en cinq actes. Traduction autorisSe 
par Tauteur. 8. Rixheim, impr. Sutter. 

673 — Die Merovingerpfalz zu Kirchheim (König Dagobert IL). Bist. 
Trauerspiel in ö Akten. 8. VIII, 104 S. Strassburg. (Paderborn, 
Kleine.) JL 2 2b 

674 Hahn, Werner. Ein Elsässer und eine Holsteinerin. Geschichten 
aus den Jahren 1864 — 1873. (In: Deutsche Rundschau. XI, 2. 3.) 

675 Hcaxpt, Antonie. Das Oeheimniss d. Waldes v. St. Amual. Erzäh- 
lung aus dem Saarbrücker Hofleben des vorigen Jahrhunderts. 
8. 62 S. Trier, Paulinus-Druckerei. Ul — 50 

676 Herchenbach, Wüh. Soldaten-Bibliothek. Mit lUustr. 8. Regens- 
barg, Manz. 6. Bändchen: Die bayerischen Helden bei Weissen- 
bnrg. Erzählung. 153 S. ä t/Ä 1 — 

677 Jerschke, 0. Fest-Prolog zur Feier des 25 jährigen Jubiläums d. 
2. niederschl. Inf.-Reg. Nr. 47 zu Strassburg, am 4. Juli 1885. 
gr. 8. 7 S. Strassburg, Bensheimer. JC — 30 

678 Klein, Karl. Fröschweiler Chronik. Kriegs- und Friedensbilder 
aus dem Jahre 1870. 6. Aufl. mit Kärtchen. 8. VI, 242 S. Nörd- 
llngen, Beck. ^ JL 2 2b 

679 KtSoniaizeitung, deutsch-afrikanische. Intelligenzblatt für West- 
Afrika, Kreis Kamerun. Nr. 108. I. Jahrg. 4. Kamerun [= Strass- 
burg], Filial-Druckerei v. Kayser. 

680 Meisner, M. Heimgebracht. Erzählung für die reifere Jugend. 
BCt Titelbild. 123 S. Breslau, Trewendt. gbdn. JL — 90 

681 lUstiahonne, Louia. Les six Alsaciennes, po6sie. 8. 25 p. Paris, 
Lemerre. fr. 1 — 

682 Bebe, Maria. Am Strengbach. 8. VH, 205 S. Karlsruhe, Reiff. 

683 — Schwarzbrot. Elsässer Erzählungen für Kinder. 8. VI, 152 S. 
Gotha, Perthes, cart. c/Ä^ 2 — 

684 Bemmcourt, Vict. de. ün sergent vosgien. (Vers.) 8. 7 p. Neuf- 
chäteau, impr. Beaucolin. 

685 St-Barbara-Festzeitung, Politisch-militärische Zeitg. für Stück- 
knechte. Erscheint am 4. Dez. jeden Jahres, fol. Metz, Buchdr. 
Lang. 

686 Scham, Carl. Elsässer Bauern-Krieg. Dramatische Skizzen in 
5 Akten. 8. IV, 84 S. Zabera, Mallinckrodt. Jt 1 — 

687 Siedmogrodtka, Henriette von. «Aus dem Leben. »Novellen. 8. 236 S. 
Berlin, Issleib. (Enthält u. a : Eine elsäss. Mutter.) JL 3; geb. .^ 4 — 

688 SpörUn, Margaretha. Elsässische Lebensbilder. 2 Bdchn. Autor. 
Ausg. 4. Aufl. 8. 182 S. Basel, Schneider. .^ 1 50 

689 Spielberg, Hans von. Durch das Femrohr. Kleine astron. Studie. 
(Novelle in Lothringen spielend.) (In : Universum 1886. U. 10. Heft.) 

690 ThiebaüU, Henri. Chants d'un Frangais. Paris, C. Marpon et E. 
Flammarion. 



"^ 



— 250 — 

691 ViUemer-Delorfnel. Les chansons d'Alsace-Lorraine. Pr^face par 
A. Banc. 18. VI, 148 p. Paris, Marpon-Flammarion. fr. 3 — 

692 WaMarüied, das. Der Jagend erzählt von J. Schneider. 51 S m. 
1 Holzschn. Der Jagend Lost a. Lehre. II. Heft WaJdenborg. 
i. Schles., Georgi. JH — 20 

693 Weymann, Ottomar, Erinnenmgsblätter ans d. Eheinlast. Die 
Wandzeichnongen im Salvatorkeller. 8. Bheinlost bei Strassbnrg. 
Albert. Ul — 50 

694 — Strassborger Federskizzen. 8. [Strassbnrg] Hnbert. JL — 50 

695 Würdig^ L, Strassbnrg, o Strassbarg, da wanderschöne Stadt ! 
Eine Jagend- n. Volkserzählang. 12. 95 S. (Nene JngendbibL 
Nr. 860.) Mülheim, Bagel. Ul — 50 

XV. Mundartliches. 

696 BirlingeTj A. Znm elsäss. Wortschatze ans Danhauer. (Ans: 
Alemannia, XIII, 1.) 8. 

697 FöUmann, Die Sprache der dentschen Lothringer. (In: Beil. zur 
«Allgemeinen Zeitnng», Nr. 183.) 

698 Gugenheim, Georg. Nancy sens d^sns d^sons, revae locale en 
qaatre actes et doaze tableaax, dont an prologne. Mnaiqne 
nonvelle de Faal Thomas. 1'* Edition. 8. 119 p. Nancy, Impr. 
noavelle. (Th^ätre manicipal de Nancy. Premiere representaüon 
le 6 mars 1885.) fr. 2 - 

699 HaiUant, Nie. Essai snr an patois vosgien. (ürimSnil pres Epinal.) 
3* section: Grammaire. I. Urammaire proprement dite; EL For- 
mation des mots (d^rivation, composition). III. Syntaxe; IV. 
Petit Programme de recherches snr les patois vosgiens. 8. 108 p. 
Paris, Maisonnenve et C. (Extr. des Annales de la Soci^t^ d^emn- 
lation des Yosges.) 

700 Herzog, H. Alemannisches Kinderbach. 8. 174 S. Lahr, Schaaen- 
barg. cart. JC 1 — 

701 LSgendes populaires. Deax po^sies en patois de la Hante-Mosel- 
lotte ; par X. (Avec la tradnction en fran^ais.) 8. 35 p. St-Di^ 
Hnmbert. (Extr. da Ball, de la Soc. philom. vosg. annßes 1884-85. 

702 Lustig, A. Im Jnlie si Gheimniss. Theaterstück nf Milhüserditsch. 
8. Mulhoase, impr. Brastlein et Cie. 

703 — Ne Scandal. Komische ScSne mit Gesang. 8. Mnlhonse, impr. 
Brüstlein et C. 

704 — Vor an no dr Hochzit! Theaterstück \\i Milhüserditsch, m 
zwei Acte mit Gsang. 8. Mnlhoase, impr. Brüstlein et Cie. 

705 Meininger, Jules. Sammlane yo Gedichtlä an Fawlä im Milhüser- 
ditsch. 8. Malhoase, impr. Bader et C. 

706 Meiselocker, Zwei daawi. [Lastspiel in Strassbnrger Dialekt] 8. 
Schilke, gedr. bym Gottlieb. 

707 Faymaigre. Chants allemands de la Lorraine (Schlnss). (In: 
La Revae nonv. d^Alsace-Lorraine, Y, 2.) 

708 Babbärg, Der, on's Doliär&wasser. Von Jnles M. 8. Mnlhonse, 
impr. Bader et Cie. 

709 Bosch, L. Glossographie des patois de TAlsace. 8. Belfori (Ans: 
Revae d^Alsace.) 

710 Schneider, August. Elsässische Volksgedichte a. Lieder in Strass- 
barger a. Mülhaaser Mondart. Mit lUnstr. v. E. Schabün. 6. 
Strassbarg, Schneider. Ul 1 — 

711 Weül, Alexandre. Der Gerschning Narr well ach a Fraa. Lnst, 
spiel in 5 Akten in elsäss.-jüdisch. Dialect. 8. 32 S. Strassbarg- 
Schneider. Ji — bO 

712 Fortsetznng. 24 S. .^ — 50 



XV. 



Chronik für 1885. 

5. April. An der Kathedrale zu Metz wurde das neuher- 
gestellte Liebfrauenportal eröffnet und ein Dombauverein be- 
gründet, dessen Vorstand Generalvicar Karst, dessen Ehren- 
präsident der Bischof Dupont des Loges ist. 

7. Juni. Groldene Hochzeit des Dichters Christian Hacken- 
schmid zu Strassburg (geb. 1809, nicht 1804, wie in der Chronik 
des I. Jahrg. angegeben). 

14. Juni. Generalversammlung des Vogesenclubs zu Kai- 
sersberg. 

17. Juni. Zu Karlsbad starb während eines Badeaufenthaltes 
der Generalfeldmarschall Karl Rochus Edwin Freiherr von 
Manteufifel, kaiserlicher Statthalter im Reichslande (geboren 
24. Febr. 1809 zu Dresden, Statthalter seit 1. Oct. 1879). 

21. Juni. Enthüllung der Gedenktafel für Oberförster von 
Lasaulx auf dem Hohbarr, durch die Section Zabern des 
Vogesenclubs. 

28. Juni. Einweihung eines Grabdenkmales für August 
Stoeber, einer Stiftung seiner Freunde und Schüler, auf dem 
Friedhofe zu Mülhausen. Aufstellung seines Relief-Brustbildes 
im Mus^ historique zu Mülhausen. 

5., 11. Juli. Gänselspiel auf der 111 am Grünen Berg zu 
Strassburg. 

17. — 29. September. Versammlung der deutschen Aerzte 
und Naturforscher zu Strassburg. 

19. September. Eröffnung des Obst- und Weinbaucongresses 
in Colmar. 

11. October. Einzug des kaiserlichen Statthalters Fürsten 
Chlodwig von Uohenlohe-Schillingsfürst in Strassburg. 

12. October. Pfarrer Ferdinand Lucius von Sesenheim 
(Verf. von Friderike Brion von Sessenheim, Strassburg, Heitz, 
1877), stirbt zu Strassburg. 

25. November. Eine Gedenktafel für «die grosse Landgräfin^ 
Caroline von Hessen-Darmstadt wird vom Slrassburger Ver- 
schönerungsverein an ihrem Geburtshause, Finkweilerstaden, 9, 
angebracht. 



XVI. 



Sitzungsprotokolle . 

y or standssitznng . 

8. November 1885, im CivUcasino kü Strassbnrg. 

Anwesend : die Herren Francke , Martin, Mündel, Hering, 
Barack, Schricker, Wiegand. Entschuldigt fehlt Herr Pfarrer 
Herrenschneider. 

Der Vorsitzende gibt Mitteilung von eingelaufenen Schreiben 
(Kurschner's Litteraturkalender; Archivdirector Pfannenschmidt 
bittet von einer Wiederwahl seiner Person in den Vorstand 
abzusehen, da er geschäftUch zu behindert sei, an den Arbeiten 
thätig mitzuwirken). 

Der Vorsitzende teilt aus dem Kassenbericht von Mündel 
Einiges mit, wonach bis jetzt 946 Mitglieder dem Zweigverein 
beigetreten sind und 1230 Exemplare des Jahrbuches gedruckt 
wurden. Es wird beschlossen die Prüfung der Rechnung an 
eine von der allgemeinen Versammlung zu wählende Gommis- 
sion zu verweisen. 

Der Vorsitzende berichtet zum Schluss über einige für 
den zweiten Jahrgang des Jahrbuchs eingegangene Arbeiten. 

Es folgt an demselben Orte die 

Allgemeine Sitznng. 

Prof. Martin eröffnet die Sitzung, die von etwa dreissig 
Mitgliedern besucht war, mit einer Mitteilung über die Ent- 
wicklung des Zweigvereins in dem ersten Jahre seines Be- 
stehens. 



— 253 — 

Oberbibliothekar Prof. Barack berichtet über die der Bi- 
bUothek überwiesenen 420 Tausch-Exemplare. Mit 67 auswär- 
tigen Vereinen ist der Tausch bereits vollzogen oder in naher 
Aussicht. 

Für die Prüfung des Kassenberichts von Herrn Mündel 
werden zwei Herren aus der Versammlung ernannt; sie bestä- 
ligen die Richtigkeit desselben. 

Bei der Wahl des Vorstandes wird der bisherige Vorstand 
wiedergewählt, an die Stelle des zurücktretenden Herrn Archiv- 
director Pfannenschmid tritt Herr Stiftsdirector Erichson. 

Zum Schluss spricht Archivdirector Wiegand über das 
Urkundenwesen der Stadt Strassburg im Mittelalter. 

Nach der Sitzung vereinigten sich die von auswärts ge- 
kommenen Mitglieder mit mehreren hiesigen zum Mittagessen 
im Casino. 

Vorstandssitzmig. 

10. Januar 1886, im Bezirksarchiv. 

Anwesend die Herren Barack, Erichson, Harbordt, Hering, 
Luthmer, Martin, Mündel, Schlumberger, Schricker, Wiegand. 
Feststellung der Aufsätze für das nächste Jahrbuch. 



n 



XVII. 

Verzeichnis 

der Vereine und Gesellschaften^ mit ivelchen der historisch' 
litteransche Zweigverein des Vogesencluhs in Schriften- 
austausch getreten ist. Die mit einem f bezeichneien 
Vereine haben bereits ihre Publicationen eingesandt. 

I. Deutschland. 

1) Aachen, f Aachener Geschichtsverein. 

2) Altenburg. Geschichts- and Alterthnmsforschende Gesellschaft 

des Osterlandes. 

3) Ansbach. Historischer Verein in Mittelfranken. 

4) Angsbnrg. Historischer Verein för Schwaben und Neubarg. 

5) Bamberg. Historischer Verein. 

6) Bayreuth, f Historischer Verein für Oberfranken. 

7) Berlin. Verein für die Geschichte der Mark Brandenburg. 

8) Berlin. Verein für die Geschichte Berlins. 

9) Bonn, f Verein von Alterthumsfreunden im Rheinland. 

10) Brandenburg a. H. Historischer Verein. 

11) Braunsberg. Historischer Verein für Ermland. 

12) Bremen. Abtheilang des Künstlervereins für Bremische Geschichte 

und Alterthümer. 

13) Breslau, f Museum schlesischer Alterthümer. 

14) Breslau. Verein für Geschichte und Alterthum Schlesiens. 

15) Danxig. fWestpreussischer Geschichtsverein. 

16) Darmstadt. Historischer Verein für das Grossherzogthum Hessen. 

17) Donaueschingen, f Verein für Geschichte und Naturgeschichte 

der Baar und der angrenzenden Landestheile. 

18) Dresden, f Königlich Sächsischer Alterthumsverein. 

19) Düsseldorf. Geschichtsverein. 

20) Elberfeld. Bergischer Geschichtsverein. 



— 255 — 

21) Erfort. Verein far Geschichte und Alierthümskxinde von Erfurt. 

22) Frankfart a. M. Verein für Geschichte und Alterthumskunde. 

23) Freiberg i. S. Alterthumsverein. 

24) Freibnrg i. Br. Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, 

Alterthums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und 
den angrenzenden Landschaften. 

25) Friedrichshafen. Verein für Geschichte des Bodensee^s und seiner 

Umgebung. 

26) Görlitz. Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. 

27) Greifswald. Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Alter- 

thumskunde. 

28) Hamburg, f Verein für hamburgische Geschichte. 

29) Hanan. Bezirksverein für hessische Geschichte und Landeskunde. 

30) Hannover, f Historischer Verein für Niedersachsen. 

31) Jena. Verein für thüringische Geschichte und Alterthumskunde. 

32) Ingolstadt. Historischer Verein. 

33) ELiel. Gesellschaft für Schleswig- Holstein -Lauenburgische Ge- 

schichte. 

34) Landshnt. Historischer Verein für Niederbayem. 

35) Lübeck. Verein für Lübeckische Geschichte und Alterthumskunde. 

36) München. Historischer Verein von Oberbayem. 

37) Münster i. W. Verein für Geschichte und Alterthumskunde 

Westphalens zu Münster und Paderborn. 

38) Nürnberg, f Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg. 

39) Planen i. V. f Alterthumsverein. 

40) Posen, f Historische Gesellschaft für die Provinz Posen. 

41) Regensbnrg. Historischer Verein von Oberpfalz und Regensburg. 

42) Schwerin. Verein für meklenburgische Geschichte und Alter- 

thumskunde. 

43) Sigmaringen. Verein für Geschichte und Alterthumskunde in 

HohenzoUem. 

44) Speyer. Historischer Verein der Pfalz. 

45) Stade. Verein für Geschichte und Alterthümer der Herzogthümer 

Bremen und Verden und des Landes Hadeln. 

46) Tilsit. Litauische litterarische Gesellschaft. 

47) Wernigerode, f Harz- Verein für Geschichte und Alterthumskunde. 

48) Würzbnrg. Historischer Verein von ünterfranken und AschafFen- 

burg. 

II. Oesterreich-Ungarii. 

49) Brunn. Historische Gesellschaft. 

50) Budapest, f Uz^gsirische Akademie der Wissenschaften. 

51) Hermannstadt, f Verein für Siebenbürgische Landeskunde. 

52) Innsbruck, f Museum «Ferdinandeum». 

53) Klagenftart. f ^^^tnerischer Geschichtsverein. 

54) Prag. Verein für Geschichte der Deutschen in Böhmen. 

55) Raigem bei Brunn. fKedaction der Benedictiner-Studien. 

56) Salzburg. Städtisches Museum Garolino-Augusteum. 

57) Salzburg. Salzburger Landeskundige Gesellschaft. 



— 256 — 
III. Schweiz. 

58) Aaran. f Historischer Verein. 

bd) Basel. Historisch-antiquarische Gesellschaft. 

60) Bern. Historischer Verein des Kantons Bern. 

61) Ghnr. Bündtnerische Geschichtsforschende Gesellschaft 

62) Frauenfeld, f Tharganischer historischer Verein. 

63) Genf, f Institut National Genevois. 

64) Porrentrny. Soci6t6 jurassienne d^Smulation. 

65) St-Gallen. Historischer Verein. 

66) Schaffhauaen. Historisch-antiquarischer Verein. 

67) Solothnrn. Geschichtsforschende Gesellschaft. 

68) Zürich. Antiquarische Gesellschaft. 

69) Zürich. fAllgem. schweizerische geschichtsforschende Gesellschaft» 

IV. Frankreich. 

70) Ghälon s. S. Soci6t6 d^histoire et d'arch6ologie. 

71) St-Di^. fSoci^tS philomatiqae Vosgienne. 

V. Belgien. 

72) Brüssel. Comnüssion royale d'histoire. 

73) Gent Maatschappij < De Taal is gansch het Volk ». 

74) Liege, f Institut archßologique Liögeois. 

VI. Niederlande. 

75) Haag. Kgl. Institut voor de taal-land-en volkenkunde van Neder» 

landsch Indie. 

76) Leiden, f Maatschappij der Nederl. Letterkunde. 

77) Utrecht, f Historisch Genootschap. 

VII. Luxemburg. 

78) Luxemburg, f Section historique de ilnstitut Royal Grand-Dac&L 



ßerichtignngeii. 



Seite 153 Zeile 11 v. u. 'lies statt Neudorf — Niendorf. 



> 166 




9 Y. u. » > 


Redelaut — Reibelaut 


» 168 




13 V. 0. » 3 


► 5im — öim. 


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5 V. u. » 1 


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» 169 




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> s k'ser — ks'er. 


» 169 




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► khürsti — khürtsi. 


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* päs 9 föia — pas9 ßua. 


> 169 




14 V. u. » j 


► h^wa — hSw9. 



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l7Hr-:: = 



JAHRBUCH 

GESCHICHTE, SPRACHE UND LITTERATUR I 

ELSASS-LOTHRINGENS 

HERAUSGEGEBEN 

HlSrORISCIi-LlTTERARlSCHEN ZWEIGVEREIN | 

VOGESEN-CLUBS. 

III. JAHRGANG. 



STRASSBURG 
J, H. ED. HEITZ (HEITZ & MÜNDEL). 
1887. 
| 5idga i InBtoa' SijitoaiigB!BälSilMi5eaj|BJlB]IBiMI^^ 



Verlag Ton Karl J. Trttbner In Strasftburs* 

Werke über das Eisaas und die Stadt Strasslnirg« 

Die Vogesen. Ein Handbach für Tonristen, anf Grundlage tod 
Schricker» Vogesenführer neu bearbeitet von Curt Mündel. Mh 
13 Karten, 3 Plänen, 2 Panoramen und mehreren Holzschnitten. 
4. neubearbeitete und beträchtlich vermehrte Auflage. 8. Lwdbü. 
1886. Jl 4.— 

Geschichte der deutschen Kunst im Elsass, von A. Woltmann. 
Lex.-8. 330 S. mit 74 Holzschnitten. 1876. (Statt JL 10.) M 5.— 
Geschichte der Medicin und ihrer Lehranstalten in Strassburg vom 
Jahre 1497 bis zum Jahre 1872 von Fried r. Wiege r. 4. 173 8. 
mit 12 Holzschnitten. 1885. tJL 6. — 

Strasshurg im Schmalkaldischen Kriege, von Alcuin Hol- 
länder. 8. Vn, 94 S. 1881. «Ä 2.— 
Strassburger Freischiessen vom Jahre 1576, von Jacob 
Stimmer. Nach dem Original-Holzschnitt der kaiserlichen Dni- 
vcrBitäts-Bibliothek zu Strassburg in Lichtdruck-Facsimile n erklä- 
rendem Text herausg von Dr. A. Schricker. (In Mappe.) JL 12. — 
3Ioderne Cnlturzustände im Elsass, von Ludwig Spach. 
3 Bde. 1873—74. oÄ 13.— 
Jacob Sturm. Rede gehalten bei Ucbernahme des Rectorats der 
Universität Strassburg am 1. Mai 1876, von Herrn. Banm- 
garten. 8. 34 S. 1876. JL —.80 
Dreizehn Burgen des Uuter-Elsasses und Bad Niederbronn. 
Nach historischen Urkunden von Joh. Georg Lehmann. 8. 
243 S. 1878. JL 3.— 
Elsässische Volkslieder, gesammelt und herausgegeben von Curt 
Mündel. 8. 300 S. 1884. uf 3.— 
Strassburgs Blüte und die volkswirtschaftliche Revolution im 
XHL Jahrhundert, von Gust Schmoller. 35 S. 1874. Ji. 1.— 
Strassburg zur Zeit der Zunftkämpfe und die Reform seiner Ver- 
fassung und Verwaltung im XV. Jahrhundert. Mit einem Anhang 
enthaltend die Reformation der Stadtordnung von 1405 und die 
Ordnung der Fünfzehner von 1433, von Gust. Schmoller. 8. 
IX. 164 S. 1875. Ji 3 — 
Die Strassburger Tucher- und Weberzunft. Urkunden und Dar- 
stellung, nebst Regesten und Glossar. Ein Beitrag zur Geschichte 
der deutschen Weberei und des deutschen Gewerberechts vom XHL 
bis XVIL Jahrhundert, von Gust. Sc hm oller.- 4. XXI, 588 & 
1879. Ji 25.— 
Urkundenbuch der Stadt Strassburg. 

I. Band : Urkunden und Stadtrechte bis zum Jahre 1266. Bear- 
beitet von W. Wieg and. 4. XV, 585 S. 1879. Jl 30.- 
II. Band : Politische Urkunden von 1266—1332. Bearbeitet von 
W. Wiegand. 4. VI, 4^<2 S. 1886. Ji 24.— 

III. Band : Privatrech Ui che Urkunden und Amtslisten von 1266— 
1332. Bearbeitet von A. Schulte. 4. XLMI, 451 S. 
1884. ..M 34.— 

Politische Correspondeuz der Stadt Strassburg in der Refor- 
mationszeit. 
L Band: 1517—1530. Bearbeitet von H. Vir ck. Lex. 8. Xffl, 
598 S. 1882. JI, 14.- 

II. Band : 1531—1539. Bearbeitet von 0. Winckelmann. 
Lex. 8. XXXI, 736 S. 1887. Jl 18.— 

Strassburger Studien, Zeitschrift für Geschichte, Sprache und 
Litteratur des Elsasses, herausgegeben von Ernst Martin und 
Wilh. Wiegand. 
I. Band. 8. 1883. .Ä 12.— 

II. Band. 8. mit 4 Karten. 1884/85. Jl 15.— 

lU. Band. I. Heft 1886. Ji 3.— 



JAHRBUCH 



FÜR 



GESCHICHTE. SPRACHE UND LITTERATUR 



ELSASS-LOTHRINGENS 



HERAUSGEGEBEN 



VON DEM 



HISTORISCH-LITTERARISCHEN ZWEIGVEREIN 



DES 



VOGESEN-CLUBS. 



III. JAHRGANG. 



STRASSBURG 

J. H. ED. HEITZ (HEITZ & MLNDEL^ 

1S87. 



f 



TUE NKW YORK 

F'JBL:. LIBRARY 

1 788 1 i ) 

ASroR, i.esox and 

TILDEN F(Xi\'DAT!ON«. 
R 1 ^- ü L 



Slrasvburp, Druck von J. H. K<1. Heitz (Heitz a. Mündel). 



Inhalt. 



Seite 
L Elsässische Dichter n. Konfitler^gesohildert von £. Martin. 

1. Th. Schnler 1 

2. G. Zetter (F. Otte) 19 

n. Die Mandart des mittleren Zornthaies (Fortsetzung), lexi- 
kalisch dargestellt von H. Lienhart 23 

III. Stadtordnnng von Wattweiler, von B. Stehle . . . . 57 

IV. Beamten- und Bürgereide des St-Amarinthales, von 

H. Lempfrid 6ö 

V. Aas dem Oemeindebnch von Dorf Weier, von A. Herren- 
schneider 77 

VI. Färberznnftordnnng des Bistums Strassburg nnd der Graf- 
schaft Lichtenberg vom Jahre 1659-60, von F. Lemp- 
frid 81 

VII. Abschriften einiger Protokolle ans dem Frotokollbnch der 

Stmmpf- nnd Hosenstrickerznnft, von C. Eber . . . 91 

Vni. Kleinere Mitteilungen zur Culturgeschichte des sechzehnten 

Jahrhunderts, von A. Holländer 94 

IX. Ordnungen der Strassburger Malerzunft von A. Sehr ick er 99 

X. Poesie 106 

1. Fata Morgana, von F. Nessler 106 

2. Frühlings Brautzug, von A. D i e t z 109 

3. Zwei Gedichte in Strassb. Mundart, von Ad. St ob er 110 

XI. Volkstümliche Feste, Sitten und Gebräuche in Elsass- 

Lothringen 115 

XII. Elsass-Lothringische Bibliographie, von E. Marckwald 

und C. Mündel 146 

Xm. Aufruf zur Herstellung eines elsässischen Idiotikons . . 189 

XIV. Chronik für 1886 191 

XV. Sitzungsberichte 192 

XVI. Mitgliederliste des historisch-litterarischen Zweigvereins 

des Vogesenclubs 194 



I. 



Elsässische Dichter und Künstler 



geschildert von 



Ernst Martin. 



1. Theophil Schuler, 

Iheophii Schuler i^ehört zu jenen elsässischen Malern, 
deren Thälij^keit sich mit der litterarischen der Brüder StÖber 
und anderer Dichter vergleichen lässt : jene wie diese wählten 
mit Vorliebe Gej^enstände aus der elsässischen Vergangenheit 
und Gegenwart. Auch darin stimmen beide Schulen überein, 
dass sie ausgingen von der Romantik im Allgemeinen, von der 
Verherrlichung des Mittelalters, und erst später mehr und mehr 
sich auf die heimatlichen Stoffe beschränkten. Unter jenen 
Malern zeichnet sich Th. Schuler durch die Zahl seiner hierher- 
gehörigen Arbeiten und ilurch die Lebenswahrheit seiner Dar- 
steUung aus. Mit Recht ward an seinem Grabe ihm nach- 
gesagt, er sei von jenen Malern le plus Alsacieji. Vortrefflich 
ist der Charakter seiner Kunst gewürdigt yvorden in einer 
Kritik von Ferr^, welche im a (^ourrier du Bas-Rhin » 1857, 
Nr. 203, abgedruckt ist. 

Die beste Lebensskizze Th. Schuler's bietet das «Elsässer 
Journal j) vom 29. Januar 1878. Ausser dieser und anderen 
litterarischen Quellen durfte ich mündliche Nachrichten benutzen, 
welche mir die Wittwe des Künstlers, sowie seine Schwägerin, 



2 

Frau Pfari'er Schüler, und seine in LichtentLal bei Baden- 
Baden wohnende Schwester, die Wittwe seines Vettei-s Eduard 
Schuler, mit gleicher Gute zukommen Hessen. Die erstgenannte 
stellte mir auch Documente aus dem brieflichen Nachlasse 
ihres Gemahls zu Gebote. 

Ueber den Vater Th. Schuler's unterrichtet ein gedruckter 
Nachruf (Strassburg, F. G. Heitz, 1853). Daniel Schuler ent- 
stammte einer Strassburger Bürgerfamilie, die in der Revolutions- 
zeit ihr Vermögen grossenteils eingebüsst hatte. Der Eindruck, 
den die Beendigung jener sturmischen Zeit durch den grossen 
Napoleon gemacht hatte, wirkte bei dem Vater für sein Leljen 
nach. Er war Pfarrer, seit 1817 an der Nicolaikirche in Strass- 
burg, und starb 67jährig 1853. Auch die Mutler, Margaretlia 
Hob, war eine Strassburgerin. Von den fünf Kindern ward der 
älteste Sohn, Ernst Albert, Pfarrer in Preuschdorf. An ihm 
hing Theophil mit der innigsten Liebe. Dieser war das jüngste 
Kind und der Liebling der Familie, um so mehr, als er früh 
die Mutter verloren hatte. 

Theophil, geb. am 18. Juni 18t21, besuchte das protestan- 
tische Gymnasium, dann das Institut Aufschlager. Früh trat 
sein Talent hervor ; als 9jähriger Knabe hatte er W. Sö)tt'< 
Romane zu illustrieren versucht. Sein Vetter Karl Seh. gab den 
Zeichenunterricht am Institut Aufschlager ; zu dessen Bruder 
Elduard, der in Karlsruhe ein Graveuratelier hatte^ ward Theophil 
Seh. von seinem Vater geschickt, der den Sohn für eine sichei>? 
Lebensstellung auszubilden wünschte. Nach zwei Jahren kam 
der 18jährige Jüngling nach Paris, um unter Müller und Bein 
sich noch weiter im Kupferstechen auszubilden. Auch in 
München war er eine Zeit lang imd stach hier einige Cartons 
nach Raphael. Aber seine eigentliche Begabung machte sich 
mehr und mehr geltend und er vertauschte den Grabstichel 
mit Bleistift und Palette. Er ward Zeichner und Maler; und 
wie in Strassburg schon Guerin auf ihn gewirkt, so trat er in 
Paris in das Atelier DroUings ein. Wie ein Brief Müllers vom 
24. Juli 1839 berichtete, urteilte Drolling schon damals, dass 
Th. Schuler Riesenfortscliritte mache und dass er ihm der- 
einst von seinen Schülern am meisten Ehre machen werde. 

Auch sonst ward dem jungen talentvollen und fleissigen 
Künstler volle Anerkennung zu Teil. In Strassburg stellte er 
bereits 1843 drei Gartons aus : die Erbauung des Münsterlurms. 
eine Hugenottenpredigt und die Kreuzfahrer in der Wüste, 
welche durch einen wunderbaren Regen erquickt werden, nacli 
Tasso Gerus. üb. XIII 77. Im Pariser Salon von 1845 ward 
eine Federzeichnung, der Bau des Strassburger Münsters, durch 
das Lob des einflussreichen Kritikers Theophil Gautier aus- 



— 3 — 

gezeichaet, der iiri folgenden Jahre Schuler's Kreuzfahrer vor 
Jerusalem noch gunstiger beurteilte. Eine andere Zeichnung, 
Jocelyn, eine Illustration zur Dichtung von Lamartine, erhielt 
die volle Zustimmung des Dichters ; bei den späteren Verlo- 
sungen zum Besten Lamartine's trug der inzwischen berühmt 
gewordene Kunstler stets bei. In späteren Jahren bezeugten 
Delacroix und Meissonier ihre künstlerische Hochachtung vor 
Th. Schuler. 

Ueber Schuler's Privatleben in seiner Pariser Studienzeit 
macht einer seiner Jugendfreunde mir gütigst folgende Mit- 
teilungen. Der Junge Maler hatte seine Zimmer im Hause einer 
freundlichen Familie, Le Blanc, auf dem Boulevard Montmartre. 
Neben ihm wohnte Alfred Schweighäusei', damals Schüler der 
£cole des Charles, später Bibliothekar in Strassburg. Oft fanden 
sich l)ei ihnen noch eine Reihe von Freunden ein, deren 
Portrats Schuler auf einem originellen Bilde dargestellt hat. Sie 
sind zu sechs auf dem Atelier versammelt, um einen Tisch, 
auf welchem eine Bowle Punsch dampft und Rauchrequisiten« 
darunter ein Totenkopf als Aschenbecher, aufgestellt sind. 
Lachend lehnt sich Theophil Schuler, ein schöner, schlanker 
Jüngling, auf seinen Freund Kopp, der einen Toast auf die 
elsässische Heimat ausbringt. Die Zeichnung ist im Besitz von 
Hrn. Aug. Himly, jetzt Mitglied der Acad6mie und Doyen der 
Facult^ des Leltres zu Paris ; ihm gehört auch eine Bowle, auf 
welcher Schuler in etwas späterer Zeit die Heiratspromenade 
aus dem Schluss des Pfingstmontags gemalt hat, alles Porträts 
von Freunden, er selbst am Schluss allein — als verhärteter 
Hagestolz, wofür er damals galt und gelten wollte. 

Aber auch das frohe Jugendleben des Künstlers ward 
stürmisch unterbrochen durch die Revolution vom Februar 1848. 
Schuler's Vater rief ihn nach Strassburg zurück, und bald hattt* 
er sich hier einen Wirkungskreis und eine Anzahl von Freunden 
gewonnen, inmitten deren er sich wohl fühlte. Er begründete 
in dem architektonisch interessanten Hause an der Ecke des 
Nicolausstadens(Nr. i) eine Zeichenschule, welche von den jungen 
Damen der besten Strassburger Familien viel besucht wurde. 
Im Sommer durchstreifte er die Vogesen, unermüdlich seine 
Kunst an Land und Leuten übend, anfangs mehr den Burg- 
ruinen, später mehr den Volksscenen nachgehend. Ein Gemälde 
im Besitze des Herrn von Türkheim stellt dar, wie der Maler 
auf einer umwaldeten Bergeshöhe aus einem Traume erwacht : 
über ihm schwebt der Genius des Mittelalters hinweg, vor ihm 
slehn die Vertreter der rauhen Wirklichkeit, die Holzarbeiter, 
und rufen in ihm den Wunsch hervor de chanter la gloire du 
tmvail. 



— 4 — 

So flössen dem Künstler die nächsten Jahre in reicher, 
glücklicher Thätigkeit dahin bis 1870. Es begreift sich, dass 
die Belagerung und das Bombardement der Vaterstadt ihn tief 
erschütterten ; auch der Uebergang des Landes an Deutschland 
war für ihn, der sich in den alten Verhältnissen glücklich 
gefühlt hatte, von schmerzlichen Empfindungen begleitet. Sein 
Frohsinn schwand, er glauVjte die Heimat verlassen zu naüssen. 

1872 zog er nach Neuchätel, wo sein Freund Ch. Kopp 
als Professor thätig war, und hier begründete er eine glückliche 
Ehe mit Frl. Rosa Bachelin, der Schwester eines Malen» 
und selbst kunsl begabt. Ein Töchterchen ward ihm geboren, da^ 
er Alsa taufen Hess : in dem Namen sprach er die tiefe Heimats- 
liebe aus, die er in der Fremde um so mehr empfand. Sie 
trieb ihn alljährlich zu seinem Bruder nach Preuschdorf, später 
zu dessen Wittwe nach Sulz u. W. Als sich dann 1877 ein 
schweres Magenleiden einstellte, suchte er in Slrassbur^g 
Heilung oder doch Pflege. Er starb im Diaconissenhaus am 
26. Januar 1878. 

Th. Schuler's Bild ist mehrmals gestochen worden ; der 
Bildhauer Bartholdi hat es auf einem Relief dargestellt. In den 
Zügen des Kunstlers tritt seine oflene, heitere Sinnesart hervor, 
<lie ihm überall freundliche Aufnahme verschaffte. Seine 
Menschenfreundlichkeit hat sich auch durch Wohlthun geäussert. 
Mir hat einmal ein Handwerker ein Bild gezeigt, auf welchem 
Th. Schuler die ärmliche Häuslichkeit einer ins Elend geratenen 
Familie dargestellt und durch dessen Verkauf er ihr Hilfe 
gebracht hatte. 

Der Sinn für die tieferen Züge des Volkslebens, die Teil- 
nahme an Freud und Leid seiner Heimatgenossen ist auch die 
Quelle für die Eigentümlichkeit seiner Kunst geworden. 

Die Werke Theophil Schuler's kann ich hier nicht bis ins 
Einzelne aufzählen. Ein Verzeichnis, geordnet nach der zeit- 
lichen Folge der Arbeiten, wie sie sich aus den Tagebüchern 
des Malers ergibt, hat Frau Schuler angefertigt und mir mit- 
geteilt, wofür ich ihr auch an dieser Stelle den herzlichsten 
Dank ausspreche. Es wird unten folgen. 

Ich beschränke mich hier auf die Hervorhebung der beson- 
ders hervorragenden und charakteristischen Werke. Ich unter- 
scheide dabei die Bilder und Zeichnungen, welche für sich 
stehen und diejenigen, welche, in Reihen fortlaufend, zusammen 
ein grösseres Ganze ausmachen. Es versteht sich von selbst, 
dass zu den letzteren besonders die Illustrationen gehören. 

Von den Einzelbildern sind zunächst mehrere Porträts zu 
erwähnen, meist Zeichnungen oder nur ganz zart in Farben 
gehalten, aber alle von sprechender Lebenswahrheit. 



5 



Zu den selbsterfundenen Gemälden gehören zunächst zwei 
ältere, in denen sich die romantische Jugendrichtung des Künst- 
lers ausgeprägt hat. Das eine stellt die Kreuzfahrer vor Jerusalem 
dar, welches als Fedei-zeichnung 1846 in Paris ausgestellt war, 
in Oel ausgeführt sich im Besitz seiner Schwester in Lichtenthai 
vorfindet. Eine zahlreiche, bewegte Menge von Rittern, Geist- 
lichen, Sängern, viele zu Pferde, einige Alte oder Kranke, auch 
Frauen, getragen, blicken auf das im ersten Sonnenstrahl er- 
glänzende Jerusalem hinüber. Fahnen flattern, Schwerter werden 
weihend erhoben, die tiefste Erregung spiegelt sich wieder. 
Leider sind die Farben des Bildes bereits etwas nachgedunkelt. 

Das andere Bild, ein allegorisches, welches ich hierher 
stellen möchte, ist der Wagen des Todes, 1848 gemalt, jetzt im 
Museum zu Colmar. Dreizehn Pferdeskeletle ziehen einen Wagen, 
auf dem sich eine Fülle von Gestalten zusammendrängt : der 
Kriegsruhm ist durch Napoleon, die Poesie durch Dante ver- 
treten. Daneben erscheinen typische Figuren aus der Gegenwart : 
eine barmhei-zige Schwester, die einen Verwundeten verbindet, 
ein Ai-zt am Seciertisch, dessen Forschung die Narrheit ver- 
höhnt ; noch andere allegorische Figuren, in denen die Vergäng- 
lichkeit alles Irdischen symbolisiert ist. Die düstere Auffassung 
des Ganzen spiegelt den Eindruck wieder, den die Februar- 
revolution auf das Gemüt des Malers ausgeübt hat. 

Weit anziehender und weit zahlreicher vertreten smd die 
Bilder Schulers aus der elsässischen Vergangenheit und Gegen- 
wart. In ihrer grösseren Einfachheit und Klarheit zeigt sich 
schon, dass der Maler hier sein eigenstes Gebiet betreten hat. 

Das älteste hierher gehörige Bild umfasst freilich noch eine 
Menge von Figuren und Handlungen, die sich jedoch um einen 
gemeinsamen Mittelpunkt gruppieren. Es stellt den Bau des 
Münsters vor und befindet sich in unserer städtischen Kunst- 
sammlung. Vor dem halbvollendeten Münster in Seitenansicht 
steht Erwin von Steinbach und zeigt dem Bischof seinen Plan; 
neben ihm seine Tochter Sabine. Auf der anderen Seite des 
Bischofs nimmt ein Priester die Gaben zur Förderung des Baus 
in Empfang. Vorn erscheinen slarkbewegte Gruppen, Menschen 
und Pferde, die grosse Bausteine heranziehn. Bauleute und 
Steinmetzen sind bei der Arbeit, unter ihnen Büssende mit 
verhülltem Gesicht. Gassenjungen, welche die Arbeiter verspotten, 
werden von den Aufsehern verjagt. 

Zu diesem Bild gehört ein anderes, gleichfalls in unserer 
Sammlung befindliches : Erwin und Sabina in ihrer Werkstätte, 
und Erwin auf dem Sterbebette, seinen Kindern die letzten 
Ratschläge erteilend : beide Vorgänge unter zwei Spitzbogen, 
zwischen denen die Münsterrose angebracht ist. 



— 6 — 

Ein berühmtor Vorgang aus der Geschichte Strassbur^ 
war auf einem Gemälde dargestellt, welches 1855 gemalt, leider 
1870 zu Grunde gegangen ist : die Ankunft der Züricher mit 
dem Breitopf 1576. Eine Farbenskizze befindet sich in Brüssel, 
eine zweite fertigte Schuler später an, welche durch eine Photo- 
graphie vervielfältigt wurde. Sehr hübsch ist hier das alte 
Strassburg reconstruiert : in der Mitte des Hintergrundes steht 
der erst nach 1870 abgetragene Guldenturm an der jetzigen 
Züiicherstrasse ; davor liegt in der 111 das Schiflf der Züricher, 
welche das Volk jubelnd begrüsst, der Rat feierlich bewillkommt. 
Vortrefllich ist der Vordergrund behandelt : die dem Beschauer 
eigentlich den Rücken zukehrenden Gruppen sind auf vei^schie- 
dene Weise ihm doch wenigstens im Profil sichtbar gemacht : 
ein eben abgestiegener Reiter wird einigen Damen vorgestellt : 
ein Herr, der abgerufen wird, spricht mit den Zurückbleibenden. 
Iii diesen Gruppen hatte der Maler sein Porträt und die seiner 
Freunde anzubringen gewusst. 

Als Gegenstück dazu malte Schuler später die Ankunft der 
Schweizer Delegirten, welche 1870 bei der Belagerung eine 
Anzahl von Familien aus der Stadt führten. Das Bild gehört 
dem Museum zu Bern an. 

Noch deutlicher spricht sich die damalige Stimmung des 
Malers aus in dem Porträt des Maire Küss, der mit der trico- 
loren Schärpe umgürtet, durch das brennende Strassburg 
schreitet. Es befindet sich jetzt im Museum zu Mülhausen. 

An diese Gemälde schliessen sich eine reiche Zahl vou 
Zeichnungen an, welche sich auf Sagen, Gebräuche und andere 
Ueberlieferungen des Elsasses beziehen. Da ist der Büsser von 
Kaisersberg dargestellt, dessen riesig grosse und schwere Schuhe 
dort im Rathause aufbewahrt werden ; die Bäckerin von Neu- 
winstein, ein Edelfräulein, das in der Not des dreissigjährigen 
Kriegs diese Arbeit nicht verschmäht und dabei von einem 
Cavalier überrascht wird ; Pfarrer Oberlin, der im Sleinthal 
einen Grobian durch ruhige Güte entwaffnet; Christkindel und 
Hanstrapp u. s. w. 

Noch zahlreicher sind die Bilder aus dem heutigen Volks- 
leben, dessen Freud und Leid, Arbeit und Vergnügen der Maler 
vortrefflich wiedergibt: die Bergleute in Pechelbronn bei Sulz, 
vor der Einfahrt ihr Gebet verrichtend (als Gemälde 1864 aus- 
gestellt); der Schäfer; die Mahlzeit einer Bauernfamilie; d<*r 
Kirchgang am Gharfreitag in den Vogesen; der Sonntagnach- 
mittag, den eine fromme Familie beim Bibellesen, die jungen 
Mädchen in langen Reihen lustwandelnd verbringen ; die Zigeu- 
nerfamilie; der Feuerreiter {le cavalier d'alanne)^ der von einem 
brennenden Gehöft in die Nacht hinausstürmt, um Hilfe zu 



— 7 — 

holen ; die Soldaten beim Waldausroden {les soldats defricheurs). 
Die beiden letztgenannten Zeichnungen waren 1861 ausge- 
stellt, ebenso wie ein Gemälde, die Auswanderer im Hafen, 
von dem sie in die neue Welt überfahren sollen, sie, die 
doch mit allen Gewohnheiten und Gedanken an der alten Heimat 
hängen. 

Die meisten dieser u. a. Zeichnungen sind als Holzschnitte 
im Magasin pittoresque erschienen ; mehrere davon hat Dr. 
Hottinger in seinem hübschen und überaus billigen Buche 
« Elsass-Lothringen ]!> in verkleinertem Massstabe wiederholt. 
Hier finden wir auch den «Hans im Schnokeloch». Alle Strass- 
burger kennen das Lied : « Dor Hans im Schnokeloch het alles 
was er willl Un was er hei, diss will er nit, Un was er will, 
diss het er nit, Der Hans im Schnokeloch het alles was er will.» 
Ein Bauernburscli sitzt nachlässig, die Hand in den Hosen, da. 
Um ihn bemühen sich eine Schar zierlicher Dorfschönen, au 
denen der Künstler zugleich die verschiedenen Volkstrachten 
vortrefflich dargestellt hat ; die eine knüpft ihm ein Halstuch 
um, die andere bringt ihm Gebäck, die dritte schenkt ihm ein, 
die vierte zündet ihm die Pfeife an — und doch trägt seine 
Miene die naivste Blasiertheit zur Schau. Im Hintergrund aber 
führen die Wagen die reiche Ernte auf seinen Hof. 

Noch ein anderes Bild reiht sich hier an, ein Gemälde, 
welches unserer städtischen Sammlung zum Schmucke gereicht : 
le gage tauche, die Pfandlösung, 1863 gemalt. Den bäurischen 
Vergnügungen gegenüber vertritt es die Feste der gebildeten Ge- 
sellschaft, freilich auf ländlichem Boden. Wir befinden uns in 
einem Baumgarten, zu dessen Vorbild der Preuschdorfer Pfarr- 
garten mit seinen schönen Apfelbäumen gedient hat, wie auch 
die Personen Verwandte des Künstlers porträtieren, wenn sie 
gleich im kleidsamen Costüme des vorigen Jahrhunderts er- 
scheinen. Nach dem Mahle, dessen reichliche Ueberreste, Kuchen, 
Früchte, Weinflaschen noch auf dem Tische stehn, hat die 
Jugend ihre Spiele begonnen. Ein junger Mann hat glücklich 
einem Mädchen das Pfand abgewonnen und holt sich einen 
Kuss, freilich durch einen Reif hindurch. Die geröteten Wangen, 
sein zärtlicher, ihr verschämter Blick lassen erkennen, dass 
dieser Kuss wohl noch eine besondere Bedeutung haben wird. 
Die ganze Gesellschaft, darunter auch einige staunende Dorf- 
kinder, sind um das Paar versammelt, zum Teil durch herab- 
hängende Zweige halb versteckt. Nur eine Dame, vielleicht die 
Mutter eines der beiden Glücklichen, schaut über die Tasse 
Kaffee, die sie behaglich schlürft, dem Vorgang zu ; und hinter 
ihr sitzt ein alter Herr, über dem Weine eingenickt, von ei- 
nigen boshaften Neckern geplagt. Die überaus sorgsame Aus- 



— 8 — 

führung aller Einzelheiten teilt die echt humoristische, zärtlich- 
schalkhafte Stimmung des Ganzen dem Beschauer mit. 

Einen verwandten Grundzug zeigen nun auch eine Reihe 
von Illustrationen, mit denen wir zu unserer zweiten Abteilung 
der Werke Schuler's übergehen. Sie beziehen sich auf den 
«Pfingstmontag», sind 1849 gezeichnet und 1850 zuerst er- 
schienen. Die Originalzeichnungen sind im Besitz des Herrn 
Engel-Dollfus in Mülhausen, welchem auch ein nach Schuler's 
Entwürfen von Högelin in Strassburg hergestellter Ofen gehört. 

Wie Arnold, der Dichter des Strassburger Localstückes, 
in diesem alles unterzubringen suchte, was er von Redensarien, 
Gewohnheiten, Aberglauben der alten Reichsstadt vor der Revo- 
lutionszeit hatte sammeln können, so hat Schuler in seinen 
Illustrationen ein wahrhaftes Bilderbuch des altstrassburger 
Lebens gegeben. Neben den Scenen aus dem Stücke selbst, 
aus denen namentlich die Schicksale des alten Licentiaten 
Mehlbruej den StolT zu humoristischer Charakteristik geben, 
gehn z. B. die 12 Monate her mit ihren Kinderspielen und 
Familienfesten, bis das Begräbnis auf der Kurwau den Be- 
ischluss bildet. Einzelne Figuren davon, wie z. B. der Meise- 
locker, sind noch jetzt durchaus populär geblieben. 

Die Ausführung der Zeichnungen ist eine wesentlich li- 
neare, Umrisse mit wenig Schatten, aber vollkommen deutlich 
und charakteristisch. In eben dieser Art ist auch eine andere 
Reihe von Zeichnungen ohne Text hergestellt, welche als (Ge- 
genstück zu dem lustigen Stadtleben das ernste, mühselige und 
<loch durch den frischen Hauch des Waldes beglückte Dasein 
der Holzhauer in den Vogesen darstellen. Es sind die Schlitteurs, 
1853 zuerst veröffentlicht. Ihren Namen haben sie von den 
ScJilitten, auf denen sie das Holz von den schroffen Abhängen 
der Berge in das Thal hinab führen. Wir sehn, wie die Förster 
im Wald die zum Fällen bestimmten Bäume bezeichnen^ wie 
die Aeste, dann die Stämme unter kräftigen Hieben fallen. 
Hochbeladen werden die Schlitten über die Schienen, zwischen 
denen treppenartige W^ege laufen, hinabgezogen. Nach der 
schweren Arbeit ruhen die Männer aus ; die Händler mit Brod 
und Schnaps bringen ihnen die ärmliche Nahrung. Doch nicht 
dürftig allein und schwer ist das Loos dieser Holzknechte, 
auch gefahrvoll, üeber den vorausschreilenden Schlitler stürzt 
<lie Last zusammen, und bald bezeichnet nur noch ein einfachem» 
Kieuz die Stelle, an der verwaiste Kinder um den Verun- 
glückten trauern. 

Aehnliche, nur noch bewegtere Scenen, malte Schuler in der 
Schweiz : die Holzflösser, die flotteurs auf der Sarine im Ganton 
Freiburg. Das Bild gehört dem Museum in Neuchatel an. 



— 9 — 

In anderer Weise als die Illustrationen zum Pfingstmontag 
und die Schlitteurs sind diejenigen gehalten, mit denen Schuler 
eine Reihe von französischen Erzählungsbüchern ausstattete : 
hier hat er die Schattierung durchgeführt, welche freilich bei 
der Uebertragung in den Holzschnitt nicht immer glücklich 
wieder gegeben ist. So waren schon jene Scenen aus dem elsäs- 
sischen Leben behandelt, mit denen Schuler das Magasin 
pittoresque, das Miisee des familles^ die Illustration schmückte. 
Dann hat er so von 1865 ab die patriotischen Romane von 
Erckmann Chatrian illustriert : Histoire d'un paysan, Histoire 
du Plehiscitey Les deux frereSy Histoire d'un sous-tnaitre, 
Le Brigadier Frederic, Une campagne en Cabylie, Les an- 
nees de College de Maitre Nahlot y Maitre Gaspard Yix, 
VEducation d'un fäodal, Le BlocuSy VAmi Fritz y Confi- 
dences d'un joueur de clarinettey La maison forestiere; so 
ferner die Chätiments von V. Hugo, der sich sehr anerkennend 
über diese Illustrationen aussprach ; Maitre Zaccharius von 
J. Verne ; endlich eine Reihe von Jugendschriflen : Le Chalet 
des Sapins von P. Chazel; und besonders die von seinem 
Verleger Hetzel unter dem Pseudonym Stahl verfassten : Les 
Contes et Recits de Marale familierey Les Patins d'argent ; 
Histoire dhin äne et de deux jeunes filles ; Le premier livre 
des petits enfants mit einem von wilden Buben und zierlichen 
Mädchen umgebenen ABC ; Les Travaux d'Alsa, worin der 
Maler die Kinderzeit seines Töchterchens abbildete. Dieser 
Tochter hat denn auch Stahl das letzte, erst nach dem Tode 
Th. Schuler's erschienene Werk dieser Art gewidmet : Ma- 
roussia^ eine Geschichte aus Südrussland, in welcher ein jun{4(?s 
Mädchen die Hauptrolle spielt. 

Soll ich nun mein Urteil über Th. Schuler zusammen- 
fassen, so möchte ich ihn unserem Ludwig Richter zunächst 
vergleichen : nur dass dieser die Kindheit wohl noch glück- 
licher idealisiert hat, während Schuler's eigentümlicher Vorzug 
in der Wiedergabe des Volkslebens seiner Heimat liegt. Aber 
Schulei- und Richter waren beide mehr Zeichner als Malei» 
haben mehr illustriert als selbständig erfunden ; und in den 
Gemälden beider finden wir jene sorgfältig ausgeführte Detail- 
malerei, welche in der Malerei un.serer Tage meist durch di(^ 
grössere Wirkung der Farbe, durch das Ausgehn auf den 
Totaleindruck verdrängt worden ist. In dieser Beziehung wird 
ein Vergleich unserer Pfandlösung mit anderen Bildern ans 
(kr elsassischen Schule, die unsere städtische Sammlung auf- 
weist, etwa mit den Bildern von Brion, Jundt, Pabst lehrreich 
sein. Auch das wird bei einer Vergleichung der gesamten 
Werke dieser Maler als Schuler's Verdienst klar werden, dass 



— 10 — 

er nicht nur Scenen mit festtäglicher Stimmung malt, nicht 
bloss schäkernde Mädchen oder beim Grottesdienst versammelte 
Landleute. Er greift in das volle Leben des Volks, er achildert 
<lie Arbeit, das Alltägliche, aus dem er doch die echte Poesie 
mit warmeiA Herzen herausfühlt. 



Oenvre de Thöophile Schnler. 

I. Tableaux k Thuile. 

Faits k Strasbourg 1843. 

1. La Paix ) , . 

2. La TempHe \ P'^^^^^" 

k Paris 1843-1848. 

3. Les Craises devant Jerusalem^ propri6t6 de Mad. Ed. Schaler a 

Lichtenthai. 

4. Jocdyn, d'apr^s Lamartine, achet^ par la Soci^t^ des Amis-des- 

Arts de Strasbourg. 

5. Bodolphe de Hahsbourg^ achet^ par la Sociale des Ami8-des-Art>> 

de Strasbourg. 

^ ^ . , o. . X , , * 1- 1 tablean double, snr fond 

6. Encm de Steinbach dans son atd^er d'or.Mus^edeStrasbourji 

7. La mort d Erwin de Steinbach j ^^^ ^^ ^^.^^ 

8. Lucte de Lammermoor ] :, x t^ ^ ^r «r i ^ r 

„ „, T» j 5 pendants. Propr. de M. Merle a Lyon. 

9. Edgar Ilavenstcood 5 *^ * 

10. Lee Piiritaifis d'Ämerique^ d^apr^s Cooper. Titre : Le Seignenr 
nous Tavait donn^, Le Seigneur nous Va 6t*. Propri^te de 
Mad Vve pasteur Schnler a Sonltz s. Foret. 53 cm snr 45 h 

a Strasbourg ä partir de jnin 1848. 
IL Portrait du genh'ol Gniyer k cheval, entour* de soldata. 

1849. 

12. Bavensioood sur le clietnin des dunes, Propr. de M. G. Baur. 

1851 . 1852. 

13. Interieur de Manoir, 15* siede, expos* au Salon de Paris. Propr 

de M. Kessler. 

14. Le Cfiar de la mort, offert par Tartiste au Mus^e des ünterlinden 

a Colmar. 



i 



— 11 — 



1853. 



15. Le Bavin, scene de Schlittenrs (execnt§ enti^rement sur place) 

dHin m^tre. Propr. de M. le comte Dürkheim-Montm artin. 

1857. 

16. La Friere du Soir. Propr. de M. Hecht. 

17. Le Portrait de la fiancee. Propr. de M. Koechlin-Dollfns. 

18. Le jour de fite de la Crrand'mkre. Propr. de M. de Carcy. 

19. Varrivee des Zurichois et de lenr sonpe chande ä Strasbourg, 

le 20 juin 1576. {Hirsbrey.) 2 m 40 cm sur 1 m 75, mention 
honorable an Salon de Paris 1857^ achet6 par le mus^e de 
Strasbourg (brül6 pendant le bomb, de Strasbourg, le 23 aoüt 
1870). 

20. La fuite de Charles I"^ cPAngleterre. Propr. de M. G. Schwartz 

de Mulhouse. 

21. üne baurrasque sur la Heidenmauer Ste-Odile fpochade). Propr. 

de M. G. Banr. 

1859. 

22. Le Premier ne, costiimes de Preuschdorf (Bas-Rhin), 5ö cm sur 45, 

propri^t^ de M. le comte de Pourtales. 
"22a. Le coup de Sifflet, expos6 au Sjilon de 1959. 95 cm sur 70. 

Achet6 par M. Rencker ä Colmar. 
22h. Interieur dlsacien. 40 li. 20 1. Propr. de Mad Th Schuler. 

1860. 

23. Vue de 'Preuschdorf, propri6t6 de Mad. Vve pasteur Schuler, 

Soultz s. Foret 35 cm 1. sur 27 h. 

24. L^embarras du cJunx ) ... xr t> • xi • 
^. _ , , . / esquisses, achet^es par M. Brustlem. 
2o. La demande en manage \ 

27. Les Echappees de Pension \ , ^, ,» o ji i» 
^ ,-- .f ^ 7 ^ . . i achet^s par M. Brandhoffer. 
26. Marguertte a la fontatne. ) 

28. Les Emigrants d'Alsace, exposö au Salon de 1861. 

29. Le Cavcäier d' Alarme, expos^ au Salon de 1861 et achet^ par la 

loterie de ce Salon. 2 m 80 sur 1 m 20 (grisaille). 

1861. 

30. Les Soldats defriclieurs, expos6 au Salon de 1861 et achete par 

la loterie. 2 m 80 sur 1 m 20 (grisaille V 

31. DiX'Sept ans } , ., »» m • 
.,« ^r 7 . , ' esquisses, achetees par M. Trion. 

32. Un an plus tard \ ^ ' ^ 

33. Le Bepos. (Souvenir d'Alsace) grisaille, achet^e par M. Brijstlein. 

34. VieiUe maison alsacienne ä Preuschdorf, propriet6 de Mad. Vve 

Schuler ä Soultz s. ForR 

1862. 

35. La Noce alsacienne ä la campagne, grisaille, propriet6 de Mad. 

Erard ä Paris. 

36. Le Crieur public d'Andlau. Propr. de M Röthlisberger 



— 12 — 

37. Le Portrait de CcUvinj grisaille, propri^te da professeur Baum. 

38. Bavenswood sur le chemin des dunes. 

39. Verger du JPreshythre de Preuschdorf. Etüde ponr le tableau du 

Gage touch6, piopri6t6 de Mad. Th. Schüler. 1.: 72, h.: 46. 
3%.Petite Paysanne (Preuschdorf;. 27 h. 7 1. Propri6t6 de Mad. 
Th. Schuler. 

1863. 

40. Le Dimanehe aprhs-midi ä Oberseeibach (Alsace). 70 cm sur 50 cxxu 

achet^ par la Soci6t6 des Amis-des-Arts de Strasbourg, pro- 
pri6t6 de M. Himly h Strasbourg. 

41. Le Gage toucMj moeurs alsaciennes du 18^ si^cle. 2 m sur 1 m 20. 

expos6 au Salon de 1863, propriSt^ du Musöe de Strasbourg. 

42. La partie de traineau I peintures sur fayence, exSc. sur un poele, 

43. La partie de cartes f propr. de M. Engel-Dollfus ä Mulhouse. 

1864. 

44. Le Parapluie rouge, offert a P. J. Stahl. Propr. de M. Hetzel, 

ßditeur ä Paris. 

1865. 

4ö. Marguerite au rouet. Achet§ par M. Andre. 

46. La priere des mineurs (grisaille), 87 sur 65, expos6 au Salon de 

1866, achet^ par la Soci^tS des Amis-des-Arts de Strasbourg. 

47. Le Betour ä la ferme. Souvenir du Ban-de-la-Roche, propri6t6 de 

Mad. Th. Schuler. 93 h. 64 1. 

48. Episode de 1814: paysanne faisant le coup de feu, offert ä Ad. 

Lereboullet (P. Chazel) ä Paris. 

1872. 

49. Les Flotteurs de la Sarine (Alpes Fribourgeoises) grisaille. 1,45 

sur 95, Offerte au Mus6e de Neuchätel (Snisse). 

60. Cfiasse-fieige, Souvenir d' Alsace, achete par la Soci6t6 des Amis- 
des-Arts de Neuchätel et propri6t6 du Musee de cette ville. 
1 m de long. 

51. Chantier de M. G. RötJilisbergery architecte k Strasbourg, pro- 
pri^te de M. Röthlisberger. 

1873. 

52 Le Betour du foinj esquisse. Propr. de M. Erckmann k Paris. 

53. Jeune fille remontant le coucou, esquisse. Propr. de M. Ch. Gruyer 

ä Paris. 

54. Clieinin dans les Vosges. Propr. de Mad. Th. Schuler. 64 h. 42 L 

1874. 

55. Fiotteur de la Sarine. Souvenir de la Suisse. 34 cm sur 26. Achete 

par M. de Pury a Neuchfitel. 

56. Le Berceur. Souvenir d'Alsace. 59 cm sur 47. Achete par M. 

A. Dupasquier ä Neuchätel. 



— 13 — 

57. Presbythre de PreuscMorf. 33V3-25i(2, propri6t6 de Mad. Vve 

pastenr Schnler. 
578. Fenetres entouries de vignea (Lambertslocb). 33 1. 24 h. Propr. 
de Mad. Th. Schaler. 

1875. 

58. La Bentrie des faina, esqaisse. 53 Bar 42. Propr. de M. E. Zaber 

ä Rixbeim. 

59. Lee diUguis suisses ä Strasbourg pendant le bombardement, venant 

ofErir an asile aax femmes, anx vieillards et aax enfants. 
m 1.52-1.10 ex^catö poar Vabbaye da Maure de Beme et pro- 
pri6t6 da Mas^e de Beme. 
59a. Berger d'JIsaee (Lambertslocb). £banche. P2 h. 24 1. Propr. de 
Mad. Tb. Scbaler. 

1876. 

60. Un coup de Joran (lac de Neacbätel, Suisse). 79-54. Acbet6 par 

la Soci6t6 des Amis- des- Arts de Ncachatel 

61. Borirait en pied du Docteur Küsa, mairc de Strasbourg pendant 
* le bombardement, propri6t6 du Mas^e de Mulhouse. 

1877. 

62. La promenade du Dimanche eoir (Alsace, Prcuschdorf, Bas-Rliin\ 

45 h. 34 1. Propri6t6 de Mad. Tb. Schnler. 

63. Un jour d'hiver en Alsace (Preuschdorf). fi bauche faite en fjviicr 

1877, demiere oeavre de Fartiste. Propr. de Mad. Th. Scluiler. 
1 m sar 70 cm. 

Sans dates exactes. 

64. Vieux Char (gymnastiqae naturelle), propriÄt6 de M. Schmitten 

ä Strasbourg. 

65. Le delassement d'un Cardinai. (Le cardinal de ßohan traversant 

en Equipage, un jour de march6, la place de la Cath^drale de 
Strasbourg, ^crasant la poterie exposße, au grand divertisse- 
ment de la jeunesse.) 59 h. 46 1. Propr. de M. Engel-Dollfns. 

66. Noce alsactenne, costumes du 17« siöcle. 45 h. 32 1. Propriet^ 

de la Soci6t6 des Amis-des-arts ä Strasbourg. 

67. Sortie d^Eglise, costumes strasboargeois du 17* et 18« siecle. 

Esqaisse. 61 h. 36 1. Propr de M. Engel-Dollfuss. 

68. Interieur de foret — reve d^artiste. Propr. de M. E de Türckheim. 
69 SS De nambreux portraits. 



II. Dessins, lUustrations. 

Faits de 1843 - 1848 h Paris«. 

1. Beduction de la Construction de Ja cathedrale de Strasbourg, 3 cssin 

h, la plume relevö d^aqaarelle. 

2. Esmeraidaj dessin an crayon noir, offert ä Thdophile Gauthicr. 

2 




2a. Crotsis dans le Disert, dessin ä la plume. Propr. de MUe Selb a 

Mannheim. 
2h. ) La paix et la tempete, dessins. Propr. de Mad. P. Bemard a 
2 c. ! Paris. 

k Strasbourg, k partir de 1848. 

3. Jocelytty dessin offert h. M. de Lamartine. 

4. La Chute d^un Ange^ dessin offert ä M. de Lamartine. 

4 a. Les Puritains d^Amhique^ dessin & la plame. Grandenr da 

tableaa (10). Propr. de M. le pastenr Haas. 
4 b. Sehne des Puritains d'Amerique (d'aprfes Cooper) s^pia. Propr. de 

Mad. Albert de Bary h. Gaebwiller. 

1849. 

5. lütistration du Lundi de Fentecote, com^die d' Arnold. 

6. Lithographie de la Canstntction de la cathSdräle de Strasbourg. 

achetße par la Soci^t6 des Amis-des-Arts. 

7. Le CrucifiXf d^apr^s Lamartine, dessin offert ä M. de Lamartine. 

1851 - 1852. 

8. Le Char de la mart, esqaisse ä la plame et ^ la s6pia. 64-34. 

Propr. de M. Engel-DoUfas & Malhonse. 

9. Grrande esquisse des SMitteurs et Büdierons des Vosges, an crayon 

lithographiqae, relev^ d^aqnarelle. Premiere idSe ponr Tlllas- 
tration des Schlittears, Offerte par Tartiste an Mns6e des Unter- 
linden ä Colmar. 

10. Boeufs atteles, descendani un ravirij grand dessin au crayon litho- 

graphiqne. Propriöt^ de Mad. Th. Schaler. 78 h. 55 1. 

11. La nativitiy grand dessin au crayon lithogr. rehanssö d^aqnarelle. 

Propr. de M. Revel. 
IIa. Sehne de Schlitteurs, dessin an crayon noir, app. au Dr. Herren- 
schmidi 

12. Sehne de Sehlitteurs des Vosges. / „ -. *, t^ i^ 
^n m ^ Propr. de M. Foncanlt 

13. Flatteurs. ' *^ 

14. lüustratüm des Sehlitteurs et Bucherons des Vosges, pnbl. par 

M. Simon. 

15. Batterie d'artiüerie, dessin ä la s^pia. 3 m de long. 

1853. 

Iß. Le Roi des Äulnes, d'apr^s Goethe, grand dessin. Propr. de M. Stiohl. 

17. Les jeunes fiües de la campagne } -, . t» :■ mr oa . i 

18. Les dmoiseOes de la väU { P*""^*"*" ^'«P' ^* ^ ^*^^^ 

19. L'Education de la jeune ßle au moyen äge, dessin. Propr. de 

M. Koßchlin-Ddllfus. 

20. Les Croish devant Jerusalem, dessin ä la plnme releve de con- 

lear. 2 m de long. 

1854-1855. 1858. 

2i. La FHe du maUre d'ieole. 

22. Le diner de famiüe, dessin snr bois, ponr le Journal de PILL 



— 15 — 

23. Les Huguenots persScutes, dessin k la s^pia. 

24. Le coup de foudre, dessin a la s6pia. Propr: de M. Chabert. 

25. La veuve du boJiemien, dessin snr bois pnbl. dans le Journal de Till. 

26. Hans im Sehndkeloch, ean forte, ex6cnt6e ponr Talbum de la 

Soci^tS des Amis-des-Arts de Strasbonrg. 

27. Les loups de la mere Frudence J , _. i »r /^ « i. x 
^^ _ . , , Tir... > dessms. Propr. de M.G.Scnwartz. 

28. Les otes du pere Philippe \ ^ 

28a. La Friere du Soir (1861), app. ä Mad. de Perrot k Neuchätel. 
28 b. Eochers de Bade, dessin an crayon lith app. ä Mlle Emma Le Bei. 

1858-1861. 

28 c. (MUction de types et costumea d'ÄUace, j Propr. de Mad. Th. 
28 d. CöRection de sites et de paysages d'AUace, | Schüler. 

1859. 

29. Le PSnitent de Kaysersberg, dessin sur bois, ex6cat£ ponr le 

Magasin pittoresqne. 

30. Hanstrapp (Noel), dessin snr bois, ex6cnt6 pour Till. 

' Y>r^iÄ 1 8^P^*s. Propr. de M. Paul de Bussi^res. 

33. Exercice müitaire, dessin au crayon lith. 3 m de long. 

338. Etudes des Bohemiens au BarentTuü. 6 dessins'au crayon lithogr. 

Propr. de Mad. Th. Schuler. 
33 b. Types de mineurs, grand dessin au crayon lith. app. k la famille 

Le Bei. 
33 c. Fuite de Charles I" d'Angleterre^ dessin ä Teuere de Chine. 

Propr. de Mad. Albert de Bary a Guebwiller. 
33 d. La messe de minuit. Propr. de M. J. Hügelin. 

1860. 

34. Reduction du tableau double d'Erwin de Steinbach (dessin). Propr. 

de M. Thi^bauli 

35. Le diner de famiUe, esq. de la gravure publ. dans Till. Propr. de 

Mad. Th. Schuler. 

36. Une pluie en Alsace, dessin sur bois pour le Magasin pitt. 

37. Oberlin et le Rustre, dessin sur bois pour le Magasin pitt. 

38. Les Emigrants d!*Älsace, dessin sur bois pour le Magasin pitt. 

(d^apr^s le tableau a Thuile). 

39. Le Cavalier d^Älarme, dessin sur bois pour le Magasin pitt. 

(d^apr^s la grisaille & Thuile). 

40. L'aumone de la Chatelaine, dessin au crayon lith. 

41. La messe de minuit, app. ä M. J. Hügelin. 

43. L'Interieur du monastere d£S Unterlinden, au crayon noir (pour 
les Curiosit^s d'Alsace 1861). 

43. La Noce fantastique du Nideck. 

44. La Noce fantastique du Hohkönigsbourg, Propr. de M. Voltz a 

Colmar. 

45. Le Geant de Kaysersberg, off. k M. Hugo^ biblioth^caire des 

Unterlinden. 



— 16 — 

46. Un cJiant de famtüe, dessin ä la s^pia Propr. de M. G. ßanr. 
46 c. £tud€8 des Seidata defricheurs. 16 dessins an crayon. Propr. de 

Mad. Th. Schuler. 

1861. 

47. Les Sddats defricheurs, dessin snr bois, d'apres la gris. a rhnile, 

pnbl. dans le Journal Till. 

48. Le tormeau de Schnaps / , . , . , , , , . ,,„, 
-rt T ^ , --.,, / dessins s. bois, publ. dans le joum. IIIL 

49. Le tonneau de Melasse \ 

öO. Types Älsaciens^ publ. dans rill. 

50 a et b. Oberseebach \ 

50 c. IVeuschdorf. | dessins au crayon lith. Propr. de Mad. Th. Schnler- 

50 d. Mitschdarf. J 

1862. 

51. Le ban Samaritain, dessin au crayon lith., achet6 par la Soci6t6 

des Amis-des-Arts. 

52. Types de Bohemiens (2), dessin sur bois, pour le Magasin pitt. 
58. Bohemiens pechant la truite, dessin sur bois, pour le Mag. pitt. 

54. La pribre des mineurs (aux mines de Pechelbronn), dessin sur 

bois pour le Magasin pitt. 

55. Le Gage touchl, moeurs alsaciennes au 18* si^cle, dessin d^apres 

le tableau ä Thuile pour le Magasin pitt. 

1863. 

56. La Halte des FdUmais dans la forety dessin sur bois pour FIIL 

1864. 

57. Le feu de la St- Jean. Magasin pitt. 

58. Beductian ä la mine de piomb du tabl VÄrrivSe des Zurichois ä 

Strasbourg. 
588. Lambertsloch, dessin au crayon lith. Propr. de Mad. Th. Schuler. 

59. La chute de V£brancJieur. } .- 

60. Le convoi de VJßbrancheur. \ *8 ^ P* • 

61. Le vendredi saint dans la montagne. Magasin pitt. 

62. Le dmetiere abandonne, Souvenir de Pologne, dessin sur bois, pubL 

dans rill. 

1865. 

63. Üne banne bete, \ 

64. üne ferme dans les Vosges, f dessins sur bois pour le Ma- 

65. Le Berceur, j gasin pittoresque. 

66. IHinanche aprhs midi au mUa>ge, ] 

67. U Alphabet iUustri, edit6 par J. Hetzel, publ. ä Paris en 1869. 

68. Illustration des C&ntes et Recits de moräle fanniliere, de P. J. Stahl, 

Sditeur J. Hetzel, Paris. 

69. inustration des Confidences d^un joueur de darinette, d'Erckmann- 

Chatrian. 
69 e. TJne rue ä Oberbronn, dessin au crayon lithogr. app. au prof. 
Boeckel. 



',< 



— 17 — 

1866. 

70. lüustrcaion de la maUson foreatüre, d'Erckmann-Chatrian. 

71. Les Orphdins, Souvenir des Vosges, dessin sar bois. Mag. pitt. 
71a. Etudes de la Suiase, ö dessins. Propr. de Mad. Th. Schuler. 

1867. 

72. Illustration de VAmi Fritz, d'Erckmann-Chatrian. 

73. Quand Vhomme perd son cheinin la bete le retrauve, dessin sur boi& 

Magasin pitt. 

74. lUustratian du Blocus, d'Erckmann-Chatrian. 

75. Le depart pour la mine, dessin sur bois. Magasin pitt. 

76. La boülangere du nouveau Windstein, dessin sur bois. Mag. pitt. 

77. Tout äge a aa manüre de lire, dessin sur bois, Magasin pitt. 

1868. 

78. lÜuatration de VHistaire d*un Paysan, d^Erckmann-Chatrian. 

79. La femme du foreatier ) dessin sur bois. Magasin pitt. 

80. La femme du foreatier ) pendants. 

80 a. £glise et Cimetihre de Fouday, tombeau d^Oberlin, dessin ä Teuere 
de Cbine. 30 1. 16 h. Propr. de Mad. Albert de Bary ä Gueb- 
willer. 

1869. 

81. ün moultn en Älaace, dessin sur bois. Magasin pitt. 

82. Une noce alaadenne ä la campagne, dessin sur bois. Mag pitt. 

1870. 

83. ün drame aur lea toita de Strasbourg, dessin sur bois. Mag. pitt. 

84. Lea deux tombea, dessin sur bois pour le Mag. d'6ducation et de 

r6cr6ation de P. J. Stahl. 

85. ün Interieur de ferme en Alaace, dessin sur bois. Mag. pitt. 

86. La aceur du mutHe, Souvenir du bombardement de Strasbourg. 

Magasin pitt. 

87. Lea cigognea aur le toit du Temple-Neuf ä Straabourg. Mag. pitt 

88. Beduction aur boia de VArrivee dea Zurichoia ä Straabourg, destin^e 

ä THistoire illustr^e de la Suisse, publice par la librairie Dalp 
ä Berne. 

Snisse. Neachatel. 
1871. 

89. lüuatration du Soua-maitre, d'Erckmann-Chatrian, kd. J. Hetzel, 

Paris. 

1872. 

90. ün convoi par un jour de bombardement, dessin sur bois. Ma* 

gasin pitt. 

91. üne ecde de jeunea fiUea par un jour de bombardement, dessin 

sur bois. Magasin pitt. 



n 



— 48 — 

92. Illtistration de VHiataire du Plebiscite, d^Erckmaxm-Chatrian. Ed. : 

J. Hetzel, Paris. 
92a. JTZu^ro^ion d^Andri le Graveur , de L. Favre, prof. et directenr 
da College ä Nench&tel. 

93. lüustration des Chdtitnents, de Victor Hugo. £d. : J. H. 2i P. 

94. Lea Flotteurs de la Sarine^ dessin sur bois pour la Suisse ill. 

lib. Schnüd k Berne. 
94 a. £tude de poiriers, dessin au crayon lith. Propr. de Mad. Heer 

ä Neuchätel. 
94 b. Alaacienney dessin au crayon lith. Propr. de Mad. Schmid ä 

Neuchätel. 

95. Illustration de VHistoire d'un dne et de deux jeunesfiUes. P. J. Stahl, 

6d. : H. ^ P. 

96. Scenes enfantines, deux dessins pendants. Magasin pitt. 

97. Le solitaire du Lac, j 

98. Le bond du chatnois, ) dessins sur bois. Magasin pitt. 

99. Le chasse-neige, d'apr^s le tabl, \ 

100. Dessin du monument elevS ä la memoire des sMats frangais de 

Varmee de Bourhakt, morts ä Neuchätel en 1870-1871, dessin 
sur bois, offert ä Till. 

1873. 

101. lüustration des Deux Freres, d'£rckmann-Chatrian. Ed. : H. ä P. 

102. Illustration d'une campagne en Kabylie, d'Erckmann-Chatrian. 

Ed. : H. ä P. 

103. Illustration du Cftaiet des Sapins, de P. Chazel (A. LerebouUet;. 

Ed. : H. & P. 

1874. 

104. Le carosse du cdlonel Max, d^apres le tabl , dessin sur bois. 

Magasin pitt. 

105. Vue de Veglise et du presbytere de Preuschdorf, dessin au crayon 

lith., propri^tS de Mad. Vve pasteur Schaler. 30 1. 20 h. 

106. Le chant dans les montagnes ) , . ^ - ^r • -i^ 
^/xr, T IL ^ j » »7' ( dessins sur bois. Magasin pitt 

107. Le chant dans la vallee ) ° 

108. lüustration de maitre Zaccharius, de J. Veme. Ed. : J. H. ä P- 

109. Le retour ä /a ferme, d^apr^s le tabl., dessin sur bois. Mag. pitt 

110. La gymnastique au viüage, dessin sur bois. Magasin pitt 

111. Le remouleur de Dabo, dessin sur bois. Magasin pitt 

112. Illustration des annees de cdükge, par Erckmann-Chatrian; Ed. : H. 

113. lüustratioti du brigadier Frederic, par Erckmann-Chatrian. Ed.: E 

114. lüustration des patins d'argent, de P. J. Stahl. Ed. : H. 

1875. 

115. Flotteur de la Sarine, d'apres le tabl , dessin sur bois. Mag. pitt. 

116. ün berger d'Älsace, dessin sur bois. Magasin pitt. 

117. La promenade du Dimanche (Alsace). Preuschdorf, Bas-Bhin. 

118. Teniers phre et fils aUant au marcM pour vendre leurs tabkaux, 

dessin sur bois. Magasin pitt. 



— 19 — 

119. ün coup de Joran 8ur U lac de Neuchatel (Snisse), d'apr^s le 

tableau, dessin snr bois. Magasin pitt. 

120. Hans im Schnokeloch, legende strasboargeoise (Jean da Creux 

des Coasins), dessin snr bois. Magasin pitt. 

1876. 

121. lUtistration des Travaux d'Alsa, texte de P. J. Stahl. Ed. : 

H. ä P. 

122. Illustration de maitre Gaspard Vix, de VidudUion d'un feoddl, 

d*£rckmann-Cliatrian. Ed. J. H. 

123. lüustration de Maroussia, de Stahl. Ed. : J. H. 

1877. 

124. Le PkUsir ) j • u • • i. x »» • ix 
.c«. -.- -r^/ 3 . . ^ dessms snr bois macheves. Magasin pitt. 
12o. Le DepUiMir \ ° 

Sans dates exactes. 

126. SMitteur, grand dessin ä la s^pia \ ^ ^^^ Holtzer 

127. L« ditnanche aprhs-midi ä Oberseebach^ . ? p • 

an crayon ) 

128. Le Gage touchi, dessin an crayon, app. k Mad. Th. Schaler. 

129. Hans im Schnokeloch, grand dessin rehanssd de coalears, app. 

h. M. Brüstlein & Mnlhonse. 



2. Georg Zetter (Friedrich Otte). 

Unter den Mitgliedern des elsässischen Dichterkreises hat 
dieser Dichter formelle Verdienste aufzuweisen, die gerade für 
einen Lyriker ungemein wichtig sind : eine reine, edle Sprache, 
einen fliessenden, glatten Vers. Seine Anlage für die lyrische 
Poesie bildete er auf das sorgfaltigste durch das Studium der 
besten deutschen Dichter dieser Art aus, wobei ihn, wie dies 
seine in unserem Jahrbuch 1 17 abgedruckte Epistel ausspricht, 
die Lehre seines Freundes August Stöber wesentlich förderte. 

Friedrich Otte ist der Dichtername, den Georg Zetter 
angenommen hatte, lieber sein Leben gab eine kurze Nachricht 
August Stöber in einem Nachruf, der 1872 erschien. 

Georg Zetter war geboren zu Mülhausen am 4. März 1819. 
Er stammte aus einer alten Familie dieser ehemaligen Reich.s- 
Stadt, die sich unter schweizerischem Schutze der französischen 
Oberhoheit bis 4798 entzogen hatte. Er war der einzige Sohn 
seiner Eltern. Seine Jugendbildung erhielt er hauptsächlich in der 
Ei*ziehungsanstalt zu Lenzburg, welche Lippe, ein Schüler 



— 20 — 

Pestalozzis, leitete; guten Unterricht im Deutschen erteilte Hey^e, 
vielleicht ein älterer Verwandter des Dichters Paul Heyse. Ein 
ehemaliger Mitschüler Zetters, der heute in Elsass-Lothrrngea 
eine hervorragende Stellung einnimmt, hat mir erzählt, dass 
Zelter damals beständig Uhland's Gedichte zur Hand und im 
Kopf hatte. Nachdem er noch zwei Jahre in Xeuchätel sich 
das Franzosische gründlich angeeignet hatte, kehrte er in das 
Lllernhaiis zurück. Sein sehnlicher Wunsch war, wie ich aus 
den güli^^en Mitteilungen seiner Familie entnehme, studierea 
utid sich für das Lehrfach ausbilden zu dürfen. Aber sein V^ater, 
selbst im Handel thätig, veranlasste ihn, sich der in Mülhaiisen 
so mächtig aufblühenden Industrie zu widmen : er hat von 
1830 ab dreissig und etliche Jahre als Beamter des Grossindustrie- 
hauses Gebrüder Köchlin zugebracht. Auch in dieser Stellung 
konnte er seine edle, milde Gesinnung bethätigen, indem er 
kranken, alten oder unglücklichen Arbeitern durch seine Fär- 
spräche, gelegentlich auch durch Unterstützung aus eig-nen 
Mitteln half. Er begründete am 12. Mai 1812 durch seine Ver- 
heiratung mit Frl. Cäcilie Graf, der Tochter eines auch schrift- 
stellerisch thätigen Geistlichen, ein glückliches Familienleben, 
das mit acht Kindern gesegnet war. Im eigenen, von sorg^Caltig 
gepQegten Gartenanlagen umgebenen Hause fand er eine Stätte 
des Friedens ; kürzere oder längere Ausflüge gaben ihm ebenso- 
wohl Erfrischung als Gelegenheit seine Freunde aufzusuchen. 
Die Schweiz besuchte er wiederholt ; hier war es insbesondere 
der später in St. Gallen ansässige Iwan von Tschudi, mit 
welchem er vertraut war. 1840 lernte er auf einer Reise duixh 
Würtemberg die meisten Dichter der schwäbischen Schule 
kennen und fand bei Uhland, Schwab u. a. die freundlichste 
Aufnahme. Justinus Kerner besuchte er noch 1847 in Weins- 
berg. Auch mit W. Menzel war er befreundet. Nach Paris kam 
er erst 1867, war aber von den künstlerischen und htterarisch«[i 
Zuständen, die er dort kennen lernte, ebensowenig erbaut als 
von der napoleonischen Politik. In seiner Heimat hatte er einen 
kleinen, aber um so enger geschlossenen Freundeskreis ; ins- 
besondere stand er mit den Brüdern August und Adolf Slöber, 
die um 1840 nach Mülhausen gekommen waren, seit dieser Zeit 
in naher Verbindung. In der Biographie Aug. Stöber's (Jahr- 
gang I 17) habe ich schon von der Gesellschaft Goncordia ge- 
sprochen, welche die Freunde zu gemeinsamer Utterariseher 
Thätigkeit vereinigte. Es war auch für Zetter eine grosse Freude, 
als der greise Uhland bei der Durchreise über Mülhausen ihn 
besuchte. 1859 feierten die Freunde den hundertjährigen 
Geburtstag Schiller's; als 1862 ein Recitalor Vortrage aus 
Schiller's Gedichten anzeigte, sprach Zetter in einem Briefe an 



r- 



— 21 — 

Muh! vom 19. Febr. d. J. von dem «Kern unserer Bürger- 
schaft, der allerdings seinen Schiller liebt. i> Freilich mussle 
Zetter zu seinem I^ide ^wahrnehmen, dass unter Napoleon III. 
diese Vorliebe, ja dass die Kenntnis der deutschen Dichtung 
überhaupt bei dem jüngeren Geschlecht mehr und mehr dahin- 
schwand. Es kamen die Jahre 1870 und 71. Trotz der auch 
ihm auferlegten persönlichen Opfer, konnte Zetter der neuen 
Ordnung der Dinge nicht feindhch gegenüberstehn. Der Eröff- 
nung der Universität Strassburg, im Mai 1872, wohnte auch er 
bei. Doch in demselben Jahre raffle ihn, als er am Abend des 
21. Oktober 1872 nach Hause zurück kehi*te, ein Schlaganfall 
hinweg. 

Als Dichter trat F. Otte, abgesehn von einzelnen Gedichten, 
die er insbesondere dem von Seupel herausgegebenen ((Wan- 
derer in der Schweiz» übergeben hatte, zuerst hervor mit 
seinen «Schweizersagen in Balladen Romanzen und Legenden», 
Strassburg bei Schuler, 1840; unter demselben Titel erschienen 
sie, verbessert und vermehrt, und als neue Sammlung bezeich- 
net, 1842 zu Basel bei Schweighauser. 1845 gab er in derselben 
Verlagsbuchhandlung eine erste Auflage seiner gesammelten 
Gedichte heraus, und 1862 eine zweite bei Scheit 1 in und ZoUi- 
kofer in St. Gallen, welche er den Titel gab «Aus dem Elsasse )!>. 
Mit August Stöber beteiligte er sich an der Veröffentlichung 
der Elsassischen Neujahrsblätter 1843 — 48, und redigierte von 
1856 bis 1866 das Elsassische Samstagsblatt, welches im Verlag 
von J. P. Risler zu Mülhausen erschien und, im besten Sinne 
populär, das Geistesleben des Elsasses in jener Zeit uns wider- 
spiegelt. Aus diesen und anderen Zeitschriften Hesse sich jene 
Auswahl von 1862 noch leicht vermehren. 

Seine Gedichte hatte er in der Sammlung in drei Abtei- 
lungen geordnet : Vermischte Gedichte, Elsässische Denksteine, 
Episch-lyrische Gedichte. Die letztgenannte Abteilung wieder- 
holt einige der Schweizersagen, fügt elsässische hinzu, greift 
aber auch weiter hinaus, wo irgend ein lustiger Schwank oder 
eine düstere Sage den Dichter lockten : beiden Stimmungen 
verleiht er treffenden Ausdruck in Pathos und Humor. Die 
mannigfaltigsten Strophenformen, volkstümliche Zweizeiler, Ni- 
iielungenstrophe, Tei'zinen, Stanzen handhabt Otte mit gleicher 
Leichtigkeit und gibt gerade durch diese Abwechselung, wobei 
er sich übrigens dem StofTe stets anzupassen weiss, den poe- 
tischen Erzählungen immer neuen Reiz. 

Histonschen Inhalt haben auch die Elsässischen Denk- 
.steine, Sonette auf geschichtliche, besonders litteraturgcschicht- 
liche Persönlichkeiten. Otfried voran, dann die elsässischen 
Minnesanger, die Schriftsteller und Staatsmänner der Refor- 



— 22 — 

mation, die Dichter der Neuzeit bis auf Arnold, zuletzt die dem 
Dichter befreundeten Geschichtsforscher Schneegans und Slrobel, 
ziehen an uns vorüber : jeden schildert Otte mit knappen 
Zügen und meist zutreffend. Das anmutige Sonett auf Friderike 
von Sesenheim hat L. Spach (Moderne Culturzustände im 
Elsass I 68) mit Recht hervorgeihoben ; er hat auch benaerkt, 
mit welchem zürnenden Ernst hier die Gesinnung des Dichters 
H. L. Nicolay, der im fernen Norden, in Russland, der deut- 
schen Muse treu bleibt, der Gleichgiltigkeit der späteren, der 
heutigen Elsässer entgegen gehalten wird. Der Art mochten 
wohl auch die Elsässischen Sonette sein, deren Veröffentlichung 
er einer späteren Zeit vorbehielt ; es war eine der seltsamsten 
Tücken des Zufalls dass man ihm eine zu Basel 1871 erschie- 
nene Sammlung zuschrieb, welche denselben Titel trug. 

Die gleiche Gesinnung äussert sich in den Vermischten 
Gedichten. Im einfachen, sittenstrengen Haus des Försters er- 
quickt sich der Dichter von der Unnatur der Städter. Der 
« Weihnachtsabend » schildert herzgewinnend das Familienglück 
des Vaters. Jean Pauls gefühlvolle Worte geben den Text zu 
Feierabendklängen. Die politischen Ereignisse von 1848 erregen 
anfanglich frohe Hoffnungen für den Fortschritt der Menschheit. 
Die Abteilung schliesst mit dem Lied «In diesen trüben Tagen» 
1860 : der Dichter feiert den Trost, den ihm in Winterszeit die 
frohe Weise eines vorüberziehenden Wanderers gewährt hat. 

Unsere Zeit kennt oder schätzt fast nur die Lyrik, die 
sich als Lied fahrender Gesellen gibt. Vielleicht kann jedoch 
auch diese uns einen ähnlichen Trost gewähren, wie ihn der 
Dichter aus jenem Wanderliede schöpfte, und die Hoffnung 
erwecken, dass für eine Lyrik tieferen Gefühls und feinerer 
Form der Sinn und die Pflege wiederkehren wird. 



II. 



Die Mundart 

des mittleren Zornthaies 

lexikalisch dargestellt von 

Hans Lienhart 

iD IngeDheim (Ldkr. StrassburgJ. 
(Fortsetzung.) 

Li. 

laftsa, m. Lippe; mhd. lefs, lefse, lefze; M. ebs. ; syn. und 
häuGger lepal. 

kolaiahsbit, f. 1. Gelegenheit ; 2. Lage eines Grundstückes 
oder eines Gebäudes mit Rücksicht auf den wirthschaft- 
lichen Betrieb: s es* a seni k.; M. kaläiahäit. 

laiar, m. schattiger Ruheplatz für das Vieh; compos. 
sVifläiar, hösaldiar; mhd. leger; M. ebenso. 

libifi, adj. laufig, von der Brunst ergriffen (von Hunden); 
mhd. löufic. 

1 10 i f 1 a , y s 1 iß i f 1 a , v. die grüne Schale der Nüsse entfernen ; 
M. l^ifld; Kaisersb. löuffen; mittelrhein. leiften. — libifli, 
adj. von Nüssen, die soweit reif sind, dass die äussere 
grüne Schale abtalU ; M. leiflik. — 1 ib i f 1 a t , hb i f 1 o t , 
f. grüne Schale der Nüsse ; ahd. louft, loft. 



— 24 — 

1 so i k 9 ^ l il' i k 1 9 , V. leugnen ; mhd. loiigenen, iougen ; M. 
]^ik9, leikb; lothr. liJükla. 

1 i t , n. Leid, Trauer ; em 1. sen in Trauer sein, syn. 1. 
Irdeya ; tsa 1. läwa eig. zu Leid leben, Jmd. fortwähremi 
Verdruss bereiten; M. leit. 

libita, m. Ekel, Widerwille; sex ta 1. kn ^ps asa so viel von 
etwas essen, dass es einem entleidet; t9 1. trön han ; M. 
farleitar. 

libitsal, n. Seil, womit der Fuhrmann vom Wagen aus die 
Pferde lenkt; mhd. leitseil. 

Iciiixlot, bisweilen corrumpiert in liciflat, f. Laich; 
compos. fes'l., frös'dl ; mhd. leich. 

laka, V. lecken, nur in der obscönen Rda. abna-n-am örs' 1., 
welche auch übtr. vorkommt in der Bedeutung inständigst 
und demütigst bitten ; sonst s'lakd (s. d.) ; mhd. lecken. 

lala, V. lechzen; mhd. leiten; schwz. lälla. 

lebmBy m. Lehm; übtr. Rda. ihm ti-ak OYjar ta 1. niäxa zu 
jmds. Nachteil den guten Verlauf einer Angelegenheit, 
eines Geschäfts beeinträchtigen; mhd. leim, leime. 

lampa, m. Stück Rindfleisch von der Halsseite ; zu mhd. 
lampen welk oder schlaff herunterhängen ; M. l^P^ W^ampo 
am Hals des Rindes. 

lämpet, f. Langwiede; mhd. lancwit ; Mosch, langwit, s. Zt. 
f. d. A. XXÜI 81, 46; Grk. 3, 455 ahd. lancwilu; bair. 
langwid, s. Schm. 1, 1490. 

1 ä V) , adj . 1 . lang ; läi^i ts^n stumpfe Zähne, vgl. si^ri f san ; 
läYji tsit Langeweile ; äla fätar ünsars läiQ nach' kurzen 
Zwischenpausen; 2. Füllwort mit der Bedeutung noch so 
sehr, wenn auch: ty khäns* mar 1. päpla! 

läYja, V. 1. langen, reichen, darreichen, geben: lär; mar s 
prüt; en ta sak 1.; ujm abn (od. il»ns) 1. Jmd. eine Ohr- 
feige geben ; 2. ausreichen, genügen, hinreichend sein : 
s lärjt nit ; mhd. langen, lengen ; M. ebs. ; pfalz. langen. 

1 ä v; s cO m 1 i , adv. langsam, schwerfallig ; mhd. lancseime. 

läntar, f. Geländer, Zaunstange; mhd. lander; M. later. 

länts*trüs, f. Bezirksstrasse, Heerstrasse ; mhd. lantstrize 
öfTentlicher Weg durch's Land. 

läp, adj. lau, lauwarm; lap wäsar, a lawi süp, a läps ici ; 
mhd. lä, läwes ; M. laip. 

l^pa, V. schlaff herunterhängen, welk niederhängen; rahd. 
läppen ; M. ebenso. 



— 25 — 

lapara, v. schlürfern, schlappern; ndd. läppen = lecken; 
frz. laper; anord. lepra was man schlürft. 

lapti, lati,m. Lehtag; häw ex mindr 1. s'ün sü ^ps ksan 
ist so etwas jemals vorgekommen ! M. laptik. 

lärifäristeiQS, n. coli. Possen, unnützes Zeug ; nd. lari- 
fari ; ungr. larefare; zu nl. larie Possen, leeres Geschwätz 
und lat. fari sagen ; Brem. Wtb. 3, 45 ; s. Weigand 2, 12. 

1 ä s* t e r , n. Schelte für ein lasterhaftes, durchtriebenes Frauen- 
zimmer : tes es* 9 1. 1 M. ebenso. 

-lat, Endsilbe von Adjj. mit deminutiver Bedeutung: hütlat 
schlecht, vom Befinden, kränklich (zu nhd. hudeln), källat 
gelblich, lär^lat länglich, rütlat röthlich, wislat weisslich ; 
die Anzahl dieser Adjj. ist beschränkter als die mit dem 
Suffix -laxt in M. ; mhd. -lach, -lech. 

lat, f. Latte; a;n9-n-üf tar 1. hän auf Jmd. böse sein, so dass 
der geringste Anlass Thällichkeiten herbeiführen kann ; 
mhd. lafe, latte. 

latara, v. durchprügeln; ^ne kyat 1.; allg. obd. und md. 
lidern; M. lätara ; pfälz, ledern. 

lats, adj. adv. verkehrt, unrichtig, falsch, links; das unter 
M. Gesagte gilt auch im Zornthal und im ganzen Unter- 
Elsass überhaupt; mhd. letze, letz; pfälz. letz. 

lats'öl, n. Kinderlatz; frz. lacet Nestel, Schnürband; ital. 

laccio; mhd. laz, plur. letze Band, Fessel; M. lats*a 

Schleife, Schlinge, 
läts'i, m. plumper, unbeholfener Mensch mit nachlässigem 

Gange; M. ebenso, 
läwäs, m. Rüffel; Richard: glossaire vosgien « laivasse, lai- 

vesse ». 
lawar, f. Leber; Rda. lür^-a-lawar rüfkhotsa sich sehr stark 

erbrechen; a türs'tis laworb sehr geneigt zum Trinken, 
lawastc^, m. Gerede, grosser Lärm, eig. Lebenstag: ta wai 

tneto es' a knlsar 1. ; s es* o krisorlixar 1. em torf ! 
farlaxd, v. i. leck werden; 2. sehr vom Durst geplagt 

werden: ex farlax s*ier; mhd. lechen ; ahd. zelechen ; M. 

arlaxa. — farlax t, adj. leck, 
lefal, m. Löffel; ewar ta 1. pälwiöra betrügen; t ks*ithibit 

met l^fla frasa sich übermässig klug dünken; mhd. leffel. 
leiarleTi, m. Lagerbalken im Keller unter den Fässern; 

mhd. ligerlinc; M. leiaionr;, f. 
1 u k , f. die zur Erntezeit von den Schnittern in langen Reihen 

auf den Boden hingelegten Weizen- oder Roggenähren, 

Schwaden; mhd. lecke = Lage, Reihe, Schicht; henneb. 
gelege. 



— 26 — 

1 ö k r a t , adj. leckerhaft ; zu mhd. lecker. 

l^na, V. 1. leihen, als Lehen geben; mhd. lehenen; 2. au( 

Borg nehmen, 
leyj, adj. zart, weich, gelinde, nur vom Gebäck und dem 

Ackerboden; mhd. linde; M. lär). 
l e n s ü t , m. Leinsame ; mhd. ITnsat Leinsaat, 
lepal, m. Lippe; syn. laftsa ; M. ebenso. — s'lepal, ro. 

Schelte für einen Mann mit aufgeworfenen, grossen Lippen, 
lepfo, V. in die Höhe heben ; mhd. lupfen, löpfen ; M. ebenso; 

pfalz. lüpfen. 
16ra, V. lehren, lernen; wie M. liere. 
16 sa, V. Geld einnehmen für einen verkauften Gegenstand: 

mhd. loesen in derselben Bedeutung. 

16 8*8, V. löschen, auswischen, stillen (den Durst), ausblasen 

(das Licht); mhd. leschen, 
les'i^ras, m. grosse Menge beliebiger Gegenstände, gewölm- 

lich leichterer, wie Stroh, Holzabfälle, Reisig, etc. : o 

käntser 1. ; bisweilen auch res'i^ras ; ob zu frz. l^gion ? 

syn. wes\ 

let, n. 1. Deckel eines Kruges oder einer Kanne, der am 
Henkel befestigt ist, Deckel einer Truhe; 2. Fallbrett vor 
dem Fresstrog der Schweine : soeylet; mhd. lit; M. ebenso. 

1 e t i , ad j . ledig, unverheiratet ; M. letik. — letiarwis, 
adv. im unverheirateten Stande ; M. ebenso. 

1 e t s 8 1 , n. Alpdrücken, lebt in der Vorstellung des gemeinen 
Mannes als unsichtbare Hexe; so sagt man z. ß. w^enii 
Jemand Alpdrücken hat : s lätsdl syft am das letsel säuü, 
trinkt an ihm wie der Säugling an der Brust der Mutler. 
Um dasselbe zu vertreil^en, wird von einer zweiten Person 
ein über ein brennendes Licht gestürzter Topf w^ge- 
nommen; sowie es hell im Zimmer wird, verschwindet 
das letsal; oder die Mädchen, welche vom Alpdrücken 
geplagt werden, legen an das Fussende ihres Bettes eine 
Kunkel, die Knaben eine Peitsche, den kleinen Kindern 
bindet man von ihren eigenen Excrementen auf die Brust- 
warzen, damit das letsal sie in Ruhe läs.st. Vgl. auch 
Meier «Sagen aus Schwaben» 193; mhd. diu letze Hinde- 
rung, Hemmung; ostfries. letsel Hindernis, Aufhaltung; 
vgl. M. Idts u. sVatsmanla. 

Ifetstsabixal, n. buntes , mit Figuren bemaltes Papier, 
bunter Umschlag eines Heftes, bisweilen ein Kapitel der 
h. Schrift illustrierend ; wahrscheinlich zu mhd. leezo 
biblischer Lesetext, Lehre, Schulunterricht, liCction. 



r 



— 27 — 

lifena, m. Achsennagel; mhd. lüne; cimbr. lunnagel; henneh. 
lunn, lönn ; ungr. lihn, f. ; s. Fromm. 3, 313. 

lifeps'tarlis, ohne Art. Liebschaft, nur in der Rda. 1. mel 
näntar mäx9 in einander verliebt sein. 

1 es*t, m. Schilfgras, Riedgras, s. Weigand d, 951; mhd. 
diu liesche ; mndl. liessch ; ndl. das lies, lis, lisch ; 
ndrheinfrnk. lüüsch ; der Glossator Papias erklärt: carex 
herba acuta vulgo lisca ; carectum locus herbae caricae 
plenus, locus spinosus (s. Dr. Fuss, Progr. Bedburg 1873). 

lietarli, adj. adv. 1. lüderlich, sittenlos, leichtfertig; 2. übtr. 
unwohl, schlecht : s es' mar hit sü 1. ; 1. yssdn schlecht, 
kränklich aussehn; li^tarlis teigs schlechtes Zeug; ebs. 
ungr. liederlich; kämt, liederla krank aussehend ; 
s. Fromm. 3, 312. 

li^x t s*tok, m. Leuchter, dem. li^xts't^kdl n.; Rda. li^xts't^klo 
mäx9 mit dem Schlafe kämpfen, bald mit offenen, bald 
mit geschlossenen Augen ; mhd. liehtstoc ; pfälz. Hchtstock. 

liläxe, n. Bettuch; mhd. ITnlachen, iTlachen ; M. ebenso; 
ungr. leilach. 

1 i n i , f. Linie, Lineal ; mhd. linie. 

Uro, V. in weinerlichem Tone anhaltend um etwas bitten ; 
mhd. iTren die ITren spielen, bildl. zögern. — lir, f. 
1. langweilige Melodie, Weise: tes es' a-n-älti lir das ist 
eine altbekannte Geschichte ; iMs khümt te alt lir wet^r 
jetzt fangt das alte Klagelied wieder an ; 2. eine um etwas 
fortgesetzt anhaltende, bettelnde Person ; in demselben 
Sinn dem. Ural und masc. lirar ; 3. schlechter Wein, 
wofür auch läpalir ; mhd . iTre Leier. 

lis, adj. adv. 1. geräuschlos, leise; 2. wenijg, nicht hin- 
reichend, ungenügend : t süp es* tsa lis ksälsa ; s prüt es' 
tsa lis kapäxa; M. lis zu wenig gesalzen. 

litrÜT), f. Lutter, die weniger spiritushaltige Flüssigkeit, die 
man beim Destillieren nach Gewinnung des Branntweins 
mit dem erforderlichen Prozentgehalte Spiritus noch über- 
destillieren lässt. 

lixt, f. Begräbnis, Leichenzug; dfem met tar 1. kön; Jmd. das 
letzte Geleite geben; zu mhd. lieh Körper. Leib. — 
lixte-n-ems, m. Imbiss, welcher nach dem Begräbnis 
eingenommen wird. 

loka, pl., dem. lekla gescheiteltes Haar ; mhd. loc Haarlocke. 

Icfem, m. Wasserdampf, feuchtwarme Luft ; s. D. Wtb. (>, 
344; M. lüim. — Idbmi, adj. mit Wasserdampf be- 
. schlagen. 



— 28 — 

I6t, f., dem. lätal, n. Lade, Behälter; nihd. lade; M. lat; 
comp, p^tlöt, f. Bettstelle ; henneb. bettlade ; sSflöt, f. 
Schublade, vgl. anord. skyfa, ags. scüfan, scoGan, engl, to 
shove. 

1 ö t a , m. Laden, dickes Brett, Fensterladen, Kramladen, Speze- 
reigeschäft ; Rda. sex en td 1. laeia sich brüsten, prahlen, 
namentlich wenn man keinen Grund dazu hat ; pfalz. sich 
an den Laden legen = sich nicht Unrecht thun lassen; 
mhd. laden; M. Idta. — hosalöta, m. Hosenlatz. 

lotld, V. wackeln, nicht mehr fest in den Fugen sitzen; M. 
lotara. — lotli, lotlat, adj. wackelig; M. lotdrik. 

lotsarn, lortsarn, f. Laterne ; mhd. laterne, luceme. 

l 1 s* a , V. faul umhergehn, latschen ; pfalz. lotschen faul sein. 
— lots'a, lorts'a. m. niedergetretener alter Schuh, 
die Latsche; syn. släpa. 

lox, n., dem. Ifexel, n. 1. Loch; 2. Hintere, Podex, wird 
allen hierfür gebräuchlichen Wörtern als anständiger vor- 
gezogen ; tl»m s lox päts'e; s^ts ti üf s lox! — teklox, 
n. Jmd. mit einem breiten Hintern. 

lübyal, n. Fässchen, in welchem den Arbeitern der Wein 
auf das Feld getragen wird ; tes es' 9-n-älts 1. das ist ein 
aller Säufer! mhd. lägel, lajgel, logel, s. Germ. HI 413,28; 
M. lokal, loil ; cobl. legel ; ungr. lägel, logel ; vgl. lat. 
lagöna. 

Ideyp, 1. n. Laub; mhd. loup; 2. f. Lauge; mhd. louge. 

lük, adj. 1. locker, porös: s prüt es' lük ; 2. nicht fest, 
nicht straff angezogen ; Rda. nit lük lün nicht nach- 
geben; Fisch, luck; M. ebenso. 

lümal, m. Lendenfleisch der Rinder; mhd. lumbel aus lat. 
lumbalis; Fisch, lumel, lummel; schwz. lummel Stück 
Fleisch am Ochsen, worin die Nieren liegen ; hess. lummer; 
ndl. lumme, f. Lendenbraten; weiter, lumpe, f. Lende, 
Weiche. 

lümpa, m. Lappen; mhd. lumpe; frnk. lump abgetragenes 
Tuch. 

k a I ü s' t a , v. mit der Präp. nöx gelüsten, Lust haben. — 
kalüs't, n. Esslust, momentane Esslust bei Kranken, 
das Gelüsten, die Lust; mhd. lust; M. ebenso. 

1 ü s ü Ti , f. Geldeinnahme, Gewinn bei einem Handel ; mhd. 
lösunge. 

1 y a n t s' a , v. sich träge irgendwo hinstrecken oder im Bett 
herumwälzen ; mhd. lunzen leicht schlummern, schlum- 
mernd verweilen ; M. lientsa ; ungr. sich lonzen sonnen. 



— 29 — 

lydeyo, v. schauen, sehn, betrachten, ^cken, lugen, Rda. 

tsa tifef en s kläs 1. zu viel trinken, vgl. Fromm. V 72, 

76 ; mhd. luogen ; M. lyüka. 
] y s* 1 9 r 8 , V. in einem Versteck aufmerksam lauschen, in 

grosses Staunen geraten bei der Mitteilung eines uner- 

Avartet eingetretenen Ereignisses ; mhd. lüstern horchen, 

lauem; M. ebenso; cobl. lustern. 

M. 

rnaia, v. mähen; mhd. ma?jen ; M. ebenso. — mäi, f. 
Sense; M. ebenso. — mäiwürf, m. Sensenstiel; M. 
ebenso. — mätar, m. Mäher; mhd. madacra, ma?dar; 
M. ebenso. 

ni sbia, m. 4. Maibaum; 2. ein auf der Zinne eines Daches 
aufgesteckter geschmückter Baum, zum Zeichen, dass der 
Zimmermann mit seiner Arbeit fertig ist ; 3. geschmückter 
Baumzweig, der am Pfingstmontag beim Einsammeln der 
Eier von Abteilungen der Schuljugend unter Absingung 
von Pfingstliedern im Dorfe umhergetragen wird ; mhd. 
meie, meige; M. m^ia; s. Els.-Lothr. Gemeindezeitung 
1883, Nr. 18, pag. 445; J. Rathgeber «Die Grafschaft 
Hanau-Lichtenberg 9 p. 467 ff. 

msbitd, m. dem. mabital, n. Mädchen, bisweilen auch Magd, 
Dienstmädchen; mhd. maget ; M. mfeitb. — mabite- 
s*mäkar, m. ein verliebter Bursche, der sich bei allen 
Mädchen einschmeichelt , eig. bei allen herumriecht 
(s. s'mäkd). 

rnäka, unheilbarer Körperschaden, Gebrechen; vgl. mhd. 

mackel; M. mäk9(s). 
mäkas, ohne Art. Schläge, Prügel; m. pakhüma ; hebr. 

nriackah ; M. ebenso ; pfalz. westerw. makes. 
niäkral, f. gewöhnlich in der Verbindung älti m. als Schelte 

für ein schlechtes Frauenzimmer ; mhd. macrßl ; frz. 

maquerelle. 
inalas'ta, pl. Beschwerden, Unannehmlichkeiten; lat. mo- 

lestia ; frz. malaise ; M. ebenso, 
mälätar, adj. kränklich, unwohl, leidend: ar es* äs hälwar 

m. ; frz. malade; M. ebenso. 

mälia, f. heimtückisches, schlechtes Frauenzimmer ; .abge- 
kürzt aus dem Eigennamen Amalia. 

m a 11 k a , v. melken. — m a 1 i k a t , f. das was auf einmal 
gemolken wird ; mhd. melket, melkete das Melken. — 

3 



— 30 — 

malikhewaly m. Milchkuhel; mhd. m^lkkübel ; vgl. 
M. nialktar. — fres'malikit, adj. frischmilchend, au& 
neue Milch y^ebend, von einer Kuh, die nach dem Kalben 
wieder gemolken wird; vgl. Fromm. 4, 308; henneb. 
frischmelk. 

mällsi, moltsi, adj. weich, zart (von Birnen und Zwiebeln); 
mhd. malz weiche sanft. 

mam, f. n. i. jede trinkbare Flüssigkeit, in der Kinder- 
sprache; 2. Saugfläschchen für kleine Kinder ; lat. mamma 
Mutterbrust, Mutter ; frz. mamelle. — m a m 1 9 , v. an 
der Mutterbrust oder dem Saugfläschchen trinken, in 
kleinen Zügen trinken; vgl. lat. mammare; M. mämb. 

mänskharal, m. Mann, Mannsperson ; pl. ebenso oder 
mänslit ; vgl. M. mänsfolk. Die entsprechende Bezeich- 
nungsweise für die Frau ist wipsmens* (s. d.) 

mäntdni^ra, v. bewältigen, zu Ende führen, vollbringen; 
frz. maintenir. 

m a r a , f. 1 . Stute , 2. liederliches, sittenloses Frauenzimmer ; 
mhd. marc, merhe; md. mar, mere; ndd. märe. 

märatrobyard, f. eine Frau, welche die Tagesneuigkeiten 
im Dorfe verbreitet; zu mhd. ma^re und tragen; das dem 
M. märaträkar entsprechende masc. ist im Z. unge- 
bräuchlich. 

ni a r i k , m. Markt ; mhd. market. — n ü m a r i k , m. eig:. 
Abendmarkt, ein ausserhalb des Dorfes gelegener Rendez- 
vousplatz der jungen unverheirateten Leute am Sonntag 
Abend, wo sie sich mit verschiedenen Gruppenspielen, we 
reYjkals'aplis (s. d.) u. s. w., unterhalten. 

märiksla, v. töten, meist nur scherzhaft; M. ebenso; uugr. 
merixeln. Ueber die wahrscheinliche Entstehung des Wortes 
vgl. Schm. i, 1641. 

mär in {^^), m. Rosmarin; lat. ros marinus. 

märtina, f. Martinstag; an tar m. am Martinstag, Tag an 
welchem Schulden, Termine etc. abbezahlt werden ; vgl. 
das ellipt. «an Martinis. 

m ä r w a 1 , m. Marmor ; mhd. marmel ; M. märmal. 

iDas, n. Mass, für Flächen und Inhalte; mhd. mej; M. ebenso. 

masal, n. Getreidemass von dem Volumen eines Liters; 

nihd. nietze kleines Trockenmass, ma)jel (16. auch 32. Teil 

eines Metzens), me5lTn ; Rda. fom ses*tar khfen m. fars'ten 

sehr wenig von einer Sache verstehn. 
niäs'antari, m. Schadenersatz ; frz. dommage-int^röt. 



— 31 — 

m sal, m. Glück; hebr. massal. Vgl. den interessanten Ar- 
tikel in Fromm. 7, 476. 

ämsamätam, m. (jüd.) Handel, Geschäft. 

farmäsara, v. (jud.) ausplaudern; hebr. massär dem Ge- 
richte überliefern, zum Verräter werden. 

m ^ s 1 ab U i , adj. verdriessHch, mismutig, überdrüssig ; mhd. 
majleidec ; M. mäslMtik magenschwach ; pfalz. massleidig. 
mäs'oka, mäs'deya, adj. verrückt, hebr. 

masti, ra. Messtag, Kirchweihfest; mhd. messetac kirchlicher 
Festtag, Kirchweihe. 

m ä t e r i , m. Eiter ; mhd. matörie ; frz. matiäre. 

mätsa, mätsds, mätS8t,m. ungesäuertes Brod ; mhd. 
matze; hebr. mazot pl. 

maxar, m. eig. Macher, nur in der Rda. tar m. fom a 
ks*aft sen alle Fäden einer Angelegenheit in seinen Händen 
vereinigen ; mhd. macher. 

m e f 9 , V. in kleinen Bissen essen oder fressen, vielfach von 
Schafen und Kaninchen gesagt; vgl. mhd. mupf, muff 
Verziehung des Mundes, Hängemaul. 

meias, ohne Art. (jüd.) Geld; er hM präf m. em khes ; 
hebr. meah Geld, Zins. 

m e k a n i k , f. Spannvorrichtung eines Wagens ; frz. m^ca- 
nique ; M. m^känik. 

mel, f. meist pl. m^la Motten; zu mhd. mül, maln. 

mälala, n. Aprikose; schwb. möllele ; vgl. lat. malum, gr. 

[xijXov ; M. ebenso, 
m e 1 i X , f. Milch ; mhd. milch, milich ; M. ebenso. — ha ks a- 

m e 1 i X, f. Wolfsmilch, Euphorbia cyparisias; hess. henneb. 

hexenmilch. 

m e n i X , m. verschnittener Hengst, W^allach ; mhd. münech, 
münich. 

mens', m. 4. Mensch; 2. Geliebter, Geliebte: fer a m. hän, 
zum oder zur Geliebten haben. — mens'aro, v. ver- 
liebt sein : se hän läY) kamens*art metnäntar. 

ments, n. kleines Geld zum Wechseln; mhd. münze. 

meron, adv. meinetwegen, ellipt. für was leit s m^r 6n was 
liegt mir daran ; M. m^rä. 

mertriwal, m. Korinthe, eig. Meertraube ; M. ebenso. 

mörwüntar, n. iron. und nur in dem Ausruf: tu (od. tes) 
es* iets a krös m. da soll nun etwas dabei sein ! mhd. 
merwunder wunderbares Meertier; s. Alemannia i, 70. 



— 32 — 

m^s, n. Messing; mhd. messe; M. ebenso. — mösa, adj. 
von Messing ; mhd. messTn, messin, messen. 

m e s* p 9 s , pl. Läuse ; vielleicht mit wes'pla (s. d.) zusammen- 
zustellen. 

mäs*ta, V. mästen, fett machen; mhd. mesten. — mäs't, 
mäs'ti, adj. mastig, fett, fruchtbar (vom Boden), üppig 
(vom Getreide); ahd. mast ; mhd. mast Mästung; M. 
ebenso. 

mes*tla, v. mischen, von den Karten; mhd. mischen, miscbeln. 

metla, f. Mitte; adv. mitten, in der Mitte; metalman, n. um 
die Mitte des Monats Mai ; mhd. mittelmeige. 

m^tso, V. schlachten; mhd. metzigen; Fisch, metzgen; M. 
mätsid. — m^ts, f. Schlächterladen, Fleischbank; mhd. 
metzje, metzige; M. m^tsik. 

misa, V. refl. die Federn wechseln, mausern; mhd. müjen. 

m 1 a p i k , m. behauener Baustein ; frz. moellon pique. 

molar t, khätsamolart, m. Kater, männliche Katze ; 
M. m61ar ; 2. tigerähnliche Katze ; Strassb. rolar. 

.möls'los, n. Vorhängeschloss ; aus mhd. malhe Tasche, 
Sack, und slo}; M. mäls*los. 

m p a 1 , m., dem. m 6 pa 1 a , n. Hund, in der Kinderspracbe. 

moria, adv. morgen, nur in der Verdoppelung moria moria 
morgen früh, viel gebrauchlicher als morm tsmoris eig. 
morgen des Morgens; vgl. Hildesheim moren moren über- 
morgen. — moriaküp, f. Geschenk des Bräutigams an 
die Braut bei Gelegenheit der fars'riwÜYj (s. d.), das in 
einem Feldstück besteht, in der Regel aber die Fläche 
eines Morgens nicht übersteigt. Dieses Feldstück wird der 
Braut entweder zum lebenslängHchen Genuss oder als 
Eigentum überwiesen ; mhd. morgengäbe Geschenk des 
Mannes an die Frau am Morgen nach dem Beilager. — 
morm, m o r n , adv. morgen am Tage ; morm üf ta-n- 
üwa morgen abend ; morm tsn^xts morgen nacht ; mhd. 
morgen, morn; M. morn. 

mora, pl., gelegentlich auch moras, nur in der Rda. m. hän 
Angst haben, namentlich wenn man sich einer Schuld 
bewusst ist; vgl. lat. mores. 

m o r i k s' t iL» n , m. Grenzstein zwischen zwei Grundstücken : 
mhd. marcstein ; M. märks*lein. 

mos't, n. Moos; Rda. äbm tsjiie wy tar portal ta m. holl 
Jmd. zeigen, wo Barthel das Moos holt, d. h. ihm zeigen, 
mit wem er zu schaffen hat ; M. ebenso ; pfölz. most. 



— 33 — 

möst, m. Mohn; vgl. M. mäk. — möstsut, m. Mobnsame ; 
M. mäksyAme. 

iti Ol, f. Malte, Wiese; mhd. mate, malte ; M. mät. — mote- 
t ö 1 , n. Wiesenthal. 

m oe y al 9 m., pl. meifil angebissenes zurückgelegtes Stuck Brod. 
— m oe y 1 e , v. ohne Appetit von einem Stuck Brod essen 
und es dann zurücklegen. — moeyler, m. einer, der ein 
angebissenes Stück Brod zurücklegt. 

m«pyt, f. Magd, Dienstmädchen; mhd. maget, magt. 

müfla, V. in kleinen Bissen essen, kauen wie alte Leute, die 
keine Zähne mehr haben; s. auch mefla; mhd. muffen, 
mupfen den Mund verziehen ; M. ebenso ; cobl. muffeln ; 
ungr. mofeln, mufeln. 

m ü k , f., pl. müka i, Mücke, Fliege; 2 Visierkorn: iäma üf 
lar mük hän Jmd. nicht leiden mögen ; mhd. mücke, 
mucke ; M. ebenso. — m ü k a s' t cu n a 1 , n. feiner Pro- 
bierstein. 

mül, n. Mal; äle mül jedesmal, auch als Ausruf der Ver- 
wunderung in der Bedeutung wie I wirklich ! ist es mög- 
lich ! or bei s äla mül a sü bei jeder ähnlichen Gelegenheil 
verhält er sich so; M. mvol. 

mül, ömül, f. n. Zeichen, Fleck an irgend einer Körper- 
stelle, Muttermal ; aus mhd. amme und mal ; M. ämola, m. 

mülika, pl. Molke, Käsewasser; mhd. da} mulken; M. mülke. 

mültsar, m. 4. Mahllohn; 2. Mischung von Weizen und 
Roggen nach gleichen Teilen ; mhd. multer, mulzer 1 ; M. 
ebenso 4. 

mümpfal, m., dem. mempfdb Bissen; mhd. muntvol ; M. 
müpfal. — farmempflo, v. in kleine Stücke schneiden 
und zerbröckeln. 

m ü n a t , m. Monat. Die Namen der Monate sind : ianar, horni 
oder hornÜYj, m^rts, äprel, md^i, prüxmünat, hd^ymünat, 
deyks't, s^ptampar, oktöwar, nüfampar oder wentarmünat, 
tetsampar oder kres'tmünat. 

müni, m. Zuchtstier; M. ebenso; pfälz. mummel. 

m ü y; k a , v. mit dem Kopfe nicken zum Zeichen der Bejahung. 

müntiera, v. mit feinen Kleidern ausstaffieren; mhd. mun- 
tieren ; frz. monter. 

mür, f., dem. meral, n. 1. Mutterschwein; 2. schmutziges 
Frauenzimmer ; mhd. mSre Sau, Zuchtsau ; M. myor ; 
lothr. moor. — müra, v. suchend im Schmutze herum- 
wühlen. 



— 34 — 

miirika, priHmürlka, m. altes abgebrochenes und 
zurückgelegtes Stück Brod; m. mäx9 sein Brod nicht auf> 
essen; M. mürka. 

m u s , f. eine Flüssigkeitsmasse von 2 Litern, ein Gefass 
dieses Inhalts; mhd. mäje, mk^ gemessene Menge, Mass. 

müs*t9r, n., dem. mesHarld, n. 1. Muster; 2. liederliches 
Frauenzimmer; in dieser Bedeutung lautet das Deminutivam 
müs*tarla : f es es* a nats müs'tarle ! M. ebenso. 

m ü t s a , m. Frack, Jacke, meist nur noch für den Kirchenrock 
gebraucht : kherixomütse ; mhd . mutze kurzes Oberkleid, 
besonders der Frauen ; pfalz. mutzen. Das Deminutivum 
metsal ist viel gebräuchlicher als das Primitivum zur Be- 
zeichnung der gewöhnlichen kurzen Jacke der Männer; 
pfalz. mützel. Die frühere Bezeichnungsweise desselben 
Kleidungsstückes ist liwal, n., welches jetzt häufiger ge- 
braucht wird für das allmälich auch auf dem Lande auf- 
tretende Korsett ; M. liwla. 

m ü t s a , V. schmücken, putzen, die besten und schönsten 
Kleider anziehen ; mhd. mutzen schmücken, putzen ; M. 
ebenso. 

myalt, f. Backtrog; mhd. mulde, multer, muolter. M. mult, 
myält; cobl. muhl. — myalts'ar, f. Schan'eisen, mit 
welchem der Backtrog gereinigt vnrd; M. mülts*ar. 

myar, m. Sumpf, Morast, Moor; mhd. munr; M. myür. — 
myari, adj. morastig, sumpfig; M. myürik. 

myatar, f. 1. dicker Bodensatz des Essigs; ndd. moder; ndl. 
moer ; frnk. muet, müd Unrat, Wust, Schlamm ; 2. Ge- 
bärniulter; ndd. moer. 

myl, n,, pl. milar, dem. milala, ohne Unterschied gebraucht 
für Mund und Maul; Rda. a myl hän wy a-n-äfakhit; 
s myl üfs*pera gähnen ; a myl wy a hols'yax ein selir grosser 
Mund, eig. ein Mund wie ein Holzschuh; mhd. mal; M. 
ebenso. — myla, v. mürrisch Widerreden; pfalz. maulen, 
m y 1 w a 1 f a r , m Maulwurf ; mhd. moltwerf und schon 
mülwärf (s. Kluge, etym. Wtb. 219 b). 

mys, f., pl. mis Maus. In Betreff der Vocallänge im Plural 
gegenüber der Kürze im Singular vgl. ebenfalls, wie im 
M., hys, hisar, hisal, hisli ; lys, Hs ; M. ebenso. 

m y s a , v. auf heimliche, verstohlene Weise etwas durchsuchen, 
durchstöbern ; gebräuchlicher ist das Compositum ysmysa 
oder in etwas rümmysa ; mhd. müsen stehlend, suchend 
schleichen, listig sein, betrügen. 



j 



— 35 — 

m y t a r a , v. refl. die Vorzeichen einer Krankheit durch schlaffe 
Körperhaltung und Verstimmung zum Ausdruck bringen, 
sich unwohl fühlen und verstimmt sein ; M. ebenso. — 
m y t d r i , adj. niedergeschlagen , verdriesslich ; trüb, 
düster, vom Wetter ; M. mytarik ; pfalz. mauderig. 

mytokala, n. Kuh, in der Kindersprache; der erste Teil 
der Zusammensetzung ist onomatopoetisch, das Ganze ist 
^vahrscheinlich angeglichen an khymokab (s. d. unter khy) ; 
vgl. M. mümla. 

m y X I o , V. übel riechen, faul riechen, von Fleisch, welches 
von der Hitze afYiciert ist; syn. mefsta; M. miexla. 

m y X l a , v. verstecken ; en ta säk m. heimlich in die Tasche 
stecken ; mhd. machen verbergen, verstecken, und miuchel 
heimlich ; M. ebenso. 



N. 



naid, V. nähen; mhd. nayen; M. ebenso; ndd. naien. — 
näiara, f. Näherin; M. ebenso. — näiat, f. Nähzeug; 
M. näita. — näts, m. Zwirn, Faden; lothr. pfalz. nähts. 

näiala, n. 1. dem. von nd^yal Nagel; 2. Gewürznelke; mhd. 
negellTn. — näialwürts, m. Nelken pfeffer. 

näkat, adj., Nebenform näkit nackt, unbedeckt, bloss; mhd. 
nacket ; M. nätik. 

nakmantal, n. eig. Nacken mäntelchen, Krauskragen aus 
Spitzen, den die Mädchen und Frauen über dem Wamms 
tragen (s. Aug. Stöber «Der Kcchersberg, ein landschaft- 
liches Bild aus dem Unter-Elsass, 1857» p. 53 Anm.); 
syn. k^bmpal, frz. guimpe Busenschleier der Nonnen. 

näma, m., pl. nama Name; kots näma in Gottes Namen! da 
ist nun nicht mehr zu helfen ; M. ebenso. 

näma, v. nehmen. — er^nama, v. einnehmen, spez. Arznei 
einnehmen ; tsorn erjnama sich erzürnen. — er^nämar, 
m. Steuerempfanger. 

närat, adj. närrisch, verrückt; mhd. narreht ; M. näraxt. 

näs't, m., pl. nös*t Ast; M. ebenso. — nes'ti, adj. ästig. 

näta, f. Nähe; mhd. najhede; ar es* ieriks en tar nata ; M. 
ebenso. 

näx t , adv. in vergangener Nacht, gestern nacht ; Fisch, nachten ; 
mhd. nehten; M. ebenso. — üninaxt, unitnäxt, 
adv. ellipt. für ohne die Nacht, nämlich von gestern, mit- 
zuzählen, vorgestern abend (s. üni). 



— 36 — 

n^, Neg. nein. 

neka, v. nickend schlafen; mhd. nücken ; M. ebenso; ungr. 
neken. — nekdr, m. Schlaf; a kyater nekar mäxe fest 
schlafen. 

nem , nemi, Neg. nicht mehr; Fisch, nimm; mhd. nimmer; 
M. nära. 

nesy pl. Lauslarven; mhd. nij, nijje; M. ebenso. 

n^s'kwäky nes'kwäkar, m. das Nestjüngste, scherzhaft 
auch das jüngste Kind; pfalz. nestquäkel das jüngste Kind 
einer Familie. 

nes'ta, v. in etwas handtieren, etwas durchwühlen, unnihi«; 
mit den Fingern etwas betasten, aussuchen ; zu mhd. nisteo. 
— k a n e s* t e Tj s , n. Abfall von Reisig, Holz, Stroh u. dgl. 
durcheinandergemengt und aufgestapelt; mhd. geniste; M. 
kanes*t. 

n^s'tal, m. Schnürriemen, Binde; mhd. diu nestel. — 
n^s'tla, V. schnüren; mhd. nesteln^ s. pris. 

nit, nit, net, Neg. nicht; mhd. niht, nieht, niet, nlt, oit. 

net, adv. ungern; eps n^t tyan etwas ungern thun : vgl. dazu 
nhd. Not, nötig, nötigen. 

net 8, adv. nur in der Verbindung tu neta oder contrahiert 
tneta unten, da unten, und in t^rt neta dort unten; mhd. 
niden, nidene; M. tan^ta. 

netar, adj. adv. niedrig; üf a kots netar sü ganz ähnlich, 
gerade so. — netariänt, n. der nördliche Teil des 
Elsasses, Unter-Elsass ; s. auch äkarlänt, ewarlänt. — 
netarwent, m. Nordwind, Nordost wind; M. netai*wäit. 

newa, ad. neben, spez. rechts beim Doppelgespann, vom 
Wagen aus gesehen ; Nebenform näwats : tes ros ket nit 
üf am n^wats (s. s*töta); ndl. nelfens, nevens nahe bei; 
nfewatsros, n. das Pferd zu rechter Hand. 

ni^ta, V. nieten, befestigen, übtr. zu Stande bringen, aus- 
führen; mhd. nieten streben, sich beQeissigen, mit etwas 
zu thun oder zu schaffen haben. 

n i n a 1 a , n. Puppe, Wiegenkind ; ninala, nänala, pepala s*lüfd ! 
lautet der Anfang eines Wiegenliedes; mhd. ninne Wieg^, 
Wiegenkind. 

ninars*t<jbn, m. Mühlenspiel mit neun Steinen; M. ninar* 
s*tein. — niks, neks, neks, Neg. nichts. — niks- 
nüts, m. Taugenichts; niks nüts, präd. Adj. zu nichts 
nütze: tes es' äias n. n. — niksnütsi, adj. faul, zu nichts 
nütze. 



— 37 — 

niti, adj. i. ärgerlich, erbost, zornig, eigensinnig; 2. zum 
Hinienausschlagen geneigt, von Pferden ; mhd. nidic nei- 
disch, feindselig. 

nö, adv. hinab, hinunter, selbständig und als erstes Compo- 
sitionsglied in Verben. — nötsys, adv. nach unten zu. 

nola, V. hin- und hertrippeln. — nolpatsdl, n. Schelte 
für ein träges, schmutziges Frauenzimmer. 

nös, f. Nase; a nös wy a khümpf eine sehr grosse Nase; 
übtr. a nos hän nicht leicht zu vollbringen sein : tes het a 
nös ! M. näs. — nös'nypa, m. Schupfen ; zu ndd. snuppe 
das Schneuzen. — nöstyax, n., dem. nöstifexal Taschen- 
tuch ; M. nästyüx, nasti^xla ; pfalz. nastuch. 

n de y s 8 , v. in weinerlichem Tone fortgesetzt um etwas bitten ; 
M. noisa. — farnffiyst, adj. unaufhörlich bittend , 
quälend; M. noisik. — ndeysar, m. einer, der unab- 
lässig bittet. 

nüf, adv. hinauf, nach oben. — nüftsys, adv. nach oben 
zu, aufwärts. 

nül, f. Nadel; mhd. nadel, nalde; M. nyol. 

nüla, V. saugen, lullen; Keisersb. lullen; ndl. lullen aus einer 
Röhrkanne, einem Trinkgefass mit Röhre und an dieser 
befindlichen Warze saugen ; M. ebenso. — nül, f. eine 
Mischung von Weissbrod in Milch gekocht und gestossenem 
Zucker in ein Läppchen gebunden, das man den Kindern 
zum Saugen in den Mund steckt ; ndd. lull Röhre, wodurch 
man etwas ablaufen lässt; ndl. lul. — nülar, m. einer 
der den Mund bewegt wie ein saugendes Kind ; lothr. nuller. 

nü m , Vorsilbe um-, hinum. — nümhänt, m. Umhang, 
Rettvorhang ; mhd. umbehanc. — niims*telpla, v. um- 
stülpen. 

n ü m a, adv. nur ; M. ebenso. 

nünamäxar, m. Sauschneider ; mhd. nunnemacher ; M. 
ebenso. 

nül, adj., comp, näter, sup. näts*t nahe; M. ndt; s nätar 
kän nachgeben : ke s nätar ! -- nas't, näks't, f. Ehren- 
jungfer bei Hochzeiten. 

nütsa, V. nützen; mhd. nützen, nutzen; nütst s niks tsa 
s*öt s niks hilft es nicht, so schadet es nicht! 

n ü X m a , m. Athem, viel seltener ütam ; kh^n nüxma m6 tron 
taT;ka durchaus nicht mehr daran denken ; kh^n nüxma 
m^ pakhüma nicht mehr athmen können ; ta nüxma es* 
am yskäria er. ist gestorben; got. ahma. (Ueber das prot. 
n vgl. nüwa, nümarik zu Abend). 



— 38 — 

nypa, p). zurückgehaltene Gedanken, versleckte Bosheiten, 
Launen ; nur in der Rda. nypa em khopf h4n ; ndd. 
nuhhen ; M. ehenso. 

nys, adv. hinaus, Vorsilbe der mit hinaus zusammengesetzteii 
Verba. — nystsys, adv. nach aussen zu, auf dem Wege 
nach hinaus. 

O. 

ö, adv. ab, Vorsilbe ab- ; omüla, v. photographieren : ex hap 
mi ö lün rnüla. — olitara, v. beim Destillieren so lange 
die Flüssigkeit aufsammeln bis die Probe nicht mehr spi- 
ritushaltig ist ; s. litrÜT;. 

olm9, n. Gemeindetrifl ; mhd. almeinde, almende ; M. älmar,. 

ön, adv. an, Vorsilbe an. — önfätjas, ofätjas, adv. end- 
lich, bereits, schon, bald : s würt o. khält ; M. kiätfi. — 
ÖTjks'tält, f. Anfang, Anstalten: s ket kor khen ö. hit 
heute kann es wieder zu keinem Anfang kommen. 

ops, n. Obst; mhd. obe) ; M. ebenso. 

ori, adj. adv. 1. geizig, genau; 2. peinlich, unangenehm; 
mhd. arc ebenso. 

o r m 8 1 e i , f. Armut ; hess. armedei ; schwb. henneb. armetei. 

ortli, 1. adj. artig, gesittet; 2. adv. ziemlich: o. kalt ziem- 
lich viel Geld ; entstanden aus der Verschmelzung von 
artig und ordentlich. 

r X d 1 i s* t , m. Organist ; tirol. orgalist ; s. Weinhold, bair. 
Grk. § 158. 

ösa 1 , f. Achsel ; mhd. ahsel. — khütanösal, f. über die 
Schultern gehender schmaler Frauenrockhalter, entspr. den 
Hosenträgern bei Männern. 

owisar, m. 1. Zeichen im Felde, welches das Betreten eines 
Geländes verbieten soll, eig. Abweiser; 2. kegelförmiger 
Stein, der an der Basis von Thorpfeilern eingelassen ist, 
um beim Einfahren den Wagen von denselben abzuhalten. 

P. 

p ä f 8 , V. trinken : kyat axla-n-ün päfa gut essen und trinken ; 
hess. bäfen. 

paftsa, V. schelten, zanken, Widerreden; Intensivum von 
mhd. baffen schelten, zanken; Compos. nümpaftsa; M. 
paiftsa. 

p ibi ä s , m. Possenreisser ; fra. paillasse. 



— 39 — 

puid, V. 1. durch Umschläge erwärmen, sich durch Wärme 
gütlich thun ; 2. grüne Stangen, die als Stiele zu Hacken 
UDd dgl. gehraucht werden sollen, im heissen Backofen 
wärmen, damit sich der Bast abziehen lässt ; mhd. ba^hen ; 
M. ebenso; ungr. bäen = rösten. 

paias, n. kleines Anwesen, scherzhaft und verächtlich : s känts 

p. es* kh^n kros*a wärt ; hebr. halt Haus, 
pibiora, v. sterben; pfalz. begem ; ungr. pöigern; bair. 

begern, s. Schm. i, 158. 
p ;M t s , pib i s, f. nur in der Rda. d p. turixmäxa eine schwere 

Krankheit Qberstehn; mhd. bei}e das Bereiten in einer 

scharfen, beissenden Flüssigkeit, Beize, zu beijen, v. beizen, 

bildl. mürbe machen, peinigen. 

paklok, ohne Art. das Läuten während der Pfarrer das 
Vaterunser betet (beim evangelischen Gottesdienst) ; s lit 
p., s h^t p. kdletd ; M. patklok, patlok Betglocke. 

pälika, m. 1. Balken; 2. beim Rebbau der Erdaufwurf 
zwischen den Gräben, in welche die Setzlinge gepflanzt 
werden; M. pälkd. 

päla, m. Spielball; mhd. bal, balle. — pälas, pälis mäxa 
mit dem Spielball werfen. 

pälwiera, v. rasieren, eig. barbieren ; Rda. ewar ta löfal p. 
betrügen. 

pämpal, f., pl. pamplo Weinranke; frz. pampre. 

pämpla, V. frei schweben, baumeln, schlafl" herabhängen; 
M. ebenso. — farpamplo, v. für unnütze Kleinigkeiten 
Geld verschwenden ; M. ebenso. 

pän, m., pl. pan Bann, die ganze Flächenausdehnung an 
Ackerland, Wiesen und Weinbergen, die das Eigentum 
einer Gemeinde und deren Einwohner bildet und von dem 
Grundbesitztum der Nachbargemeinde durch den pans'abit 
(s. sU»it) getrennt ist; mhd. ban. 

pan, f. grosser Wagenkorb, der über die Dielen des Wagens 
emporragt und so das Volumen desselben bedeutend vcr- 
grössert ; frz. banne ; M. ebenso. 

päna, V. böse Geister und Hexen vermittelst geheimer Ver- 
wünschungsformeln unschädlich machen, namentlich solche, 
die sich vermeintlich in Ställen befinden und den Vieh- 
stand mit allerlei Krankheiten plagen ; mhd. bannen unter 
Strafandrohung befehlen ; M, ebenso ; henneb. bannen. 

pär^art, m. Flurschütz, Feldhüter; Fisch, bangart ; mhd. 
banwart; M. ebenso; lothr. bangert. 



— 40 — 

paT;lay v. 1. durchprügeln; 2. mit einem Stocke abschlagen^ 
namentl. Obst an fremden Bäumen ; mhd. bengeln prü- 
gein ; M. ebenso. — paiQdl, m. 1. Band, Binde; mhd. 
bendel ; 2. Prügel ; 3. strammer, stattlicher Mensch ; mbd. 
bendel Prügel. 

pänt, f., dem. pantal, n. Weidengerte; M. pat. — pänt- 
s'tok, m. Weidenbusch. 

Pants, m. Eigenname Bentz ; Rda. P. er^a, P. owa zu obersi 
zu Unterst. Ueber die Entstehung dieser Rda. vgl. ALsatia 
pro 4856, pag. 139. 

p a p , f. Brei, Kinderbrei ; Rda. pap em myl hkn sehr undeut- 
lich sprechen ; mhd. pappe Kinderspeise; M. pap. — P^P« 
f. Kleister. — päpa, v. kleistern. 

päpla, V. plaudern, schwatzen, sprechen ; ndl. babbeln; cobi. 
bappeln ; henneb. bäbel ; frz. babiller. 

pär i k , m. verschnittener Eber; die Nebenform porik bezeichnet 
einen schmutzigen, unanständigen Menschen ; mhd. hsav : 
M. pari. — parikal, n. dem. von pärik ; bair. büär- 
gelje; henneb. bargel. 

p ä r n 9 s , m. gewöhnlich mit dem Epitheton gross : a knisar 
p. eine grosse Persönlichkeit ; auch iron. ein eingebildeter 
Mensch ; zn frz. baron ; s. auch wäk^s. 

partal, m. geringe Qualität Hanf, die sich beim Hecheln aus 
der besseren Sorte herauszieht. — pärtalkorn, n. aus 
pärtal gesponnenes Garn. — partaltyax, n. aus pärlal- 
kora verfertigtes Tuch. 

p ä r t y , adv. um jeden Preis, durchaus ; frz. par tout ; ungr. 
partu. 

pärxart, pärixart, porxart, m. Barchent, roher 
doppelschaftiger LeinenstoiT, welcher als Bettzeug benutzt 
wird. 

p a s a , m. Besen ; mhd. beseme, besem ; M. ebenso. — p ä s a , 
V. in der Rda. em torf rüm p. im Dorfe umhergehen und 
plaudern, namentlich von Frauenspersonen. — torfpäsa, 
m. eine im Dorfe herumstreifende Person. 

p ä s a , V. warten. Acht geben, beim Kartenspiel die Chance 
an den Nachbar übergeben; Rda. wer päst h^t niks; frz. 
passer ; M. ebenso, 

p a s' l a , V. aus Liebhaberei etwas sauber und zierlich verfer- 
tigen ; aus frz. bosseler erhabene Arbeit machen ; M. ebenso, 
pas'lar, m. einer, der aus Liebhaberei allerlei zierlicht? 
Gegenstände verfertigt; M. ebenso. 



— 41 — 

päsHdr, m. Bastard y Hahn mit auffallend langem Feder- 
buschel an den Beinen; zu mhd. bastart. 

p ä s' t y r , f. Gestalt, Wuchs : er höt a s*6ni p. ; frz. posture. 

pat, adj. i. müde, matt, nur beim Kartenspiel; 2. ausge- 
schlossen, zu kurz kommend, unfähig, bei Seite geschoben ; 
vom frz. böte Strafeinsatz oder nach verlorenem Spiel 
zugesetztes Geld. Vgl. auch der Etymologie wegen « Hat 
mich das Spiel labet (la böte) gemacht (Crambambulilied) ; 
s. D«' Fuss Progr. der rhein. Ritteracademie zu Bedburg 
1873: bat, u. Schm. H, 408. — pätU, v. das Betspiel 
spielen. 

p ät ä r , m. Geldwert von 1 ^/g Sous ; frz. patard ehem. Heller. 

päta, V. nützen, helfen, nur unpers. in Verbindungen wi« 
s pät niks, was päts ? tu helft ün pät khön il;jL*is*priei ; 
mhd. hatten baten, zu ahd. pata Hilfe; M. ebenso. 

p ä t s* , f. Schlag mit flacher Hand an den Kopf, Ohrfeige ; 
M. wäts'; pfalz. batsche ein Schlag auf die Hand, wie 
ihn Kinder zu geben pflegen; ungr. patsch; ndd. bats. 
Ueber die weite Verbreitung des schallnachahmenden 
Wortes vgl. Weinhold 68. — päts*a, v. 1. prügeln, ohr- 
feigen ; M. wäts'a ; 2. beim Falle schallend aufschlagen p 
3. heftig regnen. — pats*l9, v. streicheln ; syn. tats'lo 
(s. d.). — päts*rAi8, m. Platzregen; scherzender Zuruf 
bei der Abreise eines guten Bekannten : 9 kleklixi nbis im 
9 pats*rai9 üf ta khopf! — päts*i, m. ungeschickter, 
unbeholfener Mensch. 

patsi, adj. trotzig, zänkisch, aufgeblasen, eig. petzig; hess. 
henneb. batzig; ungr. patzig, bazig. 

p a X , n. Pech ; p. khd^fa sich schleunigst davon machen ; p. 
an ta hos9 hän in einer Gesellschaft sehr lange sitzen 
bleiben; M. ebenso. — yspaxa, v. schnell davon laufen. 
— pax9s, m. scherzweise für Schuster; Nebenform 
paxörs*. 

päx9, V. backen; Rda. vbm Jbns (od. Äjn) p. Jmd. eine Ohr- 
feige geben; vgl. Augsb. ich back dir eins; mhd. bachen ; 
Mumer bachen; M. ebenso. — päxofa, m. Backofen; 
Murner bachoffen; M. ebenso. — pöxdt, seltener päxot, 
f. was auf einmal gebacken wird : a p. mal, a p. prut ; 
M. päxta. 

I»:ixs* tal tsar , m. Bachstelze; mhd. bachstelze ; M. wäsar- 
s'talts. 

po- Vorsilbe be- : pahüma, pekhüma, v. bekommen, erhalfen: 
hes* äps p.? — palyksa, v. beschwindeln, betrügen, 



— 42 — 

übervorteilen, von belugen abgeleitet : s. D. Wtb. 4, 1455. 

— panämsf, adj. benannt, zu nrihd. benamsen. — 
panawalt, adj. betrunken. 

peial, n. Beil; mhd. bFhel, blel, bii ; ungr. beiha) ; s. D. 
Wtb. 1, 1394. 

pek, m., p1. p^ka, fem. p^kara B